Beiträge von Joean

    Frage: Wann glaubst Du, wird dieses Schiff ohne Macken buchbar sein?

    Hallo @'deern_vonne_elw,

    das kann ich überhaupt nicht beurteilen. Da hilft nur immer fleißiges "am-Ball-bleiben" und sicher wird man dann mal auf dem einen oder anderen Kreuzfahrtnachrichtenportal entsprechende Hinweise finden. Aber ich als laienhafter Ex-Reisender kann dazu noch nicht mal ansatzweise eine Vermutung äußern.

    LG Joean

    Liebe Foris,

    zunächst einmal vielen Dank für eure zahlreichen lieben Kommentare.


    Heike0113 Ich wünsche Dir weiter gute Besserung und freue mich immer, wenn ich helfen kann.


    shape155 wenn Du brauchbare Bilder von der Sauna hast oder von der Main Lounge, dann kannst du sie gern hier einstellen.

    Du es wirklich geschafft hast, das Desaster humoristisch zu schildern

    uschisiggi Sowas nennt sich Galgenhumor ;)



    Eure Kabine finde ich - abgesehen von den eingeklemmten Kissen im Schrank - :D richtig chic

    andreaO Bevor das Housekeeping kam, hab ich die Kissen aber immer brav entfernt - was soll sie sonst von uns denken!


    Ich muss ihn mir noch 1-2 mal durchlesen

    Jacky79 guter Plan :thumbup::thumbup::thumbup:


    ...Wellness ist auch hier an Bord ein Thema und so stapeln sich in den Regalen unzählige Kanister mit Massagecremes, Peeling-Gedöns und Ayurveda-Öl-Matsch. Schnell greife ich zu und verteile wahllos den Inhalt dieser Kanister auf dem gesamten Fußboden.


    Bäh, was gibt das für eine glitschige Pampe!!!


    Kaum bin ich damit fertig, höre ich Stimmen.

    Ja, ich weiß, was der eine oder andere sich jetzt denkt, aber die Stimmen hier sind echt!


    „Durchsucht die Lounge!“, ruft mit lauter Stimme mein Hünen-Richard in Weiß.

    ‚Ja, macht mal und lasst euch Zeit dabei! Ach übrigens: schön, dass kommandieren schon wieder geht.‘

    „Und schaut auch unter den Tischen nach!“

    ‚Ich muss doch wohl sehr bitten!‘

    „Und auch unter den Bänken und Sesseln!“

    ‚Was – mein junger Pardawan – veranlasst dich zu diesem Gedanken? Und wie stellst du dir vor, dass ich da drunter kommen sollte? Pfundweise?‘


    Inzwischen stehe ich hier schon knöcheltief im selbstfabrizierten Wellnessmatsch.

    Für einen ordentlichen Vorsprung müsste das doch nun reichen, denke ich mir und steuere langsam auf die Hintertür zu.

    Das dort "Crew only" dran steht, ist mir in diesem Moment ziemlich egal. Hinter der Tür ein Treppenhaus - hoch macht keinen Sinn, also abwärts. Im Treppenrunterrennen bin ich auch definitv besser als andersrum.


    Von oben höre ich dann noch, wie sich mein Suchtrupp Richtung Spa-Bereich bewegt.

    Gerade als ich am Fuß der Treppe angekommen bin, passiert es.

    Vielsprachig wird geflucht und gestöhnt, als sie die Türe öffnen.

    ‚Hals und Beinbruch, Männer.‘


    Und während sie über und über mit Wellnessprodukten besudelt, verzweifelt versuchen wieder auf die Beine zu kommen, finden sie ja vielleicht nach alter Ayurveda-Tradition auch ihre körperliche und geistige Mitte. Ich befürchte allerdings, Undank wird auch hier der Welten Lohn sein.


    Auf meinem Weg abwärts – und ich will mal stark hoffen, dass der nicht symptomatisch ist – bin ich nun auf dem untersten Deck angekommen.


    Hinter der Tür mit der Aufschrift „Engine“ öffnet sich für mich eine neue unbekannte Welt. Eine Welt voller schmaler Gänge, schwer erreichbarer Ecken, unzähligen Wandverkleidungen und hunderten Geräteschränken – kurz: eine Welt voller (Versteck-) Möglichkeiten.


    Ich könnte ja hier vielleicht auch in bester MacGyver-Manier irgendetwas basteln, was meine Verfolger zur Aufgabe zwingt. Aber: Ich habe keinen Kugelschreiber!


    Und in meiner Erinnerung bastelte MacGyver immer etwas, wo ein Kugelschreiber eine Rolle spielte. Und wenn ich MacGyver sage, dann meine ich nicht dieses lächerliche inspirationslose Remake, das letztens noch im Fernsehen lief, sondern natürlich das charismatische Original aus den 80ern.


    Damals sahen die Helden auch noch aus wie Helden. Der Richard war schnucklig (insbesondere so ganz in weiß), der Mac war pfiffig (und auch schnucklig) und der Terminator hatte noch Muskeln. Ist eben alles nicht mehr das, was es mal war!


    Es hilft aber keinem, wenn ich mich hier in romantische Erinnerungen an vergangene Zeiten verliere. Und bevor das hier zu einer verklärten Rückschau verkommt, sollte ich mir lieber etwas einfallen lassen.


    Suchend drehe ich mich auf der Stelle um. Eine Idee - ich brauche eine Idee! Irgendetwas womit ich meine Stellung hier halten kann.


    Dann plötzlich fällt mein Blick auf den Feuerlöscher, der an der gegenüberliegenden Wand hängt.

    Na klar! Das ist es!


    Mit letzter Kraft reiße ich das Gerät von der Wand. Es ist mir völlig wurscht, ob aus dem Teil Konfetti rauskommt oder Atomstaub. Damit werde ich meine Verfolger auf jeden Fall aufhalten können.

    Und zur allergrößten Not kann ich das Dingens immer noch werfen - obwohl...


    Wer im Laufe der Jahre immer mal wieder meine Reiseberichte verfolgt hat, dem erzähle ich jetzt ganz bestimmt nichts Neues. Allen anderen erzähle ich es jetzt: Sport gehört nicht gerade zu meinen Kernkompetenzen! So ausdauermäßig ging’s ja noch, auch Weitsprung war akzeptabel, aber alles was irgendwie mit Armen und Werfen zu tun hatte, gipfelte regelmäßig in der totalen Katastrophe! Und zwar nicht nur für mich, sondern für alle Beteiligten!


    Ich weiß ja nicht, wie's heute ist, aber in den Siebzigern war der Schlagballweitwurf elementarer Bestandteil des sportlichen Lehrplans. Besagter Schlagball war ein tennisballgroßes Teil aus Leder mit ungefähr 80g Gewicht.

    Ich denke, es war so mit zwölf oder dreizehn und es ging um die Wertung für den Erhalt dieses - aus meiner Sicht - völlig wertfreien Sportabzeichens. Dafür musste dieses Dingens mindestens 30 Meter weit geworfen werden.

    Also: der Ball, nicht das Abzeichen!


    Bei mir sah das dann so aus, dass ich diesen blöden Ball mit aller Kraft gute 10 Meter weit schleuderte und dann - um auf die Weite zu kommen – 20 Meter zurückrannte.


    Man macht sich ja keine Vorstellung, wie fantasielos so ein Sportlehrer reagieren kann...


    Und wenn ich mir dann jetzt diesen Feuerlöscher angucke, der gut und gerne 20 kg hat, dann.... kann ich froh sein, wenn ich mir das Teil nicht schon beim Ausholen auf die Füße fallen lasse. Aber darüber mach ich mir Gedanken, wenn es soweit ist und der Wille verleiht ja bekanntlich auch Flügel...


    „Hier drin muss sie sein. Der Chief Ingenieur sagt, er hätte Geräusche gehört.“


    Na, dann: Showdown….


    Ich brülle aus voller Kehle: „Hasta la vista, Baby!“ und stürze mich nach vorn.


    In diesem Moment ertönt ein ohrenbetäubender Knall...


    Ich schrecke hoch und registriere gerade noch, wie die Badtür ins Schloss fällt. Frisch geduscht und ausgesprochen gut duftend steht mein Mann neben dem Bett.


    „Sag mal, willst du nicht mal langsam aufstehen?“


    ‚Och nö. Doch nich ausjerechnet jetzt!’


    Nur langsam gelingt es mir, in die Realität zurück zu finden. In der Zwischenzeit ist mein Mann schon dabei, sich anzuziehen.


    „Sach mal, watt hälste eijentlich davon, heute mal die weiße Hose und datt neue Polohemd anzuziehen?“


    „Das weiße?“, fragt er.


    „Jennnau datt!“


    Ja, jedes Happy End ist eben doch immer ein kleines bisschen anders und es kann ja nicht schaden, dabei manchmal ein wenig nachzuhelfen! :love::love::love:


    P.S.

    Ich danke allen, die sich von mir haben mitnehmen lassen auf eine Reise, die wir uns vorher so niemals hätten vorstellen können. Ich danke allen, die sich an meine Bitte gehalten haben - auch wenn es euch sicher manchmal in den Fingern gejuckt hat...

    Ich habe noch einige Fotos, von Bereichen, die in meinem Bericht bisher keine bildliche Rolle spielten. Diese werde ich in den nächsten Tagen noch einstellen, damit die Sache hier auch "rund" wird.


    Und nun freue ich mich über eure Kommentare, Fragen und alles, was euch noch einfällt.


    LG Joean





    Mittwoch, 18.09.2019 (zurück in Hamburg)


    Nun ist er also doch gekommen. Dieser fiese Moment am letzten Morgen. Fast die ganze Nacht konnte ich deshalb nicht schlafen. Am Fenster stehend habe ich die Sonne aufgehen sehen auf unserem Weg zurück in den Hamburger Hafen. Ich habe die Silhouette dieser Stadt, den Burchardkai, die Türme des Michel und der St. Katharinenkirche, den Umriss der Elphi im dunstigen Schleier dieses frühen Morgens in mich aufgesogen, als wäre es das letzte Mal.

    Aber es ist das letzte Mal. Dies soll nun wirklich mein letzter Morgen an Bord dieses Schiffes sein – nichts anderes beherrscht meine Gedanken. Und ich fasse einen Entschluss.


