[Reisebericht] Expedition im Herzen der Nordwestpassage – 24.08.-11.09.2022 – HANSEATIC nature

  • Einfach unbeschreiblich!!!!


    Ürigens - ich suche einen Sponsor für die Durchquerung Nordwest Passage nächstes Jahr! ;)

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  • Pooldeck 24 - Die Kreuzfahrspezialisten
  • 06.09.22: Dundas Harbour (Devon Island) – Landgang: Ja! Nein! Doch! Oh! … (Teil 1)


    Heute waren wir zurück auf Devon Island, der größten unbewohnten Insel der Erde. Vor einigen Tagen waren wir bereits hier gewesen, hatten in Croker Bay eine schöne Zodiac-Fahrt entlang der Gletscherkante genossen, hatten unsere ersten Eisbären der Tour gesichtet. Aber wir waren nicht auf der Insel gewesen, hatten also keinen Fuß an Land gesetzt. Das sollte sich heute ändern …


    Da wir wieder der frühen Zodiac-Gruppe angehörten, hieß es, zeitig aufzustehen, für den Landgang fertigmachen (d.h. warme Kleidung anziehen) und schnell frühstücken.


    Unser Ziel war Dundas Harbour, östlich der Croker Bay gelegen. Auf Inuktitut heißt der Ort „Talluruti“ – „das Kinn einer Frau mit Tätowierungen darauf“. Im August 1924 wurde Dundas Harbour als Außenposten einer Regierungspräsenz in dieser Gegend gegründet. 1933 übernahm die Hudson’s Bay Company den Außenposten. Einige Inuit wurden hierher umgesiedelt, kehrten später in ihre Heimat zurück. Ende der 40er Jahre wurde Dundas Harbour erneut besiedelt, dieses Mal durch die Royal Canadian Mounted Police. Aufgrund von Eisproblemen wurde der Posten dann aber 1951 endgültig geschlossen, die Mounties wurden nach Norden (Ellesmere Island) verlegt.


    Heute findet man einige verfallene Überreste dieser Station sowie einen Friedhof. Beides befindet sich auf einem Hügel, den man nach der Landungsstelle erklimmen muss. Man hat außerdem einen schönen Ausblick auf die Johnson Bay. Auch Tiere können hier ggf. gesichtet werden, Moschusochsen und Polarhasen, aber auch Eisbären sind keine Seltenheit.


    Von all dem war aber noch nicht viel zu sehen, wie ein Blick aus dem Kabinenfenster zeigte.




    Wie man sieht, sieht man nichts! Wer ganz genau hinschaut, kann ein bisschen Landmasse in der Mitte des Fotos erkennen, wo es etwas dunkler ist. Aber unter solchen Umständen ist kaum ein Landgang möglich, man sieht fast nichts, weder vom Land noch von der Robbe, die kurzzeitig neben unserem Schiff auftauchte.


    Trotzdem wurden schon mal einige Zodiacs ausgeschickt, um die Lage zu sondieren. Aber der Nebel verdichtete sich mehr und mehr. Wir bekamen auch von der Kommunikation mit der Brücke einiges mit, schließlich befindet sich diese ja unweit unserer Kabine ein Deck höher. Die Zodiacs wurden hochgeholt, man machte sich wohl fertig für die Abfahrt aus der Bucht.


    Doch was war das?





    Sieht man da ein Stückchen blauen Himmel? Gar Sonne? Jedenfalls wurde von den Plänen abgelassen und erneut die Zodiacs losgeschickt. Vielleicht wird es ja doch noch was mit dem Landgang …


    Wir gingen jedenfalls mal hoch aufs Sonnendeck und beobachteten mit einigen weiteren Gästen an Deck die weiteren Vorbereitungen für einen Landgang sowie die Landschaft um uns herum.






    Wie man erkennen kann, lichtete sich der Nebel ein wenig. Das war jedoch noch weit weg von klarer Sicht. Mitunter minütlich wechselten die Bedingungen.




    Dicker Nebel und Wolken lagen auf dem Wasser. Von den Bergen und Hügeln rund herum waren so teilweise nur die oberen Bereiche zu sehen. Trotzdem ergab sich das eine oder andere interessante Fotomotiv.







    Am Ende der Bucht befanden sich einige Eisberge und Eisschollen, die man in weiter Ferne ausmachen konnte.





    Auf einer der Schollen lag eine große Bartrobbe. Aber die war so weit entfernt, dass man sie nur mit dem an Deck montierten großen Fernrohr erkennen konnte. Einige Gäste versuchten, mit Handy und Fernrohr in Reihe geschaltet die Robbe vergrößert zu fotografieren. Wenn man mich fragt, eine etwas abenteuerliche Art der Fotografie – entsprechend waren auch die Ergebnisse …



    VG Sven

  • 06.09.22: Dundas Harbour (Devon Island) – Landgang: Ja! Nein! Doch! Oh! … (Teil 2)


    Und wie stand es nun um den Landgang?


    Die Zodiacs wurden ausgesendet. Sie fuhren entlang der Küste in eine versteckte Bucht hinein.





    Von dort bestiegen die Eisbärenwächter den eingangs im vorherigen Teil beschriebenen Hügel. Und waren nicht mehr gesehen. Konnten wir anfangs noch die Menschen in der Ferne verfolgen, war das ein paar Minuten später komplett nicht mehr möglich. Es zogen immer wieder neue Nebelschwaden auf.





    Zwischen dem kleinen Eisberg und dem Berg auf der linken Seite war eigentlich der Hügel, hinter dem dann die verlassene Station von Dundas Habour liegt. Wie man sieht, erkennt man davon nichts.


    Auch vom Land aus war die Sicht nicht besser, wie die Eisbärenwächter später erzählt hatten.




    Somit gab es nur eine Konsequenz: Hier können wir nicht an Land gehen! Die Sicherheit der Gäste und Crew an Land kann nicht gewährleistet werden, man kann nicht erkennen, ob es Eisbären an Land gibt oder ob später welche an Land kommen werden. Auf der vorherigen Tour mit Halt in Dundas Harbour musste übrigens eine komplette Gruppe evakuiert werden, da sich ein Eisbär vom Wasser genähert hatte und man diesen plötzlich nicht mehr eindeutig verfolgen konnte. Da hier also immer mit Eisbären zu rechnen ist, ist es unter diesen Bedingungen besser, auf den Landgang zu verzichten. Aus den Erfahrungen lernt man und ist deshalb doppelt vorsichtig. Jeder an Bord verstand das.


    Also wurden die Zodiacs und Eisbärenwächter zurück an Bord geholt und wir verließen Dundas Harbour bzw. die Bucht davor. Inzwischen wurde der Nebel und die Wolken noch dichter.






    Während unserer Fahrt an der Küste von Devon Island wurde das Wetter dann aber merklich besser. An Land waren aber immer noch Wolken und Nebel zu sehen, die sich an die teilweise recht hohen Berge schmiegten.




    Mit den Teleobjektiven konnte man auch etwas näher heran zoomen.





    Kurzerhand wurde am Vormittag ein Vortrag eingeschoben, der eigentlich für den Nachmittag geplant war: „Ohne Frauen geht es nicht!“. Es handelte sich natürlich um den dritten Teil der Inuit-Vortragsreihe. Es ging um Geschlechterrollen, Familie, Sozialleben und politische Organisation bei den Inuit. Es wurde erzählt, wie die Frauen warme und wasserdichte Kleidung nähen, wie sie maßgeblich an der Verteilung der Beute in der Inuit-Gemeinschaft beteiligt sind. Wie man friedliche Konfliktlösungsstrategien anwendet – einige Möglichkeiten hatte ich beim Pond Inlet-Ausflug bereits erläutert. Und wie man im gemeinschaftlichen Konsens Entscheidungen fällt, die die Gruppe betreffen – ohne Menschen eine Form der Herrschaft über andere Menschen zu ermöglichen. Z.B. kennt die Sprache der Inuit, das Inuktitut, kein Wort für Krieg. Das hilft einerseits im Zusammenhalt in der Gruppe, kann aber auch im Zusammentreffen mit anderen (aggressiveren) Völkern durchaus nachteilig für die Inuit sein.


    Interessant ist auch, wie der Besitz bei den Inuit geregelt ist. Man besitzt nur das, was man wirklich braucht. So hat jeder Mann z.B. nur einen Hundeschlitten. Hätte man einen zweiten, müsste man diesen der Gemeinschaft vollumfänglich zur Verfügung stellen. Anschaulich in unserer Welt: Jemand besitzt zwei Autos. Dann kann er eines fahren, das andere muss aber vollgetankt, offen und mit paratem Zündschlüssel an der Straße stehen, damit es von anderen Menschen, die kein Auto besitzen, benutzt werden kann …


    Wie alle Inuit-Vorträge sehr interessant und brachte uns weitere Informationen über dieses in unseren Breiten nicht so bekannte Volk. Ein weiterer Vortrag der Reihe sollte noch im Verlauf der Tour folgen.


