RB Karibik & Transatlantik, Mein Schiff 1, 09./10. - 28. April 2026

  • Auch wenn die liebe Wasserschnegge schon fleißig dran ist, einen Reisebericht von dieser schönen Transreise zu schreiben, möchte ich meine Erlebnisse gerne auch mit euch teilen. Man erlebt ja doch nicht alles gleich und macht auch andere Ausflüge. Daher lade ich euch ein, aufzuspringen und uns nachträglich noch mal auf diesen traumhaften 20 Tagen zu begleiten.

    Der Reisebericht ist bereits fertig, ich stelle jetzt also die Tage nacheinander ein.

    Tag 1 – Anreise nach Punta Cana

    Es geht wieder los. Endlich.

    Nach Wochen, eigentlich Monaten des Hinfieberns, Planens, Vorfreuens und gedanklichen Kofferpackens war dieser Moment plötzlich da: der Start in den Urlaub. Und wie könnte eine Reise bei uns standesgemäß beginnen? Natürlich zu einer Uhrzeit, zu der normale Menschen entweder noch schlafen oder zumindest so tun, als wäre die Welt da draußen noch nicht existent. Eine unchristliche Zeit also – welch Überraschung. Wer mich kennt, weiß: Meine Begeisterung für frühes Aufstehen hält sich in etwa so sehr in Grenzen wie meine Freude über kalten Kaffee oder nasse Ärmel beim Händewaschen.

    Aber diesmal war es anders. Nicht das Aufstehen, das war natürlich weiterhin grausam. Aber die Dankbarkeit war noch größer als sonst. Angesichts der aktuellen Geschehnisse und der weltpolitischen Lage, die einem ja doch immer wieder bewusst macht, wie wenig selbstverständlich Reisen geworden ist, waren wir einfach nur froh, dass es tatsächlich losging. Koffer gepackt, Dokumente kontrolliert, Vorfreude im Gepäck – und los.

    Der erste Abschnitt unserer Reise führte uns mit dem Zug nach Graz. Und zwar nicht irgendwie, sondern durch die neue Koralmbahn. Allein das fühlte sich schon ein bisschen besonders an. Ein Jahrhundertprojekt, das nun endlich Realität ist, und wir mittendrin – beziehungsweise eher: wir sitzend, müde, aber reisewillig, irgendwo zwischen Heimat und Fernweh. Während draußen Kärnten langsam bzw. eigentlich überraschend schnell vorbeizog und die Landschaft in diesen frühen Morgenstunden noch verschlafen wirkte, war bei uns innerlich längst Karibikprogramm aktiviert. Zumindest theoretisch. Praktisch bestand mein Körper zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich aus Müdigkeit und Kaffeehoffnung.

    In Graz angekommen, ging es weiter zum Flughafen. Der nächste Glücksmoment ließ nicht lange auf sich warten: Alles lief. Keine Katastrophe, kein Drama, kein „Wir bitten um Geduld“, das ja am Flughafen bekanntlich selten Gutes bedeutet. Und auch die Streiks, die einen Tag später wieder geplant waren, betrafen uns noch nicht. Manchmal hat man tatsächlich Glück – und manchmal erkennt man es sogar sofort.

    Von Graz ging es zunächst nach Frankfurt. Der Flug war unspektakulär, was bei Flügen ja grundsätzlich eine sehr gute Eigenschaft ist. Frankfurt empfing uns anschließend wie Frankfurt eben empfängt: groß, geschäftig, funktional und mit diesem ganz eigenen Flughafencharme, der irgendwo zwischen Weltreise und Orientierungslauf liegt. Während wir auf das Boarding warteten, erreichte mich dann noch eine Nachricht: Ein Bekannter würde ebenfalls mitfliegen – beruflich, um einen Patienten aus der Dominikanischen Republik nach Hause zu holen.

    Ich behaupte ja bis heute, das war unser ganz persönlicher Gesundheits-Begleitschutz. Andere buchen Fast Lane, Lounge oder Priority Boarding – wir hatten medizinische Rückendeckung an Bord. Sicher ist sicher.

    Für den Langstreckenflug hatten wir diesmal Premium Economy gebucht, inklusive Sitzplätzen am Notausgang. Und was soll ich sagen: Beinfreiheit ohne Ende. Man sitzt da, streckt die Beine aus und fühlt sich kurz wie jemand, der sein Leben im Griff hat. Zumindest solange, bis man merkt, dass ein Langstreckenflug trotz Beinfreiheit immer noch ein Langstreckenflug bleibt.

    Die ersten drei Stunden vergingen gefühlt gar nicht. Wirklich gar nicht. Es gibt diese Flugphasen, in denen man überzeugt ist, mindestens die halbe Strecke geschafft zu haben, nur um dann auf die Anzeige zu schauen und festzustellen, dass Europa einen offenbar noch immer nicht loslassen möchte. Also hieß es: Filme schauen, herumrutschen, Wasser trinken, wieder auf die Karte schauen, kurz schlafen wollen, nicht schlafen können, innerlich schon am Strand liegen und äußerlich versuchen, nicht komplett zerknittert auszusehen.

    Irgendwie vergeht aber auch der längste Flug. Nicht unbedingt elegant, aber er vergeht.

    Und dann war sie plötzlich da: die Dominikanische Republik. Punta Cana. Schon der Name klingt nach Palmen, warmem Wind und diesem ganz speziellen Gefühl, wenn man aus dem Flugzeug steigt und die Luft einen sofort daran erinnert, dass man gerade sehr weit weg von daheim ist. Punta Cana liegt ganz im Osten der Dominikanischen Republik, dort, wo sich kilometerlange Strände, türkisfarbenes Wasser und Resorts aneinanderreihen wie Perlen auf einer sehr karibischen Kette. Ein Ort, der touristisch natürlich bestens erschlossen ist – aber nach fast 24 Stunden Anreise nimmt man Palmen, Wärme und Meeresnähe trotzdem mit einer Dankbarkeit entgegen, die an Andacht grenzt.

    Vorher stand allerdings noch eine kleine Prüfung an: den vorab gebuchten Transfer finden. Theoretisch klingt das ja immer einfach. Praktisch steht man nach einem langen Flug, mit müden Augen, Koffern und einer gewissen Restorientierung vor einer Menge Menschen, Schildern, Stimmen und Möglichkeiten – und sucht genau die eine Person, die einen ans richtige Ziel bringen soll. Nach ein bisschen Herumirren, Nachfragen und innerlichem „Das wird schon irgendwo sein“ hatten wir unseren Transfer dann aber gefunden.

    Die Fahrt zum Hotel führte uns durch die Dunkelheit, vorbei an ersten Eindrücken, die eher zu erahnen als wirklich zu sehen waren. Man merkt: Da draußen ist Urlaub. Aber so richtig begreifen würde man es wohl erst am nächsten Morgen, wenn Licht, Farben und Meer ihre Arbeit aufnehmen.

    Unser Ziel war das Punta Cana Princess Adults Only. Schon bei der Ankunft machte die Anlage einen sehr gepflegten Eindruck – sauber, ruhig und übersät mit Palmen. Überall tropisches Grün, sanftes Licht, warme Luft und dieses angenehme Gefühl, angekommen zu sein, auch wenn der eigene Körper noch irgendwo zwischen Europa und Sitzreihe Notausgang feststeckt.

    Wir bekamen unser Zimmer, stellten die Koffer ab und gingen noch eine Kleinigkeit essen. Nicht mehr groß, nicht mehr lang, einfach nur ankommen. Danach durfte ein Schlummertrunk natürlich nicht fehlen. Schließlich muss man den Urlaub ja offiziell eröffnen. Und wenn man schon nach Punta Cana reist, darf man dem Körper ruhig signalisieren: Du bist jetzt nicht mehr im Alltag, du darfst loslassen.


    Viel Energie für große Entdeckungen war allerdings nicht mehr übrig. Die Anlage wirkte im Dunkeln schon vielversprechend – sauber, weitläufig, voller Palmen und mit diesem leisen Karibikversprechen, das einen neugierig macht. Ich war wirklich gespannt, wie das alles am nächsten Morgen bei Tageslicht aussehen würde.

    Aber fürs Erste hatte das Bett sehr laut gerufen. Sehr laut. Und ich bin bekanntlich nicht unhöflich, wenn Möbelstücke so eindringlich um Aufmerksamkeit bitten.

    Nach knapp 24 Stunden auf den Beinen war dieser erste Reisetag damit geschafft. Und während draußen irgendwo die Palmen rauschten, fiel ich ins Bett mit diesem wunderbaren Gedanken:

    Morgen sehen wir das alles bei Tageslicht. Und dann beginnt der Urlaub wirklich.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Pooldeck 24 - Die Kreuzfahrspezialisten
  • Tag 2 – Karibiklicht, Nierenvorsorge und endlich wieder Schiffsboden

    Um 3:30 Uhr war die Nacht vorbei. Einfach so. Mein Körper beschloss offenbar, dass ausreichend geschlafen wurde und man sich jetzt doch bitte mit offenen Augen in der Dunkelheit beschäftigen könnte. Jetlag bei der Hinreise ist mir neu, aber bitte – man lernt ja nie aus. Ich versuchte es noch mit Dösen, mit Augen-zumachen-und-so-tun-als-ob und mit der bewährten Methode „nicht auf die Uhr schauen“, aber innerlich war ich längst wach. Sehr wach. Unverschämt wach.

    Immerhin hatte dieses frühe Wachsein auch etwas Gutes: Wir konnten beobachten, wie die Anlage langsam zum Leben erwachte. Dieses erste Morgenlicht in der Karibik hat ja schon etwas sehr Eigenes. Noch ist alles ruhig, noch liegt dieser sanfte Zauber über Wegen, Palmen und Gebäuden, aber die Wärme ist schon da. Nicht aufdringlich, eher wie ein freundliches Versprechen: Keine Sorge, heute wird es schön.

