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Gondeln und Gondolieri Teil 2
Venedig ohne Gondeln, dass wäre wie Wien ohne Kaffeehäuser - einfach undenkbar.
Hier wie dort untrennbar miteinander verknüpft, Teil des Lebens der Bewohner beider Städte und dennoch fest in touristischer Hand.
Es mag noch so manch andere Berührungspunkte zwischen den Wienern und den Venezianern geben, gab sich doch die wohl berühmteste Wienerin Kaiserin Elisabeth höchstpersönlich in Venedig die Ehre. Mit ihrem Charisma taute sie wohl auch ein wenig die verhärtete Fronten zwischen den von den Habsburgern regierten Venezianern und ebendiesen auf. Die kaiserlichen Räume lagen direkt am Markusplatz mit eigenem Bootsanleger für heimliche oder offizielle Gondeltouren der Romantikerin. Der Kaiserflügel ist heute im Museo Civico Correr am Markusplatz zu besichtigen.
Schade diese Info kam für diesmal zu spät, dennoch werden wir der reiselustigen Dame im Laufe der Reise wieder begegnen. So bleibt nur die Erinnerung an Filmszenen mit Romy Schneider wie sie auf dem Weg zum Markusplatz im prächtigen Kleid durch eine feindlich gesinnte Menge dahinschreitet und diese durch rein menschliches Verhalten erweicht und begeistert.
Heute wie damals sind Fahrten mit einer echten venezianischen Gondel der Höhepunkt und die Erfüllung so manch romantischen Traums während des Aufenthaltes in Venedig. Dieses Phänomen führt zu manchem Stau in den engen Kanälen und erst recht unter der Seufzerbrücke, dort erklingt mehr oder weniger gekonnt ein romantisches „Oh solo mio“ der Gondolieri oder bezahlter Sänger. Deswegen gab es schon so manchen Streit unter den Venezianern bis hin zu Ideen dieses Lied zu verbieten, stammt es doch aus Neapel!
Unzählige Liebesschwüre kamen zu dieser Melodie Verliebten schon über die Lippen, nicht zu vergessen die obligatorischen Heiratsanträge. Was wäre, wenn statt eines seufzenden „Si“ nur ein „Pssst“ und ein umflorter Blick auf den Gondoliere die einzigste Reaktion der Angebeteten wäre, während der hoffnungsvolle junge Held vergeblich auf dem Boden der Gondel sein Knie beugt und ein Strauß roter Rosen unbeachtet in den Händen zerdrückt und am liebsten dem frechen Kerl seine goldene Kehle mit diesen stopfen möchte…
Dann würden die Gondeln tatsächlich zu Recht Trauer tragen.
Wieso eigentlich?
Im Jahre 1562 reichte es dem amtierenden Dogen angesichts der überbordenden Prunksucht der reichen Venezianer. Ihm war diese sozusagen tatsächlich in die falsche Kehle geraten. Ab sofort mussten schwarze Tücher über die prächtigen Goldverzierungen und Brokat- und Seidenstoffe der Sitze gelegt werden. Daraus wurde schließlich der schwarze Anstrich. Wehe dem Venezianer der sich einem solchen Verbot des Dogen widersetzte. Verzierungen gibt es selbstverständlich weiter, doch nur unter strengen Auflagen. So ist es bis heute üblich.
Im Laufe der Zeit hat sich sowohl die Form, sowie auch die Ausstattung geändert. Früher gehörte zur Gondel eine Überdachung, die Felze. Es braucht wohl wenig Phantasie sich den Nutzen eines solchen Sichtschutzes zur Zeit eines Giacomo Casanova auszumahlen. Natürlich schützte diese Kabine auch bei Schlechtwetter die Passagiere.
Die heutige gebogene Form mit der verdrehten Mittelachse entwickelte in den1880er der Bootsbauer Domenico Tramontin. Dessen Nachfahre betreibt noch heute eine eigene Bootswerft. Auf dessen Homepage (tramontingondole.it) geben eindrucksvolle Fotos Einblick in die anspruchsvolle Arbeit der Bootsbauer. Seitdem kann ein einziger Gondoliere die Gondel mit dem riesigen Ruderblatt oder Riemen, dem Remo in seiner Hand steuern.
Eine neue Gondel können sich immer weniger Gondoliere leisten. Traditionell werden diese aus Neun verschiedenen Holzarten gebaut. Die Auswahl erfolgt je nach Beanspruchung. Das harte Eichenholz fängt an den Seitenwänden so manch harten Stoß ab, ohne zu brechen. Aus Linde werden Verzierungen geschnitzt. Und dann ist da noch dass kunstvoll gemaserte Holz des Walnussbaums für das Herzstück einer Gondel, die Forcula, die Gabel für den Ruderriemen aus Buchenholz. Lärche, Kiefer, Tanne, sowie Ulme und Kirsche finden weitere Verwendung. Eine Focula wird für den jeweiligen Gondoliere passend anfertigt. Diese ermöglicht durch die verschiedenen Einbuchtungen im Holz eine Verlagerung des Ruders. Dadurch sind die verschiedensten Manöver und blitzschnelles Reagieren in brenzligen Situationen möglich. Ein Meister seines Fachs ist Saverio Pastor. In seiner Werkstatt entstehen wunderschöne Foculas (focole.com). Sind das noch Gebrauchsgegenstände oder Skulpturen?
Wem bis jetzt nicht die Faszination für dieses einzigartiges Wasserfahrzeug erfasst hat, braucht vielleicht noch einen Besuch in einem Squero, den Gondelwerkstätten Venedigs. Versteckt in Seitengassen liegen die meisten abseits der Touristenströme. Doch eine liegt genau mittendrin und wird oft als die letzte Werkstatt Venedigs bezeichnet, was so nicht stimmt. Die
SQUERE SAN TROVASO liegt günstig an der Haltestelle Zattere.
Gondelwerft
SQUERE SAN TROVASO
Squeri - die venizianischen Gondelwerften reparieren, warten und bauen die typischen gekrümmten Gondeln.
Die bekannteste Werft liegt am Rio San Trovaso im Stadtteil Dorsudoro. Die Haltestelle Zattere liegt gleich um die Ecke am Guidecca Canal.
Viele Handwerker sind nötig um solch ein schwimmendes Meisterwerk entstehen zu lassen. Diese sind teilweise in verschiedenen Zusammenschlüssen miteinander verbunden. Der Verein Associazione Arzanà kümmert sich um den Erhalt der Tradition und restauriert alte Gondeln. Die Besichtigung des Squero ist nach Voranmeldung möglich.
Letztlich gehört noch das markante Bugeisen in Form der Dogenmütze zum vollständigen Erscheinungsbild einer echten Gondel. Wer dieses richtig zu lesen versteht, erkennt die 6 Stadtteile Venedigs, die Insel Guidecca, den Canal Grande, die Inseln Murano, Burano und Torcello und sogar die Rialto Brücke. Viel Vergnügen beim Entschlüsseln beim nächsten Besuch in Venedig!
Lg ücki
