Für uns waren die Overnights in Alta und Tromsø ausschlaggebend. Und ohne dass ich von AIDA dafür bezahlt werde (obwohl es mal langsam an der Zeit wäre ), kann ich eine der Selection-Reisen nur empfehlen.
Und genau das kann ich so überhaupt nicht nachvollziehen! ich habe mich zu diesem Thema schon im Reisebericht vor zwei Jahren geäußert und an meiner Meinung hat sich seither nichts geändert. Nach meiner Meinung tut sich AIDA mit dem Verschleudern dieser Selection-Reisen auf lange Sicht keinen Gefallen.
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Irgendeine Bemerkung zu diesem Wetter verkneif ich mir mal an dieser Stelle - ist ja schon fast peinlich!
Heute können wir uns Zeit lassen. Unser Schiff fährt erst um 13:00 Uhr - und zwar pünktlich! Nur um sicherzugehen, ob unsere Vorabrecherche wirklich stimmt, schauen wir mal in der Touristinfo vorbei. Nachdem wir der Dame von unserem Plan erzählt haben, zieht sie ein Blatt aus der Mappe. Dort ist genau das beschrieben, was wir heute vorhaben. Prima - man muss eben einfach nur mal fragen.
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Und tschüß AIDAaura...
Wir folgen heute einer Idee, die Mitreisende schon vor zwei Jahren umgesetzt haben. Wir werden heute mit dem Postschiff der Hurtigroute eine Station bis nach Stokmarknes fahren.
Auf der Internetseite der Hurtigroute kann man sich genau informieren, welches Schiff wann ab welcher Station fahren wird. Als ich beim Vorbereiten unserer Reise dort las, dasas heute die MS Lofoten die südgehende Route ab Sortland befahren wird, habe ich mich besonders gefreut.
MS Lofoten ist das älteste Schiff der Flotte und sollte eigentlich schon längst ausgemustert sein.
Für uns also möglicherweise die letzte Gelegenheit, dieses Schiff in "voller" Fahrt zu erleben.
MS Lofoten wurde 1964 in Dienst gestellt und seit damals hat sich in den öffentlichen Räumen des Schiffes wohl nicht wirklich viel verändert.
Gleich unten am Eingang befindet sich der Ticketschalter an dem wir pro Person 109,- NOK für die gut einstündige Fahrt bezahlen. Sogar eine richtige Bordkarte bekommt man.
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Wenn man auf das obere der beiden Passagierdecks kommt, wird man erst mal von dem hier begrüßt.
Der Kollege hängt hier schon seit den Sechzigern. Könnt ihr Euch auch nur ansatzweise vorstellen, was los wäre, würde heute noch eine Reederei ein Passagierdeck mit einem echten Eisbärenfell schmücken!
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Vorn auf der Nock stehen auch Leute. Wir halten sie erst für Angestellte der Reederei aber dass die sich untereinander auf deutsch unterhalten, ist ja wohl eher unwahrscheinlich.
Wir fragen. Nein, sie seien auch aus Deutschland und machen die Fahrt von Kirkenes bis Bergen.
Ob wir denn auch mal auf die Nock dürften?
"Wieso nicht!", ist die Antwort.
Wenn der Schiffsführer nicht gestört werden will, dann sage er schon Bescheid. Dieses Schiff ist in vielerlei Hinsicht irgendwie aus der Zeit gefallen.
Hier ein Blick von der Nock aus nach vorn und ein (nicht ganz optimales) Bild der Brücke. Habe ich übrigens schon erwähnt, dass die Landschaft um uns herum, der reinste Wintertraum in weiß und blau ist?
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Zwischendurch müssen wir uns aber auch mal etwas aufwärmen und wir trinken in der Cafeteria den besten Cappuccino der ganzen Reise. (Auf der AIDAaura läuft leider mit den Milch-/Kaffeegetränken irgendwas schief. Sie schmecken alle gleich - nach ausgesprochen viel nichts. Dieses Problem haben wir übrigens auf unsere Weise gelöst. Wir haben viel und ausgiebig Grog an der Poolbar zu uns genommen.)
Kaum den Kaffee ausgetrunken, kommt um 14:00 Uhr auch schon die Brücke von Stokmarknes in Sicht.
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Rückblickend kamen mein Mann und ich getrennt voneinander zu der Erkenntnis: MS Lofoten war ein wirkliches Erlebnis, es war ganz toll – aber wir möchten beide nicht mehrere Tage auf einem Schiff dieser Größe verbringen müssen. Es wäre uns irgendwie zu „rummelig“, zu eng, zu wenig Auslauf.
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Das Hurtigroutenmusuem befindet sich dann direkt dem Terminal gegenüber. Da wir ganz stolz unsere Bordkarte der MS Lofoten vorweisen, bekommen wir Rabatt auf unseren Eintritt ins Museum.
Das Museum ist niedlich gemacht und nicht unbedingt sehr groß. Auf Fotos verzichte ich an dieser Stelle mal, dank DSGVO. Die Schiffe der Hurtigrouten legen hier jeweils einen Aufenthalt von 60 Minuten ein. Wenn man auf die Multimediashow verzichtet, ist die Zeit auch ausreichend. Leider ist es aktuell auch nicht möglich, die MS Finnmarken zu besichtigen. Die steht sozusagen als lebendes Ausstellungsstück auf der anderen Straßenseite.
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Anmerkung: Gerade musste ich die genauen Zeiten nochmal auf der Seite der Hurtigroute nachsehen. Dort steht es jetzt offiziell: Für MS Lofoten ist 2020 die letzte Saison.
Wenn man dann aus dem Museum rauskommt, geht man geradezu die Straße immer am Wasser entlang und nach ca. 150 Metern kommt dann auf der rechten Seite ein kleines Bushäuschen. Dort fährt dann um 15:50 Uhr der Bus zurück nach Sortland und kommt dort um 16:25 Uhr wieder an.
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Außer uns hatten noch ganze 5 weitere Mitreisende die gleiche Idee für diesen wunderbaren Tag in und um Sortland. Für uns war dieser Tag der Idealfall eines privaten Ausflugs. Besser geht kaum.
Heute ist an Bord Kinoabend. Gezeigt wird der mit vier Oscars geehrte Film Bohemian Rhapsody. In der Pause - so gegen 21:30 Uhr - meldet sich dann der EM wieder mit der Information, dass Polarlichter gesichtet wurden. Während zu Beginn der Reise kein Halten mehr gewesen wäre, stehen nun kaum 10 Leute auf und verlassen das Theater. Polarlichtgesättigt nennt man das dann wohl. Spricht allerdings auch für den Film.
Bemerkenswert an diesen Lichtern ist, dass sich die Aktivität bis weit nach Mitternacht hält. Als ich nach dem Film dann irgendwann noch hoch auf Deck 10 gehe, kann ich noch meinen ganz persönlichen Abschied nehmen von diesem Naturschauspiel.
Rentiere werde ich in Lappland wahrscheinlich auch zu sehen bekommen - der Reiseveranstalter hat extra gewarnt weil die Viecher einfach so über die Strassen rennen ohne auf Verkehr
Du musst mal lesen: "Die spinnen, die Finnen" von Dieter Hermann Schmitz. Dort wird beschrieben, wie der Autofahrer auf die unerwartete Begegnung mit Elchen vorbereitet wird. Für ein Elchgeweih ist eine Frontscheibe nur ein eher unbedeutendes Hindernis, dem es auszuweichen gilt. Das alles gipfelt dann in dem Hinweis: "Zielen Sie auf das Arschl... des Tieres." Sehr amüsantes Buch - und auch sehr lehrreich.
Aber bitte: wo ist denn Euer Light Painting Bild geblieben?
Ich kann's nicht sehen ....
Guten Morgen,
leider hat der Admin beide Fotos (Polarlichtbild von Silke) und unser Light-Painting-Bild gelöscht. Dabei hatte ich extra das Copyright mit drauf gelassen, da ich die Bilder zwar nicht gemacht, aber die Nutzungsrechte habe. Schade.
Gut, dass ich meinen Reisebericht nicht "I can't dance" genannt habe (war mal eine kurze Überlegung von mir).
Dann hätte nämlich der ganze Reisebericht jetzt gar keinen Bezug zum Titel mehr.
Und ich erkenne eine Tendenz - und davor graust es mir!!!
@all
Eine Woche sind wir nun erst auf unserer Reise unterwegs und so beim Schreiben stelle ich fest, wie unglaublich viel wir doch in dieser einen Woche erlebt und gesehen haben!
Leider haben wir aber auch festgestellt, dass die zweite Woche dann wie im Flug vergangen ist.
Abends um 18:30 Uhr treffen wir dann auf Karina und ihre Guides von Scan Adventure. Selbst Anita, die junge Frau aus der Schweiz mit der ich vor zwei Jahren unterwegs war, ist wieder mit von der Partie. Insgesamt geht Karina heute mit 4 Kleinbussen auf Polarlichtjagd.
Wir werden für heute Nacht dem Bus von Silke zugeteilt – der gleichen Silke, die mit uns schon vormittags im Rahmen des AIDA-Ausflugs unterwegs war. Manchmal kreuzen sich Wege schneller als man sich das vorstellen kann.
Zunächst einmal geht wieder ins „Hauptquartier“ – Essen fassen und die Leute mit vernünftiger Kleidung ausstatten. Ich bin eigentlich zuversichtlich, dass ich ohne weitere Hilfsmittel durch diese Nacht kommen werde, schließlich bin ich vorletzte Nacht auch nicht erfroren – und was war das da kalt!!!
„Hier. Das müsste passen.“, nach kurzer, kritischer Beäugung meines Outfits greift sie ziemlich weit nach hinten und drückt sie mir ein Viermannzelt in die Hand. Stoff und Pelz soweit das Auge reicht. Ich habe Mühe, diesen Textilberg aus dem Lager zu bugsieren.
Der Raum gegenüber wird sonst wohl für Besprechungen genutzt. Heute Abend dient er als Umkleide.
Immer noch etwas perplex wühle ich mich durch diesen Stoffhaufen. Irgendwo muss doch mal der Eingang sein! Auch GöGa kommt mit etwas Zusätzlichem aus dem Lager. Allerdings ist es längst nicht so voluminös. Sie haben ihm eine zweite Funktionsjacke verpasst, die er über seine noch drüberziehen soll.
