Von Lissabon nach Valparaiso mit vielen Sehnsuchtszielen im November / Dezember 2014

  • Danke für Dein Interesse an meinem Reisebericht liebe Andrea andreaO . Es war wirklich ein wunderschöner Tag in Recife auch und gerade mit Wolfgang Besche. Er macht es gut, rappelt kein Zahlenwerk herunter, sondern informiert über Land und Leute.

    Unsere Tour war dann eurer sehr ähnlich, wir waren auch im Karnevalmuseum.

    Das kleine Museum hat uns auch gut gefallen. Auf meinen obigen Fotos erkennt man leider so gar nicht die Größe der handgefertigten Puppen, deshalb hier noch einmal ein anderer Vergleich.


    xxx Admin (Im Interesse des Forums keine Bilder veröffentlichen, die in Tempel, Kirchen, Moscheen, Museen etc. aufgenommen wurden! LG Chrisi ) xxx


    geht gleich noch weiter mit Teil 1 Salvador

    LG
    Siegrid

  • Pooldeck 24 - Die Kreuzfahrspezialisten
  • 16. November 2014 (Sonntag)

    Salvador de Bahia / Brasilien

    Sonnenaufgang 5:00h – Sonnenuntergang 17:40h

    Wetter Sonne mit Regenschauern um 30 Grad Liegezeit 14:00h bis morgen 12:00h

    Das Marina Culinary Team präsentiert zwischen 9h und 13h mit einem BRUNCH- Angebot ein weiteres Highlight. Also frühstücken wir heute, bewaffnet mit Fotoapparaten, im Grand Dining Room. Und Zeit haben wir ja ausreichend, denn Salvador wir werden erst gegen 14h erreichen.

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    Wir haben uns heute einer amerikanischen Gruppe aus dem cruise critic Forum angeschlossen. Bedingt durch die veränderte Liegezeit ist der eigentlich für morgen vorgesehene Ganztagesausflug auf zwei Halbtagestouren abgeändert worden. Kleiner Wermutstropfen: jetzt sind es dann 20 statt lediglich 8 Personen.

    Unsere Achtergruppe findet sich pünktlich an der Rezeption ein und gemeinsam mit Arnie, über den wir gebucht haben, gehen wir von Bord. Wenige Meter später treffen wir dann Leo Coutinho, einen waschechten Salvadorianer, der sechs Sprachen fließend spricht, u.a. auch deutsch, heute aber als englisch sprechender Guide gebucht ist.

    Gemeinsam mit der anderen Gruppe benutzen wir heute einen Bus, um Salvador, Brasiliens drittgrößte Stadt mit 2,6 Mio Einwohnern nach Sao Paulo und Rio de Janeiro, und seine Umgebung außerhalb der berühmten Altstadt zu besuchen. Der Himmel hat sich inzwischen bewölkt, es beginnt zu regnen.

    LG
    Siegrid

  • Wir fahren durch Gegenden - „nice neighbourhoods“ – von Leo genannt, aber wir schütteln nur den Kopf. Was Leo hier als begehrenswert bezeichnet, ist für uns unattraktiv, zumindest von außen betrachtet: unfertig, vom Klima „beansprucht“, schwarzschimmelig, zum Teil verfallen und im Regen jetzt sogar noch unattraktiver.

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    Wir besuchen einen örtlichen Künstler, der zauberhafte Kacheln und Fliesen in Handarbeit herstellt. Großes Interesse besteht allerdings nicht,


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    und so sind wird bald wieder auf Tour zur wichtigsten Basilika der Stadt, der katholischen Igreja do Senhor do Bonfim.

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    Leider gibt es kein Komplettfoto der Kirchenfront, dies stelle ich hier nur ein, um den Zaun zu zeigen.

    Das aus 1755 stammende Bauwerk steht nördlich des Zentrums von Salvador auf einer Halbinsel an der Allerheiligenbucht. Schon von außen betrachtet, ist die Kirche etwas Besonderes. Zum einen umgibt sie ein farbenfroher Zaun und zum anderen steigt man ein mehrstufige Treppe zu ihr empor.

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    Der Zaun entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Drahtgeflecht, an dem tausende und abertausende von bunten Bändern – alle beschriftet - befestigt sind. Es handelt sich um sogenannte Wunschbänder, die man an den zahlreichen Ständen rund um die Basilika erwerben kann. Verbunden mit einem persönlichen Wunsch werden sie an den Zaun geknotet. Der Sage nach geht jeder Wunsch in Erfüllung, sobald sich das Wunschband auflöst und ohne Zutun abfällt.

    Die Wallfahrtskirche ist mit Azulejos, den berühmten blauen Keramik-Fliesen aus Portugal verkleidet. Im Gotteshaus wird ein fröhlicher Gottesdienst mit viel Musik und Gesang abgehalten. Was irritiert, ist die Tatsache, dass dabei sämtliche Türen weit geöffnet sind.

    Leo führt uns zum Seitenschiff. Hier sind wir ebenfalls perplex. Zunächst gibt es im Vorraum ein quasi professionelles Fotostudio. Die beiden letzten Päpste sind hier als Wachsfiguren aufgebaut. Der Gläubige hat die Möglichkeit, sich zwischen die Päpste zu stellen und dann kostenpflichtig abgelichtet zu werden. Der Andrang ist groß. Selbst zu fotografieren, ist dagegen nicht erlaubt.

    Der Kirche werden wunderbare Heilkräfte zugesprochen. Im Exvoto-Raum hinter dem “Fotostudio” findet man von der Decke baumelnd Wachs-Nachbildungen von Körperteilen, die nach einer Pilgerreise zu dieser Kirche geheilt, von ihren dankbaren Gläubigen nachgebildet und hier niedergelegt wurden. Skurril! An den Wänden sind Briefe mit entsprechenden Danksagungen ausgestellt. Foto wohl eher nicht erlaubt hier. Das muss man sich einfach vorstellen!

