vielen Dank für diesen Reisebericht. Witzigerweise haben wir über den gleichen Veranstalter genau die gleiche Reise von 15.- 18.11.2024 gemacht.
Und ich kann dir in absolut jedem Punkt zustimmen. Die Reise ist hervorragend organisiert und die ABBA-Show ist der absolute Hammer!
Was da mit Technik möglich gemacht wird, hätte ich mir vorher nicht mal ansatzweise vorstellen können. Und man kann sich noch so viele Youtube-Videos über ABBA-Voyage ansehen, sie kommen alle nicht an die Originalshow ran.
Das Theater für diese Show steht auf einem Grundstück, das eigentlich demnächst bebaut werden soll. Und es geht das Gerücht, dass die Show dann nach Singapur wandern soll. Als wir die Reise gebucht haben, konnte man nur Karten bis Mitte Januar 2025 kaufen. Inzwischen wurde der Mietvertrag nochmals verlängert.
Bei uns waren dann auch schon die Weihnachtsmärkte offen, unter anderem auch einer entlang des Themse-Ufers. Schwei...preise, aber trotzdem sehr sehr schön. Wir hatten eigentlich die Befürchtung, dass Mitte November in London ziemlich trist und grau wird, aber das muss so nicht sein!
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Nach dem Silvester müssen all erst mal wieder in die Gänge kommen. Daher bietet sich auch hier wieder ein Brunch an. Zwischen 09:30 Uhr und 13:00 Uhr wird im Restaurant wieder ein kalt/warmes Buffet angeboten.
Wettertechnisch merkt man heute deutlich, dass wir aus dem arktischen Hochdruckgebiet wieder raus sind. Es ist wesentlich windiger als auf der Hinfahrt und heute hat die Ostsee einige Schlaglöcher, die der Kapitän sämtlichst mitnimmt.
Für uns jetzt nicht wirklich ein Problem, aber Martin kommt allein frühstücken und meint, eins von den Quarkbällchen vom Mitternachtsbuffet müsse wohl schlecht gewesen sein.
Klar, wenn ich mir davon mindestens fünf einhelfe…
Nicht, dass jemand diesen Text hier falsch versteht: belässt man es bei „handelsüblichen Mengen“ ist absolut nichts gegen die Küche hier zu sagen. Und die Schaukelei heute Vormittag konnte er ja schließlich nicht vorhersehen.
Für uns wird es ein ruhiger Tag, den wir teilweise auch auf der Kabine verbringen. Es gibt Neujahrs-Mäkihyppy und ich sitze beim Zuschauen wieder in der ersten Reihe.
Dienstag, 02.01.2024
Früh um 07:00 Uhr (deutscher Zeit) legt unsere Fähre dann wieder in Travemünde an.
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Bis um 08:30 Uhr (deutscher Zeit) haben allerdings die Gäste dieser Kurzreise Zeit, ihr letztes Frühstück an Bord einzunehmen und sich von neuen oder alten Bekannten zu verabschieden.
Die Ausschiffung beginnt frühestens ab 09:00 Uhr. Davor müssen erstmal alle LKWs von Bord. Da dies aber auf unserer Reise nur eine Handvoll sind, geht es pünktlich los und ehe wir uns versehen, sind wir schon wieder auf der Heimfahrt.
Fazit: Es war nett, es war lustig, wir hatten großes Glück mit unseren Tischnachbarn und wir haben etwas Neues von Finnland gesehen.
Anfang März ist übrigens wieder Weltcup-Skispringen in Lahti. Dann werden wir vor dem Fernseher sitzen und sagen können: „Guck mal, da waren wir auch schon!“
Ich will nicht ausschließen, dass wir irgendwann nochmal ein Silvester auf der Ostsee an Bord der Finnlines-Fähren verbringen – das kommt ganz darauf an, welche Ausflugsziele sich die Reederei in den nächsten Jahren noch einfallen lässt.
Ich danke allen, die mich auf diesem Kurztrip begleiten wollten.
Und ich hoffe, inzwischen hat jeder die richtige Übersetzung für meine finnischen Sprachausflüge gefunden.
Liebe Grüße
Joean
P.S.
Letztes Wochenende waren übrigens Ilona und Armin bei uns. Ich weiß gar nicht mehr in welchem Zusammenhang, aber wir kamen dann doch nochmal auf die Vorstadtweihnacht zu sprechen.
„Und – hat Ben sich wieder beruhigt?“
„Hör bloß uff“, winkt Armin ab. „Ick gloobe, ett dauert nich mehr lange und der fängt an, Kostüme zu nähen. Dem jeht die Idee nich mehr ausm Kopp.“
Heute heißt es für uns, früh aufstehen. Ab 07:30 Uhr gibt es Frühstück und um 09:00 Uhr soll unser Ausflugsbus starten. Vielleicht hat es ja schon der eine oder andere auf den Kärtchen gesehen: ein Grund, warum wir uns nochmal für ein Silvester auf der Ostsee entschieden haben, ist der von der Reederei angebotene Ausflug nach Lahti.
Leser meiner früheren Reiseberichte wissen, wie ich zu selbst ausgeübtem Wintersport stehe. Das gleiche ich aber mühelos mit meiner Begeisterung beim Zuschauen aus! Und mäkihyppy (kein Scherz!) aus Lahti gucke ich auf jeden Fall immer.
Abgesehen von diesem Ausflug gibt es seitens der Reederei noch die Möglichkeit einer Stadtrundfahrt in Helsinki bzw. eines reinen Transfers in die Hauptstadt.
Und was soll ich sagen: So grau und regnerisch das Wetter gestern auf der Ostsee war, so strahlend begrüßt uns heute Morgen die Sonne in Helsinki. Hier im Süden Finnlands hat es nun schon seit einigen Tagen ein stabiles Winterhochdruckwetter – was um diese Jahreszeit auch hier nicht selbstverständlich ist.
Wer blauen Himmel will, muss kalte Temperaturen mögen – so ist das hier um diese Jahreszeit nun mal. Und so wie die Sonne vom Himmel strahlt, sollte man sich nicht täuschen lassen. Im Moment hat es noch um die -20°C. Im Laufe des Tages wird es etwas wärmer werden – dann haben wir nur noch -16°C. Brrr.
Bis nach Lahti sind es mit dem Bus rd. 110 km über die Autobahn.
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Es besteht aber auch eine gute Zugverbindung zwischen Helsinki und Lahti. Je nach Tageszeit gibt es pro Stunde teilweise mehrere durchgehende Züge zwischen den beiden Städten, die auch nicht viel länger als eine Stunde für die Strecke brauchen.
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Direkt unterhalb der größten der drei Schanzen der Salpausselkä-Schanzenanlage kommt unser Bus zum Stehen und so sind es nur ein paar Schritte bis zum Hissi mit dem wir dann nach oben fahren, direkt in den kleinen Aufenthaltsraum für die Skispringer.
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So wie die Schanzen heute dort stehen, wurden sie im Jahr 1985 gebaut. Tatsächlich stehen aber Skisprungschanzen an dieser Stelle schon wesentlich länger – zumindest seit 1923. Wettbewerbe im Skispringen finden hier mindestens seit damals statt. Auf den Bildern kann man das schlecht sehen, aber der Auslauf der großen Schanze – auf der wir uns gerade befinden – ist im Sommer ein Schwimmstadion.
Von hier oben haben wir heute einen phantastischen Blick über den Vesijärvi-See, der unweit der Schanzen liegt.
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Nächster Programmpunkt ist der Besuch des angeschlossenen Wintersportmuseums. Ausgestellt ist hier alles: von tausend Jahre alten Holzstücken, die nur mit sehr viel Fantasie heutigen Ski ähneln, aber damals wohl schon als solche verwendet wurden bis zu den Pokalen der finnischen Skisprunglegende Janne Ahonen – dessen Triumphe ja nun auch schon wieder ein paar Tage her sind.
So ein wenig Aktivität bietet das Museum aber auch. Man kann mit einem Lasergewehr das Biathlon-Schießen üben und sich auf dem Skisprungsimulator von der großen Schanze hinabstürzen. Ich komme immerhin auf eine „Weite“ von 36 Metern - bei einem Schanzenrekord von schlappen 138 Metern.
Aber wie schon erwähnt: Die Kombination von mir und selbst ausgeübtem Wintersport beißt sich sogar in der virtuellen Variante. Dafür kommt Göga auf eine Weite von immerhin 109 Metern. (Ich überlege schon, ob ich ihn anmelde. )
Dafür gibt es draußen noch ein sehr schönes Motiivi von den Schanzen:
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Auf dem Weg ins Stadtzentrum von Lahti, machen wir noch einen kurzen Stopp an einem sehr viel kleineren See, an dem wohl immer ein reges Winterbaden stattfinden soll – wahrscheinlich, wenn es nicht gerade Silvester ist. Heute ist die Anlage ziemlich verwaist.
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Im Hintergrund sieht man noch die beiden Stahltürme des Langwellensenders Lahti. Dieser Sender war bis 1993 in Betrieb und ist heute ein Rundfunkmuseum. Zwischen den beiden Türmen war ursprünglich mal eine T-Antenne aufgehängt.
Gleich neben dem kleinen See findet man noch richtige alte Holzhäuser – leider die letzten ihrer Art in Lahti.
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In den sechziger und siebziger Jahren wuchs die Einwohnerzahl Lahti’s rasant an. Dementsprechend viel wurde damals gebaut – und leider sieht man dies der Stadt bis heute an.
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Hier in der Nähe befindet sich dann auch die Sibelius-Konzerthalle, die in keiner größeren finnischen Kaupunki fehlen darf.
Als letzten Programmpunkt haben wir nun noch den Besuch einer Huskyfarm vor uns. Für mich ein weiteres Highlight. Dachte ich jedenfalls.
Auf dem Weg dorthin informiert uns unsere Reiseleiterin schon mal darüber, dass wir dort aktuell nur „Babys“ und „Rentner“ antreffen werden.
Mir egal, denke ich – ich kraul auch Rentner!
Meine Vorstellung geht ja – so wie in Tromsö damals – dahin: Ich pass die ganze Zeit auf, damit ich nicht irgendwo reintrete und ich pass auf, wo die lieben Tiere gerade vorher reingetreten sein könnten. Klappte damals ganz gut.
Leider stellen sich meine Überlegungen als völlig überflüssig heraus, denn die Tiere, die wir dann zu sehen bekommen, leben ausnahmslos in großen Zwingern. Gut, den Tieren bleibt so die Kette erspart.
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Die Besitzerin ist wohl die Einzige, die Sibirian Husky außerhalb Lapplands hält. Deshalb ist auch alles, was nicht mehr Baby und noch nicht Rentner ist, z.Zt. in Lappland unterwegs zum „arbeiten“. Was immer das auch heißen mag.
Es werden uns Tee und Gebäck angeboten, aber das alles kann mich nicht darüber hinwegtrösten, dass sich zwischen Hund und mir immer ein Zaun befindet.
Einzig die kleinen – drei Wochen alten – Welpen, die mit ihren neugierigen Nasen gerade noch so durch alle Gitter passen, sind ein dürftiger Ersatz für das, was ich mir eigentlich versprochen hatte.
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Es ist jetzt gegen 15:30 Uhr, die Sonne ist schon wieder kurz vorm Untergehen und die Temperaturen ziehen nochmal deutlich an.
