[Reisebericht] Expedition im Herzen der Nordwestpassage – 24.08.-11.09.2022 – HANSEATIC nature

  • 01.09.22: Cambridge Bay (Victoria Island) – Abfahrt und ein wunderschöner Sonnenuntergang

    Kurz nach dem Landgang verließ zunächst das Versorgungsschiff die Bucht vor Cambridge Bay.

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    Im Anschluss machte sich auch die HANSEATIC nature auf den Weg. Wir verließen Ankerplatz vor dem westlichsten Punkt unserer Reise und fuhren aus der Bucht aus der Bucht hinaus. Hinein in den Queen Maud Golf hinein, Kurs Ost. Dort lag unser nächstes Ziel, Jenny Lind Island.

    Direkt nach dem Ablegen ging es zum Abendessen ins Lido-Restaurant. Und kurz darauf wieder aufs Sonnendeck.

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    Uns erwartete ein sehr schöner Abend. Die langsam untergehende Sonne tauchte die Landschaft in wunderschönes Licht.

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    Auch die Wolken waren entsprechend farbenfroh und gemustert.

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    Im Wasser spiegelte sich die untergehende Sonne. Und nicht nur da, auch auf dem Schiff waren interessante Effekte zu bestaunen ^^

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    Wir wurden mit einem wunderbaren Sonnenuntergang belohnt, der diesen Tag beschloss.

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    Tiersichtungen an diesem Tag:

    • Sterntaucher (nicht per Foto festgehalten)
    • Ringelgänse
    • Kanadagänse

    VG Sven

  • Pooldeck 24 - Die Kreuzfahrspezialisten
  • Einfach umwerfend diese Sonnenuntergangsbilder. :love:

    Bei deinen Erklärungen frage ich mich immer, was Menschen dazu bringt, in solchen Gegenden zu leben. Für mich völlig unverständlich.

    LG Susanne

  • CosmoST

    Ich grätsche ungern in Berichte. Aber es lässt mir keine Ruhe: Ich habe selten so einen detailliert fundierten Bericht gelesen :) (gut, nachprüfen werde ich die Fakten jetzt nicht ;) ).

    Dankeschön :love:

    Für mich ist natürlich auch das Schiff sehr interessant, da wir (hoffentlich) im Januar damit die Pinguine aufsuchen werden. :saint:

    Mal ne Frage zu den Parkas: Wie fällt die Größe aus? Wir müssen ja im Vorfeld schon angeben, welche Größe wir brauchen.

    So, und nun verschwinde ich wieder. 8)

    Liebe Grüße
    Britta :)

  • britta1012 ,

    Erstmal danke für die netten Worte.

    Zu Deiner Frage:

    Die blauen Parkas sucht man sich erst an Bord aus, da stehen alle Größen von XS bis XXXL zur Verfügung.

    Da kann man sich vor Ort das passende aussuchen, gibt von allen genug. Die Parkas fahren ja eh immer alle auf dem Schiff mit und werden zwischen den Fahrten gereinigt - es werden also keine extra angefordert.

    Was man vorher angeben musste, war die Größe für die Steppjacke, die man geschenkt bekommt. Und die fallen vielleicht etwas knapper aus.

    Da die vorher bestellt werden, kann man dort an Bord nicht mehr umentscheiden.

    Wir hatten vorher auch gedacht, dass es bei der Vorab-Angabe, die wir ja auch machen mussten, um die Parkas geht. Es waren aber die Steppjacken.

    VG Sven

  • Bei deinen Erklärungen frage ich mich immer, was Menschen dazu bringt, in solchen Gegenden zu leben. Für mich völlig unverständlich

    Genau so ging es mir auch. Aber wir vergessen dabei wohl, dass Heimat für diese Menschen mit indigener Abstammung eine Bedeutung hat, die uns inzwischen verloren gegangen ist…

    Lieber Sven CosmoST, das ist wohl der faszinierendste Reisebericht, den ich hier je gelesen habe! Ganz herzlichen Dank dafür.

  • 02.09.22: Jenny Lind Island – Ein kurzer Besuch in der Tundra (Teil 1)

    Bereits am frühen Morgen erreichten wir unseren Ankerplatz vor Jenny Lind Island. Bereits bei unserem Precap vor zwei Tagen hatten wir einen Einblick darin gewinnen können, was uns hier erwartet.