    Damit endete auch dieser Vormittag. Ohne Landgang, aber ein paar Impressionen konnten wir von der Landschaft ja auch so gewinnen, ohne die Überreste von Dundas Harbour gesehen zu haben. Zeit für das Mittagessen …



    VG Sven

  • 06.09.22: Auf der Fahrt von Devon Island nach Baffin Island – Nachmittags- und Abendprogramm


    Zum Mittagessen war heute wieder Buffet auf dem Pooldeck angesagt. Es gab ein italienisches Pasta Buffet mit passenden Vor- und Nachspeisen. Bei bestem Sonnenschein wurde es richtig schön, diverse Variationen von Pasta, die satt machen, dazu freie Getränke (v.a. Wein), die regelmäßig nachgeschenkt wurden. Nette Gespräche mit anderen Gästen. Und der eine oder andere Verdauungsschnaps, der uns von der Crew aufgeschwatzt wurde :D

    So lässt es sich leben …


    Inzwischen befanden wir uns auf der Fahrt nach Baffin Island. Auf Steuerbord waren in der Ferne die eis – und schneebedeckten Gipfel von Bylot Island zu sehen. Die Insel ist Baffin Island nördlich vorgelagert, von hier aus gesehen befindet sich Pond Inlet dahinter. Die komplette Insel Bylot Island steht unter Naturschutz und ist ein Vogelparadies für viele Arten (u.a. Dickschnabellummen, Eismöwen, Schneegänse).




    Teilweise waren auch über den Gipfeln von Bylot Island dicke Wolkenbänder zu sehen. Diese wirkten aber in der Ferne recht schmal und gab interessante Fotomotive ab.




    Aufgrund des wunderbaren Wetters machten es wir uns nach dem Essen auf den Sonnenliegen auf dem obersten Deck bequem. Genossen die Sonne und die Landschaft im Hintergrund. Trotz der Sonne wurde es später aber etwas windiger und damit kälter, so dass wir unseren schönen Platz verlassen mussten.




    An weiterem Programm wurde an diesem Tag fast ganztägig in der Ocean Academy ein Forschungslabor eingerichtet. Per Zodiac wurden vor Dundas Harbour Wasserproben nebst Plankton entnommen. Und man konnte diese frischen Proben nun im Labor untersuchen und mikroskopieren. Deshalb gingen auch wir am Nachmittag mal dorthin.




    Schön, dass man die Mikroskope auch mit dem großen Monitor verbinden kann. Somit können auch andere am Ergebnis teilhaben – und Steffie konnte ein Foto machen. Neben dem sehr kleinen Zoo- sowie Phytoplankton konnten auch seltsame Kleinlebewesen wie Rippenquallen und Meer-Engel näher betrachtet werden.






    Danach ging es wieder an Deck, um Bylot Island in der Ferne weiter zu beobachten. Inzwischen waren über Teilen der Insel dunklere Wolken aufgezogen.




    Es gab aber auch wolkenfreie Abschnitte. Man konnte mittels Vergrößerung durch die Teleobjektive der Kamera schön die mit frischem Schnee bedeckten Gipfel erkennen.





    Eissturmvögel umkreisten das Schiff bei sich im Wasser reflektierendem Sonnenschein.






    Im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel ebenfalls bei bestem Sonnenschein.





    Toll! 8) :thumbup:


    Ein weiterer Vortrag stand passend zu Bylot-Island an, das Thema war „Der Laurentische Eisschild“. Es ging um jenen Eisschild, der in der letzten Eiszeit über Nordamerika lag. Und die vielen unterschiedlichen Landschaftsbilder geformt hat, die wir auf unserer Fahrt in den letzten zwei Wochen erlebt hatten.


    Danach zum Abendessen ins Lido-Restaurant. Heute waren die Gäste auch wieder entspannt – es gab ja kein Sushi, sondern wieder „normales“ Essen. Endlich, normales Essen für normale Leute ;)

    Außerdem war noch ein schöner Sonnenuntergang zu sehen, wir saßen aber im Restaurant und ohne Kamera. Naja, man muss ja auch nicht alles ablichten …


    Zum Abschluss des Abends wohnten wir im Hanseatrium bei einem schönen, leckeren Cocktail dem „Captain’s Talk“ bei. Kapitän und Hotel-Manager waren zu Gast, wurden vom General Expedition Manager interviewt und gaben manch interessante Einblicke hinter den Kulissen des Bordlebens preis. Die Versorgung und die Navigation/Fahrt ist für Expeditionsschiffe ja etwas anders als für normale Kreuzfahrtschiffe, deshalb lohnte sich der Besuch auch für uns, die häufig bei den Kapitänsfragestunden auf der Mein Schiff zu Gast waren. Auch auf Fragen des Publikums wurde selbstverständlich eingegangen.


    Damit ging auch dieser Tag zu Ende, leider waren nun auch schon zwei Wochen rum. Und wir hatten bereits viel erlebt. In den nächsten drei Tagen würden wir Baffin Island näher erkunden …



    Tiersichtungen an diesem Tag:

    • Bartrobben
    • Eissturmvögel und diverse Möwen
    • Zooplankton, Flügel-Schnecken, Meer-Engel
    • .. und wer weiß, welche Tiere sich außerdem im Nebel auf Dundas Harbour versteckt hatten …



    VG Sven

  • 07.09.22: Fahrt durch den Buchan Gulf (Baffin Island) – Teil 1


    Die nächsten drei Tage waren für Baffin Island reserviert. Geplant waren Fjord-Durchfahrten und diverse Anlandungen.

    Baffin Island, von den Inuit Qikiqtaaluk genannt, ist die größte Insel des Kanadisch-Arktischen Archipels und gleichzeitig die fünftgrößte Insel der Erde. Die Fläche beträgt etwas mehr als 500.000 km2, sie ist ca. 1600km lang und zwischen 200 und 700km breit. Sie wurde nach dem englischen Seefahrer und Forscher William Baffin benannt.


    Der Nordosten der Insel – wo wir uns die nächsten Tage befinden sollten – ist überwiegend gebirgig und stark vergletschert. Im Südosten befindet sich die gewaltige Penny-Eiskappe aus der letzten Eiszeit, sie erhebt sich bis auf 2100m Höhe. Im Westen und Nordwesten ist vor allem Tiefland zu finden, das von Gletscherschuttflächen und der typischen Tundra bedeckt ist. Die Küste der Insel ist stark zerklüftet, zahlreiche Buchten, Meeresarme, Fjorde und Halbinseln säumen die Küste.


    Auf Baffin Island leben ca. 14.000 Menschen, größtenteils Inuit. Es gibt an den Küsten 6 größere Siedlungen. Eine davon – Pond Inlet – hatten wir während unserer Fahrt besucht. Im Südosten befindet sich Iqaluit, mit ungefähr 7.500 Einwohnern die größte Siedlung und gleichzeitig Hauptstadt des 1999 gegründeten Nunavut-Territoriums.


    Zahlreiche Tierarten sind auf der Insel heimisch. Sie weist u.a. eine recht hohe Eisbären-Population auf. Aber auch das Barrenland-Karibu, Polarfuchs, Polarhase, Schneehase und kleinere Tiere (Hermeline, Wiesel, Ziesel, Lemming) sind hier zu finden. An den Küsten leben viele Meeressäuger. Im Sommer brüten zahlreiche See- und Landvogelarten.


    Gegen 10:00 Uhr sollte planmäßig der Eingang zum Buchan Gulf erreicht werden und eine Landschaftsfahrt durch den Fjord beginnen. D.h. nach der kurzen Nacht (die Uhr wurde wieder eine Stunde vorgestellt) zeitnah frühstücken, um rechtzeitig am oberen Deck zu sein und die spektakuläre Landschaft zu genießen und auch Ausschau nach Eisbären und Walen halten …




    Der Buchan Gulf ist ein isolierter, langgestreckter Fjord an der Nordostküste von Baffin Island. Pond Inlet liegt ca. 200 km nördlich.


    Die Berge am Fjord hier sehen anders aus als die tafelartigen Gebilde, wie wir sie z.B. auf Devon Island finden. Der Grund dafür ist, dass der Laurentische Eisschild, der in der letzten Eiszeit über Nordamerika lag und für die Formung der Landschaft verantwortlich war, hier nicht mehr so mächtig war. Die vorhandenen Gebirgsketten wurden nicht komplett vom Eis überflossen, Bergspitzen (von den Inuit als „Nunataks“ bezeichnet) ragten heraus. Es wurden somit keine Tafelberge abgehobelt. Durch diesen gebirgigen Beckenrand brachen zahlreiche Gletscher hindurch und frästen die Fjorde aus und bildeten die vorhandene Landschaft.