    Zunächst einmal gehen wir noch frühstücken. Unsere Sachen sind natürlich bereits fertig gepackt und ich weiß es so einzurichten, dass sich in meinem Fotorucksack alle wichtigen Dokumente und Kreditkarten befinden. Mein Mann ist ahnungslos – und das ist auch besser so!


    Just in dem Moment als wir die Kabine verlassen und uns auf den Weg zur Ausschiffung machen wollen – mein Mann steht schon auf dem Gang – da sage ich: „Mist. Ich muss noch mal ins Bad. Geh Du doch schon mal vor.“


    ‚Es ist besser, wenn Du nichts weißt, Baby.’

    Ein Satz wie er in den „Stirb langsam“-Filmen unzählige Male gefallen ist.

    Ich schließe die Tür wieder hinter ihm, schleppe einen der Sessel heran und verkeile ihn unter der Tür. Das hab ich auch im Film gesehen und es hat immer funktioniert. Fernsehen bildet.


    „Ich will hier nie wieder weg.“, erinnert ihr Euch an meinen ersten Satz als ich vor fünf Tagen diese Kabine betrat?


    Wieder am Fenster stehend frage ich mich, was dieser Tag noch bringen wird. Noch könnte ich zurück, aber das ist nur eine theoretische Möglichkeit. Ich zieh das hier jetzt durch!


    Irgendwann klopft es an der Tür. Auf dem Gang wird nach mir gerufen. Dann ist wieder Ruhe. Aber ich mache mir keine Illusionen. So einfach wird es nicht sein.


    Zehn Minuten später wieder Getrappel vor meiner Tür. Diesmal sind es mehr Stimmen.


    „Mrs. Ho…, sind Sie da drin? Geht es Ihnen gut?“

    ‚Ist mir nie besser gegangen.’


    Eine Karte wird ans Schloss gehalten. Natürlich geht die Tür nicht auf. Dafür hab ich ja gesorgt.


    Guter Film!!!


    Wieder Stimmen. Ein zweiter Versuch mit der Schlüsselkarte. Gleiches Ergebnis.


    Sehr guter Film!!!


    Erneut ist ein paar Minuten Ruhe. Ein kurzer Aufschub!

    Ein mächtiges Wummern gegen die Tür lässt die Fenster erzittern.

    Gut – dann soll es wohl so sein.


    Ist Euch schon mal aufgefallen, dass wenn in einem Film irgendwo eine Tür aufgetreten werden soll, davor immer relativ viel Platz zum Anlaufnehmen ist? Ein breiter Flur, ein anderes großes Zimmer, ein Riesenhauseingang. Das alles gibt es hier nicht. Das hier ist das wahre Leben – nicht im Ansatz vergleichbar mit einem Drehbuch.


    Irgendeine Möglichkeit müssen sie dann aber doch gefunden haben, denn urplötzlich bricht mit einem ohrenbetäubenden Knall die Tür komplett aus den Angeln. Gerade noch so kann ich mich ducken, bevor eines der Sesselbeine nur ganz knapp neben mir in die Fensterscheibe einschlägt.


    Immer noch stehe ich in der entferntesten Ecke des Raumes und nehme die Truppe, die sie mir geschickt haben, in Augenschein. Was für ein netter erster Eindruck!


    Immerhin: ein Offizier. Anfang dreißig – höchstens. Ausgeprägte Muskeln genau an den Stellen, wo Frau sie erwartet und wo sie gemeinhin auch hingehören. Zumindest soweit ich das erkennen kann. Dies alles verteilt auf geschätzten einsachtundachtzig mit blonden Haaren und meergrünen Augen.

    Ja, ich weiß – dieser Mann ist das pure Klischee, aber ich kann’s doch auch nicht ändern.

    Was mich allerdings endgültig aus der Fassung bringt, ist diese weiße Uniform. Keine Ahnung, ob es anderen Frauen genauso geht, aber auf mich machen Männer in Uniform wahnsinnig Eindruck.


    Um Euch den Anblick, der sich mir bietet etwas vorstellbarer zu machen, empfehle ich, Euch Richard Gere in „Ein Offizier und Gentlemen“ vorzustellen. Und zwar die Szene am Ende, wo er seine Freundin (deren Namen ich mir nie merken konnte und der - ich muss es leider so sagen – weder für die damalige noch für die heutige Geschichte irgendeine Relevanz hat) auf den Armen aus dieser Fabrik rausträgt und dabei diese unwahrscheinlich schicke tolle einen wahnsinnsbodymachende maßgeschneiderte schneeweiße Uniform anhat. Die etwas Älteren unter Euch werden sich möglicherweise erinnern.


    Ich liebe dieses Happy End. Allerdings befürchte ich, bei mir wird es mehr End sein und weniger Happy haben.


    Dieser durchtrainierte Adonis kommt also langsam auf mich zu. Seine Lippen bewegen sich – er scheint mit mir zu reden. Und während ich noch darüber nachdenke, warum ich denn nichts höre, reagiere ich leider die Winzigkeit einer Sekunde zu spät. Schon hat er mich um die Hüften gepackt und versucht, mich Richtung Ex-Tür zu ziehen.


    DAS IST ABER NICHT NETT!!! Sowas hätte Richard niemals nötig gehabt!


    Immerhin hab ich es kurz vor dieser Aktion noch geschafft, mit der einen Hand die Gardine und mit der anderen die Fensterbrüstung zu packen. Dort krall ich mich nun fest.

    Er zerrt immer noch an mir, sodass ich die Fensterbrüstung sausen lassen muss und mich mit beiden Händen in der Zimmerdeko verbeiße.

    Inzwischen hat er mich ausgehoben und ich hänge nun fast waagerecht in der Luft – die Gardine mit mir.

    Während er weiter probiert, mich Richtung Ausgang zu bugsieren, kann ich mich in seinen Armen etwas drehen und meine Füße versuchen nun, nach diesem verkappten Unterwäschemodel zu treten.

    Was für eine absurde Situation!


    Er strebt nun noch entschlossener mit mir auf seiner Schulter Richtung Ausgang und da macht es plötzlich "klick" und kurz darauf nochmal "klick" und dann "klickklickklickklick". Der Schwerkraft folgend reißen nun alle Gardinenklipse aus ihrer Halterung.


    'Wenn du gedacht hast, ich lasse das Stück Stoff nun los, hast du dich aber geschnitten!'


    In dem Moment in dem er mit mir auf den Gang einbiegt, hole ich aus und lasse die Ex-Gardine wie ein Wurfnetz in Richtung seiner Begleiter segeln.


    Volltreffer! Die sind wir erst mal los!


    Da meine Hände ja nun wieder frei sind versuche ich, irgendwo anders Halt zu finden. Dieser Aktion fallen leider die meisten der teuren Gemälde, die hier an den Wänden des Kabinenganges hängen, zum Opfer.


    Au Backe!


    Wenn ich sie einfach nur runtergerissen hätte, würde es ja noch gehen! Aber aus meiner erhöhten Position auf seiner Schulter komme ich prima an die Düsen der Springleranlage...


    Und - ihr ahnt es, oder?


    Den anderen sei gesagt: Wenn man diese Dinger erst mal aus der Decke rausgerissen hat, dann erledigt das ausspritzende Wasser den Rest!


    Und schwups, den schnieken Teppich können sie gleich mit abschreiben!


    Inzwischen sind wir sind an dem Fahrstuhl angekommen und ich merke, dass der Recke unter mir nun doch so langsam anfängt, zu schnaufen. Es ist eben doch ein Unterschied ob man in der Muckibude Gewichte stemmt oder ..hmhmh..zig Kilo geballten Willen auf den Schultern trägt.


    Allen Frauen, die wie ich, einige Kilo zu viel mit sich rumschleppen sei gesagt: Das hat auch Vorteile. Frau muss sie nur finden. Und ich finde!


    Als er dann nämlich etwas atemlos vorm Fahrstuhl Anstalten macht mich abzusetzen, nutze ich das Überraschungsmoment, drehe mich blitzschnell in seinen Armen und komme frei.

    Ich stemme mich rechts und links am Fahrstuhlzugang ab, hole aus, schwinge mich hoch und trete mit beiden Beinen gegen die Heldenbrust des schmucken Offiziers.


    Hah! Um so gelenkig zu sein wie ich, hätte sich selbst Jackie Chan in seinen besten Zeiten erst mal ´ne halbe Stunde warmturnen müssen! Das "Uff" des Recken kommt zeitgleich mit dem "Pling" der Fahrstuhltür. Wo fahr ich überhaupt hin?


    Aufgrund seiner übersichtlichen Größe als Expeditionsschiff gibt es hier nur acht Decks, fünf davon für Passagiere. Ich lande folgerichtig da, wo normalerweise das Bordleben tobt - auf Deck sieben. Hier befinden sich die Observatory Lounge mit der Glaskuppel und der Spa- und Fitnessbereich. Damit scheine ich hier die besten Chancen zu haben, mich unentdeckt zu verschanzen.


    Ich muss ja nur so lange "durchhalten", bis das Schiff heute Abend den Hamburger Hafen wieder verlässt.


    Die World Explorer geht dann auf eine weitere Reise südwärts entlang der Westküste Europas. Dabei werden so seltene Häfen wie Brügge, Saint-Malo oder Port Médoc angelaufen - echte Traumziele, in die man mit den großen Pötten niemals direkt kommen wird. Das Schiff macht seinem Namen damit wirklich alle Ehre und ich will mehr davon - ganz viel mehr! Ist das denn wirklich so schwer zu verstehen?


    Ich meine, es hätte doch so simpel sein können! Lasst mich einfach hier - und alles ist gut!

    Ich würde mich ja auch nützlich machen, so isses ja nich!

    Kreuzfahrtdirektorin z.B. würde mir liegen - mal so als Angebot.

    Und an Seetagen könnte ich höchstpersönlich zur Unterhaltung beitragen, indem ich Lesungen aus meinen Reiseberichten anbiete. Zu irgendwas muss das ganze Geschreibsel doch taugen!


    Aber wenn ihr das nicht auf die nette Tour wollt, dann eben so!


    Suchend sehe ich mich um. Also: die Lounge scheidet schon mal aus: Zu wenig Möglichkeiten, sich zu verstecken. Und mal ganz im Ernst: Mich unter einem Tisch zu verkriechen ist nun echt unter meiner Würde.


    Daher wende ich mich dem Spa-Bereich zu. Etwas orientierungslos laufe ich zunächst durch die Räume. Als ich dann nach einer gefühlten Ewigkeit die Tür zu einem kleinen Lagerraum öffne, sehe ich meinen Plan so glasklar vor mir, wie einen Bergsee in der Morgensonne...