„Und was haben sie Dir gegeben?“
Etwas hilflos sehe ich ihn an.
„Keine Ahnung. Ich find den Anfang nicht.“
Ich halte hoch, was ich gerade in der Hand habe. Ein Hosenbein. Als Eingang kaum geeignet. Also wühle ich auf der anderen Seite des Zeltes und finde das Dach. Wäre es etwas kleiner, könnte es als Kapuze durchgehen.
Ah, ein Anhaltspunkt.
Was mir die gute Silke hier verpasst hat, entpuppt sich als ein riesiges innen weich bepelztes Ganzkörperkondom in 3XL.
Ich gleite hinein. (Haha! Wortwitz! )
In dem Ding wirke ich wie Tinky-Winky nach ner Fresskur!
Stellt mich neben die biggest Loser und ich lasse sie aussehen wie Rehkitze!
Arme und Beine sind mir jeweils etwa 40 cm zu lang. In dem Ding kann ich nur stehen. Würde ich loslaufen, falle ich nach spätestens 3 Schritten auf die Schnauze.
Was fällt mir dazu ein?
"Pooohhhh"
HILFE!
Wir fahren los in die Nacht. Silke erzählt uns, dass es in und um Tromsø inzwischen über 70 ! Anbieter für Polarlichtausflüge geben soll. Einige von ihnen haben sich in einer Whatsappgruppe zusammengefunden, um Informationen über die jeweils besten Plätze auszutauschen. Heute abend posten alle: "coast, coast, coast".
Also fahren wir Richtung Küste und fahren und fahren. Der Himmel will einfach nicht aufreißen. Stattdesssen fahren wir zwischendurch in einem Schneesturm der allerersten Güte.
Am ersten Stopp ist die Meute noch einigermaßen gut gelaunt und es gibt sogar Polarlicht. Jedenfalls, wenn ich mir die Bilder so ansehe, die Silke mit ihrer Kamera macht.
Auf meinen Versuchen ist leider fast nichts zu sehen. Den Anblick erspare ich Euch besser. Am zweiten Stopp leider dann wieder Fehlanzeige. Zur Aufmunterung verteilt sie nun Getränke und Kuchen.
"Ab um zehn soll es besser werden."
Leider richtet sich das Wetter heute nicht nach der App. Es fängt wieder an zu schneien. Und wie!
Jetzt liebe ich mein Teletubbie-Outfit! Ich stehe stumm auf der Straße und lasse mich zuschneien.
Was soll ich auch anderes machen! Laufen kann ich eh nicht, aber ab und zu kommt GöGa vorbei und klopft mir auf den Rücken. Nicht als Aufmunterung, sondern um verhindern, dass ich als lebender Schneeberg ende.
Man sieht kaum noch die Hand vor Augen.
"Aber wenn der Schauer durch ist, wird es wieder klarer", sagt die App. Silke nennt das, was hier abgeht: Schauer! Dafür muss man wohl schon eine ganze Weile in Norwegen leben. Da definiert sich "Schauer" dann wohl anders.
Sie whatsappt hin und her und schließlich steigen wir wieder in den Bus und fahren noch eine dritte Stelle an. Und siehe da:
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Meine einzige Ausbeute dieser Nacht.
Um die Leute zu beschäftigen und damit sie überhaupt irgendetwas haben, was sie zu Hause vorzeigen können, schlägt sie vor, Light Painting Bilder zu machen. Light Pain...was?
Für die, die so aufs Bild gebannt werden wollen, eine ziemliche Ausdauerleistung. Man muss mindestens 25 Sekunden regungslos stehen und in der Zeit turnt Silke mit einer lichtstarken Lampe um einen herum und zeichnet die Umrisse nach. Sieht lustig aus!
"Macht doch auch mal was Originelles!"
'Wie geht denn hier was Originelles???'
Und dann fällt uns was ein!
Erkennt ihr es? Origineller ging nicht!
Dann geht es aber wirklich wieder zurück zum Schiff. Schade, dass es heute abend mit dem Polarlicht nicht so wirklich geklappt hat.
Zurück auf dem AIDA (so gegen 00:30 Uhr) möchte ich noch versuchen, die Eismeerkathedrale bei Nacht abzulichten. Eigentlich wollte ich mit dem Foto nur sehen, ob das Weitwinkel, das ich dabei habe, reicht oder ob ich doch besser noch ein anderes Objektiv aus der Kabine holen sollte.
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Ich warte dann noch eine halbe Stunde. Aber außer einem erneuten Schneeschauer passiert nichts.
Vielleicht hätte ich noch eine Stunde dranhängen sollen. Bei FB habe ich später gelesen, dass Mitreisende, die mit einem anderen externen Anbieter unterwegs waren, so gegen halb zwei noch sehr schönes Polarlicht gesehen haben.
So isses halt! Man kann nicht überall sein. Aber ich denk mal positiv.
sechste Polarlichtnacht: (mit viel gutem Willen) checked!
Unseren Liegeplatz im direkten Zentrum von Tromsø steuern wir von Süden aus an. Größere Schiffe müssen Tromsø aus Norden ansteuern, da die auf dem südlichen Weg liegenden Brücken zu niedrig sind, als dass sie sie unterqueren könnten. Daher wird man mit einem größeren Schiff immer außerhalb des Zentrums in Breivika anlegen.
Tromsø ist eine der am schnellsten wachsenden Städte Norwegens. Pro Jahr erhöht sich die Einwohnerzahl um rd. 1.500 Menschen. Aktuell leben über 76.000 Menschen hier in dieser Stadt. Allenthalben wird gebaut. Und trotzdem – wir kennen es ja auch aus Berlin – es reicht nicht hinten und nicht vorne.
Da man in Norwegen normalerweise eine Wohnung kauft und nicht mietet, werden aktuell für eine kleine 2-Raumwohnung in Tromsø schon gerne mal rd. 4 Millionen NOK aufgerufen.
Und etwas Interessantes gibt es noch. Im Gegensatz zum Rest Norwegens, wo man für die Überquerung von Brücken ja Maut bezahlen muss (zumindest solange bis die Brücke refinanziert ist), wird in Tromsø auf diese Erhebung verzichtet. Dafür ist hier das Benzin teurer als anderswo.
Ob es hier wirklich jemanden gibt, der daran glaubt, dass das Benzin dann irgendwann auch mal wieder preiswerter wird?
Heute vormittag haben wir unseren letzten über AIDA gebuchten Ausflug "Tromø Wildlife Center & Besuch bei den Huskys". Unser Guide ist heute Silke, der ich auch die obigen Informationen über Tromsø verdanke.
Wir fahren ins Camp von Aurora Alps und haben Glück, da die für das Schiff gebuchten Rentierschlittenfahrten noch nicht begonnen haben. So gibt es dann eben auch noch Ren oben drauf.
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Allerdings versuche ich es zu vermeiden, dass - wie auf dem vorletzten Bild - die Hunde an mir hochklettern. Nicht weil ich das nicht möchte, am liebsten würde ich in jeden reinkriechen, sondern weil ich nicht weiß, wo das gute Tier vorher mit seinen Pfoten war.
An dieser Stelle wird es, glaube ich, Zeit mal mit ein paar romantischen Irrungen über Hundeschlittenfahrten aufzuräumen. Ich erlaube mir hier, mit meinen eigenen Worten das widerzugeben, was mir auf dem Schiff von den „Betroffenen“ äußerst anschaulich beschrieben wurde.
Jede Hundeschlittentour beginnt mit der Zusammenstellung des Gespanns. Dabei sind die Beteiligten jeweils kurz vorm Ausflippen – und den Hunden geht’s genauso.
Wild bellend springen sie um ihre kleinen Hütten herum, laut "NIMM MICH! NIMM MICH!"-bettelnd. Das, was diese Hunde noch mehr wollen als gestreichelt werden ist: rennen.
Als letzter kommt dann der Leithund an die Zugleine. Der sagt allen anderen, wo’s langgeht – auch dem Musher.
Nein, war Spaß!
Nun tillen die Viecher völlig aus. Wenn man nicht den Schlitten mit einem Anker oder einer starken Leine irgendwo festgemacht hätte, wäre er jetzt schon längst auf dem Weg Richtung Horizont.
Ein lautes Kommando, der Leithund spitzt die Ohren, der Musher löst den Anker und endlich, endlich geht es los.
Rennen, rennen, rennen…. Alles andere steht nun dahinter zurück. Der Weg ist ihr Ziel.
Wenn da nicht…
Völlig unbeeindruckt von der atemberaubenden Landschaft, den tief verschneiten Ebenen, der Sonne, die den eisigen Temperaturen zum Trotz doch schon auch Kraft zu haben scheint, wechselt so Stoff vor sich hin.
Wissenschaftler nennen es auch Stoffwechsel.
Auch der Mensch hat es, nur geht er anders damit um.
Also vor allem mit den Produkten – den Stoffwechselprodukten.
Nach einer geraumen Weile mit einigen Hügeln hoch und Hügeln wieder runter, zieht ein strenger Duft an der empfindlichen Nase der Passagiersgattin vorbei. Vor ihr sitzt: ihr Gatte.
„Sag mal, kannst Du Dich nicht einmal zusammenreißen!!!“
Es ist ja nicht so, dass er irgendwelche grundlosen Anschuldigungen seitens seiner Angetrauten nicht gewöhnt wäre, aber:
Was zuviel, ist zuviel!
„Ich war das nicht“, zischt er zurück. „Das war der Köter.“
Keine Ahnung, was das Tier gefressen hatte, aber die anderen hatten dasselbe.
Dies wird nach und nach deutlich – sehr deutlich!
Pinkeln, kacken, fur.. kann alles während der Fahrt erledigt werden, zumindest wenn man vor dem Schlitten läuft.
Daher ein guter Rat an alle, die sich mit dem Gedanken an eine romantische Hundeschlittentour tragen:
Mund halten, nicht reden!!!
Sollte der Veranstalter vor der Tour Skibrillen, Overalls oder irgendetwas anderes an Schutzkleidung anbieten: zugreifen!!!