    Bei wieder sehr schönem Wetter fuhren wir mit der Morgensonne in den Fjord hinein.





    Zahlreiche Gäste genossen auf dem Nature Walk sowie an Sonnendeck die Fahrt.




    Vorbei an einer traumhaften Gebirgskulisse aus roten Granit- und Gneisfelsen. Auf den Bergspitzen befindet sich gelegentlich etwas Neuschnee. Eingerahmt von Nebelbänken und tiefer hängenden Wolken.








    Die Felsen sind teilweise 1.000 bis 1.400m hoch. An den Spitzen zu majestätischen Türmen, Nadeln oder Zacken ausgebildet, die aus dem Nebel und den Wolken herausragen.





    VG Sven

  • 07.09.22: Fahrt durch den Buchan Gulf (Baffin Island) – Teil 2


    Ab und an bahnen sich Gletscherzungen ihren Weg durch die Berglandschaft.





    Auch die Wolken bilden interessante Formationen, mal dezent über den Bergen. Mal etwas dunkler. Und dann wieder in massiver Formation in schönen Mustern. Oder relativ dicht als graue Masse. Das wechselte von Felsen zu Felsen.






    Sehr schöne Motive, soweit das Auge reicht. Auch ein Blick zurück kann sich manchmal lohnen.




    Etwas tiefer im Fjord befindet sich eine kleine Insel, Livingston Island.





    Diese ist wohl durch Abbruch des Gebirges entstanden. Wir passierten diese markante Stelle, „Executioner’s Cliff“ genannt.





    Und fuhren in den Icy Arm, einen Seitenarm des Buchan Gulfs, ein …





    VG Sven

  • 07.09.22: Fahrt durch den Icy Arm (Baffin Island)


    Am Eingang des Icy Arms befindet sich gleich eine etwas größere Gletscherzunge. Passend zum Namen des Fjords.





    Ein kurzer Blick zurück zum Executioner’s Cliff.




    In diesem Seitenarm war die Bewölkung etwas stärker bzw. die Wolken hingen noch tiefer. Auch wurde es etwas windiger. Doch wir harten am Oberdeck aus, um die Landschaft zu bewundern.






    Auf dem Weg durch den Icy Arm kamen wir an weiteren Gletscherzungen vorbei.







    Sowohl trockene Gletscherzungen als auch nasse Gletscherzungen säumten unseren Weg. Trockene sind immer gut zu erkennen, da diese mehr oder weniger mitten im Berg aufhören. Aus ihnen tritt kein Wasser aus. Das ist bei nassen Zungen – wie der Name schon sagt – anders.






    U.a. konnten wir auch diese Gletscherzunge sehen.




    Laut Tagesprogramm sollten wir mit dem Zodiac ja an einer Gletscherzunge im Icy Arm an Land gehen. Wir vermuteten, dass es an dieser sein würde. Immerhin gab es hier ja so etwas wie eine Landestelle. Aber was sollten hier 100 Leute gleichzeitig an Land? Da ist ja kaum Platz für so viele Menschen? Na, mal sehen …


    Die HANSEATIC nature fuhr weiter bis zum Ende des Icy Arms. Dort drehte das Schiff dann um.




    Am Ende des Fjordes wurden erneut Narwale gesichtet. Diese konnten wir aber leider nur per Fernrohr orten, für ein Foto hat es nicht gereicht. Wir gingen dann mal schnell zum Mittagessen, das Restaurant hatte nur noch ein paar Minuten auf – wir hatten uns einfach zu lange an der Landschaft satt gesehen ;)



    VG Sven

  • 07.09.22: Icy Arm (Baffin Island) - Gletscherbesichtigung mit Hindernissen (Teil 1)


    Wir fuhren zur geplanten Landungsstelle zurück. Diese lag genau an dem schon von uns vermuteten Gletscher. Der Landgang wurde vorbereitet, die ersten Zodiacs fuhren an Land.




    Im Laufe des Tages war durch den engen Fjord eine steife Brise aufgekommen. Dadurch nahm nicht nur der Wind zu, den man auf dem Oberdeck spürte, sondern auch das Wasser war merklich welliger als zuvor. D.h. dass die Zodiac-Fahrt heute nicht so entspannt werden würde, wie an allen Tagen zuvor, wo wie ja fast glatte See hatten. Wir würden mit tüchtigem Seegang rechnen müssen. Das wurde auch gleich über die Durchsagen an die Gäste kommuniziert.


    Am heutigen Tag waren wir wieder in der hinteren Gruppe, es blieb also Zeit, den Vorbereitungen sowie den Anlandungsversuchen der ersten Gruppe von unserer Kabine aus zu folgen …




    Oha, da ging es schon gut zur Sache! Steffie hatte plötzlich keine Lust mehr auf einen Landgang. Aber es war ja noch etwas Zeit. Und tatsächlich wurden die Wellen weniger, die Zodiacs fuhren etwas ruhiger.


    Ich konnte Steffie überreden, mit dem Zodiac überzusetzen. Na, hoffentlich würde ich das nicht später bereuen :/


    Dann war es so weit, unsere Farbgruppe wurde aufgerufen, wir gingen zum Gummistiefelraum und dann zum Gate. Dort kamen uns die Gäste entgegen, die jetzt von ihrem Landgang zurückkamen. Alle patschnass!!!! Von oben hatte das doch inzwischen etwas besser ausgesehen – leider wohl ein Trugschluss. Aber wir waren nun schon mal hier unten – also musste Steffie mit! Wir hatten übrigens aufgrund der Bedingungen darauf verzichtet, die große Kameraausrüstung mitzunehmen, ein Rucksack war Mist wegen den Wellen und der Nässe, ein Kameragurt ebenso. Daher war es besser, das Handy sicher im Parka zu verstauen.


    Das erste Problem dann schon beim Einsteigen, es gab immer wieder Wellen, die gegen den Schiffsrumpf schlugen, wollte man hier nicht allzu nass werden, musste man den richtigen Zeitpunkt abpassen. Ins Zodiac selbst ging es noch relativ leicht, über den Tritt kam man halbwegs sicher nach unten, es schaukelte halt ein wenig, so dass man etwas Probleme hatte, seinen Platz auf der Wulst einzunehmen. Aber es ging. Genauso ging es während der Überfahrt, etwas Wasser spritzte, aber das war es im Wesentlichen auch. Auch beim Aussteigen an Land hatten wir mit keinen großen Problemen zu kämpfen.




    Uns erwartete – wie von der Crew und den Experten angekündigt – ein Boden mit vielen, teils größeren Steinen, man musste also beim Gehen schon etwas aufpassen!




    Und wir hatten uns vom Schiff natürlich mal wieder mit den Entfernungen vertan. Es waren mitnichten nur 50m vom Wasser bis zum Gletscher. Das war schon ein wesentlich größeres Stück Weg. Genug Platz für ca. 100 Gäste also. Es zeigten sich mal wieder die Dimensionen der arktischen Landschaft und der Schwierigkeit beim Abschätzen von Entfernungen und Höhen …




    Vorsichtig ging es über das steinige Geläuf zur Gletscherkante. Unterwegs der eine oder andere Blick über die schöne Landschaft …






    VG Sven

  • 07.09.22: Icy Arm (Baffin Island) - Gletscherbesichtigung mit Hindernissen (Teil 2)


    Wenn man dann mal direkt vor der Gletscherzunge steht, kommt einem das Ganze plötzlich auch viel mächtiger vor. Auf der linken Seite rumort es die ganze Zeit, Wasser läuft ab, größere Steine und Felsbrocken bahnen sich ihren Weg vom Hang und fallen laut polternd zu Boden, der Gletscher arbeitet.





    In der Mitte die eisige, manchmal bläulich schimmernde Kante mit einem großen Gletschertor, drinnen hört man ebenfalls das Wasser.





    Und dann auf der rechten Seite die Seitenmoräne, die Sand und Steine von oben transportiert.




    Einige unbelehrbare Gäste mussten unbedingt in die Höhle hinein – das ist natürlich sehr gefährlich. Aber schnell wurden sie von den Experten wieder zurückgepfiffen, bei der vorhergehenden Instruktion hatten sie wohl mal wieder nicht richtig zugehört. Auf so etwas Gefährliches verzichteten wir natürlich, genossen nur den Anblick des Gletschers von außen und aus sicherer Entfernung.





    An einer flachen, sicheren Stelle dürfen wir das Eis berühren, ansonsten aber besser einen sicheren Abstand halten.




