Nach rund 10 Jahren regelmäßiger Reisen mit TUI Cruises würden wir uns durchaus als erfahrene Mein-Schiff-Gäste bezeichnen. Unsere Reise auf der Mein Schiff Relax im Februar 2026 war unsere 12. mit der Flotte. Wir kennen mittlerweile nicht nur alle aktuellen Schiffe der Flotte, sondern auch andere Reedereien wie AIDA, MSC und Costa sowie verschiedenste Schiffe, Kabinentypen, Fahrtgebiete. Entsprechend hoch war unsere Vorfreude auf diesen Neubau – zumal es ein besonderer Anlass war: ein 50. Geburtstag, für den wir bereits im Frühjahr 2024 eine Junior Suite (7192) auf Deck 7 gebucht hatten. Begleitet wurden wir von den Eltern meiner Frau.
Unser Eindruck vom Schiff selbst war auf den ersten Blick positiv. Die Relax ist groß, weitläufig und hell gestaltet, mit vielen modernen Designelementen, die weiterhin den typischen Mein-Schiff-Charakter tragen. Als durchaus gelungen empfanden wir die Verlagerung des Atlantik-Restaurants ins Heck. Auch das Promenadendeck auf Deck 5 ist überzeugt wie gehabt. Allerdings war es, anders als auf den vorherigen Schiffen, an Seetagen auffällig stark frequentiert. Möglicherweise liegt das daran, dass man auf den Oberdecks keine wirklich längeren, zusammenhängenden Rundwege hat – etwas, das wir hier vermisst haben.
Die Oberdecks wirkten insgesamt etwas unübersichtlicher, was vielleicht auch erklärt, warum wir trotz traumhaften, frühlingshaften Wetters ungewöhnlich selten dort waren. Was uns ebenfalls auffiel: Es fehlt ein ruhiger Rückzugsort für alle Gäste wie auf anderen Schiffen z.B. der „Ruhepol“. Für Suitengäste ist die X-Lounge zumindest eine Alternative, aber eben nicht für alle zugänglich. Dafür empfanden wir das Chalet überraschend positiv – mit einem ansprechenden, gemütlichen Design, klarer Unterteilung zwischen Bar- und Restaurantbereich und eigentlich immer ausreichend Platz. Insgesamt war die Verteilung der Gäste auf dem Schiff angenehm. Und zumindest an schönen Tagen, an denen viele Menschen die Außenbereiche nutzen können, sollte das der Regelfall sein, selbst bei ausgebuchten Reisen.
Kulinarisch bietet die Relax eine große Vielfalt, die man in einer Woche kaum ausschöpfen kann. Wir hatten das kurzfristig angebotene Genusspaket inkl. Getränkebegleitung gebucht, das Menüs in X-View, Høfde und Chalet beinhaltete, und können sagen: Das war eine der besten gastronomischen Erfahrungen, die wir je auf See hatten. Auch sonst gab es einige positive Überraschungen. Das Sur Mer Bistrot hat uns an zwei Abenden begeistert, und anders als bei der Taverna Dionysos waren die Wartezeiten absolut im Rahmen. Die Taverna haben wir nicht selbst getestet. Die Eltern meiner Frau – mein Schwiegervater ist Grieche – fanden das Essen zwar solide, aber nicht so gut, dass es 20–30 Minuten Wartezeit rechtfertigt. Positiv hervorheben möchten wir das Mein Schiff Bistro: Ein Teil des Angebots wechselt hier täglich, was aber anders als auf den anderen Schiffen kaum kommuniziert wird, und es gibt viel Platz – ideal für ein ruhiges, schnelles Frühstück. Die Osteria hat uns ebenfalls gut gefallen, mit angenehmer Atmosphäre und schöner Aussicht. Wichtig zu wissen: Ein Teil der Speisen ist kostenpflichtig, aber man kommt auch mit den inkludierten Gerichten problemlos auf seine Kosten.