Na, da habt ihr ja auch einiges erlebt! Ja, leider ist das eben mit dem Polarlicht so eine Sache. Absolut nicht beeinflussbar. Obwohl ihr ja von der Zeit her auch alles richtig gemacht habt: Die Statistik besagt, dass das Polarlicht jeweils um die Zeit der Tag- und Nachtgleiche (Frühlings- und Herbstanfang) am häufigsten vorkommt. Also - einfach doch nochmal probieren.
Daraus mache ich auch Fotokalender! Schon seit über 12 Jahren drucke ich jedes Jahr von unseren Urlauben A3-Kalender für die Verwandschaft und für Freunde. Ist auch immer ein schönes Mitbringsel, wenn man z.B. zu Silvester eingeladen ist.
Da hab ich jetzt aber gesucht! Du hast Recht - hätte ich jetzt überhaupt nicht so gesehen.
Ich hab ja immer probiert, den AIDA-Schriftzug auf dem Schiff zusammen mit Polarlicht zu fotografieren. Ist mir aber nicht wirkich gelungen - an der Stelle hab ich noch Praxisnachholebedarf.
08.03.2019 (Freitag) Alta bis 19:30 Uhr, 205sm auf dem Weg nach Tromsø
Nach den fantastischen Eindrücken gestern durften wir heute etwas länger schlafen. Unser Ausflug heute ist wieder über AIDA gebucht und heißt: „Sorrisniva Igloo Hotel und Fahrt mit dem Schneemobil“.
Es geht um 11:00 Uhr los und wir fahren ca. eine gute halbe Stunde bis zum Sorrisniva Eishotel größtenteils immer entlang des Alta River.
Leider habe ich den Namen der jungen Frau, die uns heute als ortsansässiger Guide begleitet, vergessen aber ich habe mir sehr genau gemerkt, was sie uns alles z.B. über diesen Fluss erzählt hat.
Alta liegt an der Mündung eines der bekanntesten Lachsflüsse Norwegens. Der größte Wildlachs, der hier jemals geangelt wurde, wog unglaubliche 34 kg. Normalerweise bringen die Tiere aber so zwischen 12 und 15 kg auf die Waage. Und damit das so bleibt, ist das Angeln im Fluss streng limitiert. Und das geht so:
Die Grundvoraussetzung um überhaupt im Alta River angeln zu dürfen, ist schon mal ein dauerhafter Wohnsitz in Alta. Damit sind wir alle schon mal raus!
Pro Jahr werden unter den Bewohnern Alta’s 500 Tickets – vergleichbar mit den bei uns bekannten Angelkarten – verlost. Um in diesen Lostopf zu kommen, zahlt man erst mal 250 NOK. Gewinnt man dann ein Los, zahlt man nochmals 250 NOK. Irgendwann im Frühjahr bekommt man dann einen Termin für den Sommer genannt, an dem man seine Angel auswerfen darf. Es gibt pro Gewinner genau einen Termin und dann darf er seine Angel genau 18 Stunden lang auswerfen. Er darf zu diesem Anlass gerne Freunde, Bekannte, Nachbarn und jeden den er sonst noch irgendwie kennt mitbringen, aber es darf sich immer nur genau eine Angel im Wasser befinden. Die Einhaltung dieser strikten Vorgabe wird genauestens kontrolliert. Es gibt in dieser Zeit dann eine sog. „Angelpolizei“.
Oftmals ist es wohl so, dass wenn man seinen Termin für’s Angeln bekommt, die Planung und Buchung des Sommerurlaubs schon abgeschlossen ist. Dies führt dann gern auch mal dazu, dass der jährliche Familienurlaub auf Gran Canaria für zwei Tage unterbrochen wird, an denen Papa mal eben zurück nach Hause fliegt, den Lachs an Land zieht und anschließend wieder zur Familie jettet. Lachsangeln in Alta ist nicht einfach nur Fische fangen, es ist eine Tradition.
So kurzweilig unterhalten kommen wir also im Sorrisniva Igloo Hotel an und erhalten als erstes mal unsere Ausrüstung für die Fahrt mit dem Schneemobil. Jeder bekommt so eine Art Strumpf für’s Gesicht und einen Helm. Mir bietet der gute Mann noch zusätzliche Handschuhe an, die ich mir über meine noch drüberziehe. Überhaupt die Kälte: Es hat tagsüber -18°C und das, obwohl die Sonne rauskommt.
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Dann geht’s wieder zurück zu den Motorschlitten und wir kriegen eine kurze Einweisung. Mir wird etwas schwummrig, denn lebhaft erinnere ich mich an das letzte Mal als ich auf so einem Ding gesessen habe.
Das ist – zugegebenermaßen – schon 20 Jahre her. Damals machten wir einen Ausflug auf den isländischen Langjökull-Gletscher. Als wäre es gestern, sehe ich noch vor mir, wie der Guide damals zeigt, wie man den Motorschlitten mittels einer Zugschnur (in etwa so wie einen Bootsmotor) startet. Dann langsam links den Hebel für die Kupplung kommen lassen, rechts Gasgriff drehen und losfahren.
Und was passiert?
Alle fahren los und Joean macht mit dem Schlitten einen Riesensatz nach vorne. Ich hatte das Ding einfach mal klassisch abgewürgt.
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Dieses Déjà-vu vor Augen bin ich schwer innerlich mit mir am Ringen, ob ich nicht doch einfach nur als Sozius bei Göga mitfahre. Aber er kennt mich zu gut!
Während ich noch zweifelnd auf das mir zugedachte Gefährt starre, spüre ich wie ein großer Mann von hinten an mich herantritt und dann flüstert mir eine Stimme ins Ohr: „Hey, Du hast ein ganzes Schiff zum Hupen gebracht, da wirst Du doch wohl mit dem Ding hier klarkommen.“
„Das heißt Typhon!“, zicke ich zurück.
„Sag ich ja“, dann lässt er mich stehen.
Boah – aber er hat ja Recht.
Ich sollte jetzt einfach mal die Backen zusammenkneifen und mir für die Mörderkohle, die wir hier gerade hinlegen, auch meinen Mordsspaß abholen. Also los.
Dankenswerterweise gibt es inzwischen besagte Zugschnur nicht mehr und die Kupplung haben sie an den Dingern auch gänzlich eingespart. Mag das daran liegen, dass sich zu viele Frauen zu dämlich angestellt haben?
Die Bedienung heutzutage ist so einfach, dass selbst ich das hinkriege und langsam setzt sich unser Konvoi in Bewegung. Die erste Mutprobe lässt aber dann trotzdem nicht lange auf sich warten. Wir fahren einen steilen Abhang runter, um zum zugefrorenen Alta River zu kommen.
Schon nach kurzer Zeit ist mir einiges klar. Das Sensibelste (nach mir) ist hier eindeutig der Gashebel, das Unsensibelste die Lenkung. Aber ich komme immer besser klar und kann mich dann irgendwann auch auf die Landschaft konzentrieren. Zwischendurch wird mal Pause gemacht, damit man auch mal die Zeit für ein paar Fotos hat.
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Schneemobilfahren macht einen Riesenspaß, der leider schon nach einer guten halben Stunde wieder vorbei ist. Gerade jetzt, wo ich doch mit den Pferdchen erst so richtig warm geworden bin! Schade.
Nach den arktischen Temperaturen draußen, kommen uns die -5° C im Eishotel geradezu warm vor. Da unsere Schneemobilgruppe nicht so groß war, haben wir jetzt auch viel Platz, uns alles anzusehen und Fotos zu machen.
Auch in die Schlafräume und Suiten können wir einen Blick werfen.
Jedes Jahr werden die Skulpturen und Räume im Hotel nach einem bestimmten Thema gestaltet.
In diesem Jahr feiert das – immer wieder neu entstehende – Hotel seinen 20. Geburtstag.
Dementsprechend sehen wir: „Das Beste aus 20 Jahren“.
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So gegen 15:00 Uhr sind wir wieder auf dem Schiff.
Wir könnten noch einmal mit dem Shuttle in die Stadt fahren, aber so richtige Lust haben wir nicht.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass um 17:45 Uhr (lt. Tagesprogramm) der letzte Shuttle von der Stadt zum Schiff fährt.
Den Rest des Tages sind wir einfach mal faul. Selbst als nach dem Abendessen so gegen 22:00 Uhr von der Brücke wieder mal das Vorhandensein eines schwachen Polarlichtes vermeldet wird, stehe ich aus meinem Barsessel nicht mehr auf.
Aber immerhin werfe ich pflichtschuldig über mein Handy einen Blick auf die Bugcam.
Wie war denn das Wetter bei Euch? Konntet ihr Bodø anlaufen? Ich hab ja inzwischen gehört, dass die Reise nach uns auch nicht nach Bodø gefahren sein soll.
Für heute Abend haben wir den Ausflug „Faszination Nordlicht“ gebucht. Treffpunkt ist um 19:15 Uhr direkt an den Ausflugsbussen. Dieser Treffpunkt – gleich an den Bussen – widerspricht zumindest unserer Erfahrung von vor zwei Jahren. Damals war Treffpunkt im Theater, in dem die Firma GlødExplorer sich vorstellte und noch einige Hinweise für die Fotografie von Polarlicht gab.
Danach ging‘s dann erst zu den Bussen, die uns in ein für die Polarlichtbeobachtung geeignetes Camp brachten. Dort wurden wir „ausgeladen“, die Busse fuhren zurück und holten die zweite Truppe, die eine spätere Treffpunktzeit hatte.
Einen festen Termin für die Rückfahrt gab es damals nicht. Es stand immer ein Bus da und wenn der voll war, ging’s zurück zum Schiff. Klappte prima. Auch mein Mann und ich sind damals mit zwei unterschiedlichen Bussen zurückgefahren. Er - glaub ich - so um halb zwölf und ich erst so gegen ein Uhr. Aufgrund dieser positiven Erfahrungen gehen wir diesmal von genau dem gleichen Ablauf aus.
Weit gefehlt.
Die erste große Ernüchterung kommt schon mal, als sie uns nach einer knappen halben Stunde Fahrt in der Landschaft auskippen.