Irgendwann nach 17:00 Uhr sind wir dann zurück auf der Fähre und können die Zeit bis zum Silvesterbuffet unter der heißen Dusche beim Auftauen verbringen.
Kurz nach 19:00 Uhr treffen wir auch Martin und Ralf wieder. Den großen Sturm am Buffet lassen wir erst mal vorbeiziehen und erzählen uns stattdessen, was wir heute so erlebt haben. Die beiden waren privat in Helsinki unterwegs und haben sich mit einer guten Freundin getroffen, die seit Jahren in Finnland lebt. Warum kenn ich eigentlich niemanden in Helsinki?
Martin lässt so einiges über das Leben in Finnland gucken und ich lerne, dass die Finnen ein eigenes Wort für „Freitagabend im Schlüpfer auf der Couch sitzen und sich betrinken“ haben.
Kalsarikännit – das ist in etwas sowas wie das dänische „hygge“ nur ohne Wollsocken, dafür mit jeder Menge Alkohol.
Die Finnen haben sogar ein eigenes Emoji dafür!
Wer mehr darüber wissen will, googelt mal „Finnland-Emoji“ (davon gibt’s nämlich noch einige andere) oder sucht auf thisisfinland.
So. Das war schon mal sehr unterhaltsam, aber jetzt haben wir Hunger.
Im Gegensatz zu unserer ersten Reise hat das Buffet etwas nachgelassen. Es fehlt nämlich an Schildchen. Gut – Lachs, Ente und Huhn find ich auch selber raus. Das muss mir keiner dran schreiben. Aber: Ist das, was ich hier am Buffet vor mir sehe, nun Ren oder ist das Elch?
Egal. Ich lade mir von allem auf den Teller und probiere mich durch. Meine persönliche Challenge ohne Auflösung.
Ab 22:00 Uhr haut dann die Band für die Uudenvuodenaaton juhlat wieder in die Tasten. Die Tuschfrequenz lässt unsere Trommelfelle erzittern und die Amplitude tut ihr Übriges. Irgendjemand hat nämlich gleich hinter unseren Tisch einen Lautsprecher gestellt, damit auch der entfernteste Winkel des Saales noch ordentlich mithotten kann.
Eine Unterhaltung ist so leider nicht mehr möglich.
Ralf brüllt gegen die Band an:
„Wollt ihr tanzen?“
„Wen von uns willste denn als Erstes auffordern?“, kann ich mir nicht verkneifen, zurückzubrüllen.
Er grinst und brüllt dann weiter: „Vielleicht suchen wir uns ne ruhigere Ecke, wo man sich unterhalten kann.“
Gute Idee!
Wir verlassen also das Restaurant und suchen uns auf Deck 11 Richtung des Star Café einen schönen Vierertisch, an dem die Musik nur noch ein Hintergrundgemurmel ist.
Wir erzählen noch ne Weile und irgendwann sitzen wir dann und spielen Skyjo. (Irgendwie erinnert mich das an das Silvester 2020/2021 an dem wir mit der ganzen Hausgemeinschaft bis um 04:00 Uhr „Mensch-ärger-dich-nicht“ gespielt haben.)
Ehe wir uns versehen, ist schon das erste Silvester ran (nach finnischer Zeit) und kaum ist der Sekt ausgetrunken, werden die Karten neu gemischt – im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Stunde später: das zweite Silvester (nach deutscher Zeit).
Nicht umsonst war der Titel meines damaligen Reiseberichtes: „Hyvää Uutta Vuotta! – Doppelt anstoßen, leicht gemacht!“
Es war jetzt für uns nicht das große Silvester mit der Mega-Party, aber es war ein schöner und lustiger Abend mit netten Menschen.
Ausschlafen, in Ruhe frühstücken, noch mehr in Ruhe die Tasche packen, dreimal nachsehen, ob wir nichts vergessen haben. Dann fällt uns beim besten Willen nichts mehr ein, was unsere Abfahrt noch weiter rauszögern könnte.
Unser erster fixer Termin heute ist die Tischreservierung fürs Abendbrot. Es würde also rein theoretisch reichen, wenn wir um 18:30 Uhr in Travemünde sind. Leider ist das Wetter bei uns sehr regnerisch und es soll auch den ganzen Tag nicht viel besser werden. Von daher ist es Göga dann doch lieber, zumindest den Großteil der Strecke im Hellen zu fahren. Eine weise Entscheidung, denn es hat dann unterwegs so sehr gesaut, dass wir auf der Autobahn kaum noch die Hand vor Augen gesehen haben.
Aber kurz bevor wir Lübeck erreichen, hört es dann endlich auch auf zu regnen.
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Es ist mehr als ein Regenbogen, es ist ein Hinweis. Aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Und so kommt es, dass wir dann doch schon am Nachmittag in Lübeck einen Parkplatz für unser Auto und für uns zwei Plätze im Niederegger-Kaffeehaus finden.
Marzipan-Milchkaffee, Marzipan-Cappuccino, Marzipantorte. Ich habe kleine Erinnerungslücken, aber seit diesem Besuch hat mein Körper definitiv und endgültig unumkehrbar die Form einer Mandel angenommen – in der Mitte ist die dickste Stelle.
Als wir bei Niederegger wieder rauskommen, hat dann auch bereits die Dunkelheit eingesetzt. Wir machen einen kleinen Stadtbummel und müssen leider feststellen, dass auch in Lübeck die Pandemie ihre Spuren hinterlassen hat. Viele kleine, aber auch größere Ladenflächen stehen leer, werden nicht mehr gebraucht. Die Stadt ist rappelvoll mit Leuten und sie laufen vorbei an geschlossenen Restaurants in bester Travelage. Arme deutsche Innenstädte.
Weil wir aber nun schon mal beim Essen sind: Für das Abendessen hatte ich uns Plätze im „DasKöstlich“ in Travemünde reserviert – sehr lecker dort, aber auch ein wenig trubelig, gerappelt voll der Laden.
Keine Reservierung = keine gute Idee.
Eigentlich wollten wir uns ja als Vorspeise das Lachstatar gönnen, aber die eine Mandel vom Nachmittag macht sich in meinem Magen immer noch so breit, dass wir schon Mühe haben, den Hauptgang daneben zu quetschen.
Wer von euch also die Absicht hat, mal hungrig nach Travemünde zu fahren, sollte über einen Besuch im „DasKöstlich“ nachdenken. Von mir eine klare Empfehlung.
Obwohl wir wissen, wie das heute Abend abläuft und obwohl wir wissen, dass wir noch lange genug rumsitzen werden, haben wir doch irgendwie Kimalaiset unter dem Hintern.
Also machen wir uns schon so gegen 20:00 Uhr auf Richtung Fährterminal, nur um dann dort viel zu früh anzukommen – so wie viele andere Mitreisende auch. Kurz nach unserem Eintreffen öffnen dann aber schon die beiden Check-In-Schalter und aus der einen wartenden Autoschlange werden zwei. Und dann ist es wie immer: Man steht ja auch grundsätzlich an der Supermarktkasse an, an der es am langsamsten geht.
An den reinen Check-In-Vorgang hat sich seit damals nichts geändert. Wir bekommen ein Programm mit dem Reiseablauf und den Öffnungszeiten des Restaurants ausgehändigt und auch wieder die vielen kleinen Kärtchen.
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Ab jetzt gibt es für uns erst mal nichts mehr zu tun und bevor wir zwei Stunden im kalten Auto sitzenbleiben, warten wir dann doch lieber im Pääte.
Boarding war dann irgendwann so gegen halb elf. Sehr zügig können wir auf die Fähre fahren und unser Auto abstellen, wo es nun die nächsten 4 Tage über die Ostsee gekarrt werden wird. Der Preis für die Mitnahme des PKW beträgt übrigens einmalig 30,- Euro und dagegen kann man absolut nichts sagen.
Ab sofort gilt bis zum Ende der Reise die finnische Zeit. Wir machen noch einen kurzen Rundgang auf der Lautta, also eigentlich nur auf Deck 11. Hier befindet sich alles, was für den gemeinen Passagier interessant ist: Restaurant, Bar, Shop, Sauna & Massage, öffentliche Sitzmöglichkeiten.
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Diese Kabinen befinden sich auf allen Decks jeweils ganz vorn steuerbord bzw. backbord. Daher gibt es auch noch jeweils ein Fenster nach vorn raus.
Das 3. Bett wäre dann die Couch und das 4. Sänky, das Klappdingens an der Wand.
Am nächsten Morgen (30.12.) beginnt unser erster „Seetag“ sehr entspannt mit einem Brunch ab 09:30 Uhr im Restaurant „Mare Balticum“.
Bei der letzten Reise hatte die Reederei uns an einen 8er Tisch in der Mitte des Restaurants gesetzt, was sich dann am Silvesterabend als ausgesprochen unterhaltsam herausstellte. Dieses Mal sind wir mit unserem Tisch 126 auf der Steuerbordseite direkt an einem der Fenster gelandet und wir sind schon sehr gespannt auf unsere Tischnachbarn.
Wenn da die Chemie nicht stimmt, kann das u.U. ein seeehr langer Silvesterabend werden. Gut, wenn die Chemie stimmt, kann es das auch – nur eben anders.
Aber lange müssen wir unsere Geduld nicht mehr im Zaum halten, denn kurz nachdem wir es uns gemütlich gemacht haben, hallt uns ein „Schönen guten Morgen auch“ entgegen und schon haben wir Gesellschaft von Martin und Ralf, einem Paar aus Niedersachsen, beide so um die Mitte vierzig.
Mit Martin am Tisch wird es ganz bestimmt nicht langweilig, denn er ist von der ausgesprochen kommunikativen Sorte. Das muss er auch sein, denn er ist – wie wir schon kurz danach erfahren – Gymnasiallehrer, unter anderem für so spannende Fächer wie Latein. Da sind Entertainer-Qualitäten Pflicht, denn ansonsten hätte man schon nach fünf Minuten vor der Klasse gegen die Smartphones verloren. Sagt er.
Während wir uns also durch die Annehmlichkeiten des Buffets schlemmen und die Gerichte, die wir nicht kennen, durchaus etwas kritisch beäugen – ich sage nur „Karelischer Eintopf“, erzählt Martin wie er im letzten Sommer mit einer 10. Klasse auf genau dieser Fähre ebenfalls auf dem Weg nach Finnland für eine Klassenfahrt war.
Keine Pommes, keine Nuggets im Angebot. O Graus! Bevor seine Kids in den Hungerstreik treten konnten, hat er dann eine „Challenge“ (für die Älteren unter uns: früher hieß das mal „Mutprobe“) daraus gemacht.
So nach dem Motto: Wer traut sich das unbekannteste zu essen, was das Buffet zu bieten hatte. Nach Martins Worten war es ein ziemlicher Erfolg und führte bei den 16-jährigen zu einigen Aha-Effekten. Und nach einer knappen Woche in Finnland waren dann auf der Rückfahrt unbekannte Speisen für die Teenies auch kein großes Thema mehr.
Übrigens: Mutprobe heißt Uskaltaa.
Martin kann wirklich sehr anschaulich und witzig erzählen und wir bleiben sitzen, bis gegen 13:00 Uhr das Restaurant dann erst mal schließt. Das Wetter an diesem 30. Dezember ist übrigens so kurz vor Weltuntergang.
Irgendwann am Nachmittag holen wir uns dann einen ganz hervorragenden Glögg im Star Café, setzen uns auf Deck 11 – da wo alle sitzen – und spielen Skyjo. Ein Kartenspiel, dass nicht viel Platz in der Tasche braucht und das man auch gut nur zu zweit spielen kann.
