Sommer 2020, was hatten wir uns darauf gefreut, endlich, endlich geht es nach Hawai´i, viel Sparen, Planen und Buchen, alles ist fertig und dann ... tja, dann kommt der März 2020, ein klitzekleines Ding, das unter dem Mikroskop aussieht wie eine Krone und heißt wie ein Bier ... war wohl nix mit dem Paradies im Pazifik.
Umplanen, runterfahren und neu booten, 4 Wochen Sommerurlaub sind eingereicht, nehmen müssen wir sie. Zuhause bleiben, ja, aber nicht die ganze Zeit, somit ging es eine Woche nach Dänemark (falls ihr Interesse habt, kann ich dazu noch einen kleinen Bericht einstellen) und dann eine Woche in die Heide. Fängt schließlich auch mit "H" an, wie Hawai´i, ist nicht so weit und ehrlich gesagt hätte ich nieeeeemals Urlaub dort gemacht, ist doch was für alte Leute, so das Vorurteil
. Die deutsche Küste, ob Ost- oder Nordsee war uns zu voll, in die Berge zu weit, der Harz irgendwie nicht unser Ding, Mecklenburg war alles, was uns gefallen hätte entweder zu teuer oder ausgebucht, also warum in die Ferne schweifen, wir fahren in die Heide.
Auf Wunsch von Emmalotta , die auch noch dorthin will schreibe ich einen kleinen Bericht über unsere Erlebnisse. Falls Ihr Lust habt, steigt in die Kutsche und kommt mit. Ihr habt ganz viel Platz darin, wir sind nicht Kutsche gefahren
.
Samstag, 18.07.2020
Heute machen wir uns auf die „weite Reise“ in die Lüneburger Heide, Undeloh oder genauer Wesel, ein Ortsteil von Undeloh, ist unser Ziel, 88 km entfernt. Mit dem Ferienhausvermieter hatte ich unsere Ankunftszeit auf 14 Uhr vereinbart, wir fahren gegen 12 Uhr los, da Ferienbeginn in Niedersachsen und der übliche samstägliche Rückreiseverkehr aus Dänemark ist, rechnen wir mit mehr Zeit, als normal. Die Idee war gut, das Navi lässt uns schon vorzeitig von der Autobahn abfahren und führt uns bis Bahrenfeld quer durch die Stadt. Im Elbtunnel staut es sich ein wenig, aber alles in allem kommen wir gut durch und sind nahezu pünktlich angekommen:
Unser Ferienhaus, ist nicht direkt in Undeloh, sondern gute 5 km ausserhalb, was sich im Nachhinein als ein Segen herausstellt, wir wohnen mitten im Nichts, direkt im Wald, mitten auf dem Dorf. Das Haus ist groß, geräumig und hübsch eingerichtet. Einzig die Matratzen im Schlafzimmer, viel zu hart, und die Türklinken sind grauenhaft, die quietschen, keine Tür kann man öffnen, ohne das ganze Haus zu wecken. Leider gibt auch die Spülmaschine sofort den Geist auf, so dass wir eine Woche „back to the roots“ … äh vielmehr „back to hands“ wieder von Hand spülen. Hier der Blick in den Garten:
Wir kochen uns erst mal einen Kaffee, packen unsere Sachen aus und machen es uns gemütlich. Das Wetter ist nach wie vor prima, leicht bedeckt, aber angenehm warm, so dass wir beschließen, eine erste kleine Wanderung zu wagen, wir entschließen uns für den Weg zu den Pastor Bode Teichen. Diese liegen in der Weseler Heide und sind von uns aus sehr gut zu Fuß zu erreichen. An eben jenen Teichen soll der Heide-Pastor, Wilhelm Bode, der auch Begründer des Naturschutzparks ist, häufig seine Predigten vorbereitet haben.
Auf dem Weg dorthin kommen wir an entzückenden Häuschen vorbei:
Es gibt die Möglichkeit, den Heidelehrpfad "Kleinod Naturwunder Weseler Heide" zu gehen, dieser wäre ca. 6 km lang, da es aber mittlerweile schon fast 18 Uhr ist, beschließen wir, den kürzeren Weg von 4,5 km durch die Heide zu gehen.
Vorbei am Hexenhaus, einem alten Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, das heute als Standesamt dient, einem alten Schafstall, Hochsitzen und endlosen Feldern erreichen wir schließlich die Teiche.
Wir setzen uns einen Moment hin und genießen die Landschaft. Wir sind nahzu allein, nur auf der anderen Teichseite sind 2 Leute, vermutlich Mutter und Tochter, die mit ihrem Hund spielen. Der Labrador genießt den Teich sehr, er badet ausgiebig, das lassen wir lieber sein, wir schauen nur. Man kann sich gut vorstellen, wie der alte Herr Pastor hier auf der Bank saß, seine Gedanken über Gott und die Welt schweifen ließ und seine Predigten schrieb. Welch schönes Fleckchen Heide haben wir hier entdeckt!
Nach einiger Zeit machen wir uns wieder auf den Weg, sind wir doch neugierig, wie es hier noch aussieht. Es begegnet uns kein Mensch, wir sind komplett allein mit uns und der Natur, perfekt, mehr Abstand geht nicht!
Das sieht bestimmt noch großartiger aus, wenn die Heide in voller Blüte steht, uns gefällt es aber jetzt schon, ein bisschen Farbe ist schon erkennbar. Wie wir erfahren haben, bevorzugen die Einheimischen die Weseler Heide, ist diese doch deutlich weniger überlaufen, wie die Gegend um Undeloh und den Wilseder Berg.
Immer weiter spazieren wir, erstaunlich hügelig ist es hier im platten Norden, sicherlich keine „Berge“, aber es geht dennoch immer rauf und runter. Wir halten Ausschau nach Schlangen, Kreuzottern, Schlingnattern und Blindschleichen soll es geben, leider entdecken wir heute keine. Heidschnucken sind auch nicht da, schade, aber das sollte alles noch kommen, nur eben nicht heute.
Hey, da sind ja noch mehr Teiche
und Mücken! Wobei es einigermaßen erträglich war, wir schafften den Weg, ohne gestochen zu werden.
Auf dem Weg nach Hause ging es durch einen wunderschönen Buchenwald, ab und an tauchte ein geheimnisvolles „H“ am Wegesrand auf, endlich begriffen wir, was das soll, wir sind ein kleines Stück des Heidschnuckenweges entlang spaziert, dieser beginnt in der Fischbeker Heide und endet in Celle mit einer Gesamtlänge von 220 km. Das wäre eine Überlegung, diesen einmal komplett zu laufen, dann aber bitte mit Gepäckservice und Zwischenübernachtung und ohne Corona im Nacken.
Zurück in der Ferienwohnung wurden die letzten Kleinigkeiten verstaut und die Küche eingeweiht. Eigentlich wollten uns morgen Freunde besuchen, wir wollten zusammen grillen, leider sagten sie ab, so dass wir unser mitgebrachtes Fleisch als leckeres Geschnetzeltes mit Gemüse in der Pfanne machten.
Ein bisschen Fernsehen und lesen und ein schöner erster Tag ist vorbei.