Das ist kein Camp zum Polarlichtbeobachten, das ist ein geräumter Parkplatz mit Bauzäunen. Ein romantisches Sami-Zelt mit einem Holzfeuer – Fehlanzeige. Ein kleines typisch norwegisches Haus mit netter Beleuchtung – Fehlanzeige.
Nur damit wir uns richtig verstehen: ich will einfach nur einen schönen Bildvordergrund, einen typisch norwegischen Bildvordergrund, wenigstens einen Vordergrund.
Ich habe keinen Bock auf tote Bilder.
Polarlicht über unbeleuchtetem Bergrücken – bäh.
Oder noch schlimmer: einfach nur Polarlicht ohne Vorder- und Hintergrund – Doppelbäh.
Stattdessen besteht das Angebot hier aus zwei Pavillons und einem mobilen Festzelt mit großen Fenstern, in dem warme Getränke und Kuchen angeboten werden. Hinter diesem Festzelt steht dann ein ebenfalls mobiler Toilettencontainer.
Und genau hier, hinter dem Klo finde ich ein erstes ruhiges Plätzchen für mich und mein Stativ. Obwohl: über ruhig kann man sich streiten, immerhin hat auch der Container Fenster… Aber das ist ein anderes Thema.
Erst mal schauen, ob es passt, wenn’s dann vielleicht mal soweit ist?
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Seht ihr diese Bauzäune unten, die nur notdürftig von den zusammengeschobenen Schneehaufen überdeckt werden?
Die Masse der Leute aus den vier Bussen, die jetzt da sind, hat sich im Wesentlichen gedrittelt.
Ein knappes Drittel steht am Klo an – seltsamerweise nur Frauen.
Das nächste knappe Drittel hat das Zelt gestürmt und verputzt Kaffee und Kuchen.
Ein Drittel hat einen Weg gefunden, die Bauzäune zu umgehen und steht nun (endlich) in ziemlicher Finsternis mitten auf einem Acker dafür mit Blick auf einen kahlen Bergrücken.
Und die paar Leutchen, die nun noch fehlen, streifen verzweifelt über’s Gelände: Vordergrund – sie suchen Vordergrund.
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Allzu lange lässt sich die Natur nicht bitten und ich mache die ersten Klobilder von einem noch sehr schwachen Polarlicht. Aber auch hier wird das bald besser.
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Irgendwann hab ich die Gegend hinter dem Klo abfotografiert und streife ebenfalls über’s Gelände auf der Suche nach einem neuen Motiv. Zu stehen komme ich auf dem Zugang zu dem schon erwähnten Acker, die Pavillons im Blick. Ach, und das Festzelt natürlich auch. Polarlicht gibt’s hier auch, teilweise sogar sehr schön.
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Was mich aber ziemlich stört, ist das offene Feuer, welches 10 Meter neben mir zur Fotografenwärmung am Laufen, äh am Brennen gehalten wird. Es qualmt und stinkt ziemlich.
Und auf eine ewig verqualmt riechende Jacke hab ich für die nächsten Tage auch keine Lust.
Ich weiß, ich bin eine Mäkeltante.
Aber für 124,99 € pro Person darf ich auch mal mäklig sein! Und dafür hätte ich gern mehr als 2 x 30 Minuten Busfahrt und ne Pfütze Kaffee. Mein Problem ist nicht der Preis an sich – mein Problem ist die Leistung, die ich dafür kriege und mit Leistung meine ich in diesem Fall: Ambiente.
Die ganz Schlauen werden jetzt sagen: „Warum bucht sie dann diesen Ausflug?“
Erstens war vor zwei Jahren der Ausflug auch nicht preiswerter, nur stimmte da die Umgebung – ein wirklich schönes Camp mit sehr ansprechenden Motiven.
Zweitens weiß ich zu dem Zeitpunkt, an dem ich mich entscheiden muss: Ausflug oder auf dem Schiff bleiben, noch nicht, wie das Wetter an diesem Abend sein wird. Und da besteht an Land zumindest die Möglichkeit, dem wolkenlosen Himmel hinterher zu fahren. Auf dem Schiff dagegen sitze ich einfach fest.
Vor zwei Jahren hätte man an diesem Abend vom Schiff aus überhaupt kein Polarlicht gesehen, da es dort viel zu bedeckt war. Bei dieser Reise nun ist es so, dass es auch vom Schiff aus in Alta sehr schönes Polarlicht gegeben hätte.
Aber das kann vorher keiner wissen. Deshalb: Ausflug.
So ab halb neun lichten sich die Reihen der Fotografen doch deutlich. Bisher war schon manch schönes dabei, aber die Kälte frisst sich nun doch zusehends durch Stiefelsohlen und Handschuhe. Dies treibt die Leute schwallartig in das Festzelt. Und wie’s bei den meisten so ist: wenn sie erst mal sitzen, dann sitzen sie.
Es ist aber auch sowas von schwei…kalt da draußen. Bei FB wird später berichtet, es hätte in der Nacht -25° C bis stellenweise -30°C gehabt. Glaub ich gern.
Auch ich gucke mal kurz in das Festzelt rein - es ist gerappelt voll. Kaffee und Kuchen erfreuen sich größter Beliebtheit.
Man könnte den Eindruck haben, der zusätzliche Seetag hätte zu einem kurzfristigen Versorgungsengpass auf dem Schiff geführt, der nun geschlossen werden muss.
Ist nicht mein Geld – sollen sie alle machen. Ich trinke nur einen winzig kleinen Schluck Kaffee und wärme dann meine Hände an dem Becher, denn ich will auf jeden Fall ein Erlebnis mit dem Container um die Ecke vermeiden!
Dann zieht es mich mit aller Macht wieder nach draußen. Nicht auszudenken, wenn ich hier was verpassen würde. Auf der Suche nach einem neuen Motiv stelle ich mich dann an die Stirnseite des Festzeltes. Die großen Fenster strahlen hell auf unseren schönen umfunktionierten Parkplatz und ich denke mir, dass so ein wenig Zusatzbeleuchtung beim Fotografieren ja nur hilfreich sein kann.
Es ist jetzt genau 21:29 Uhr und dann passiert das:
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Das Polarlicht ist so hell, dass kurze Belichtungszeiten von 5 Sekunden ausreichen. Zeitweise bin ich bei einer ISO von nur noch 640. Mit dem Selbstauslöser machen wir auch wunderschöne Bilder von uns beiden vor dieser Polarlichtkulisse. Auf das Fotobuch freu ich mich jetzt schon.
Die allermeisten, die sich im Festzelt festgesessen haben, bekommen von diesem Naturwunder hier draußen überhaupt nichts mit. An dem Platz an dem nun die Bilder entstehen, sind wir genau drei Fotografen.
Der junge Mann neben mir macht ebenfalls richtig tolle Aufnahmen. Aber sie sehen so anders aus, irgendwie kälter.
Meine Bilder wirken so……..warm.
„Du musst den Weißabgleich auf manuell stellen.“, rät er mir.
Bloß blöd, wenn meine Kamera kein „manuell“ hat. Ich hab 8 verschiedene Modi im Weißabgleich. Manuell ist nicht dabei. Na gut, dann probiere ich mich eben durch die einzelnen Modi durch - wird schon was Nettes dabei sein.
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Der Zauber dauert bis ungefähr 22:05 Uhr (Aufnahmezeit meines letzten Fotos). Kurz danach treffen mit den Bussen dann diejenigen ein, die die spätere Abfahrtszeit vom Schiff hatten.
Leider ist es so, dass wir uns diesmal bzgl. der Rückfahrt zum Schiff nicht so frei entscheiden können wie bei der letzten Reise. Heute gab es eine klare Ansage, wann wir für die Rückfahrt wieder am Bus sein müssen.
Muss ich noch extra erwähnen, wie ich das finde?
Im Laufe der Reise kommt man natürlich immer wieder mit verschiedenen Mitreisenden ins Gespräch.
Daher weiß ich nun inzwischen, dass die erste Gruppe (unsere) das große Polarlichtlos gezogen hatte.
Die zweite Gruppe hatte wohl dann eine Rückfahrt zum Schiff gegen ca. 01:00 Uhr und sie haben wohl leider so gut wie gar kein Polarlicht mehr gesehen (gut, die Kaffeetrinker unserer Gruppe auch nicht).
Als ich ihr dann meine Fotos, die inzwischen meinen Whatsapp-Status schmücken, zeige bricht sie fast in Tränen aus.
Vierte Polarlichtnacht: aber sowas von checked!!!!
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Um 10:30 Uhr finde ich mich dann aber pünktlich in der AIDABar ein. Tatsächlich beginnt gerade der Info-Talk mit Lektor Oberndorf und der EM bittet mich doch noch mit auf die Bühne. Während an verschiedenen Stationen Prüfungen abgelegt werden müssen, um das Zertifikat für die Polarkreisüberquerung zu bekommen, stehe ich dann tatsächlich mit dem Mikrofon in der Hand da und erzähle über unsere Erlebnisse vor ziemlich genau zwei Jahren.
Das hätte ich mir auch nie träumen lassen!
Im Nachhinein kann ich gar nicht mehr sagen, wie lange wir uns da unterhalten haben, aber am Ende des Gesprächs hat der EM noch eine Riesenüberraschung für mich parat.
Als Dankeschön für meine Mitwirkung darf ich nachher beim symbolischen Sprung über den Polarkreis dreimal das Schiffstyphon betätigen.
Wie gei... ist das denn!!!!
Damit hätte ich nun wirklich nie gerechnet.
Leider hat GöGa nur gefilmt, aber hier seht ihr alle wichtigen Personen schon mal in Action oder in Lauerstellung. Vorn der EM und der Hoteldirektor, dahinter - mit dem weißen Stirnband - lauere ich auf meinen Einsatz.
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Als ich dann endlich zur Tat, äh ich meine zum Typhon schreiten kann, ist es ein großer Moment. Und wie das mit großen Momenten so ist, sind sie dann leider auch relativ schnell wieder vorbei.
Wenn's nach mir ginge, würd ich da heute noch stehen und fröhlich vor mich hin typhen? typhonen? typhonieren?
Aber auf gar keinen Fall würde ich hupen - auch wenn GöGa mich noch so lange damit neckt.
"Meine kleine Typhonöse."
WIE BITTE?