    Dann Treffpunkt im Ratskeller zum Mittagessen. Und nun klärt sich, was alles mit „L“ anfängt und mit „S“ aufhört.


    Lachs – theoretisch richtig, praktisch falsch

    Lakrits – auch theoretisch falsch, nur ernstgemeinte Vorschläge bitte!

    Leberkäs – theoretisch schon richtig, aber: sind wir hier in Bayern?

    Labskaus – 100 Punkte für den Kandidaten!


    Wenn man die Gesichter und die Tonlage mit der sie „Labskaus“ aussprechen richtig deutet, hatten die meisten wohl doch eher auf Lachs getippt.

    Sagen wir mal so: GöGa und ich hatten schon die hundert Punkte vermutet und trotzdem auf den Lachs gehofft. Aber: so verkehrt hat es dann gar nicht geschmeckt! Und das Spiegelei oben drauf war super!




    In der anschließenden Freizeit bummeln wir noch ein wenig durch die Gegend und gruseln uns ordentlich im Bleikeller.

    Alles in allem ein wirklich interessanter Tag für mich, der mir beigebracht hat, dass Bremen eben doch mehr ist als nur Neue Vahr. Insbesondere im Schnoor hätte ich gern mal einen Tag Zeit, um mich dort so richtig zu verlaufen.

    Sollten wir irgendwann mal wieder ab Bremerhaven eine Kreuzfahrt starten, stünde Bremen für eine Vorübernachtung durchaus zur Disposition.


    Pünktlich um 15:00 Uhr rollt unser Bus dann leider schon wieder Richtung Bremerhaven und damit Richtung Schiff.


    Auf der Fahrt hören wir im Autoradio die Unwetterwarnung des deutschen Wetterdienstes, betreffend die Deutsche Bucht, die Elbe bis Hamburg und das ganze nördliche Niedersachsen. Windstärken bis 9 sind auch für das Binnenland vorhergesagt.

    Super. Deutsche Bucht und Elbe liegen ja heute Nacht auf genau unserem Weg!

    Und in Bremerhaven ist es selbst an der Pier schon ziemlich trubelig.




    Beim Essen schauen dann auch immer mal wieder einzelne Brecher bis hoch an die Fenster des Restaurants auf Deck 4 vorbei. Aber das tut dem Appetit keinen Abbruch.


    So langsam wird es Zeit für mein abschließendes Fazit: Das Schiff an sich kann nicht dafür, dass es so derart schlampig und lustlos zusammengezimmert wurde. Die Idee, die irgendwann mal der ganzen Sache zugrunde gelegen haben muss, kann ich immer noch erkennen und ich kann sie gutfinden.


    Auch wenn ich mich gebetsmühlenartig wiederhole bin ich der Meinung, dass es auf lange Sicht (8-10 Jahre) für die Reedereien erfolgversprechender sein wird, kleine Schiffe auf exklusive Routen zu schicken als ständig neue große Pötte an den Start zu bringen.


    Zurück zum World Explorer: Was uns richtig gut gefällt ist Einrichtung, Lage und Aufbau der Observation Lounge auf Deck 7. Hier einige Bilder, die wir noch in Hamburg gemacht haben, weil's da noch so schön leer war.










    Auch die Kabinengröße einer der unteren Buchungsklassen wie der Infinity-Kabine ist sehr gut. Die Idee mit der absenkbaren Fensterfront ist spitze. Auch das Bad unserer Kabine ist deutlich geräumiger als bei vergleichbaren Kabinen auf anderen Schiffen.


    Ansonsten gibt es hier aber so viele kleine und große „Baustellen“, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

    Und mit „Baustellen“ meine ich nicht nur all die kleinen Kleinigkeiten, die in den Kabinen oder den öffentlichen Räumen nicht fertig geworden sind. Die lassen sich beim geplanten kurzen Werftaufenthalt vor der Transatlantiküberquerung sicher beheben.

    Ich meine eher sowas wie die Bestuhlung des Restaurants, einen notwendigen Umbau zur besseren Nutzung des Buffets, die zu kurz geratenen Dächer der beiden Poolbar’s, von denen das Regenwasser direkt auf den Tresen tropft.

    Die Sache mit dem Tender liegt mir sehr im Magen. Und ist die Mannschaft befähigt, mit den Zodiaks umzugehen? Entertainment und Infotainment – ich erwähnte es bereits.


    Verdient der World Explorer seine selbstverordnete 5-Sterne-Bewertung? Aktuell, auf gar keinen Fall!

    Kann ich derzeit irgendjemandem guten Gewissens die Buchung einer Reise auf diesem Schiff empfehlen? Ganz klares Nein.


    Trotzdem sollten alle, deren Interesse eher bei außergewöhnlichen Routen als bei ausgelutschten Häfen liegt (und damit meine ich jetzt nicht Esbjerg und Bremerhaven) weiter ein Auge auf dieses Schiff haben. Es kann etwas richtig Gutes draus werden, aber dazu braucht es noch Zeit, viel Zeit und es braucht auch den Mut, alles und jeden auf den Prüfstand zu stellen.


    5 Sterne (auch wenn sie selbstverordnet wurden) sind ein unwahrscheinlich hoher Anspruch, der erworben sein will.

    Täglich, immer wieder, bei jedem Gast neu.



    Dienstag, 17.09.2019


    Pünktlich um 07:00 Uhr macht der World Explorer in Bremerhaven fest. Fast hätte ich das verpasst, aber dann schaffe ich es doch noch gerade rechtzeitig auf das Observation Deck vorn am Bug. Vorsichtig erkundige ich mich bei dem Matrosen, ob ich überhaupt hier sein darf und ob er etwas dagegen hätte, wenn ich ihn fotografiere.

    Die Antwort seht ihr hier:








    Danach gehen wir erst mal frühstücken. Am heutigen Tag hat Nicko Cruises für alle Gäste die dies wollen, kurzfristig einen kostenlosen Ausflug nach Bremen mit Stadtführung, Mittagessen und Freizeit organisiert. Als wir dafür so viertel vor zehn vom Schiff gehen, schüttet es in Strömen.


    Mit unserem Busfahrer haben wir großes Glück. Erst mal gibt’s von ihm noch eine kleine Stadtrundfahrt durch Bremerhaven.


    Dabei kommen wir auch an einem traurigen Wahrzeichen Bremerhavens vorbei – der „Seute Deern“ einem historischen Frachtsegler, der im Februar diesen Jahres leider gesunken ist und nun mit ziemlicher Schräglage im Museumshafen sein Dasein fristet. „Und ich hab noch gesagt: Häng das Bild nicht da auf! Mach da keinen Nagel rein!“


    Außerdem versucht er uns etwas zu trösten: „In Bremen soll heute früh die Sonne geschienen haben.“ Von hinten ruft es aus dem Bus nach vorn. „Ich möchte auch so’n Drink, wie Sie hatten.“


    Begleitet werden wir in unserem Bus von der Bordlektorin. Sie ist auch dafür verantwortlich, die Sache mit dem Mittagessen zu regeln.

    „Gibt es Vegetarier hier im Bus?“

    „Was gibt es denn zu essen?“, wird von hinten gerufen.

    „Das wird Sie nicht überraschen“, ist die Antwort. „Es fängt mit L an und hört mit S auf.“

    Ergebnis: Alle, die keinen Fisch mögen, entscheiden sich für Vegetarisch.


    So gegen 11:00 Uhr sind wir dann in Bremen angekommen. Wir bekommen unseren Guide und eine zweistündige, sehr launige Stadtführung, die uns nicht nur ins Rathaus, sondern auch zum Spuckstein der Gesche Gottfried, ins Schnoor-Viertel, bis an die Weser hinunter (mit Blick auf die Alexander von Humboldt I) und die Böttgergasse entlang wieder zurück zum Rathaus führen wird.













    Leider wurde aus dem obigen Beitrag aus Datenschutzgründen einiges entfernt.


    Damit es nicht völlig sinnentstellend wird, stellt Euch für den Montag früh einfach vor, wie von Sylt aus jede Menge Boote auf uns zuhalten. In den Booten hätten Männer und Frauen gesessen und hätte bei uns die Sonne geschienen, hätten ihre Leiber in der Sonne geglänzt. Sie hätten die schönsten Blumenkränze, die man aus Blumen überhaupt flechten kann zu uns herüber geworfen und dann wäre mein erster Gedanke gewesen:


    'Was woll’n die hier?'


    Aloha, eure Joean

    Montag, 16.09.2019


    Irgendetwas ist seltsam! Soweit das Auge reicht, liegt nach dieser stürmischen Nacht noch dieses grau-weiße Gewölk am Himmel. Nur kurz vor dem Schiff – vielleicht so ein, zwei Seemeilen entfernt, leuchtet der Himmel in einem schmalen Streifen tiefblau in Nord-Süd-Ausrichtung.


    Dort liegt Sylt, die Insel der Reichen und Schönen. Die Insel mit dem perfektesten Wetter, das man für Geld kaufen kann. Die Insel mit den vornehmsten Reedhäusern, die sich zwischen die wohlgeformtesten Dünen drücken, bewohnt von den schönsten Menschen mit den dicksten Autos. Kurzum: das Paradies.


    ‚Was woll’n die hier?’, ist mein erster Gedanke.

    Die Frage beantwortet sich schon im nächsten Moment, denn inzwischen sind sie nah genug.


    „Bitte, bitte lasst uns doch zu Euch an Bord. Seit Jahren sitzen wir auf dieser Insel fest, wo alles bis ins Kleinste durchdacht ist, wo alles funktioniert, wo nichts wackelt und wo immer die Sonne scheint. Uns ist soooo laaangweilig! Wir möchten endlich einmal etwas Undurchdachtes und Halbfertiges sehen!“


    „Und warum fahrt ihr dann nicht nach Berlin. Flughafen gucken?“

    „Das verträgt sich doch nicht mit unserer CO2-Bilanz!“

    ‚Ja, nee, iss klar.‘


    „Leute, heut ist euer Glückstag!“


    Während wir an Land gehen, dürft ihr in unserer Kabine die Deckenpanele mal so ausrichten, dass die Abstände einigermaßen gleichmäßig sind. Ihr dürft an schlecht verklebten Fugen pulen, unsere Schranktüren streicheln und mit unseren Lichtschaltern spielen (die teilw. falschrum geklemmt sind und auf der Aus-Stellung das Licht anmachen. Eine Tatsache, die GöGa immer wieder aufs Neue auf die Palme bringt, aber als gelernter Elektriker kann er nun mal nicht aus seiner Haut.)


