Reisebericht - Mit der Mein Schiff 3 zum Nordkap vom 03. bis zum 14. August 2023

  • Das Vorwort

    Mein Reisebericht unserer vierten Reise mit Mein Schiff steht an. Letztes Jahr waren wir in den Fjorden Norwegens und in Westeuropa bis Lissabon. Vor sechs Wochen sind wir von unserer Tour auf der Ostsee zurückgekommen. Von unserer Norwegen-Reise mit der MS4 vom 27.06. bis zum 06.07.22 gibt es bereits einen Reisebericht. Für unsere Reisen nach Lissabon und auf die Ostsee werden die Reiseberichte folgen.

    Leider schaffe ich es nicht, Liveberichte zu schreiben. Und eigentlich will ich es auch nicht, denn ehrlicher­weise haben wir Wichtigeres zu tun. Ganz nach unserem Motto: „weniger ist mehr“ genießen wir unsere Zeit. Also ausschlafen, in Ruhe frühstücken, einen entspannten dreistündigen Landsparziergang (nur wo man zu Fuß gewesen ist, ist man wirklich gewesen) bzw. zehn Runden um den Schornstein an Seetagen, Mittagssnack (inklusive zweier Gin Tonics) in der X-Lounge, zwei Stunden Siesta bzw. Buch lesen auf dem Balkon, vorabendliches Bier an der Außenalster Bar, dreigängiges Abendmenü, danach den Tag austrudeln lassen an der Überschau Bar. Da ist kein Platz mehr für literarische Ergüsse.

    Außerdem finde ich es schön, den Urlaub an Hand der Bilder noch einmal Revue passieren zu lassen. Auch dieses Mal wieder viel zu viele Fotos gemacht. 860 Bilder. Die kann man keinem zeigen. Wäre fast schon Körperverletzung. Also müssen die Aufnahmen erst einmal sortiert, die doppelten Motive eliminiert und die Bilder bearbeitet werden. That takes time.

    Fotografieren ist dem Kochen sehr ähnlich. Zunächst braucht man gute Zutaten, d.h. eine ordentliche Kamera. Da ich leider perfektionistisch veranlagt bin, habe ich mich fürs Vollformat entschieden. Die Qualität kommt hier leider nicht zum Tragen, da man die Fotos eindampfen muss. Dann braucht man wie fürs Kochen auch fürs Fotografieren Talent, d.h. ein fotografisches Auge fürs Motiv. Aber auch handwerk­liches Können ist nicht hinderlich, d.h. man sollte ein paar Regeln für die Bildgestaltung kennen. Ein weitere wichtige Komponente sowohl fürs Kochen als auch fürs Fotografieren ist, sich Zeit zu nehmen, was mir leider aus Rücksichtnahme auf meine Frau nicht immer gelingt. Und zu guter Letzt. Ein schöner Fond entsteht nur durch Reduzieren. Von 860 Aufnahmen sind 750 auf mühevolle und manchmal schmerzhafte Weise auf nimmer Wiedersehen verschwunden.

    Die Anreise

    03.08.2023. Donnerstag Morgen. Nach einem entspannten Frühstück, verfrachte ich unsere Reisetaschen ins Auto. Gepackt hatten wir gestern. Letztes Jahr sind wir nach Bremerhaven bei schönem Wetter querfeldein durchs Elbe-Weser-Dreieck gefahren. Heute regnet es und die Sicht ist schlecht. Da macht das Überholen auf der Landstraße keinen Spaß und wir entschließen uns, die Autobahn zu nehmen. Aber leider ist das nicht unsere beste Idee und die Fahrt ist zunächst aufgrund des dichten Verkehrs recht nervig. Erst als wir das Bremer Kreuz hinter uns haben, der Verkehr abnimmt und das Wetter immer besser wird, kommt Urlaubsstimmung auf.