Das klingt ja wie ne ansteckende Krankheit! Wenigstens hat er "klein" gesagt. Da verzeih ich ihm mal großzügig.
Trotzdem bin ich mir sicher, dass er ziemlich stolz auf mich ist.
Egal, die Zeit vergeht und wir nähern uns nun immer weiter dem nördlichsten Punkt unserer Reise. Unser Liegeplatz wird sich direkt neben dem kleinen Flughafen befinden.
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Schon gegen 14:00 Uhr machen wir fest. Eine Stunde eher als gestern vom Kapitän angekündigt. Man hat hier schnell reagiert und bereits Shuttlebusse für den Weg in die Stadt bereitgestellt. Dann mal nichts wie los. Wir haben einen Einkaufsauftrag. Unsere Mitshuttler müssen sich nach dem Aussteigen an der Touristinfo erst mal orientieren. Die Zeit können wir uns sparen. Wir stiefeln direkt los. Nordlichtkathedrale ohne Menschen ist das Ziel.
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Dafür, dass heute Abend hier die Eröffnungsveranstaltung des Finnmarkslopet stattfinden soll, ist hier erstaunlich wenig los. Erst mal marschieren wir los Richtung Einkaufszentrum - Erinnerungen auffrischen.
"Guck mal, hier haben wir damals Deine Jacke gekauft." Stimmt, aber heute gibt's keine. Muss ja auch nicht. Wir wollen etwas anderes hier erstehen und hoffen, dass sich nicht nur der Jackenladen gehalten hat, sondern auch der ältere Herr, bei dem wir damals die Rentiersalami erstanden haben. Leider finden wir ihn hier nicht. Schade. Aber irgendwo werden wir schon noch so etwas bekommen.
Wenn man aus dem Einkaufszentrum wieder rauskommt, ist gleich daneben der große Parkplatz, auf dem nun so eine Art Markt aufgebaut ist. Wir bummeln drüber und werden natürlich fündig. Selbst auf einem Markt mit Buden und Klapptischen kann man hier mit Kreditkarte bezahlen. In Deutschland undenkbar.
Angeboten wird hier jede Menge Ren in allen möglichen Ver- und Bearbeitungsstufen.
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Auf der anderen Seite der im Moment ziemlich tief verschneiten Fußgängerzone wird aktuell wieder der Eisskulpturengarten aufgebaut.
Die fleißigen Helfer sind teilweise noch mit schwerem Gerät dabei, ihren Figuren den letzten Schliff zu geben. Bei manchen wird schon die Elektrik verlegt, damit das abends dann auch schön stimmungsvoll aussieht.
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Im Laufe der Zeit finden sich immer mehr Touris vom Schiff hier ein, so dass es den Machern dann zuviel wird. Freundlich, aber sehr bestimmt werden wir gebeten den kleinen Park zu räumen, damit hier weiter gewerkelt werden kann. Gut, dann fahren wir mal zum Schiff zurück.
Ende Teil 1
(Ich wollte diesen Tag eigentlich nicht in zwei Teile zerreißen, aber die Software sagt mir gerade, dass ich nur maximal 10.000 Zeichen zur Verfügung habe. Das ist dann wohl die moderne Form von : "Fasse Dich kurz!")
05.03.19 (Dienstag) Seetag auf dem Weg nach Bodø 616 sm
Nachts frischt der Wind nochmal ordentlich auf. Morgens hat die Luft 2 Grad, das Wasser 8 Grad, der Wind kommt aus Nordost mit normal 8 und in Spitzen bis 10 Windstärken. Die Wellenhöhen werden den Tag über bei ca. 8 Metern liegen. Diese Informationen entnehme der Kapitänsdurchsage am Vormittag. Ich versuche, mit dem Handy ein kurzes Video für unseren Whatsapp-Status zu drehen und habe alle Mühe, es festzuhalten, sonst würde es von Rasmus zu Neptun befördert.
Gegen 14:00 Uhr (ca. auf der Höhe von Trondheim) erfolgt eine Durchsage des EM (Entertainment-Manager):
Da der Kapitän, bedingt durch den Sturm, die Geschwindigkeit verringert hat, wird der Polarkreis erst mitten in der Nacht überquert werden. Die für abends (21:30 Uhr) angesetzte Polarkreistaufe-/party wird abgesagt, man könnte auch formulieren: vom Sturm abgeblasen.
Das finde ich gut, denn vor zwei Jahren hatten wir ja genau das Gegenteil. Damals waren wir (auch wegen eines Sturmtiefs) mit wesentlich erhöhter Geschwindigkeit Richtung Bodø unterwegs und überquerten den Polarkreis schon irgendwann zur Abendbrotessenzeit, was natürlich auch nicht partykompatibel ist. Nur mit dem Unterschied, dass damals überhaupt nichts kommuniziert wurde und am späteren Abend die Überquerung trotzdem mit großem Brimborium und spannungsvortäuschendem Runterzählen zelebriert wurde.
Da finde ich die heutige Variante doch irgendwie wesentlich erwachsener. Der Touri von heute ist ja schließlich nicht doof und will auch nicht dafür verkauft werden.
Gegen 17:45 Uhr kommt dann allerdings eine wirklich bittere Pille. Außerplanmäßig meldet sich der Kapitän von der Brücke und teilt uns mit, dass aufgrund des Sturms eine sichere Einfahrt in den Hafen von Bodø sowie ein sicheres Festmachen des Schiffes nicht gegeben ist und wir daher Bodø überhaupt nicht anlaufen werden.
Stattdessen wird die Geschwindigkeit weiter verringert und wir werden direkt bis Alta durchfahren. Die genaue Ankunftszeit in Alta werde uns morgen mitgeteilt. Für Bodø über AIDA geplante Ausflüge würden natürlich erstattet. Soweit ich das mitbekomme, nehmen die Passagiere diese Änderung des Fahrplanes gelassen. Da steht uns also morgen ein weiterer Seetag bevor.
Abends gehen wir ins Theater. Der Gastkünstler dieser Reise ist Piero Masztalerz mit seiner Live Cartoon-Show.
Seinen doch sehr schwierigen Namen erklärt er damit, dass sein Vater Italiener und seine Mutter Polin sind. „Und jetzt wissen Sie auch, warum ich hier auf der Bühne stehen muss, ich bin zu faul zum Klauen.“
Zu Beginn seiner Karriere hat er erst Comics gezeichnet „Comic ist viele Bilder und wenig Text“, das war ihm dann zu aufwendig „Zuviel Zeichnerei und reich wird man davon auch nicht.“ Dann begann er, Cartoons zu zeichnen „Das war schon besser: Weniger Zeichnerei, jede Geschichte nur ein Bild und wenig Text. Wird man aber auch nicht reich von.“
Dann entstand die Comedy-Szene und er nutzte seine Chance. „Jetzt stehe ich auf der Bühne und lese meine Cartoons vor. Man wird immer noch nicht reich, aber man kommt unter Leute – und wenn ich Glück habe eben auch mal auf’s Kreuzfahrtschiff.“
Außerdem ist es zu Beginn einer Show für einen Künstler nie verkehrt, so etwas wie eine emotionale Bindung mit dem Publikum aufzubauen. Fragen nach dem persönlichen Befinden kommen immer dabei immer gut.
Masztalerz: „Und hatten Sie denn heute Probleme mit dem Seegang?“
Antwort aus dem Publikum: „Nein, mit dem Stuhlgang.“
Yep! Ich liebe es! Genau für diese Momente schreibe ich Reiseberichte!
Viel später am Abend verbringen wir unsere Zeit da, wo sich zuverlässig immer jemand zum Erzählen finden oder treffen lässt - an der Poolbar auf Deck 10.
Ich komme an diesem Abend dort irgendwann mit dem EM ins Gespräch und wir unterhalten uns über Alta und den dort am Freitagabend startenden Finnmarkslopet, das längste und härteste Hundeschlittenrennen Europas. Einige interessante Fakten dazu findet ihr in meinem Reisebericht der AIDAcara.
Und irgendwann im Laufe unseres Gespräches fällt dann fast beiläufig die Frage, ob ich denn bereit wäre, zu diesem Thema zusammen mit dem Lektor für ein kurzes Interview während der nachzuholenden Polartaufe zur Verfügung zu stehen. Ich solle mir das mal überlegen.
Als wir dann so kurz vor 23:00 Uhr schon fast die Segel Richtung Koje streichen wollen, kommt wieder eine Durchsage der Brücke: Polarlicht sei gesehen worden! Was schon wieder? Das hätten wir doch beim netten Stelldichein an der Poolbar fast verpasst! Da wir schon mal oben sind, halten wir mal neugierig das Näschen Richtung Bug. Oha! Heute lohnt es sich dann doch schon mal, nach Kamera und Stativ zu schauen.
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zweite Polarlichtnacht: checked!
06.03.2019 (Mittwoch) Seetag statt Bodø auf dem Weg nach Alta (noch ca. 320sm)
Im Laufe des Vormittags erhalten wir vom Kapitän die Info, dass die Ankunft in Alta am 07.03.19 gegen 15:00 Uhr sein wird. Die Aufnahme des Lotsen für den Altafjord ist für 09:00 Uhr am Folgetag vorgesehen. Somit werden wir einige Stunden früher in Alta sein als ursprünglich geplant.
Apropos geplant:
Wie hätten denn unsere Pläne ausgesehen, wenn wir Bodø hätten anlaufen können?
Saltstraumen? Och nö - nich schon wieder!
Schneeschuhwanderung mit einem privaten Anbieter?
"Das glaubst Du doch selbst nicht! Nach spätestens zehn Minuten brichst Du mir dabei doch vor Erschöpfung zusammen!"
Na gut, ich geb's ja zu. Schneeschuhwanderung war wirklich eine etwas überambitionierte Idee von mir.
Aber dann fällt mir ein, dass ich im Reisebericht von Seefahrer6168 von ihrem Ausflug "Mit Zug und Bus die Kommune Saltdal entdecken" gelesen habe.
Das gibt mir einen ersten Hinweis. Stolze 149,99 € soll dieser 6-stündige Ausflug aktuell bei AIDA kosten. Hm. Und zumindest die eine oder andere Station dieses Ausflugs ist nicht nach meinem Geschmack.