    Und tatsächlich zeigte sich das Punta Cana Princess bei Tageslicht von seiner sehr hübschen Seite. Sauber, grün, weitläufig und überall Palmen. Viele Palmen. So viele Palmen, dass man kurz versucht ist, sein gesamtes Leben zu überdenken und sich zu fragen, warum man eigentlich nicht grundsätzlich unter Palmen frühstückt.

    Das Frühstück gab es in einem rundherum offenen Restaurant – karibiktypisch, luftig, mit einem Dach, das aussah, als wäre es aus Palmwedeln gemacht. Genau so stellt man sich das vor. Kein geschlossener Frühstücksraum mit Teppichboden und Hotelkaffee-Melancholie, sondern warme Luft, tropisches Grün, Vogelstimmen und dieses sehr angenehme Gefühl, dass man wirklich angekommen ist. Das ist Karibik. Punkt.

    Nach dem Frühstück zog es uns natürlich an den Strand. Und dort wurde es dann endgültig kitschig. Aber auf die gute Art. Weißer Sand, türkisfarbenes Meer, Palmen, leichte Brandung und zwei freie Liegen unter einem schilfbedeckten Sonnenschirm. Manchmal braucht es wirklich nicht mehr. Das Bild war fast zu schön, um wahr zu sein, also genau richtig für den ersten richtigen Urlaubsmoment.

    Wir ließen uns nieder, blickten aufs Meer und beschlossen: Ja, so darf das jetzt bleiben. Die Brandung rauschte leise, die Palmen wackelten fotogen im Wind und das Wasser hatte diese unverschämte Farbe, die man zuhause immer für übertrieben bearbeitet hält, bis man dann davorsteht und merkt: Nein, das ist wirklich so.

    Einziger schwerwiegender Programmpunkt: Die erste Bar öffnete erst um 10 Uhr. Eine Herausforderung. Wir mussten also hart warten. Fast schon dramatisch. Man stelle sich vor: Karibikstrand, Sonne, Meer, Urlaubsbeginn – und dann noch kein Getränk. Wir waren innerlich natürlich längst dehydriert. Also wirklich fast. Zumindest gefühlt. Als die Bar dann endlich öffnete, war klar: Es ist Zeit für ein Frühschoppen-Bier. Man muss sich ja schließlich langsam an die lokalen Gegebenheiten anpassen.

    Nach diesem erfolgreichen Einstieg machten wir noch einen kleinen Rundgang durch die Anlage. Alles wirkte gepflegt und angenehm ruhig, ein schöner Kontrast zu dem, was später noch kommen sollte. Besonders spannend war allerdings die heimische Tierwelt. Wobei – heimisch? Keine Ahnung. Jedenfalls hatten sie dort sehr komische Tauben. Eine dieser „Tauben“ saß nämlich hoch oben auf einem Masten, sehr elegant, sehr aufmerksam und eindeutig mit Fell. Es handelte sich, wie sich herausstellte, um eine Katze, die offenbar beschlossen hatte, das Dach auf direktem Weg zu erreichen. Erst Masten, dann Sprung aufs Dach. Warum einfach, wenn es auch akrobatisch geht? In Punta Cana fliegen sogar die Katzen fast. Oder sie tun zumindest so.

    Gegen 13:30 Uhr hieß es dann Abschied nehmen vom Hotel und weiter nach La Romana. Dort wartete sie auf uns: die Mein Schiff 1. Unsere Lady. Unser schwimmendes Zuhause für die nächsten Tage. Vorher musste allerdings noch der Transfer überstanden werden.

    Und sagen wir so: Es war abenteuerlich.

    Unser Fahrer sprach kein Wort Englisch. Das wäre grundsätzlich ja kein Problem, schließlich verstehe und spreche ich durchaus passabel Spanisch. Nur leider sprach er eine Version von Spanisch, die sich meinem Gehirn komplett entzog. Irgendwo zwischen Dominikanisch, Nuscheln, Turbo-Modus und einer Klangfarbe, die für mich eher Richtung Suaheli ging. Ich nickte also höflich, lächelte gelegentlich und hoffte, dass keine lebenswichtigen Informationen in diesen Wortlawinen versteckt waren.

    Die Fahrt selbst war dann eine Mischung aus Landschaft, Vertrauen und innerem Gebet. Der Fahrer war während der Fahrt immer wieder am Handy. Nachrichten lesen, schreiben, tippen, schauen – was auch immer. Genau das, was man auf einer unbekannten Straße in einem fremden Land besonders beruhigend findet. Nämlich gar nicht.

    Zwischendurch fuhr er noch tanken. Auch das wäre an sich nichts Besonderes gewesen, hätte er nicht irgendwann auf einen Schotterweg abgebogen. In diesem Moment verabschiedete ich mich innerlich schon einmal vorsorglich von einer Niere. Man weiß ja nie. Vielleicht war das alles ganz normal. Vielleicht war es nur eine Abkürzung. Vielleicht standen wir aber auch kurz vor einer sehr persönlichen Dokumentation über Urlauber, die dachten, sie hätten einen Transfer gebucht.

    Zum Glück blieb alles an Ort und Stelle – auch die Niere – und irgendwann tauchte tatsächlich der Hafen von La Romana auf. Noch nie war ich so froh, ein Kreuzfahrtschiff zu sehen.

    Die Koffer wurden abgegeben, die Ausreise erledigt – 20 US-Dollar pro Person, bitte sehr – und dann hatten wir noch Zeit, den hübschen Hafenbereich ein wenig zu genießen. La Romana empfing uns warm, bunt und mit diesem typischen Kreuzfahrtflair, bei dem man gleichzeitig Fotos machen, staunen und so schnell wie möglich aufs Schiff möchte. Natürlich wurde unsere Lady ausgiebig bewundert. Die Mein Schiff 1 lag da, groß, vertraut und verheißungsvoll. Ein Anblick, der sofort das Herz ein kleines Stück höher schlagen lässt.

    Dann also: ab aufs Schiff.

    Oder doch nicht ganz so schnell.

    Die Schlange war erst einmal recht lang. Natürlich. Kreuzfahrtromantik trifft Realität. Aber erstaunlicherweise ging es dann doch sehr zügig voran. Schritt für Schritt näherten wir uns dem Moment, auf den wir so lange gewartet hatten. Und dann war es endlich so weit: Wir betraten wieder Schiffsboden.

    Dieses Gefühl ist schwer zu erklären, wenn man es nicht kennt. Man kommt an Bord und irgendetwas in einem atmet auf. Die Luft, die Geräusche, die Wege, die Bars, das vertraute Blau und Weiß – plötzlich ist man wieder in dieser ganz eigenen kleinen Welt. Schwimmender Alltag auf Zeit. Urlaub mit Meerblick. Zuhause, nur mit Rettungsbooten.

    Unsere Kabine lag auf Deck 8, backbord. Also erst einmal Sachen abstellen, kurz orientieren, ankommen. Danach führte der Weg – wie könnte es anders sein – zum Anckelmannsplatz für einen kleinen Lunch. Schließlich hatten wir ja seit dem Frühstück praktisch schon wieder einen Überlebenskampf hinter uns. Und dann kam der Moment, der fast schon emotional war: das erste Carib an Bord.

    Karibisches Bier. Auf dem Schiff.

    Bin ich im Himmel? Möglich. Zumindest fühlte es sich kurz so an. Ein Carib in der Hand, das Schiff unter den Füßen, die Karibik rundherum – mehr braucht es manchmal nicht für sehr großes kleines Glück.

    Danach wurde pflichtbewusst ausgepackt. Koffer öffnen, Dinge verstauen, Kabine wohnlich machen, dieses Ritual gehört einfach dazu. Erst wenn alles seinen Platz hat, darf der Urlaub offiziell weitergehen. Anschließend folgte noch die Sicherheitsübung, ebenfalls ein Klassiker und natürlich sehr wichtig. Und danach wollten wir eigentlich gemütlich im Atlantik Klassik essen.

    Eigentlich.

    Wir bekamen einen Tisch, der mit vier weiteren Zweiertischen aneinandergereiht war. Das Ganze fühlte sich weniger nach entspanntem Abendessen und mehr nach Legebatterie für Kreuzfahrer an. Sehr kommunikativ vermutlich, wenn man das möchte. Wir wollten heute eher nicht. Nachdem wir dann nach rund 20 Minuten noch nicht einmal Wasser bekommen hatten, beschlossen wir, dass dieser Abend offenbar nicht für das Atlantik Klassik bestimmt war.

    Also Planänderung: rauf auf Deck 12 in den Fischmarkt.

    Und siehe da – alles gut. Kein Drama. Morgen wird es besser. Manchmal muss man dem ersten Abend einfach zugestehen, dass er noch ein bisschen sortieren muss, wo er hinwill. Wir waren ohnehin müde, voller Eindrücke und nach den vergangenen 48 Stunden vermutlich auch nicht mehr ganz zurechnungsfähig.

    Zum Abschluss gab es noch einen kurzen Absacker in der Schaubar. Nicht lange, nicht wild, nur ein kleines „Wir sind wirklich wieder da“. Danach war endgültig Schluss. Das Bett rief schon wieder. Offenbar hatten die Betten auf dieser Reise generell ein sehr ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis.

    Das Auslaufen haben wir an diesem Abend nicht mehr geschafft. Der Graf von Unheilig musste seine Hymne also ohne uns singen. Schweren Herzens, aber mit sehr müden Augen, überließen wir ihm die Bühne.

    Wir fielen ins Bett und draußen wartete die Mein Schiff 1 darauf, mit uns in die Nacht hinauszufahren.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Tag 3 – Seetag: Meer, Müßiggang und maximale Liegenkompetenz

    Der nächste Morgen begann – wenig überraschend – wieder früh. Offenbar hatte mein Körper beschlossen, dass Schlaf in der Karibik völlig überbewertet ist. Vielleicht wollte er nichts verpassen. Vielleicht war er noch immer der Meinung, wir befänden uns irgendwo zwischen Zeitverschiebung, Flugzeugmodus und Bordzeit. Man weiß es nicht. Ich war jedenfalls wach. Schon wieder.