    Salvador war als die Hauptstadt der Kolonie Brasilien ein wichtiger portugiesischer Stützpunkt und aus diesem Grund früher mit 13 Befestigungsanlagen gesichert. Heute sind noch 11 dieser Anlagen erhalten.

    Zwei dieser Fortanlagen besuchen wir.

    Zunächst stoppen wir am Forte de Nossa Senhora de Monte Serrat. . Das aus 1586 stammende kleine Fort liegt leicht erhöht direkt am Meer. Man hat einen schönen Blick über den örtlichen Strand und die Bucht.

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    Bald geht es weiter zum Stadtteil Barra, in dem sich eine weitere Anlage, das 1698 erbaute

    Forte de Santo Antônio da Barra befindet, das zu den Hauptattraktionen Salvadors zählt. Das Fort umrundet einen Leuchtturm, der an der Südspitze einer Halbinsel liegt. Der heutige Leuchtturm wurde bereits 1839 errichtet, doch die markante Erhebung wurde bereits seit dem 16.Jh. als Orientierungshilfe bei der Einfahrt in den Hafen von Salvador verwendet. Mit der Errichtung des Forts in seiner heutigen Form zum Ende des 17. Jahrhunderts wurde ein erster Leuchtturm errichtet, der als der älteste in Südamerika gilt.

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    Die Popularität des Leuchtturmes erklärt sich daraus, dass es einer der wenigen Orte Brasiliens ist, in welcher man einen Sonnenuntergang im Meer beobachten kann, theoretisch wenigstens. Heute nieselt es leider stark, also kein Sonnenuntergang. Und so werfen wir einen kurzen Blick auf die Gebäude und begeben uns schnell wieder zurück zum Bus.

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    Dann ist es auch langsam Zeit, zur Marina zurückzukehren. 380 Brasilianische Reals / rd. 122 € kosten uns der heutige und morgige Halbtagesausflug zusammen pro Paar. Das ist vertretbar.

    Morgen um 8:00h steht der Pelourinho, die historische Altstadt Salvadors, auf unserem Programm.

    Die für den Abend angesetzte Veranstaltung „Dancing under the Stars“ fällt wettertechnisch leider aus bzw. muss ins Horizons verlegt werden. Wir schauen mal rein, viel los ist aber nicht.

    Hatte ich eigentlich schon mal etwas zur Altersstruktur der Gäste berichtet? Ich glaube nein. Also, auffällig ist, dass es keine Kinder an Bord gibt. Deren Zutritt ist zwar nicht verboten, aber sie müssen den gleichen Reisepreis wie ein Erwachsener zahlen, und es gibt keinerlei Kinderbetreuung / Kindereinrichtungen an Bord. Die Gäste an sich sind eher jenseits der 60, also Senioren, allerdings eher noch der Typ „agil und beweglich“. Natürlich sieht man hier und da auch Gehhilfen oder einen Rollstuhl, aber von Altersheim würde ich nicht sprechen.

    LG
    Siegrid

    Einmal editiert, zuletzt von uschisiggi (14. April 2019 um 14:22)

  • 17. November 2014 (Montag)

    Salvador de Bahia / Brasilien

    Sonnenaufgang 4:58h – Sonnenuntergang 17:39h

    Wetter Sonne mit Regenschauern um 25 Grad Liegezeit bis 12:00h mittags

    Wir müssen früh aufstehen, denn Leo wartet ja schon um 8:00h auf uns.

    Mit dem Bus geht es zunächst wieder ein Stück aus der Stadt hinaus. Ziel ist der Dique do Tororo, ein künstlicher See östlich des Zentrums. Der Dique ist umgeben von verschiedenen Sportanlagen und Radwegen, quasi eine grüne Lunge in der Stadt, aber leider auch von schrottigen Hochhäusern und wilden Favelas. Auf dem See befinden sich - von Fontänen umringt - verschiedene, übergroße Orixás – Frauenfiguren, Wahrzeichen der Stadt, die ein schönes Fotomotiv abgeben.

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    Leider hat man bei der Anlage des Sees vergessen, Parkplätze mit an zu legen, denn die sucht man hier – genau wie beim benachbarten WM-Fußballstadion Arena Fonte Nova -

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    vergeblich, und so bleibt nur die Möglichkeit der „Langsam dran Vorbeifahrt“. Zeit, einen Blick ins WM Stadion zu werden, ist leider nicht vorhanden, aber wir hoffen ja, in Rio de Janeiro ins Maracana zu kommen. Ein kurzer Fotostopp muss hier genügen.

    So, und jetzt geht es endlich in die historische Altstadt. Salvador ist auf verschiedenen Ebenen einer Bergkette gebaut, welche die Stadt in eine Oberstadt (cidade alta) und in eine 70 Meter tiefer gelegene Unterstadt (cidade baixa) teilt. Um vom einen Teil in den anderen zu gelangen, kann man den Aufzug Elevador Lacerda nutzen, aber aus Zeitgründen fahren wir direkt mit dem Bus hinauf. Schade!

    Ursprünglich lag das Zentrum Salvadors in der Unterstadt. Mit dem Bau eines hydraulisch betriebenen Aufzugs wollte die Unternehmerfamilie Lacerda die Erweiterung der Stadt in den Süden vorantreiben. Für den Zugang zur Unterstadt musste ein Tunnel in das Bergmassiv getrieben werden. Antônio Lacerda konnte den Erfolg seines Bauwerkes nicht mehr miterleben; er starb verarmt. Erst 1930 wurde der Aufzug mit zwei zusätzlichen zu vier Kabinen ausgebaut, so, wie er heute die Silhouette Salvadors prägt.