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    OK, das sieht jetzt erstmal – v.a. in Verbindung mit dem Nebel – nicht so spannend aus. Deckt sich aber mit den Erwartungen, die das Precap geschürt hat.

    Jenny Lind Island ist eine Insel im Queen Maud Golf, die sich südöstlich von Cambrige Bay befindet. Die Insel ist recht flach (die höchste Erhebung liegt bei ca. 65m) und ist typisch für diese Gegend: flach, aus Sand, Kies und kleinem Geröll bestehend. Die Vegetation ist sehr spärlich, mit den typischen Pflanzenarten der Tundra. Und weil es so typisch für die Gegend ist, kann man ja mal einen lohnenden Blick darauf werfen. Die Tundra liegt normalerweise nicht direkt vor der Haustür. Daher: Karg – ja. Aber vielleicht trotzdem ganz interessant …

    Wie kommt eigentlich der Name der Insel zustande? Normalerweise werden Inseln, Buchten, Wasserstraßen ja nach Forschern und Entdeckern benannt. Hier ist es anders. Namenspatin für die Insel ist die schwedische Opernsängerin Jenny Lind, die im 19. Jahrhundert gelebt hat und als schwedische Nachtigall bekannt war. Warum die Insel ihr zu Ehren benannt wurde, weiß man nicht genau.

    Die Insel ist unbewohnt. Es befindet sich eine verlassene Frühwarnstation (DEW-Line) auf ihr. Sie wird jedoch immer noch vom North Warning System der USA und Kanada genutzt.

    Da wir heute wieder zur frühen Zodiacgruppe gehörten, hieß es zeitiger aufstehen, frühstücken und sich dann für den Ausflug vorzubereiten. Ca. 09:00 Uhr musste man mit der Ausbootung rechnen. Die Eisbärenwächter hatten lange vor diesem Zeitpunkt bereits das Gelände sondiert und an Land Stellung bezogen. Die Experten waren ebenfalls an Land. Somit konnten nun auch die Gäste in die Zodiacs und ihren Landgang im durch die Eisbärenwächter gesicherten Areal beginnen. Es waren ca. 1 ¼ Stunden für jede Gruppe vorgesehen. Was sollte man diese Zeit eigentlich mit Sightseeing voll bekommen?

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    Vom Strand ging es direkt in die große Einsamkeit der Insel.

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    Hier hat Ruhe eine ganz andere Bedeutung. Entfernungen kann man nur schwer abschätzen, es gibt kaum Bezugspunkte. Nur die Einsamkeit der nebelverhangenen, kargen Landschaft.

    Unterwegs findet man den einen oder anderen größeren Stein. Teilweise auch ganze Formationen.

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    Und auch das sogenannte Trollbrot. Steinescheiben, die durch Frostsprengung entstanden sind. Durch wiederkehrendes Gefrieren und Schmelzen werden die Scheiben dann immer weiter auseinander gedrückt. Je weiter sie auseinander stehen, umso älter sind sie.

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    Diese Steine gelten schon als Abwechslung in der Landschaft. Und sind immerhin auch einige Zentimeter höher als der Rest. Bäume, die sich zwischen den Steinen durch den Sand tief am Boden entlang schlängeln.

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    Die Pflanzen weisen größtenteils auch schon ihre herbstliche Färbung auf – Anfang September ist der Herbst hier ja in vollem Gange.

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    VG Sven

  • 02.09.22: Jenny Lind Island – Ein kurzer Besuch in der Tundra (Teil 2)

    Auf der Insel leben auch Moschusochsen und Karibus. Laut Experten war vor unserer Anlandung ein Karibu im Nebel gesichtet worden, leider hat es sich dann schon auf und davon gemacht. Außerdem wurden eine Schneeeule sowie Gänse gesichtet – aber auch diese waren inzwischen verschwunden. Wir konnten lediglich einen weiblichen Moschusochsen sehen. Leider war das Tier in keinem besonders guten Zustand mehr …

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    Das Tier war wohl verhungert. Dafür haben andere Tiere Nahrung gefunden, anhand der Losung konnten wir sehen, dass sich Eisbären und Polarfüchse am Kadaver gelabt hatten.

    Faszinierend: Die karge Landschaft haben wir ja gesehen. Wie schaffen es die doch recht großen Tiere bei diesem kleinen und spärlichen Pflanzenwuchs zu überleben?