Will ich mir das trotzdem antun? Nein, will ich nicht. Aber Seefahrer6168 schwärmte damals von der Zugfahrt zurück von Rognan entlang des sehr malerischen Skjerstadfjords. Gegen eine malerische Zugfahrt ist ja nichts einzuwenden und kommt mir konditionsmäßig sehr entgegen. Meine nächste Überlegung geht dann dahin, dass AIDA ja wohl nicht extra einen ganzen Zug exklusiv chartern wird.
Kurze Zeit später steht mein Plan: In Bodø vom Schiff runter, nach links gewandt und nach knapp 400 Metern erreicht man den Bahnhof. Mit einem ganz normalen Zug der NSB (Norwegische Staatsbahn) wollten wir dann bis nach Fauske fahren (bis nach Rognan war mir aufgrund der Liegezeit zu heikel), dort dann einen guten norwegischen Kaffee trinken und im Idealfall dazu eine noch bessere norwegische Waffel essen und dann mit einem der nächsten Züge wieder zurück nach Bodø. Wahlweise kann man für die gleiche Strecke auch den Bus nehmen. Hilfreich bei der Planung ist dabei auf jeden Fall die Seite 177nordland-no. oder nsb-no.
Wenn dann nach unserer Rückkehr noch Zeit ist, wollte ich gern noch einen Blick in das Studio EBN in der Storgata werfen. Dort werden nämlich Handtaschen und Accessoires aus Lachsleder angeboten.
Das alles muss ich nun auf ein nächstes Mal verschieben oder ich kann mir in den Reiseberichten anderer Fori's mal irgendwann durchlesen, wie's denn gewesen wäre.
Im Übrigen bessert sich das Wetter im Laufe des Tages zusehends. Das Sturmtief scheinen wir nun hinter uns zu haben. Die letzten dunklen Wolken machen so langsam einem blauen Himmel Platz und lassen viele Blicke auf die beeindruckenden Felsen der norwegischen Küste zu.
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Vormittags besuche ich den Vortrag des Lektors Björn Lars Oberndorf und am frühen Nachmittag finde ich einen Brief an unserer Kabinentür:
... wie gestern angedeutet, planen wir einen Info-Talk zu den Huskey-Rennen mit unseren Lektoren. Wenn Sie als Gäste-Expertin für diesen Talk zur Verfügung stehen würden wollen, würde ich mich sehr freuen.
Melden Sie sich ggf. gerne über die Rezeption bei mir.
Herzliche Grüße
Stefan Zinkgraf
Entertainment Manager
Au Backe, der macht tatsächlich Ernst! In was hab ich mich mit meiner großen Klappe da bloß wieder reingeritten?
Ich ringe schwer mit mir.
Will ich das? Nun ja, ich hätte das ja auch gestern Abend schon kategorisch ablehnen können. Hab ich aber nicht. Also...
Hätte ich denn überhaupt was zu erzählen? Ach doch, so vier bis vierzehn Sätze würden mir da schon mal aus dem Stegreif zu einfallen. Also...
Hochdeutsch! Mädel, du musst da hochdeutsch reden. Definitiv das Größte meiner Probleme!
Ich wandere also zur Rezeption und die Sache nimmt ihren Lauf. Am nächsten Vormittag soll auf dem Weg durch den Altafjord die ausgefallene Polartaufe symbolisch nachgeholt werden und wir verabreden uns für 10:30 Uhr in der AIDABar.
Für heute Abend allerdings plant AIDA dort das obligatorische Alpenglühn. Die Natur plant auch: Polarlicht.
03.03.19 (Sonntag) Seetag auf dem Weg nach Haugesund 454 sm
Nach einer ruhigen Nacht verbringen wir den ersten Tag auf See sehr entspannt. Bis zum frühen Nachmittag ist sehr sonnig, aber schon ziemlich kalt. Das stört hier aber niemanden, in Decken eingewickelt kann man es gut draußen aushalten.
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Abends findet die obligatorische Kapitänsvorstellung statt. Verantwortlich für alles zwischen Wulstbug und Mastspitze ist auf dieser Reise Erik Kelt Kirchner. Als Quasselstrippe des Jahres wird er nicht durchgehen, seine Richtung ist eher norddeutsches Understatement.
Im Laufe des Tages frischt der Wind weiter auf und der Wellengang nimmt zu - nicht dramatisch, aber merklich, vor allem beim Tanzen.
Die Wettervorhersage für diesen Tag hieß: sonnig bis wolkig bei 7°C. Das ist die beste Vorhersage, die ein Meteorologe überhaupt treffen kann. Irgendwie ist sie immer wahr. Selbst dann, wenn es - wie bei uns - morgens erst mal ordentlich regnet. Wir wollen mal darauf hoffen, dass im Laufe des Tages auch noch der zweite Teil des Wetterberichts eintritt.
Der Treffpunkt für unseren Ausflug ist heute erst um 12:00 Uhr. Von daher vertreiben wir uns den Vormittag auf dem halb leeren Schiff. Auf der Backbordseite treibt etwas im Wasser.
"Hey, guckt mal! Wir haben den XXXX Admin gefunden!"
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Ja, die Mannschaft hat ihn auch schon entdeckt - sollte sie auch, denn heute ist "Leben retten üben" dran. Also wird ein Schlauchboot zu Wasser gelassen. Ich weiß nicht, ob die Besatzung des Bootes mit dem Namen XXX Admin etwas anfangen kann, falls ja, sind sie definitiv keine Fans von ihm. Bevor sie damit anfangen, ihn aus dem Wasser zu ziehen, fahren sie forsch mit dem Bötchen erst mal über ihn drüber. Die Jungs wollen es also gründlich machen! Find ich super!
Mit den Händen am Hintern gepackt und somit nach vorne ziemlich zusammengeklappt in ein Boot gezerrt zu werden, gibt keine wirklich schönen Bilder für 'ne Titelseite. Dementsprechend gibt es wohl von der Brücke für diese Aktion einen Anschiss und schon fliegt die Puppe erneut ins Wasser. Jetzt wird aber ordentlich gerettet!
Nachdem ich zu Hause etwas gegoogelt habe, weiß ich, dass nun ein "Personenrettungsgerät Typ 2" zum Einsatz kommt - ein modulares Bergungsgerät für schwierige Situationen. So schwierig find ich die Situation hier nicht und ob der Küblböck beim Retten fotogen rüberkommt oder nicht, ist mir auch egal, aber schaun mer mal!
Dafür wird besagtes Bötchen neben den hoffentlich noch nicht Ertrunkenen manövriert (schwierig) und dieser dann mit so einer Art Matte eingefangen (das er von alleine da reinschwimmt, ist wohl eher Wunschdenken des Herstellers) um dann rückenschonend ins Boot gerollt zu werden (ziemlich schwierig).
Auch hier gilt wie überall im Leben: Wer abrutscht, kann noch mal.
An dieser Stelle sei ein kurzer zeitlicher Vorgriff erlaubt:
Am Nachmittag und am Tag darauf waren zwei Techniker sehr eifrig mit werkeln und montieren an besagtem Schlauchboot beschäftigt. Dies veranlasste mich spontan zu einer weiteren respektlosen Bemerkung: XXX Admin
Sollte also irgendwer mit dem Gedanken spielen, es dem armen XXX Admin gleich zu tun: Lasst es! Sie könnten dieses Boot flottmachen! Schon dieser Gedanke alleine sollte Abschreckung genug sein!
Treffpunkt für unseren Ausflug ist um 12:00 Uhr direkt vorm Schiff. Ein Kleinbus bringt uns 6 Hanseln zum Flughafen von Haugesund. An einem unscheinbaren Nebeneingang wartet schon der Pilot und kurz dahinter der hier:
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Der Heli fasst insgesamt 7 Personen (vorn 3 incl. Pilot, hinten 4 Sitzplätze). Kurze Sicherheitseinweisung und schon geht’s los. „Helikopterflug zum Preskestolen“ – so heißt unser Ausflug und es ist ein AusFLUG im wahrsten Sinn des Wortes!
Als allererstes nehmen wir aber nicht den direkten Kurs Richtung Lysefjord, sondern Richtung AIDA. Wann kann man die schon mal so von oben fotografieren?
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Schon alleine das ist atemberaubend! Was für eine gigantische Natur wurde hier in der Eiszeit geschaffen. Der Prekostolen - oder übersetzt: Predigtstuhl - entstand ebenfalls in dieser Zeit als die Kanten des umliegenden Felsens durch die Macht des Eises weggesprengt wurden. Er hat eine Höhe von 604 Metern und eine Grundfläche von ca. 25 x 25 Metern. Auf dem Plateau selber gibt es keinerlei Absperrungen.
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Ich gebe zu, wenn man diesen Felsvorsprung so von hinten anfliegt, da hab ich mich schon gefragt: Wie - das ist alles? Von Meereshöhe aus, durften wir diesen Felsen ja schon mehrmals bewundern und aus dieser Perspektive sieht es ja wirklich beeindruckend aus.
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Nochmal eine wunderschöne Kurve, damit auch die andere Seite noch Fotos machen kann, dann geht es weiter Richtung Stavanger. Dort liegt aktuell die Viking Sky, die wir am Ende unserer Reise nochmals in Bergen treffen werden, nicht ahnend welches Schicksal dem Schiff und seinen Passagieren knapp 3 Wochen später bevorstehen soll.
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Wir lassen die Landschaft da unten auf uns wirken und ehe wir uns versehen, ist die gute Stunde, die der Flug dauerte auch schon wieder vorbei. Kein ganz preiswertes Vergnügen, aber für uns war es jeden einzelnen Cent wert.
Heute ist ja Rosemontag. Im Theater findet eine „Karnevalsveranstaltung“ statt mit mehreren Wagen, die von den einzelnen Departments gestaltet wurden. Da wird ein Liegestuhl schon mal zur Sänfte umfunktioniert. Auch ein Teil unserer Mitreisenden hat im Koffer Platz für mehr oder weniger aufwendige Kostüme gefunden. Als Berliner haben wir zum Karneval ja ein eher tolerantes Verhältnis: So lange wir nicht mitfeiern müssen, sollen die anderen ihren Spaß ruhig haben.
