Reisebericht: MS Quest im Wattenmeer - Wo krieg ich trockne Hosen her?

  • Liebe Joean

    you made May Day :love: wie immer herrlich Dein Bericht.

    Freue mich schon wie es weitergeht.

    Lg Bonja

    2006 - Costa Classica WWM
    2011 - Aida Aura Nordamerika
    2013 - Aida Diva Südostasien
    2013 - Aida Diva ÖMM
    2015 - MS 1 Mittelmeer mit Sardinien
    2016 - MS 3 TA Nördliche Karibik trifft Mitterlmeer
    2017 - MS 3 Westeuropa mit Amsterdam - Cruise Days ;(
    2018 - MS 5 Dubai mit Oman
    2019 - MS 1 Kurzreise Oslo mit Göteborg
    2019 - MS Artania Vorweihnachtliche Entspannung
    2021 - MS Amadea Advent & Weihnachtsmärkte
    2022 - MS 1 Mallorca bis Hamburg II
    2022 - MS Amera Adventsauszeit
    2023 - MS Artania Fjordnorwegen der Extraklasse
    2023 - A-Silver Weihnachtsmärkte
    2024 - MS Amadea Südskandinavische Hightlights
    2024 - MS Deutschland Sommerfreude in Südnorwegen
    2024 - MS Artania Kleine Auszeit im Advent
    2025 - MS Artania Zu den schönsten Inseln und Küsten Westeuropa
    2025 - VIVA Gloria Kurzreise Paris
    2026 - AIDA Diva Ostsee



    Mein Reisebericht:
    Mittelmeer mit Sardinien 16.04. - 25.04.2015
    Transatlantik Nördliche Karibik trifft Mittelmeer 25.03. - 16.04.2016

  • Pooldeck 24 - Die Kreuzfahrspezialisten
  • Liebe Joean,

    wieder was gelernt - ich werde gerne gequält. :D:D Was für geniale Fotos. :love:

    LG Petra

    2008 Westliches Mittelmeer AIDAdiva

    2012 Transbrasilien AIDAcara

    2012 Kanaren AIDAsol

    2013 Östliches Mittelmeer AIDAdiva

    2014 Nordland mit Spitzbergen AIDAcara, Ostsee AIDAmar

    2015 Panamakanal Norwegian Jewel, Premierenfahrt Norwegian Escape

    2016 Orient Indien AIDAaura, Kiel - New York AIDAluna

    2017 Mittelmeer mit Lissabon Mein Schiff 3

    2018 Hongkong Singapur Celebrity Millenium, Rund um Großbritannien AIDAaura

    2019 Kanaren Azoren AIDAcara, Spitzbergen Island Grönland MS Hamburg - Reisebericht, Mittelmeer mit Andalusien Mein Schiff 4 - Reisebericht

    2020 Rhein südwärts AMAstella

    2021 Große Freiheit Schwedische Küste MS 6, Azoren MS Amera

    2022 Wintertraum Norwegen MS Amera, Kreta - Mallorca AIDAblu

    2023 Norwegen bis Hamburg AIDAprima, New York - DomRep MS6

    2024 Vietnam & Kambodscha Lan Diep (RB), Holland + Flandern MS Alina

  • 05.09.20 List / Sylt


    In dieser Nacht geht es weiter nordwärts Richtung Sylt. Der Plan ist, dass wir Mitternacht dann auf der windgeschützten Seite vor List liegen werden. Seitens der Expeditionsleitung werden wieder die Tabletten angepriesen. Wir bleiben standhaft.


    Ich hab ja eigentlich gedacht, dass wir schon manches an Seegang erlebt haben, aber auf so einem kleinen Schiff ist das echt nochmal eine ganz andere Nummer. Das Schiff rollt wirklich stark von backbord nach steuerbord und GsD auch wieder zurück. Und da wir quer zur Fahrtrichtung schlafen, haben wir das „Vergnügen“, dass wenn unsere Jolle nach backbord kippt, wir im Bett 5 cm Richtung Fußende rutschen und wenn sie dann wieder nach steuerbord schlägt, wir die 5 cm wieder Richtung Kopfende rutschen. Das hab ich in der Form echt noch nie erlebt!

    Aber uns geht’s gut und die Schaukelei tut der Vorfreude auf Frühstück und Wattwanderung keinen Abbruch.

    Auch in List haben wir im Hafen einen abgesperrten Bereich für die Zodiacs.


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    Unsere Friesennerze lassen wir bei den Zodiacs zurück. Wir vertrauen einfach mal darauf, dass es heute nicht regnet. Dazu kommt noch, dass ich dieses Ding bei einer Wattwanderung auch irgendwie hinderlich finde. Wir treffen Sarah vom Naturgewaltenzentrum Sylt und starten zu unserer exklusiven Austernwanderung.


    Dazu nehmen den Bus und steigen an einer Station aus, deren Namen ich nicht nennen darf.

    Dann gehen wir zwischen den Häusern eine schmale Straße entlang, deren Benennung ich sofort wieder vergessen musste nur um dann an einen Strandabschnitt zu kommen, den ich auf keinen Fall fotografieren darf.

    Und das alles, weil hier die Austernbänke von Dittmeyer's Austern-Compagnie liegen. Hier wird die gute "Sylter Royal" gezogen. Übrigens steht das „Fotografieren verboten“-Schild wirklich mitten im Meer.

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    Zu sehen ist ja noch nix, also laufen wir erst mal los – dem Wasser hinterher. Leider ist es so, dass heute auch bei Ebbe das Wasser einen knappen halben Meter höher stehen wird als normal. Dies hängt wohl mit der Windrichtung des Sturmes der letzten Nacht zusammen.