    Aber wenn man schon früh wach ist, dann bitte auf einem Schiff mitten in der Karibik. Es gibt wahrlich schlimmere Orte, um dem eigenen Schlafrhythmus beim Scheitern zuzusehen.

    Also machten wir uns auf den Weg zum Frühstück in den Anckelmannsplatz.´mit einem Platz im Freien. Ein Traum. Wirklich. Frühstücken mit Meerblick ist eine dieser Situationen, in denen das Leben sehr großzügig wirkt. Kaffee in der Hand, warme Luft auf der Haut, irgendwo unter uns das Arbeiten des Schiffes und rundherum nichts als Wasser. Kein Verkehr, keine Termine, keine Nachrichtenlage, kein Alltag. Nur Meer. Viel Meer. Sehr viel Meer.

    Seetage haben ja ihre ganz eigene Magie. Man muss nirgendwo hin, wird aber trotzdem permanent weitergetragen. Das Schiff fährt, man selbst sitzt, schaut, trinkt Kaffee und fühlt sich dabei erstaunlich produktiv. Schließlich legt man ja Strecke zurück. Nur eben ohne jede persönliche Anstrengung. Genau mein Konzept von Sport.

    Nach dem Frühstück zog es uns aufs Pooldeck. Und dort zeigte sich der Seetag von seiner besten Seite: herrliches Wetter, strahlender Himmel, angenehmer Wind und dieses besondere Bordgefühl, das irgendwo zwischen Freibad, Hotelterrasse und schwimmendem Dorf liegt. Rundherum Menschen mit Büchern, Sonnenbrillen, Getränken und dem sehr ernsthaften Auftrag, den Tag möglichst entspannt zu verbringen.

    Natürlich war auch die hohe Kunst der Liegenwahl wieder ein eigenes Schauspiel. Auf einem Kreuzfahrtschiff entwickelt man ja innerhalb kürzester Zeit Kompetenzen, die im normalen Leben völlig nutzlos sind, an Bord aber über Glück oder Hummersonnenbrand entscheiden können. Wo steht die Sonne? Wo zieht es? Ist der Weg zur Bar akzeptabel? Wie weit ist der Pool entfernt? Wir fanden ein schönes Plätzchen und richteten uns ein. Das Meer glitzerte, das Schiff zog ruhig seine Bahn und der Tag breitete sich vor uns aus wie ein großes, blaues Versprechen. Genau so darf ein Seetag sein. Kein Muss, kein Plan, keine Eile. Nur die Frage, ob man zuerst lesen, schauen, trinken, dösen oder sich im Pool abkühlen soll.

    Zwischendurch ging es natürlich in den Pool. Nicht, weil man unbedingt sportlich sein wollte – um Himmels willen –, sondern weil die karibische Sonne doch recht überzeugend daran erinnerte, dass Abkühlung eine sehr gute Idee ist. Also hinein ins Wasser, kurz treiben lassen, wieder hinaus, zurück auf die Liege, Sonnenbrille auf, Welt aus. Ein perfekt funktionierender Kreislauf.

    Überhaupt vergeht so ein Seetag auf seltsame Weise. Man tut wenig, aber ständig irgendetwas. Man geht eine Runde, holt sich etwas zu trinken, schaut aufs Meer, überlegt, ob man vielleicht jetzt wirklich endlich ein paar Seiten liest, beobachtet das Bordleben, diskutiert innerlich die Sinnhaftigkeit eines weiteren Getränks vor dem Mittag, schaut wieder aufs Meer und stellt dann überrascht fest, dass schon Nachmittag ist. Die Zeit an Bord hat ihre eigenen Regeln. Sie dehnt sich aus, verschwindet wieder und taucht plötzlich mit einem Cocktail in der Hand am Pooldeck auf. Upsi.

    Auch das Schiff selbst bekommt an Seetagen mehr Aufmerksamkeit. Man schaut bewusster, geht hierhin und dorthin, entdeckt Ecken, die man am Anreisetag nur im Vorbeigehen wahrgenommen hat. Die Mein Schiff 1 durfte sich nun also ein bisschen in Ruhe zeigen. Und wie immer stellte sich dieses angenehme Gefühl ein: Man kennt sich schnell aus, aber es gibt trotzdem genug zu entdecken. Groß genug für Abwechslung, überschaubar genug, um sich nicht ständig zu verlaufen.

    Der Tag plätscherte dahin. Im besten Sinne. Sonne, Pool, Meerblick, ein bisschen Menschenkino und immer wieder dieser Gedanke: Genau dafür fährt man Kreuzfahrt. Für diese Momente, in denen man nicht ankommt, sondern unterwegs ist. Und das Unterwegssein selbst der schönste Programmpunkt des Tages ist.

    Am Abend machten wir uns dann frisch und starteten einen neuen Versuch in Sachen Abendessen – diesmal im Atlantik Mediterran. Und siehe da: deutlich besser. Keine Legebatterie-Gefühle, keine durstigen Wartezeiten im Niemandsland, sondern ein entspannter Abend in schöner Atmosphäre. Manchmal braucht es eben nur einen zweiten Anlauf. Oder ein anderes Restaurant. Oder beides.

    Nach dem Essen zog es uns noch in die Schaubar. Dort wurde getanzt, gelacht und der Seetag sehr würdig verlängert. Die Schaubar hat ja ohnehin diese gefährliche Eigenschaft, dass man „nur kurz“ vorbeischauen möchte und dann plötzlich doch länger bleibt. Ein bisschen Musik, ein bisschen Bewegung, ein bisschen Urlaubsleichtigkeit – und schon fühlt sich der Abend rund an.

    Irgendwann war dann aber Schluss. Der frühe Morgen meldete sich zurück, die Sonne hatte ihr Übriges getan, und das Bett begann wieder mit seiner sehr nachdrücklichen Art der Kommunikation. Auch diesmal hörten wir brav darauf.

    Ein Seetag ohne große Ereignisse also – und gerade deshalb perfekt. Meer, Sonne, Pool, gutes Essen, Tanz in der Schaubar und dieses wunderbare Gefühl, dass der Urlaub jetzt endgültig im Körper angekommen ist.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Tag 4 – Dominica: Keine Wale, dafür Rum Punch, Schildkröte und sehr viel Unterhopfungsprävention

    Der nächste Morgen brachte uns nach Dominica. Nicht zu verwechseln mit der Dominikanischen Republik – auch wenn das in Gesprächen erstaunlich schnell passiert. Dominica ist viel kleiner, viel grüner, viel wilder und trägt den Beinamen „Nature Island“ nicht ohne Grund. Hier geht es weniger um endlose Hotelstrände und mehr um Regenwald, Wasserfälle, Vulkanlandschaften, heiße Quellen und eine Natur, die sich nicht hübsch frisiert präsentiert, sondern eher sagt: „So bin ich. Komm damit klar.“

    Und genau das macht diese Insel so spannend.

    Für heute hatten wir über TUI eine Wal- und Delfinsichtungstour gebucht. Also genau jene Art von Ausflug, bei der man schon beim Frühstück innerlich beginnt, optimistisch aufs Meer hinauszuschauen. Vielleicht sieht man ja schon vom Schiff aus eine Finne. Oder einen Sprung. Oder wenigstens irgendetwas, das man mit sehr viel Fantasie als Meeressäuger interpretieren könnte.

    Pünktlich ging es los. Alle waren motiviert, gespannt und voller Zuversicht. Wir stiegen in ein Speed-Schlauchboot, was dem Ganzen sofort einen Hauch von Abenteuer verlieh. Nicht ganz James Bond, aber doch deutlich dynamischer als „gemütliche Panoramafahrt“. Das Meer glitzerte, die Küste Dominicas lag grün und beeindruckend hinter uns, und irgendwo da draußen sollten sie also sein: Delfine, Wale, vielleicht sogar Pottwale, für die die Gewässer rund um Dominica bekannt sind.

    Heute allerdings hatten sie offenbar keinen Bock.

    Kein Delfin sprang fröhlich neben dem Boot her. Kein Wal zeigte majestätisch seine Fluke. Keine dramatische Musik, kein Gänsehautmoment, kein „Da! Da vorne!“. Nur Meer. Viel Meer. Schönes Meer, keine Frage – aber eben Meer ohne Hauptdarsteller.

    Und ja, natürlich ist man im ersten Moment ein bisschen enttäuscht. Man fährt ja nicht zur Wal- und Delfinsichtung, um anschließend beeindruckt festzustellen, dass Wasser nass ist. Aber genau das ist eben Natur. Tiere erscheinen nicht nach Fahrplan, sie halten sich nicht an Ausflugsbeschreibungen und sie lassen sich schon gar nicht von gebuchten Slots beeindrucken. Eigentlich auch sympathisch. Sie leben ihr Leben, und wir waren heute offenbar nicht Teil ihres Terminkalenders.

    Also haben wir innerlich beschlossen: Dann vereinbaren wir einfach eine neue Verabredung. Irgendwann. Irgendwo. Mit etwas mehr Verbindlichkeit bitte.

    Damit der Ausflug aber nicht nur aus hoffnungsvollem Horizont-Absuchen bestand, gab es noch einen Badestopp. Und Rum Punch. Sehr wichtig. Rum Punch hat in der Karibik ja fast schon medizinischen Charakter. Er tröstet, wärmt, erfrischt, stärkt und macht die Tatsache, dass die Wale heute anderweitig beschäftigt waren, deutlich leichter erträglich.

    Und als hätte die Natur dann doch ein kleines schlechtes Gewissen bekommen, zeigte sich zumindest noch eine Schildkröte. Ganz neugierig streckte sie ihren Kopf aus dem Wasser, schaute kurz in die Runde und verschwand wieder. Kein Wal, kein Delfin – aber immerhin eine Schildkröte mit Sinn für Timing.

    Man nimmt, was man bekommt. Und Schildkröten zählen definitiv zu den sehr schönen Überraschungen.