    Als wir dann zu unserem Ausflug aufbrechen und hinter uns die Kabinentür langsam ins Schloss fällt, gleitet unser letzter Blick über glücklich lächelnde Gesichter.


    xxxAdmin(Gabi77)keine Zitate/copy&pastexxx erlaubt


    Na, war doch wieder gar nicht so schwer, oder?!


    Statt geplant Sylt gibt es für uns heute Vormittag erst mal ungeplant Esbjerg – eine Stadt mit ca. 70.000 Einwohnern. Der Hafen dieser Stadt ist heute der weltweit Größte für die Verschiffung von Windkraftanlagen.




    Am Vormittag bummeln wir etwas ziellos durch die Stadt.







    Das interessanteste kommt aber erst, als wir kurz vor Mittag im Shuttlebus zurück zum Schiff sitzen. In der Reihe hinter uns sitzt ein Pärchen (Mitte/Ende vierzig), die sich über das Getränkepaket im Allgemeinen und Alternativen im Besonderen unterhalten.


    Sie: „Solche Getränkepakete muss man sich immer überlegen. Deshalb lohnt sich ja auch Mein Schiff für uns nicht, aber es gibt ja immer Typen, die das ausnutzen. Weißt du noch, dass Klaus erzählt hat, dass die da teilweise schon um 11:00 Uhr morgens sturzbetrunken sind?“


    An dieser Stelle hat die Dame hinter mir Glück, dass die Bussitze relativ eng sind. Am liebsten würde ich mich jetzt umdrehen und sie ordentlich schütteln.


    So, jetzt im Nachhinein, wo ich hier sitze und das alles aufschreibe, bin ich immer wieder fasziniert davon, wie langlebig und hartnäckig doch Vorurteile sein können. Entstanden sind sie schnell, sie aus der Welt zu räumen dauert ewig.


    Zurück auf dem Schiff erledigen wir nur schnell Unvermeidliches und sitzen dann um 13:00 Uhr im Shuttle nach Ribe. Im Bus treffen wir Mitreisende, die uns erzählen, wie sich unsere weitere Reise gestalten wird. Während wir noch in Esbjerg waren, gab es eine Info der Kreuzfahrtdirektorin, dass morgen (am Dienstag) der World Explorer statt nach Amrum nun nach Bremerhaven fahren wird, um dort an der Columbuskaje zu liegen.


    Wenden wir uns nun aber erst mal Dänemarks ältester Stadt zu – Ribe. Bis zum Anfang des 8. Jhd. Reicht die Geschichte dieser Stadt zurück und bis ungefähr 980 unserer Zeit siedelten hier die Wikinger. Der Besuch dieses Städtchens und seines Doms ist wirklich lohnenswert, kann aber mit Sylt nur ganz knapp nicht mithalten.






    In der kleinen Stadt treffen wir immer mal wieder auf Mitreisende vom World Explorer und kommen mit ihnen – so fernab vom Schiff – auch leicht ins Gespräch. Die Nachricht vom morgigen Besuch in Bremerhaven taugt nicht gerade dazu, die Stimmung steigen zu lassen. Die meisten sind ziemlich angefressen.


    Es ist nicht nur die Masse der kleinen und größeren Mängel und Undurchdachtheiten, die – würde man sie ausdrucken und hinter einander legen – eine Strecke ergäben von Hamburg bis Cuxhaven, sondern es ist vor allem die Schere, die zwischen dem 5-Sterne-Katalogversprechen und der Wirklichkeit klafft.


    Der Tagessatz auf dieser Reise beträgt mindestens 300,- € pro Person – und das ist noch die preiswerte Variante! Auf der nachfolgenden Reise rund um Westeuropa kommt man unter 400,- € Tagessatz nicht an Bord. Und für diese Kohle kann der Gast mehr erwarten als pampige Kartoffeln vom Buffet und lauwarmes Fleisch, mehr als schlagende Schranktüren und eine offensichtlich nicht existente Kommunikation zwischen Kapitän und Kreuzfahrtdirektorin.


    Und weil ich gerade beim Schreiben so schön auf meine Notizen schaue, möchte ich an dieser Stelle gleich noch auf ein anderes Thema kommen…


    Also Ausgangsszenario: Ungeplanter Seetag. Alle Passagiere an Bord statt an Land – eine der größten Herausforderungen, vor die man Küche und Bars stellen kann. Kommt uns ja irgendwie bekannt vor, oder?


    In den bisher existierenden Berichten und Bewertungen wird die Crew des World Explorers durchweg als ausgesprochen freundlich und zuvorkommend beschrieben. Dem kann ich zustimmen, muss es aber ergänzen um „…, aber leider unorganisiert.“ An dieser Stelle stinkt der Fisch vom Kopf.


    Wenn der Bar-Manager nicht von allein darauf kommt, sollte er von seinem Hoteldirektor darauf hingewiesen werden, dass es bei o.g. Szenario durchaus Sinn macht, alles zu öffnen was irgendwie geht, um die Leute bei Laune zu halten.

    Der World Explorer hat zwei Bars, eine in der Main Lounge auf Deck 4 und die Bar in der Observation Lounge auf Deck 7. Von diesen beiden Bars hat nur die auf Deck 4 auf. Die Bar in der Observation Lounge, von der man übrigens den wesentlich besseren Blick auf Helgoland hat, ist dicht.


    Ein zweites schönes Beispiel für „freundlich, aber unorganisiert“ ist folgendes:

    Wie die Welt ja bereits weiß, ist GöGa abends nicht der Weintrinker, sondern bevorzugt auch beim Abendessen sein Bier. Das ist auch überhaupt kein Problem und kann beim freundlich zuvorkommenden Kellner im Restaurant bestellt werden.


    Wer dies tut, sollte allerdings auch unbedingt die englische Variante des Satzes „Ich habe bereits bei Ihrem Kollegen ein Bier bestellt.“ auf Lager haben. Er wird ihn oft brauchen. Unser Rekord liegt bei siebenmal in fünf Minuten. Das nenne ich unorganisiert! Hier ist jeder für alles zuständig. Irgendwie mag ja etwas Richtiges in dem Ansatz stecken, aber nicht, wenn es den Gast nervt!!! Hier ist es am Maitre, seine Leute so zu organisieren, dass man von ihrer Fürsorge nicht erdrückt wird.


    Zurück zum Sonntag:

    Um 13:00 Uhr kommt eine neue Durchsage von der Kreuzfahrtdirektorin, dass der World Explorer bis 17:00 Uhr seine aktuelle (relativ windgeschützte!) Position zwischen Festland und Düne halten würde, um dann nach Esbjerg in Dänemark weiterzufahren. Dort bestünde dann morgen (Montag) die Möglichkeit, von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr an der Pier zu liegen.

    ‚Ist wahrscheinlich besser so, als die Leute einen zweiten Tag auf eine (andere) Insel starren zu lassen’, denke ich mir.


    Die Wellenbewegung ist auch auf unserer aktuellen Position immer noch ordentlich und irgendwann hat sich der randvolle Pool so dermaßen hochgeschaukelt, dass sich Wasser seinen Weg sucht… und natürlich auch findet.






    Um ziemlich genau 14:30 Uhr setzt sich der World Explorer in Bewegung.

    „Ja, ist denn heut scho’ Weihn.. äh, ist denn jetzt scho’ 17:00 Uhr?“, reiben wir uns erstaunt die Augen.

    Keine Durchsage, nichts. Er fährt einfach so los. Kriegen wir zumindest noch ein schönes Bild der langen Anna.






    Als wir so gegen 16:00 Uhr zur Kaffeestunde wieder mal in die Observation Lounge kommen, werde ich schon am Zugang von einem Passagier angesprochen, ob ich bei einer Abstimmung für eine sofortige Rückkehr des Schiffes nach Hamburg stimmen würde.

    ‚Was geht denn hier ab?’


    Um 18:30 Uhr ist dann die Kapitänsvorstellung in der Main Lounge auf Deck 4. Kapitän dieser Reise ist Amadeu Albuquerque. Das Wesentlichste, das ich über ihn rausgefunden habe war, dass er früher für Pullmanntours unterwegs war.


    Die Kreuzfahrtdirektorin informiert die Gäste, dass für morgen 2 Shuttlebusse (leider ohne Guides) zur Verfügung stehen werden. Einer der Busse wird nach Esbjerg reinfahren, der andere den ganzen Tag nach Ribe pendeln. Außerdem sei (rückwirkend ab Reisebeginn) nun für alle Reisenden das Getränkepaket Classic (sonst 29,- € pro Tag pro Passagier) inkludiert. Bereits gebuchte Pakete würden zurückgerechnet.


    Anschließend dann das Willkommens-Gala-Abendessen, unsere erste Mahlzeit ohne Buffet und es ist wirklich sehr lecker.


    Die rd. 150km zwischen Helgoland und Esbjerg gedenkt der World Explorer kriechend zurückzulegen. Mit einer Geschwindigkeit von max. 4,5 Knoten schleicht er sich durch die Nacht. Und was ist das für eine Nacht!

    Leider gibt es ja außer der Geschwindigkeit - als kleine Anzeige auf dem Fernseher - keine weiteren nautische Angaben, aber diese Nacht hat es wirklich in sich.


    Als wir in unsere Kabine kommen, ist die Schranktür des Eckschrankes schon gut unterwegs. Entweder schlägt sie laut krachend gegen den kleinen Wandvorsprung (dessen Sinn ich sowieso nicht verstanden habe) oder sie donnert mit voller Wucht zurück gegen den Schrank. Dass die anderen Schranktüren sich nicht bewegen, liegt einzig daran, dass diese nicht richtig ausgerichtet sind und sich so gegenseitig am Aufspringen hindern.


    Merke: Dies ist der erste Fall von schlampiger Verarbeitung, der bei Seegang Vorteile hat.


    Da aber die Betten sehr großzügig mit Kissen ausgestattet sind, findet sich auch für dieses Problem eine Lösung.




    Nachdem wir dann auch noch die Safetür „ruhiggestellt“ hatten, stand einer ordentlichen Nachtruhe höchstens noch der Sturm im Weg. Schranktüren auf einem Expeditionsschiff sollten allerdings schon mal einem ordentlichen Sturm und Seegang standhalten können!