    Von der Autobahn aus müssen noch einmal quer durch Bremerhaven. Hier sehen wir, wie arm Land und Kommune sind. Die Straßen sind in einem erbärmlichen Zustand. Schließlich erreichen wir den Kreuzfahrtterminal und freuen uns über den Anblick der Mein Schiff 3. Das Parken auf P1 ist absolut problemlos. Auch das Einchecken geht aufgrund des separaten Einganges sehr flott. Es ist gegen halb eins und die Kabine ist auch schon freigegeben. So können wir unser Handgepäck dort lassen und zum Mittagssnack in die X-Lounge gehen. Dort kriegen wir auch zwei Gin Tonic. Wir sind im Urlaub angekommen.

    Einige unserer Mitreisenden haben sich schon in ihre Badeklamotten geworfen.


    Ein Stückchen weserabwärts liegt an der Stromkaje bei Eurogate die 335 m lange und fast 40 m breite Manara der saudischen Reederei Aroya Cruises und wartet auf ihren Umbau bei der Bredo Werft, der nicht vor dem Frühjahr 2024 beendet sein wird.


    Unser nächster Programmpunkt ist die Seenotrettungsübung. Nachdem wir auf unserer Musterstation abgehakt worden sind, gehen wir wieder an Deck und schauen in der Außenalster Bar nach dem Rechten. Dort treffen wir auf ein Paar aus dem Westerwald, mit dem wir uns recht vergnüglich unterhalten. Aber ohne Mohammed, unserem Lieblingskellner von der Mein Schiff 4, ist die Außenalster Bar nicht mehr unser Lieblingsort. Zumal das amtierende Barteam sich nicht für unser Trinkgeld qualifiziert.

    Irgendwann sind auch unsere Reisetaschen auf der Kabine angekommen. Der Inhalt verschwindet zügig in den Schränken. Vom Balkon mache ich noch schnell eine Panoramaaufnahme.


    Bis zum Ablegen um 18:00 Uhr vertreiben wir uns die Zeit mit dem einen oder anderen Bierchen. Dabei lernen wir immer mehr Leute kennen. Dann ist es soweit. Wir sind pünktlich und die Auslaufmusik fängt an zu spielen. Der unheilige Graf. Wir mögen ihn nicht. Auch wenn das Lied nicht enden will, irgendwann ist es überstanden.

    Und so berauschend ist das Auslaufen von Bremerhaven nun auch nicht wirklich. Eigentlich geht es nur an ein paar Containerterminals vorbei. Wir vermissen als Hamburger die Revierfahrt auf der Elbe schon sehr.


    Zumindest gibt es einen dramatischen Himmel über der Wesermündung.


    Nach dem Abendessen ziehen wir uns warm an. Es ist in der Außenalster Bar schon recht zugig. Aber mit Decken und einem Kissen unter dem Hintern halten wir es bis halb zwölf draußen aus. Morgen ist Seetag.


  • Pooldeck 24 - Die Kreuzfahrspezialisten
  • Da bin ich doch gerne weiter mit dabei @det@norge

    Sehr gut gefällt mir dein Satz: Im Urlaub haben wir Wichtigeres zu tun. :thumbup:

    Urlaub ist zum genießen, entspannen etc. da. Da braucht es keinen Live-Bericht.

    LG Kaline

  • Erster Seetag

    04.08.2023. Freitag Morgen. Wie immer an Bord haben wir super gut geschlafen. Der erste Blick vom Balkon um halb acht verheißt nicht viel Gutes. Der Himmel ist komplett zugezogen. Alles grau in grau. So geht’s um 8:30 Uhr erst einmal zum Frühstück. Meine Frau bekommt ihr obligatorisches Egg Benedict. Mein Omelett und die Scheibe Artisan Brot darunter passen präzise zusammen. Dazu gibt es ein wenig Lachs und ein paar Nordseekrabben. Eigentlich sollte das reichen, aber ein paar „Kleinigkeiten“ müssen noch probiert werden.

    Diese vielen Kalorien sollten wenigstens zum Teil wieder verbrannt werden. Also machen wir uns nach einem kurzen Kabinenstopp gut eingepackt auf, unsere ersten Runden um den Schornstein zu drehen. Die Runde auf der Jogging­strecke ist 280 m lang., d.h. zehn Runden haben immerhin eine Länge von 2,8 km. Besser als gar nichts. Und es ist ganz schön windig. Mit Rückenwind geht’s, aber gegen den Wind müssen wir ganz schön kämpfen. In der Überschau Bar sitzen unsere „Rundenzähler“, die wir gestern kennengelernt haben.