Ab 18:30 Uhr öffnet dann das Restaurant wieder für das Iltapala.
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Sämtliche Mahlzeiten werden hier in Buffetform angeboten – ist ja schließlich eine Fähre. Und anders als auf den Colorline-Fähren gibt es hier auch nur ein Restaurant.
Bevor die mitreisende Band ab 21:00 Uhr dann aufspielen kann, verschwinden Martin und Ralf in die Sauna. Wir sind nicht so die Saunafans, aber Fans dieser Band sind wir auch nicht. Als ich das Schild (heißt das so?) sah,
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kam’s mir wieder.
Das sind doch die Gleichen, die auch schon 2016/2017 gespielt haben! Wer meinen alten Reisebericht gelesen hat, wird sich vielleicht erinnern, dass ich auch schon damals so meine Probleme mit dieser Combo hatte – zumindest solange ich nüchtern war. Und es sind immer noch die gleichen Bandmitglieder, wie damals.
Der Schlagzeuger hat während Corona seine Individualität offensichtlich nicht verloren. Noten stellen für ihn nach wie vor nur eine grobe Handlungsempfehlung dar und wenn er mal nicht weiterweiß, dann spielt er einen Tusch – ob der da nun grade ins Lied passt oder nicht. Außerdem haben sich die Herren im gesetzten Alter mit einer jungen Sängerin verstärkt.
Wir hören ungefähr eine Viertelstunde zu und ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber selbst Ella Endlich wäre jetzt besser als das hier. Gut, dass Heinz nicht da ist, dem würden wahrscheinlich die Ohren glühen.
Es war kein anstrengender Tag und auch kein langer, aber wir ziehen dann doch die Ruhe unserer Kabine vor. Als ich dann so gegen 22:30 Uhr nochmal übers Schiff wandere, hat die Band das Restaurant bis auf drei standhafte Tische leergesungen.
Zugegebenermaßen hat dieses Intro irgendwie so gar nichts mit der Reise zu tun, von der hier berichtet werden soll. Andererseits ist dieser Abend genauso passiert, wie es hier steht und ich hab so viel gelacht, wie schon lange nicht mehr.
Der einzige Zusammenhang besteht höchstens darin, dass wir uns im Laufe des Abends auch kurz alle über unsere jeweiligen Pläne für Silvester unterhalten haben. Und als wir erzählten, was wir vorhaben, da kam genau die Reaktion, die immer kommt: „Ach, sowas gibt es?“
Ja, sowas gibt es. Und wir haben es schon mal getan. Und zwar zum Jahreswechsel 2016/2017.
Mein damaliger Reisebericht ist in diesem Forum zwar inzwischen gesperrt, von daher denke ich, dass es einen Neuen vertragen kann.
Zur groben Einordnung: Es geht mit einer Fähre der Reederei Finnlines über Silvester für eine Kurzreise nach Finnland.
Bei unserer ersten Reise - das musste ich auch erst nochmal nachlesen - hatten wir Mitte September gebucht und damals ohne Probleme eine der großzügigen A4-Außenkabinen bekommen. Dieses Mal haben wir erst Mitte Juli und auf meine Mail erhalte ich die Nachricht, dass nur noch A2-Standard Außenkabinen verfügbar sind.
Ein eindeutiges Indiz dafür, dass es sich rumgesprochen hat und Silvester auf der Ostsee immer mehr Anhänger findet.
Wir beratschlagen zu Hause – wollen wir uns das in so einer kleinen Kabine wirklich antun? Oder schieben wir das Ganze aufs nächste Jahr? Aber wer weiß, ob sie dann nächstes Jahr wieder diesen Ausflug anbieten? Wär schon schön, da mal hinzukommen. Also gut.
Ich schreibe also an die nette Dame bei Finnlines: „Sehr geehrte Frau B…, vielen Dank für Ihre Mail vom 18. Juli. Schweren Herzens haben wir uns dann doch entschlossen, auf Ihr Angebot bzgl. der A2-Außenkabine zurückzukommen. Haben Sie eventuell eine Warteliste für die A4- bzw. Lux-Kabinen?“
Schreibt sie zurück: „Sehr geehrte Frau H…, Sie wollten eine höherwertigere Kabine? Wir haben noch eine Lux-Kabine zur Verfügung, die im Buchungsportal nicht aufgeführt wird.“
MEINE!!! NEHM ICH!!!
Silvester in der Konservendose ist damit Gott sei Dank vom Tisch und ich kann alles ganz beruhigt auf mich zukommen lassen.
Anmerkung: Im nun folgenden Bericht habe ich einige finnische Begriffe versteckt. Sollten sich diese nicht von allein aus dem Kontext erklären, empfehle ich TanteG.
Und: Yksi, kaksi, kolme geht's nun auch endlich los.
bevor ich meinem neuesten Reisebericht beginne: wie immer eine kurze Vorgeschichte.
Sie hat eigentlich so überhaupt nichts mit der Reise zu tun, von der hier berichtet werden soll, aber ich bringe es nicht übers Herz, sie euch vorzuenthalten:
Vorfreude, schönste Freude – Freude im Advent
„Also, ick mach den Fuchs!“, sagt Ilona entschlossen und wickelt sich noch etwas tiefer in ihrem Wintermantel ein.
„Da muss ick am Anfang nur eenmal durchs Bild loofen und in der Mitte werd ick dann erlegt und überall als Trophäe rumgezeigt.“, energisch verschränkt sie die Arme vor der Brust.
„Keen Text! Und zeitig Feierabend! Jenau mein Ding!“
Klingt plausibel, aber ich fürchte so einfach wird es nicht sein – nicht bei unserer dünnen Personaldecke.
Da werden sich wohl Doppelrollen nicht vermeiden lassen – und bisher ist die böse Stiefmutter noch zu haben.
Ilona, mir schwant da Böses!
Heute ist der Samstagabend vor dem 1. Advent und wir feiern Vorstadtweihnacht im Norden Brandenburgs.
Das hier ist keine offizielle Veranstaltung – es ist ein rein privates Treffen von Anwohnern einer kurzen Stichstraße am Stadtrand, hinter der es dann direkt in die Felder der Uckermark übergeht.
Vier Familien und wir Berliner – vor ein paar Jahren durch eine zufällige Begegnung „adoptiert“ in diese Gemeinschaft.
Lagerfeuer, Kesselgulasch, Bratwürste und dazu jede Menge Winzerglühwein aus dem Rheintal.
Zwei Tage lang hat es geschneit – und das ist dem ganzen Ambiente hier doch sehr zuträglich. Und noch ein Glühwein, und noch …
„Egal! Komm! Einer geht noch!“
Iss aber auch lecker, das Zeugs!
Als uns dann aber doch kalt wird, sitzen wir bei Heinz im Anbau, unterhalten uns über dies und jenes und irgendwann kommt sie dann – die Frage aller Fragen: „Kam dieses Jahr eigentlich schon drei Haselnüsse?“
„Nee, aber morgen um drei im Ersten!“
„Genau! Um zwölf macht der Weihnachtsmarkt auf, um eins sind wir da, dann sind wir um drei wieder zu Hause und dann auf die Couch – Haselnüsse gucken!“
Das nenn ich mal einen stringenten Zeitplan!
Und die meisten von euch werden jetzt sicher annehmen, dass der Mensch hinter diesem Zeitplan eine Frau ist – und sie irren!
„Ich lass mir doch die drei Gaylords nicht entgehen!“
„Möchtest du drüber reden?“
„Über was?“
„Über Männer in Strumpfhosen zum Beispiel, so im Allgemeinen…“
„So ein alter Schei..“, poltert Heinz dazwischen. „Der Film hat noch nich mal watt mit Weihnachten zu tun – außer, dass da Schnee liecht. Datt kannste dir doch nich mehr angucken.“
Also! Da sind jetzt aber fünf Frauen und ein Mann ganz anderer Meinung!
Draußen vor der Tür hat es inzwischen wieder ganz leicht angefangen, zu schneien.
„Guck mal raus, bei uns hier sieht’s fast so schön aus, wie beim Aschenbrödel.“
„Wir könnten doch selber mal drei Haselnüsse hier nachspielen. So als Kultureinlage für uns selber. Dann isst und trinkt man vielleicht auch nicht so viel.“
„Also, ich hab nichts gegen das Essen. Und wo nun schon mal der ganze Glühwein da ist, kann der auch alle werden!“
Okay, Armin ist raus.
Tobi war heute Abend wie immer für die Musik zuständig und er nimmt seine Aufgabe sehr ernst. Auf einmal schallt nämlich Ella Endlich mit „Küss mich, lieb mich, halt mich“ durch den Raum.
„Also – ohne dett Jejaule wär ett mir ja lieba.“
Hektisches Tippen auf dem Handy.
„Jau, gibt’s auch.“ Und dann tönt das erste Mal dieses Jahr die Originalmelodie durch den Raum.
„Ham die da eijentlich och die beeden One-Hit-Wonder vom königlichen Ball?“
„Na klar.“
du dupp dupp dupp du du dupp dupp dudu – ja, so kennt man das!
„Jaaah, aber wenn wir das nachspielen wollen, brauchen wir ne Band.“
„Ich kann Waldhorn blasen“, sagt Ben da unvorsichtig und ganz leise. Offensichtlich nicht leise genug.
„Dann bist du die Band“, kommt es von seiner Lebensgefährtin sofort wie aus der Pistole geschossen. „Und wir setzen dich den ganzen Abend aufn Balkon.“
Oh, das nenn ich mal einen gewaltigen Verbaltritt gegen ihren Liebsten – sowas von von-hinten-in-die-Knie! Damit hat sie seiner Bewerbung um die Rolle des Prinzen einen Bärendienst erwiesen.
Einfaches physikalisches Prinzip. Wer oben aufm Balkon tutet und bläst, kann unmöglich gleichzeitig unten mit‘m Aschenbrödel tanzen.
Das wird ihm nicht gefallen! Das weiß ich jetzt schon!
„Ne Eule! Wir brauchen unbedingt noch ne Eule. Ohne Rosalie geht garnich!“
„Ilona, du sammelst doch Eulen. Kannst du nicht auch noch die Eule machen?“
„Nur weil ick Eulen sammel, heißt dett nich, dass ich ooch fliejen kann.“
„Da lassen wa uns watt einfallen.“
Ilona rollt mit den Augen.
Währenddessen starrt Ben angestrengt vor sich hin und versucht gedanklich offenbar aus der Balkonnummer raus- und in die Prinzenrolle reinzukommen.
„Also, ich würd ja den Präzeptor machen", mischt sich Göga in die Planung ein. „Schon mal von der Figur her kommt das ziemlich genau hin und mit Leuten, die sich für alles außer den Lehrplan interessieren und ständig die Ohren auf Durchzug haben, kenn ich mich aus.“
Er ist in seiner Firma auch für die Lehrlingsausbildung zuständig und kann deshalb die Sorgen des armen Präzeptors hautnah nachvollziehen.
Früher Armbrust – heute TikTok. Letzten Endes kommt es aufs Gleiche raus.
„Ich habe gerade eine geniale Idee!“, sagt da der Ben.
Oh, sogar eine geniale! Da bin ich aber mal gespannt.