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    Auf der Insel war auch das eine oder andere Flussbett zu sehen. Jetzt ausgetrocknet, werden diese während der Schnee- und Eisschmelze gespeist.

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    Zwischendrin war es auch ab und an etwas feucht oder sumpfig, gut dass wir unsere Gummistiefel dabei hatten.

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    Wie man sieht, gab es eigentlich nicht viel zu sehen. Aber auch eine solche Landschaft hat ihren Reiz. Und wir haben den Ausflug und die Ruhe genossen.

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    Und ehe man es sich versieht, ist die Zeit auch schon wieder vorbei. Am Anfang hatte man noch überlegt, wie man hier 1 ¼ Stunden an Land verbringen soll. Am Ende wurde die Zeit aber dann schon recht knapp.

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    Also zurück ins Zodiac, nicht das man auf dieser einsamen Insel vergessen wird …

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    VG Sven

  • 02.09.22: Jenny Lind Island – Nachmittagsprogramm

    Nach dem Mittagessen verließen wir unseren Ankerplatz vor der Insel und fuhren weiter durch den Queen Maud Golf Richtung Norden. Unterwegs war auf dem Wasser dann auch wieder etwas Eis zu sehen.

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    Wir beobachteten von Deck aus den einen oder anderen Seevogel, der um das Schiff flog oder auf dem Wasser landete.

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    Vor allen die großen Eissturmvögel sind ein wunderschöner Anblick. Sie gleiten stets in geringem Abstand über die Wasseroberfläche. Und sind aufgrund ihrer Röhrennase auf dem Schnabel gut zu erkennen. Sie gehören übrigens nicht zu den Möwen, sondern zu den Sturmvögeln.

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    Aber auch verschiedene Möwen, u.a. Eismöwen wurden beobachtet.

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    Als Nachmittagsprogramm gab es zum einen die Möglichkeit, bei den Eisbärenwächtern vorbeizuschauen. In der Ocean Academy hatten diese ihr Werkzeug (also Gewehre, Leuchtpistolen usw.) ausgestellt und standen für eine ausgiebige Befragung zur Verfügung. Erzählt wurde u.a. welche Möglichkeiten im Falle eines Falles angewendet werden, um Eisbären zu vertreiben. Der scharfe Schuss ist ja nur im Ausnahmefall anzuwenden, vorher wird versucht, den Bären friedlich per Tröten oder lauten Schreckschüssen zu vergraulen.

    Im Anschluss gab es auch heute einen Vortrag, dieses Mal war die Meeresbiologin mit „“Schweben im Meer – Plankton und das Nahrungsgesetzt der Arktis“ dran. Es ging um Phytoplankton (pflanzliches Plankton) und Zooplankton (tierisches Plankton) und die verschiedenen Unterarten. Weiterhin ging es um die Planktonblüte (Wachstumsexplosion von Plankton in den lichtintensiven Sommermonaten) sowie die Bedeutung des Planktons in der komplexen arktischen Nahrungskette, v.a. als Nahrung für die großen Wale. Auch dieser Vortrag war sehr interessant.

    Den Abschluss der Vorträge bildete das bekannte Recap/Precap. Danach ging es zum wohlverdienten Abendessen ins Buffetrestaurant.

    Im Anschluss wollten wir – wie immer die letzten Tage – an Deck einen schönen Sonnenuntergang bewundern. Daraus wurde leider nichts. Dicker Nebel zog auf. Aber man kann ja nicht jeden Tag solche Sonnenuntergänge wie am Vortag haben.

    Immerhin für ein mystisches Bild reichte es trotzdem.

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    Danach ein Schlummertrunk im Hanseatrium und dann aufs Zimmer, wir waren früh aufgestanden und doch etwas müde …


    Tiersichtungen an diesem Tag:

    • Moschusochse (leider nicht mehr lebendig)
    • Eissturmvögel und diverse Möwen

    (Tiere, die auf Jenny Lind Island gesichtet worden sind, die wir aber nicht gesehen haben, sind hier nicht aufgezählt. Die Liste enthält immer nur die Tiere, die wir auch tatsächlich gesehen haben.)