    Auf dem Rückweg zum Hafen fuhren wir noch am Heck der Mein Schiff 1 vorbei. Das ist ja immer ein eigener Moment, wenn man das Schiff vom Wasser aus sieht. Plötzlich wirkt die vertraute Lady noch größer, noch eleganter, noch mehr wie ein schwimmendes Zuhause. Man sitzt da im kleinen Boot, schaut hinauf und denkt sich: Ja, dort oben wartet gleich wieder unser Alltag auf Zeit. Mit Kabine, Balkon, Essen, Bars und Menschen, die vermutlich ebenfalls irgendwo zwischen Sonnencreme und Tagesprogramm ihr Glück suchen.

    Zurück an Bord gab es erst einmal einen kleinen Mittagssnack. Nichts Großes, aber genug, um die Kräfte zu sammeln. Denn Dominica war noch nicht fertig mit uns. Oder wir nicht mit Dominica.

    Am Nachmittag gingen wir noch einmal von Bord. Eigentlich war die Frage, ob überhaupt etwas geöffnet haben würde. Sonntag, Saisonende, Google meinte offenbar: eher nein. Aber wie so oft im Leben hatte Google nicht das letzte Wort. Das Ruins Rock hatte geöffnet. Warum? Vielleicht wegen der Mein Schiff 1. Vielleicht wegen Saisonende. Vielleicht einfach, weil die Karibik manchmal sehr vernünftige Entscheidungen trifft.

    Und es war die absolut richtige Entscheidung.

    Dort spielten die Caribbean Cowboys Live-Musik, und schon nach wenigen Minuten war klar: Das wird kein kurzer Stopp. Die Stimmung war großartig. Warm, laut, lebendig, völlig ungezwungen. Diese Art von Bar, in der man eigentlich nur kurz ein Bier trinken möchte und dann plötzlich mitten im Nachmittag steht, mitsingt, mittanzt und sich fragt, warum nicht jeder Sonntag so sein kann.

    Es war unfassbar heiß. Wirklich heiß. Also nicht „ein bisschen warm“, sondern karibisch konsequent. Da muss man natürlich aufpassen. Flüssigkeitshaushalt. Elektrolyte. Unterhopfung. Alles hochsensible Themen. Und wenn man verantwortungsbewusst reist, muss man solchen Risiken entschieden entgegenwirken.

    Also floss das Bier. Aus rein gesundheitlichen Gründen selbstverständlich.

    Wir tanzten, sangen mit, lachten, schwitzten und blieben tatsächlich den ganzen Nachmittag in dieser Bar hängen. Dominica hatte uns am Vormittag zwar keine Wale geschenkt, aber am Nachmittag dafür einen dieser ungeplanten Urlaubsmomente, die oft viel länger im Gedächtnis bleiben als perfekt durchorganisierte Programmpunkte. Eine Bar, Live-Musik, kaltes Bier, Hitze, gute Laune – manchmal braucht ein Reisetag gar nicht mehr, um besonders zu werden.

    Zurück an Bord merkte ich dann allerdings sehr deutlich, dass karibische Hitze, Speedboot, Rum Punch, Bar-Nachmittag und Unterhopfungsprävention gemeinsam durchaus Wirkung zeigen. Ich musste erst einmal ein halbes Stündchen ein Nickerchen machen, um den Abend überhaupt noch realistisch erleben zu können. Man wird ja nicht jünger. Und Urlaub ist manchmal erstaunlich anstrengend für etwas, das offiziell Erholung heißt.

    Nach dieser kurzen Wiederherstellung meiner gesellschaftlichen Grundfunktionen ging es zum Abendessen. Wieder in den Fischmarkt. Ich erkenne langsam ein Muster. Aber warum auch nicht? Wenn etwas passt, passt es. Und nach so einem Tag war uns offenbar wieder nach unkompliziert, gut und vertraut.

    Danach schauten wir noch kurz in der Schaubar vorbei. Wirklich nur kurz. Der Tag war voll gewesen – anders als geplant, aber genau deshalb schön. Dominica zeigte sich nicht von der inszenierten Seite. Eher von der echten. Wild, grün, unberechenbar, herzlich und ein bisschen chaotisch.

    Und vielleicht war genau das am Ende das Beste daran.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Tag 5 – Barbados: Palmen, Rum und einmal quer durchs Postkartenalbum

    Der nächste Morgen begann in Bridgetown auf Barbados – und zwar mit einem klassischen Kreuzfahrt-Schauspiel: Wechseltag. Gefühlt stieg das halbe Schiff aus, neue Gäste kamen an Bord, Koffer rollten, Menschen suchten Wege, Crews arbeiteten im Hintergrund auf Hochtouren und überall lag diese ganz eigene Mischung aus Abschied, Neubeginn und leichtem Logistik-Chaos in der Luft.

    Für uns blieb die Mein Schiff 1 zum Glück weiterhin unser Zuhause. Kein Kofferpacken, kein Heimflug, kein trauriges Winken vom Terminal. Wir durften bleiben, immerhin sind wir ja auch gerade erst angekommen – und hatten heute sogar ein richtig schönes Programm vor uns: „Best of Barbados“ mit Stephanie, eine deutschsprachige private Kleingruppen-Tour. Einmal rund um die Insel, mit Fotostopps an den schönsten und eindrucksvollsten Plätzen. Genau mein Ding. Möglichst viel sehen, möglichst viel erfahren und zwischendurch bitte genug Zeit für Fotos, Staunen und karibisches Glück.

    Barbados ist eine Insel, die schon beim Namen ein bisschen nach Musik klingt. Gleichzeitig hat sie eine ganz eigene Geschichte, eine starke britische Prägung und dieses besondere karibische Selbstbewusstsein, das man schnell spürt. Hier trifft Kolonialgeschichte auf Strandgefühl, Zuckerrohr-Vergangenheit auf Rumkultur und gepflegte Westküste auf wilde Atlantikseite. Oder einfacher gesagt: Barbados kann mehr als nur schön daliegen. Wobei es auch das wirklich sehr überzeugend macht.

    Unsere Tour startete am Hafen und führte uns zunächst entlang des Highway No. 1 in Richtung Westküste. Vorbei an Bridgetown, hinaus in jene Gegend, in der sich Luxushotels, elegante Villen und typisch karibische Chattel Houses abwechseln. Diese kleinen, meist bunten Holzhäuser sind ein Stück Inselgeschichte. Früher konnten sie abgebaut und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden – praktisch, wenn man kein eigenes Land besaß, aber trotzdem ein Zuhause brauchte. Heute wirken sie wie kleine Farbtupfer zwischen Palmen, Gärten und dem großen karibischen Blau.

    Die Westküste von Barbados zeigt sich dabei eher von ihrer feinen Seite. Holetown, heute ein Zentrum für Shopping, schicke Hotels und die Reichen und Schönen der Insel, wirkt deutlich herausgeputzt. Man kann sich gut vorstellen, dass hier Kreditkarten etwas nervöser werden. Weiter ging es nach Speightstown, einer kleinen Stadt mit kolonialem Charme, alten Holzhäusern und einer Atmosphäre, die deutlich ruhiger und ursprünglicher wirkt. Ein bisschen so, als hätte Barbados dort kurz auf die Pausetaste gedrückt.

    Danach veränderte sich die Landschaft. Wir fuhren weiter ins Inselinnere und langsam hinauf Richtung Cherry Tree Hill. Vorbei an St. Nicholas Abbey, einer historischen Plantage, und an der Morgan Lewis Mill, einer vollständig erhaltenen Zuckerwindmühle. Man merkt auf Barbados sehr schnell: Zucker war hier nicht einfach nur ein landwirtschaftliches Produkt, sondern über Jahrhunderte ein prägender Teil der Inselgeschichte. Und wo Zucker ist, ist Rum natürlich nicht weit. Eine sehr sympathische Konsequenz, zumindest aus heutiger Urlaubsperspektive.

    Oben am Cherry Tree Hill wartete dann einer dieser Ausblicke, bei denen man automatisch etwas langsamer wird. Vor einem breitet sich die Ostküste aus, grün, weit und wild, ganz anders als die ruhige, elegante Westseite. Barbados zeigte hier plötzlich eine andere Persönlichkeit. Weniger Cocktailkarte, mehr Naturgewalt. Weniger „bitte noch ein Foto mit Palme“, mehr „wow, der Atlantik meint das ernst“.

    Was das Meer behält ⚓️

    Einmal editiert, zuletzt von Alexandra1201 (8. Mai 2026 um 09:58)

  • Auf dem Weg zur Ostküste fuhren wir vorbei an Mango- und Brotfruchtbäumen und natürlich an den berühmten „bärtigen Bäumen“, denen Barbados angeblich seinen Namen verdankt. Der Name soll auf portugiesische Seefahrer zurückgehen, die die herabhängenden Luftwurzeln bestimmter Feigenbäume an Bärte erinnerten. Sehr charmant eigentlich. Andere Inseln heißen nach Heiligen, Barbados heißt sinngemäß nach Bart. Muss man auch erst einmal schaffen.

    Dann erreichten wir Bathsheba. Und Bathsheba ist kein Ort, den man einfach nur besucht. Bathsheba inszeniert sich. Dramatisch, grün, rau, wunderschön. Die Atlantikküste rauscht, die Wellen rollen mit Nachdruck an, Palmen hängen sich fotogen in die Landschaft und draußen im Wasser stehen die berühmten Felsen, als hätte jemand riesige Steine ins Meer geworfen und vergessen, sie wieder wegzuräumen. Die sogenannten „Wunderfelsen“ lassen der Fantasie tatsächlich freien Lauf. Je nachdem, wie lange man hinschaut, erkennt man Tiere, Gesichter, Burgen oder vermutlich auch Dinge, die nur nach zu viel Sonne sichtbar werden.

    Bathsheba ist außerdem ein bekannter Ort für Surfer. Und wenn man die Wellen dort sieht, versteht man auch sofort warum. Das ist kein sanftes Planschwasser, sondern Atlantik mit Temperament. Während wir staunten und fotografierten, zeigten draußen ein paar Surfer ihr Können. Ich hingegen zeigte mein Können darin, möglichst viele Fotos von denselben Felsen aus minimal unterschiedlichen Winkeln zu machen. Auch eine Kunst.