Das Atlantik haben wir nur einmal zum Frühstück getestet. Trotz etwas langsamem Service gefiel uns, dass es jetzt auch auf Deck 5 ein Buffet mit Lachsspezialitäten zur Selbstbedienung am „Lachsfrühstück-Tag“ gibt. Im X-Coast war das Frühstück sehr gut, wenn auch der Service mitunter etwas langsam. Das Harbour Market nutzten wir kaum, unser Eindruck war aber: große Auswahl, luftiger als auf anderen Schiffen, aber etwas sterile Atmosphäre. Pane e Sole bot leckere Snacks für zwischendurch. Fugu konnten wir im Rahmen einer Führung kurz sehen – das Konzept wirkte interessant, ausprobiert haben wir es aber nicht. Apropos Führung: Der aufpreispflichtige, aber sehr zu empfehlende Blick hinter die Kulissen war ein Highlight. Die Mitarbeitenden (einschließlich Chefkoch) waren engagiert, es gab viele spannende Einblicke sowie kleine Häppchen, frisch gepressten Orangensaft und zu Beginn ein Glas Sekt.
Die Captain’s Bar ist wunderschön gestaltet und bietet tolle Ausblicke. Die Cocktails sehen großartig aus, schmeckten aber – zumindest die, die wir probiert haben – nicht besser als die klassischen Cocktails in den anderen Bars. Die Shoppingmöglichkeiten waren angesichts der Schiffsgröße enttäuschend.
Auch beim inkludierten Entertainment hinterließ die Relax leider keinen überzeugenden Eindruck. Das Theater ist für ein größeres Schiff überraschend klein, und manche Shows werden nur einmal aufgeführt. Wir sahen die Abba- und die Musical-Show, beide gut, aber bereits von anderen Reisen bekannt. Viele Programme auf der Kleinkunstbühne kannten wir ebenfalls schon. Insgesamt wirkt das Angebot für ein Schiff dieser Größe eher dünn. Auch das Gastkünstlerprogramm bestand – wie häufig – vor allen aus Travestiekunst, was Geschmackssache ist und uns diesmal nicht angesprochen hat.
Die X-Bereiche sind insgesamt schön gestaltet, aber kleiner, als es in Videos wirkte. Platz fanden wir jedoch meist. Der Spa-Bereich bot sehr gute Anwendungen, wirkte im Eingangsbereich aber weniger einladend als auf den älteren Schiffen. Im Friseursalon wurde uns erklärt, dass die Wassertemperatur beim Haarewaschen nicht konstant sei – was sich dann leider bestätigte.
Jetzt kommen wir zu dem, was diese Reise für uns im Kern verdorben hat: die Junior Suite 7192 und ihr „Klabautermann“. Schon in der 1. Nacht hörten wir bei Seegang ein deutliches Klopfen aus der Wand auf der linken Seite der Fensterfront. Nicht das typische Knacken, das man von einem Schiff bei Seegang kennt und auch erwartet, sondern ein sehr spezifisches, rhythmisches Pochen – als würde jemand von innen mit den Fingerknöcheln gegen die Wandverkleidung klopfen. Wir hatten während der gesamten Reise Dünung, und das Geräusch begleitete uns ununterbrochen. Die benachbarte Suite 7190 war nach Aussage unserer Kabinennachbarn allerdings ruhig, ebenso die Balkonkabine der Eltern.
Nachdem wir in den ersten Nächten kaum Schlaf fanden, meldeten wir uns schließlich in der dritten Nacht bei der Rezeption. Ein Offizier kam und zog dann sofort einen Techniker hinzu, der zunächst eine Art Gummipuffer in die Spalte zwischen Decken- und Wandverkleidung einbaute – ohne Erfolg. Am nächsten Tag kam ein größeres Team, das die Deckenverkleidung teilweise abnahm. Danach war die Kabine verdreckt, unordentlich und glich einer Baustelle:
Wir mussten dann erst explizit darum bitten, sie überhaupt wieder bewohnbar herzurichten. Das Ergebnis des „Reparaturversuchs“ war übrigens ernüchternd: Die Geräusche wurden eher schlimmer und waren nun auf beiden Seiten des Fensters hörbar.
