Auch wenn die liebe Wasserschnegge schon fleißig dran ist, einen Reisebericht von dieser schönen Transreise zu schreiben, möchte ich meine Erlebnisse gerne auch mit euch teilen. Man erlebt ja doch nicht alles gleich und macht auch andere Ausflüge. Daher lade ich euch ein, aufzuspringen und uns nachträglich noch mal auf diesen traumhaften 20 Tagen zu begleiten.
Der Reisebericht ist bereits fertig, ich stelle jetzt also die Tage nacheinander ein.
Tag 1 – Anreise nach Punta Cana
Es geht wieder los. Endlich.
Nach Wochen, eigentlich Monaten des Hinfieberns, Planens, Vorfreuens und gedanklichen Kofferpackens war dieser Moment plötzlich da: der Start in den Urlaub. Und wie könnte eine Reise bei uns standesgemäß beginnen? Natürlich zu einer Uhrzeit, zu der normale Menschen entweder noch schlafen oder zumindest so tun, als wäre die Welt da draußen noch nicht existent. Eine unchristliche Zeit also – welch Überraschung. Wer mich kennt, weiß: Meine Begeisterung für frühes Aufstehen hält sich in etwa so sehr in Grenzen wie meine Freude über kalten Kaffee oder nasse Ärmel beim Händewaschen.
Aber diesmal war es anders. Nicht das Aufstehen, das war natürlich weiterhin grausam. Aber die Dankbarkeit war noch größer als sonst. Angesichts der aktuellen Geschehnisse und der weltpolitischen Lage, die einem ja doch immer wieder bewusst macht, wie wenig selbstverständlich Reisen geworden ist, waren wir einfach nur froh, dass es tatsächlich losging. Koffer gepackt, Dokumente kontrolliert, Vorfreude im Gepäck – und los.
Der erste Abschnitt unserer Reise führte uns mit dem Zug nach Graz. Und zwar nicht irgendwie, sondern durch die neue Koralmbahn. Allein das fühlte sich schon ein bisschen besonders an. Ein Jahrhundertprojekt, das nun endlich Realität ist, und wir mittendrin – beziehungsweise eher: wir sitzend, müde, aber reisewillig, irgendwo zwischen Heimat und Fernweh. Während draußen Kärnten langsam bzw. eigentlich überraschend schnell vorbeizog und die Landschaft in diesen frühen Morgenstunden noch verschlafen wirkte, war bei uns innerlich längst Karibikprogramm aktiviert. Zumindest theoretisch. Praktisch bestand mein Körper zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich aus Müdigkeit und Kaffeehoffnung.
In Graz angekommen, ging es weiter zum Flughafen. Der nächste Glücksmoment ließ nicht lange auf sich warten: Alles lief. Keine Katastrophe, kein Drama, kein „Wir bitten um Geduld“, das ja am Flughafen bekanntlich selten Gutes bedeutet. Und auch die Streiks, die einen Tag später wieder geplant waren, betrafen uns noch nicht. Manchmal hat man tatsächlich Glück – und manchmal erkennt man es sogar sofort.
Von Graz ging es zunächst nach Frankfurt. Der Flug war unspektakulär, was bei Flügen ja grundsätzlich eine sehr gute Eigenschaft ist. Frankfurt empfing uns anschließend wie Frankfurt eben empfängt: groß, geschäftig, funktional und mit diesem ganz eigenen Flughafencharme, der irgendwo zwischen Weltreise und Orientierungslauf liegt. Während wir auf das Boarding warteten, erreichte mich dann noch eine Nachricht: Ein Bekannter würde ebenfalls mitfliegen – beruflich, um einen Patienten aus der Dominikanischen Republik nach Hause zu holen.
Ich behaupte ja bis heute, das war unser ganz persönlicher Gesundheits-Begleitschutz. Andere buchen Fast Lane, Lounge oder Priority Boarding – wir hatten medizinische Rückendeckung an Bord. Sicher ist sicher.
Für den Langstreckenflug hatten wir diesmal Premium Economy gebucht, inklusive Sitzplätzen am Notausgang. Und was soll ich sagen: Beinfreiheit ohne Ende. Man sitzt da, streckt die Beine aus und fühlt sich kurz wie jemand, der sein Leben im Griff hat. Zumindest solange, bis man merkt, dass ein Langstreckenflug trotz Beinfreiheit immer noch ein Langstreckenflug bleibt.