Um zum letzten Highlight dieses Abends zu kommen, muss ich ein wenig ausholen: Leider hat AIDA auf seinen Fernsehkanälen die aktuelle Seekarte mit den nautischen und den Wetterdaten eingespart. Der interessierte Passagier der unterwegs mal wissen will, wo er sich denn aktuell befindet, hat nur die Möglichkeit, sich über das Smartphone in das Bordportal einzuloggen. Dort werden dann eine mehr- oder weniger aussagekräftige Seekarte und rudimentäre nautische Daten veröffentlicht. Es gibt den aktuellen Kurs, die Geschwindigkeit und die Windstärke in m/s. Das Umrechnen in Beaufort kann der Passagier dann schon selbst übernehmen - er hat ja schließlich das mobile Endgerät schon in der Hand! Auch Angaben zu aktuellen Wellenhöhen und z.B. aktueller Position (GPS) fehlen völlig. Lt. Aussage des Hoteldirektors werden diese Daten von Hamburg aus in das System eingesteuert, die Schiffsführung hat darauf keinen Einfluss. Auch der Wegfall des Fernsehkanals sei eine Hamburger Idee. Eine wenig kundenorientierte Idee - wenn ich das mal so sagen darf!
Dafür hat AIDA anscheinend überhaupt kein Problem damit, auf den Bildschirmen in der Bar 14 Tage den ewig gleichen Werbefilm in eigener Sache zu zeigen. Es nervt und es hat den Anschein einer Gehirnwäsche! Wir versuchen dann immer schon, uns so zu setzen, dass wir nicht diese Bildschirme im Blickfeld haben. Wie wär's denn, wenn man wenigstens einen Bildschirm permanent mit einer Seekarte, sowie umfangreichen und aussagekräftigen nautischen Daten speisen würde? Ich glaube kaum, dass sich dies negativ auf das Buchungsverhalten auswirkt!
Als wir um ca. halb zwölf eine letzte Zigarette rauchen, überlegen wir, in welcher Höhe der Küste wir uns aktuell befinden und von welcher Stadt der Lichtkegel sein könnte, den wir da gerade an der Küste sehen. Um das mal zu klären, gehe ich mit dem Handy auf das Aidaportal, wie gesagt, die einzige Informationsquelle.
Darunter befindet sich dann ein aktuelles Bild der Bugcam. Und was seh ich da? Polarlicht. Wirklich und wahrhaftig! Das kann doch nicht wahr sein! Wir sind doch noch weit unterhalb von Bergen!
Also Schuhe wieder an und nach draußen geguckt. Wir sind noch nicht ganz vorn auf Deck 6, da erfolgt von der Brücke die Durchsage, dass Polarlichter zu sehen sind. Die gefühlten 10 Sekunden Vorsprung sichern uns gute Plätze ganz vorn auf Deck 6, bevor dann der „Run“ losgeht.
Die meisten der Mitreisenden sind ziemlich verwirrt, wo denn nun das Polarlicht sei. Sie würden nichts sehen! Am Horizont sieht man nur ein breites weißgraues Band. Wie gesagt, befinden wir uns ja noch sehr weit südlich und in diesen Breitengraden Polarlicht zu sehen, ist ja nicht selbstverständlich. Man(n) sollte also nicht zu viel erwarten.
Nun sind aber alle Hobbyfotografen in ihrem Element. Ich habe weder Stativ noch Kamera dabei. Zum einen aus Faulheit, zum anderen weil ich mir Besseres erwarte in Alta und Tromsø.
Für mich gilt also: nur gucken, keine Bilder machen. Das gibt mir die Gelegenheit, mehr auf meine Umgebung zu achten. Dabei stelle ich fest, dass sich das Wissen um die Feinheiten der Polarlichtfotografie mehr und mehr rumspricht.
„Freunde der Nacht! Macht doch bitte endlich mal euer Blitzlicht aus!“
Nein, der Satz kam nicht von mir. Wer der Aurora hier mit Blitzlicht zu Leibe rücken will, wird von den Mitreisenden teilweise ziemlich rüde zurückgepfiffen.
Mir kann’s egal sein, aber ich kann die Zurückpfeiffer schon verstehen. Die Mehrheit von ihnen verliert hier gerade sozusagen ihre „Polarlichtunschuld“. Und sagen wir’s doch einfach mal wie’s ist: Störungen jedweder Art sind bei so einem Vorgang unerwünscht. Und diejenigen, denen es gelingt, in dieser Nacht einen verschwommenen grünen Streifen auf die Speicherkarte zu bannen, sind zu Recht sehr stolz auf sich.
Das dauert ja ewig bis ich die ganzen Namen hier eingegeben habe.
Liebe Fori's, schön, dass so viele von Euch mit uns reisen wollen.
Es freut mich auch sehr, dass viele von denen, die sagen, "es ist mir im Winter zu kalt", hier dabei sein wollen. Zeigt es doch euer Interesse und eure Fähigkeit über den eigenen Tellerrand - soll heißen: die eigenen Reisepräferenzen - hinaus zu gucken.
Und wie ich den Kommentaren entnehmen konnte, plant der eine oder andere ja doch, sich auf dieses Wagnis einzulassen. Euch kann ich sagen: es lohnt sich!
Reisebericht AIDAaura „Winter im hohen Norden“ - 14 Tage, 7 Nächte, viele Wunder und noch mehr...
Ich hör's doch schon wieder durch's Land schallen:
"Och nö, watt hat se sich denn nu wieder ausjedacht! Schlagerreise mit dem ollen Wolle Petry, oder watt? Dabei isse noch nich mal textsicher!"
Nein, hat sie nicht – keine Sorge. Aber auf eins könnt ihr euch verlassen: Der Titel kommt nicht von ungefähr!
Los geht‘ aber wie immer mit einer - für meine Verhältnisse - ungewohnt kurzen Vorgeschichte oder sollte ich sagen: einem Vorspiel?
Man(n) weiß es nicht!
„Sach mal, willste nich ausnahmsweise mal doch meinen Reisebericht lesen, BEVOR ich ihn ins Netz stelle?“
„Nö.“
„Biste nich neugierig?“
„Geht so.“
‚WIE: GEHT SO! Andere Leute würden sich halb zerreißen, wenn sie schon mal einen Blick drauf werfen könnten. Und du? Geht so! Ich fass es nicht!‘
„Aber vielleicht wär’s in diesem doch Fall besser, wenn du…“
„Du machst das schon.“
‚Na gut. Dann mach ich mal. Du hast es so gewollt! Aber wehe, du beschwerst dich hinterher!‘
Kapitel 1
„Drück mal!!!!“
‚Wie jetzt……? Ich……?????‘ Gut, dann drück ich.
„Fester!!!“
'Nach fest, kommt ab – alte Weisheit, solltest du eigentlich kennen!'
„Noch fester!!!!“
Also mal ganz davon abgesehen, dass ich „noch fester!!!!“ nicht mehr kann, wäre es vielleicht auch nicht ratsam.
„Ich krieg ich ihn nicht rein.“
‚Hab ich doch vorhin schon gesagt. Warum glaubt mir nie einer?‘
„Hm.“
„Mehr hast du dazu nicht zu sagen?“
‚Doch. Ich könnte: „gut gedrückt“ sagen, aber ich glaube, das kommt im Moment nicht so gut.‘
„Vielleicht sollten wir einfach mal tauschen? Also die Position, meine ich.“
„Wenn wir uns jetzt hier umdrehen, dann rammst du mir dein Knie wieder in die Seite!“
‚Pöh – ich sollte doch was sagen! Sag ich eben nichts mehr. So.‘
„Gut, dann lass uns tauschen. Du nach unten und ich von oben. Aber vorsichtig! Vielleicht rutscht er ja dann rein.“
‚I hope so. Lange halt ich in der Stellung hier nicht mehr durch.‘
„Sag mal, war der schon immer so groß?“
‚Welche Antwort möchtest du denn jetzt hören, Schatz. Die ehrliche oder die höfliche?‘
„Also ich kann mich beim besten Willen an keine andere Größe erinnern.“
‚Boah. Mit dieser Antwort könnte ich doch glatt um Aufnahme ins diplomatische Corps ersuchen.‘
"Nee, das geht so nicht. Nimm doch mal Dein Knie noch ein Stück weiter zur Seite!"
'Wofür hälst du mich? Für ne rumänische Bodenturnerin? Meine Spagatzeiten hab ich definitiv hinter mir! Und wenn ich’s genau bedenke, war ich da auch nie drin!'
Es wäre so einfach - hast Du gesagt.
Die entspannteste Variante - hast Du gesagt.
Und dann fällt dieser eine Satz, auf den ich ja schon die ganze Zeit gewartet habe...
So wie ich hätte sich noch keine dabei angestellt - HAST DU GESAGT!!!
Mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch nehme ich Anlauf und ramme meine Schulter gegen den Kofferboden. Mit einem großen Ruck und einem häßlichen metallisch-knirschenden Geräusch rutscht dann auch der letzte Koffer endlich in die Gepäckablage des ICE nach Hamburg.
Dies ist die Geschichte einer Wiederholungstat.
Vielleicht werden sich noch einige erinnern an "Datt sind die Wellen, Matta". Noch während es damals vor sich hin wellte, war uns klar, dass wir diese Winterreise in den hohen Norden unbedingt wiederholen müssen - und auch, dass diese Wiederholung nicht lange auf sich warten lassen würde.
02.03.19 (Samstag) Hamburg
Heute vor zwei Jahren waren wir mit der AIDAcara noch nicht mal losgefahren und nun sind wir schon wieder auf dem Weg nach Hamburg - gerüstet für ein erneutes Winterabenteuer - diesmal aber mit der AIDAaura.
Wir sind gespannt auf das - für uns - neue Schiff, wir hoffen auf vielleicht etwas besseres Wetter als beim letzten Mal und wir wünschen uns das, was sich wohl alle hier an Bord wünschen - Polarlichter.
Manch einen Ausflug haben wir schon im Vorfeld gebucht - bei einigen mussten wir richtig fix sein. Manchmal werden wir auf den Spuren unserer eigenen Ausflugstipps von damals wandeln, manchmal gönnen wir uns was.
Kann man etwas Einzigartiges zweimal erleben?