    Nach so viel Landschaft wurde es Zeit für eine Stärkung. Und was passt auf Barbados besser als ein Rum Shop? Dort gab es traditionelle Fishcakes – kleine, würzige Fischbällchen, außen knusprig, innen aromatisch – und dazu Barbados Rum oder Bier. Eine sehr vernünftige Kombination. Man muss schließlich auch die kulinarische Kultur eines Landes ernst nehmen. Rein aus Bildungsgründen natürlich.

    Gut gestärkt ging es weiter zu einem der absoluten Postkartenmotive der Insel: Bottom Bay. Und ja, Bottom Bay sieht wirklich so aus, wie man sich Karibik vorstellt, wenn man gerade besonders kitschig denkt. Eine weiße Sandbucht, türkisfarbenes Wasser, Palmen, die sich elegant in die richtige Richtung neigen, und diese Kulisse, bei der man sofort versteht, warum hier schon Filme und Werbespots gedreht wurden. Bacardi-Feeling pur. Man möchte beinahe automatisch barfuß durchs Bild laufen, eine Flasche Rum in der Hand halten und so tun, als wäre das der normale Alltag. Aber genug fantasiert.

    Bottom Bay gehört zu diesen Orten, bei denen man weiß: Das Foto wird der Wirklichkeit vermutlich trotzdem nicht ganz gerecht. Man steht dort, schaut hinunter auf die Bucht und denkt sich: Ja, genau so darf die Karibik aussehen. Keine Einwände.

    Anschließend ging es entlang der quirligen Südküste weiter. Wieder weiße Strände, wieder türkisfarbenes Wasser, aber mit deutlich mehr Leben. Vorbei am traditionellen Fischmarkt von Oistins, wo freitags beim Fish Fry offenbar die ganze Insel zusammenzukommen scheint. Fisch, Musik, Menschen, Essen, Stimmung – das muss man sich für einen weiteren Barbados-Besuch definitiv merken.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Unser Badestopp führte uns schließlich zur Carlisle Bay. Und das war ein sehr würdiger Abschluss dieser Inseltour. Die Bucht liegt nahe bei Bridgetown und ist bekannt für hellen Sand, ruhiges Wasser und dieses klassische Karibikblau, das man eigentlich nicht mehr erklären muss. Besonders erfreulich: Zwei Liegen plus Schirm kosteten in Summe 10 US-Dollar. In Summe! Für zwei Personen! Als Tourist rechnet man ja inzwischen automatisch mit „mindestens das Doppelte und vermutlich noch irgendetwas obendrauf“, daher fühlte sich das fast schon wie ein kleiner Triumph an. Auch wenn wir diesen ehrlicherweise Stephanie zu verdanken hatten.

    Nach all den Eindrücken war es herrlich, einfach noch ein bisschen am Strand zu liegen, ins Wasser zu gehen und den Tag sacken zu lassen. Barbados hatte an diesem einen Tag erstaunlich viele Gesichter gezeigt: elegant, historisch, grün, wild, genussvoll und dann wieder ganz klassisch karibisch. Genau so liebe ich Ausflüge – wenn man am Ende nicht nur schöne Fotos hat, sondern auch das Gefühl, eine Insel zumindest ein kleines Stück verstanden zu haben.

    Gegen 16:30 Uhr waren wir zurück am Schiff. Müde, warm, voll mit Eindrücken und sehr froh, dass die Mein Schiff 1 firedlich im Hafen lag und auf uns wartete. Es ist schon ein schönes Gefühl, nach einem langen Ausflug wieder dieses vertraute Schiff vor sich zu sehen. Als würde jemand sagen: Komm, jetzt darfst du dich wieder ausruhen.

    Am Abend entschieden wir uns für den Fischmarkt. Nach Barbados, Atlantikküste, Fishcakes und Rum passte das irgendwie wunderbar. Kein großes Abendprogramm, kein langes Herumwandern, einfach gutes Essen und langsam wieder runterkommen. Danach schauten wir noch ganz kurz in der Schaubar vorbei, aber der Tag hatte uns ordentlich gefordert. So viele Eindrücke, so viel Sonne, so viele Kurven, Fotostopps und Inselgeschichten – irgendwann ist auch das aufnahmefreudigste Urlaubshirn voll.

    Also wurde es ein kurzer Abend. Ein sehr kurzer.

    Barbados hatte geliefert. Und wir fielen ins Bett mit dem wunderbaren Gefühl, an einem einzigen Tag einmal quer durchs karibische Postkartenalbum gereist zu sein.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Tag 6 – Barbados, zweiter Akt: Strandtage sind auch Kultur

    Overnight-Stopps sind einfach ein Traum. Wirklich. Es ist ein völlig anderes Gefühl, wenn man morgens aufwacht und nicht denkt: „Schnell, schnell, wir müssen gleich wieder los“, sondern ganz entspannt feststellt: Wir sind noch da. Die Insel wartet noch. Kein hektischer Blick auf die Uhr, kein nervöses Rechnen, wann man spätestens zurück am Schiff sein muss, kein innerer Kreuzfahrt-Wecker, der ständig mahnt: „Alle Mann an Bord nicht vergessen!“

    Nein, Barbados gönnte uns einen zweiten Tag. Und wir gönnten uns dafür genau das, was nach einer intensiven Inseltour am Vortag dringend notwendig war: einen Strandtag. Wissenschaftlich betrachtet quasi Regeneration. Medizinisch sicher wertvoll. Seelisch sowieso.

    Um 9:30 Uhr waren wir bereits im Copacabana Beachclub an der Carlisle Bay. Also zu einer Uhrzeit, zu der man sich im Urlaub durchaus selbst gratulieren darf, weil man schon produktiv war – wobei „produktiv“ in diesem Fall bedeutete: Liege sichern, Schirm organisieren, aufs Meer schauen und innerlich applaudieren. Auch das muss man erst einmal schaffen.

    Das Wetter war herrlich. Barbados zeigte sich noch einmal von seiner schönsten Seite: Sonne, Wärme, weißer Sand, türkisfarbenes Wasser und dieses Licht, das alles ein bisschen unwirklich macht. Die Carlisle Bay ist aber auch wirklich eine Bucht wie aus dem Karibik-Lehrbuch. Sanft geschwungen, hell, freundlich, mit Wasser, das so klar und einladend ist, dass man beinahe vergisst, dass man eigentlich nur kurz mit den Füßen hineinwollte.

    Aus „kurz“ wurde natürlich länger. Viel länger.

    Wir verbrachten den Tag mit Schwimmen. Oder sagen wir: mit im Wasser stehen und beobachten. Man will sich ja schließlich nicht verausgaben. Urlaub ist kein Leistungssport, und ich finde, das sollte viel öfter betont werden. Also standen wir im angenehm warmen Wasser, ließen uns ein bisschen treiben, schauten Richtung Strand, Richtung Schiff, Richtung Horizont und fühlten uns dabei ausgesprochen beschäftigt. Es gibt ja auch viel zu beobachten: Wellen, Menschen, Boote, Farben, Wolken, Möwen – und natürlich die wichtige Frage, ob das Wasser nun eher türkis, aquamarin oder komplett unverschämt schön ist.

    Zwischendurch ging es zurück auf die Liege, dann zur Bar, dann wieder ins Wasser, dann wieder auf die Liege und wieder zur Bar. Ein perfekter Kreislauf. Einer dieser Tage, an denen nichts Spektakuläres passieren muss, weil das Spektakel ohnehin rundherum stattfindet. Die Karibik macht das schon. Man muss nur anwesend sein und hin und wieder sehr zufrieden seufzen.

    Der Copacabana Beachclub war dafür genau richtig. Nah am Hafen, unkompliziert, mit allem, was man für einen ordentlichen Strandtag braucht – und vor allem mit dieser wunderbaren Möglichkeit, ganz entspannt zwischen Liege, Bar und Meer zu pendeln. Mehr Programm hätte es gar nicht gebraucht. Nach der großen Barbados-Rundfahrt vom Vortag war dieser zweite Tag wie ein tiefes Durchatmen. Gestern die Insel entdecken, heute die Insel fühlen. Mit den Füßen im Sand und Salz auf der Haut.

    Gegen 15 Uhr machten wir uns dann langsam wieder auf den Rückweg zum Schiff. Nicht, weil wir weg wollten. Natürlich nicht. Aber irgendwann muss man ja so tun, als hätte man ein gewisses Verantwortungsgefühl. Außerdem wartete die Mein Schiff 1, und auch das ist ja kein schlechter Ort, um den Tag fortzusetzen.

    Zurück an Bord kam wieder dieses vertraute Gefühl auf: Man kehrt nicht einfach auf ein Schiff zurück, sondern in sein gar nicht mal so kleines schwimmendes Zuhause. Kabine, Balkon, Bars, Restaurants, Wege, die man nach wenigen Tagen schon automatisch geht – und überall dieses angenehme Bordgefühl, das einen sofort wieder einfängt.

    Am Abend stand dann zuerst ein Programmpunkt an, der sehr vielversprechend klang: unsere erste Tanzstunde bei Kathi, Gastkünstlerin und Spezialistin im Bereich Dancingtainment. In der Arena auf Deck 14 wurde Bachata getanzt. Und was soll ich sagen: herrlich. Bachata passt ja grundsätzlich sehr gut zur Karibik. Warm, rhythmisch, ein bisschen weich in den Knien – wobei Letzteres bei uns vermutlich nicht ausschließlich am Rhythmus lag. Aber egal. Es machte Spaß, es war locker, und es fühlte sich wunderbar passend an, nach einem Tag auf Barbados nun auch noch karibische Musik in die Beine zu bekommen.