    Auf dem Weg dahin erfahren wir von Sarah jede Menge Interessantes über die Auster an sich, über Wattwürmer, Herzmuscheln und die anderen Millionen Bewohner jedes einzelnen Quadratmeters Wattenmeer. Ja, es sind pro m² wirklich mehrere Millionen Lebewesen – ich musste auch zweimal hinhören.

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    Letzten Endes schaffen wir es aber doch noch bis zu den Austernbänken, obwohl das Wasser heute wirklich ganz schön hochsteht.


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    Dann geht es aber wieder zurück in die grobe Richtung List und als wir dann das von der Austern-Compagnie belegte Gebiet (das übrigens seeehr weitläufig ist) verlassen haben, dürfen wir selber auf die Suche nach DER Sylter Muschel gehen.

    Am erfolgreichsten ist man dabei im gut knöchelhohen Wasser. Die beiden Exemplare, die ich ganz stolz zu Sarah trage werden von ihr abgelehnt: „Die ist noch zu klein und die ist mit einer anderen Auster genau an der Stelle verwachsen, wo ich mit dem Messer reingehen muss.“
    „Na toll!“

    Das Schöne ist ja, dass man die Dinger dann einfach da fallenlassen kann, wo man gerade steht. Sehr praktisch – so ein Watt!

    Andere Mitreisende haben mehr Glück und bekommen von Sarah ihre Beute geöffnet.

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    Das ist der Moment, an dem Miss WP geistig wieder zur Gruppe stößt. Bisher war sie zwar anwesend, aber ungefähr 80% der Zeit waren Blick und Daumen mit dem Smartphone beschäftigt. Bloß keinen Follower verpassen! Aber möglicherweise ist sie ja auch supermegamultitaskingfähig und kann laufen, zwitschern und zuhören gleichzeitig.


    Obwohl: Während ich das so schreibe, wird mir klar, dass ihre plötzliche Aufmerksamkeit nur Mittel zur Auster war. Miss WP braucht Sarah, damit sie ihr eine Muschel öffnet! Und keine zwei Meter neben uns wird dann das Verschlucken dieser Auster zum medialen Ereignis, das im Moment des Geschehens um die Welt geht…


    Sie hat einen Kumpel oder Kollegen – wer weiß das schon? – mit, der diesen ergreifenden Moment festhalten soll. „Soll ich mich so hinstellen?“

    „Nein, da ist Gegenlicht.“

    „So rum?“

    „Dann macht dein Arm einen Schatten auf dein Gesicht. Kannst du die Auster nicht in die andere Hand nehmen?“ „So?“

    „Nee, lass mal. Dreh dich mal ganz rum. Dann haben wir die Häuser im Hintergrund.“

    „Hallihallohallöle, hier ist wieder eure ... Wir sind hier auf einer gaaaanz tollen Austernwanderung. Und ratet mal, was ich hier habe!“

    Das ist der Moment, wo ich gern so seitlich ins Bild springen und ganz laut, aber leicht angeekelt „Boah, watt krabbelt denn da in der Auster?!“ rufen möchte. Ich beherrsche mich – und frage mich bis heute, wie sie reagiert hätte.

    Langsam kommt unser Trüppchen wieder näher nach List.


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    Dort warten im Hafen schon die Zodiacs auf uns, die uns heute mal für ein Mittagessen zurück zum Schiff bringen. Lange ausruhen ist aber nicht! Unser Programm hält noch einiges bereit.


    Der nächste „offizielle“ Programmpunkt wäre erst um 16:00 Uhr, aber wer vorher schon ein Stündchen durch List bummeln will, kann auch gern jetzt schon ein Zodiac nehmen. Und so treffen wir eine – eigentlich mehrere - verhängnisvolle Entscheidungen…

    Wir entscheiden uns für die Fahrt mit dem „frühen“ Zodiac und treffen am Ausgang auf Miss WP samt Anhang. Und da die Wetterprognose für den Nachmittag ganz gut aussieht, wollen wir uns nicht mit den Friesennerzen belasten und verzichten dieses Mal darauf.

    Tja, und dann macht Geschichte das, was sie immer macht. Sie nimmt ihren Lauf...

    wie's wohl weiter geht?...


  • ....

    Wir entscheiden uns für die Fahrt mit dem „frühen“ Zodiac und treffen am Ausgang auf Miss WP samt Anhang. Und da die Wetterprognose für den Nachmittag ganz gut aussieht, wollen wir uns nicht mit den Friesennerzen belasten und verzichten dieses Mal darauf.

    Tja, und dann macht Geschichte das, was sie immer macht. Sie nimmt ihren Lauf...



    ... bin schon wahnsinnig gespannt :)

    Simone :)

    - Mein Schiff 7 Kanaren mit Madeira 15.12.25 - 22.12.25
    - Mein Schiff 1 Blaue Reise Panoramafahrt I Ostsee & Baltikum 4.7.21 - 11.7.21
    - Mein Schiff 4 Kurzreise Palma mit Marseille & Barcelona II 16.4.20 - 20.4.20 - Absage der KF wg. Covid-19-Pandemie
    - Mein Schiff 4 Norwegen Nordkap I mit Trondheim 31.5.18 - 11.6.18
    - Mein Schiff 5 Karibik ab/bis Dominikanische Republik 16.12.16 - 30.12.16
    - Mein Schiff 4 Norwegen Südnorwegen mit Kopenhagen II 6.8.16 - 14.8.16

  • Joean Du lieferst uns wirklich schöne und informative Fotos.