    Wir verlassen den Bus und gehen jetzt zu Fuß weiter. Leo erzählt von der Geschichte der Stadt, aber so richtig zuhören tut keiner. Alle wollen fotografieren, und so hat er seine liebe Not, seine Schäfchen zusammenzuhalten.

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    LG
    Siegrid

  • Der Pelourinho, zu Deutsch Pranger, war einst die Durchgangsstraße vom Jesuitenkloster zum Convento do Carmo. Dort wurde ein Pranger aufgestellt, an dem Sklaven ausgepeitscht und zur Schau gestellt wurden. Später verfiel der Pranger, es entstanden vielmehr innerstädtische Favelas. Seit 1991 wurde saniert. Weil viele Häuser nur noch Ruinen waren, konnte eine Rekonstruktion nicht detailgetreu durchgeführt werden, lediglich einige Fassade wurden gerettet.

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    Was uns hier auffällt, ist die schier unglaubliche Anzahl von Polizisten, die alle bis auf die Zähne bewaffnet sind. Roland entdeckt in einem Polizeifahrzeug sogar Beamte, die eine gezogene Waffe im Anschlag haben.



    Da es hell ist, fühlen wir uns im Rahmen der Gruppe eigentlich recht sicher, aber man weiß ja nie. Die Kriminalitätsrate der Stadt ist vergleichsweise hoch. So wurden 2013 hier 2.234 Menschen ermordet, was eine Mordrate von 57,51 pro 100.000 Einwohner ausmacht (Deutschland: 0,8). Damit erscheint Salvador im Jahr 2014 auf Rang 13 der gewalttätigsten Städte der Erde. Abgesehen von vereinzelten Taschendieben, die sich in den touristischen Gegenden der Stadt aufhalten, spielt sich die Gewalt eher in den peripheren Stadtteilen spät nachts bzw. zur frühen Morgenstunde ab. Gründe für diese Gewaltexzesse sind Rivalitäten zwischen Drogenbanden, Drogenkonsumenten oder Streitigkeiten unter Crack-Abhängigen. Auch Unbeteiligte geraten gelegentlich in Schießereien.

    Unser Ziel ist die Franziskanerkirche „Igreja da Ordern Terceira dos San Francisco“, eine Kloster- und Kirchenanlage aus dem 17. Jh. mit einer wunderschönen Steinfassade und mit einer der größten Sammlungen von Blaufliesengemälden, den berühmten portugiesischen Azulejos.


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    Und dann ist es schon wieder Zeit zum Aufbruch. Wir laufen durch die Gassen und kommen am bekannten Marktplatz vorbei. Hier hat am Wochenende ein Event stattgefunden. Die Aufräumungsarbeiten sind in vollem Gange.

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    Leo berichtet davon, dass eines der letzten Videos von Michael Jackson hier gedreht worden ist. Und Musik, besser Trommelwirbel bekommen wir auch noch zu hören. In einem der Häuser befindet sich im Erdgeschoss eine Schule, die Trommler ausbildet. Ein paar Minuten hören wir zu. Vorbei an Wunschbändern, farbenfrohen Gebäuden und noch mehr Polizisten kehren wir schließlich zum Schiff zurück.


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    Mit dem Wetter haben wir heute Glück gehabt, auch wenn die Sonne nicht geschienen hat. Dafür war es überwiegend trocken und vor allen Dingen warm. Wir haben einiges gesehen und gehört. Das Thema Karneval war nicht gegenwärtig. Und die Strände haben wir auch nicht besucht. Es sollen immerhin 48km Sandstrand sein. Wir haben keinerlei Probleme gehabt, das war gut so. Ein zweites Mal müssen wir aber nicht wieder hierher.

    Pünktlich um 12h verlassen wir Salvador de Bahia mit Ziel Rio de Janeiro. Was uns wohl dort erwartet? Wir sind gespannt und freuen uns erst einmal auf 1½ Seetage zur Entspannung. Wobei es am Nachmittag nicht viel mit Entspannung gibt, denn der Wind frischt kräftig auf, so dass die Marina sogar etwas schlingert.

    Letzte Amtshandlung vor dem Schlafengehen: Die Uhren müssen eine Stunde vorgestellt werden.

    Salvador de Bahia – Rio de Janeiro 778 Seemeilen

    LG
    Siegrid

  • Mittenhinein ins brasilianische Leben entführt:)

    Danke uschisiggi für diesen schönen Bericht, den ich noch vom Anfang an nachlesen werde.

    Lg ücki

  • 18. November 2014 (Dienstag)

    Seetag auf dem Weg nach Rio de Janeiro / Brasilien

    Sonnenaufgang 5:54h – Sonnenuntergang 18:57h

    Wetter sonnig mit Windböen um 25 Grad

    Der Tag verläuft ruhig.

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    Am frühen Nachmittag werden Schiffsmodelle vorgeführt, die in den letzten Tagen von Gästegruppen aus Bordmitteln gebastelt worden sind und jetzt auf ihre Schwimmtauglichkeit getestet werden sollen.

    Die Veranstaltung findet regen Zuspruch und man erkennt, wie viel Mühe sich die einzelnen Teams gemacht haben.

    Und man staunt nicht schlecht, der Kreuzfahrtdirektor springt wirklich in voller Montur in den Pool, um die Schiffe schwimmen zu lassen. Ein echter Hingucker.

