Tag 9, Tromso:
Gegen 16 Uhr liefen wir an diesem Tag in Tromso ein. Erste Erkenntnis: es war leider nicht der Anlegeplatz am Cruise Terminal direkt in der Innenstadt, sondern weit im Norden der Stadt, im Industriehafen. Mist! Ich hatte doch so schön für den zweiten Tag geplant, zu Fuss zum Rentier-Burger-Essen zu gehen. Okay, für den folgenden Tag war ein Shuttlebus angekündigt, aber das nimmt dem Ganzen schon ein wenig die Spontaneität. ![]()
Für den Abend hatte ich mal etwas Neues geplant – einen Landausflug nur für meine Frau und mich. Es würde das erste Mal überhaupt sein, dass wir die Kinder alleine an Bord zurückliessen. Okay, als wir 2015 zum ersten Mal mit TC unterwegs waren, hatten wir auch schon mal einen Ausflug zu zweit gemacht, aber damals war meine inzwischen verstorbene Mutter mit uns unterwegs gewesen und hatte sich (das war damals auf den Kapverden) um die Jungs gekümmert.
Um mal einen Sketch aus der SAT.1-Serie «Sechserpack» zu zitieren:
«Frühlingsfest mit 6 Buchstaben, erster ein «O», letzter ein «N»?» - «Orgeln!»
Und genau das wollten wir uns nun anschauen. Oder vielmehr anhören. In der «arktischen Kathedrale», die eigentlich keine Kathedrale ist, aber Marketing ist ja im Tourismus bekanntlich alles. Immerhin ein eindrucksvoller Bau:
Ich hatte mich ausnahmsweise auch mal in Schale geworfen, hatte mir das Outfit sogar eigens für diesen Anlass bestellt bzw. schneidern lassen. Das Instrument des Abends wirkte zwar jetzt nicht besonders imposant:
xxxAdminxxx bitte keine Innenaufnahmen von Kirchen.
Bevor es losging, wurde uns noch der Organist vorgestellt, er stammt übrigens aus Wilhelmshafen. Hier das Programm des ca. 35minütigen Konzerts:
Dass da der unvermeidliche Edvard Grieg mit dabei war, entlockte mir ein leichtes Schmunzeln. Aber richtig erstaunt war ich, als meine Frau mir erzählte, dass sie den Organisten kürzlich bei Instagramm getroffen hatte. Er hatte dort von Vorbereitungen für ein Orgelkonzert berichtet und um Anregungen bei der Stückauswahl gebeten. Tja, die Welt ist klein. ![]()
Das Konzert war sehr schön, allerdings könnten einige der mittleren Register eine kleine Neustimmung vertragen. Die Orgel ist übrigens ein französisches Modell, Kenner werden wissen, was das für den Klang bedeutet.
Im Rahmen um die musikalische Darbietung erfuhren wir dann noch einiges um den Bau der Kirche, unter anderem, wie schwierig es ist, die Fenster an den Schrägseiten zu putzen, dass man sich beim letzten Mal dafür den örtlichen Bergsteigerverein zur Hilfe geholt hatte. Naja, kann man bei einem männlichen Architekten auch ernsthaft erwarten, dass er solche Banalitäten mit berücksichtigt? ![]()
Nach dem Konzert gingen wir noch einmal um die Kathedrale herum. Dabei gelang mir zunächst dieses Foto von Aurora über Tromso:
Und von der Rückseite der Kirche noch jenes Foto des erleuchteten Kirchenfensters mit leichtem Nordlicht-Heiligenschein:
Noch ein Erlebnis von Bord: ich hatte ja schon vom Nachtschwärmerbuffet im Hanami geschrieben. Dort gab es u.a. 6 Behälter mit verschiedenen Speisen, die jedoch nur unvollständig angeschrieben waren. Immerhin war der vorletzte Behälter mit «Cevapcici» beschriftet, und nach genau diesen gelüstete es mich nun. ![]()
Leider kam die Schlange nur sehr langsam voran, weil vorne der Verkehr durch ein Ehepaar, was erstmal jeden Behälter genau inspizierte und die enthaltenen Speisen zu identifizieren suchte, blockiert wurde. Die drei vorderen Behälter waren komplett frei.
Da ich nicht vorhatte (und das, ausser bei meinen T&N-Probieraktionen auch sonst nie tue), mir von allem etwas aufzutun, ging trat ich aus der Schlange und ging direkt zum Cevapcici-Behälter.
Böses Foul, denn ich wurde sofort von der Dame am Kopf der Schlange angegiftet: «Man kann sich auch anstellen.» Worauf ich spontan antwortete: «Sieht man ja an Ihnen.» ![]()
Ich fürchte, sie hat den implizierten Wortwitz nicht kapiert, denn sie meinte gleich mit ausladender Handgeste: «Langsam, langsam, wir wollen uns nicht mit Ihnen streiten.» (Man beachte den Einsatz des Pluralis majestatis.) Ich antwortete nur süffisant «Ich habe nicht angefangen.» und trollte mich mit meinen Cevapcici.
Wie denkt Ihr über sowas? Ich meine: solche Situationen kommen doch an Buffets – auch im Ankelmannsplatz – laufend vor. Genau deshalb verschaffe ich mir immer erst einen Überblick, was es so alles gibt, und nehme mir dann gezielt nur eine Hauptkomponente und allenfalls 1-2 Beilagen. Wenn die Situation gerade so ist, dass es eine Lücke ebendort gibt, wo das von mir Ersehnte zu schöpfen ist, gehe ich auch direkt dorthin. Warum soll ich an einem Essen anstehen, das ich gar nicht möchte? ![]()
Klar, wenn keine Lücken da sind, stehe ich auch brav an, ist doch Ehrensache. Aber letztlich bleibe ich bei der Nahrungsbeschaffung Pragmatikerin. Und wenn meine Familie wartend den Tisch freihält, und sich selber auch versorgen möchte, bin ich dabei auch möglichst zeiteffizient.
Bin auf Eure Meinungen zum Thema sehr gespannt.