    Und der Text dazu - :thumbup::thumbup::D. Abgesehen davon bewundere ich dich für deine Beobachtungen von Miss WB, das Teufelchen in mir hätte sich sicherlich "völlig unauffällig" lustig über sie gemacht.;)

    Und jetzt möge deine Geschichte ihren Lauf nehmen:?:

    lg Christine

  • Schade, dass du deiner Intuition nicht gefolgt bist. Das Filmchen und vor allem das Gesicht von Miss WP hätte ich zu gern gesehen ^^

    LG Susanne

  • hallo Joean

    <3lichen Dank für Deinen ach so tollen, lesenswerten Bericht. Ich bin auch mal gespannt was Du alles noch über diese Miss WP zu berichten hast. ;) Du bringst es auf den Punkt:!:Köstlich, köstlich^^^^^^

    Ein like:thumbup:noch von meinem Göga.

    Grüsse Sonnenscheins

    ------Meine schönste Reise führte mich immer wieder nachhause :P -----


  • Joean

    Mehrere Miss wp waren glaube ich eben bei uns hier in der Gegend.

    1. An der ampel beim rübergehen fast auf unser altes Vehikel gerennt. Volle Konzentration auf na was wohl.....;)

    2. Beim Einkauf den einkaufswagen fast in meinen Ar....gerammt. Warum wohl........Babel, Babel, Babel. Sorry für ot Liebe Joean. Aber ich glaube es gibt viele Miss wp. Aber Deine ist die Beste;););):!::!::!:

    grüsse sonnenscheins

    ------Meine schönste Reise führte mich immer wieder nachhause :P -----


  • Auf dem Weg dahin erfahren wir von Sarah jede Menge Interessantes über die Auster an sich, über Wattwürmer, Herzmuscheln und die anderen Millionen Bewohner jedes einzelnen Quadratmeters Wattenmeer. Ja, es sind pro m² wirklich mehrere Millionen Lebewesen – ich musste auch zweimal hinhören.

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    ja, das Watt ist schon was ganz beeindruckendes liebe Joean , schön, dass Ihr dabei trocken geblieben seid.

    Austern sind schon etwas spezielles, ich habe schon welche probiert, aber wirklich begeistert bin ich nicht davon (vielleicht lag es auch daran, dass es keine aus Sylt war :/).

    Und nun bin ich gespannt, wie es weitergeht, ich habe so das Gefühl, dass jetzt der Wunsch nach einer trockenen Hose aus dem Titel Deines Berichtes eine Rolle spielen könnte...

    Gruß Joni

    Leider schon vorbei:

    MSC Armonia Östliches Mittelmeer 06/2011
    Costa Pacifica Metropolen der Ostsee 08/2013
    Mein Schiff 1 alt Hamburg trifft Mallorca 09/2015
    Mein Schiff 3 Südnorwegen mit Kopenhagen 08/2017

    Mein Schiff 1 Hamburg nach New York 08-09/2022

    Mein Schiff 7 Kanaren mit Madeira 12/2024 - 01/2025

    MSC Preciosa Norwegen mit Nordkap 06/2025

    Traumreise ohne Schiff:

    Mit dem Wohnmobil durch den Westen Kanadas 08/2018

  • ...

    Tja, und dann macht Geschichte das, was sie immer macht. Sie nimmt ihren Lauf und wir geraten zwischen die Mühlräder sich aneinander reibender Eitelkeiten. Unser Schlauchboot wird natürlich von Chris gesteuert - dem Expeditionsleiter. Seit gestern weicht er kaum von Miss WP's Seite - immer mit der Mission: 'Ich bin der coolste Expeditionsleiter aller Zeiten. Sag das der Welt. Ja, sag das der Welt.'


    Und sag es möglichst so, dass es Hapag Lloyd hört!

    Gestern Abend hat er nämlich noch etwas aus dem Nähkästchen geplaudert und dabei mehrfach erwähnt, dass er die neuen HL-Schiffe für das Beste hält, was aktuell auf dem KF-Expeditionsmarkt zu finden sei. Da ist jemand ganz offensichtlich bereit für Veränderungen und hätte nichts gegen ein paar positive Referenzen.

    (Einwurf vom 30.09.2020: Nachdem ich meinen RB fertig geschrieben hatte, habe ich dann doch etwas auf Miss WP’s Website gestöbert und kann bestätigen, dass ihr Bericht eine einzige Hymne auf unseren lieben Chris ist.)


    Und Miss WP: - sie sonnt sich in ihrem Influenza-Status und räkelt sich - im übertragenen Sinn - auf dem Rücken ihrer Follower. Und wir - wir sitzen buchstäblich im falschen Boot.


    Am Anfang ging‘s ja noch und das es spritzt auf so einem Schlauchboot ist uns auch klar. Aber dann dreht der gute Chris so richtig auf. Gasgriff bis an den Anschlag damit das Boot vorn so richtig schön hochkommt und dann aber jede Welle voll drüber.


    Immer wenn das Zodiac dann aus seinem Luftsprung wieder auf dem Wasser aufschlägt ist es, als würde von außen jemand einen 10-Liter-Eimer über mir ausschütten.


    Als wir am Anleger ankommen, sind wir beide ziemlich nass. Insbesondere meinen Mann hat er gründlichst erwischt. Göga hat nasse Haare, seine Softshelljacke ist klatschnass, das T-Shirt darunter ist durch, die Haut auf dem Rücken ist nass. Die Hose trieft – man könnte sie auswringen, die Büx ist nass (Achtung! nur vom Meerwasser!).

    Das einzig halbwegs trockene an ihm sind Socken und Schuhe.