    LG
    Siegrid

  • 19. November 2014 (Mittwoch)

    Rio de Janeiro / Brasilien

    Sonnenaufgang 6:01h – Sonnenuntergang 19:15h

    Wetter Sonne pur um 28 Grad Liegezeit 9.00h bis übermorgen 18:00h

    Wir nähern uns Rio de Janeiro, einem weiteren Highlight unserer Kreuzfahrt! Mit Fotoapparaten bewaffnet, genießen wir die spektakuläre Sicht auf die Stadt vom Wasser aus schon ab 7:00h in der Früh.

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    Der Zuckerhut! Der Corcovado! Die Hochhauskulisse zwischen den Bergen! Die vielen schneeweißen Strände! Natürlich sind auch bereits die ersten Favela-Hänge zu entdecken. Und dann Flugzeuge, die scheinbar schwerelos durch das Panorama schweben. Mit einem Wort: grandios. Auch das Wetter spielt mit. Wenn Engel reisen, sage ich da nur.

    Wir sind gespannt, was uns erwartet. Wer uns erwartet, wissen wir natürlich: Isabell Erdmann, bekannt aus Funk und Fernsehen, könnte man sagen. Auf jeden Fall eine Deutsche, die hier seit Jahren ansässig ist und selbst in einer Favela lebt. Wir haben sie über das Internet kennengelernt und ein 3-Tagesprogramm mit ihr gebucht.

    Nach einem ausgezeichneten Frühstück verlassen wir gut gestärkt die Marina.

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    Zunächst geht es direkt durch das angrenzende Terminal. Dort sind schon einige Stände mit brasilianischen Souvenirs aufgebaut. Farbenfrohe Havaianas springen uns sofort ins Auge, aber jetzt haben wir keine Zeit zum shoppen. Am provisorischen Ausgang – das Terminal wird komplett ausgebaut – stehen viele Touranbieter und Abholer mit Schildern bereit. Isabell scheint nicht darunter zu sein. Wir sind aber auch früh dran und müssen uns daher wohl oder übel noch ein paar Minuten gedulden. Und nach gut 20 Minuten taucht sie dann auf: groß, blond, schlaksig und mit dabei - man glaubt es kaum – vor ihrer Brust baumelnd ein Baby. „Das ist Jeremy, der muss jetzt mit, ich weiß sonst nicht, wohin mit ihm“, werden wir umwerfend begrüßt. Vor vollendete Tatsachen gestellt, haben wir keine andere Wahl.

    Und los geht es. Isabell führt uns zu einem Minivan mit Fahrer, der sich als Anderson vorstellt. Zunächst einmal müssen wir uns ins Fahrzeug „hinein basteln“, keine einfache Aufgabe. Unsere Freunde werden auf der erhöhten Sitzbank in der dritten Reihe platziert, Roland nimmt neben dem Fahrer Platz und dahinter ist dann genügend Raum für mich und Isabell mit Klein-Jeremi, der 8 Monate alt ist.

    Unser Tagesprogramm wird kurz diskutiert und dann umgestellt. Zunächst wollen wir ins Maracana-WM-Stadion und danach nach Niteroi. Viel mehr werden wir aufgrund des höllischen Verkehrs nicht schaffen!

    LG
    Siegrid

  • Bei seiner Fertigstellung 1950 war das Estádio do Maracanã nach zwei Jahren Bauzeit mit einem Fassungsvermögen von bis zu 200.000 Zuschauern das größte Fußballstadion der Welt. Am 16. Juli 1950 wurde das Endspiel zwischen Brasilien und Uruguay ausgetragen. Die favorisierten Brasilianer unterlagen dabei vor rd. 204.000 Zuschauern überraschend mit 1:2 und verpassten so den bereits sicher geglaubten WM-Titel, was bis in die Gegenwart als nationales Trauma gilt.

    Im Hinblick auf die Fußball WM 2014 wurde die Spielstätte komplett für über 300 Mio € renoviert. Durch den Einbau neuer Pressetribünen und Logen sank die Kapazität des Stadions auf nur noch 79.000 Zuschauer.

    Am 13. Juli 2014 wurde Deutschland in der Verlängerung mit 1:0 durch ein Tor von Mario Götze gegen Argentinien zum vierten Mal Fußballweltmeister.

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    Anderson setzt uns genau vor dem Haupteingang des Maracana ab. 12 Reals oder rd. 4 € kostet der verbilligte Senioren-Eintrittspreis pro Person und Isabell darf sogar als offizieller Tourguide umsonst hinein. Eine deutschsprachige Führung wird angeboten, aber da müssten wir uns noch gut eine Stunde gedulden. Auf Nachfrage hören wir, dass ein klassischer Rundgang bestens ausgeschildert sei und alle wichtigen zu besichtigenden Stationen beinhaltet. Ein Audioguide hätte sogar auch noch zur Anmietung zur Verfügung gestanden, aber wir verzichten darauf, denn eigentlich wollen wir nur eines, uns von der Atmosphäre beeindrucken lassen.

    Unser Freund tauscht erst einmal sein Hemd gegen sein neues Weltmeistertrikot mit der 1 auf dem Bauch und den 4 Sternen auf der Brust, dann laufen wir los und machen vor einem großen Plakat eine Gruppenaufnahme.

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    Den weiteren überdachten Gang entlang kommen wir ins Gebäude, wo uns gleich das aktuelle Maskottchen in Lebensgröße begrüßt. Hier findet man Ausstellungen der letzten Fußballereignisse, Weltpokale, den Weltmeisterball mit Autogrammen versehen sowie Fotos der Weltmeister und wichtigsten Besucher der letzten Jahre. Queen Elizabeth war schon mal zu Besuch, einer der letzten Päpste ebenfalls.



    Einen Stock höher können wir dann von den VIP - Tribünenplätzen aus (alle in blau-gelbem Leder bezogen) auf den heiligen Rasen und die umliegenden Sitzplätze blicken und uns gedanklich ein paar Monate zurückversetzen.

