xxxAdmin(Zitat)xxx
Na gut, wir wollen mal nicht übertreiben: Den Verstand kostet es nicht unbedingt, aber ein wenig verrückt muss man schon sein.
Die Preise, die auch wieder für diese Schallwellentour aufgerufen wurden, waren schon nicht von schlechten Eltern. Aber man hat die Wahl und muss es ja nicht buchen. Zumindest gab’s diesmal einen Wohlfühlpreis (im Gegensatz zur Schallwellentour 2015). Da denkt der geübte TUI-Bucher doch: Vielleicht gibt’s ja später noch einen Flexpreis, dann kann man ja getrost noch umbuchen.
Nun ja, zumindest die Hälfte des Gedankens stimmte.
Das Buchungsverhalten würde ich mal als schleppend bezeichnen (soweit ich das aus meiner Sicht beurteilen kann). Was es trotzdem nicht gab, waren Flexpreise.
Am 16. August – und damit nach Ablauf der Umbuchungsfrist von Wohlfühl- auf Flexpreis – gab TUI dann doch noch Flexpreise raus und ich traute meinen Augen kaum. Satte 150 Euro pro Reisender hätte man sparen können!
Das nenne ich dann doch mal eine gut platzierte schallende Ohrfeige mitten ins Gesicht aller Wohlfühlpreisbucher. Da bekommt der Name der Reise doch gleich eine ganz andere Bedeutung.
Fatal erinnert es mich an die Werbung einer Flugbuchungsseite vor noch ca. 2 Jahren:
„Herzlich willkommen an Bord. Bevor wir abheben, möchten wir Ihnen noch mitteilen, dass Herr Müller und Frau Schulze auf den Plätzen 43C und 16F zuviel für ihren Flug bezahlt haben. Familie Meier dagegen hat die Preise verglichen und fliegt für sagenhafte 49 Euro dahin, wo der Pfeffer wächst.“ Oder so ähnlich.
Ist das der Weg, den TUI gehen will? Oder wollen sie es machen, wie ein anderes in Deutschland tätiges Kreuzfahrtunternehmen, dass seine Premium-Bucher regelmäßig durch „Just-Angebote“ vergrätzt?
Zumindest steht für uns eines fest: Sollte es eine dritte Schallwellentour geben und sollten die Künstler uns ansprechen, werden wir AUF GAR KEINEN FALL gleich zum Wohlfühlpreis buchen!
Was wäre das doch für eine lustige Vorstellung: TUI legt eine Reise auf und erst mal fährt keiner mit.
Gut, es ist genauso unrealistisch wie: Die Benzinpreise steigen und ganz Deutschland fährt drei Tage lang nicht tanken.
Aber in meiner Phantasie ist alles möglich und die Gesichter bei TUI würd ich dann zu gern mal sehen.
xxxAdmin(Zitat)xxx
Dienstag, 05. September 2017
So gegen halb neun machen wir uns auf den Weg. Da wir vorhaben, unseren Urlaub im Anschluss der Reise noch um 4 Tage in Hamburg zu verlängern, haben wir uns für einen großen und einen mittleren Koffer entschieden. Mein Mann trägt den großen der beiden Koffer und macht sich schon mal auf den Weg: vier Etagen abwärts.
Ich lasse als Letztes noch mal meinen Blick schweifen: alle Fenster zu? alle Elektrogeräte aus? Halt – das Bügeleisen! Natürlich steht es dort, wo es hingehört und kalt ist es auch schon wieder.
Altes Frauenleiden!
Bewaffnet mit dem kleineren Koffer mache ich auch ich mich auf den Weg nach unten. Normalerweise hält das Wohnen in der vierten Etage einigermaßen fit und die Treppen machen mir nichts aus. Und trotzdem es nur der kleinere der Koffer ist, muss ich beim Tragen den Arm immer etwas anwinkeln, um nicht mit den Rollen an den Stufen hängen zu bleiben. Zwei Etagen lang geht alles gut. Dann zerrt der Koffer immer mehr an meinen Armen.