    Er ist stinksauer! Trotzdem formuliert er noch relativ höflich und fragt, ob es denn wirklich nötig gewesen wäre, SO zu fahren.


    Ich denke mir: 'Klar war das nötig! Alles andere wär ja nicht cool genug.'

    Und kaum ab ich das gedacht, kommt auch schon von unserem personifizierten Größenwahn der Schlauchboot fährt, die patzige Antwort: "Ich habe euch doch schon am ersten Tag gesagt, wir werden euch nass machen."

    'Ja, hast du. Aber sagen und tatsächlich machen sind dann doch zwei unterschiedliche Seiten einer Medaille.'


    Das wirklich ärgerliche an dieser Geschichte ist nicht, dass wir zum Opfer überheblicher Selbstdarstellung wurden, sondern dass wir in diesen nassen Klamotten nun die nächsten Stunden aushalten müssen.

    Bis zur Abfahrt der "Rosa Paluka" ist noch massig Zeit, die wir versuchen, vorwiegend draußen zu verbringen, da wo es leicht windet, aber nicht unbedingt zieht. Wir versuchen irgendwie trocken zu werden, ohne uns zu erkälten.


    Möglicherweise wäre ich ja nicht so sauer gewesen, wenn wir zwei oder drei Wochen früher unterwegs gewesen wären, denn da hatte es auch auf Sylt noch gute 25°C.

    Bei 16° C sieht dann für mich die Sache anders aus.


    Um 16:00 Uhr sind dann auch alle anderen Mitreisenden wieder da, um mit uns auf der für die Reisenden der MS Quest reservierten "Rosa Paluka" zu einer Fahrt zu der Seehundbank unterhalb des Lister Ellenbogens zu starten. Da der Wind heute Nachmittag dann doch noch etwas zugelegt hat, ist das für die Kitesurfer natürlich ideal.


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    Zwischendurch wird auch mal das Netz zu Wasser gelassen und ein junger Mann moderiert auf ausgesprochen launige, aber auch sehr interessante Art und Weise den Fang des heutigen Nachmittags. Dabei lerne ich dann kurzzeitig weibliche und männliche Krebse zu unterscheiden - kurzzeitig deshalb, weil ich es inzwischen leider schon wieder vergessen habe.


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    Auch um das allseits so beliebte Krabbenbrötchen geht es. Darum, dass die Krabbe an sich ja schon ca. 8 Wochen Transportweg hinter sich hat, bevor sie überhaupt auf dem Brötchen landet. Wurde sie früher zum Pulen mit LKWs durch Europa bis nach Marokko gekarrt, so hat sich der Transport in das afrikanische Land inzwischen auf den Seeweg verlagert. Und der dauert natürlich. Macht aber nix. Mit genügend Konservierungsstoffen und Eis hält die kleine Krabbe auch das locker durch.

    Wer übrigens noch denkt das Krabben deshalb in Marokko gepult werden, weil dort die Arbeitslöhne so gering sind, irrt gewaltig. Krabben werden auch dort nicht mehr gepult, sondern gelöst und gerüttelt. Gelöst mit jeder Menge Säure, deren Einsatz in der EU verboten ist und bewirkt, dass sich das Fleisch vom Panzer löst und in großen Maschinen gerüttelt, damit das dann Gute links ins Töpfchen und der Panzer rechts ins Kröpfchen fällt. Dann noch gut spülen, damit die Grenzwerte wieder stimmen und zurück in die EU. Na, hat noch wer Hunger?


    Zurück im Lister Hafen warten schon die Zodiacs auf uns. Für abends um 19:00 Uhr wird eine weitere Zodiac-Fahrt mit einer "Überraschung für die Fitten" angekündigt. Mehr wird nicht verraten.


    Diesmal greifen wir aber auf jeden Fall auf die Friesennerze zurück! Beim Besteigen der Zodiacs sind wir sehr zurückhaltend und wir sitzen dann in dem Boot, welches von Antony - einem philippinischen Crewmitglied - gesteuert wird. Dieser Mann versteht sein Handwerk und er hat kein Interesse daran, sein Testosteron an den Passagieren auszuleben.

    Absolut trocken erreichen wir nun zum dritten Mal an diesem Tag den Anleger im Lister Hafen und marschieren strammen Schrittes los. Ziel: Überraschung.


    In einem großen Bogen geht es dann über die Hafenstraße, an der Tankstelle rechts rum über die Listlandstraße und die Alte Dorfstraße bis zur Ecke am "Alten Gasthof". Dort bricht dann große "Verwirrung“ aus und Chris tut so, als wisse er den richtigen Weg nicht mehr. In Sichtweite befindet sich nun wieder das Naturgewaltenzentrum in der Nähe des Hafens und auch ohne große Ortskenntnis ist mir klar, dass wir bisher einen Riesenumweg gemacht haben. Während wir dann alle auf der Kreuzung gegenüber dem "Alten Gasthof" rumstehen und Chris telefoniert, sehe ich keine Veranlassung auch noch mein Handy rauszuholen und irgendwie Tante G zu befragen. Wie auch, wenn ich das Ziel nicht kenne.


    Und während wir da alle noch so an der Kreuzung rumlungern, taucht auf dem Parkplatz des Gasthofes Thomas Anders auf.

    Ja, genau der. Nur ohne Nora. Die Anwesenheit des Kettchens konnte ich auf die Entfernung nicht verifizieren. Hier iss eben List, da kriegt man was geboten!


    Ich seh den Mann, ick guck ein zweites Mal hin: nee - kein Irrtum. das isser wirklich. Damit hat sich's dann aber auch bei mir.