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    Den Deutschland-Schal schwenkend machen wir hier erneut einige Fotos, wobei uns das Wachpersonal des Stadions freundlich zunickt. Und jetzt geht es in die berühmten Katakomben. Wir sehen die sanitären Anlagen der Spieler, die Duschen und den großen Whirlpool.

    Und dann die verschiedenen Spinte! Vor jedem Schrank hängt ein berühmtes Trikot. Ein Foto des dazugehörigen Fußballstars gibt es natürlich auch.

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    Aus den Katakomben hinaus, kommt man dann ebenerdig auf das Fußballfeld. Wir setzen uns zur Probe mal auf die Stühle der Ersatzspieler und der Trainer und fühlen uns fünf Minuten mal wie Jogi Löw. Großartig!

    Eine junge Dame vom Wachpersonal spricht uns auf Deutsch an. Sie ist stolz, uns zu verstehen und antworten zu können. Ja, sie war beim Endspiel dabei und berichtet von dem grandiosen Spiel und der tollen Atmosphäre.

    Schnell noch durch den Giftshop, im dem es leider keine günstigen Trikots für Kinder gibt, dann müssen wir nach so viel Fußball auch endlich weiter. Anderson wartet schon und befragt uns nach unseren Eindrücken. Und was sind wir, natürlich begeistert. Isabell schlägt den Besuch eines bekannten Fischmarktes auf dem Weg nach Niteroi vor verbunden mit einem Mittagsessen in einem der kleinen Restaurants. Wir sind einverstanden.

    LG
    Siegrid

  • Nach Niteroi – 1573 durch einen Indio gegründet - mit seinen 500.000 Einwohnern wollen wir wegen Oscar Niemeyer und seiner zeitgenössischen Kunst / Architektur. Die Stadt liegt nur wenige Kilometer von Rio de Janeiro entfernt und ist mit Rio neben einem Fährbetrieb auch über eine wichtige Brücke verbunden, die wir schon bei der Einfahrt nach Rio vom Schiff aus bewundert haben. Die Hauptöffnung der erst 1974 fertiggestellten Rio-Niterói-Brücke, die über die Guanabara-Bucht führt, ist eine Stahlkonstruktion mit 300 m Stützweite. Sie gehört zu längsten Balkenträgern der Welt. Die Länge beträgt gut 13 km, davon 9 km über Wasser. An der höchsten Stelle verläuft sie in 72 m Höhe üdM.

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    Der Verkehr ist ganz schön heftig. Gut, dass wir nicht selber fahren müssen.

    Niteroi besitzt mit dem Sao Pedro Markt einen bekannten und recht ordentlichen Fischmarkt, an dem wir nach Überquerung der Brücke einen weiteren Stopp einlegen.

    Unsere Freundin rümpft zwar zunächst ihre Nase (sie hat immer Probleme mit dem erwarteten Fischgeruch), aber sie wird eines Besseren belehrt. Hier kann man Fisch nur sehen und kaufen, aber nicht riechen. Der einfache Grund: hier ist alles piek sauber und der gesamte Fischfang liegt appetitlich auf Trockeneis ausgebreitet.

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    Wir laufen daher zunächst durch die Halle und sichten das Angebot. Anschließend geht es ein Stockwerk höher. Dort gibt es ein paar einfache Restaurants, die Mittagstisch anbieten. Isabell fragt - leider vergeblich - nach einem Kinderhochstuhl für ihren Sprössling, der sich bislang übrigens tapfer geschlagen und kaum zu Wort gemeldet hat. Muss leider ohne gehen!

    Wir bestellen ein typisches Fischgericht für fünf Personen. Wahre Fisch-Mengen werden aufgetischt, dazu gibt es eine Art Fritten aus Gemüse, die Isabell ausdrücklich empfohlen hat, und Reis.

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    Aufessen können wir das nie und nimmer. Isabell hat aber auch kein Problem damit, sich sämtliche Reste als doggybag einpacken zu lassen. Und die Rechnung - 44 € incl. Softgetränke - teilen wir dann auch nur durch zwei. Schnell noch die Örtlichkeiten besuchen, einmal Windeln wechseln und weiter geht’s.

    LG
    Siegrid

  • Schon von weitem ist es zu erkennen, das Museu de Arte Contemporânea de Niterói, ein Museum für zeitgenössische Kunst, das von dem brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer entworfene, 1996 nach fünfjähriger Bauzeit fertiggestellte Gebäude.

    Direkt an der Küste oberhalb eines Felsens steht die zylindrische, neun Meter im Durchmesser fassende Basis in einem ebenfalls zylindrischen Wasserbecken. Das darauf ruhende eigentliche Gebäude hat eine Höhe von 16 m und einen Durchmesser von 50 m und erinnert mit seiner Form an den Fuß eines Atompilzes. Dort hinauf in den ersten Stock schlängelt sich eine große, rote Rampe zum Eingangsbereich.

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    Wir haben Glück. Es ist Mittwoch und der Eintritt ist heute frei. Ausstellungsmäßig ist wenig - moderne - Kunst zu sehen, aber die im Winkel von 40 Grad angebrachten Fenster bieten einen grandiosen Blick auf Rio de Janeiro, den Zuckerhut sowie auf die Bucht von Guanabara und Niterói selbst. Und es ist angenehm kühl hier im Gegensatz zu den tropischen Temperaturen draußen.

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    Doch es geht bald schon wieder weiter. Unser nächstes Ziel ist ein Militärmuseum direkt am Meer: das Fortaleza de Santa Cruz da Barra. Dorthin zu gelangen, ist nicht ganz ohne. Die Straßen sind eng, die Durchfahrt zum Teil über Ampeln geregelt. Besichtigung mit Führung wäre möglich, aber uns ist die Zeit zu schade dafür.