    Dann ging es auch schon wieder über das lose Geröll in Richtung Zodiac. Möglichst vorsichtig, ohne sich zu verletzen. Wie wir später erfuhren, war hier ein älterer Herr gestürzt und hatte sich am Kopf verletzt, zum Glück aber nicht ganz so schlimm, er lief abends relativ munter über das Schiff – wenn auch mit einer deutlich sichtbaren Wunde. Uns passierte so etwas zum Glück nicht …


    Man hat neben dem Gletscher hier außerdem schöne Ausblicke auf die Landschaft, den Fjord und unser Schiff.






    Die Eisbärenwächter hatten wie immer ein kleines Gebiet abgesteckt, in dem man sich bewegen konnte.




    Nach etwas mehr als einer Stunde ging dann auch dieser Landgang zu Ende und es ging zurück zum Zodiac. Schon das Einsteigen war etwas schwieriger, stärkere Wellen und die Bewegung im Zodiac machten das Ganze dann schon schwieriger als die letzten Tage. Aber alles in allem war das noch machbar.. Bei einigen Gästen halfen Crew-Mitglieder dabei, die Beine über die Wulst zu bekommen. Alle saßen im Boot und es ging zurück. Auch dieses Mal mit einigen Wasserspritzern, aber weit weg davon entfernt, komplett nass zu werden. Die Schwierigkeiten kamen erst mit der Rückkehr zum Schiff. Inzwischen hatte der Wind wieder dafür gesorgt, dass höhere Wellen vorkamen. Diese schlugen in unregelmäßigen Abständen gegen den Schiffsrumpf und führten zu dann immer zu einem großen Wasserschwall. Das Zodiac war andauernd in Bewegung. Und ab und an gab es durch die Wellen große Schläge gegen das Zodiac. Es hieß also beim Aufstehen im wackeligen Zodiac das Gleichgewicht zu halten und den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Zur Unterstützung kam ein weiteres Crew-Mitglied ins Zodiac. Die ersten steigen aus – hat auch halbwegs geklappt. Dann kam Steffie. Just, als sie stand, erschütterte ein großer Schlag das Zodiac. Und Steffie, der Matrose und fast unser Zodiac-Fahrer lagen auf dem Hosenboden – zum Glück im Zodiac und nicht im Wasser! Da muss man dann erstmal wieder hochkommen – es klappte dann aber. Passiert ist zum Glück nichts. Ich passte – aus dieser Erfahrung – einen guten Zeitpunkt ab und kam ohne Probleme zurück zum Schiff. Ein älterer Herr aus unserem Zodiac hatte aber größere Probleme. Es dauerte 10-15 Minuten, um ihn vom Zodiac aufs Schiff zu bekommen. Aus Angst wirkte er wie erstarrt – aber er musste ja zurück an Bord. Schließlich saß er wie apathisch auf einer Bank direkt vor der Luke und war erstmal kaum ansprechbar …


    Aber passiert ist weiter nichts – weder bei Steffie noch bei diesem Mann. Außer dem Schreck und nasser Kleidung war alles i.O. (der Mann wurde abends im Lido auch wieder munter gesichtet). Kurz mit einem warmen Getränk aufwärmen, dann auf die Kabine, die nasse Kleidung zum Trocknen aufhängen. Hier zeigte sich die Wandheizung im Bad von ihrer besten Seite, Parka, Hosen und Handschuhe waren im nächsten Morgen wieder trocken.


    Die HANSEATIC nature verließ ihren Ankerplatz und fuhr den Fjord zurück. Die Landschaft verschwand jetzt jedoch hinter dicken Nebel- und Wolkenschwaden.




    Bis später kaum noch etwas von der wundervollen Fjordlandschaft zu sehen war. Bei diesem Wetter blieb es auch für den Rest des Tages.

    Für uns Gäste gab es nach dem Aufwärmen und Duschen das Recap und Precap. Im Anschluss ging es zum Abendessen und danach für einen Schlummertrunk ins Hanseatrium.


    Auch dieser Tag war sehr interessant gewesen, wir hatten eine schöne Fahrt durch den Fjord, hatten mal eine Zodiac-Fahrt bei Seegang erlebt und einen Gletscher aus der Nähe betrachtet. Ok, die Zodiac-Fahrt hätte es nicht gebraucht, eine ruhige Fahrt wäre uns lieber gewesen. Laut Aussagen der Crew auf den Zodiacs war diese Fahrt auch an der Grenze des Machbaren, ab gewissen Windstärken wird nicht mehr per Zodiac gefahren.



    Tiersichtungen an diesem Tag:

    • Narwale
    • Eissturmvögel und diverse Möwen



    VG Sven

  • 08.09.22: Kreuzen im Clark- und Gibbs-Fjord (Baffin Island) – Teil 1


    Dieser Tag stand erneut im Zeichen der Expedition. Die HANSEATIC nature kreuzte im Clark- und Gibbs Fjord vor Baffin Island – etwas südlich gelegen vom zuvor besuchten Buchan Gulf. Vormittags durch den Clark-Fjord hinein, dann in einen Seitenarm und abends durch den Gibbs-Fjord wieder hinaus. Während der Fahrt wollte man nach Gelegenheiten Ausschau halten, entweder mit dem Zodiac an Land zu gehen oder eine Zodiac-Ausfahrt zu unternehmen. Deshalb gab es im Tagesprogramm auch keine genauen Zeitangaben, nur das unsere Zodiac-Gruppe die erste sein sollte – wann immer das dann konkret der Fall war. So zumindest der Plan …


    In der vergangenen Nacht wurden die Uhren wieder eine Stunde zurückgestellt. Also wieder etwas weniger schlafen. Früh ging es raus, man will ja nichts verpassen. Leider bewahrheitete sich bereits beim Frühstück eine Befürchtung, die am gestrigen Abend gekeimt war. Da hatten doch tatsächlich einige Gäste im Restaurant ihre Teller nicht richtig aufgegessen =O Entsprechend war das Wetter …


    Das Thermometer zeigt knapp über 0 Grad – was noch nicht schlimm ist. Graue Wolken hängen tief in den Bergen, aus ihnen fallen Regentropfen, mitunter auch ein wenig Schnee. Ein richtiges, nasskaltes Schmuddelwetter. Und man sieht leider nicht viel von der – wahrscheinlich – wunderschönen Landschaft.





    Wir gingen erst mal in die Observation Lounge, dort saß man im Trockenen und konnte noch einen Cappuccino trinken. Und man hat Überblick über die Landschaft. Die Felsen am Ufer sind hier genauso schroff und steil wie am vorherigen Tag. Aber im Unterschied dazu auch teilweise sanfter geschwungen mit üppig bewachsenen Tundraflächen. Diese sind teilweise schon herbstlich gefärbt, also auch eine Art Indian Summer. Die Fjorde heute waren nochmal um einiges schmaler. Wir hatten noch die Hoffnung, dass sich das Wetter bessern würde, und wir dann die schöne Landschaft auch sehen und nicht nur erahnen würden können …





    Doch eine Besserung des Wetters war zunächst nicht in Sinn. Daher kam es sehr zupass, dass am Vormittag spontan ein Vortrag eingeschoben wurde, dem wir beiwohnten. Es handelte sich um den letzten Vortrag der Inuit-Reihe. Das heutige Thema handelte von der traditionellen Religion, dem Weltbild und dem Wirken der Schamanen bei den Inuit. Die Religion der Inuit basiert auf dem Glauben, dass alle Tiere, Pflanzen und Gegenstände eine Seele haben – nicht nur Menschen. Die Seele ist unsterblich – sie lebt nach dem körperlichen Tod weiter. Entweder im Himmel oder im Meer. Sie kann auch zu anderen Menschen oder Tieren, Pflanzen, Gegenständen wandern. Die Gemeinschaft aller Seelen ist das bedeutendste Geisteswesen bei den Inuit und wird „Sila“ genannt. Als Vermittler innerhalb der Geisterwelt fungieren die Schamanen.


    Zum Abschluss des Vortrages wurde uns vom Mythos der Sedna erzählt, der Herrscherin über die Meerestiere. Sedna war ein wunderschönes Mädchen, dass alle Heiratsbewerber abwies. Ihr Vater gab sie schließlich gegen ihrem Willen einem Jäger zur Frau, der mit ihr daraufhin die Siedlung verließ. Der Jäger entpuppte sich in Wirklichkeit als Rabe und Sedna musste fortan auf einem Felsen ihr Dasein fristen. Das gefiel ihr natürlich nicht, sie weinte und schrie. Ihr Vater erbarmte sich und holte sie per Kajak ab. Auf dem Weg zum Dorf wurde das Kajak vom Ehemann angegriffen, dieser verursachte starke Eisstürme. Der Vater bekam Angst und warf Sedna über Bord. Diese klammerte sich an den Bootsrand. Der Vater schlug mit dem Paddel auf die gefrorenen Finger und Hände bis diese zersprangen, Sedna fiel ins Meer. Aus den Fingern bildeten sich durch den Zauber des Ehemanns die Robben, aus den Händen Wale und andere Meeressäuger. Sedna versank im Meer und sitzt noch heute auf dem Meeresgrund. Von Zeit zu Zeit übt sie Rache und peitscht das Meer in gewaltigen Stürmen und Wellen auf …


    Im Anschluss an diesen sehr interessanten Vortrag erfolgt noch ein spontanes Recap, in dem die vergangenen Tage nochmals Revue passiert wurden.