    Ganz anders Miss WP. Schnurstracks sprintet sie diagonal über die Straße und wedelt wild mit dem Handy. Versuchen wir mal, die Sache positiv und zu ihren Gunsten zu sehen und denken uns, dass sie ihn nur nach dem Weg fragen will. Dies würde allerdings voraussetzen, dass sie unser Ziel kennt. ;)


    Weiter geht es dann im Sturmschritt über Am Brünk und die Mövenbergstraße und Chris informiert nun, dass wir zur Aussichtsplattform am Weststrand unterwegs sind. Dort wäre der Sonnenuntergang ganz besonders schön zu bewundern. Dumm nur, dass wir aufgrund des Umwegs erst dort ankommen werden, wenn die Sonne schon untergegangen ist. Darüber hinaus ist der Himmel heute Abend aber leider stark bedeckt. Sonnenuntergang: Fehlanzeige.


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    Am Aussichtspunkt geht es dann 184 Stufen über die Dünentreppe nach oben. Dort warten Mandy und die Hoteldirektorin der MS Quest mit warmen Kakao auf die Überlebenden.

    Einige unserer Mitreisenden sind zu diesem Zeitpunkt schon wirklich platt und hätten sich im Vorfeld etwas mehr Information über die "Überraschung" gewünscht.

    Die Passagiere dieser Reise sind (außer uns und Miss WP samt Anhang) alle zwischen 65 und 75 Jahre alt. Und auch wenn dies eine Expeditionsreise ist, sollte vielleicht in der Planung der Aktivitäten die Altersstruktur der Gäste doch etwas berücksichtigt werden.

    Ich kann die notwendige Fitness von Vlogger-Bloggern in den Dreizigern nicht 1:1 auf mindestens 30 Jahre ältere Gäste übertragen. Meine Meinung. Einige Mitreisende nehmen daher auch gern das daraufhin improvisierte Angebot an, mit dem "Kakaotransport-KfZ" wieder zum Lister Hafen zurück zu fahren.


    Auch wir laufen dann auf dem direkten Weg wieder zurück zum Hafen. Trotzdem - auch ohne Umwege - ein Marsch von rd. 50 Minuten.


    Als es dann an die Aufteilung der Leute auf die Zodiacs geht, ruft Chris zu uns rüber: "Ihr wollt doch bestimmt wieder mit Antony fahren."

    "AUF JEDEN FALL", ist unsere nachdrückliche Antwort.


    Als wir dann im Zodiac sitzen, lässt es sich Chris nicht nehmen, nochmal nachzulegen und spricht meinen Mann direkt an: "Morgen nehme ich Dich nur mit, wenn Du ordentlich mit Friesennerz und Regenhose angezogen bist"

    Howgh - der Drill Instructor hat gesprochen. X(


    Muss ich noch erwähnen, dass Antony es wieder mühelos schafft, uns trocken zur MS Quest zurück zu fahren? Dort beginnt dann eine erneut sehr schauklige Nacht mit unserer Fahrt zur Hallig Hooge.

    und direkt weiter nach Hooge...

  • :D:D:D Wie wahr wie wahr. Arme Miss WP:thumbdown:

    Nur keine bösen Worte über Miss WP. Influenza ist ein sehr anstrengender 24stündiger Job.:D Stets und überall gut und möglichst natürlicher Körperhaltung ;)rüber zu kommen und das für ganz wenig Geld - furchtbar. ;(Was strampelt diese Frau sich ab, um ihre Follower auf dem laufenden zu halten.

    lg 'Christine

  • Joean ...

    Herrlich . Deine Texte machen wahnsinnig Spaß zu lesen!

    Miss WP konnte ich allerdings im Netz noch nicht ausfindig machen ... :rolleyes:

    Simone :)

    - Mein Schiff 7 Kanaren mit Madeira 15.12.25 - 22.12.25
    - Mein Schiff 1 Blaue Reise Panoramafahrt I Ostsee & Baltikum 4.7.21 - 11.7.21
    - Mein Schiff 4 Kurzreise Palma mit Marseille & Barcelona II 16.4.20 - 20.4.20 - Absage der KF wg. Covid-19-Pandemie
    - Mein Schiff 4 Norwegen Nordkap I mit Trondheim 31.5.18 - 11.6.18
    - Mein Schiff 5 Karibik ab/bis Dominikanische Republik 16.12.16 - 30.12.16
    - Mein Schiff 4 Norwegen Südnorwegen mit Kopenhagen II 6.8.16 - 14.8.16

  • Herrlich wie du schreibst...

    Gelöst mit jeder Menge Säure, deren Einsatz in der EU verboten ist und bewirkt, dass sich das Fleisch vom Panzer löst und in großen Maschinen gerüttelt, damit das dann Gute links ins Töpfchen und der Panzer rechts ins Kröpfchen fällt. Dann noch gut spülen, damit die Grenzwerte wieder stimmen und zurück in die EU. Na, hat noch wer Hunger?

    ... damit hast du mir den Appetit auf die kleinen Tierchen verdorben...X/

  • Joean ...

    Herrlich . Deine Texte machen wahnsinnig Spaß zu lesen!

    Miss WP konnte ich allerdings im Netz noch nicht ausfindig machen ... :rolleyes:

    Liebe Joean , ich kann hier 73Simone nur zustimmen, sehr unterhaltsam das zu lesen.

    Und über einen Tipp wie die Influenza-Dame Miss WP im Netz zu finden ist, würde ich mich auch freuen, man soll ja immer beide Seiten kennen ...