    VG Sven

  • 03.09.22: Alarm in der Nacht

    Tief schlafend, in den schönsten Träumen liegend, wurden wir unsanft geweckt. 8|

    In den Kabinen wurde eine Durchsage über die Lautsprecher geschaltet. Was war passiert? Eisberg gerammt? Schiff kaputt? :/

    „Es ist 01:30 Uhr. Hier spricht ihr Kapitän. Es wurden Polarlichter gesehen. Die Oberdecks sind für sie geöffnet. Bitte seien Sie vorsichtig, es ist sehr glatt. Die Mitarbeiter weisen Ihnen den Weg …“

    OK, es war erst 00:30 Uhr – scheinbar hatte der Kapitän eine andere Uhrzeit. Aber das Ereignis war dasselbe. Polarlichter – und das im Sommer!!!

    Dummerweise kam das sehr überraschend und man ist nicht so recht vorbereitet. Also Hose und Jacke über den Schlafanzug, Schuhe anziehen und dann total verschlafen mit halb geschlossenen Augen nach draußen. Direkt in der Nähe unserer Kabine wäre der Nature Walk. Der war aber geschlossen. Also rauf aufs Sonnendeck. Und dann oben immer schön vorsichtig, es war verdammt glatt. Durch den Nebel war es abends sehr feucht gewesen und durch die Minusgrade in der Nacht ist das Ganze gefroren. Da rutscht man schön lang hin, also immer vorsichtig voran tasten. Gestürzt ist aber keiner, fleißige Crew-Mitarbeiter passten außerdem auf. Es waren einige Gäste an Deck, manche im Bademantel, manche halbwegs angezogen – so wie wir.

    Und tatsächlich, es waren Polarlichter zu sehen, richtig schön grün. Für uns das erste Mal in echt, waren wir doch im Winter noch nie in Skandinavien gewesen (geschweige denn in der Arktis). Ist schon ein sehr toller Anblick und richtig erhaben. Wir genossen die Lichter in der Nacht.

    Und Fotos davon? Tja, so richtig hat das nicht geklappt. Mit der Spiegelreflex aus der hohlen Hand mit Langzeitbelichtung eher schwierig, die Kamera kann ich nicht komplett ruhig halten. Stativ? Ne, wir waren nicht darauf vorbereitet. Mit dem Handy, ok da bekommt man immerhin ein bisschen was hin …

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    Aber egal, Hauptsache wir haben sie gesehen. Und genossen einfach den Rest, ohne viele Fotos zu machen.

    Auf dem Fotostick zur Reise, den wir später käuflich erworben hatten, waren auch bessere Aufnahmen der Polarlichter zu sehen. Diese zeige ich hier aber nicht, da die Fotos ja nicht von uns sind.

    Müde, aber zufrieden ging es dann später zurück auf die Kabine. Ob der positiven Aufregung dauerte es dann aber wieder ein wenig, bevor man eingeschlafen war …


    VG Sven

  • So ein tolles Erlebnis mitten in der Nacht! :love:

    *MeinSchiff*Glück auf!

    Lebe! Jetzt! Das Leben ist zu kurz für irgendwann!

    RB Norwegens Fjorde mit Aida Perla 05.05. - 15.05.2023
    RB MSC Euribia vom 16.05. bis 23.05.2026 Nordland ab Kiel

  • 03.09.22: Auf dem Weg nach Boothia Peninsula – Teil 1

    Der heutige Tag stand im Zeichen der Expedition. Es wurde eine weitere Eisfahrt erwartet und am Nachmittag sollten wir – wenn alles klappt – Pasley Bay auf Boothia Peninsula anlaufen. Abhängig war das Ganze von den herrschenden Eisbedingungen auf der Fahrt und in der Bucht. Daher wurde die Anlandung im Tagesprogramm auch nur vage angekündigt und es gab keine prognostizierten Zeiten für die Zodiac-Gruppen. Also mal schauen …

    In der wegen der Polarlichter-Sichtung für uns kurzen Nacht hatten wir King William Island bereits passiert und waren auf nord-östlichem Kurs durch die Victoria Strait Richtung Boothia Peninsula. Die Victoria Strait hatten wir mit einer schönen Eisfahrt bereits vor 3 Tagen passiert, dieses Mal in etwas anderer Richtung. Auch heute zeigten sich bei sehr schönem Wetter immer wieder Eis-Felder.