    Das Wetter hatte sich, wie ein kurzer Blick zeigte, noch nicht groß verändert. Also konnten wir zum Mittagessen gehen.





    Gegen 13:30 Uhr erreichten wir das Ende des Seitenarms des Clark-Fjordes. Hier befand sich eine potentielle Anlandungsstelle. Zwei recht breite Flusstäler, umsäumt von massiven Felsterrassen luden eigentlich zum Anlanden ein.





    Eigentlich … Denn ein starker Ausgleichswind pfiff durch den Fjord. Gischt und Schaumkronen zierten das Wasser. Ein Wind von fast 40 Knoten peitschte über das Deck, zusammen mit der Nässe nicht sehr angenehm.




    Bei der Drehung des Schiffes bekam dieses ganz schön Schieflage. Die Liegen und Tische an Deck schoben sich munter über das Deck.




    So war nicht an Landgang zu denken. Außerdem wurde noch ein Eisbär an Land gesichtet – wir haben ihn allerdings nicht gesehen. Daher blieb nur die Möglichkeit, den Seitenarm zurück und den Fjord weiter entlangzufahren, um evtl. doch noch eine Stelle zu finden, an der wir anlanden könnten …



    VG Sven

  • 08.09.22: Kreuzen im Clark- und Gibbs-Fjord (Baffin Island) – Teil 2


    Glücklicherweise hatte sich die Wolkendecke inzwischen etwas nach oben verzogen, so dass man von der beeindruckenden Felslandschaft jetzt etwas mehr sehen konnte. Allerdings blieb der massive Wind. Oben am Sonnendeck (Deck 9) konnte man sich nicht aufhalten, starker Gegenwind, Nässe im Gesicht und eine Kamera, die man ob des Windes nicht halten konnte. Nein, so macht das keinen Spass :thumbdown:


    Aber unten, auf dem Nature Walk auf Deck 6, da ging es. Wenn man nicht gerade den Kopf über die Brüstung streckte, ließ es sich auf dem Platz für die Seilwinde gut aushalten. Man konnte Fotos machen, wurde nicht vom Wind durchgepeitscht – und der Regen war auch nicht mehr so störend.




    Der Wind musste also günstig über das offene Deck ziehen und sich eher oben aufhalten. Erstaunlicherweise nutzten außer uns nur sehr wenige Gäste dieses vom Wind verschonte Fleckchen. Entweder waren die anderen Gäste zu weich oder wir zu hart :D


    Die Landschaft war zunächst ähnlich der gestern bereisten. Hohe Felsen säumten den Fjord. Die Gipfel waren aber nicht ganz so gezackt wie es im Buchan Gulf der Fall gewesen war. Auf den Spitzen der Felsen lag teilweise frischer Neuschnee.






    Auch die eine oder andere Gletscherzunge passierten wir auf unserem Weg.






    Und sogar an einem kleinen Wasserfall kamen wir vorbei.




    Die Wellen auf dem Wasser wurden inzwischen weniger, der Wind ließ etwas nach.





    So erreichten wir eine kleine Insel mitten im Fjord …





    VG Sven

  • 08.09.22: Kreuzen im Clark- und Gibbs-Fjord (Baffin Island) – Teil 3


    An dieser Stelle treffen Clark-Fjord (backbord) und Gibbs-Fjord (steuerbord) aufeinander und der Seitenarm, den wir soeben erkunden hatten, aufeinander. Und eigentlich sind es hier auch drei Inseln, die man hier sehen kann.


    Zum einen die große Insel, Baffin Island, die auf den Fotos beiderseits des Fjordes zu sehen ist. An deren Küste sind wir ja die letzten Tage entlanggefahren.




    Zum anderen die größere, vorgelagerte Insel Qikiqtaaluk (Sillem Island), die den Clark- und Gibbs-Fjord quasi trennt. Merkwürdigerweise heißt die Insel in der Sprache der Inuit genauso wie die große Baffin Insel. Hier ist besonders schön die Färbung der Tundralandschaft zu erkennen.




    Und dieser ist wiederum die ganz kleine Insel Qikiqtakuluk vorgelagert.




    Das Meer hatte sich nahezu komplett beruhigt. Die HANSEATIC nature nahm ihren Ankerplatz ein. Es wurden Scout-Zodiacs ausgeschickt, die hier eine passende Uferstelle finden sollten, wo man anlanden kann. Diese Suche sollte eine Weile dauern. Denn das Gelände ist hier recht felsig und steil.




    Das zog sich mehrere Stunden, es rückte so langsam der Abend an. Schließlich wurde doch eine Landungszone eingerichtet, passender weise dort, wo die Suche anfangs gestartet war, nämlich direkt vor dem Schiff auf Qikiqtaaluk.




    Die Landungszone wurde eingerichtet, ein – doch recht kleines – Areal von den Eisbärenwächtern abgesteckt und dann konnte es endlich losgehen. Zuvor gab es die Warnung, dass heute nur mobile Gäste an Land gehen sollten, das Ufer war mit sehr großen Steinen gesäumt und recht gefährlich. Steffie war dann schon mal raus, sie wollte sich die Tortur mit den großen Steinen im Wasser nicht antun. Ich überlegte noch, aber anhand der sehr, kleinen abgesteckten Zone sowie der Gefährlichkeit der Anlandung entschied ich mich auch gegen einen Landgang. Wie die meisten der Gäste übrigens …


    Im Nachhinein betrachtet sicher ein Fehler! Die Gäste, die drüben waren, sowie die Experten berichteten von sehr schöner Herbstfärbung der vielen Pflanzen, von sehr schönen Spiegelungen in kleinen Seen von den Inseln und der umgebenen Bergkulisse. Schade! Leider wurde die Landungszone dann auch erst später vergrößert und man hatte ein viel größeres Areal als zunächst angenommen zur Verfügung. Und die Steine waren auch wohl nicht ganz so schlimm wie angesagt – hier war man aufgrund des gestrigen Zodiacfahrt wohl seitens Crew auf Nummer Sicher gegangen. Hätte man das gewusst, wäre wohl zumindest ich auf die Insel gefahren. Für Hapag-Lloyd war es übrigens auf dieser Insel ein Erstanlauf.


    Wir nutzen die Zeit des Landgangs, um an Deck ein wenig zu walken – wie viele andere auch. Und die Kulisse von der Ferne aus aufzusaugen.






    Waren es an den anderen Tagen fast immer um die 190 Gäste gewesen, die an Land gegangen sind (es gab hier jeden Tag eine Statistik, die uns mitgeteilt wurde), waren es heute nur ca. 65 Gäste. Wir waren also nicht allein …


    Einen Vorteil gab es für die Gäste, die an Bord geblieben waren: sie waren die Ersten beim Cocktail mixen ^^

    Von den Offizieren wurden verschiedene, leckere Cocktails gemixt und kostenfrei angeboten. Und wir tranken durchaus den einen oder anderen!

    Danach ging es zum Abendessen ins Lido.


    Und danach nochmal an Deck. Die HANSEATIC nature war inzwischen im Gibbs-Fjord unterwegs.







    So langsam wurde es dunkel. An einen Sonnenuntergang war ob des Wetters nicht zu denken, aber dunkle Abendbilder gab es dann doch.




    Obwohl wir heute nicht an Land waren, doch auch ein interessanter Tag. Das Wetter hat zwar nicht so mitgespielt – aber es kann ja mal einen eher dunkleren Tag geben. Bisher hatten wir mit dem Wetter durchaus Glück gehabt. Und wir hofften, dass es am nächsten Tag wieder besser werden würde …



    VG Sven

  • 09.09.22: Walker Arm (Baffin Island) – Spaziergang in der herbstlichen Tundra (Teil 1)


    An diesem letzten Tag in der Gegend von Baffin Island stand ein weiterer Fjord auf unserem Programm. Bereits am frühen Morgen waren wir über den Sam Ford-Fjord in einen Seitenfjord, den Walker Arm, eingefahren. Leider war der Wunsch nach guten Wetter nicht unbedingt erhört worden – hatte da etwa wieder jemand nicht aufgegessen :/


    Dichter Nebel zog bereits am frühen Morgen auf, der sich ab und an lichtete. Immerhin: In den lichten Momenten konnte man die Landungsstelle sehen.