Die ersten drei Stunden vergingen gefühlt gar nicht. Wirklich gar nicht. Es gibt diese Flugphasen, in denen man überzeugt ist, mindestens die halbe Strecke geschafft zu haben, nur um dann auf die Anzeige zu schauen und festzustellen, dass Europa einen offenbar noch immer nicht loslassen möchte. Also hieß es: Filme schauen, herumrutschen, Wasser trinken, wieder auf die Karte schauen, kurz schlafen wollen, nicht schlafen können, innerlich schon am Strand liegen und äußerlich versuchen, nicht komplett zerknittert auszusehen.
Irgendwie vergeht aber auch der längste Flug. Nicht unbedingt elegant, aber er vergeht.
Und dann war sie plötzlich da: die Dominikanische Republik. Punta Cana. Schon der Name klingt nach Palmen, warmem Wind und diesem ganz speziellen Gefühl, wenn man aus dem Flugzeug steigt und die Luft einen sofort daran erinnert, dass man gerade sehr weit weg von daheim ist. Punta Cana liegt ganz im Osten der Dominikanischen Republik, dort, wo sich kilometerlange Strände, türkisfarbenes Wasser und Resorts aneinanderreihen wie Perlen auf einer sehr karibischen Kette. Ein Ort, der touristisch natürlich bestens erschlossen ist – aber nach fast 24 Stunden Anreise nimmt man Palmen, Wärme und Meeresnähe trotzdem mit einer Dankbarkeit entgegen, die an Andacht grenzt.
Vorher stand allerdings noch eine kleine Prüfung an: den vorab gebuchten Transfer finden. Theoretisch klingt das ja immer einfach. Praktisch steht man nach einem langen Flug, mit müden Augen, Koffern und einer gewissen Restorientierung vor einer Menge Menschen, Schildern, Stimmen und Möglichkeiten – und sucht genau die eine Person, die einen ans richtige Ziel bringen soll. Nach ein bisschen Herumirren, Nachfragen und innerlichem „Das wird schon irgendwo sein“ hatten wir unseren Transfer dann aber gefunden.
Die Fahrt zum Hotel führte uns durch die Dunkelheit, vorbei an ersten Eindrücken, die eher zu erahnen als wirklich zu sehen waren. Man merkt: Da draußen ist Urlaub. Aber so richtig begreifen würde man es wohl erst am nächsten Morgen, wenn Licht, Farben und Meer ihre Arbeit aufnehmen.
Unser Ziel war das Punta Cana Princess Adults Only. Schon bei der Ankunft machte die Anlage einen sehr gepflegten Eindruck – sauber, ruhig und übersät mit Palmen. Überall tropisches Grün, sanftes Licht, warme Luft und dieses angenehme Gefühl, angekommen zu sein, auch wenn der eigene Körper noch irgendwo zwischen Europa und Sitzreihe Notausgang feststeckt.
Wir bekamen unser Zimmer, stellten die Koffer ab und gingen noch eine Kleinigkeit essen. Nicht mehr groß, nicht mehr lang, einfach nur ankommen. Danach durfte ein Schlummertrunk natürlich nicht fehlen. Schließlich muss man den Urlaub ja offiziell eröffnen. Und wenn man schon nach Punta Cana reist, darf man dem Körper ruhig signalisieren: Du bist jetzt nicht mehr im Alltag, du darfst loslassen.
Viel Energie für große Entdeckungen war allerdings nicht mehr übrig. Die Anlage wirkte im Dunkeln schon vielversprechend – sauber, weitläufig, voller Palmen und mit diesem leisen Karibikversprechen, das einen neugierig macht. Ich war wirklich gespannt, wie das alles am nächsten Morgen bei Tageslicht aussehen würde.
Aber fürs Erste hatte das Bett sehr laut gerufen. Sehr laut. Und ich bin bekanntlich nicht unhöflich, wenn Möbelstücke so eindringlich um Aufmerksamkeit bitten.
Nach knapp 24 Stunden auf den Beinen war dieser erste Reisetag damit geschafft. Und während draußen irgendwo die Palmen rauschten, fiel ich ins Bett mit diesem wunderbaren Gedanken:
Morgen sehen wir das alles bei Tageslicht. Und dann beginnt der Urlaub wirklich.