„Bei der Eröffnung vom Weihnachtsmarkt lassen sie doch jedes Jahr wieder diese Schalmeienkapelle spielen.“
„Ja, und?“
„Das ist doch immer das Gleiche! Leute, wir müssen groß denken! Wir machen dass alles ganz anders!“, jetzt kommt Ben so richtig in Fahrt.
„Wir engagieren die Kapelle als „Vorband“ und die eigentliche Eröffnung vom Weihnachtsmarkt ist dann unsere Aufführung von „Drei Haselnüsse“. Und wenn die Kapelle schon mal da ist, kann sie gleich noch in der Ballszene mit auftreten. So wird ein Schuh draus!“
Super, Ben! Klasse Metapher (wegen dem Schuh)!
„Ihr habt doch echt alle ne Macke!“, tönt es aus dem Wintermantel.
Mir dagegen scheint nun der Moment gekommen, in dem ich auch meine Ansprüche mal anmelden sollte.
„Ich würd mich ja als Aschenbrödel zur Verfügung stellen.“, sag ich nun so beiläufig wie möglich in die Runde.
Natürlich kann ich meinen Rollenwunsch entsprechend begründen.
Aber erst mal gibt es einiges zu klären: „Also: Mit Schießen ist schlecht, aber im Film hat das Aschenbrödel den Raubvogel ja auch nicht wirklich erschossen. Und in der Szene, wo Aschenbrödel oben auf den Baum klettert, um sich vor dem Prinzen zu verstecken, da brauch ich ne Hebebühne!“
„Hm!“, kommt es da zaghaft von der anderen Seite des Tisches. "Aber, wenn du doch nicht schießen kannst und auch nicht klettern, warum willst du dann unbedingt das Aschenbrödel sein?"
„WEIL ICH SCHUHGRÖSSE 37 HABE, DARUM!!!"
„Jetzt stellt euch doch mal vor, wie das aussehen würde, wenn Aschenbrödel dann die Treppe runterläuft, ihren Schuh verliert, der Prinz das Ding aufhebt und dann unter dem Gewicht eines Latschens in Größe 42 zusammenbricht!“
„Hm.“
So richtig überzeugt scheint die Truppe noch nicht. Da muss ich wohl noch weiter dran arbeiten.
Inzwischen hat Ben seine Auftrittspläne weiter perfektioniert.
„Also, wir machen das noch ganz anders! Wir gehen von hier aus schon in unseren Kostümen los, die Schalmeienkapelle vorneweg und dann machen wir einen Umzug bis hoch zum Markt."
„Wie - du willst in deinen Strumpfhosen ernsthaft durch die ganze Stadt laufen?!“
„Und entlang der Hauptstraße stehen dann die Leute auf Balkonen und an Fenstern und werfen uns Geld zu, oder wie?“
„Und wenn wir am Markt ankommen, sind wir alle schon das erste Mal saniert!“
Vielen Dank an alle Leser meiner kleinen Geschichte. ich freue mich sehr über jeden einzelnen Kommentar.
Über das Auftauchen der 7 Geißlein habe ich mir tatsächlich auch mal einen Moment lang Gedanken gemacht, ihn dann aber wieder verworfen. (Ich habe mir vorgestellt, wie die dann alle durcheinanderreden und das war dann selbst mir zu viel an Dialog.) Und Fotos habe ich - zugunsten von "Kopfkino" einfach gestrichen.
Und um auch noch die letzte Frage zu beantworten: Natürlich schreibe ich hauptberuflich keine Reiseberichte.
Das Schreiben von Reiseberichten ist mein persönlicher Gegenentwurf zur täglichen, trockenen Zahlenjonglage in der Buchhaltung.
"Rotkäppchen und der Kreuzfahrtwolf" - ein Reisebericht der völlig anderen Art
letzter Abend der Kreuzfahrt
Gegen 22:00 Uhr ist das Four Elements gerammelt voll. Gefühlt das halbe Schiff drängelt sich rund um die Bar und auf der Tanzfläche. Und trotzdem ist es hier jetzt mucksmäuschenstill. Kein Vergleich mehr zum Nachmittag als hier junge Väter in Kompaniestärke ihre Babys mit Schwimmwindeln ins Wasser tunkten.
Vorn auf der Bühne stehen jetzt Mischpulte, hinter denen drei DJs tanzen.
"Irgendetwas an den Geräten muss kaputt sein!", flüstert der Wolf dem Rotkäppchen ins Ohr. "Und du erzählst mir noch, wir gehen auf eine Party!"
"Mann!", Rotkäppchen verdreht die Augen, "das hier ist eine Silent-Party."
"Ach so. Und wer von denen da oben ist jetzt dieser Silent?"
"Boah!", das Rotkäppchen schlägt sich gegen die Stirn, "du kommst wirklich ausm Wald! Geh mal da hinten in die Ecke und lass dir zwei Kopfhörer geben."
Der Wolf trollt sich wie befohlen und kriegt im Eckchen auch gleich noch erklärt, was auf den einzelnen Kanälen so läuft.
Keine zehn Minuten später lässt unser Wolf die Wildsau raus. Er hat den Kanal mit den Mallorca-Party-Hits gefunden.
Zwar weiß er nicht, wo Mallorca liegt und den Ballermann hält er für ein Mitglied der Nationalmannschaft, aber die Musik ist genau sein Ding.
Ich würde ja auch gar nichts dagegen sagen, wenn denn unser Wolf inzwischen verstanden hätte, was es mit diesem Silent auf sich hat.
Hat er aber nicht!
Deshalb grölt er lauthals alles mit, was ihm ins Ohr dröhnt.
"Depp Depp Depp Jimmy Depp Depp Jimmy Jimmy Depp Depp Depp.." *
Dazu tanzt er – wie alle anderen - ausgelassen durch die Reihen.
Rotkäppchen tanzt auch, nur eben völlig anders – hat sie sich doch ohne zu zögern für den deutschen Schlager entschieden. Und ohne, dass sie etwas dagegen tun könnte, kommt auch schon über ihre Lippen ein leises: „Lass uns das Schiff bemalen in Regenbogenfarben“* „alles ganz normal“*
Völlig verzückt schließt sie ihre Augen, breitet die Arme aus und dreht sich im Kreis.
Plötzlich wird sie böse angerempelt, aber bevor sie stürzt, fassen beharrte Pfoten fest um ihre Taille und ziehen sie mit: „Friesenwolf, ich bin ein kleiner Friesenwolf und ich wohne nicht am Deich…ooooho, bin ein ….“ *
Beide drehen sich weiter im Kreis und der Wolf zieht ihr die Kopfhörer von den Ohren: „Mensch Käppchen, ich hab ja gar nicht gewusst, dass Singen so viel Spaß macht“, brüllt er ihr ins Ohr.
Und brüllen muss er, denn dieser ominöse Silent hat inzwischen die Party heimlich verlassen.
Das Rotkäppchen setzt sich den Kopfhörer wieder auf und versinkt in ihrer eigenen Welt: „Kohomm, wir laufen nach Ahamsterdam, es war klar, dass ich Dir nicht foholgen kann.“ * Ach, ist das schön! Genauso wie es gerade ist, könnte es ewig bleiben.
Als sie dann später mal die Kopfhörer runternimmt, fallen ihr fast die Ohren ab. Die Glasdecke des Four Elements erzittert mittlerweile unter einem Männerchorus, der behauptet, zu irgendeiner Sache nichts sagen zu können, weil man sie erst mal nackt sehen müsse.
‚Wenn ich das zu Hause erzähle, glaubt mir das keiner‘, denkt sich das Rotkäppchen.
Gerade als sie mal wieder Ausschau nach Ihrem Kreuzfahrtbegleiter halten möchte, kriegt sie von hinten auf die Schulter getippt: „Se sind do des Rodkäbbcha, ned wahr? Wisset Sie, ihra Herrn Wolf han i ja neilich beim Line Dance scho kennengelernd. Was für oi neddr Wolf! Mir möchdet Sie ganz herzlich einlada ins Schwabenländle. Da könndet Sie mir mol ganz in Ruh vom Märchenwald erzähla. Und mir drinka noh oi gudde Fläschle Woi odr au zwoi ond noh gugga mir mol, was mir no so vom Line-Dance bhalda han.“
„Oh“, kann unser Käppchen da nur stammeln, „das ist aber wirklich sehr freundlich von Ihnen. Vielen Dank.“
Diesen Wortschwall muss das Rotkäppchen erst mal für sich sortieren.
der nächste (frühe) Morgen
Rotkäppchen und Kreuzfahrtwolf stehen einträchtig auf Deck 8 nebeneinander an der Reeling.
Hamburg ist schon wieder voraus.
„War wirklich schön die Woche“, sagt Rotkäppchen leise.
„Hm“, krächzt der Wolf, „..and ich au…“. Ihm ist in der letzten Nacht irgendwie die Stimme abhandengekommen, dafür hat er jetzt einen doppelt so großen Schädel.
„Ich habe eine Überraschung für dich. Wenn du Lust hast, fahren wir nächstes Jahr beide ins Schwabenländle. Wir sind dort nämlich „oiglada“, das Schwäbische geht unserem Käppchen noch etwas schwer über die Lippen – aber da wird sie sich schon einfuchsen.
Nur: dass dort dann möglicherweise wieder Line-gedanct wird, das verschweigt sie ihm besser.
„Ach und noch was“, fährt sie dann fort, „ich hab vorhin mit dem Schneewittchen telefoniert und jetzt planen die sieben Zwerge doch tatsächlich einen Betriebsausflug.“
Dann schnappt sich das Rotkäppchen ihren Korb, randvoll mit AIDA-Souvenirs, der Wolf schmeißt sich seinen Rucksack auf den Rücken und sie gehen gemeinsam Richtung Gangway.
„Aber eine Frage hätte ich da noch“, sagt der Wolf und sieht das Rotkäppchen lauernd an, „woher weißt du das eigentlich – also, dass mit dem Hänsel und seinem Rhythmusgefühl?“
Oh. Oh.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann reisen sie mal wieder.
* immer wenn euch der Text seltsam vorkommt, dann habe ich ihn etwas abgewandelt, damit er nicht vom Admin als Plagiat rausgelöscht wird
An dieser Stelle ist meine kleine - nicht ernstzunehmende - Geschichte nun auch schon wieder zu Ende.
Ich danke allen, die mit mir auf diese Reise gegangen sind und ich hoffe, ihr hattet so viel Spaß beim Lesen wie ich beim Schreiben.
Vom Prinzip her keine schlechte Idee, aber die sind noch so unaufmerksam und streiten immer so viel untereinander - Kinder eben. Und einen Hacken haben sie auch nicht!
"Rotkäppchen und der Kreuzfahrtwolf" - ein Reisebericht der völlig anderen Art
nochmal zwei Tage später
"Guten Abend, liebe Gäste! Mein Name ist Elke. Ich bin hier an Bord für die Animation zuständig und freue ich sehr, dass sie heute so zahlreich an unserem Line-Dance-Kurs teilnehmen möchten."
Das Four Elements ist sehr gut gefüllt. Als Rache für den Klettergarten hat unser Rotkäppchen den Wolf zur Teilnahme an diesem Kurs verdonnert. Wo bleibt er denn bloß? Das Käppchen ist innerlich schon auf 180.
Gerade als Elke: "Alle, die heute Abend mit uns hier den Cotton-Eye-Joe tanzen möchten, bitte mal etwas näher zur Bühne kommen" sagt, geht die Tür auf und unser Kreuzfahrtwolf trödelt herein. Eigentlich war ja sein Plan, noch viel später zu kommen.