    Danach ging es zum Abendessen ins Atlantik Mediterran. Nach dem Strandtag, der Sonne und der kleinen Tanzsession war das genau der richtige Rahmen für einen schönen Abend. Nicht zu hektisch, nicht zu laut, einfach angenehm. Essen, sitzen, den Tag noch einmal Revue passieren lassen und sich dabei langsam bewusst werden, wie gut diese Reise gerade tut.

    Natürlich durfte auch der Schlummertrunk nicht fehlen. Manche Traditionen muss man pflegen. Danach wurde es aber noch einmal besonders schön: Das Auslaufen aus Barbados erlebten wir diesmal auf unserem Balkon.

    Und heute musste der Graf von Unheilig seine Hymne nicht alleine singen.

    Wir standen draußen, blickten auf die Lichter von Barbados, auf den Hafen, auf das dunkler werdende Meer, und langsam setzte sich die Mein Schiff 1 wieder in Bewegung. Auslaufen hat immer etwas Melancholisches und zugleich Aufregendes. Man lässt einen Ort zurück, an dem man gerade erst angekommen war, und fährt trotzdem voller Vorfreude weiter. Hinter einem verblassen die Lichter, vor einem wartet das nächste Ziel. Genau das ist Kreuzfahrt in ihrer schönsten Form.

    Voller Dankbarkeit blickten wir zurück auf zwei wunderbare Tage auf Barbados. Auf die wilde Ostküste, Bathsheba und Bottom Bay. Auf Rum, Fishcakes, Palmen und die Carlisle Bay. Auf einen Strandtag, der keiner großen Worte bedurfte, weil er einfach schön war. Und auf dieses gute Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein.

    Barbados hatte uns auch diesmal wieder mit offenen Armen empfangen – und mit Sonne, Meer und einer ordentlichen Portion Karibik wieder verabschiedet.

    Als die Insel langsam kleiner wurde und die Mein Schiff 1 hinaus in die Nacht glitt, blieb vor allem eines: Dankbarkeit. Für diese Reise, für diese Tage, für das Meer und für alles, was noch kommen würde.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Tag 7 – Grenada: Gewürzinsel, Grand Anse und ein Tag im Barfußmodus

    Nach den vielen Eindrücken der vergangenen Tage beschlossen wir heute etwas sehr Vernünftiges: ausschlafen. Also zumindest das, was auf Kreuzfahrten als Ausschlafen gilt. Kein Wecker, kein früher Treffpunkt, kein hektisches „Haben wir alles?“, sondern einfach einmal langsamer in den Tag starten. Herrlich.

    Unser nächster Halt war Grenada – die berühmte Gewürzinsel der Karibik. Schon der Name klingt nach Muskatnuss, Zimt, Nelken, Vanille und allem, was zuhause in der Küche meistens viel zu ordentlich in kleinen Gläsern steht. Hier wächst vieles davon tatsächlich, und die Insel trägt ihren Beinamen nicht aus Marketinggründen, sondern weil Gewürze über Jahrhunderte ein wichtiger Teil ihrer Geschichte und Identität waren. Eine Insel also, die nicht nur schön aussieht, sondern im besten Fall auch gut duftet.

    Heute stand allerdings kein großes Inselprogramm auf dem Plan. Wir wollten an den Strand. Ganz einfach. Ganz klassisch. Ganz karibisch.

    Also nahmen wir das Water Taxi zum Grand Anse Beach. Schon diese kurze Fahrt übers Wasser hatte etwas Urlaubsfilmhaftes. Hafen hinter uns, Meer unter uns, Strand vor uns – mehr Dramaturgie braucht es manchmal gar nicht. Und der Grand Anse Beach lieferte dann genau das, was man von einem karibischen Strand erwartet: heller Sand, türkisblaues Wasser, Palmen, Wärme und dieses entspannte Gewusel aus Sonnenhungrigen, Booten und Menschen, die alle ungefähr dasselbe Ziel hatten: möglichst wenig tun und dabei möglichst glücklich aussehen.

    Wir suchten uns ein schönes Plätzchen und schalteten in den Barfußmodus. Baden, schauen, lesen, trinken, Fotos machen – ein sehr ausgewogenes Tagesprogramm. Man muss ja schließlich Prioritäten setzen. Und wenn man schon an einem der bekanntesten Strände Grenadas sitzt, wäre es geradezu unhöflich, nicht ausgiebig aufs Meer zu schauen.

    Das Wasser war herrlich. Warm, klar und einladend. Also hinein. Wobei „schwimmen“ auch hier wieder großzügig ausgelegt werden darf. Man bewegt sich ein bisschen, steht dann wieder im Wasser, schaut Richtung Strand, lässt die kleinen Wellen kommen und gehen und nennt das Ganze sehr zufrieden „aktiv erholen“. Ich finde, das zählt.

    Zwischendurch spazierten wir am palmengesäumten Strand entlang. Der Grand Anse zieht sich lang und sanft geschwungen an der Küste entlang, und bei jedem Schritt versteht man ein bisschen besser, warum Grenada so viele Karibikherzen erobert. Es ist nicht dieses laute, überdrehte Schön. Eher ein warmes, freundliches, angenehmes Schön. Eine Insel, die nicht schreit: „Schau mich an!“, sondern lächelt und genau weiß, dass man ohnehin hinschaut.

    Natürlich wurden Fotos gemacht. Viele Fotos. Vom Strand, vom Wasser, von Palmen, vom Schiff in der Ferne, von Dingen, die auf Fotos später vermutlich alle sehr ähnlich aussehen werden, aber in dem Moment unbedingt festgehalten werden mussten. So ist das eben. Wenn die Karibik so schön herumliegt, muss man dokumentarisch tätig werden.

    Gegen 15 Uhr machten wir uns wieder auf den Weg zurück zum Hafen. Nicht, weil wir genug gehabt hätten – das hat man von solchen Stränden ja eher selten –, sondern weil ein Kreuzfahrtschiff bekanntlich auch gewisse Abfahrtsambitionen hat. Und auch wenn die Mein Schiff 1 sehr sympathisch ist: Warten würde sie vermutlich nicht ewig.

    Zurück im Hafen stand noch ein kleiner Pflichtprogrammpunkt an: Magnet kaufen. Ohne Magnet kein vollständiger Landgang. So einfach ist das. Danach drehten wir noch eine kleine Runde durch den Bereich rund um den Hafen und machten ein paar Fotos. Grenada verabschiedete sich damit ganz entspannt von uns – ohne großes Drama, aber mit viel Farbe, Wärme und diesem angenehmen Gefühl, einen schönen, unkomplizierten Strandtag gehabt zu haben.

    Am Abend ging es wieder an Bord weiter. Zuerst stand Tanzstunde auf dem Programm, was sich auf dieser Reise langsam zu einem unserer liebsten Rituale entwickelte. Tanzen auf See – das hat schon etwas Besonderes. Vor allem, wenn man ohnehin gerne tanzt und sich freut, dass es an Bord nicht nur Essen, Bars und Liegen gibt, sondern auch ein bisschen Bewegung mit Musik und Urlaubsgefühl.

    Danach besuchten wir noch „Tante Woo“ im Theater. Ein schöner Abschluss für einen Tag, der tagsüber ganz im Zeichen von Sonne, Strand und Meer gestanden hatte und abends noch ein bisschen Bordunterhaltung bekam.

    Grenada war kein Tag der großen Abenteuer, keine Insel der dramatischen Kurvenstraßen oder überwältigenden Aussichtspunkte. Grenada war heute unser Pausentag in schön. Ein Tag zum Durchatmen, zum Baden, zum Spazieren, zum Schauen und zum Genießen.

    Und manchmal ist genau das der größte Luxus: nichts müssen, viel Meer haben und am Ende des Tages mit Sand an den Füßen und einem neuen Magneten im Gepäck zurück aufs Schiff kommen.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Tag 8 – St. Lucia: Große Insel-Liebe, Pitons-Magie und ein Abschied mit Kloß im Hals

    Unser letzter Hafen in der Karibik. Allein dieser Satz fühlte sich schon beim Aufwachen falsch an. Letzter Karbik-Hafen. Letzte Karibik-Insel. Und dann auch noch St. Lucia – eine meiner absoluten Lieblingsinseln.

    St. Lucia ist für mich keine Insel, die man einfach nur „schön“ nennt. Das wäre fast zu wenig. St. Lucia ist üppig, grün, dramatisch, weich und wild zugleich. Eine Insel, die nach Regenwald duftet, nach Meer glitzert und mit ihren berühmten Pitons eine Kulisse bietet, die beinahe zu perfekt wirkt, um echt zu sein. Die beiden vulkanischen Felsspitzen bei Soufrière gehören zum UNESCO-Welterbe und sind wohl eines der bekanntesten Wahrzeichen der Karibik.

    Für heute hatten wir eine deutschsprachige Land-&-See-Tour mit Angelika Serville gebucht. Treffpunkt war um 8 Uhr am Hafen von Castries – also zu einer Uhrzeit, die im Urlaub schon wieder nach leichter Körperverletzung klingt, aber für St. Lucia steht man auf. Sogar ich.

    Der erste Stopp führte uns zum Aussichtspunkt am Morne Fortune. Und schon dort war klar: St. Lucia macht keine halben Sachen. Unter uns lag Castries mit dem Hafen, dahinter das Blau des Meeres und irgendwo mittendrin unsere Mein Schiff 1, die plötzlich fast klein wirkte und doch sehr majestätisch in dieser großen, grünen Kulisse. Ein wunderbarer erster Blick auf die Insel – und ein sanfter Hinweis darauf, dass dieser Tag wohl ziemlich besonders werden würde.

    Weiter ging es entlang der Westküste. Die Straße schlängelte sich durch eine Landschaft, die man kaum beschreiben kann, ohne sofort in Reisekatalog-Sprache abzurutschen. Überall Grün. Nicht einfach nur grün, sondern Grün in allen Varianten: satt, glänzend, wild, weich, tropisch, überbordend. Bananenstauden, Palmen, Blüten, Hügel, Täler – St. Lucia scheint landschaftlich keine Zurückhaltung zu kennen.