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    Boothia Peninsula – ursprünglich Boothia Felix genannt – ist die nördlichste Halbinsel des kanadischen Festlandes. Den nördlichsten Punkt hatten wir auf der Fahrt durch die Bellot-Strait bereits vor einigen Tagen passiert. Heute würden wir – wenn alles klappt – den Fuß aufs Festland setzen. Übrigens das einzige Mal auf dieser Kreuzfahrt! Alle anderen Anlandungen fanden auf Inseln statt.

    Die Halbinsel wurde von John Ross zwischen 1829 und 1833 entdeckt und nach seinem Freund Felix Booth benannt, der die Mittel für die Expedition beigesteuert hatte. Auf Boothia wurde 1833 durch James Clark Ross das erste Mal der Magnetpol der Nordhalbkugel festgestellt, der in stetiger Bewegung ist. Im Osten und Westen der Insel sind ebene Tundra, Frostschutt- und Felsflächen vorherrschend. Also auch dort, wo wir planen, anzulanden. Es gibt aber auch größere Erhebungen auf der Halbinsel, die höchste mit ca. 573m. Diese sind allerdings viel weiter im Hinterland.

    Am Vormittag wurde der Vortrag „Wie entsteht unser Wetter?“, der in der Croker Bay noch den Eisbären zum Opfer fiel, nachgeholt. Dieses Mal wurde der interessante Vortrag auch durch nichts unterbrochen. Wir waren nach unserem Frühstück im Hanseatrium ebenfalls dabei. Es ging um die Frage, wie auf der Erde im Allgemeinen und in der Arktis im Speziellen Wetter und Klima entstehen und wie sie aufgezeichnet werden.

    Nach dem Vortrag ging es schnell auf das obere Deck. Ein recht kompaktes Eisfeld wurde erreicht und die HANSEATIC nature begab sich hinein. Dieses Mal ohne Eisbrecher und somit auch entsprechend langsamer. Schön für uns Gäste, stand doch eine weitere, intensive Eisfahrt an :thumbup:

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    Immer wieder werden große, teilweise auch dicke Eisschollen durch den Bug des Schiffes in Bewegung gesetzt, werden auf andere Schollen geschoben und teilweise umgewälzt oder gebrochen. Es handelt sich hier größtenteils um altes Meereis, entsprechend dick – bis ca. 4m – sind auch die Schollen. Das gibt schon mal laute Geräusche am Rumpf des Schiffes!

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    Durch die intensive Sonneneinstrahlung und die wabernden und wandernden Nebelbänke, die durch die vom Eis abgestrahlte Kälte entstehen, ergeben sich immer neue, mystische Szenarien.

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    Selbstverständlich sind Nature Walk und das Sonnendeck gut besucht, viele Gäste lassen sich diese Fahrt durch das Eis nicht entgehen.

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    VG Sven

  • 03.09.22: Auf dem Weg nach Boothia Peninsula – Teil 2

    Die zusammengeschobenen Eisschollen bilden neue Formationen aus. In manch einer davon in der Ferne mag der eine oder andere ein Tier – gar einen Eisbären – erkennen. Es gab bis auf ein paar Seevögel aber leider keine weiteren Tiersichtungen während der Fahrt.

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    Unterbrochen durch ein schnelles Mittagessen ging kurz danach für uns die Eisfahrt weiter.

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    Als besonderes Highlight zeigte sich ein sogenannter Eisbogen. Auch dieser entsteht wie die Nebelbänke durch die Kälteabstrahlung des Meereises bei intensiver Sonneneinstrahlung.

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    Regenbogen kannte man schon, nun haben wir auch mal einen Eisbogen gesehen. Toll!!! 8)

    Dann war das dichte Eisfeld auch komplett durchfahren.

    Trotz der Verzögerung durch die langsame, aber sehr, sehr schöne Eisfahrt, erreichten wir gegen 14:00 Uhr Pasley Bay. Vor der Küste lag allerdings ein breiter Gürtel von Eisschollen, so dass zunächst eine geeignete Landungsstelle gefunden werden musste.

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    Wir vertrieben uns die Zeit mit Beobachtungen von Deck aus. U.a. konnten wir den Eisbogen nochmal in seiner vollen Schönheit ablichten. Was für ein Anblick!!!

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    Außerdem genossen wir die Sonne und ruhten uns auf den bereitstehenden Sonnenliegen aus – natürlich warm angezogen. Aber immerhin, auch in der Arktis kann man das Sonnendeck in seinem eigentlichen Sinne nutzen!