Leider weigerten sich die Jungs unten im Markt-Restaurant immer noch beharrlich, ihm die Rinderfilets komplett roh zu servieren.
Entsprechend grundangepi.... hat er sich dann doch irgendwann auf den Weg nach oben zu Deck 14 gemacht.
Und das das Rotkäppchen nun im Vorbeirennen seine Pranke fasst und ihn unsanft Richtung Bühne zieht, trägt auf keinen Fall zur Verbesserung seiner Laune bei. Immerhin gelingt es ihm, sich aus ihrem Klammergriff zu winden und sich in die letzte Reihe zu verkrümeln, während das Käppchen über alle Backen strahlend einen Platz ganz vorne ergattert hat.
"So wir beginnen jetzt erst einmal ganz einfach mit dem Grundschritt", verkündet die Elke da auch schon.
"Ich zeige Ihnen das erst mal: Wir beginnen nach rechts. Zur Seite, zur Seite, hinten kreuzen und stehen. Alles klar? Dann jetzt alle zusammen."
Die Dame rechts neben Wölfi wiederholt hochkonzentriert Elkes Anweisungen: "Zur Seide, zur Seide, hinda kreiza ond schdeha."
"Sie sind aber auch nicht von hier", sagt der Wolf zu ihr.
"Noi, i komm aus Reidlinga.", schwäbelt die nette Dame.
"Und los geht's für alle! Zur Seite, zur Seite, hinten kreuzen und stehen."
Kaum ist Elke mit ihren Schritten fertig, hört man aus der letzten Reihe ein dumpfes "Umpf". Platt wie eine Flunder liegt der Wolf dort auf dem Bauch.
"Se derfed ned nur no rechds geha. Se müssa ihre beida linka Beine au midnehma, jungr Mo.", sagt die nette Schwäbin daraufhin.
„Gommese mol hier. Iech helfe nee“, klingt es im reinsten sächsisch von links. „Fix uff de Fieß un glei nochmol probiern."
„Und wieder: Zur Seite, zur Seite, hinten kreuzen und stehen.“
„Entschuldigung“, sagt der Wolf als er wieder auf allen vieren steht, „was meint denn die Dame da vorn mit „hinten kreuzen“?“
„Des isch ganz oifach. Se sedza ihr linkes Bein mol kurz hindr des rechde.“
Ach so. Na dann…
„Na, des klabbd bei Ihna do scho mordsmäßich vil besser“, stellt sie kurz darauf erfreut fest.
Das Lob geht unserem Wolf runter wie Öl.
Leider schaut das Rotkäppchen aus ihrer ersten Reihe nie zu ihm hinter und verpasst seine geradezu rasanten Fortschritte.
„Und nun das Ganze mal zur anderen Seite: also links, links, hinten kreuzen und stehen.“
Unser Wolf schaut gar nicht mehr zur Elke hin – wieso auch, das hat er ja verstanden!
Der Pulk der Tänzer setzt sich weisungsgemäß in Bewegung nach links. Elke zählt die Schritte ein und bei „stehen“ kommen alle zum Stehen. Kurz danach hört man wieder ein „Umpf“.
Wölfi hat sich wirklich Mühe gegeben, aber gegen die Schwerkraft kam er nicht an. Wie ein nasser Sack kippt er nun komplett nach links.
„Des dud mir so leid, jungr Mo. Habet Sie des ned gseha, dess Se jedzd des andere Bein no hinda nehma müssa?“
Nein, hat er offensichtlich nicht.
„Und ein letztes Mal nach links!“, verlangt die Elke.
Ich weiß, dass ihr jetzt alle auf ein neues „Umpf“ wartet, aber so doof ist unser Wolf ja dann doch nicht!
"Nun werden wir unseren Grundschritt etwas erweitern", verlangt die Elke.
"Wir beginnen wie vorhin: rechts, rechts, kreuzen", scharfer Blick zum Wolf, "und stehen. Dann kommt das Neue: Wir tippen mit der Spitze des rechten Fußes zweimal nach vorn und mit der Hacke einmal nach hinten."
"Rechds, rechds hinda kreiza, schdeha, dib, dib Hagge schdeha", echot es angestrengt von der Seite.
Bis zum zweiten "tip" gings ja noch gut. Aber bei "Hacke" ist unser Wolf raus.
Er hat nämlich keine.
Dementsprechend hat es ihm seine beiden rechten Beine nach vorne weggezogen und nun sitzt er ziemlich bedröppelt auf seinem Fellpopo.
"Machn Se sich kenne Gedankn. Se hot's schlichtweg net gut erklärn könn", meint die nette Dame aus Sachsen und schickt giftige Blicke in Richtung Elke.
Der Wolf hat die Schnauze gestrichen voll. Jeder Knochen tut ihm einzeln weh und blaue Flecken wird er kriegen, so groß wie Kontinente!
Das Rotkäppchen dagegen ist völlig beseelt. Den ganzen restlichen Abend schwärmt sie davon, sofort nach ihrer Rückkehr in den Märchenwald dort eine Line-Dance-Gruppe gründen zu wollen.
"Und die Gretel werd ich fragen und den Hänsel, nee den Hänsel besser nich, der hat noch weniger Rhythmusgefühl wie du, aber das Dornröschen muss mitmachen, die hat jetzt so lange geschlafen, die muss unbedingt was für ihre Kondition tun. Und den gestiefelten Kater, der ist doch immer so schick angezogen, der weiß bestimmt wo wir solche Cowboyhüte und die Stiefel herbekommen. Und Schneeweißchen und Rosenrot, die machen ganz bestimmt auch mit. Aber dann sind wir so viele Frauen, wir brauchen unbedingt noch mehr Männer. Weißt du was? Ich frag auch noch die sieben Zwerge..."
"Rotkäppchen und der Kreuzfahrtwolf" - ein Reisebericht der völlig an deren Art
Zwei Tage später...
"Schieb weiter!", stöhnt das Rotkäppchen.
"Käppchen, du musst dich auch selber ein wenig anstrengen. Alleine schaff ich das nicht", entgegnet der Wolf ziemlich atemlos.
Unsere beiden Protagonisten bieten ein Bild des höchsten Amüsements für alle Gäste, die sich aktuell im Four Elements aufhalten. Der Wolf hat nämlich sein Rotkäppchen überredet, mal den dortigen Klettergarten auszuprobieren. Und nun hängen sie beide auf der Leiter zwischen Deck 14 und Deck 15.
In den letzten zweihundert Jahren ist unser Rotkäppchen zu einer stattlichen Rotkappe herangewachsen. Und genau das erweist sich hier nun als echtes Handicap.
"Los jetzt!", fordert das Rotkäppchen, "nur noch drei Stufen bis oben."
"Du hast gut reden." Der Wolf klammert sich unterhalb des Rotkäppchens an der Leiter fest und versucht, sie mit aller Kraft weiter nach oben zu schieben.
'Wenn ich gewusst hätte, dass die so schwer ist wie sie aussieht, hätte ich den Vorschlag mit diesem Klettergarten gar nicht erst gemacht', denkt sich unser Wolf.
'Und wenn das hier fertig ist, müssen wir mal dringend über deine Ernährungsgewohnheiten reden, mein liebes Käppchen.'
"Na, das hat doch schon mal gut geklappt", sagt das Rotkäppchen als sie dann oben auf der Plattform steht. "Was mach ich jetzt hier mit den ganzen Schnüren?"
"Käppchen, das sind keine Schnüre, das sind Sicherungsleinen", entgegnet der Wolf. "Die hakst du hier oben ein und dann kannst du nicht mehr abstürzen."
"Diese dünnen Dinger sollen mich halten?", fragt das Rotkäppchen und begutachtet kritisch die Seile.
"Ja, mach dir keine Sorgen. Die halten bis hundert Kilo", versucht der Wolf das Rotkäppchen zu beruhigen.
"Ups", sagt das Käppchen nur und verlangt dann: "Gib mir mal deine Leine auch noch. Mit deinen vier Pfoten kannst du ja sowieso schon mal viel besser die Balance halten als unsereins."
Sie gehen los. Bis zur ersten Plattform ist es ja noch easy. Querbretter in angenehmen Abständen sind genau richtig zum Eingewöhnen. Aber jetzt kommt eine Stelle, wo eine mächtige blaue Kugel mitten im Weg hängt. Für den Wolf kein Problem, er macht sich ganz platt und stellt sich einfach vor, dies wäre Nachbars Zaun unter dem er durchmuss.
Ganz anders unser Rotkäppchen: "Wolfi, hier geht's nicht weiter. Was mach ich denn jetzt?"
"Drunter durch oder dran vorbei", antwortet ihr Begleiter, "wie's dir lieber ist."
"Bist du jeck?, fragt das Rotkäppchen entgeistert. "Dran vorbei geh ich nicht und drunter durch pass ich nicht."
"Schön, dass wir das mal geklärt haben", murmelt der Wolf und glaubt im nächsten Moment, sich verhört zu haben: "Ich soll was?"
"Räum das Ding aus dem Weg!", verlangt das Rotkäppchen nochmal energisch.
Der Wolf rollt mit den Augen und dreht sich zum Rotkäppchen um: "Und - wie heißt das Zauberwort mit den zwei "T"?"
"Aber flott!"
Wortlos dreht der Wolf sich wieder um und spaziert pfeifend weiter bis zur nächsten Plattform.
"Büdde, Wolfi." So jämmerlich hatte Rotkäppchens Stimme nur damals geklungen als sie ihm beichten musste, warum die Verstopfung des Goldesels auf ihr Konto ging. Aber das ist eine andere Geschichte.
Seufzend dreht sich der Wolf wieder zu ihr um: "Wie genau hast du dir das vorgestellt, hm?"
"Ich habe einen Plan", ruft sie ihm zu und erklärt ihm dann ganz genau, was er zu tun hat.
Kurz danach sieht man den Wolf auf seiner Plattform mit den Pfoten scharren, er dehnt und streckt sich ordentlich, nimmt Anlauf und springt mit einem mächtigen Satz gegen die Kugel an die er sich dann so fest klammert wie er nur kann. So versetzt er das riesige Hindernis in eine ordentliche Schwingung bis kurz unter das Dach des Four Elements und nun muss das Rotkäppchen einfach nur noch schnell sein.
Dafür wäre es hilfreich, wenn sie nun endlich mal in die Gänge käme.
"Los, Rotkäppchen!", brüllt der Wolf, der inzwischen kurz davor ist, mit der Kugel die Decke zu durchschlagen, "einfach die Beine bewegen, der Körper folgt dann von ganz allein"…
"Gimme four, I give you five", sagt das Rotkäppchen als sie dann beide auf der gegenüberliegenden Plattform zum Stehen gekommen sind, "das haben wir echt gut hinbekommen". Und dann schlägt sie mit ihrer Hand gegen die Pranke des Wolfes.
"Na ja", brummt der Wolf und reibt sich die Hüfte, "die einen sagen so, die anderen so".
Doch allzu lange kann sich das Rotkäppchen auf ihrer erbrachten Leistung nicht ausruhen. Bereits das übernächste Hindernis trägt wieder gewaltiges Spaltungspotenzial für unsere beiden Märchenwaldbewohner in sich. Eine ungefähr drei Meter lange Röhre hängt in der Mitte des Klettergartens und damit auch im Zentrum des Four Elements unter der Decke.