    Vom Schiff aus war eine geführte Wanderung zu einem Karsee angeboten worden, für die man sich bereits am Vortag eintragen musste. Geführte Wanderung ist klar, denn hier müssen ja die Eisbärenwächter mitwandern, um die Sicherheit zu gewährleisten. Wir haben uns allerdings gegen die Wanderung entschieden. Eine Wegstrecke betrug 3km – das Ganze bergauf, bergab bei unwegsamem Gelände, und dann halt mit den Gummistiefeln. Das war vielleicht nicht unbedingt das ganz große Problem. Das lag vielmehr auch in der anvisierten Dauer für den Weg: 45 Minuten – das ist sportlich! Und natürlich das Ganze dann noch mal zurück. Außerdem ging es für die Wanderer früh raus – so gegen 07:30 Uhr fuhren schon die Zodiacs. Dann lieber ohne großen Stress – später aufstehen, erst mal richtig frühstücken und in der späten Gruppe gemütlich an Land gehen und die Natur bei einem Spaziergang im eigenen Tempo genießen – wenn es der Nebel zulässt. (Der Nebel war natürlich auch bei der Wanderung vorhanden, so dass das Argument kein Vorteil pro Wanderung war.)


    Unsere Gruppe war planmäßig eine der letzten Gruppen, die an Land ging.




    Und siehe da, man konnte sogar was sehen!!! Der Nebel blieb zwar die ganze Zeit. Aber er konnte den schönen Ort nicht komplett verhüllen.





    Die Herbsttundra war in wunderbare Farben getaucht. Indian Summer im kleinen, bodentiefen Format :)





    Am oberen Strandwall wurden von einem der Experten auf früheren Anlandungen Ruinen einer Reihe von Inuit-Winterhäusern gefunden. Diese sind auf die frühe Thule-Kultur im 15.-18. Jahrhundert zu datieren. Man erkennt sehr gut die flachen Eingänge, durch die die Inuit in die Häuser hineinkriechen mussten. Natürlich nicht der leichteste Weg, das Haus zu betreten. Aber dafür blieb es drinnen warm, man versuchte, das Eindringen von Wind und Kälte zu minimieren.





    Größere und kleinere Bäche schlängelten sich durch die Landschaft.





    Der Regen der letzten Tage hatte eine amphibische Landschaft aus Polsterpflanzen, Sümpfen und Bächen sprießen und entstehen lassen.




    VG Sven

  • 09.09.22: Walker Arm (Baffin Island) – Spaziergang in der herbstlichen Tundra (Teil 2)


    Und das Ganze wie schon geschrieben, in den verschiedensten Farben des Herbstes.







    Ein Farbenmeer aus roten Polarheidelbeeren, orangen Arktischen Weiden, gelben Birken, silbernen Rentierflechten, grünen Krähenbeeren und Moosen. Und dazwischen das weiße Wollgras, bekanntlich wie ein Teil des Polarhasen aussehend.





    Für uns war grob ein Weg markiert – wieder mit den kleinen Golffähnchen. Wenn man diesem folgte, kam man am Ende auf einem kleinen Hügel an, mit einem schönen Ausblick. Unterwegs musste man jedoch vorsichtig laufen – man will sich ja nicht unbedingt am letzten Tag noch verletzen. Durch die Regengüsse der letzten Zeit war der Boden ziemlich aufgeweicht und die Pflanzenpolster ebenfalls. Man musste also immer die Augen auf dem Boden haben und entscheiden, wo man hintritt.





    Aber es hat sich gelohnt. Eine wunderschöne Landschaft. Analog zum gestrigen Tag, die wir ja leider nicht vom nahen gesehen hatten. Aber nun hatten auch wir unsere herbstliche Tundra. Und vor allem mit einer Vielzahl von Pflanzen – nicht zu vergleichen mit dem spärlichen Bewuchs in der Hocharktis (z.B. Jenny Lind Island). Einfach toll :)






    Den Hügel wieder hinunter lief es sich übrigens besser. Mit den Gummistiefeln konnte man auch ins Nasse gehen, man musste nur aufpassen, nicht zu stürzen oder umzuknicken. Auf den großen, aufgesogenen Pflanzenpolstern lief es sich federweich, man schwebte dahin. Ein richtig schönes Gefühl …




    So ging es mehr oder weniger direkt zurück zum Strand.




    Und von dort dann per Zodiac zurück zum Schiff. Unser letzter Zodiac-Ausflug während der Reise war somit leider zu Ende =O


    Aber es war nochmal ein sehr schöner gewesen :thumbup:



    VG Sven

  • 09.09.22: Fahrt durch den Walker Arm / Sam Ford-Fjord Walker Arm (Baffin Island)


    Pünktlich um 12:00 Uhr verließen wir unseren Ankerplatz. Es stand noch eine lange Fahrt nach Kangerlussuaq bevor, dass am übernächsten Tag pünktlich erreicht werden musste. Da die Wetteraussichten nicht die besten waren, hieß es zeitig genug aufzubrechen …


    Eigentlich befinden sich im Walker Arm ein paar der spektakulärsten Felsformationen der Arktis (u.a. Cathedral Rock, Asgard Tower, Polar Sun Spire). Diese dienten sogar schon in James Bond Filmen als Kulissen und genießen bei Felskletterern einen guten Ruf. Leider sahen wir von dieser sicherlich beeindruckenden Landschaft fast gar nichts. Kurz nach der Abfahrt zog es komplett zu. Und es wurde auch nicht mehr so richtig besser ||








    Deshalb gab es ein entsprechendes Programm, so dass man nicht einfach in der Kabine auf dem Bett liegen oder an der Bar versacken musste. Am Nachmittag gab es den Vortrag „Wo sich Polarfuchs und -hase gute Nacht sagen – Tiere der arktischen Tundra“. Von unserer Biologin an Bord hatte es bereits Vorträge über König Eisbär und die Seevögel gegeben, nun waren die anderen Säugetiere dran. Tiere, die wir leider bisher nicht gesehen hatten – zumindest in lebendem Zustand – wie Polarwolf, Polarfuchs, Polarhase, Karibu, Lemming. Wir hatten bisher neben jeder Menge Eisbären von den Langsäugetieren ja „nur“ Moschusochsen gesichtet. Der Vortrag behandelte die Lebensräume der Tiere, ihre speziellen Anpassungen an die Natur hier in der Arktis sowie auch ihre Einordnung in die Nahrungsketten.


    Zwischendrin konnten wir nochmal ein paar größere Eisberge sowie einige Seevögel auf dem Meer verfolgen.









    Bald darauf der nächste Programmpunkt: „Lassen Sie die Reise Revue passieren“. Auf der großen Leinwand im Hanseatrium wurde der Foto-Stick der Bordfotografin präsentiert, dazu gab es musikalische Untermalung vom Klavierspieler. Die Fotos waren unserer Meinung nach sehr gut gemacht und man erinnerte sich während der Präsentation an die eine oder andere Sache, die man zwar erlebt, aber inzwischen aufgrund anderer Erlebnisse schon gar nicht mehr auf dem Schirm hatte. „Na, gucke mal, das war ja auch noch …“. Obwohl wir selbst während der Fahrt sehr viele Fotos gemacht hatten (so ca. 6.500), kauften wir den Stick dann auch noch. Wie gesagt, die Fotos waren sehr gut und wir waren ja auch nicht überall dabei. Manche der Gäste sahen das etwas anders, da wurde z.B. gemeckert „Die Tiere sind ja nur klein im Hintergrund und nicht so knack scharf“ (gemeint waren z.B. Eisbären). „Kein Vergleich mit den Pinguin-Fotos auf unserer Antarktis-Kreuzfahrt! Der Fotograf dort war viiiiel besser …“. Ja, den Pinguin auf 2m Entfernung bekomme ich auch schärfer und in Nahaufnahme hin, mit einem Eisbären in 1km Entfernung tut man sich da schon schwerer … Meinen wir zumindest, jeder kann ja seine Ansicht haben …


    Im Anschluss dann das Abendessen. Heute gab es „Farewell-Abendmenu“ oder „Farewell-Abendbuffet“. Ist man von anderen Reedereien gewohnt, dass dieses am letzten Abend stattfindet, wird das bei Hapag-Lloyd (zumindest bei so langen Expeditionen) am vorletzten Tag durchgeführt. Wenn die Gäste halt nicht mit Koffer-Packen beschäftigt sind.