    Dann der Blick auf die Marigot Bay von oben. Auch so ein Ort, bei dem man kurz still wird. Die Bucht liegt da wie ein gut gehütetes Geheimnis, eingerahmt von Hügeln und Palmen, ruhig und elegant. Man versteht sofort, warum sie als eine der schönsten Buchten der Karibik gilt. Von oben wirkt sie fast wie gemalt – nur mit echter Luftfeuchtigkeit.

    Während der Fahrt erfuhren wir unglaublich viel über die Insel, ihre Pflanzenwelt, ihre Geschichte und das Leben auf St. Lucia. Und ich merkte ziemlich schnell: Ich verliebe mich gerade ein weiteres Mal in diese Insel. Wobei die größte Liebe natürlich neben mir saß. Mein Mann. Nur damit das hier keine Missverständnisse gibt. St. Lucia ist großartig, aber an Wolfgang kommt sie natürlich nicht vorbei.

    An der größten Bananenplantage hielten wir ebenfalls. Bananen gehören hier nicht einfach nur zum Frühstücksbuffet, sondern sind Teil der Inselgeschichte und bis heute ein wichtiges landwirtschaftliches Produkt. Und wenn man dann zwischen dieser tropischen Vegetation steht, versteht man plötzlich auch, warum Bananen aus der Karibik irgendwie nach mehr klingen als nach Obstschale.

    Besonders schön war auch der Stopp mit Bananenbrot-Verkostung. Dazu karibische Live-Klänge – diese Trommeln oder Steelpan-artigen Klänge, bei denen ich wieder einmal feststellte, dass ich nicht genau weiß, wie sie heißen, aber sofort weiß, wie sie sich anfühlen. Nämlich nach Urlaub. Nach Sonne. Nach „bitte genau so weitermachen“. Das Bananenbrot war köstlich, die Musik tat ihr Übriges, und der Tag bekam langsam diesen besonderen St.-Lucia-Rhythmus.

    Dann näherten wir uns Soufrière. Und plötzlich waren sie da: die Pitons. Erst aus der Ferne, dann immer präsenter, immer mächtiger. Gros Piton und Petit Piton ragen nicht einfach nur aus der Landschaft, sie dominieren sie. Zwei grüne Vulkanspitzen, die wie Wächter über dem Meer stehen und jedem Foto sofort Drama verleihen. Die UNESCO beschreibt das Gebiet als vulkanische Landschaft mit Meeres- und Korallenriffbereich – und genau diese Mischung aus Land, Meer, Fels und tropischer Üppigkeit macht die Kulisse so einzigartig.

    Am Aussichtspunkt oberhalb von Soufrière war es dann endgültig vorbei mit meiner emotionalen Stabilität. Dieser Blick. Die Stadt, das Meer, die Pitons, das Licht. St. Lucia kann schon sehr viel. Vielleicht sogar zu viel für ein gewöhnliches Urlauberherz.

    Zum Mittagessen ging es ins Restaurant Old Mill, auf dem Gelände einer ehemaligen Zuckerrohrplantage. Und auch hier: wieder dieses Gefühl, mitten in einem botanischen Garten zu sitzen. Überall Pflanzen, tropische Farben, warmes Licht und eine Atmosphäre, die gleichzeitig rustikal und wunderschön war. Das Buffet war ausgezeichnet – Fisch, Hähnchen, Gemüse, Beilagen, Salat – genau richtig nach einem Vormittag voller Eindrücke und Kurvenstraßen.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Danach besuchten wir das Morne Coubaril Estate, eine ehemalige Zuckerrohr- und Kakaoplantage bei Soufrière. Dort bekommt man einen Einblick in die frühere Plantagenwelt, in traditionelle Verarbeitungsschritte und in die Natur der Insel; laut Betreiber geht die Anlage historisch bis ins 18. Jahrhundert zurück und widmet sich u. a. Zuckerrohr, Kakao und Kokos.

    Bei unserem Rundgang wurde unter anderem die Kakao-Herstellung vorgeführt. Und ich finde ja, Kakao direkt dort zu erleben, wo er wächst und verarbeitet wird, macht Schokolade gleich noch ein bisschen heiliger. Man sieht die Früchte, die Verarbeitung, die Arbeit dahinter – und denkt sich: Ja, das ist nicht nur Nascherei, das ist Kultur. Sehr wichtige Kultur sogar.

    Dann kam der Wechsel vom Land aufs Meer. Am Jetty in Soufrière wartete unser Speedboot. Zwei Mal 300 PS. Also ordentlich Wumms. Genau mein Ding – zumindest solange ich nicht vorne sitze und versuche, elegant auszusehen, während das Boot über die Wellen fliegt.

    Die Fahrt zum Sugar Beach war ein Highlight. Schon allein, weil man St. Lucia vom Wasser aus noch einmal völlig anders erlebt. Die Pitons rücken näher, die Küste wirkt noch dramatischer, und plötzlich befindet man sich mitten in dieser Kulisse, die man vorher von Aussichtspunkten aus bewundert hat. Sugar Beach liegt direkt zwischen den beiden Pitons – und das ist wirklich ein Ort, bei dem man sich kurz fragt, ob die Realität vielleicht ein bisschen übertreibt.

    Zwei Stunden hatten wir dort Zeit. Zwei Stunden zwischen den Pitons. Zwei Stunden schwimmen, schauen, staunen, Rum Punch trinken, Bier genießen und versuchen, diesen Ort irgendwie abzuspeichern. Nicht nur auf Fotos, sondern im Kopf. Im Herzen. Irgendwo dort, wo man besondere Reisemomente sammelt.

    Natürlich wurde geschwommen. Oder zumindest sehr überzeugend im Wasser verweilt. Der Blick vom Meer auf die Pitons ist einfach magisch. Man steht da im Wasser, schaut auf diese grünen Riesen und denkt: Das ist jetzt wirklich mein Leben gerade. Genau hier. Genau jetzt.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Irgendwann hieß es dann Abschied nehmen vom Sugar Beach. Mit dem Speedboot ging es zurück Richtung Castries, und wir ließen diese magische Kulisse zwischen den Pitons langsam hinter uns. Das tat fast ein bisschen weh. Gleichzeitig war die Fahrt selbst wieder ein Erlebnis: Wind, Wasser, Sonne, Küste – und dieses wunderbare Gefühl, noch einmal ein letztes großes Karibikbild geschenkt zu bekommen.

    Unterwegs machten wir noch einen Schlenker durch die Marigot Bay. Am Vormittag hatten wir sie von oben gesehen, jetzt also von unten. Auch das war wunderschön. Die Bucht wirkt vom Wasser aus noch geschützter, fast versteckt, wie ein kleiner Zufluchtsort zwischen den grünen Hängen. Insgesamt dauerte die Rückfahrt knapp 50 Minuten – und sie verging viel zu schnell.

    Zurück im Hafen musste natürlich noch ein kleines bisschen eingekauft werden. Magnete sowieso – das ist ja fast eine gesetzliche Verpflichtung. Und dann fand ich noch meine geliebte Damn Hot Pepper Sauce. Ich liebe sie. Wirklich. Diese Sauce ist nicht einfach scharf, sie hat Charakter. Und wenn man ein Stück Karibik mit nach Hause nehmen kann, dann bitte in Form von Magneten und einer Sauce, die einem später daheim kurz die Geschmacksknospen neu sortiert.

    Das Auslaufen aus St. Lucia erlebten wir an Deck. Und ja, ich hatte ein paar Tränchen in den Augen. Aus Dankbarkeit. Aus Abschiedsschmerz. Aus diesem seltsamen Gefühl heraus, dass man gerade etwas sehr Schönes erlebt hat und gleichzeitig weiß, dass es nun vorbei ist. Aber zum Glück nur der Teil in der Karibik.

    Die Insel wurde langsam kleiner, die Pitons blieben als Silhouette zurück, und mein Herz war ziemlich voll. St. Lucia hatte uns wieder erwischt. Mit all ihrem Grün, ihrer Wärme, ihren Ausblicken, ihrer Musik, ihrem Rum Punch und dieser ganz eigenen Magie.

    Am Abend stand noch eine Tanzstunde auf dem Programm – heute Mambo. Für uns als begeisterte Tänzer, die auch zuhause zweimal wöchentlich in der Tanzschule sind, war das wirklich ein Highlight dieser Reise. Dass es an Bord diese Möglichkeit gab, hat uns total gefreut. Tanzen auf See, nach einem Tag wie diesem – das passt einfach. Rhythmus in den Füßen, Karibik im Herzen, Schiff unter uns. Viel besser kann man einen solchen Tag kaum ausklingen lassen.

    Später ließen wir den Abend noch ruhig ausklingen.

    Goodbye, Karibik. Du Traum. Du warst warm, wild, bunt, laut, grün, salzig, süß, scharf, musikalisch und wunderschön. Und während wir St. Lucia hinter uns ließen, blieb vor allem eines: tiefe Dankbarkeit. Für diese Tage. Für diese Reise. Für all die Momente, die man nicht planen kann, aber nie wieder vergisst.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Alexandra1201 ein toller Reisebericht mit den herrlichen Karibik-Fotos. :love:

    Ganz besonders gefällt mir Dein Schreibstil. Man könnte glauben, Du schreibst auch Bücher oder evtl. Kolumnen.

    Unsere 2wöchige Karibik-Kreuzfahrt (keine Transreise) mit den vielen Inseln ist schon lange her. Ich denke aber gerne daran zurück.

    Saludos, Ulla :)

  • Tag 9 – Atlantiküberquerung, Seetag 1: Wir laufen gegen den Kapitän

    Nun lagen sie also vor uns: sieben Seetage am Stück. Sieben Tage Atlantik. Sieben Tage ohne Hafen, ohne Ausflugstreffpunkt, ohne „alle Mann an Bord“, ohne Magnetenkaufverpflichtung und ohne die Frage, ob man jetzt zuerst zum Strand, zum Aussichtspunkt oder zur Rumverkostung muss.

    Ab jetzt hieß es: Meer. Viel Meer. Sehr viel Meer.