    Und was war das für ein Sturm! Dieser hier konnte sich locker mit den Stürmen messen, die wir auf den beiden Winterkreuzfahrten nach Norwegen erlebt haben.


    Und jetzt muss ich auch mal eine Lanze für das Schiff brechen. Dafür, dass der World Explorer nochmals fast 70 Meter kürzer ist als die AIDAcara, hält er sich in diesem Sturm hervorragend.

    Natürlich schaukelt es! Aber Leute, das hier ist eine Schiffsreise. Da darf es das!


    In einigen Foren bzw. auf einigen Internetseiten wird gemutmaßt, dass auf dem World Explorer die Stabilisatoren nicht funktionieren würden bzw. dass sie überhaupt nicht eingebaut seien. Das halte ich für ziemlichen Blödsinn. Warum?


    Ein Beispiel: Weder in dieser noch in der vierten Nacht an Bord (in der es wettertechnisch auch wieder heftig zur Sache ging), sagten die beiden Mineralwasserflaschen, die den Gästen zur Verfügung gestellt werden, weder muh noch maff. Die blieben auf der Ablage unter dem Fernseher einfach so stehen. Die dazugehörigen Gläser hatten wir auf dem Schreibtisch stehen. Die standen am nächsten Morgen noch genau da, wo sie abends standen.


    Und das auf einem Schiff, wo angeblich die Stabilisatoren nicht gehen sollen?
    Auf einem Schiff, das angeblich ein Spielball der Elemente gewesen sein soll?

    Leute, macht euch doch nicht lächerlich!


    Die Gruppe, die in Esbjerg das Schiff verlassen wird, wird sich zwei Tage später an den Betreiber einer Kreuzfahrtnachrichtenseite wenden. Dort wird u.a. von einer „Horror“-Kreuzfahrt die Rede sein. Gut, der Begriff „Horror“ definiert sich für jeden anders, hilft aber ganz sicher dabei, einen ordentlichen Batzen Entschädigung rauszuschlagen.

    15.09.2019

    Helgoland oder „Leute, die auf Inseln starren“






    Kaum habe ich meinen Fuß auf Deutschlands Hochseeinsel gesetzt, bricht grenzenloser Jubel aus.

    Kinder mit Fähnchen kommen angelaufen, Wirte brechen fast zusammen unter der Last der Riesenportionen Helgoländer Hummer, die sie mir anbieten, Zigaretten werden mir zugeworfen – in einer Menge, dass ich schon nur vom Auffangen allein einen Raucherhusten kriege und mein Mann wird mit Hektolitern seines Lieblingsrasierwassers übergossen.


    Als wir später auf der Düne einen Spaziergang unternehmen, habe ich nicht die geringste Chance, die geforderten 30 Meter Abstand zu den Meeressäugern einzuhalten.

    Rudelweise kommen mir die Seehunde entgegengesprungen.

    „Mach ein Foto von mir! Mach ein Foto von mir!“

    „Nein, nimm mich! Ich habe gestern extra fetten Fisch gefressen, damit mein Fell heute schön glänzt!“

    „Scheiß auf sein Fell! Ich kann viel süßer gucken!“

    „Wartet, liebe Gäste! Unsere guten Freunde, die Kegelrobben, kommen gleich noch vorbei. Die wollen mit uns aufs Bild.“


    Na! Hab ich gesagt: Ihr kriegt es hin! – oder hab ich gesagt, ihr kriegt es hin?!


    So kurz vor 08:00 Uhr sind wir schon beim Frühstück und können von unserem Fensterplatz aus, dem Tenderboot beim Wellenreiten zuschauen.

    „Na, das wird doch nichts.“

    Und richtig! Um 08:20 Uhr kommt die Durchsage der Kreuzfahrtdirektorin, dass bei diesem Wellengang eine sichere Übernahme der Passagiere vom Schiff auf den Tender nicht möglich wäre.


    Das sehe ich ähnlich – nur bin ich nicht bereit, die Ursache allein beim Wellengang zu suchen. Wir sind schon häufig getendert und es herrschten dabei nicht immer die idealsten Bedingungen. Wenn ich mir hier die Jungs auf dem Tenderboot so ansehe und wenn ich in ihre Gesichter blicke, dann habe ich irgendwie so ein hilfloses Gefühl im Bauch.

    Ja, die Wetterbedingungen sind nicht einfach, aber dabei hilft Erfahrung – die man aber haben muss. Dies scheint mir hier nicht der Fall zu sein. Eine absolut subjektive Einschätzung, wie ich betonen möchte.


    Eine andere Ursache sehe ich in den technischen Gegebenheiten. Bei vielen Schiffen klappt zum Tendern eine Art Ponton aus der Bordwand. An dieser kann dann der Tender anlegen, festmachen und wird so über seine komplette Länge am Schiff gehalten. Dies ist hier nicht vorgesehen. Auf dem folgenden Bild sieht man, dass der Einstieg in das Tenderboot über diese kleine frei hängende Gangway erfolgen soll. (Fangnetz wäre sicher noch gespannt worden.)




    Ich bin mir sicher, dass diese Konstruktion funktioniert – aber eben nur bei Laborwetterbedingungen! Sobald auch nur die kleinste Welle kommt, donnert der Tender gegen diese Leiter – wie sollte er auch nicht, es gibt ja keine Möglichkeit, ihn vernünftig festzumachen. Aus meiner laienhaften Sicht eine entdeckertechnische Fehlplanung, die mit dem Expeditionscharakter des Schiffes wenig zu tun hat.


    Gegen 09:00 Uhr erfolgt dann die endgültige Absage des Landgangs für Helgoland aufgrund der bestehenden Unwetterwarnung. Für den nun zur Verfügung stehenden Vormittag wird den Passagieren ab 11:15 Uhr ein Vortrag im Auditorium angeboten: „Das Handy als Urlaubsbegleiter“ – geht’s noch???


    Auch wenn der World Explorer nicht viel hat, hat er doch zwei Lektoren an Bord, deren Kompetenzen genau dem angepeilten Zielgebiet entsprechen. Wenn ich denn schon Helgoland nicht anlaufen kann oder will, warum versuche ich nicht wenigstens das Interesse der Reisenden zu befriedigen?

    Muss ich das verstehen? Nein, muss ich nicht!


    So schön langsam kocht die Stimmung unter den Passagieren hoch. Vermutungen werden dahingehend geäußert, dass auch die Wahl der Vortragszeit kein Zufall sei. Auf diese Weise säßen die Gäste noch im Auditorium, wenn die Ausflugsboote der Reedereien Helgoland erreichen und ebenfalls aufgrund des starken Seegangs heute den Südhafen anlaufen würden. Warum ginge dies nicht für den World Explorer?


    An dieser Stelle sei erwähnt, dass es sich ja eingebürgert hat, in der Reisebeschreibung Tenderhäfen mit einem ® oder einem kleinen Anker zu kennzeichnen. Im Katalog von Nicko Cruises fehlt für alle drei geplant anzulaufenden Häfen genau dieses ®/Anker. Dementsprechend ist der größte Teil der Passagiere davon ausgegangen, dass der World Explorer auf Helgoland, Amrum und Sylt jeweils im Hafen liegt. Erst einem Schreiben, welches bei Anreise auf der Kabine lag, konnte abschließend entnommen werden, dass es sich jeweils um Tenderhäfen handeln würde.


    Ohne jetzt besonders klugscheißerisch rüberkommen zu wollen, muss ich erwähnen, dass ich mir über genau diesen Punkt schon mal vorher meine Gedanken gemacht hatte. Zwar nicht in Bezug auf Helgoland (da war ich tatsächlich von „Hafen“ ausgegangen), aber hinsichtlich „Hafenlage“ auf Amrum und Sylt hatte ich schon vorher leichte Zweifel. Wenn ich mir die Häfen in den beiden Orten (Wittdün/List) so angesehen habe, stellte sich mir schon die Frage, wie der World Explorer den dort anlegenden Fähren nicht in die Quere kommen will.


    Tenderhäfen mit ® bzw. Anker zu kennzeichnen, ist zwar üblich, aber soweit ich rausfinden konnte, nicht zwingend vorgeschrieben. Wie sagt der Jurist so schön: ‚Was nicht ausdrücklich zugesichert ist, wird nicht Vertragsbestandteil.’ Ja, ja – Wunsch und Wirklichkeit…


    Für uns als Passagiere heißt das: Sollte sich das Wetter bis morgen nicht grundlegend auf „arschglatte See“ ändern, steht auch ein Besuch auf den anderen Inseln in den Sternen. Ob das allen anderen in diesem Moment schon so klar war, wage ich mal zu bezweifeln.


          

    ...tut mir leid für die Teilung, aber mit 10.000 Zeichen pro Beitrag kommt eine wie ich selten aus...



    Gegen 22:00 Uhr startet dann erst einmal die große Auslaufparade. Teil dieser Parade zu sein ist ein wirkliches Ereignis und mit Worten kaum beschreibbar.


    Auf einer Internetseite wurde berichtet, dass die Vorbeifahrt der World Explorer von Land aus sehr enttäuschend gewesen sei. Das Schiff sei „wie ein dunkler Schatten hinter der Mein Schiff 4 hergeschlichen“.


    Ich glaube, hier wird dem Schiff doch Unrecht getan.

    Zu einen wird die Geschwindigkeit durch die Vorgaben der Hafenverwaltung für alle Schiffe der Parade geregelt.


    Zum anderen muss man natürlich auch bedenken, dass der World Explorer schon von seiner Größe und seiner schwarzen Grundfarbe her hinter einer Mein Schiff 4 immer wirken wird wie ein Beiboot. Die für ein Kreuzfahrtschiff ungewohnte Farbgebung des World Explorer macht ihn am Tage zu einem Hingucker, gereicht ihm aber bei so einer Nachtparade leider zum Nachteil. Die am Schiff verbauten blauen Lichter am Bug von Deck 5 und Deck 7 reichten aktuell natürlich bei Weitem nicht aus.


    Sollte der World Explorer nochmals Teil einer solchen Parade sein, wäre es ihm zu wünschen, wenn ein junger Lichtdesigner – der sich z.B. in der Branche erst noch einen Namen machen will – ein Konzept entwickelt, wie sich der schwarze Rumpf vielleicht als Hintergrund für (bewegte?) Lichtprojektionen oder -bilder eignet.