    Für uns ging es erneut ins Lido, also zum Farewell-Buffet. Da mussten wir zwar auf den Hummer-Hauptgang verzichten, den gab es nämlich nur im Bedienrestaurant (Hummer am Buffet ist vielleicht auch nicht die beste Idee). Dafür gab es aber Ersatz-Gerichte und die Vorspeisen (sehr guten Kaviar und extrem leckeres Rindertatar) gab es hier auch. Und mit dem Vorteil, dass man sich nicht auf eine Vorspeise festlegen muss, sondern sich auch mehrere Portionen Kaviar plus mehrere Portionen Tatar holen kann ^^

    Der Kaviar wurde übrigens am Buffet „klassisch“ serviert – neben dem Kaviar an sich und den Beilagen standen auch mit Wodka gefüllte Gläser am Buffet bereit. Die gehörten nämlich direkt zum Gang dazu :D – zumindest im Buffetrestaurant.


    Also kamen wir auch am Farewell-Abend im Buffetrestaurant auf unsere Kosten und mussten nicht ausnahmsweise ins Bedienrestaurant ausweichen. Es sei denn, wir hätten unbedingt Hummer gewollt.


    Wir stellten fest, dass doch einige Gäste wohl Probleme mit dem Seegang hatten. Hinter die Ohren geklebte Pflaster sowie Gespräche ließen wohl diesen Schluss zu. Ja, es gab durchaus Seegang ab dem Nachmittag. Aber uns machte das bisher komplett nichts aus. Außer das man am Abend im Bett dann wie in einer Wiege schaukelt …


    Nach dem sehr guten Abendessen gab es noch einen letzten Programmpunkt: „Kapitäns Farewell Cocktail“. Hier wurde die Seekarte der Reise verlost – wir gewannen leider nicht, obwohl die ersten beiden Zahlen der Losnummer passten – knapp vorbei ist eben auch vorbei. Ein Matrose bezauberte das Publikum mit einer Saxofon- und Gesangseinlage – der war richtig gut. Eine große Crew-Show gibt es aufgrund der immer noch existierende Corona-Einschränkungen noch nicht.


    Außerdem wurden die Daten der Reise vermittelt – also wie viel Wein, Bier, Wodka usw. verbraucht worden war ^^ Und natürlich, wie viele Meilen wir gefahren waren, wo wir überall gewesen waren, wie das Wetter so war. Was man bei HL noch so in der Zukunft plant …


    Interessant dabei war, dass sowohl ein Großteil der Crew als auch einige der Stammgäste auf die Übernahme von HL-Cruises durch TUI Cruises nicht so gut zu sprechen sind. Man wäre wohl lieber unabhängig geblieben und vermutet, dass sich das eher negativ auswirken wird. Man wird sehen …


    Danach war dann auch für uns Schicht im Schacht, sprich wir gingen zu Bett. Bei leichtem Seegang schliefen wir ein …



    VG Sven

  • 10.09.22: Seetag – Eine raue Überfahrt durch die Baffin Bay & Davis Strait nach Grönland


    Der letzte komplette Tag an Bord unserer Expedition stand an. Eine Expedition, lange vorab geplant. Lang an Tagen. Und nun leider fast schon vorbei …


    Die Davis Strait ist ein nördlicher Arm des Atlantischen Ozeans, der zwischen Baffin Island und Nordwestgrönland verläuft. Südlich befindet sich die Labradorsee, im Norden die Baffin Bay. Benannt wurde die Davis Strait nach dem englischen Entdecker John Davis, der die Gegend im 16. Jahrhundert auf der Suche nach einer Nordwestpassage erkundete. Sie gilt als die breiteste Meerenge der Welt, ist aber mit einer Tiefe von 1.000 – 2.000m wesentlich flacher als die Labradorsee. Bekannt ist die Meerenge für die heftigen Gezeiten, der Höhenunterschied kann hier bis zu 18.50m betragen.


    Und bekannt sollte sie auch bei uns werden, nämlich für ordentlichen Seegang. Hatten wir auf der bisherigen Fahrt (sieht man mal vom vorherigen Nachmittag ab) damit ja eher keine Probleme, teilweise ja sogar fast Ententeich, schlug das heute schon etwas mehr zu. Es wehte ein heftiger Wind, es regnete und wir hatten schonmal Wellen von 3-4m.





    Der Pool war entleert worden, also konnte man auch nicht baden :(




    Traurig, und alles grau in grau und ungemütlich. Daher wurde es wohl eher ein Tag für den Innenraum.


    Aber uns ging es noch gut – andere Gäste hatten da schon etwas mehr Probleme. Aber bei dem einen half ein Pflaster hinter dem Ohr, bei dem anderen ein Schläfchen.


    Nach dem Frühstück stand erst mal ein Vortrag an, mit einem ernsten Thema: „Plastik im Ozean – ein weltweites Problem“. Man glaubt gar nicht, wieviel Müll in den Weltmeeren so abgeladen wird. Aber immerhin, man ist sich der Problematik bewusst und versucht, Maßnahmen zu ergreifen. Ob das reicht oder ob das Ganze bereits zu spät ist, die Zukunft wird es zeigen …


    Kurz vor dem Mittagessen gab es im Hanseatrium eine Pflichtveranstaltung. Wir wurden nach unseren alten Zodiac-Gruppen-Farben aufgerufen und bekamen zum einen unsere Pässe, die beim Check-In abgegeben worden waren, wieder. Gleichzeitig bekamen wir auch die Bordkarten für den Rückflug (Plätze wurden zugeteilt) sowie die Banderolen für das Gepäck ausgehändigt. Heißt: Kofferpacken am Abend, Banderole ran, Koffer raus vor die Kabine, am nächsten Tag zum Flughafen, Sicherheitskontrolle. Fertig. Kein Extra-Check-In mehr, den hatten wir jetzt bereits absolviert.


    Dann ging es zum Mittagessen – wie immer ins Lido.


    Wer aufmerksam den bisherigen Bericht verfolgt hat, wird sich fragen: 4mal die Uhr zurückgestellt, 3mal die Uhr wieder vorgestellt. Da fehlt doch was. Richtig! Eigentlich hätte das in der vergangenen Nacht erfolgen müssen. Da man uns aber ausschlafen lassen wollte und man an diesem Tag ja keine Anlandung hatte, hat man das letzte Vorstellen mitten auf den Tag verschoben. Während des Mittags war es so weit – mitten im Essen wurde die Zeit umgestellt, wir waren also heute extrem lange Mittagessen, wenn man alleinig auf die Uhr schaut :D


    Nach dem Essen fingen wir schon mal an, die Koffer zu packen – damit man nicht am Abend die ganze Thematik am Hals an. Auch aus einem anderen Grund eine weise Entscheidung – wie wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht ahnten. Den geliehenen Parka musste man bereits am Morgen vor der Kabine aufhängen, es gab also keine Möglichkeit, den im Koffer zu „vergessen“. Genauso die Gummistiefel, die ließ man einfach im Gummistiefelraum stehen, wo sie dann eingesammelt wurden.


    Zwischendrin wurde im Hanseatrium der Videofilm der Reise vorgestellt. Mit sehr schönen Naturaufnahmen (Eisbären, Drohnenaufnahmen während der Eisfahrten, Zodiacfahrten usw.), teilweise waren wir auch im Video zu sehen. Aber der kostete knapp 300 EUR 8|

    Für diesen Preis dann leider doch nicht – für unseren, persönlichen Geschmack leider etwas teuer. Schade …


    Zurück auf der Kabine „mussten“ wir natürlich noch die (kleine) Flasche Champagner leeren, die wir als Begrüßung am ersten Tag erhalten hatten. Wie schon damals befürchtet, blieb die bis zum letzten Tag im Kühlschrank, aber nun war ihr letztes Stündlein geschlagen …

    Champagner trinken, Tierfilme über das Bord-TV gucken, Koffer noch ein bisschen weiter packen. Auch eine Art von Nachmittagsprogramm.


    Dann ging es aber doch noch mal ins Hanseatrium, der letzte Vortrag der Reise stand an: „Der harte Untergrund Grönlands und Kanadas“. Die Gegend, die wir in den letzten 2,5 Wochen befahren hatten, wurde unter geologischen Gesichtspunkten betrachtet.

    Inzwischen war der Seegang schon merklich stärker geworden, die Wellen hatten Höhen bis zu 5m. Das zeigte sich auch durch die Fenster im Hanseatrium. Draußen tobte ein ganz schönes Mistwetter.




    Uns ging es aber immer noch gut, Koffer fast zu Ende packen (es fehlten nur noch die Sachen, die wir abends anhatten) und dann zum Abendessen im Lido – das letzte Mal auf der Reise. Irgendwie hatten sich die Reihen der Gäste schon etwas gelichtet, der Seegang forderte wohl seinen Tribut. Nochmal ein schönes Essen zum Abschluss, Verabschiedung und Danksagung der Crew im Lido, die uns die ganze Zeit wunderbar betreut hatten. Verabschiedung von Gästen, mit denen wir etwas mehr Kontakt hatten.