    Ich muss ja sagen, eine Atlantiküberquerung hat etwas ganz Eigenes. Man fährt nicht einfach von einer Insel zur nächsten, sondern lässt die Karibik langsam hinter sich und fährt Stück für Stück zurück Richtung Europa. Nicht abrupt, nicht hektisch, sondern in diesem gemächlichen, fast feierlichen Tempo, das nur ein Schiff kann. Vor einem liegt der Atlantik, hinter einem die Erinnerungen an Palmen, Rum Punch und türkisfarbenes Wasser – und irgendwo dazwischen bewegt man sich selbst, leicht salzig, tiefenentspannt und mit wachsender Achtung vor der Größe dieses Ozeans.

    Der erste Seetag begann so, wie ein Seetag beginnen sollte: mit Ausschlafen. Also richtigem, ehrlichem, wunderbarem Ausschlafen. Kein Wecker, kein Treffpunkt um 8 Uhr, kein „wir müssen aber noch rechtzeitig los“. Einfach liegen bleiben, langsam wach werden und wissen: Heute wartet niemand. Außer vielleicht das Frühstück. Und das ist eine Verpflichtung, der ich mich grundsätzlich sehr gerne stelle.

    Gefrühstückt wurde im Atlantik Klassik. Ein schöner, ruhiger Start in den Tag, ganz ohne Gewusel. Kaffee, Meerblick, Zeit – manchmal braucht es gar nicht mehr, damit ein Tag gut anfängt. Obwohl, doch: vielleicht noch die Gewissheit, dass man danach aufs Pooldeck gehen kann. Die hatten wir zum Glück auch.

    Das Wetter meinte es gut mit uns. Also ging es nach dem Frühstück hinaus an Deck. Pool, Sonne, Wind, Meer. Die klassische Seetag-Kombination. Rundherum lagen Menschen mit Büchern, Sonnencreme, Sonnenbrillen und diesem sehr entschlossenen Gesichtsausdruck, mit dem man auf Kreuzfahrten sichtbar demonstriert: Ich mache heute nichts – und ich mache es ernst.

    Aber ganz so untätig sollte dieser Tag dann doch nicht bleiben. Heute startete nämlich die Challenge gegen den Kapitän. Und die Idee war herrlich: Die Kilometer, die der Kapitän von Barbados bis zu unserem Endhafen Palma de Mallorca mit der Mein Schiff 1 fährt, sollen wir Passagiere gemeinsam erlaufen. Eine Runde auf Deck 14 hat 440 Meter, und an den Seetagen steht von 9 bis 11 Uhr ein Crewmitglied an der Laufstrecke und zählt die Runden mit.

    Eine wirklich nette Beschäftigung. Und eine schlaue noch dazu. Denn seien wir ehrlich: Nach Tagen voller Frühstück, Mittagssnacks, Fischmarkt, Schlummertrunks, Carib, Rum Punch und so weiter ist ein bisschen Bewegung nicht die schlechteste Idee. Außerdem fühlt sich so eine Runde auf Deck 14 gleich viel besser an, wenn man sie nicht einfach nur läuft, sondern offiziell gegen den Kapitän antritt. Plötzlich ist es kein Spaziergang mehr. Es ist ein sportliches Großprojekt. Ein maritimer Wettkampf. Ein Ozean-Duell mit Turnschuhen.

    Und die Mitreisenden nahmen die Challenge fleißig an. Überall wurde gelaufen, gegangen, gezählt, überholt, gegrüßt und vermutlich innerlich gerechnet, wie viele Runden man noch braucht, um sich das nächste Eis guten Gewissens zu verdienen. Ich finde ja: Schon eine Runde rechtfertigt vieles. Zwei Runden definitiv das nachmittägliche Eis und 5 Runden praktisch alles.

    So bekamen die Seetage gleich ein schönes kleines Ritual. Meer schauen, Runden drehen, salzige Luft einatmen und dabei das Gefühl haben, aktiv an der Atlantiküberquerung mitzuwirken. Der Kapitän fährt, wir laufen. Arbeitsteilung auf hoher See.

    Pünktlich um 12 Uhr schlug dann Paulchen Panther zu. Die Musik wurde eingespielt – und zack, war sie weg: eine Stunde. Einfach gestohlen. Zeitdiebstahl mit Soundtrack. Das Ganze sollte uns nun fünfmal während der Seetage passieren, damit wir uns langsam wieder an die europäische Uhrzeit herantasten. Grundsätzlich natürlich sinnvoll. Praktisch trotzdem frech. Man sitzt da völlig ahnungslos im Urlaub, denkt, man hätte den Tag gut im Griff, und plötzlich fehlt eine Stunde. Puff. Weg.

    Aber irgendwie ist auch das Teil des Atlantikgefühls. Man reist nicht nur geografisch zurück Richtung Europa, sondern auch zeitlich. Jeden Tag ein kleines Stück. Die Karibik wird nicht nur am Horizont kleiner, sondern auch in der Uhrzeit.

    Sehr schön waren auch die täglichen Durchsagen des Kapitäns. Ich mag das ja. Diese Mischung aus Positionsangaben, Wetter, Seegang, Entfernung, Geschwindigkeit und kleinen nautischen Informationen hat etwas Beruhigendes. Man bekommt ein Gefühl dafür, wo man gerade ist – auch wenn „irgendwo auf dem Atlantik“ natürlich weiterhin eine sehr großzügige Ortsangabe bleibt. Aber genau das macht es spannend. Plötzlich achtet man auf Begriffe, auf Windrichtungen, auf Seemeilen und auf Dinge, die im Alltag ungefähr so relevant sind wie die Frage, ob die Reling steuerbord oder backbord besser glänzt. Und unser Kapitän Sven Kassel ist so ein sympathischer und herzlicher Mensch, dem man einfach gerne zuhört.

    Der Nachmittag gehörte dann wieder dem klassischen Seetags-Genuss. Kaffee und Eis am Balkon. Also eigentlich der Inbegriff von Kreuzfahrtglück. Man sitzt draußen, schaut auf den endlosen Atlantik, löffelt Eis, trinkt Kaffee und denkt sich: Ja, das Leben kann schon sehr freundlich sein. Kein Land in Sicht, keine Termine, kein Lärm – nur dieses große Blau, das einen gleichzeitig klein und sehr zufrieden macht.

    Danach ein kleines Nickerchen. Natürlich nur zur Stabilisierung des Kreislaufs. Und vielleicht auch, weil so ein Seetag erstaunlich müde machen kann. Man tut zwar nicht viel, aber man tut es sehr intensiv. Sonne, Wind, Meerblick, Runden auf Deck 14, gestohlene Stunde – das alles muss verarbeitet werden.

    Bevor es zum Abendessen ging, stand aber noch ein weiterer Fixpunkt auf unserem ganz persönlichen Bordprogramm: Tanzstunde. Heute waren Cha-Cha-Cha und Rumba an der Reihe – also zwei Tänze, die zwar beide lateinamerikanisch klingen, den Körper aber auf sehr unterschiedliche Weise daran erinnern, dass Koordination und Eleganz nicht immer automatisch gemeinsam auftreten.

    Cha-Cha-Cha brachte Schwung in die Beine, Rumba eher Gefühl in die Bewegung. Oder zumindest den Versuch davon. Für uns war es wieder ein echtes Highlight, weil Tanzen für uns ja nicht nur ein netter Zeitvertreib ist, sondern auch zuhause ein fester Bestandteil unserer Woche. Umso schöner, das auch mitten am Atlantik weiterführen zu können. Während draußen das Meer endlos blau vor sich hin glänzte, übten wir also Schritte, Rhythmus und Haltung – und fühlten uns dabei wieder einmal sehr dankbar, dass es diese Tanzstunden an Bord gab.

    Am Abend zog es uns danach wieder in den Fischmarkt. Ich erkenne das Muster mittlerweile sehr stark. Aber was soll man machen, wenn ein Muster gut schmeckt? Der Fischmarkt hatte sich für uns mittlerweile zu einer sehr verlässlichen Adresse entwickelt. Unkompliziert, angenehm, genau richtig für einen entspannten Abend nach einem langen Tag voller Meeresblick, Bewegung und gestohlener Stunde.

    Danach wartete noch eine Überraschung auf meinen Mann: eine Weinverkostung.

    Für Wolfgang als Hobbywinzer war das natürlich ein perfekter Programmpunkt. Er interessiert sich ohnehin immer für Weine aus den verschiedensten Ecken der Welt, für Rebsorten, Ausbau, Geschmack, Herkunft und all die kleinen Unterschiede, die für mich oft einfach heißen: schmeckt oder schmeckt nicht. Wobei ich natürlich bemüht bin, das etwas eleganter zu formulieren und selbstverständlich auch selbst aktiv im Weingarten und Weinkeller mithelfe.

    Verkostet wurden ein Weißwein aus Deutschland, ein Weißwein aus Österreich – nein, nicht unser eigener –, ein Rotwein aus Neuseeland, ein Rotwein aus Frankreich und ein Dessertwein ebenfalls aus Österreich. Also eine kleine Reise im Glas, während wir selbst gerade auf großer Reise über den Atlantik waren. Das passte sehr schön zusammen.

    Die Verkostung war ein total netter Abend. Informativ, entspannt, genussvoll – und vor allem: Die Überraschung war gelungen. Genau so soll es sein. Nicht übertrieben, nicht steif, sondern ein schöner gemeinsamer Moment, bei dem man merkt, dass Reisen eben nicht nur aus Häfen und Ausflügen besteht. Manchmal ist es auch ein Glas Wein, ein gutes Gespräch, ein Lächeln und die Freude darüber, jemanden mit etwas zu überraschen, das wirklich passt.

    So endete unser erster von sieben Atlantik-Seetagen. Die Karibik lag nun hinter uns. Europa war noch weit weg. Und dazwischen wartete der Atlantik – groß, blau, ruhig und voller Zeit. Auch wenn Paulchen Panther sie uns häppchenweise wieder klaute.

    Was das Meer behält ⚓️