    Eigentlicher Grund der Anfahrt: man hat einen herrlichen Blick auf Rio de Janeiro und den Zuckerhut.

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    Oscar Niemeyer hat in seinen 104 Lebensjahren der Welt ein überraschendes und bewundernswertes Erbe von Werken hinterlassen.

    Niteroi wird, was die Anzahl von Werken des Künstlers betrifft, nur von Brasilia übertroffen. Und Niemeyer war auch als Mensch unübertroffen. So hat er z.B. im „jugendlichen“ Alter von 99 Jahren noch einmal geheiratet: seine Krankenschwester. Nicht weil er versorgt sein wollte, sondern weil er es ein Jahr später mit 100 Jahren kraft Gesetz nicht ohne die Zustimmung seiner Familie gedurft hätte.

    Der Niemeyer Weg, ein unglaublicher architektonischer Komplex am Meeresufer steht trotz Hitze und beginnender Müdigkeit abschließend noch als Programmpunkt an.

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    Isabell berichtet, dass der Weg am Ufer der Bucht von Guanabara sechs Gebäude beherbergt, die alle noch in Betrieb sind und zum Ziel haben, die künstlerische Kultur der Stadt zu fördern.

    Ausgangspunkt des Niemeyer Weges ist neben dem besagten Kunstmuseum das Volkstheater, ein Komplex in gewundenen Formen, 1997 eingeweiht und über eine reversible Bühne verfügend, die innen wie außen benützt werden kann und dabei die Aufnahme von Personen von 300 auf 10.000 erhöht.

    Ein weiteres Werk ist das ans Volkstheater angeschlossene Memoriale Roberto Silveira. Das Gebäude ähnelt einer in der Mitte durchschnittenen Kugel und wurde mit dem Ziel errichtet, Informationen über die Stadt Niterói und den Staat Rio de Janeiro zu sammeln. Der Sitz der Oscar Niemeyer Stiftung, die sich auf der Oberfläche eines Wasserspiegels befindet, besteht aus einem spiralförmigen Gebäude und einem Hängebogen, auf den man von innen und außen über Rampen gelangt.

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    Hier noch ein typisches Wohngebäude von Niemeyer.

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    Mehr als ein paar Eindrücke können und wollen wir hier nicht mehr sammeln. Isabell meint, es würde auch noch über eine Stunde dauern, bis wir wieder am Schiff sind, also machen wir uns auf den Rückweg. Der Verkehr hat nochmals zugenommen und über die Brücke staut er sich doch sehr. Morgen ist Feiertag, erfahren wir beim Abschied, der Tag des Schwarzen Bewusstseins.

    Beim Abendessen im Terrace Café treffen wir noch auf einige Gäste, die sich von uns verabschieden. Für sie geht es morgen bereits wieder nach Hause, wir müssen ja leider noch ein paar Wochen an Bord bleiben!

    Ach ja, für alle Shopping – Interessierten noch ein Hinweis: es hat direkt vom Terminal aus kostenfreie Shuttlebusse zu einem großen Shopping Center „Rio Sul“ gegeben, die alle 30 Minuten verkehrt haben. Wir hatten leider keine Zeit mehr, diesen Service zu nutzen.

    LG
    Siegrid

  • Der Zuckerhut! Der Corcovado! Die Hochhauskulisse zwischen den Bergen! Die vielen schneeweißen Strände! Natürlich sind auch bereits die ersten Favela-Hänge zu entdecken. Und dann Flugzeuge, die scheinbar schwerelos durch das Panorama schweben. Mit einem Wort: grandios.

    Dem ist nichts, aber auch gar nichts, mehr hinzuzufügen liebe Siegrid. Grandiose Fotos :love::love::love:

  • 20. November 2014 (Donnerstag)

    Rio de Janeiro / Brasilien

    Sonnenaufgang 6:01h – Sonnenuntergang 19:16h

    Wetter Sonne pur um 28 Grad Liegezeit bis morgen 18:00h

    Unser zweiter Tag in Rio de Janeiro bricht an, er ist vollgepackt mit Aktivitäten. Um 9:00h sind wir mit Isabell und Jeremy verabredet. Und während wir noch warten, schaue ich mir die Angebote der örtlichen Agenturen an: Zuckerhut, Corcovado, Maracana und die berühmten Strände – alles wird auf einer (!) Tagestour kompakt angeboten. Und wir brauchen drei Tage!

    „Die Bahn hatte leider Verspätung“, hören wir 15 Minuten später als Isabell mit Sohnemann dann aber doch noch eintrifft. Mit Fahrer Anderson und seinem schwarzen FIAT – Platzverteilung wie gehabt – geht es zunächst Richtung Corcovado.

    Auf dem 700m hohen Berg Corcovado steht die 38 m hohe Christus-Statue Cristo Redentor, das Wahrzeichen der Stadt. Eine Serrpentinenstraße oder eine Zahnradbahn führen bis nahe an den Gipfel, von dem man einen fantastischen Blick über Rio de Janeiro und die Guanabara-Bucht hat.

    Wir wählen mit Bedacht die Anfahrt über die Serpentinen. Erstens hat man so die Gelegenheit, schon auf halber Strecke von einem Lookout aus, einen wunderbaren Blick auf die Cristo Statue zu werfen und zweitens sparen wir Zeit und Geld, denn am Ende der Straße können wir Eintrittskarten lösen und werden den Rest der Strecke mit Vans nach oben gefahren. Seit 2003 gibt es zusätzlich zur Treppe mit 220 Stufen auch Panorama-Aufzüge und Rolltreppen, um die Aussichtsplattform bei der Statue zu erreichen. Soweit erst einmal die Vorabinformationen von Isabell.

