Wie vieles im Leben gibt es Dinge die zwei Seiten haben. Das trifft auch auf das Trinkgeld zu. Trinkgeld wird gegeben:
* a.) Weil man sich für eine Leistung bedankt und die erbrachte Leistung mit der Trinkgeldgabe anerkennt.
* b.) Weil man sich einen Vorteil erkaufen will. Man gibt also kein Trinkgeld nach Erfüllung der Leistung, sondern bereits vorher, in der Hoffnung das man eine besonders gute Leistung erhält. Damit setzt man den Trinkgeld-Empfänger natürlich unter Zugzwang (Druck) diese Leistung auch zu erfüllen. Juristisch betrachtet ist es u.U. eine Form der Bestechung und der Erschleichung von Vorteilen.
Wenn man dem Zimmermädel im Hotel oder dem Cabin-Cleaner auf dem Kreuzfahrtschiff direkt am Anfang des Aufenthaltes ein Trinkgeld gibt, könnte man kaum von einer Bestechung sprechen, trotzdem erhofft man sich eine besonders gute Leistung.
Ganz anders sieht es beim folgenden touristischen Fallbeispiel aus.
Der Reisegast bucht ein Standard Doppelzimmer. Beim Check-in an der Hotel-Reception schiebt er dem Receptionisten ein (100,- Euro) Scheinchen zu und spricht die Erwartung aus, dass er anstatt eines Standard-Zimmers, ein Superior-Zimmer oder eine Junior Suite erhält. Das kann man als Bestechung werten. Geht der Hotelmitarbeiter darauf ein, handelt er zum Nachteil seines Arbeitgebers und schädigt diesen. Der Reisegast hat sich vorsätzlich einen Vorteil erschlichen. - Diese Beispiel ist keineswegs selten, sondern in guten touristisch ausgerichteten Hotels inzwischen schon fast an der Tagesordnung. Dem Kellner schiebt man Geld zu, damit er am Abend im Restaurant einen Tisch freihält. Die Life-Guards am Hotelpool kassieren einen ordentlichen Nebenverdienst, weil sie für Gäste Liegen reservieren. Ein Euro pro Tag für die Liege, mal 14 Tage, mal z.B. nur 30 Gästen macht in 14 Tagen 420,- Euro oder 840,- Euro im Monat - steuerfrei !
Man könnte noch zahlreiche weitere Beispiele aufführen. So z.B. die Bestechung über Zuwendungen für kostenlose Minibar-Inhalte. Das fängt bereits damit an, dem Kabinen-Cleaner etwas Geld zuzuschieben und der dafür jeden Tag zusätzliche Kaffeekapseln hinlegt, die nicht berechnet werden, usw., usw., usw.
Wer Erfahrung in der Touristik und Hotel-Szene hat weiß, dass das erkaufen von Vorteilen extrem zugenommen hat. Wobei dazu immer Zwei gehören. Ein "Geber" und ein "Nehmer". Dabei fühlt sich allerdings keiner schuldig. Gerne wird es mit dem Argument "Leben und Leben lassen" oder auch mit "Eine Hand wäscht die andere Hand" abgetan.
