Liebe Foristi!
Ihr werdet Euch jetzt vielleicht wundern – warum stellt sich der Faulpelz jetzt nochmal vor? Den kennen wir doch, das ist der Flo.
Aber Ihr werdet merken, dass Ihr mich womöglich gar nicht so gut kennt, wie Ihr bislang angenommen habt. Also:
Ich fühle mich schon seit meiner Kindheit als weiblich, hatte mein ursprüngliches Coming out im Alter von 6 Jahren. Aufgrund verschiedener Umstände habe ich dies aber viele Jahre nicht gelebt. Meine Frau weiss bereits seit Beginn unserer Beziehung Bescheid, meine Kinder habe ich vor ein paar Jahren informiert und schliesslich begonnen, zunächst im privaten Umfeld, später auch zunehmend auf Urlaubsreisen (u.a. auch auf mehreren Kreuzfahrten) sowie bei Besuchen in meiner norddeutschen Heimat, meine wahre Identität zu leben. Die Erfahrungen waren dabei fast durchweg positiv. Anfang 2024 habe ich auch eine Hormontherapie begonnen, die mir sehr gut tut.
Kurz gesagt: ich bin transgender, eine Transfrau.
Eigentlich hatte ich vorgehabt, auch aus Sorge um meine Praxis, mit meinem Coming out in Praxis und Dorf bis zu meiner Rente zu warten. Dies hätte einen Zeitraum von nochmal 10-12 Jahren betroffen, etwa ein Drittel meiner realistischerweise zu erwartenden Restlebenszeit.
In den letzten Monaten habe ich dann noch einmal viel über das Thema nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich nicht mehr so lange warten wollte. So bin ich schliesslich an meinem 53. Geburtstag im Juni auch in meiner Praxis herausgekommen. Die Reaktionen waren sehr positiv, seither haben lediglich 8 Patient*innen deswegen ihre Unterlagen bei uns abgeholt. Und ich bekomme sehr viel Unterstützung und Zuspruch.
Ich liebe mein neues Leben, bin darin absolut glücklich und würde auf keinen Fall wieder zurück wollen. Meine Entscheidung vor 4 Monaten, die vielen Jahre der Maskerade endlich und endgültig zu beenden, hat sich als goldrichtig erwiesen. Es war eine längst überfällige Befreiung.
Ich habe dabei auch das grosse Glück, dass meine Familie und ganz besonders meine Frau meine Veränderung ohne Probleme mitgehen kann und mich sehr unterstützt. Leider ergeht es vielen Transpersonen so, dass ihre Ehe bzw. Partnerschaft das Coming out nicht übersteht.
In Kürze werde ich bei der Deutschen Botschaft Bern die Erklärung nach dem deutschen Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) abgeben, um Vorname und Geschlechtseintrag in meiner Geburtsurkunde und meinen Personalpapieren ändern zu lassen. In den Folgemonaten werden diese Angaben dann auch sukzessive an verschiedenen Stellen korrigiert werden (das wird allerdings ein grosser Berg an Arbeit, vor dem es mich jetzt schon graust). Vor ein paar Wochen hatte ich schon mit Sophie und Manu79 vom Team Pooldeck24 Kontakt, um vorab zu klären, wie das mit der Änderung meines Vornamens in den Buchungen unserer kommenden Kreuzfahrten laufen wird. Sie haben dann bei TC und AC nachgefragt, und es wird glücklicherweise kein Problem sein.
Und inzwischen bin ich auch für die nachfolgenden medizinischen Behandlungen am Universitätsspital Basel angemeldet.
Ich hoffe, dass Ihr mit alldem gut leben könnt. Meinen Forumsnamen werde ich nicht ändern, der gehört ja trotzdem irgendwie noch zu mir (allerdings wäre es nett, wenn Administrator meinen Nutzerrang auf «Frühstücksexpertin» ändern könnte). Und für Fragen stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung – traut Euch nur.
Liebe Grüße,
Nicole
(gerne auch «Nici»)