Was soll schon passieren, denkt sich unser Wolf, marschiert rein in die Röhre und streckt sich dort erstmal lang aus - eine Wohltat für seine lädierte Hüfte!
Das Rotkäppchen dagegen ist noch damit beschäftigt, ihre ganzen Sicherungsleinen von der einen Stange ab- und an die andere Stange ranzuknüppern. Etwas skeptisch begutachtet sie dann den Querschnitt der Röhre.
Ach was wird schon klappen, macht sie sich selbst Mut und krabbelt drauflos. Bis zum Beckenansatz geht auch alles gut. Dann ein Ruck und fest steckt sie. Ein ziemlich undamenhaftes Schimpfwort kommt aus der Kehle des Rotkäppchens und lässt den Wolf hochschrecken.
"Warum immer ich?", seufzt er und macht, dass er aus der Röhre kommt.
"Du kannst mich doch jetzt hier nicht so einfach stecken lassen", zetert das Rotkäppchen und denkt dabei angestrengt über Alternativen nach.
Dumm ist sie nicht. Sie krabbelt also im Rückwärtsgang wieder raus aus der Röhre. Ihr Plan: oben auf die Röhre draufsetzen und rüberrutschen. Sieht vielleicht nicht sehr geschmeidig aus, ist aber ein machbarer Kompromiss. Und es klappt bis zur Mitte der Röhre auch ganz gut. Dann nimmt sie einmal zu viel Schwung, verliert das Gleichgewicht und noch ehe sie überhaupt "Hilfe" rufen kann, fällt sie schon aus rd. fünf Metern Höhe ...
...direkt in die starken Pfoten von Wölfi, der mal wieder brenzlige Situationen durch die Tür riechen konnte.
Keine halbe Stunde später sitzen die beiden einträchtig im Fuego-Restaurant auf Deck 14 und lassen sich Pizza und Burger schmecken. Eine Sache liegt dem Wolf dann aber doch noch am Herzen.
"Du Käppchen?"
"Ja?"
"Ja, also ich weiß jetzt gar nicht so richtig wie ich anfangen soll... also wegen eben..."
"Wölfi, ich bin dir ja so dankbar, dass du mich aufgefangen hast, hast echt einen gut bei mir! Das hätte böse enden können."
"Ja, ja schon gut, aber das meine ich nicht."
"Was denn dann?"
Unser Wolf seufzt erst mal ganz tief, bevor er nun weiterspricht.
"Also ich wollt's dir ja schon lange sagen, aber ich wusste immer nicht wie..."
Längst hat das Rotkäppchen ihre vor Fett triefende Pizza beiseitegelegt und sieht nun ihr Gegenüber freudig erwartungsvoll an.
'Ich hab's gewusst, ich hab's gewusst, ich hab's immer gewusst, YESSS!', jubiliert es in ihr.
"Also es ist wegen dem Schneiderlein...", sagt der Wolf und wagt es dabei kaum, unser Rotkäppchen anzusehen.
"Was?! Wie kommste denn jetzt auf den?", fragt das Rotkäppchen perplex.
"Ja, also... es gibt da so ein Gerücht, warum er überall das tapfere Schneiderlein genannt wird..."
"Ja klar, weil er sieben auf einen Streich erlegt hat."
"Und genau das ist das Gerücht", sagt nun der Wolf vorsichtig. "Weißt du, damals in der Zeit als es uns so sehr gut ging im Märchenwald und du jeden Tag mit einem ganzen Kuchen im Körbchen zur Großmutter losmarschiert bist und immer nur mit einem halben Kuchen bei ihr ankamst..."
"Das habt ihr mitbekommen?", Rotkäppchen ist etwas von den Socken.
"Na ja, war ja nicht zu übersehen. Und jede Nacht, wenn du geschlafen hast, dann hat das Schneiderlein Sonderschichten geschoben und ehrenamtlich die Nähte an deinem Rotkäppchengewand etwas ausgelassen. Das waren verdammt lange harte Nächte für ihn. Und seitdem heißt er eben das tapfere Schneiderlein."
"Oh, wie peinlich!" Unser Rotkäppchen ist ziemlich sprachlos. Das muss sie erst mal verdauen...
"Rotkäppchen und der Kreuzfahrtwolf" - ein Reisebericht der völlig anderen Art
„Die gucken alle so komisch!“, zischelte sie leise in seine Richtung.
„WAS?“
„Mann, nicht so laut! Die gucken alle so – komisch, eben!“
„Findest Du?“
„Du nich?“
„WAS?“
„Findest Du nicht, dass die alle komisch gucken?“
„Oh Mann!“, sichtlich genervt rauft der Wolf sich mit seinen beiden Riesenpranken das Kopfhaar, woraufhin das Rotkäppchen loskichert.
„JETZT gucken sie wirklich alle komisch! Ich wette, die haben noch nie einen Wolf mit so einer Irokesenfrisur gesehen.“
„Die haben alle noch NIE einen Wolf gesehen. Soviel steht schon mal fest!“
„Jetzt weiß ich’s! Die gucken alle wegen Dir so komisch!“
„Das kannst Du vergessen! Das Vorkommen von Wölfen in deutschen Märchenwäldern ist nun wirklich schon seit Jahren bekannt und ging durch alle Zeitungen. Ich kann mich aber beim besten Willen nicht erinnern, dass es mal eine Schlagzeile gab wie: „Rotkäppchen bummelt durch die Edelboutiquen am Kudamm“ oder „Rotkäppchen beim Baden am Wannsee gesichtet“. Die haben noch nie das echte Rotkäppchen gesehen und jetzt gucken sie alle wegen Dir. SO!“
Ja, man kann es nicht anders sagen: unser Rotkäppchen und ihr Begleiter erregen im Kreuzfahrtterminal Hamburg-Steinwerder schon durch ihre bloße Anwesenheit einiges Aufsehen. Das hindert die Beiden aber nicht, sich leidenschaftlich weiter zu kabbeln.
„Vielleicht liegt das ja auch an deinem komischen Gepäck, dass die alle so gucken.“
„Was meinst Du?“
„Alle stehen hier mit Koffern oder Rucksäcken. Ist dir noch nicht aufgefallen, dass Du hier die Einzige bist mit einem Korb in dem Kuchen und Wein liegen?“
„ICH BIN DAS ROTKÄPPCHEN!“, entrüstet sich das Rotkäppchen. „Ich MUSS Wein und Kuchen bringen!"
„Ja - meinetwegen kannste das zur Oma schleppen, aber doch nicht auf ein Kreuzfahrtschiff.“
„Wieso? Gibt's hier keine Omas?“
„Ich fass es nicht! Das Briefing mit den Verhaltensmaßregeln beim Verlassen des Märchenwaldes hast du wohl komplett verschlafen, oder?“
"Äh, na ja. Ich hab mich mit der klugen Bauerstochter unterhalten. Die studiert doch jetzt Kommuta... Kommunis... Kommunat..., also irgendwas mit Medien."
"Und?", beugt sich der Wolf interessiert nach vorne unten und hängt nun höchstens 3 cm vor Rotkäppchens Nase.
"Und die hat mir geraten, ich soll ganz natürlich auftreten, so wie ich immer bin. Heutzutage könne jeder so sein, wie er will, hat sie gesagt."
"Ja - und ich wette diesen Satz hat sie auch noch gegendert!"
"Ge-was?"
"Vergiss es!", winkt der Wolf ab. "Du bist wirklich die Erste, die Alkohol auf ein Kreuzfahrtschiff raufträgt. Deine Freundin hätte Dir aber wenigstens raten können, das Zeug in einen Rucksack zu packen. Mal ehrlich!"
"Bei der Gelegenheit", sagt der Wolf weiter und richtet sich nun wieder zu seiner vollen Größe auf, "warum ist eigentlich nicht sie mit dir auf diese Reise gegangen? Ist doch schließlich deine Freundin!"
"Na ja, also...", sagt das Rotkäppchen und bekommt zu seinem roten Käppchen und seinem roten Gewand auch noch ein rotes Gesicht.
"Ihr Königsgemahl hatte ja dann irgendwann mitbekommen, dass sie ihn bei den Aufgaben ein wenig ausgetrickst hatte..."
"Ich weiß", knurrt der Wolf, "ich kenn die Geschichte."
"Und dann hat er sie ja aus dem Königsschloss verwiesen", schwadroniert das Rotkäppchen weiter.
"Auch davon hab ich schon gehört. Weiter!"
"Na ja. Und sie durfte doch das, was ihr am Liebsten war aus dem Schloss mitnehmen."
"Jaaahaaa!"
"Und da hat sie doch ihn - ihren Gemahl - mitgenommen."
"Würdest du jetzt mal bitte endlich zum Punkt kommen!", stöhnt der Wolf.
"Na ja. Dem König gefällt es sehr gut auf dem Bauernhof. Er will jetzt auch kein König mehr sein. Er wär lieber Biobauer. Neulich war schon so ein entfernter Verwandter von ihm da und hat ihm gezeigt, wie man Käse macht. Und jetzt will sie zurück aufs Schloss und er eben nicht. Die Beiden haben gerade eine kleine Krise."
"Entfernter Verwandter?", fragt der Wolf.
"Ja, dieser Charlie oder so ähnlich. Der hatte fast so große Ohren wie du. Nur mit weniger Haaren."
"Und was ist mit dieser Rapunzel?", fragt der Wolf weiter, "warum fährt die nicht mit dir?"
"Die kann nicht", antwortet das Rotkäppchen eingeschnappt, "die muss zum Friseur".
"Die ganze Woche?", fragt der Wolf ungläubig.
"Nee, nur von Mittwoch bis Freitag."
"Okay", sagt der Wolf und kratzt sich bedächtig am Kopf.
"Lass mich das kurz zusammenfassen, nur damit ich das richtig auf die Reihe kriege. Du wolltest unbedingt mal in die große weite Welt und deine Freundinnen haben dich alle versetzt. Und jetzt bin ich deine Notlösung, oder wie?"
"Aber Wolfi", sagt das Rotkäppchen in einer Stimmlage, die eher zu einer 0900er Telefonnummer passen würde, "wir beide sind doch schon seit über 200 Jahren so miteinander", und dabei verhakelt sie ihre Zeigefinger.
"Wir sind best friends forever", fährt sie fort, "und ich kenn dich schließlich in- und auswendig."
"Ja, hast ja Recht", gibt der Wolf kleinlaut zu, "aber jetzt hör bitte auf, mir diese peinliche Geschichte mit dem Fressen immer wieder unter die Nase zu reiben."
"Nichts liegt mir ferner, Wolfi. Aber wir haben uns doch damals geschworen, gemeinsam durch dick und dünn zu gehen. Hast du das schon vergessen?"
"Na ja. Wenn ich mir dich so ansehe, dann gehen wir schon seit geraumer Zeit nur noch durch dick", murmelt der Wolf leise vor sich hin.
"Was hast du gerade gesagt?"
"Nichts, nichts", beeilt sich der Wolf zu sagen, "guck mal da vorne winkt einer. Ich glaube, wir sind endlich dran."
Durch die Sicherheitsschleuse kamen unser Wolf und seine Begleitung nur durch, weil sie versprachen, Kuchen und Wein noch vor dem Betreten des Schiffes entweder aufzuessen oder zu vernichten.
Kurz dahinter kamen sie dann an der obligatorischen Fotoecke vorbei und die entwickelte sich zum absoluten Highlight des Tages.