    Der Stopp beim Lookout ist dann sehr lohnenswert. Wir haben aber auch wieder grandioses Wetter erwischt. Sonnenschein mit blauem Himmel, kaum Wolken und dabei ein Tick erfrischender als gestern, um die 26 – 28 Grad jetzt am Vormittag. Später hören wir, dass die Aussicht in den letzten Tagen durch schlechtes Wetter bescheiden war.

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    Es geht per PKW weiter nach oben bis zu einem Großparkplatz. Isabell will sich schon um Eintrittskarten kümmern, wir sollen uns derweil in die Schlange der Wartenden einreihen. Das versuchen wir auch, aber ohne gültige Tickets kommen wir an verschiedenen Zwischenkontrollen nicht vorbei und müssen andere Besucher vorlassen. Irgendwann entdecken wir Isabell und sie uns „Alles ok, Eintritt 34 Reals pro Person, leider kein Seniorenrabatt hier erhältlich“. Und dann schlägt Jeremys Stunde. Er fängt an zu weinen und schwupps dürfen wir die lange Schlange abkürzen und in einen der wartenden Vans klettern. Danke Jeremy!

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    Wir nehmen dann die zuvor erwähnte Rolltreppe, um ganz nach oben zu gelangen. Zur hundertjährigen Unabhängigkeit Brasiliens sollte 1922 eine Christusstatue auf dem Gipfel des Corcovado errichtet werden. Finanzielle Engpässe verzögerten allerdings die Fertigstellung bis 1931. Die Statue ist 30 Meter hoch und steht auf einem 8 Meter hohen Sockel, in dem sich eine Kapelle für 150 Personen befindet. Die Spannweite der Arme beträgt 28 Meter, das Gesamtgewicht 1.145 Tonnen. Der Cristo blickt direkt auf den Zuckerhut.

    Es ist gar nicht so leicht, von hier oben die Statue komplett aufs Foto zu bannen. Das be- bzw. verhindern nicht nur die vielen Touristen auf der verhältnismäßig kleinen Plattform, sondern die fehlende Entfernung zum Cristo. Einige Touristen legen sich auf den Betonboden und fotografieren einfach hoch. Wir begeben uns auf Empfehlung von Isabell einfach an den Rand der Plattform und versuchen es von dort. Schaut man den Cristo genau an, entdeckt man auch ein Herz auf seiner Brust.

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    Ja und von hier oben gibt es dann tatsächlich eine überwältigende, einfach nur unvergessliche Rundumsicht auf Rio de Janeiro mit seinen Häuserschluchten, auf die Favelas, auf das Maracana Stadion, auf den Zuckerhut und das blaue Meer. Und dann die vielen berühmten Strände von Leblon, Ipanema und Copacabana, um nur einige zu nennen, nicht zu vergessen.

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    LG
    Siegrid

    Einmal editiert, zuletzt von uschisiggi (23. April 2019 um 23:23)

  • Es wollen immer mehr Touristen hier nach oben. Isabell und Jeremy warten in der Kühle der Kapelle auf uns. Eigentlich wollen wir uns nicht losreißen, müssen es aber irgendwann doch tun, obwohl wir kein Zeitlimit haben. Es geht also die Rolltreppe wieder abwärts. Und während alle die Örtlichkeiten kurz aufsuchen, werfe ich einen Blick in den hier befindlichen Giftshop und entdecke sofort ein Objekt meiner Begierde.

    Ein Kopf aus farbigem Stoff mit Sand gefüllt, der Carmen Mirinda darstellt, eine bekannte Sängerin und Schauspielerein, die ihren Tutti-Frutti-Hut und die Samba-Rhythmen in den 30ger Jahren weltbekannt machte.

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    Schnell in den nächsten Van steigen, und schon geht es in wenigen Minuten zurück zum Parkplatz, wo Anderson bereits auf uns wartet.

    Es geht weiter durch Santa Teresa, einem malerischen, auf einem Hügel gelegenen, zentralen Stadtteil, der sich deutlich von den anderen Stadtteilen Rios unterscheidet und bekannt für seine engen, kurvigen Straßen ist. Das Stadtviertel entstand um das Santa Teresa Konvent herum, das in den 1750er Jahren auf dem Hügel Desterro gebaut wurde. Viele prachtvolle Herrenhäuser, von denen noch heute einige erhalten sind, belegen, dass das Viertel damals bevorzugtes Wohnquartier der Oberschicht war. Unser Ziel ist aber die bekannte Treppe von Selarón im benachbarten Stadtteil Lapa.

    „Künstler Jorge Selarón ermordet auf Treppe in Rio de Janeiro gefunden“ so lautete Anfang 2013 die Überschrift in den Tageszeitungen Brasiliens. Der Chilene Selarón - er wurde 65 Jahre alt - hatte zum Anlass der 1994 in den USA stattfindenden Fußball-WM hier in Rio eine Treppe mit Hunderten von Fliesen aus ca. 60 Ländern zu einem bunten Kunstwerk gestaltet. Die Treppe wurde zu seinem bekanntesten Werk.

    Und tatsächlich ist die bunte Treppe beeindruckend. Auf einer viel fotografierten Kachel findet sich ein Bildnis des Künstlers mit Bezeichnung seines Kunstwerks. Und auch sonst geht man hier über die Stufen auf die Suche nach Bekanntem. Mehrere Eulenmotive gefallen mir und Roland entdeckt sogar ein Hamburg-Motiv.

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    Gleich unterhalb der Treppe gibt es mehrere Restaurants. In der Bar e Restaurante os Ximenes finden wir einen freien Tisch für uns fünf, aber leider wieder keinen Hochstuhl. Kaum bestellt, füllt sich unser Tisch mit Fleischplatten, Salat, schwarzen Bohnen, Reis, Fritten und Maniokstreuseln. Mit Wasser und Softdrinks versuchen wir tapfer, einen Teil des Angebots zu vertilgen. Vergeblich. Isabell ist erneut an den Resten interessiert, derweil teilen wir uns die Rechnung von 150 Reals.