    VG Sven

  • 03.09.22: Pasley Bay (Boothia Peninsula) – Ein Rundgang (Teil 1)

    Und tatsächlich wurde eine geeignete Anlandungsstelle gefunden, dem Landgang stand nichts mehr im Wege – höchstens die anderen Zodiac-Gruppen. Denn auch heute waren wir fast am Ende der Gäste ein sortiert. Aber gut, konnten wir noch ein bisschen die Sonne an Deck genießen. Gegen 16:30 ging es dann endlich auch für uns los …

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    Am Strand erwarteten uns jede Menge von Eisschollen und bizarr geformten Eisklötzen. Teilweise komplett im Wasser, teilweise auf dem Strand.

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    Wir gingen zunächst am Strand entlang und konnten uns an der Szenerie nicht satt sehen. Durch die Mischung aus Sonne und Nebel zeigten sich stets wechselnde Szenarien mit mystischen Motiven.

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    Aber man muss aufpassen – der Landgang ist endlich (ca. 1,5 Stunden waren anvisiert). Wenn man noch etwas mehr sehen möchte, muss man sich schon einmal vom Strand und den Eisschollen trennen und einen Kamm besteigen.

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    Wie angekündigt, handelt es sich auch hier um eine Tundra-Landschaft. D.h. man sieht die bekannten, spärlich vorhandenen Pflanzen, die sich ihren Weg durch die Steine bahnen.

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    Auch das eine oder andere Trollbrot lief uns über den Weg bzw. lag auf dem Boden ^^

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    Oben auf dem Kamm befindet sich ein Aussichtspunkt und ein Steinhaufen. Dieser stellt möglicherweise das Grab eines Seemanns der Larsen-Expedition dar, die hier auf der zweiten erfolgreichen Nordwestpassage 1940-42 überwinterte.

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    Neben dem Grab konnten wir sogar mal eine blühende Pflanze sehen. Es handelt sich dabei um den Arktischen Mohn.

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    Und von hier hat man schöne Ausblicke auf die Bucht, teilweise im Nebel gelegen.

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    VG Sven

  • 03.09.22: Pasley Bay (Boothia Peninsula) – Ein Rundgang (Teil 2)

    Hier hatte – zum Zeitpunkt der ersten Gruppe - noch eine Bartrobbe gelegen. Diese hatte sich aber inzwischen entfernt, so dass sich der Weg hinunter (und danach auch wieder hinauf) für uns nicht mehr lohnte. Daher gingen wir weiter in die andere Richtung, auf dem Kamm zurück. Wie die meisten Gäste immer mit dem Blick auf dem Boden, um Interessantes zu erkunden.

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    Vorbei an teilweise doch recht vielen Pflanzen. Auch die allseits beliebte Blume, die aussieht wie das Hinterteil des Schneehasen war in großer Zahl vertreten.

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    Selbst Pilze haben wir gefunden und gar die eine oder andere, zarte Blüte.

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    Kleinere Seen gab es ebenfalls in der Landschaft.

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    Durch Sonne und Nebel ergaben sich interessante Perspektiven.

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    Leider war die Zeit dann auch wieder viel zu schnell vorbei und wir begaben uns zurück zum Strand. Dort waren neben den Eisschollen vermehrt diese Gebilde zu sehen.

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    Was man oberflächlich zunächst für Plastik und damit Müll halten würde, entpuppte sich bei näherem Hinsehen zum Glück als Kelp (Braunalgen). So viel Müll wäre schlecht für die Natur gewesen.

    Voll mit Eindrücken ging es zu den Zodiacs und zurück zum Schiff.

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    Unterwegs tauchte noch eine Robbe kurz auf. Wir fuhren mit dem Zodiac noch einen kleinen Umweg, um die Robbe besser sehen zu können, leider blieb es bei diesen kleinen Schnappschüssen.

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    Pünktlich zum Abendessen erreichten wir die HANSEATIC nature und verließen kurz darauf die Pasley Bay.

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    Nach dem Abendessen stand heute ein längerer Vortrag an, mit dem Titel „MOSAIC“. Einer der Eisbärenwächter berichtete in Bild und Ton von der MOSAIC-Expedition, an der er als Eisbärenwächter teilgenommen hatte. Bei dieser Expedition ließ sich die „Polarstern“ auf einer Eisscholle festfrieren und driftete einmal über das Nordpolarmeer (2019-2020). Ein sehr, sehr interessanter und anschaulicher Vortrag mit einigen, persönlich erlebten Anekdoten.

