Heute abend -> Pflichtprogramm:
Mit dem Zug durch Vietnam
DO 30.11., 20:15 Uhr, NDR
Den einfallsreichen Vietnamesen ist nichts unmöglich: einen ganzen
Blumenmarkt auf einem einzigen Moped balancieren, drei Schweine, 100
lebende Hühner oder eine ganze Familie! Sie schaffen einfach alles. Und
noch mehr.
Gute 40 Jahre nach Kriegsende ist das einst geteilte Land mitten im
Aufbruch, quicklebendig, pulsierend und sympathisch chaotisch wie kaum
ein anderes in Südostasien.
Nichts hat all die Träume der Vietnamesen mehr beflügelt als der
Reunification Express.
Der Zug fährt zehn Mal am Tag von Nord nach Süd und wieder
zurück, von der Hauptstadt Hanoi hinunter in die zweite große Metropole:
Ho Chi Minh City, dem früheren Saigon.
Der Film begleitet Passagiere und Zugpersonal bei ihren kleinen und
großen Abenteuern auf der langen Reise durch ein faszinierendes Land.
Dabei lernt das Filmteam Vang Seo kennen. Der Reisbauer ist schon 80
Jahre alt, aber bestellt wie eh und je seine Felder auf den
Reisterrassen von Ha Giang in Vietnams hohem Norden. Die Gegend ist so
urtümlich, weil sie noch kaum erschlossen ist. Und sie ist atemberaubend
schön, vor allem im Herbst, wenn die satten grünen Felder im Licht der
tief stehenden Sonne erleuchten.
Hier lebt auch die 18-jährige Thi Luyen in einem Bergdorf. Sie ist
gerade zum ersten Mal Mutter geworden. Jetzt zieht sie als Hebamme über
die Dörfer, um anderen jungen Frauen beizustehen, damit sie in der
Abgeschiedenheit der Bergwelt ihr Kind gesund auf die Welt bringen.
In Hanoi erlebt das Team den kolonialen Charme der vietnamesischen
Hauptstadt und vor allem reichliches Essen. Überall dampft und brodelt
es, die Dumplings von Madame Chung, die Krabben von Herrn Nguyen, eine
Pho, die fette Nudelsuppe von Frau Lien, alles Streetfood wie von einem
anderen Stern.
Knapp 2.000 Kilometer ist die Reise Richtung Süden lang, eine
Ruckelpartie, die allein zwei Tage und Nächte dauert. In den beengten
Abteilen kommt man seinen Mitreisenden schneller nahe als man denkt.
Wer lieber die Weite mag, lässt sich vom atemberaubenden Ausblick aus
den Fenstern des Zuges begeistern: vorbei an den Lotusfeldern südlich
von Hanoi, zur Linken die Küste mit Stränden, Palmen, blauem Wasser, zur
Rechten die Berge, Wälder, die Höhlenwelten von Vietnams Zentralmassiv.
Der Zug fährt an der wunderschönen Zitadelle von Hue vorbei, am
geschichtsträchtigen Strand von Da Nang, wo damals die ersten
US-amerikanischen Bodentruppen landeten. Der Zug macht Halt in Hoi An,
der Stadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Hier trifft das
Filmteam einen älteren Herrn, der wunderschöne, traditionelle Laternen
herstellt und damit Gassen und Plätze in ein warmes unverwechselbares
Licht taucht. Welch ein magisches Erlebnis, bevor schließlich die
grellen Lichter von Ho Chi Minh am Horizont erscheinen.