    Sollte dies technisch gelingen, stünde einem absolut glänzenden Auftritt nichts mehr im Weg. Davon bin ich fest überzeugt.



    @all


    So, liebe Foris, nun geht's denn los mit meinem Reisebericht. Ich habe in den letzten Tagen sehr sehr fleißig gepinselt und ich habe 20 Seiten Word-Datei (ohne Fotos) zustande gebracht. Ich werde dies auch alles relativ zügig hier einstellen, aber ich möchte vermeiden, dass sich in diesem Thread eine mehr oder weniger intensive Diskussion zwischen den einzelnen Teilen des Berichts entspinnt. Und glaubt mir: Dieser Bericht schreit danach!


    Deshalb habe ich eine Bitte an alle:


    Likes gerne, aber bitte keine Kommentare bevor dieser Bericht zu Ende ist.

    Ich danke Euch.





    23.09.2019


    Wunsch und Wirklichkeit – das hat wohl jeder schon mal festgestellt – sind zwei Dinge die mitunter gegensätzlicher nicht sein könnten. Dieser Reisebericht wird genau davon handeln – von meinen Erwartungen und von Tatsachen, von Träumen und Realitäten - und es wird an Euch sein, diese beiden Seiten zu unterscheiden.


    Aber keine Angst – ihr kriegt das schon hin! :thumbup::thumbup::thumbup:



    14.09.2019

    Anreise Hamburg und Auslaufen Cruise-Days Parade


    Wer in der Hafencity an der U-Bahn-Station Überseequartier wieder ans Tageslicht kommt, den begrüßt normalerweise schon „sein“ Kreuzfahrtschiff. Weithin zu sehen, weiß leuchtend überragt es die Container des Terminals um ein Vielfaches.


    Wer eine Reise auf dem World Explorer gebucht hat, muss sich schon sicher sein, nicht die Terminals verwechselt zu haben. Das Schiff ist so lütt, dass es sich mitsamt Schornstein hinter dem Hamburg Cruise Center Hafencity verstecken kann.


    Ach und übrigens - eine Sache, die ich gleich am ersten Tag lerne: Es heißt nicht die World Explorer sondern es heißt „der World Explorer“. Mein erstes männliches Schiff. Ich glaube, hier bietet sich mir ein schöner Bogen für mein späteres Fazit.


    Schon das Einchecken ist hier anders als man es gewohnt ist. Hier kommt man noch mit seinem guten Namen an Bord. Der wird dann auf einer Papierliste abgehakt – und das war‘s dann auch.

    „Herzlich willkommen! Gehen Sie ruhig an Bord. Alles andere dann an der Rezeption.“


    Boah, was bin ich aufgeregt! Auf einem 5-Sterne Expeditionsschiff war ich noch nie. Ernsthaft überlege ich, ob ich trotz des noch wolkenverhangenen Himmels meine Sonnenbrille rausholen sollte. Voll freudiger Erwartung sehe ich dem neuen Glanzstück meiner Bordkartensammlung entgegen – ein edel schimmerndes Exemplar, auf welchem mein guter Name in Swarovski-Kristallen gefasst, auf der Vorderseite prangt.


    Was ich dann in die Hand gedrückt bekomme, ist eine einfache weiße Plastikkarte, auf einer Seite nachträglich beklebt mit Pappe, darauf vermerkt die notwendigen Angaben.

    Immerhin öffnet dieses Teil die Tür zu unserer Kabine. Das ist doch schon mal was!


    Wir hatten für diese Reise extra eine Infinity-Kabine (lt. Katalog) gebucht.

    Hintergrund war: Balkon kenn ich – Infinity-Kabine kenn ich nicht.

    Hier gibt es ein bodenhohes Fenster, dessen oberer Teil sich komplett absenken lässt und dann so eine Art Balkonbrüstung darstellt.


    Ich bin sooo gespannt! Und als sich dann die Tür endlich öffnet, stehe ich mit offenem Mund noch halb auf dem Gang und damit Göga im Weg.


    „Ich will hier nie wieder weg.“, sollen meine Worte gewesen sein.

    Lassen wir das mal so stehen!




    Wir finden verschiedene Schreiben von Nicko Cruises vor z.B. das Tagesprogramm und auch den Hinweis auf die geänderte Routenplanung incl. verkürzter Liegezeiten.


    Ursprünglich sollten ja Amrum (15.09.), Sylt (16.09.) und Helgoland (17.09.) angelaufen werden und das jeweils von 08:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Nun werden Helgoland und Amrum vertauscht und die Liegezeiten auf Sylt und Amrum reduzieren sich auf 06:00 Uhr bis 14:00 Uhr bzw. 14:45 Uhr. Was um Himmels Willen unternimmt man früh um sechs auf Sylt???


    Leider finden wir im Tagesprogramm keinen zeitlichen Hinweis auf die Seenotrettungsübung. Da wir eigentlich gern noch mal von Bord gehen möchten um vorm Unilever-Haus ein paar Fotos vom Schiff zu machen, fragen wir an der Rezeption nach.

    „Die muss jetzt bald sein. Inzwischen sind ja alle Gäste Bord.“, lautet die Auskunft.


    „Bald“ ist ein dehnbarer Begriff. Wollen wir doch mal hoffen, dass es sich nicht zu sehr dehnt. Und während wir also unseren Plan ändern und uns in die Main Lounge auf eine Kaffeespezialität begeben, kommt einige Zeit später von der Kreuzfahrtdirektorin folgende Durchsage: „…Die Seenotrettungsübung wird stattfinden, wenn alle Gäste an Bord sind. Im Moment warten wir noch auf einige Passagiere.“

    Na toll, dann hätten wir ja vielleicht doch noch kurz von Bord gehen können.


    Leicht missgestimmt geht’s zurück auf die Kabine, um dann doch mal die Koffer auszupacken.


    Was mich erwartet, wenn ich meinen Koffer öffne weiß ich, was mich erwartet, wenn ich hier die Schränke öffne, weiß ich nicht.

    Hinter den ersten beiden Schranktüren erwartet mich – ja, was eigentlich?

    Dieser Schrank ist ungefähr so tief, wie eine Zigarettenschachtel lang ist. Für das Horten meiner auf Helgoland zu erwerbenden Zigaretten wäre er also prima geeignet.

    Aber ist das der Sinn der Sache? Und was machen Nichtraucher?


    Im Laufe der Fahrt machen Mitreisende mir klar, dass dieser Schrank als Schuhschrank zu verstehen wäre. Nun ist allerdings der Expeditionsreisende an sich ja nicht gerade dafür bekannt, dass er auf schmalem Fuß lebt – von daher möchte ich dieser Erklärung eher keinen Glauben schenken. Peeptoes in Größe 37 nimmt dieses Schrankmöbel ja vielleicht gerade noch auf. Bei allem anderen wird es wohl kapitulieren.


    Unsere Kabine verfügt über zwei weitere Schränke. Hier hat man zumindest die Möglichkeit, Anzüge und Hemden aufzubewahren. Von langen Abendkleidern sollte Frau hier die Finger lassen – für knielang reicht der Platz gerade so aus. Unterm Strich waren wir ja nur 3 Tage + Stunden an Bord. Wie ich hier mein Gepäck für z.B. zwei Wochen unterbringen sollte, ist mir absolut schleierhaft.










    Aber: so wird mir beim Schreiben dieses Reiseberichtes gerade klar – es heißt ja auch der World Explorer. Und DER Entdecker an sich kommt mit vier Schlüppa, zwei T-Shirts und einer Hose locker um die Welt.

    Fazit: Diese Schränke muss ein Mann erdacht haben.


    Und weil wir nun schon dabei sind, schauen wir uns doch gleich mal noch etwas weiter in der Kabine um. Als erstes fällt uns mal auf, dass es keinerlei Möglichkeit gibt, die Jacken nicht in den Schrank zu hängen. Wandhaken an der Türinnenseite oder im Eingangsbereich fehlen leider.

    Hier gleich noch einige Bilder vom sehr geräumigen Bad. Das hat uns sofort richtig gut gefallen.






    Der Flatscreen gegenüber dem Bett sieht beeindruckend aus, hält aber leider nicht das, was ich mir aus Entdeckersicht erhoffe.


    Konkret wäre das:

    • der Empfang öffentlich-rechtlicher Fernsehsender (solange sich das Schiff im europäischen Raum aufhält). Wir haben genau drei Sender, die der Anforderung entsprechen – WDR, tagesschau24, ONE. Dafür sind alle privaten deutschen Sender einschließlich ihrer Spartenprogramme vertreten.
    • sunshime : Nein, wir hatten kein ARD – auch nicht, wenn ich danach die restliche Nacht gesucht hätte!

    • ein Bordportal mit vollständigen! nautischen Informationen, einer Routenkarte incl. zurückgelegter/prognostizierter Route, Wetterkarten und -Vorhersagen, Seekarten und Informationen zu Meerestiefen (wir sind hier auf einem Expeditionsschiff – bitte nicht vergessen!)
    • einem Zugang zu meiner Bordrechnung. Bestellungen in den Bars werden per Smartphone oder Tablet erfasst. Die Kosten unterzeichne ich dann per elektronischer Fingerunterschrift. Einen Beleg erhalte ich nicht – will ich auch nicht und brauche ich auch nicht. Trotzdem würde ich am Ende des Tages ganz gern mal wissen, wo ich stehe.

    Das Abendessen wird an diesem Samstag als Buffet angeboten. Als erstes fällt uns mal die sehr enge Bestuhlung des Restaurants auf. Sitzt man nicht direkt am Gang, ist man auf den good will der Mitreisenden angewiesen, um seinen Platz zu erreichen.


    Leider erreicht auch das Essen an diesem Abend nicht das erwartete Niveau. Dummerweise habe ich vergessen, mir entsprechende Notizen zu machen. Dies muss der Pangasius-Abend gewesen sein und von dem lasse ich ja schon lange die Finger. Dann hatte man die Fleisch-Alternative und die Auswahl zwischen Reis und Kartoffeln.

    Die beiden Laufgänge des Buffets sind eindeutig zu eng bemessen. Ohne intensiven Körperkontakt kommt hier keiner an die Nahrung.