In der vorletzten Nacht bekamen wir schließlich nachts eine „Schlafkabine“ (sic!) zugewiesen: Balkonkabine 7088. Interessanterweise wurde diese Kabine vorab „akustisch geprüft“, wie uns gesagt wurde. Tatsächlich: Sie war auch bei Seegang so ruhig, wie wir es von unseren vielen früheren Reisen gewohnt sind. Für die letzte Nacht wurde uns dann eine Junior Suite auf Deck 9 angeboten, doch auch diese war akustisch auffällig, und vor allem funktionierte dort die Lichtsteuerung nicht – weder Schalter noch Hauptschalter reagierten. Also zogen wir spätabends erneut los und baten wieder um Kabine 7088, die wir dann auch erhielten.
Am vorletzten Tag gingen wir zur Bordreiseleitung, um uns schriftlich zu beschweren – ein Novum für uns nach elf Reisen mit TUI Cruises. Wir erhielten ein Formular, das wir am Tag nach Reiseende an TUI Cruises (an die bekannte Adresse für "Offene Worte") per Mail schickten. Bislang kam nichts Konkretes zurück. Interessant war im Gespräch mit einer Mitarbeiterin an der Rezeption ihre Bemerkung, sie müsse nachsehen, ob zu Kabine 7088 „ein Hinweis auf Geräuschprobleme im System hinterlegt“ sei. Das wirft natürlich Fragen auf ... Noch bemerkenswerter fanden wir, dass der Kapitän während unserer Reise mehrfach darauf hinwies, dass es bei Seegang Schiffsgeräusche gebe und dies ganz normal sei – etwas, das wir so in 16 früheren Reisen nie gehört haben.
Für uns steht fest: Diese Art von Klopfgeräuschen sind ein Reisemangel. Eine Kabine muss zum Schlafen geeignet sein! Geräusche bei Seegang usw. sind normal; das, was wir erlebt haben, war es aber definitiv nicht mehr. Wir haben diese Reise nicht zur Erholung genutzt, sondern unsere Nächte mit zunehmender Erschöpfung zwischen Suite, Ersatzkabine, Technikern und Rezeption verbracht. Dass ähnliche Probleme offenbar auch andere Gäste betreffen (z. B. Junior Suite 7189; siehe Juniorsuite 7189 MS Relax - Vorsicht), macht es noch bedenklicher.
Wir haben sogar eine anfangs der Reise an Bord gebuchte Kreuzfahrt mit der zukünftigen Mein Schiff Flow – die weitestgehend baugleich mit der Mein Schiff Relax ist – wieder storniert: Zwar waren die Balkonkabine der Eltern und die „Schlafkabine“ 7088 ruhig, aber nach dieser Erfahrung mit Junior Suite 7192 möchten wir kein Risiko eingehen. Übrigens: Es war unsere zweite Erfahrung mit einer Junior Suite; die erste vor einigen Jahren auf der Mein Schiff 1 war durchgehend positiv.
Unser Fazit fällt daher zwiespältig aus: Die Mein Schiff Relax ist in vielen Bereichen eine durchaus gelungene Weiterentwicklung. Das kulinarische Angebot ist hervorragend, viele Bereiche sind schön gestaltet, das Mein-Schiff-Gefühl ist grundsätzlich da. Aber eine Junior Suite, die bei Seegang derart unzumutbare Geräusche entwickelt, ist für uns ein absolutes No-Go – erst recht auf einem Schiff, das „Relax“ im Namen trägt.
Wir hoffen auf eine faire Reaktion von TUI Cruises, denn nach so vielen schönen Reisen mit der Flotte möchten wir das Vertrauen nicht dauerhaft verlieren. Aber diese Reise hat uns das erste Mal ernsthaft zweifeln lassen.