    U.a. erzählte er, wie sie von Eisbären ausgetrickst worden waren. Rund um das Areal wurden kleine Zäune gebaut mit Leuchtfackeln und Knallkörpern an den Zäunen. Die sollten auslösen, wenn sich ein Tier am Zaun zu schaffen macht. Eigentlich haben diese Fackeln/Knallkörper aber nie ausgelöst, zumindest nicht durch Tiere (nur bei Wartungsarbeiten durch die Wissenschaftler). Es sind aber trotzdem Eisbären ins Camp gelangt – wie man an den Spuren erkennen konnte. Rechts vom Zaun gab es eine Spur, links davon auch. Wie ist der Eisbär rübergekommen, ohne Alarm auszulösen? Ganz einfach, er ging am Zaun entlang, bis es eine Lücke gab und ist auf der anderen Seite dann wieder bis zur Stelle, wo er ursprünglich auf der anderen Seite stand, gegangen, um seinen eigentlichen, geplanten Weg fortzusetzen. Schlaue Tiere!!!

    Erzählt wurde von den Schwierigkeiten während der Expedition, von lustigen Geschichten – schön illustriert durch Videos und Fotos. Und von den Schwierigkeiten für die Teilnehmer am Ende – da kam nämlich Corona und nichts war mehr, wie es war …

    Ein sehr interessanter und kurzweiliger Vortrag und ein toller Abschluss eines erneut tollen Tages :)


    Tiersichtungen an diesem Tag:

    • Bartrobbe
    • Eissturmvögel und diverse Möwen

    VG Sven

  • Wow! Sven, was für grandiose Bilder :love:

    Einen Eisbogen kannte ich auch noch nicht......wunderschön :love:

    Mensch, was ihr so erlebt und gesehen habt.....unfassbar. Ich denke, das muss man auch erstmal verarbeiten.

    Danke das Du uns teilhaben lässt!

    MS1 02/12 Kanaren m.Agadir
    MS1 11/12 Transatlantik West + südl. Karibik "Deck 12er-Tour" :thumbsup:
    MS1 04/13 Rund um Westeuropa
    MS1 11/13 Kanaren m.Agadir
    MS3 06/14 JFF
    MS3 06/15 östl. Mittelmeer mit Bodrum
    MS <3 04/16 Mittelmeer mit Türkei Kreta
    MS3 08/16 Mittelmeer mit Ibiza
    MS3 01/17 Dubai mit Bahrain
    MS6 09/17 NY mit Kanada
    MS6 10/17 NY mit Bahamas

    MS3 08/18 Großbritanien + Irland
    MS6 05/19 Mallorca bis Malta

    MS1 09/19 Neuengland mit Kanada I

    MS4 01/20 Mittelmeer mit Kanaren

    MS3 02/22 Kanaren mit Azoren + Madeira
    MS4 11/22 Kanaren mit Lanzarote + Madeira

    MS2 04/23 Dom Rep. - Gran Canaria
    MS6 10/23 NY - Dom. Rep.

    MS3 12/24 Festtage auf den Kanaren ab Bremerhaven

    MS Relax 03/25

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    Reiseberichte:
    Mittelmeer mit Kreta
    Nordamerika NY-Kanada + NY-Bahamas

    Wegbeschreibung von Bayonne nach Manhattan per Path + Fähre

  • Ich bim auch absolut hin und weg von deinen Bildern ! Was für eine Mischung aus öder( und das im positiven Sinn) Mars-Expedition und mystischer Fantasy-Reise , dazu dann noch dieser unglaubliche Eisbogen …

    Danke für diese grossartigen Einblicke in eine fremde Welt :!:

  • Ich hab mich immer gefragt, was um Himmels Willen Leute bewegt, ausgerechnet in die Arktis zu reisen - jetzt weiß ich es, dank Deines grandiosen Berichts und der traumhaft schönen Bilder, die mich sehr berühren.

    Wahrlich eine „einmal-im-Leben“-Reise, und wenn ich es finanziell stemmen könnte, würde ich es Euch auf der Stelle nachmachen! Danke für diesen phantastischen Bericht!!