    Dies alles überrascht mich nicht. Hatte ich mich doch in der Woche vor unserer Abreise intensiv mit den bisherigen Erfahrungen unserer „Vortester“ beschäftigt. Hunderte Kommentare auf einem Online-Kreuzfahrtmagazin hatte ich mir durchgelesen. Ich bin den Links auf private Homepages oder öffentlich zugänglichen Dropboxen gefolgt und habe dort Bilder vom Zustand des Schiffes gesehen, die ich niemals für möglich gehalten hätte. Insbesondere die Reisenden, die am 05.08. in Reykjavik an Bord sind, muss ja der Schlag getroffen haben. Zu diesem Zeitpunkt war das Schiff noch eine einzige Großbaustelle.

    Solche Bilder habe ich bisher nur in Fernsehdokumentationen gesehen, wenn vom Umbau oder der Renovierung eines Kreuzfahrtschiffes berichtet wurde – und dann lag es in der Werft.


    Gegenüber dem Zustand Anfang August hat das Schiff inzwischen einige Schritte nach vorn gemacht, aber das selbstgesteckte Ziel ist bisher nur vage am Horizont zu erkennen. Dies wird uns in den kommenden Tagen klarwerden und ich werde später noch näher auf Einzelheiten eingehen.

    Reisebericht World Explorer "Von den Cruise Days auf die Inseln" oder „Sag zum Abschied leise Servus“



    05.08.2019 so gegen 12:40 Uhr


    Was sagen euch die folgenden Daten?


    02.05.2019

    01.06.2019

    13.06.2019

    07.07.2019

    18.07.2019

    29.07.2019

    31.07.2019


    Nein, es sind nicht die Tage des letzten Frühsommers mit den höchsten Temperaturen oder dem wenigsten Niederschlag.


    Es sind die geplanten und damit gleichzeitig auch die geplatzten Termine für die Jungfernfahrt der World Explorer. Und es sind nicht die Einzigen!


    Das Schiff sollte ja bereits seit Herbst 2018 für Quark Expeditions fahren, einem kanadischen Veranstalter. Selbstverständlich wurde auch daraus nichts.


    Zuerst hieß es ja noch es wäre die Jungfernfahrt verschoben. So ab ca. Juli änderte sich die Formulierung in „Erstfahrt“ und irgendwann hieß es dann nur noch: „Fahrt“.


    Heerscharen von Schiffsjournalisten, Bloggern und Youtube-Allesberichtern haben ihre Köfferchen im Laufe dieser Monate hoffnungsvoll ein- und ernüchtert wieder ausgepackt. Sie alle haben es nicht geschafft, einen Fuß auf dieses Schiff zu setzen!


    Und dann - komm ausgerechnet ich!


    Insgeheim war ich ja schon darauf eingestellt, mich in die o.g. Riege stillschweigend einzusortieren und das Kapitel World Explorer der Gnade des Vergessens anheimfallen zu lassen.


    Doch heute – am 05. August - soll der so lange erwartete Tag sein!


    Die World Explorer soll nun doch ihrer eigentlichen Bestimmung nachkommen und endlich, endlich einmal mit Passagieren in See stechen.


    Am 01. August hat sie die Werft im portugiesischen Viana do Castelo verlassen und fährt nun Richtung Reykjavik. So ist zumindest der Plan, der von allen – mir zugänglichen – Agenturen verbreitet wird.


    Fünf Webcams hab ich im Reykjaviker Hafen gefunden. Alle laufen bei mir in Dauerschleife.

    Dort ist es aktuell erst 10:40 Uhr. Auf einigen Traffic-Seiten wird die Ankunft der World Explorer für 12:00 Uhr Ortszeit vorhergesagt, auf anderen für 15:23 Uhr?!


    Eine derart exakte Vorhersage ist mir aber auch schon wieder suspekt!

    Dazu kommt noch, dass die entsprechende Traffic-Seite das Schiff aktuell noch nahe der portugiesischen Küste lokalisiert.

    Ich will mal ganz stark hoffen, dass da nichts dran ist!


    05. August 2019 so gegen 19:30 Uhr


    Berechnet man die zwei Stunden Zeitdifferenz zu Island mit ein, dann müsste doch aber auf jeden Fall jetzt was zu sehen sein!


    Bitte, sei da!


    BINGO!


    Seitdem die Silver Cloud am späten Nachmittag ihren Liegeplatz am Miðbakki verlassen hat, hat man freien Blick auf das Hafenbecken.

    Und da liegt sie dann wirklich. Direkt unterhalb der Harpa – des Konzerthauses in Reykjavik hat sie ihren Platz gefunden.

    Sehr angemessen für ein 5-Sterne Expeditionsschiff – wie ich finde.


    Und so ganz langsam kriecht dann doch in mir die Vorfreude hoch. Nicht mal mehr sechs Wochen…


    LG Joean

    und hier geht's dann zum Anfang des Berichts




    Tina28   Cobupu   tigerdisco   Kati22   Isuledda99   Kaline   uschisiggi   Susi66   Muesi   Bella   KarinM   Tanfrei   nordwind   Nicky75   Saneck70   motobine   Bodenseesonne   Dagl67   herkov   bina.63   whiterose13   andreaO   Gabi46   sonnenscheins   Sola76   Nordfriesin


    Oh Mann, mal drei Wochen nicht da und sooo viele nette Kommentare. Vielen Dank dafür - über jeden einzelnen freue ich mich wirklisch sehr!


    Und ich hoffe, ich konnte vielleicht doch den einen oder anderen davon überzeugen, dass der Winter im Hohen Norden zwar kalt aber eben auch wunderschön ist - und gegen "kalt" kann man sich warm anziehen - auch wenn man dann mal kurz wie eine fast vergessene Figur aus dem Kinderfernsehen aussieht... ^^


    LG Joean


    ...und wenn der Admin irgendwann den zweiten Tag der Tromsø-Rundfahrt wieder freischaltet, dann ist der Bericht auch wieder vollständig.

    14.03.2019 Bergen und 15.03.2019 Seetag auf dem Weg zurück nach Hamburg 523 sm


    Ach Bergen! Was soll ich hier noch zu Bergen schreiben, was nicht schon irgendwo steht.

    Bergen war auf allen unseren Norwegen-Kreuzfahrten immer der letzte angelaufene Hafen. Mit Bergen verbindet sich bei mir das Gefühl: Wenn wir jetzt wieder an Bord gehen, ist der Urlaub so gut wie zu Ende.

    Ganz so weit ist es aber noch nicht. Am Vormittag geht's erst mal wieder vorbei an den vorgelagerten Inseln.










    Für Bergen-Verhältnisse ist das Wetter gar nicht sooo schlecht. Irgendwer hat wohl die Kübel aus denen es vor zwei Jahren noch wie verrückt kübelte, in die Ecke geräumt.

    Also auf zum Spaziergang! Und in Bergen ist der Name Programm. Leider.







    Wir schaffen es sogar bis zur Zwischenstation der Fløibanen und überlegen kurz, ob wir doch noch hochfahren, lassen es dann aber sein.



    Also geht's dann irgendwann wieder abwärts und mit Stopp in der Fischhalle stehen wir schließlich auf genau der gegenüberliegenden Seite.






    Von hier hat man einen schönen Blick auf Tyske Bryggen.





    Einen Tipp hätte ich aber noch: wer in Bergen z.B. mal in die Magic Ice Bar oder ins Aquarium will, der soll mal unter beffen-no gucken. Diese kleine Fähre erspart den langen Fußmarsch um das Hafenbecken herum (zumindest zum Teil).


    Wir sind relativ zeitig wieder an Bord. Unsere Liegezeit soll heute bis 20:00 Uhr sein (an Bord 19:30 Uhr) und ich bin stark mit mir am Ringen, ob ich nicht später so kurz vor knapp doch noch mal vom Schiff runtergehen soll.

    So ein paar Bilder von Tyske Bryggen zur blauen Stunde wären schon toll. Sonnenuntergang ist erst für 19:12 Uhr angekündigt, das wird zeitlich ziemlich knapp.


    Der Fotografenehrgeiz siegt und so mache ich mich gegen viertel nach fünf doch nochmal auf den Weg.

    Kaum bin ich runter vom Schiff, fängt es leicht an zu regnen.

    Na super! Bergen hat was gegen mich. Irgendwann werd ich hier immer nass.


    Als ich am Hanseviertel ankomme, regnet es immer noch leicht. GsD gibt es hier genügend Gelegenheiten, sich unterzustellen.

    Als wenn einer den Hahn zugedreht hätte, hört es plötzlich wieder auf und die Sonne kommt raus. Und dann passiert genau das:





    Das nenne ich doch mal einen versöhnlichen Abschied von Bergen.

    Gegen 21:00 Uhr macht sich dann AIDAaura endgültig auf den Weg zurück nach Hamburg.





    Den ganzen folgenden Seetag wird es wieder ausgiebig und altbekannt schaukeln. Wellenhöhen um die 8 Meter lassen mich den halben Nachmittag auf Deck 6 verbringen, immer in der Hoffnung auf DAS Wellenfoto. Zu diesen Wellenhöhen kommt dann auch noch eine sog. „Kreuzsee“, d.h. nämlich, dass die Wellen aus unterschiedlichen Richtungen kommen und sich teilweise überlagern. Und das kann dann ab und an zu besonders hohen Wellen führen.







    Wenn man sich im Nachhinein die Bilder ansieht, denkt man schnell: ‚So dramatisch sieht das doch gar nicht aus!‘

    Nein, tut es auch nicht.


    Im Fahrstuhl treffe ich eine Dame, die mir sagt, dass sie es in ihrer Außenkabine auf Deck 4 nicht mehr aushält. Immer wieder stünde das Fenster komplett unter Wasser. „Aber dicht ist es. Das muss man ihnen lassen.“


    Erstaunlicherweise wird Deck 6 nicht für Passagiere gesperrt. Gut, denke ich mir, sie werden wissen, was sie tun.

    Es muss so zwischen 15.00 und 16:00 Uhr gewesen sein, da habe ich dann richtig viel Glück.

    Genau da wo ich vor nicht einmal 5 Minuten noch stand, krachen direkt neben dem Schiff zwei dieser gegenläufigen Wellen aufeinander und schlagen hoch bis über die Rettungsboote auf Deck 7. Ich stehe höchstens 20 Meter weiter hinten, sehe diese Wasserwand über Deck 6 zusammenschlagen und bekomme doch nur noch die Spritzer ab.