    Wir bringen die dicken Jacken auf die Kabinen und fahren anschließend runter zum Neuen Wall, um Zigaretten für meine Frau zu kaufen. Ich bin seit acht Jahren Nichtraucher, habe aber überhaupt kein Problem mit und bei den Rauchern. So manche Diskussion bei so viel Frischluft verstehe ich einfach nicht.

    Der große und der kleine Zeiger der Uhr nähern sich ihrem Zenit: 12:00 Uhr. Dann ist es auch kein Wunder, dass der „kleine Hunger“ um die Ecke geschlichen kommt. Wahrscheinlich ist es aber nur ein wenig Appetit oder noch banaler, einfach nur Langeweile. So erklimmen wir Deck 14 und entern die X-Lounge. Die drei Stockwerke versuchen wir so oft wie möglich, über die Treppe zu überwinden.

    Als Mittagssnack kann ich zwischen Tapas, Quiche, Pasta und anderen Gerichten bis hin zum Rib Eye Steak oder zur Dorade wählen. Ich entscheide mich für die drei verschiedenen kleinen Tapas. Meine Frau holt sich Sushi und Käse vom Buffet. Dazu gibt es zwei Gin Tonic. Leider wird der Monkey 47 mit Thomas Henry nur noch gegen Aufpreis ausgeschenkt. Letztes Jahr war diese Mischung noch inkludiert, was auch angesichts des Champagner Konsums unserer Mitreisenden angemessen wäre. Jetzt soll der Gin 8,00 Euro und das Tonic 4,50 Euro kosten. Da würden sich bei unserer 11-tägigen Reise die Mehrkosten auf 550,00 Euro belaufen. Das ist es uns nicht wert. Also gibt es Bombay Sapphire mit Schweppes. Und wer jetzt mitgerechnet hat, weiß, dass wir auch noch eine zweite Runde trinken. Nur wegen der Bettschwere, denn die Siesta folgt sogleich.

    Um 18:30 Uhr haben wir noch einen Termin. Wir sind vorgeladen. Zum Suiten- bzw. Champagnerempfang in der Café Lounge. Der Kapitän Simon Böttger begrüßt jeden Gast persönlich und der Bordfotograf macht dann noch ein Foto. Es sind jede Menge Streifenhörnchen zugegen. Wir entscheiden uns für den Tisch mit zwei jungen Damen. Wir erfahren, dass beide Junior Off Shore Managerinnen oder so ähnlich sind. Wir führen eine recht launige Unterhaltung. Nach der Vorstellung der Offiziere durch den Kreuzfahrtdirektor Ulrich Hüni werden Häppchen gereicht. Da wir um 19:00 Uhr zum Abendessen müssen, verlassen wir die Veranstaltung nach einer halben Stunde.

    Die Außenalster Bar ist schlecht besucht. Das ist dem Wetter geschuldet. Wir sind aber mit unserer Skiunterwäsche warm genug angezogen, so dass wir es recht lange draußen aushalten. Auf dem Weg Richtung Bett machen wir noch einen kurzen Stopp an der Überschau Bar. Auch wenn hier die Getränke nur in Plastikbechern ausgeschenkt werden, gefällt es uns hier bei Olena und ihrem Team deutlich besser.

    Unser Tag in Bergen (Teil 1) – Die Halbinsel Nordnes

    05.08.2023. Sonnabend Morgen. Als wir wach werden, haben wir bereits die Askøybroen, die den Byjord überspannt, passiert und nähern uns unserem Liegeplatz am Jektevikterminal. Jetzt noch eine 180 Grad Drehung und wir legen in Fluchtrichtung an. Wettertechnisch haben wir überhaupt nichts versäumt. Noch ist der Himmel dick mit Wolken verhangen. Somit entscheiden wir uns auch bei unserem diesjährigen Besuch gegen die Fahrt mit der Fløibanen auf den 320 m hohen Hausberg „Fløyen“, da wir die Aussicht früher schon bei tollem Sonnenschein genießen durften.