Man muss mich nicht sehen, man hört nämlich sehr gut, auf welcher Höhe ich mich gerade befinde. Nachdem ich mich dann bis zur letzten halben Treppe herunter klabäustert habe, wird mir wieder klar, welch ungeheures Glück das Verheiratetsein mit sich bringt: Man bekommt kostenlos gute Ratschläge und liebevoll geäußert werden sie auch noch:
„Warum nimmst Du denn den Koffer nicht quer, Schatz? Dann stößt Du auch nicht so oft überall an und es trägt sich besser!“
Jau. Wo er Recht...
Ich äußere mich nicht weiter dazu. Aber ich weiß, dass ich gerade einen Supereinsteiger für meinen Reisebericht gefunden habe. Dies allerdings freut mich dann doch und lässt mich breit grinsen, was wiederum ihn etwas misstrauisch macht: „Iss irgendwas?“
„Nö.“
Pünktlich um 09:42 Uhr geht unser Zug. Der einzige ICE, der vormittags von Leipzig kommend über Berlin nach Kiel durchfährt. Ich geh mal davon aus, dass ein Gutteil der Leute, die mit uns am Berliner Hauptbahnhof einsteigen, auch auf die MS 3 wollen.
Ich brauche keine 5 Minuten um herauszufinden, dass dies auf die beiden Pärchen am gegenüberliegenden Vierer-Tisch auf jeden Fall zutrifft.
Wie gesagt: 09:42 Uhr geht der Zug. Um 09:55 Uhr quillt besagter Tisch über vor Stullenpakten, Zwölfer-Knoppers-Sparpacks und Piccolöchen“s“ (und die meine ich jetzt nicht nur in der Mehrzahl, sondern in der Vielzahl, so es diesen Unterschied denn in der deutschen Grammatik gäbe).
Als dann das Servicepersonal aus dem Bordrestaurant erscheint, wird mit schwungvoller Armbewegung auch noch Platz geschaffen für vier Kaffee.
„Und wie isser?“
„Hm. Der Kaffee schmeckt ……. energisch.“
Das find ich klasse! Kurz, treffend und auf den Punkt.
Ich selbst charakterisiere den Geschmack von Speisen ja durchaus schon mal als „unauffällig“ oder auch als „interessant“ (was gemeinhin der kleine Bruder von Schei... ist). Aber „energisch“ für einen Kaffee ist neu und wird ab sofort meinem Wortschatz hinzugefügt.
Die Familie hinter uns ist ganz offensichtlich schon seit Leipzig im Zug. Man hört es deutlich.
Mama hat Whatsapp.
„De Kuuudruuun wünscht uns een scheeenen Urlaub.“
Papa hat von Whatsapp keine Ahnung.
„Wie jeeeehts iahr denn?“
„Kuuudruuun schreibt geraaaade.“
„Was schreeebt se denn?“
„Des weeeeß isch doch noch nisch.“
Oh herrlich.
Die Familie reist mit zwei erwachsenen Söhnen und irgendwie scheint die umsatzstarke Unterstützung diverser Sektkellereien in diesem Wagen zum guten Ton zu gehören.
„Änriggo, ham mir nich do noch eene Flasche Sekt in de Dosche?“
„Aba der Sibbasdschahn muss doch noch de Antibiotikaaa nämen!“
„Dees spielt heide keene Rolle.“
Na Prost Mahlzeit.
Leider steigt besagte Familie dann doch schon in Hamburg aus. Fast bedauere ich es ein wenig. Was gäbe das doch noch für super Unterhaltungen!
In Kiel kommen wir pünktlich um viertel vor eins an und können am Bahnhof gleich unsere Koffer in die Hände der guten TUI-Geister geben. Das finden wir sehr angenehm. Und da das Wetter auch sehr schön ist, entschließen wir uns, den Weg bis zum Schiff zu Fuß zurück zu legen. Ins Seefahrtsmuseum werden wir es heute nicht schaffen. Aber das sollten wir auf keinen Fall aus dem Auge verlieren.
Der Check-in ist super organisiert und so stehen wir schon weit vor 14:00 Uhr an Deck der MS 3 und können der Color Magic beim Auslaufen zusehen.
Diese Reise werden wir zusammen mit lieben Bekannten unserer Karibiktour von vor vier Jahren unternehmen, aber @Königin und @GöttlicheDS sind noch nicht an Bord.
