Donnerstag, 22.09.2022
Es tut mir ja auch leid, euch damit zu quälen. Aber dieser Blick am frühen Morgen vom Balkon macht doch schon mal wieder richtig Lust auf den Tag.
Heute können wir mal ausschlafen. Erst gegen halb zehn wird der Bus uns heute abholen. Und eigentlich könnten wir bis zu der ersten Station des heutigen Tages auch laufen. Genaugenommen sind wir das auch schon – und zwar am Montag.
Wie schon mal weiter vorn in diesem Bericht erwähnt, besteht unsere Reisegruppe aus insgesamt 31 Mann, die verteilt auf drei Hotels (2 x in St. Helier, 1 x in St. Brelade's) untergebracht wurden. Wir wissen zwar inzwischen (zumindest von außen) wo die anderen untergebracht sind, sie aber wissen das nicht von uns, weil wir bisher immer die ersten waren, die abgeholt wurden.
Leider habe ich kein vernünftiges Bild gemacht, deshalb muss ich das verwenden, dass ich wohl schon mal genommen habe.
Was man auf dem Bild nicht sieht ist, dass der Bürgersteig - das Ding überhaupt so zu nennen, ist schon eine maßlose Übertreibung - gerade mal knapp einen halben Meter breit ist.
Als also der Bus mit unseren Mitreisenden dann quasi direkt "in der Lobby" unserer Herberge hält und wir einsteigen, sehe ich tatsächlich in das eine oder andere "Na, hier möchte ich aber auch nicht wohnen."-Gesicht. Ich kann das verstehen - würde ich an ihrer Stelle auch denken.
Woher kommt nur dieses Kribbeln in meinem Bauch?
Hach ja, das ist Vorfreude.
Wie gesagt, zum ersten "Programmpunkt" des heutigen Tages hätten wir auch gemütlich laufen können. Eine kurze Erklärung dazu, hatte ich ja schon am Montag mit geliefert. Wir besuchen nochmal die St. Brelade’s Parish Church mit der Fisherman’s Chapel.
Und gleich hinter der Kirche hat man ja diesen phantastischen Blick auf die Bucht von St. Brelade. Ihr kennt den ja schon - das habt ihr unseren Mitreisenden aus den anderen beiden Hotels also voraus...
Und nicht wenige von ihnen stehen dann also am Rand dieses kleinen Friedhofs und sagen: "Das ist ja auch eine wunderschöne Bucht hier."
Und ich schwöre - jedesmal wenn dieser Satz fällt, dann steht jemand aus unserer Truppe daneben und sagt: "Ja - und das weiße Haus dahinten, mit den Balkons, das ist unser Hotel." Yesss.
Weiter geht es mit unserer Entdeckungstour entlang der Westküste der Insel.
Am nordwestlichsten Punkt Jersey hat man einen weiten Blick nach Sark und Guernsey. Beide Inseln sind hier nur 18 bzw. 25 km von uns entfernt.
Außerdem finden sich hier die Überreste von Grosnez Castle. Die Burg wurde im 4. Jhd. erbaut. Heute ist nur noch der markante Torbogen erhalten, dem inzwischen auch die Zugbrücke schon fehlt.
Nur rd. 2 km südlich davon liegt dann Faulkners Fisheries. Hier hat in einem der ehemaligen Bunker des Atlantikwalls, am nördlichsten Punkt der St. Quen's Bay betreibt Sean Faulkner seit 1980 sein Unternehmen, dass sich auf Meeresfrüchte aller Art spezialisiert hat und hauptsächlich vom Export dieser Früchte nach England und Frankreich lebt.
Hier tun wir etwas für unseren Proteinhaushalt. Ich werde wohl nie ein Freund dieser Delikatesse werden. Aber ich finde die Landschaft wunderschön.
Nicht weit entfernt werden wir wieder mit der jüngeren Geschichte der Insel konfrontiert. Die Battery Moltke gehörte während der Besetzung durch die Wehrmacht im 2. Weltkrieg zum Atlantikwall. Die Inseln Jersey und Guernsey wurden Anfang Juli 1940 von den Deutschen besetzt und waren das einzige jemals von den Deutschen besetzte britische Gebiet. Mehr als 500.000 Kubikmeter Beton wurden damals an den Stränden der Inseln verbaut und viele der Stellungen existieren bis heute. Als Restaurant - wie bei Faulkner, als Vogelausguck oder auch als Strandpromenade werden sie heute genutzt. Besucht man die Kanalinseln kommt man um die jüngere deutsche Geschichte nicht drum rum.
Die Briten griffen nie ihr eigenes Territorium an und am 09. Mai 1945 ergaben sich die deutschen Truppen kampflos.
Wieder nur ein wenig nördlich findet sich dann ein ganz anderes Wahrzeichen der Insel. Vor einigen Jahren hat ein Künstler im Auftrag des National Trust Jersey diese Skulptur geschaffen. Noch Anfang des letzten Jhd. brüteten mehrere hundert Paare von Papageientaucher an den Klippen Jerseys. Inzwischen sollen es wohl nur noch 4 Paare sein, die regelmäßig jedes Jahr hierher zurückkehren. Die Kanalinseln als Brutplatz für Papageientaucher hatte ich irgendwie gar nicht auf dem Plan. Ich dachte immer, die würden nur viel weiter nördlich brüten.
Ein letzter Blick über die Weite dieser Landschaft und dann geht es auch schon weiter zum Mittagessen. Wir kehren ein in "Les Fontaines Tavern". Da das Wetter es wieder ausgesprochen gut mit uns meint, sitzen wir dort im Garten und Göga genießt "Babyspareribes" für ganze 7 £.
Egal, in welchen kleinen Pub es uns in dieser Woche zum Mittagessen auch hin verschlagen hat, wir haben überall immer ausgesprochen lecker und sehr preiswert gegessen.
Erst gegen 15:00 Uhr machen wir uns dann auf in Richtung St. Helier und damit gleichzeitig auch zum vorletzten Punkt unseres „offiziellen“ Programms dieser Reise.
Wir fahren zum „Seafield Estate“, dem Privatgarten eines ehemals im mittleren Finanzmanagement tätigen heutigen Privatiers.
Nein, Spaß!
Der Herr war wohl mal bei Sotheby’s und als er des Versteigerns müde war, beschloss er, sich nur noch um seinen Garten zu kümmern. Oder so ähnlich!
Das bescheidene Anwesen von vorn:
Der Nutzgarten:
Und natürlich der Park des Hauses:
Bevor man dann von hinten wieder zum Haus kommt:
Das ist aber auch ein wirklich schweres Leben, wenn man das alles so schön in Schuss halten will! Smiley
Nächster und nun wirklich allerletzter Stop ist der kleine Ort. St. Aubin, der der Bucht den Namen gab. Ich hatte den Ort schon mal kurz erwähnt – das war die Geschichte mit Marx und Engels, ihr erinnert euch?
Wenn der kleine Ort vor rd. 160 Jahren auch schon so apart rüberkam wie heute, dann muss es einen nicht wundern, wenn schon die großen Gesellschaftstheoretiker ihrer Zeit, hier ihre raue Wirklichkeit aufpimpten.
Revolution muss auch mal warten können!
Der Bus bringt uns dann wieder in „unsere“ Bucht und wir nehmen vor dem Abendessen noch einen Cocktail auf der Terrasse des Nachbarhotels.
Und auch vom Abendessen gibt es heute wieder die Karte und natürlich das Menü.
Damit gute Nacht…