    Ich freue mich auf den Ausflug zur Hallig!

    Gruß Joni

    Leider schon vorbei:

    MSC Armonia Östliches Mittelmeer 06/2011
    Costa Pacifica Metropolen der Ostsee 08/2013
    Mein Schiff 1 alt Hamburg trifft Mallorca 09/2015
    Mein Schiff 3 Südnorwegen mit Kopenhagen 08/2017

    Mein Schiff 1 Hamburg nach New York 08-09/2022

    Mein Schiff 7 Kanaren mit Madeira 12/2024 - 01/2025

    MSC Preciosa Norwegen mit Nordkap 06/2025

    Traumreise ohne Schiff:

    Mit dem Wohnmobil durch den Westen Kanadas 08/2018

  • Hallo Joean,

    sehr schöner Reisebericht, vor allen Dingen locker geschrieben.

    Wir waren gerade noch auf Sylt, und ich kann die ganzen Plätze

    nachvollziehen, wo ihr wart.

    Von dieser Tour habe ich erst durch Deinen Bericht erfahren,

    sonst wäre ich vielleicht ja auch noch schwach geworden. Genau

    die Ziele, von denen ich immer gedacht habe: Warum fährt die nicht

    mal jemand an! Und jetzt schreibst du von der Tour.

    Ich bin gespannt, was euch auf Hooge noch alles zugestoßen ist,

    und was eure Miss... noch alles macht.

    Alles Gute

    J.-Christian

    "Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen"
    Johann Wolfgang von Goethe

  • 06.09.2020 Hallig Hooge


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    Am nächsten Morgen liegen wir dann vor Hallig Hooge auf Reede. Heute gibt es für die Passagiere zwei Möglichkeiten. Zum einen kann man eine erneute geführte Wattwanderung zum Japsand unternehmen (ca. 4 Stunden) oder man entscheidet sich für eine geführte Inselwanderung auf der Hallig.


    Watt hatten wir gestern und wann kommen wir schon mal wieder auf eine Hallig. Also fällt unsere Wahl auf die Inselwanderung und wir gehen mit einer jungen Frau (deren Namen ich leider vergessen habe) und die auf der Hallig ihr ökologisches Jahr absolviert auf eine wirklich wahnsinnig interessante Tour.


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    Vorbei an der Backenswarft geht es erst mal Richtung Kirchwarft. Hallig Hooge ist rd. 5 km² groß und würde man einmal rundrum laufen, wäre man gut 12 km unterwegs. Rund 100 Einwohner verteilen sich hier auf 10 bewohnte Warften.


    Die Ockelützwarft - von den Hiesigen nur Schulwarft genannt - beherbergt den Kindergarten mit aktuell 3 Kindern, die von 2 Erzieherinnen betreut werden. Ein geradezu paradiesischer Personalschlüssel. Gleich daneben befindet sich die Schule der Hallig. Hier lernen z.Z. 12 Kinder mit einer Lehrerin bis zur 9. Klasse. Alles was danach kommt, muss auf dem Festland absolviert werden.


    Am Seglerhafen machen wir kurz Station und bekommen eine dieser Anekdoten erzählt, die ich bei solchen Führungen so liebe. Anfang März 1888 starb Kaiser Wilhelm I. Weil aber der Winter sehr streng und das Eis sehr dick, war Hooge quasi von der Außenwelt abgeschnitten.

    Das hinderte die Halligbewohner aber nicht daran, am 22. März fröhlich den 91. Geburtstag des inzwischen schon verstorbenen Kaisers zu feiern, in den Glauben er sei noch am Leben. Irgendwann im späten Frühjahr setzte dann das Tauwetter ein und die Nachricht über diese Feier verbreitete sich auf dem Festland. Der neue Kaiser Wilhelm II. war über diese Feierlichkeit alles andere als amused und fand, dass so etwas ins seinem deutschen Reich nicht vorzukommen habe. Daraufhin wurde dann ganz fix - noch lange vor 1900 - ein Telefonkabel für das Pastorat auf Hooge verlegt. Merke: Auch, wenn eine Gegend den Eindruck erweckt, als läge sie am Ende der Welt, muss das noch lange nicht so sein.


    Vielleicht wäre das Ganze auch eine Idee für die Gemeinden in Deutschland, die aktuell dem Breitbandausbau immer noch hinterherlaufen - man könnte z.B. einfach immer weiter den Geburtstag des verstorbenen Altkanzlers Kohl feiern und dies mit dem lahmen Internet begründen.


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    Wo ich gerade meinen eigenen Text nochmal durchlese: Wusstet ihr, das Hallig Hooge jahrelang die höchste Kneipendichte pro Kopf in ganz Norddeutschland hatte? Ja, kein Scherz! Dann aber machte eine der beiden Kneipen zu und schwups - war Hamburg wieder vorne.


    Genau mitten auf dem Weg zwischen Ockelützwarft und Hanswarft öffnet der Himmel alle seine Schleusen. Unser Grüppchen steht mitten im Nichts. Es gibt nirgends auch nur die kleinste Möglichkeit, sich irgendwo unterzustellen. Und da der Regen hier nicht nur von oben, sondern auch von allen Seiten kommt, ist es eine prima Idee gewesen, heute meinen Friesennerz anzuziehen. Danke, Chris!


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    Für alles unterhalb der Knie kommt aber leider auch hier jede Hilfe zu spät. Egal ob Gummistiefel oder Wanderschuhe, Wasser sucht sich seinen Weg. Es läuft da rein, wo noch Platz ist. Irgendjemand hat Sandalen an - sehr praktisch! Da läuft's dann vorne rein und hinten wieder raus.