    Gegen 11:00 Uhr verlassen wir das Schiff. Unser Ziel ist die Halbinsel Nordnes. Auf der Nøstegaten erreichen wir den namensgebenden Stadtteil „Nøstet“. Wir durchstreifen die pittoresken schmalen Gassen, die hier „Mauet“ heißen, mit vielen schönen Fotomotiven von alten bunten Holzhäusern.





    Dabei gewinnen wir an Höhe. Oben angekommen, befinden wir uns im Haugeveien, dem wir in Richtung Inselspitze, wo sich auch das Aquarium befindet, folgen.


    Beim Fredriksberg Fort haben wir eine schöne Aussicht auf unser Schiff.

  • Unser Tag in Bergen (Teil 2) – Nordnesbakken & auf dem Vågen

    In der Straße Nordnesbakken kann ich einige schöne Fassaden ablichten. Erst beim Betrachten der Bilder habe ich gesehen, dass ich auch ein Balkonidyll festgehalten habe.





    Dann geht’s wieder abwärts. Runter zur Strandgaten und zum Hafenbecken „Vågen“. An der Haltestelle „Tollbodhopen“ entern wir die „weltgrößte“ Hafenfähre. Die Fahrt bis zum Fischmarkt dauert ca. 10 Minuten und kostet pro Nase 4,10 Euro.


    Von Bord mache ich Fotos von Håkonshallen und dem Rosenkrantztårnet und den Hansekontoren „Bryggen“.




    Ein Bild von der Hafenfähre darf natürlich nicht fehlen.


  • Gerade entdeckt - da springe ich doch gleich mit auf, lieber @det@norge . Der Anfang Deines Berichtes gefällt mir schon sehr gut und macht Appetit auf mehr! Ich bin gespannt!

    Gruß Joni

    Leider schon vorbei:

    MSC Armonia Östliches Mittelmeer 06/2011
    Costa Pacifica Metropolen der Ostsee 08/2013
    Mein Schiff 1 alt Hamburg trifft Mallorca 09/2015
    Mein Schiff 3 Südnorwegen mit Kopenhagen 08/2017

    Mein Schiff 1 Hamburg nach New York 08-09/2022

    Mein Schiff 7 Kanaren mit Madeira 12/2024 - 01/2025

    MSC Preciosa Norwegen mit Nordkap 06/2025

    Traumreise ohne Schiff:

    Mit dem Wohnmobil durch den Westen Kanadas 08/2018

  • Unser Tag in Bergen (Teil 3) – Bryggen

    Angelandet sind wir am Fuße der alten Markthalle für Fleisch, worauf der Name „Kjøttbasaren“ noch hinweist. Heute ist das Frischfleisch einigen Restaurants gewichen.



    Bevor es auf das Schiff zurückgeht, bummeln wir in Bryggen. Ich will mir eigentlich eine neue Jacke von Scandinavian Explorer kaufen. Klappt aber irgendwie nicht. Wahrscheinlich stören uns die vielen Menschen. Dann lieber nach einer kleinen Runde durch die Fußgängerzone zurück zum Schiff und zu unseren täglichen Ritualen.


    Gegen 21:00 Uhr können wir einen schönen nordischen Himmel bewundern.


  • Ich steige auch mit auf!

    (Kann sogar sein, dass wir uns den Lieblings-Mohammed von der 4 teilen :))

    Wir sind dreimal mit Mohammed gefahren. 27.06.-05.07.22 nach Norwegen, 02.-14.08.22 nach Lissabon und 12.-22.06.23 Ostsee.

    Zum Abschied hat er uns zwei Magneten von Tunis geschenkt. Die hängen an unserem Kühlschrank.