Bei Kuchen und Wein entstand dort die Idee "AIDA - ein Märchen" und so finden sich nun deutschlandweit überall Fotos auf denen Kreuzfahrtpassagiere ein strahlendes Rotkäppchen umarmen.
Ein besonderer Hit waren allerdings die Motive, auf denen sich der Wolf breit grinsend anschleicht und dann so tut als wolle er dem Familienoberhaupt von hinten an die Gurgel. Gern genommen wurde aber auch die Variante in der sich der Wolf im Vordergrund räckelt und dabei mit seinen Pfoten ein "Victory"-Zeichen formt.
So einen reißenden Absatz fanden die Einschiffungsfotos noch nie. Man munkelt ja, dass AIDA nun aktuell in Verhandlung mit dem Rumpelstilzchen stehen soll.
Lange habe ich nichts von mir hören lassen, aber irgendwann hat es mich dann doch wieder in den Fingern gejuckt...
Ein wichtiger Hinweis: Ihr befindet euch hier im Cartoon-Thread. Also: bitte nicht alles so ernst nehmen.
Ich wünsche Euch viel Spaß bei:
"Rotkäppchen und der Kreuzfahrtwolf" - ein Reisebericht der völlig anderen Art
Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit.
Da machten sich zwei auf in Richtung der großen Stadt Hamburg. Mit der AIDAprima wollten sie eine Woche unterwegs sein – der Resturlaub musste genommen werden und sie wollten (zumindest einmal) einem von diesen großen Pötten eine Chance geben.
Das Fazit dieser Woche ist mehr als mies – aus verschiedenen Gründen für die AIDA meist gar nichts kann.
Zu einen ging‘s schon mal damit los, dass wir Le Havre nicht anlaufen konnten, da die Franzosen ja noch für den gleitenden Übergang von der Midlife-Krisis ins Rentenalter generalstreikten.
In den zwei Tagen, die wir daraufhin im verregneten Southampton verbringen durften, fing ich mir einen Noro ein, der sich echt gewaschen hatte. Der Hafen Zeebrügge wurde aus anderen Gründen auf einen halben Tag zusammengestrichen – und an dem regnete es dann auch noch weiter aus Kübeln. Da ich eh noch etwas wacklig auf den Beinen war und erst mal wieder lernen musste meiner Peristaltik zu vertrauen, blieben wir auch da an Bord. Rotterdam war dann das Highlight dieser Reise. Das Wetter war schön, mir ging es besser und wir verbrachten einen sonnigen Tag am windigen Strand von Hoek van Holland.
Das schöne Wetter hielt auch am letzten Seetag an und offenbarte gnadenlos die Schwächen des Kahns: Platz. Genauer gesagt, teilt sich die zur Verfügung stehende Liegestuhlstellfläche mühsam bis gar nicht durch die Anzahl der sonnenhungrigen Passagiere.
Insgesamt also eine Woche über die ich im Leben keinen Reisebericht geschrieben hätte. Aber wie das bei mir so ist, es gärte… lange, in mir.
Und irgendwie bekam ich Lust, das eine und das andere so ein wenig – sagen wir mal: zu verquicken. Das eine war die Kreuzfahrt – und das andere?
Das andere ist – aus meiner Sicht – eine Berliner Institution in der Winterzeit: die Märchenhütten am Ufer der Spree gegenüber des Bode-Museums. Seit ungefähr 20 Jahren stehen sie da nun schon – die beiden Märchenhütten "Jakob Grimm" und „Wilhelm Grimm".
Und seit genau so langer Zeit gibt es immer wieder Ärger mit dem Bezirksamt Mitte. Mal ist es der Brandschutz, mal ein angeblich fehlender Notausgang, mal ein auslaufender Mietvertrag – irgendwas ist immer. Der Spruch „Totgesagte leben länger“ könnte von den Betreibern der Märchenhütten erfunden worden sein, ist er aber nicht.
Nachmittags werden hier also in der Winterzeit Märchen für Kinder gespielt – und abends für Erwachsene. In der Erwachsenenvariante wird sich nur noch grob ans Original gehalten. Vor einigen Jahren sahen wir z.B. eine Version in der der böse Wolf das Rotkäppchen auf gar keinen Fall fressen wollte – nein, er wollte es lieber vernaschen.
Im letzten Winter gab's dann eine völlig andere Variante. Aus dem kleinen Rotkäppchen war eine ca. 60jährige gestandene Rotkappe geworden, die dem schmächtigen Wolf ordentlich sagte, wo’s langging. Sehr sehr sehr lustig!
Und nun werdet ihr das Vergnügen haben, eine Geschichte zu lesen, die zwei Welten in sich vereint.
Welten, die sich im wahren Leben niemals begegnen werden und eine Geschichte, die sich so auch nie zugetragen hat...
Nein, die Zuteilung des Hotels war bei uns Glückssache. Ob es die Möglichkeit eines Wunsches gibt, weiß ich nicht. Darüber hatte ich mir im Vorfeld auch keine Gedanken gemacht.
@all
Vielen Dank für eure lieben Kommentare. Reisebericht schreiben ist doch mein liebstes Hobby.
Heute haben wir den Tag – wie es so schön heißt: „zur freien Verfügung“. Man könnte soooo viel machen. Man könnte auf den Green Lanes wandern, kleine Straßen auf denen Fußgänger und Fahrradfahrer Vorrang haben, man könnte die gesamte St. Quen’s Bay entlanglaufen und mal so richtig Seeluft tanken, man könnte auch zu Jersey Gems fahren, sich dort seine Auster aussuchen und dann zusehen, wie sie geknackt wird und eine wunderschöne Perle an Licht kommt (gegen ein geringes Entgelt natürlich). Man könnte in den Jersey Zoo fahren oder bei der Jersey Lavender-Farm vorbeischnuppern oder natürlich die War Tunnels besuchen.
Erschlagen von der Fülle der Möglichkeiten fahren wir mit dem Bus nach St. Helier und wollen uns dort mal die Markt- und die Fischhalle ansehen. Bei unserer Stadtführung am Montag war ja leider alles geschlossen.
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Das Wetter heute ist nieselig bis regnerisch. Das allererste Mal – wir hatten ja schon fast vergessen, wie sich Regen anfühlt. Also eigentlich wie gemacht für einen Stadtbummel mit anschließender original English-Teatime.
Vorher machen wir aber erst noch eine ordentliche Wanderung entlang der Promenade Havre des Pas und entdecken dadurch zufällig einen kleinen Kiosk, der es mit seinen Speisen auch schon in die einschlägigen Reiseführer geschafft hat – ähnlich wie der „Hungry Man“ in der Rozel Bay.
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Wir probieren später nochmal unser Glück bei Rosies Tea Room – hier soll man eine ganz tolle Teatime genießen können. Leider ist bei Rosie schon alles belegt. Pech gehabt!
Soll diese Woche tatsächlich ohne richtigen Creamtea zu Ende gehen? Etwas geknickt sitzen wir wieder im Bus nach Hause und starten einen letzten, aber dafür sehr erfolgreichen Versuch im Hotel L’Horizon.
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Leider hat sich am Inhalt gegenüber Mittwoch nur Unwesentliches geändert – der Keks fehlt. Und den hatte ich ja als das einzig Essbare an der Kiste ausgemacht.
Pünktlich um 06:40 Uhr startet unser Bus mit uns zum Flughafen. Noch vor 07:00 Uhr sind wir dann schon dort. Dies ist eben die Insel der kurzen Wege.
Um 09:00 Uhr soll unser Flieger wieder Richtung Berlin starten.
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Bis wir dann tatsächlich in der Luft sind, ist es zwanzig nach 9 und wir fliegen auch nicht auf direktem Weg nach Hause, sondern wir fliegen erst mal nach Guernsey, um dort die andere Hälfte der Reisegruppe aufzunehmen, die eine Rundreise mit „Inselwechsel“ gebucht hatte.
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Auf dem Flughafen von Guernsey geht auch alles nicht ganz so schnell wie eigentlich gedacht und mit einer rd. 1-stündigen Verspätung landen wir dann gegen 14:30 Uhr wieder auf dem BER.
Fazit:
Keines der gängigen und gern gepflegten Vorurteile gegen diese Inseln (zu schlechtes Wetter, zu schlechtes Essen, nix los, nur kahle Felsen mit Briefkastenfirmen, …) hat sich bestätigt.
Wir haben dieses versteckte Paradies lieben gelernt und wir haben uns fest vorgenommen, dass wir hierher nochmal zurückkommen.
Wieder einmal möchte ich allen Lesern dieses Reiseberichtes ganz herzlich danken. Es hat mir ausgesprochen viel Freude gemacht, euch auf unsere Reise mitzunehmen.
Zum Schluss habe ich nun noch eine ganze Reihe von Bildern, die ich irgendwie im Bericht nicht unterbringen konnte. Die möchte ich euch nicht vorenthalten.
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Heute können wir mal ausschlafen. Erst gegen halb zehn wird der Bus uns heute abholen. Und eigentlich könnten wir bis zu der ersten Station des heutigen Tages auch laufen. Genaugenommen sind wir das auch schon – und zwar am Montag.
Wie schon mal weiter vorn in diesem Bericht erwähnt, besteht unsere Reisegruppe aus insgesamt 31 Mann, die verteilt auf drei Hotels (2 x in St. Helier, 1 x in St. Brelade's) untergebracht wurden. Wir wissen zwar inzwischen (zumindest von außen) wo die anderen untergebracht sind, sie aber wissen das nicht von uns, weil wir bisher immer die ersten waren, die abgeholt wurden.
Leider habe ich kein vernünftiges Bild gemacht, deshalb muss ich das verwenden, dass ich wohl schon mal genommen habe.
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Was man auf dem Bild nicht sieht ist, dass der Bürgersteig - das Ding überhaupt so zu nennen, ist schon eine maßlose Übertreibung - gerade mal knapp einen halben Meter breit ist.
Als also der Bus mit unseren Mitreisenden dann quasi direkt "in der Lobby" unserer Herberge hält und wir einsteigen, sehe ich tatsächlich in das eine oder andere "Na, hier möchte ich aber auch nicht wohnen."-Gesicht. Ich kann das verstehen - würde ich an ihrer Stelle auch denken.
Woher kommt nur dieses Kribbeln in meinem Bauch?
Hach ja, das ist Vorfreude.
Wie gesagt, zum ersten "Programmpunkt" des heutigen Tages hätten wir auch gemütlich laufen können. Eine kurze Erklärung dazu, hatte ich ja schon am Montag mit geliefert. Wir besuchen nochmal die St. Brelade’s Parish Church mit der Fisherman’s Chapel.
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Und gleich hinter der Kirche hat man ja diesen phantastischen Blick auf die Bucht von St. Brelade. Ihr kennt den ja schon - das habt ihr unseren Mitreisenden aus den anderen beiden Hotels also voraus...
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Und nicht wenige von ihnen stehen dann also am Rand dieses kleinen Friedhofs und sagen: "Das ist ja auch eine wunderschöne Bucht hier."
Und ich schwöre - jedesmal wenn dieser Satz fällt, dann steht jemand aus unserer Truppe daneben und sagt: "Ja - und das weiße Haus dahinten, mit den Balkons, das ist unser Hotel." Yesss.
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Außerdem finden sich hier die Überreste von Grosnez Castle. Die Burg wurde im 4. Jhd. erbaut. Heute ist nur noch der markante Torbogen erhalten, dem inzwischen auch die Zugbrücke schon fehlt.