    Auf der Hanswarft endet dann auch unsere Führung und wir entern erstmal die Teestube. Apropos Tee: Trinkwasser auf einer Hallig war früher auch so ein Problem. Wasser rundrum war ja genügend da, nur Trinkwasser musste damals mühsam bei jedem Regen aufgefangen und dann in Brunnen gelagert werden. Lief Meerwasser in diese Brunnen z.B. während einer Sturmflut, war das kostbare Trinkwasser unbrauchbar.

    Seit jeher gab es auf den Halligen ein untrügliches Unterscheidungsmerkmal: War das Wasser klar - konnte man also durchsehen -, dann war es Meerwasser = ungenießbar. War das Wasser gelblich, abgestanden und trüb, dann war es aus dem Brunnen = genießbar. Als dann in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Halligen an die Trinkwasserversorgung angeschlossen wurden, weigerten sich die "Alten", das Wasser aus dem ominösen neuen Hahn zu benutzen. Das konnte ja gar nicht gut sein! Das Wasser war ja klar und sah damit so völlig anders aus als gewohnt!

    Und so erzählt man sich noch heute, dass damals die jüngeren Halligbewohner den Alten immer Teebeutel in die Wasserleitungen stopften. Damit wurde das Trinkwasser irgendwie gelblich, sah aus wie früher - und die Alten waren zufrieden.


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    weiter ganz ohne Link gleich im nächsten Beitrag...

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    So gegen 13:30 Uhr geht es dann für uns wieder zurück zum Schiff. Nach dem Mittagessen lerne ich dann noch etwas ganz Praktisches: Krabben pulen. 6 Liter (nicht kg!) frische - wirklich frische - Krabben wurden beim letzten Krabbenfischer von Hooge erworben. Also sitzen bald alle einträchtig da und brechen diesen Kleingarnelen den Panzer - mit mal mehr, mal weniger Erfolg. Man kann sich echt hungrig essen - und eine Mahlzeit für vier Personen artet hier wirklich in Arbeit aus. Aber welche Alternative hat man schon, wenn man auch kein Freund der "Säurevariante" ist?


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    Für den Nachmittag steht noch ein Vortrag von Martin über den "Vogelzug" auf dem Programm. Es ist wirklich erstaunlich, was so ein kleiner Vogel zu leisten imstande ist. Die Küstenseeschwalbe z.B. fliegt jedes Jahr von der Arktis in die Antarktis und legt dabei rd. 30.000 Kilometer/Jahr zurück. Und dieser Vogel kann dabei locker 30 Jahre alt werden.


    "Und jetzt rechnet das mal hoch und schaut mal, wie fit euer Auto noch ist." Recht haste, Martin!


    Voraussetzung für eine solche Flugleistung sei immer ein guter Energiezustand des Vogels. Das Tier muss dafür einen starken Brustmuskel und große Fetteinlagerungen haben.

    'Da sieht man mal wieder, wie total ungerecht es in der Natur zugeht! Ich hab beides, aber fliegen kann ich trotzdem nicht.'


    Für den frühen Abend wird von Chris dann noch einmal eine Zodiac-Fahrt in Aussicht gestellt. Die MS Quest wird dafür an Hooge vorbei hoch nach Amrum, zu einer Kniepsand-Wanderung, fahren. Vorsorglich wird von ihm darauf hingewiesen, dass es beim Aussteigen aus den Schlauchbooten etwas nass werden könne, da möglicherweise die Zodiacs nicht bis ganz an den Strand heranfahren könnten.

    Nicht nur wir, auch andere Reisende lehnen dankend ab. Und im Nachhinein stellte sich das auch als gute Entscheidung heraus.

    Tatsächlich war es dann wohl so, dass "etwas nass" die Untertreibung des Tages war. Bis zum Bauchnabel habe sie beim Aussteigen im Wasser gestanden, berichtet eine Dame. Und bei 13°C Lufttemperatur danach dann noch 1 Stunde in den nassen Klamotten zu laufen, fand sie wohl auch nicht so prickelnd.

    Na, da hat es der gute Chris doch wieder geschafft.

    'YESSSS!', wird er sich gedacht haben. 'Ich krieg euch alle nass!'



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    Spät am Abend verabschiedet sich dann das Expeditionsteam von uns. Unter anderem kommt dabei folgender Satz vor (Zitat): "Wenn ihr es nicht so gut fandet, schickt eure Feinde vorbei und freut euch, wenn sie völlig nass werden."

    Ich bin mir inzwischen sicher, hier gibt es ein prinzipielles Verständnisproblem - mehr dazu vom mir im Fazit.


    Wir sind inzwischen schon wieder in der deutschen Bucht unterwegs und streben der Elbmündung entgegen.

    Am nächsten Morgen bin ich schon vor 06:00 Uhr auf dem Außendeck unterwegs. Wenn es nicht so kalt, zugig und wolkenverhangen gewesen wäre, hätte ich dieses Mal die Einfahrt in den Hamburger Hafen direkt am begehbaren Bug von MS Quest erlebt.


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    Die Dauer der Fahrt nach Steinwerder kann ich nun aber doch mal mit meinen Überlegungen zu einem abschließenden Fazit füllen:


    Zunächst einmal zum Hygienekonzept…

    Alle Passagiere waren angehalten einen MNS zu tragen, sofern sie ihre Kabine verlassen und sich im Schiffsinneren bewegen. Hatte man beim Essen oder in der Panorama-Lounge seinen Platz eingenommen, konnte der MNS abgenommen werden. Vor Betreten des Restaurants wurde jedes Mal Fieber gemessen. Desinfektionsmittelspender fanden sich vor dem Restaurant, vor der Lounge und beim Betreten des Schiffes, wenn man vom Zodiac kam.