    Jetzt soll es endlich auch an die berühmten Strände gehen, was sich nicht ganz so einfach gestaltet. Aufgrund des Feiertags sind viele Straßen gesperrt und auch die großen, direkt an den Stränden vorbeiführenden Boulevards, sind nur einseitig befahrbar. Das bedeutet, dass wir einen großen Bogen fahren müssen, um die Strände von hinten an aufzurollen.

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    Ganz Rio de Janeiro scheint zudem das tolle Sommerwetter zu nutzen und am Strand zu sein oder zumindest dorthin zu wollen. Parklücken sind vor diesem Hintergrund Mangelware bzw. gar nicht mehr vorhanden. Aber, andersherum hätte die heutige Planung auch keinen Sinn gemacht, denn als wir den Corcovado verlassen, haben sich die Warteschlangen verzehnfacht.

    Also hält unser Anderson immer mal wieder in zweiter Reihe, und wir springen hinaus, um ein Foto zu machen. Bei „Tia Sonia“, einem kleinen Strandcafé haben wir etwas mehr Glück und finden eine schmale Parklücke. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf die gutbesuchte Copacabana.

    Die Straßenseite direkt am Strand ist heute komplett gesperrt und wird spontan für Freizeitvergnügungen genutzt. Der Autoverkehr nimmt einfach – ohne besondere Ausschilderung – die ganz rechte der drei Spuren der Gegenfahrbahn in Anspruch. Das klappt hier in Brasilien ganz unkonventionell. An einigen markanten Kreuzungen sieht man übrigens Polizeikommandos in „Hab-acht-Stellung“. Sie sollen Bandenüberfälle am Strand verhindern und für öffentliche Sicherheit der Touristen sorgen.

    Anstatt sich ein Café direkt an der Copacabana zu suchen (und keinen dazugehörigen Parkplatz zu finden), schlägt Isabell vor, auf die gegenüberliegende Seite zu fahren zum Forte de Copacabana. Für 3 Reals Senioreneintritt dürfen wir das Fort betreten und haben eine prima Aussicht auf die weißen, ellenlangen Strände.

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    Hier gibt es auch eine Niederlassung des berühmten Wiener Kaffeehauses Confeitaria Colombo, das sich von den herkömmlichen Lokalitäten in Brasilien deutlich unterscheidet. Das bereits 1894 eröffnete Hauptcafé liegt allerdings im Zentrum. Das Kaffeehaus überzeugt durch ein fulminantes Ambiente. Auch heute noch sehen die mit viel Liebe zum Detail gestalteten Räume aus wie im 19. Jahrhundert. Wir ergattern einen Tisch auf der Terrasse und testen viel zu süßen Kuchen und Cappuccino, der mehr nach Kakao als nach Kaffee schmeckt. Landestypisch eben!

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    Entlang der Strände geht es nach dieser Verschnaufpause dann aber endlich wieder zurück zur Marina, wo wir gegen 17h eintreffen.

    Viel gesehen und erlebt heute!

    Eigentlich möchte Isabell morgen mit öffentlichen Bussen und Taxis mit uns unterwegs zum Zuckerhut und zur Favela-Tour sein, aber der Gedanke gefällt uns gar nicht. Wir verständigen uns schließlich darauf, dass wir „unseren“ Fahrer Anderson und seinen Fiat einen weiteren Tag anmieten möchten, sofern er frei hat (was der Fall ist). Zwar wird er zwischendurch wieder überall auf uns warten müssen, aber er kennt uns inzwischen und wird uns sicherlich zuverlässig und pünktlich abholen und auch wieder zurück zum Schiff bringen. Das ist uns 100 € Mehrpreis für 4 Personen wert.

    Zurück auf der Kabine erfreuen wir uns an dem erwarteten Bordguthaben und endlich gibt es auch freies Internet für den Rest der Kreuzfahrt. Super!


    Heute beginnt dann auch Teil II unserer Fahrt: „Von Rio de Janeiro nach Buenos Aires“.

    Southern Exploration = 1.650 Seemeilen oder 3.056 km

    21.11.14 Fr RIO DE JANEIRO (Brasilien) 18:00h

    22.11.14 Sa BUZIOS (Brasilien) 08:00h - 17:00h

    23.11.14 So Parati (Brasilien) 08:00h - 17:00h

    24.11.14 Mo SAO PAULO/Santos (Brasilien) 08:00h - 18:00h

    25.11.14 Di PORTO BELO (Brasilien) 09:00h - 19:00h

    26.11.14 Mi Erholung auf See

    27.11.14 Di RIO GRANDE (Brasilien) 08:00h - 16:00h

    28.11.14 Fr PUNTA DEL ESTE (Uruguay) 10:00h - 18:00h

    29.11.14 Sa MONTEVIDEO (Uruguay) 08:00h - 19:00h

    30.11.14 So BUENOS AIRES (Argentinien) 08:00h - über Nacht

    01.12.14 Mo BUENOS AIRES (Argentinien)

    LG
    Siegrid

    Einmal editiert, zuletzt von uschisiggi (23. April 2019 um 23:20)

  • Dieser Tag war eindeutig ein Tag der traumhaften Aussichten :love:

    LG Susanne

  • Dieser Tag war eindeutig ein Tag der traumhaften Aussichten :love:

    Besser hätte ich es nicht schreiben können, liebe Susanne

    Danke Siegrid für die wunderbaren Fotos in deinem RB

    LG

    Bina