Die logische Antwort ist: Nein, denn es ist ja einzigartig. Und doch ist genau das passiert.
Ich möchte euch nun mitnehmen auf eine zweite absolut außergewöhnliche Reise in den Winter Norwegens, für die mir ein anderes Wort als "einzigartig" nicht einfallen will.
Vielen herzlichen Dank für die lieben Kommentare. Ich freue mich sehr, dass meine Art, die Welt zu sehen - und auch zu kommentieren - hier immer wieder so viele Anhänger findet.
Besonders freut mich auch, dass sogar der eine oder andere "Neuforisti" den Weg zu meinen Reiseberichten gefunden hat. Bis Ihr auch die etwas älteren - aber garantiert genauso unterhaltsamen - Berichte hier im Forum wieder lesen könnt, wird es leider noch etwas dauern, da diese erst nach und nach durch den Admin freigeschaltet werden.
In diesem Jahr stehen nur noch zwei kürzere Landurlaube an. Aber im nächsten Jahr werden wir uns nochmal im Winter in den hohen Norden wagen (weil das ja im letzten Jahr so absolut genial war) und etwas später dann werden wir auch wieder ein neues Schiff entdecken - die World Explorer und darauf bin ich schon sehr gespannt.
Um 10:00 Uhr Ortszeit ist MS Norröna dann wieder pünktlich in Hirtshals. Schon von Weitem grüßt uns sein Leuchtturm an der dänischen Westküste.
Bereits um 10:30 Uhr sind sowohl Bus als auch Reisegruppe abfahrbereit. Es geht nach Hause.
Also: Für uns geht's wieder bis Hamburg und von da aus noch heute weiter mit dem ICE um 17:36 Uhr ab Hauptbahnhof.
Für die rund 520 Kilometer braucht man normalerweise ca um die 5 Stunden.
Gut, mit nem Bus geht's vielleicht nicht ganz so schnell, aber wir haben ja etwas Karenz eingeplant.
Außerdem hatten wir gestern darüber noch mit Dieter ein kurzes Gespräch, als wir uns zufällig an Deck getroffen haben.
Und immerhin haben wir ja für die Hinfahrt auch nur 6 Stunden gebraucht (incl. der Pause).
So gegen halb eins machen wir (noch auf dänischer Seite) eine Pause.
Karin übernimmt wieder das Steuer. Das hätte ich schon stutzig machen müssen!
So aber denke ich: Das läuft ja prima! Wenn das weiter so geht, dann sind wir ja fast eine Stunde vor Abfahrt unseres Zuges in Hamburg.
In Flensburg und Neumünster werden die ursprünglich dort eingestiegenen Mitreisenden abgesetzt und Karin bleibt auf dem Bock.
'Respekt, Mädel, ich möchte nicht mit nem Reisebus unterm Hintern durch Hamburg fahren müssen.'
Es geht weiter Richtung Heimat.
16:10 Uhr
Göga hat inzwischen ständig Goo...Maps im Auge.
Hätte ich diesen Reisebericht hier vor dem 27. Juni posten können, dann hätte hier jetzt gestanden: "Das läuft ja hier wie'n Länderspiel!"
Inzwischen würde ich das anders formulieren. Sagen wir also mal: "Es läuft so gut, wie man das von einer Mannschaft erwarten kann, wo alle an einem Strang ziehen und jeder weiß, worum's geht."
Goo...Maps sagt: Aktuelle Ankunft (HH-Hbf.): 16:59 Uhr! Wer sagt's denn!
16:12 Uhr
A7 Raststätte Holmmoor West
Karin setzt den Blinker.
Wie jetzt? Das darf doch wohl nicht wahr sein! Die will doch wohl nicht wirklich...?
Doch!
'Mädel! Hier gibt's zwar ne Tanke, aber es gibt hier keinen Netto!!! Und wenn es einen gäbe, würd ich da nicht hinwollen. Ich dachte, das hätten wir schon geklärt!!!'
Okay, Joean! Ganz ruhig bleiben. Wir halten hier nur kurz und fahren dann gleich weiter... und 35 Minuten Karenz haben wir ja.
Allet wird jut!
16:25 Uhr
Das Sanitär ist besucht. Nun fällt die Reisegruppe in den Shop ein. Dieter schenkt unterdessen aus der bordeigenen Kaffeemaschine fleißig aus.
Goo...Maps sagt: aktuelle Ankunftszeit: 17:15 Uhr
Ruhig Blut!
Nachmittags halb fünf in Deutschland kann man sich auch gern mal ein Lecker-Stangeneis gönnen - meinen unsere Mitreisenden. Dieter nimmt das zur Kenntis und ich denke: 'Scheiße!'
Der fährt doch hier nicht eher weg, als bis auch noch der Letzte sein Holzstäbchen klinisch rein abgeschlabbert hat. Auf gar keinen Fall ist der doch scharf drauf, dass vielleicht jemand ein tropfendes Eis in seinen schönen Bus reinschleppt. Vanilie ist echt nicht meine Sorte, aber ich würde mich überwinden und fremdschlabbern, wenn dies die Abfahrt etwas beschleunigen würde.
16:30 Uhr
Einen Berg ökologisch korrekt entsorgter Eisstäbchen hinter uns lassend, biegen wir wieder auf die Autobahn ein. Goo...Maps sagt: voraussichtliche Ankunft: 17:21 Uhr.
Das sind fünfzehn Minuten! Alles easy!
Samstag nachmittag in Deutschland. Wieso können nicht alle einfach schön zu Hause am Tisch sitzen bleiben, um Kaffee und Kuchen verdauen? Nein, sie müssen sich alle auf der Autobahn treffen, damit sie sich vom Fortgang der Jahrtausendbauarbeiten am Hamburger Deckel überzeugen können.
Leute, davon dass wir hier nun alle auf der Autobahn rumstehen, werden die auch nicht schneller fertig. Ich weiß wovon ich rede - ich komm aus Berlin!
Goo...Maps sagt: Ankunftszeit 17:29 Uhr. Sieben Minuten? Das schaff ich locker!
Die Zeit macht, was sie immer tut - sie vergeht. Geradezu quälend langsam kriechen wir ab Stellingen Richtung Innenstadt. Jede, aber wirklich jede Ampel hat sich gegen uns verschworen. Am liebsten würde ich Dieter zurufen:
'Jib Jas, Junge. In jeda Farbe is'n bisschen jrün!'
Goo...Maps sagt: Ankunftszeit: 17:32 Uhr. Vier Minuten! Eijeijei.
Vielleicht hat ja der Zug heute mal ausnahmsweise! ein klein wenig Verspätung?
Irgendwann haben wir es dann auf der Siemers-Allee bis Höhe Bahnhof Dammtor geschafft. Natürlich schaltet die Ampel wieder auf rot.
Es ist 17:28 Uhr.
"Guck mal da oben", sagt mein Mann. Gerade hält ein ICE am Gleis. "Das müsste er sein."
Mein Mann ist wirklich ein Netter, aber die eine oder andere Bermerkung könnte er sich echt sparen. Und die gerade gehört eindeutig dazu!
Vor uns springt die Ampel wieder auf grün und wenn ich ein Lenkrad vor mir hätte, würde ich jetzt reinbeißen!
Goo...Maps sagt: Ankunftszeit: 17:35 Uhr
WIESO FAHREN DIE DENN NICHT LOS!
Ich habe keinen Blick für die Binnenalster oder die Fontäne. Ich starre auf die Straße vor uns und versuche die Ampeln mittels Gedankenkraft auf grün zu stellen.
17:36 Uhr
Wir halten vor dem Hauptbahnhof, springen aus dem Bus und reißen Dieter praktisch unsere Koffer aus den Händen. Vielleicht besteht ja doch die klitzkleine Chance, dass der Zug aus irgendwelchen Gründen zwei drei Minuten länger am Bahnsteig steht als er eigentlich sollte.
Wie zwei wild gewordene ....... rammeln wir mit unseren Koffern hinein in den Hauptbahnhof. Gleis 5 - wenigstens kommen wir schon mal von der richtigen Seite. Das muss ein gutes Omen sein!
17:38 Uhr
Omen ist überbewertet!
Nun haben wir also Zeit. Der nächste Zug nach Hause geht erst 18:51 Uhr. Wir können uns in aller Ruhe eine neue Fahrkarte holen und etwas essen.
Und ob ihr's glaubt oder nicht:
18.45 Uhr Hamburg Hauptbahnhof, Gleis 6
"Der IC 2073 nach Berlin Südkreuz hat heute ca. 5 Minuten Verspätung. Wir bitten um Ihr Verständnis."
Dazu sag ich jetzt einfach mal nix mehr!!!
Was also bleibt von dieser Reise?
Viele von euch werden das kennen. Es bleiben Erinnerungen: an die Orte, die man besucht hat, vielleicht an nette Bekanntschaften, die man schließen konnte, an außergewöhnliche Gerichte, die man schon lange mal probieren wollte, oder oder oder...
Bei mir bleibt: ein Traum. Ja, ich habe nun einen Traum. Und der geht so:
Eines Tages, in nicht allzu ferner Zukunft sitzen zwei Leute in einem Flieger nach Reykjavik.
Sie kennen sich nicht - noch nicht.
Aber drei Stunden bieten schon die Möglichkeit, sich über die Erwartungen an die Reise in ein faszinierendes Land zu unterhalten.
Polarlicht will der eine sehen - ja, das wär schon toll!
"Vergiss Polarlicht!", sagt dann der eine zum anderen. "Das hier musst Du Dir ansehen! Ich flieg ja deshalb schon zum dritten Mal hin."
Und dann zieht er aus seinem Rucksack meinen "Großen Universal-Island-Toilettenführer" in der 18. überarbeiteten Auflage...
Dann - genau dann - werde ich es bis in die Riege der großen Deutsch-Poeten unserer Zeit geschafft haben.
Tja, im Traum ist immer alles so einfach...
Bis dahin verpi... äh, verabschiedet sich auf jeden Fall mit lieben Grüßen
Joean
P.S. Ich glaube fest daran!
P.P.S. Vielen Dank an alle, die Bericht kommentiert, gelikt und/oder gelesen haben. Wie immer hat es mir viel Freude bereitet, euch mitzunehmen.