    Hätte man Kontakt mit „anderen“ Touristen (nicht vom Schiff) gewollt, hätte man ihn aktiv suchen müssen. Der zeitliche Ablauf und die Art der Ausflüge waren derart geplant, dass ein Zusammentreffen mit „Fremden“ eigentlich gar nicht vorkommen konnte.

    Im Restaurant wurden nur Leute an einen Tisch gesetzt, die auch zusammen die Reise gebucht hatten. Jeder hatte für die Dauer der Reise seinen festen Platz.


    und nun zur Reise:

    Hier weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Die Idee dieser Schiffsreisen im Wattenmeer ist so genial wie einfach. Man fragt sich unwillkürlich, wieso bisher noch niemand darauf gekommen ist. Bei der Zusammenstellung (Tiere, Watt und Hallig) ist wirklich für jeden etwas dabei. Und ganz besonders toll ist es natürlich, wenn die Ausflüge vor Ort von der Schutzstation Wattenmeer oder ähnlichen Organisationen begleitet werden.

    Eigentlich waren wir ja nur 3 Tage + Stunden auf MS Quest – aber es kam uns wesentlich länger vor. Was wir erlebten, war so intensiv, dass es irgendwie die Zeit dehnte.


    Wir sind uns schon darüber im Klaren, dass – sollte sich im nächsten Sommer die Corona-Reisesituation entspannt haben – wir hier etwas ziemlich Einmaliges erlebten. Denn für Reisen ins Wattenmeer braucht es unbedingt auch geeignete, kleine Schiffe und die sind im Normalfall ja im Sommer in anderen Gefilden unterwegs.


    Aber was nicht ist, kann ja noch werden, denn Fakt ist auch: Wir waren Teil eines Testballons von Reeder Sven Paulsen. Dieser Mann, der selber schon Mitglied der Pan Frisian Expedition im Wattenmeer war, hat eine „Nase für Nischen“. Und Expeditionen vor unserer Haustür sind so eine Nische. Eine exklusive Nische – ohne Frage. Aber gerade für neue Ideen wie diese bot sich dieser Sommer an – einfach mal schauen was geht, war die Devise.


    Vielleicht mag es deshalb auch nachrangig sein, ob die MS Quest ihre kurze Saison in deutschen Gewässern mit einem messbaren wirtschaftlichen Gewinn abschließen wird oder nicht. Wäre sie gar nicht gefahren, wie so viele andere Schiffe auch, würde sich die „Gewinnfrage“ überhaupt nicht stellen. Bei diesem Projekt ging erst wohl erst mal um andere Punkte: Interessieren sich die Leute überhaupt dafür? Welche Zielgruppen würden sich angesprochen fühlen?

    Was mich gleich zum nächsten Thema bringt…


    Passagierstruktur:

    Ich hatte es eingangs schon erwähnt: das überschaubare Kreuzfahrtangebot dieses Sommers bettelte förmlich um die Anwesenheit der Vlogger-Blogger-Gemeinde, weil es schlicht kaum ein anderes Thema gab. Und habe ich vorwiegend Leute diesseits der vierzig an Bord, dann kann der Expeditionsleiter schon mal auf die irrige Annahme kommen, er sei hier auf Klassenfahrt oder Jugendfreizeit.


    Dauerhaft wird sich so aber ein Schiff nicht füllen lassen. Schon aufgrund des notwendigen Preisniveaus für diese Art zu reisen, dürfte es schwierig bis unmöglich sein, so ein Schiff auf so einer Reise wiederholt mit Leuten unterhalb des Rentenalters oder gar Familien mit Kindern zu belegen.


    Wie sich die Passagierstruktur bei uns zusammensetzte, habe ich weiter oben schon mal erwähnt. Interessant war für mich auf jeden Fall, dass die allermeisten Mitreisenden keinerlei Erfahrung mit größeren Kreuzfahrtschiffen hatten. Hurtigruten war größenmäßig so das höchste der Gefühle. Und eine Dame war mal auf MS Hamburg unterwegs. Ein klein wenig wurden wir bestaunt, wie Außerirdische und jemand fragte uns mal: “Finden Sie es nicht furchtbar voll auf diesen großen Schiffen?“


    Ich fand es zumindest auch sehr angenehm auf diesem kleinen Schiff.


    Wenn wir eins nicht haben, dann sind das irgendwelche Berührungsängste oder Ressentiments für oder gegen eine Reederei bzw. einen Veranstalter.

    Manchmal hab ich schon so gedacht, dass Göga und ich im Kreuzfahrtsegment das sind, was David Garrett in der Musik ist – so eine Art „crossover“.


    Und so möchte ich dann noch mal zurückkommen auf den Untertitel dieses Reiseberichts: Wege entstehen eben wirklich erst beim Gehen, aber um's loslaufen kommt man nicht drumrum.


    In diesem Sinne…

    LG Joean

  • Danke Joean

    Für diese tolle Frühstückslektüre. Was......schon zu Ende :(Wie schade. Wer bringt mich morgen früh so zum schmunzeln, ausser Dir:?: Niemand. You made our day:!::!::!::!:Bitte noch mehr so Lektüren von dir. In der Hoffnung bald wieder etwas von dir zu lesen

    LIEBE GRÜSSE ein schönes Wochenende und viele :thumbup::thumbup::thumbup::thumbup: von uns beiden - sonnenscheins

    ------Meine schönste Reise führte mich immer wieder nachhause :P -----