  • Unser Tag auf dem Geiranger Fjord

    06.08.2023. Sonntag Morgen. Es ist noch sehr früh. Ich stehe um 5:30 Uhr ganz leise auf, um den Schlaf meiner Frau nicht zu stören, und schleiche mich aus der Kabine. Das ist der Preis dafür, dass ich die morgendliche Fahrt auf dem Geiranger Fjord fotografisch festhalten möchte. Leider findet diese 15 km lange Passage bei Mein Schiff zwischen 6:00 und 7:00 Uhr statt. Urlaubsmäßig ist diese Zeit völlig unchristlich. Das macht AIDA besser. Die fahren erst nach Hellesylt und sind dann entsprechend später auf dem Geiranger Fjord.

    Aber trotz der frühen Stunde haben sich schon sehr viele Mitreisende auf dem Deck eingefunden und verteidigen mit Zähnen und Klauen ihren Platz an der Reling. Das ist mir viel zu anstrengend und ich trinke erst einmal an der Überschau Bar in Ruhe eine heiße Schokolade. „Zum Glück“ ist das Wetter nicht so toll und die Berge sind wolkenverhangen, so dass mir ein guter Platz relativ egal ist. Wer sich schöne Bilder zum Teil mit Regenbogen anschauen möchte, sollte sich meinen Reisebericht vom letzten Jahr aufrufen. Aber auch diese etwas sehr triste Stimmung hat was.


    Da wir dieses Jahr im August, also recht spät, nach Norwegen gefahren sind, sieht es mit der Wasserversorgung der Wasserfälle auch eher mau aus. So sind von den sieben Schwestern man grade zweieinhalb zu Hause. Auch der Freier gegenüber plätschert eher zurückhaltend vor sich hin.



    Ein wenig stolz bin ich auf mein Bild „Haus am Fjord“. Das werde ich mir bei Whitewall auch ganz groß drucken und rahmen lassen und an die Wand hängen.


    Kurz vor Geiranger sieht man die Adlerstraße. Auf norwegisch heißt sie Ørnevegen, weil sie oben durch ein Gebiet führt, wo früher Adler gebrütet haben. Die Straße ist rund 8 km lang und hat eine Steigung von bis zu 10 %. In elf Serpentinen schlängelt sie sich hinauf nach Korsmyra auf 620 m.


    Gegen 7:00 Uhr machen wir zwischen Pollern auf dem Fjord fest und der Seawalk wird ausgefahren, so dass das Schiff schon kurz vor 8:00 Uhr vom Kapitän freigegeben werden kann.

  • Unser Tag am Geiranger Fjord

    Ganz entspannt brechen wir kurz vor 11:00 Uhr zu unserem Fjordsparziergang auf. Wie schon in den letzten Jahren ist auch heute unser Ziel der Campingplatz von Homlong. Das muss an Bewegungseinheiten reichen, zumal es ziemlich ungemütlich ist.





    So sind wir nach zwei Stunden wieder an Bord und kehren erst einmal in der X-Lounge zum Mittagssnack ein. Um 14:00 Uhr geht’s für meine Frau in die Siesta und für mich zum Lesen auf den Balkon. Sehr warm angezogen und in die Decke gehüllt, aber zumindest blendet die Sonne nicht. Gegen halb drei kommt ein Hurtigrutenschiff zur Stippvisite nach Geiranger. Heute ist es die Polarlys. Schnell ein paar Passgiere für eine Überlandfahrt abgesetzt und schon ist sie wieder weg.


    Um 18:30 Uhr verlassen wir dann auch Geiranger, nicht ohne von dem griesgrämig dreinschauenden Troll verabschiedet zu werden.


    Auch wenn der Kapitän versucht, die Schwestern mit einer 360 Grad Pirouette zu beeindrucken, sind sie leider am Abend nicht mehr geworden.


  • Zweiter Seetag & dritter Seetag mit Nordkap (Teil 1)

    07.08.2023 & 08.08.2023. Montag & Dienstag. Wir befinden uns auf dem längsten Teilabschnitt unserer Reise. Von Geiranger bis Honningsvåg beträgt die Entfernung 828 nautische Meilen. Das entspricht 1533 Kilometern. Ganz schön weiter Weg. Von Hamburg aus kämen wir auf der Luftlinie bis Süditalien. Wir sind auf der norwegischen See immerhin mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 18 Knoten unterwegs. Trotzdem werden wir für die Strecke 47 Stunden brauchen.

