Das leidige Thema "Trinkgeld". Das Thema gab es ja schon öfter. Aber ich gebe dazu auch gerne
noch einmal unsere Meinung ab:
Trinkgeld gehört in unserem und vielen anderen Ländern zum guten Ton, und doch gibt es Abweichungen.
Während es in den USA Pflicht ist, stellt es in Japan z.B. eine Beleidigung dar. In arabischen Ländern
wird es nicht nur gerne genommen sondern gefordert. Wir haben da schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht.
Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass der Dienstleistende für seine Arbeit bezahlt wird, auch von dem Geld, das
ich für die Leistung bezahle. Somit ist der Vertragsbestandteil "Leistung / Gegenleistung" erst einmal erfüllt.
Da es nun einmal in unseren Landen üblich ist, dem Dienstleistenden wie Steward, Kellner, Frisör usw. ein
Trinkgeld zu geben, ist der Rest nur noch eine Frage der Verhältnismäßigkeit.
Zurück zum Schiff: Das gesamte Personal auf den Schiffen ist (von wenigen Ausnahmen abgesehen) nicht
bei TC angestellt. Arbeitgeber ist hier Sea-Chef, eine internationale Personalagentur, mit Hauptsitz in der Schweiz,
die sich auf Personalvermittlung für Schiffe spezialisiert hat. Diese unterliegt gesetzlichen Bestimmungen,
wie dem internationalen Arbeitnehmerüberlassungsgesetz.
Sicher sind die Gehälter der internationalen Crew nicht mit unseren Gehaltsvorstellungen zu vergleichen, aber
im Verhältnis zu den Gegebenheiten in ihren Heimatländern, viel besser. Umsonst arbeiten diese Menschen nicht
auf den Schiffen. Viele sind sogar glücklich, diese Jobs machen zu dürfen. Für uns ist das gut, denn mit
deutschen Personal nach hiesigen Arbeitsgesetzen wäre solch eine Reise wahrscheinlich nicht mehr bezahlbar.
Also soll dieser freundliche Mensch, der jeden Tag meine Betten macht und das Klo putzt auch eine zusätzliche
Belohnung erhalten. Nun muss man sich aber einmal überlegen, wenn ein Kabinensteward 10 Kabinen zu
versorgen hat, und bei einer einwöchigen Reise von jeder Kabine 20 Euro Trinkgeld bekommt, so sind das
in einer Woche 200 Euro zusätzlich. Weitere Hochrechnungen erspare ich mir.
Noch ein Wort zu den Briefumschlägen: Nur das Trinkgeld, dass man einer Person direkt in die Hand gibt, kommt
auch bei diesem an. Alles was in die allgemeine Kasse geht, ob jetzt per Briefumschlag oder in die Trinkgeldtruhe,
wird für die Allgemeinheit verwendet. Davon werden teilweise z. B. Crewfeste u. Ä. finanziert. Auch ist nur das persönlich
übergebene Trinkgeld steuerfrei, alles was über die Gehaltsabrechnung läuft muss versteuert werden.
Wir haben es mit den Menschen, die in der Dienstleistung Tourismus arbeiten, weder mit dummen noch mit
armen Personen zu tun. Die meisten wissen sehr genau, wie sie den Touris das Geld aus der Tasche ziehen.
Z. B. die schon so oft erwähnte Rose. Die wurde nicht einfach in die Vase gestellt, nein, der Kabinensteward
brachte die persönlich vorbei. Warum wohl? Ein Schelm, der böses dabei denkt. Ein bisschen Mitleid erregen,
auf die emotionale Tränendrüse drücken und schon klappt das. Viele Touris gefallen sich dann auch gerne in
der Rolle des Generösen. Eine enger Verwandter von uns, der auch in der Touristikbranche arbeitet, hat einmal
gesagt: "Du musst die Gäste nun genügend umschmeicheln, dann läuft auch das Trinkgeld". Er hat, gerade um
die Weihnachtszeit im Servicebereich schon mal ein zweites Gehalt gehabt.
Was man aber immer tun sollte, und das ist wichtiger, als jedes Trinkgeld, dem Menschen. die für mich arbeiten,
mit Respekt und Achtung zu begegnen. Dieses generöse Gehabe mancher Gäste, was bin ich und was bist du,
ist einfach nur schrecklich und zeugt nicht gerade von einer guten Kinderstube.