    Wenn da jemand gestanden hätte, der wäre durch gewesen bis auf die Knochen – wenn er denn da noch gestanden hätte. Ich dachte wirklich, ich hätte schon einiges erlebt – aber wenn auf vergangenen Reisen die Wellen dem Promenadendeck einen Besuch abstatteten, dann war bisher immer schon eine schützende Tür dazwischen.





    Es wird Zeit, ein Fazit zu ziehen:

    Wir sind uns einig, dass es keine dritte Fahrt in den Winter Norwegens geben wird. Zumindest nicht in den nächsten Jahren (und damit meine ich definitiv mehr als zwei!).


    Ansonsten gilt alles, was ich vor zwei Jahren über die AIDAcara schrieb auch für die aura. Vielleicht war es damals auf der AIDAcara sogar noch ein klein wenig mehr …. hyggelig – würden die Dänen sagen.

    Eine Mischung aus gemütlich, kuschelig, warm, tröstlich, einem Zu-Hause-Gefühl… Aber das ist mein völlig subjektiver Eindruck, der z.B. auch geprägt ist, von der großen Herzlichkeit der damaligen Gastgeber.

    Außerdem war das Wetter damals ja wirklich zwei Wochen nur schlecht, so dass viele Aktionen nur drinnen stattfinden konnten. Das ließ die Leute irgendwie von Hause aus schon mal enger „zusammenrücken“.


    Was diese Reise betrifft, so haben wir uns im wahrsten Sinn des Wortes „sattgesehen“. Die Masse der unterschiedlichsten Eindrücke, die wir innerhalb kürzester Zeit gesammelt haben, wird noch etwas brauchen, bis sie zu wirklichen Erinnerungen wird.


    Auch ein Grund, warum ich diese Reiseberichte aus nicht ganz uneigennützigen Motiven hier schreibe.

    Und ich möchte allen danken, die sich mir als „lesende Verarbeitungshilfe“ zur Verfügung gestellt haben.


    14 Tage in denen wir uns manchmal fragten womit wir denn dieses gei.. Wetter verdient haben.

    7 Nächte in denen wir das Polarlicht genießen konnten und in mein kleines (persönliches) Wunder hab ich mich mit dem Gästetalk und der Polartaufe selber reingequatscht.


    Und um endgültig zum Schluss zu kommen und den Kreis dieses Berichtes zu schließen, möchte ich mich noch bei einer anderen große Schnulze bedienen: "Wunder gibt es (eben doch) immer wieder..."



    LG Joean



    P.S.

    Eine nette kleine Randanekdote noch zum Schluss:


    16.03.2019 Heimreise


    In unseren Zug stiegen am Hauptbahnhof in Hamburg besonders viele Leute zu. Unter anderem auch viele AIDA-Fahrer von der Metropolentour der AIDAmar, die ja ebenfalls immer samstags in Hamburg endet.

    Als wir dann kurz vor dem Berliner Hauptbahnhof zum Ausstieg rüsten, kommen wir im Gang mit unserem Gepäck neben diesen Leuten zum Stehen.


    Deutlich sichtbar prangt an einem meiner Koffer ein TUI-Kofferanhänger. Dies bleibt nicht lange unbemerkt.

    Die Dame neben mir nickt ihrem Mann zu und deutet mit den Augen auf meinen Koffer.

    Dann fällt sie (halb flüsternd, aber eben nur halb!) ihr vernichtendes Urteil:

    "Nee, mit denen müssen wir nicht fahren. WIR TRINKEN JA NICHT SOOO VIEL!"

    Und dabei sieht sie mir dann direkt in die Augen.


    Tja, liebe Freunde von Mein Schiff - nun wissen wir alle mal wieder, wo wir stehen! Wenn ihr denkt, ihr bucht bei TUI wegen den schönen neuen Schiffen oder den Bedienrestaurants dann steht ihr mit diesen Gründen ziemlich alleine da.

    In der Wahrnehmung von variobuchenden Aidatischweinvernichtern werden wir IMMER die Alkoholiker bleiben!!!



    Prrroscht!

    Trondheim - zweiter Teil


    Auf dem Rückweg zum Schiff steigen wir dann im Stadtzentrum aus und laufen den Rest.



    Irgendwas muss diese Stadt an sich haben, hier kommt immer einer zu spät. Vor zwei Jahren war's ja auch schon so. Allerdings hatte das Pärchen damals kein Glück und musste auf eigene Faust dann nach Bergen nachkommen. Der Herr, der heute ausgerufen wird, schafft es auch nur mit Mühe und Dauerlauf, nachdem der Kapitän ihm eine Viertelstunde eingeräumt hat.


    In der AIDAHeute wird für 22:15 Uhr ein Hoteltalk mit Hoteldirektor, EM und einigen Hotel Offizieren in der Nightfly Bar angekündigt.


    Wir machen uns eine gute halbe Stunde vorher auf den Weg und finden auch mühelos einen guten Platz.

    So richtig voll wird es hier sicher erst, wenn die Show im Theater zu Ende ist.

    Wenn man die Bar betritt, stehen gleich linkerhand 6 Sessel im Halbrund, davor drei kleine Tische mit Gläsern und Wasserkrügen.

    Jedem der dreieinhalb Gedanken unfallfrei zusammenhängend hinbekommt, ist klar: dies ist sozusagen das Podium, die "Bühne".


    Oh weh!

    Ab irgendeinem Zeitpunkt schließen wir mit den Damen am Nebentisch Wetten ab, wie viele bis zum Beginn der Veranstaltung noch versuchen werden, sich genau da hinzusetzen. Die Damen tippen auf fünf, GöGa auf sechs und ich auf sieben.


    Ganz traumhaft sind auch die unterschiedlichen Reaktionen der Leute, wenn sie ihren Irrtum bemerken - w e n n sie ihren Irrtum bemerken.


    Eine Dame z.B. fährt raumfüllend juchzend von ihrem Sessel wieder hoch, als ein Techniker sie dezent darum bittet. Ein anderer Herr setzt sich hin, ignoriert die Hinweise "seines" Publikums und noch bevor der Techniker überhaupt den Mund aufmachen kann, weist er ihn lautstark daraufhin, dass er doch mal den Scheinwerfer neu ausrichten möge, es würde ihn blenden.


    Für den Endstand einigen wir uns auf 5 1/2, denn eine 3-Zentmeter-Popo-Sitzflächen-Restdistanz kann man unmöglich voll mitzählen! ^^

    Unnötig zu erwähnen, dass die Nightfly Bar rappelvoll wird und nach einem leicht schleppenden Beginn kommt dann doch richtig Fahrt in diesen Abend.

    Über was sich die Leute aber auch so Gedanken machen bzw. was Gästen so alles auffällt!


    Beispielsweise stellt eine Dame die Frage, warum die jungen Männer, die in den Restaurants für Nachschub sorgen (nicht die Tischkellner) oft so große Schuhe anhaben, dass sie überhaupt nicht vernünftig darin laufen können. Die Antwort vom Hoteldirektor: sie suchen sich die Schuhgröße selber aus. Viele von ihnen sind es aus ihrer Heimat überhaupt nicht gewohnt, in geschlossenen Schuhen zu laufen und nehmen daher lieber eine Nummer größer.


    Damit kommen wir doch gleich mal zu den Kabinen der Crew. Die allermeisten Crewkabinen sind an Bord Doppelkabinen, richten sich aber alle nach den Vorgaben der Maritime Labour Convention - dem Seearbeitsübereinkommen, dass leider erst seit 2013 in Kraft ist. Die Arbeitsverträge der Offiziere werden mit Costa Croisiere geschlossen. Daher gilt für sie italienisches Arbeitsrecht und sie unterliegen der italienischen Steuer.


    Sehr unterhaltsam sind auch die Anekdoten des F&B-Managers Mario. Sein persönlicher worst case: Ein ausbleibender Nachschubcontainer in der Karibik. Der Inhalt: Weißbier - und in Bayern waren zu der Zeit Ferien.

    Gelöst wurde das Problem dann so, dass sie mit einem anderen Schiff der Carnival-Gruppe vor Ort getauscht haben: Weißenbier gegen Waschmittel.

    Was denn niemals an Bord ausgehen dürfe, wird er gefragt: Wie aus der Pistole geschossen, kommt: Toilettenpapier!


    Auch eine Frage, die ich mir schon gestellt habe, kommt zur Sprache. Im Gegensatz zu unserer Reise vor zwei Jahren, ist nun der Zu- und Abgang vom Schiff immer nur über die Gangway auf Deck 6 möglich. Der komfortable Zugang über Deck 3 wird nicht mehr praktiziert. (Nur am nächsten Tag in Bergen wird dies dann möglich sein, aber da sind wir ja noch nicht.) Die Antwort auf diese Frage erstaunt mich dann doch, denn darüber hatte ich mir bisher noch keine Gedanken gemacht. Bei Öffnung des Zugangs auf Deck 3 kühlte das Schiff aufgrund der niedrigen Temperaturen im Fahrtgebiet wohl damals zu sehr aus, so dass es sogar Probleme mit eingefrorenen Rohrleitungen gab. Was man alles bedenken muss!


    Ob es denn Konsequenzen für den heute zu spät Gekommenen geben werde, wird gefragt. So etwas liege allein in der Entscheidung des Kapitäns, aber sehr wahrscheinlich werde der verlängerte Ausflug ohne Folgen bleiben.


    Auch zur Zusammensetzung der Gästestruktur gibt es Fragen. Auf dieser Reise seien 88% Premiumbucher an Bord. Diese Reisenden - das wird von AIDA wohl auch sehr genau beobachtet - geben tendenziell auch mehr Geld an Bord aus. Unter diesem Gesichtspunkt verstehe ich dann allerdings noch weniger, dass inzwischen auch die Selectionreisen im Vario angeboten werden. Aber über dieses Thema habe ich mich schon vor zwei Jahren aufgeregt und die hier anwesenden Offiziere können ja auch nichts daran ändern.


    Interessanterweise ist es wohl auch so, dass auf Kurzreisen der meiste Prokopfumsatz an Bord getätigt wird. Dies läge wohl auch daran, dass auf diesen Reisen die Bars auch bis 06:00 Uhr früh geöffnet haben. Das kann ich mir lebhaft vorstellen, Kegelclubs und Klassenreisen lassen es da richtig krachen.


    Insgesamt ist dieser Hoteltalk eine ausgesprochen unterhaltsame und vor allem auch informative Veranstaltung.


    LG Joean