    Früher fand ich Seetage immer doof. Viel zu langweilig. Da passiert nichts. Jeder Seetag war eine verpasste Chance für einen Landgang. Heute liebe ich die Seetage. Man kann sich auch mit aktivem Nichtstun den Tag hervorragend vertreiben. Das entspricht dem „Rentner-haben-keine-Zeit-Phänomen“ oder dem „Rentner-Zeit-Paradoxon“.

    Und was heißt eigentlich Nichtstun. Wir umkreisen den Schornstein mindestens zehnmal auf der Joggingstrecke. Und gegen den Wind zu laufen fühlt sich an wie bergan zu gehen. Die Kalorienbilanz ist an Seetage trotzdem stark gefährdet. Die Versuchungen sind einfach zu groß.

    Da meine Frau ein Murmeltier ist, lieb sie ihre nachmittägliche Siesta. Ich bin in dieser Zeit sehr gern zum Lesen draußen auf unserem Balkon. Und zwischendurch einfach nur stumpf und unangestrengt aufs Wasser schauen. Manchmal kann ich auch ein wenig Land sehen. Meist sind wir 10 bis 30 SM von der Küste entfernt. Für die Insidepassage sind die „Mein Schiffe“ zu groß. Wenn man das will, muss man mit Hurtigruten fahren.

    So langsam kommen wir immer weiter gen Norden. Dabei überqueren wir auch den Polarkreis. Viele Mitreisende stellen sich in die Schlange für die Taufe und schwenken anschließend voller Stolz ihr Zertifikat. Ich bin dieses Jahr zum sechsten Mal ungetauft in Neptuns Reich.

    Mit jedem weiteren nördlichen Breitengrad wird das Wetter besser. So taucht gegen 14:00 Uhr das Nordkap am Horizont auf. Es ist ein ins Nordpolarmeer hineinragendes Kap an der Nordseite der norwegischen Insel Magerøya. Es liegt in der Kommune Nordkapp auf 71° 10′ 21″ nördlicher Breite, 514 km nördlich des Polarkreises und rund 2100 km südlich des Nordpols.


    Das Nordkap ist lediglich aus touristischer Sicht der nördlichste Punkt Festeuropas. Rund vier Kilometer weiter westlich liegt die Messermuschelspitze (Knivskjellodden) auf 71° 11′ 08″ nördlicher Breite und damit etwa 1,4 km weiter nördlich. Sie ragt nur flach ins Meer und ist weniger spektakulär als das Nordkap.



    Die Weltkugel ist mit bloßem Auge zu erkennen.


    Charakteristisch ist auch das Nordkaphorn.


    Und dann sind wir vorbei.


    Der Lotse kommt auf dem Silbertablett.


    Und schon ist der Lotse an Bord.


    Das Lotsenboot fährt schon mal nach Honningsvåg vor.


    Dann taucht Honningsvåg vor uns auf.


    Einmal editiert, zuletzt von det@norge (8. Oktober 2023 um 11:47)

  • Zweiter Seetag & dritter Seetag mit Nordkap (Teil 2)

    Wir nähern uns Honningsvåg.

    Gegen 17:00 Uhr legen wir an.

    Ab 18:00 Uhr starten die ersten Ausflügler.

    Unser Ausflug beginnt um 20:30 Uhr. Unsere Fahrt dauert ungefähr 40 Minuten und führt uns 22 km über die Insel Magerøya. Als wir am Nordkap um viertel nach neun den Bus verlassen, pfeift uns der Wind um die Ohren. Wir umrunden die Nordkaphalle und betreten das 307 m über dem Meer aufragenden Felsplateau. Gefühlt haben wir hier Windstärke 10. Deshalb und weil es uns zu voll (jährlich 200.000 Besucher) ist, beschließen wir mit dem nächsten Bus wieder zurückzufahren. Vorher manche ich noch ein paar Fotos.

    Ach übrigens: Die Sonne bleibt in der Zeit vom 14. Mai bis zum 29. Juli über dem Horizont.