    Auf die Kabine, Koffer zu Ende packen. Nun erwischte es uns auch =O


    Die Wellen waren noch höher, das Schiff schaukelte immens. Insbesondere im vorderen Teil, wo wir ja unsere Kabine hatten, glich das schon fast einer Achterbahnfahrt. Unglaublich, beim Essen war noch alles i.O., jetzt hier konnte man max. 2-3 Sachen in den Koffer packen und müsste sich dann erstmal aufs Bett legen. Richtig übel <X


    Wahrscheinlich war auch die Position beim Kofferpacken ein wenig mit Schuld – Koffer liegt am Boden bzw. der Couch, man bückst sich nach unten, das Schiff schaukelt dabei. Keine Ahnung, was es wirklich war, von einer auf die andere Minute ging es uns schlecht. Wir hatten noch Glück, dass wir schon fast fertig waren und nur noch ein paar Stücke einpacken mussten. Aber auch das zog sich fast hin bis zur maximal möglichen Zeit für die Kofferabgabe. Wir hatten es aber noch gerade rechtzeitig geschafft und stellten die Koffer vor die Tür.


    Danach schnell ins Bett. Die Achterbahnfahrt in den Wellen tobte die Nacht hindurch. Wir schliefen aber trotzdem ein …



    VG Sven

  • 11.09.22: Kangerlussuaq – Tundra-Safari zum Abschluss


    Zwischen 03:00 und 04:00 Uhr hörte der Seegang dann schlagartig auf, wir waren in den Kangerlussuaq Fjord eingefahren. Von dort waren es noch ein paar Stunden bis zum Hafen von Kangerlussuaq. Wir waren wieder dort, wo unsere Reise vor 18 Tagen begann …


    Uns ging es wieder gut, also schnell zum Frühstück. Danach auf die Kabine, das Handgepäck fertig packen – gestern Abend war das für uns nicht mehr möglich gewesen. Um 09:00 mussten die Kabinen verlassen werden, damit diese für die Folgereise aufbereitet werden konnten. Für uns ging es ins Hanseatrium, warten, dass unsere Gruppe für den Tenderverkehr an Land aufgerufen wird.


    Dann war es so weit, mit dem Tenderboot ging es an Land. Dort warteten bereits wieder die „toll gefederten“ Busse. Bei einer „normalen“ Kreuzfahrt geht es jetzt mit dem Bus direkt zum Flughafen. Nicht so bei unserer Fahrt, wir hatten noch eine kleine Tundra-Safari vor uns.


    Zunächst ging es denselben Weg zurück, den wir nach dem Hinflug zum Hafen gefahren waren. Nur halt in umgekehrter Richtung. Vorbei am Flughafen, weiter aus dem Ort hinaus in die Berge.


    Oben gab es dann den ersten kurzen Fotostopp. Zum einen, um die doch recht schöne Landschaft mit der Bergkulisse zu bewundern. Zum anderen wurden an einem See auch Moschusochsen gesichtet (im Foto die kleinen schwarzen Punkte). Das große Teleobjektiv war sicher verstaut, somit blieb hier leider nur die Standard-Brennweite …





    Weiter ging unsere Fahrt durch die bergige Tundralandschaft rund um Kangerlussuaq. Der nächste Halt war ganz oben auf einem Berg mit einer Radarstation. Von dort gab es wundervolle Ausblicke auf die Landschaft und die Berge. In der Ferne konnte man sogar den grönländischen Eisschild sehen.








    Auch gab es hier Felsen, die glatt wie Eis waren. Geformt wurden jene Steine natürlich durch das Eis, was sich darüber geschoben hat. Auch an den Berghängen waren immer wieder solche Felsen zu sehen, in der Sonne funkelten sie, richtig wie Eis.




    Hier oben und auch weiter unten im Gebirge konnten wir jede Menge Kolkraben sehen, die entlang des Busses flogen und sich auf den Masten niederließen. Außerdem vollzogen sie tollkühne Flugmanöver über den Bergen, immer wieder auf und nieder. Da muss es was Interessantes gegeben haben …


    Die Fahrt ging weiter zum Lake Ferguson. Dort wartete ein Mittagsbuffet auf uns. Es gab regionale Spezialitäten, wie Braten vom Moschusochsen oder Rentier-Bratwurst (aber auch Rind, Geflügel), dazu diverse Beilagen, grönländisches Bier und alkoholfreie Getränke sowie diverse lokale Schnäpse und Liköre zum Verdauen.




    Außerdem konnten wir uns hier noch ein wenig umschauen, es war ausreichend Zeit eingeplant.






    Dann fuhren wir zurück nach Kangerlussuaq. Unterwegs erzählte unser Busfahrer noch einiges Wissenswertes und Anekdoten aus der Gegend. Unter anderem von Willy, dem Moschusochsen. Dieser hatte in den 50er Jahren für einiges an Unruhe in Kangerlussuaq, v.a. auf der damaligen US-Airbase, gesorgt. Umsiedlungsversuche scheiterten. Letztendlich wurde Willy erlegt – und gab wahrscheinlich ein Festmahl. Und Willy bekam einen Gedenkstein – eine Malerei auf einem großen Findling etwas außerhalb des Ortes sowie ein Lied, das über seine Taten berichtete.


    Schließlich erreichten wir den Flughafen …



    Tiersichtungen an diesem Tag:

    • Moschusochsen
    • Kolkraben



    VG Sven

  • 11.09.22: Rückreise von Kangerlussuaq


    Unser Flug hatte leider Verspätung, diese resultierte bereits aus dem Hinflug (der wieder ein Sonderflug Hannover-Kangerlussuaq war, dieses Mal für die Folgereise). Sprich, das Flugzeug war noch gar nicht da. Also mussten wir noch ein bisschen Zeit totschlagen, bevor es losgehen konnte.


    Anhand des Flugplans konnte man übrigens sehen, dass das Wetter in Grönland auch leichte Kapriolen schlug, viele der innergrönländischen Flüge waren gestrichen worden. Dann kam auch das Flugzeug aus Hannover und wir konnten durch die Sicherheitskontrolle – ein Check-In war ja nicht mehr nötig.


    Wir flogen mit derselben Maschine wie beim Hinflug. Mit demselben Bordprogramm (Champagner-Runde, lecker Abendessen, inkl. aller Getränke). Leider hatten wir dieses Mal Pech mit unseren Plätzen. Wir bekamen die vorletzte Reihe zugeteilt. Warum auch immer bieten diese und die letzte Reihe weniger Beinfreiheit als alle anderen. Daher stand uns dieses Mal nur der normale Platz der Holzklasse zur Verfügung. Schade, dass wir halt diese Plätze zugeteilt bekommen hatten! Das Flugzeug war voll, so dass, wir auch nicht tauschen hätten können. Neben den Gästen der Expedition flogen auch einige Crewmitglieder, Experten und Eisbärenwächter und Kanadier (unsere Inuit-Vertreterin an Bord und ihre Begleitung sowie der Eismeister) nach Deutschland zurück, u.a. trat auch der Kapitän der HANSEATIC nature seinen Urlaub an.


    Aber auch in den engeren Sitzen verging die Zeit wie im Fluge – haha :D


    Essen, Trinken, Lesen, Musik hören, im Entertainment-Programm ein paar Dokus schauen.


    Und natürlich aus dem Fenster schauen – unterwegs konnte man so einiges sehen. Gleich nach dem Start hatten wir einen tollen Blick auf die Sedimente im Fjord von Kangerlussuaq, die vom grönländischen Eisschild ins Meer transportiert werden, und die Berglandschaft.





    Bei schönem Wetter überflogen wir Grönland und verabschiedeten uns von der Arktis.





    Die Sonne ging unter.




    Später überflogen wir noch Island. Leider war es zu diesem Zeitpunkt schon dunkel, so dass man nicht mehr viel sehen konnte.


    Mit ca. 90 Minuten Verspätung erreichten wir Hannover – die Verzögerung rührte vom vorherigen Flug her, bei uns kam dann nichts mehr dazu. Zur Passkontrolle und dann zum Gepäckband – unsere Koffer kamen sogar beide an, so dass auch hier alles geklappt hat. Wir hatten vom Flughafen Hannover nach Braunschweig vor der Reise einen Transfershuttle gebucht. Der Fahrer wartete auch schon und fuhr uns sicher nach Hause.


    Um ca. 03:00 Uhr konnten wir dann auch ins Bett, etwas später als ursprünglich gedacht. Ein langer Tag sowie eine lange, aber tolle Reise gingen zu Ende …



    VG Sven