Daher suchen wir uns erst mal einen Platz an der Überschaubar. Zu uns setzt sich dann bald ein Paar, wo sie intensivst das Tagesprogramm studiert.
Na, das kann ja nicht lange dauern.
Und richtig.
„Sagen Sie, waren Sie schon mal hier auf dem Schiff?“
„Ja, kann man so sagen.“
„Können Sie mir denn sagen, in welchen von den Restaurants man bezahlen muss?“
Klar kann ich.
„Und in dem Atlantik-Restaurant wird wirklich bedient?“
„Ja.“
„Und da muss man auch nichts bezahlen?“
‚Nein, ihr AIDA-Fahrer. Hab ich doch schon gesagt.’
„Wissen Sie, wir waren nämlich bisher immer auf AIDA.“
‚Gut, dass sie das erwähnt. Da wär ich allein nicht drauf gekommen.’
„Und wie ist das hier so an Bord mit dem Essen?“
„Entspannt.“
„Wirklich? Wissen Sie bei AIDA ist das ja immer so voll in den Restaurants.“
‚Ja, das weiß ich und ich weiß auch, warum.’
„Das liegt da aber auch nur daran, dass die Leute nach dem Essen immer noch sitzen bleiben, und in den Restaurants weitertrinken, um die Getränke nicht bezahlen zu müssen.“
„Ja, da haben Sie Recht. Wir haben das ja auch immer so gemacht.“
Boah, ich hab grad nicht übel Lust der Dame zu erzählen, dass ich nur „Ich-krieg-den-Tischwein-hier-umsonst-Vernichter“ noch weniger leiden kann als Liegenreservierer.
Mein Mann sieht schon wieder, wie es in mir brodelt, aber er hat Glück. Die @Königin und ihre Familie sind angekommen.
Ach, was ist das schön!
Pünktlich 15:00 Uhr können die Kabinen bezogen werden, was die Lage an der Überschaubar wesentlich entspannt. Irgendwann kommt dann der Mann der Königin wieder und hält uns ganz stolz sein Handy unter die Nasen.
„Doa schau, i hoab oan Foto vom Hartmut Engler gmocht.“
Auf dem Foto ist ein Mann zu sehen, der Hartmut Engler irgendwie ähnlich sieht.
Er hat zwei über beide Ohren strahlende Damen um die Vierzig im Arm.
„Wie bist Du denn dazu gekommen?“
„Na, ich war grad da hinten in der Bar und da waren dann die beiden Frauen. Die haben ihn gefragt, ob sie mal ein Foto mit ihm machen dürfen und da hab ich gleich mit draufgedrückt.“
Hm. Nun weiß man ja, dass zwischen Wirklichkeit und geschöntem Pressefoto durchaus schon mal ein ziemlicher Unterschied klaffen kann. Und schließlich gehen die Jahre an einem Engler auch nicht spurlos vorbei.
„Und warum sollte er sich mit den Frauen fotografieren lassen, wenn er nicht Hartmut Engler ist?“
Unschlagbares Argument!
Gegen 16:00 Uhr machen wir uns dann auch mal auf den Weg und erleben in der Kabine eine Überraschung.
Das ist ja ein Ding!
Hat TUI mich „enttarnt“? Muss ich jetzt meine Kabine selber saubermachen? Oder muss ich am Ende als Strafe für meine Aufregung über den Zeitpunkt der Bekanntgabe der Flexpreise jetzt die Kabinen der Flexpreisbucher zusätzlich saubermachen???
Von diesen Überlegungen lenkt mich das folgende Blatt ab, auf dem der Konzertablauf für die nächsten Tage aufgelistet ist.
Das ist ein ganz schön straffes Programm. Wenn man da zwischendurch noch essen und schlafen will, wird man wohl zwangsläufig irgendwas verpassen.
Seenotrettungsübung ist um 18:15 Uhr und unser Treffpunkt ist die Abtanzbar auf Deck 5. Als wir nach Ertönen des Notsignals dort ankommen, werden wir vom freundlichen Personal registriert und uns wird angeboten, dass wir uns – wenn wir wollten – wahlweise auch in das Casino setzen könnten. Dort ist noch reichlich Platz und die Tür, die nach draußen zu den Rettungsbooten führt, steht auch weit offen und sorgt für ordentlich Frischluft.