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Nur rd. 2 km südlich davon liegt dann Faulkners Fisheries. Hier hat in einem der ehemaligen Bunker des Atlantikwalls, am nördlichsten Punkt der St. Quen's Bay betreibt Sean Faulkner seit 1980 sein Unternehmen, dass sich auf Meeresfrüchte aller Art spezialisiert hat und hauptsächlich vom Export dieser Früchte nach England und Frankreich lebt.
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Nicht weit entfernt werden wir wieder mit der jüngeren Geschichte der Insel konfrontiert. Die Battery Moltke gehörte während der Besetzung durch die Wehrmacht im 2. Weltkrieg zum Atlantikwall. Die Inseln Jersey und Guernsey wurden Anfang Juli 1940 von den Deutschen besetzt und waren das einzige jemals von den Deutschen besetzte britische Gebiet. Mehr als 500.000 Kubikmeter Beton wurden damals an den Stränden der Inseln verbaut und viele der Stellungen existieren bis heute. Als Restaurant - wie bei Faulkner, als Vogelausguck oder auch als Strandpromenade werden sie heute genutzt. Besucht man die Kanalinseln kommt man um die jüngere deutsche Geschichte nicht drum rum.
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Die Briten griffen nie ihr eigenes Territorium an und am 09. Mai 1945 ergaben sich die deutschen Truppen kampflos.
Wieder nur ein wenig nördlich findet sich dann ein ganz anderes Wahrzeichen der Insel. Vor einigen Jahren hat ein Künstler im Auftrag des National Trust Jersey diese Skulptur geschaffen. Noch Anfang des letzten Jhd. brüteten mehrere hundert Paare von Papageientaucher an den Klippen Jerseys. Inzwischen sollen es wohl nur noch 4 Paare sein, die regelmäßig jedes Jahr hierher zurückkehren. Die Kanalinseln als Brutplatz für Papageientaucher hatte ich irgendwie gar nicht auf dem Plan. Ich dachte immer, die würden nur viel weiter nördlich brüten.
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Ein letzter Blick über die Weite dieser Landschaft und dann geht es auch schon weiter zum Mittagessen. Wir kehren ein in "Les Fontaines Tavern". Da das Wetter es wieder ausgesprochen gut mit uns meint, sitzen wir dort im Garten und Göga genießt "Babyspareribes" für ganze 7 £.
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Egal, in welchen kleinen Pub es uns in dieser Woche zum Mittagessen auch hin verschlagen hat, wir haben überall immer ausgesprochen lecker und sehr preiswert gegessen.
Erst gegen 15:00 Uhr machen wir uns dann auf in Richtung St. Helier und damit gleichzeitig auch zum vorletzten Punkt unseres „offiziellen“ Programms dieser Reise.
Wir fahren zum „Seafield Estate“, dem Privatgarten eines ehemals im mittleren Finanzmanagement tätigen heutigen Privatiers.
Nein, Spaß!
Der Herr war wohl mal bei Sotheby’s und als er des Versteigerns müde war, beschloss er, sich nur noch um seinen Garten zu kümmern. Oder so ähnlich!
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Das ist aber auch ein wirklich schweres Leben, wenn man das alles so schön in Schuss halten will! Smiley
Nächster und nun wirklich allerletzter Stop ist der kleine Ort. St. Aubin, der der Bucht den Namen gab. Ich hatte den Ort schon mal kurz erwähnt – das war die Geschichte mit Marx und Engels, ihr erinnert euch?
Wenn der kleine Ort vor rd. 160 Jahren auch schon so apart rüberkam wie heute, dann muss es einen nicht wundern, wenn schon die großen Gesellschaftstheoretiker ihrer Zeit, hier ihre raue Wirklichkeit aufpimpten.
Unser Programm verhindert heute jegliches ausschlafen. Und leider auch das Frühstücken.
Ab 06:20 Uhr können wir uns an der Rezeption unsere „Frühstücksboxen“ abholen. Der Inhalt dieser Box lässt mich gruseln: 2 gummiartige belegte Sandwiches, bei denen sich der liebe Lord Sandwich wahrscheinlich heute noch im Grab umdrehen würde, ein giftig grüner Apfel, ein Schokokeks und 1 Tüte Kartoffelchips. Das einzig, um diese Zeit genießbare, war der Keks. Dieses Ding Frühstücksbox zu nennen, ist eine mehr als ambitionierte Wortwahl.
Egal. Wir können es nicht ändern und die Chance, heute doch noch etwas Besseres zwischen die Kiemen zu kriegen, besteht ja immerhin.
Um 07:20 Uhr steht dann pünktlich unser Bus vor dem Hotel um uns zum „Elizabeth Fährterminal“ zu bringen. Heute machen wir einen Tagesausflug zu den „Donkeys“ – wir fahren auf die Nachbarinsel Guernsey.
Dafür muss sich der Bus in den Berufsverkehr – hinein nach St. Helier stellen.
Die Straße führt direkt an der Bucht der St. Aubin’s Bay entlang. Auch zu dieser frühen Stunde ist am Strand schon manches los. Ein Reiter hat mit seinen drei Hunden aber viel Platz, um mit seinem Pferd gemächlich im Gegenlicht der aufgehenden Sonne an der Wasserkante zu entlangzureiten. Die Hunde spielen und toben – eine Szene wie aus einem Pilcher-Film.
„Der ist bestimmt auf dem Weg ins Büro.“ Da sind wir uns einig.
Hach ja, im mittleren Finanzmanagement müsste man arbeiten!
Einige Minuten später – wir stehen immer noch im Stau vor St. Helier - hat der Reiter umgedreht und jagt nun im gestreckten Galopp zurück Richtung St. Aubin, so schnell, dass die Hunde kaum nachkommen.
„Oh, guckt mal…!“, mache ich die anderen im Bus auf diese Szenerie aufmerksam.
„Frühstücksbox vergessen.“, ist Kai’s trockener Kommentar dazu.
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Die Fahrt mit Condorferry dauert ungefähr eine Stunde und da die Insel Guernsey von uns aus nordwestlich liegt, kriege ich den Leuchtturm La Corbiere auch noch von der Wasserseite aus vor die Kamera.
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Übrigens benötigt man auch für diese kurze Fahrt seinen Reisepass. Gepäck und Leute werden durchleuchtet, immerhin fährt man von einem Drittstaat in einen anderen. Bloß einen Stempel in den Pass – den gibt’s wieder nicht.
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Unser Reiseleiter Christian ist auch heute an unserer Seite und unterhält uns auf der kurzen Fahrt über die Insel schon mal wieder mit viel Interessantem.
Auf die Nummernschilder hier auf Guernsey sollten wir mal achten, rät er uns. Die Kosten eines Nummernschildes richteten sich nämlich nach der Anzahl der Zahlen. Richtig teuer sei ein Nummernschild, dass nur 2 Ziffern trage. Das koste den Besitzer dann schon mal durchaus rd. 160.000 £. Ein dreistelliges Schild sei schon etwas preiswerter und koste nur rd. 100.000 £. Fünfstellige Nummernschilder kosten den normalen Verwaltungspreis. Dafür sind sie aber allesamt übertragbar und der Besitzer kann sich ein Leben lang dran erfreuen. Na ja, wer’s braucht.
Übrigens gibt’s auf Guernsey keinen TÜV. Deshalb kann die Karre noch so rostig und abgewrackt sein, sie dürfte trotzdem durch Europa gondeln.
Da Guernsey flächenmäßig noch etwas kleiner als Jersey ist, kommen wir sehr schnell an unserem ersten Ziel an: der Little Chapel in der Inselmitte beim Ort Les Vauxbelets.
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Ja, sie sieht klein aus. Trotzdem kann man durchlaufen. Sie soll mit nur 5 Metern Länge das kleinste Gotteshaus der Welt sein. Erbaut ab 1914 und verziert mit Porzellan- und Glasscherben wurde die erste Version der Kirche vom Erbauer wieder abgerissen. Es stellte sich nämlich heraus, dass der eingeladene Bischoff, der die Kirche weihen sollte, nicht durch deren Türe passte.
Gut, dass wir schon in der Wochenmitte hier vorbeischauen, denn bei dem guten Essen, das uns hier jeden Tag serviert wird (mal von der Frühstücksbox heute Morgen abgesehen), weiß ich nicht, ob wir nicht auch am Ende der Woche in der Türe steckenbleiben würden.
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Nee, passt noch!
Nach dem Besuch der Little Chapel machen wir eine kleine Inselrundfahrt – z.B. vorbei an der Europazentrale von Mr. Spex-Brillen. Die sind hier auch der größte Arbeitgeber auf der Insel. Auch hier auf Guernsey herrschen steuertechnisch ähnlich paradiesische Zustände wie auf der Nachbarinsel. Max. 20% Steuern sind zu zahlen, auf ausländische Einkommen sind überhaupt keine Steuern zu zahlen und für 6,6% seines Lohnes erhält ein normaler Arbeitnehmer Krankenversicherung und Rente.
Weitergeht es über die Insel, wo noch ab und zu einige Gewächshäuser zu sehen sind. Die „Guernsey Toms“ – die Tomaten der Insel waren ehemals ein absoluter Exportschlager.
Leider kann ich aus dem Bus nur schwer vernünftige Fotos machen, aber schicke Häuser haben sie hier auf jeden Fall. Früher gab es auf der Insel 268 Steinbrüche, in denen feinster Granit abgebaut wurde. Die rosa Stufen der Westminster Abbey bestehen z.B. aus Granit von Guernsey. Und ganz viel dieses rosa Granits ist auch hier verbaut. Teilweise sollen die Mauern der Häuser einen Meter dick sein.
Heute wird in den alten Steinbrüchen das Regenwasser gesammelt, um es für die Einwohner der Insel zu verwenden.
Den Abschluss unseres Tages auf Guernsey bildet nun noch eine kurze Stadtführung.
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Die Stadtführung endet dann wieder in der Nähe des Hafens, von wo aus unsere Fähre dann um 15:00 Uhr schon wieder zurück nach St. Helier fährt. Leider muss man auch hier schon wieder mindestens eine Stunde vorher da sein (aufwendige Passkontrollen).
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Unnötig zu erwähnen, ich tu’s aber trotzdem:
Auch Guernsey ist auf jeden Fall eine eigene Reise wert.
Zurück im Hotel wäre es viel zu schade, jetzt irgendwie auf dem Zimmer sitzen zu bleiben. Uns zieht es wieder mal an „unseren“ Strand und danach in Bar um einen sehr fruchtigen Cocktail vor dem Abendessen zu genießen.
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Apropos: Da man ja früh auf der Karte ankreuzen soll, was man abends im Rahmen unserer Halbpension auf dem Teller zu sehen wünscht – ich mir aber schon einige Male bis abends nicht merken konnte, was ich mir da früh ausgesucht hatte und dann immer fragend die Schultern hochziehen musste, bin ich dazu übergegangen, morgens die Karte mit meinen Kreuzchen zu fotografieren.
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Auch an diesem Abend wird es wieder ziemlich spät im „Golden Sands“ an der St. Brelade’s Bay. Nachdem die Kellner unsere Truppe dann mehr oder weniger wieder aus dem Restaurant hinauskomplementieren mussten, sitzen wir noch eine ganze Weile mit den beiden älteren befreundeten Damen in der Hotelbar.