Über dem Black Jack Tisch hängt der Bildschirm auf dem dann gleich der Sicherheitsfilm gezeigt werden wird. Im Moment läuft der aber noch im „Rauchersalonbetrieb“ und zeigt das folgende Bild:
Einer Dame, die bereits im Casino saß, als wir eintrafen, ist das wohl bereits zu viel.
Anklagend hebt sich ihr Finger in Richtung des Fernsehers, gefolgt von einem beindruckenden Hustenanfall. Ich bin froh, dass sie sich anschließend bis zum Ende der Veranstaltung ihr Tuch über Mund und Nase zieht. Man kann ja nie wissen! Die Frau hustet ja schlimmer als ich nach 30 Jahren Kippe.
Liebe Nichtraucher, wenn ihr wollt, dass die Raucher Euch mit Eurer (verständlichen) Abneigung gegen den Gestank einigermaßen ernst nehmen, dann dürft ihr nicht so übertreiben. Und spektakuläre Hustenanfälle beim Anblick eines DIGITALBILDSCHIRMS mit einer rauchenden Zigarre finde ich definitiv too much. Warum setzt sie sich nicht einfach in die Abtanzbar? Niemand von TUI hat sie gezwungen, ins Casino zu gehen!
Zum Auslaufen finden wir uns alle wieder an Deck ein. Im Gegensatz zum phantastischen Auslaufen vor zwei Jahren aus Hamburg findet dieses Jahr kein Konzert der „Hauptband“ statt. Es findet beim Auslaufen überhaupt kein Konzert statt. Die Künstler werden lediglich vom Kreuzfahrtdirektor kurz vorgestellt und dürfen mal winken. Hm.
Durch das anschließende ausgiebige Abendessen im Atlantik verpassen wir schon mal die ersten Konzerte am Pool und auch das Konzert von Glasperlenspiel im Theater.
So kurz vor 22:00 Uhr sind wir dann wieder auf Deck 12 und ich mache eine erstaunliche Erfahrung.
Als im Vorfeld der Reise die Künstler bekannt gegeben wurden, hab ich bei dem Namen Kerstin Ott nur die Schultern gehoben.
‚Was will die denn da?’, war mein Gedanke.
Das einzige Lied, welches ich kannte, war dieses „Imala“.
Wieso – so dachte ich damals – singt sie die Strophen in deutsch und wechselt dann beim Refrain in dieses unverständliche „Imala“?
Wochen hatte ich gebraucht, bevor ich begriffen hatte, dass es ja „immer lacht“ heißt. Erst dann erschloss sich mir der Sinn des Songs.
Entsprechend gedämpft war meine Erwartung, aber es kam, wie es noch öfter kommen sollte auf dieser Reise.
Hiermit oute ich mich nun öffentlich als neuer Fan von Kerstin Ott. Und alles begann an diesem etwas zugigen Abend am Pool der MS 3. Sie macht ehrliche, handfeste Musik mit Texten, die wirklich was zu sagen haben (wenn man mal von meiner „Imala-Irrung“ absieht).
Für mich persönlich schon mal ein Superauftakt in diese Reise.
Anschließend ziehen wir um in die schon ziemlich gut (über-)füllte Schaubar zu Jonathan Zelter. Auch diesen jungen Mann kannte ich bisher nur dem Namen nach. Aber ihm verdanke ich die zweite Überraschung dieser Schallwellentour. Leise, melodische Musik mit Texten, die unter die Haut gehen. Allen, die neugierig geworden sind, empfehle ich mal in „Sei immer Du selbst“ oder „Du bist die Farbe“ reinzuhören.
Irgendwann so gegen zwei in der früh kommen wir an der völlig überfüllten Abtanzbar vorbei. Ich werfe nur einen kurzen Blick hinein.
Oh, hier feiern die Künstler wohl höchstselbst. Ob sie alle da sind, kann man in diesem Gewühl unmöglich erkennen.
Vom Band kommt außerdem gerade mein neues Lieblingslied und vor mich hinsummend, finde ich dann auch den Weg ins Bett.
xxxAdmin(Zitat)xxx
