RB Karibik & Transatlantik, Mein Schiff 1, 09./10. - 28. April 2026

  • Tag 10 – Atlantik, Seetag 2: Augen-Pipi-Alarm auf hoher See

    Der nächste Morgen begann langsam vertraut. Kein Hafen, kein Ausflug, kein Land in Sicht – nur Atlantik, Schiff, Himmel und dieses ganz eigene Gefühl das man auf einer Kreuzfahrt halt so hat. Die Seetage begannen, ihren Rhythmus zu entwickeln. Und wie das mit guten Ritualen so ist: Man merkt erst, wie wohltuend sie sind, wenn sie plötzlich ganz selbstverständlich werden.

    Also starteten wir auch heute wieder mit der Challenge gegen den Kapitän. Deck 14, Laufrunde, Seeluft, Bewegung und die leise Hoffnung, dass jeder Schritt irgendwie gegen all das gute Essen an Bord arbeitet. Während der Kapitän sein Schiff unbeirrt Richtung Palma fuhr, versuchten wir Passagiere weiterhin, seine Strecke laufend oder gehend einzuholen. Ein völlig aussichtsloses Unterfangen im direkten Vergleich, aber als Gemeinschaftsprojekt sehr charmant.

    Überhaupt hatte diese Challenge etwas sehr Verbindendes. Da liefen Menschen nebeneinander, hintereinander, mal sportlich ambitioniert, mal im gemütlichen Spaziermodus, aber alle mit demselben Ziel: Kilometer sammeln. Gegen den Kapitän. Für das gute Gefühl. Und vielleicht auch für das nächste Eis.

    Pünktlich kam dann wieder die Durchsage des Kapitäns. Diese täglichen Ansagen waren inzwischen ein fester Bestandteil unserer Seetage geworden. Ein bisschen nautische Bildung, ein bisschen Positionsbestimmung, ein bisschen Wetter, ein bisschen Seefahrtsgefühl. Heute aber war sie anders. Deutlich emotionaler.

    Der Kapitän erzählte, dass die Mein Schiff 4 und die Mein Schiff 5, die seit dem 28. Februar in Doha und Abu Dhabi festgesessen waren und die Straße von Hormus nicht passieren konnten, ein kurzes Zeitfenster genutzt hatten, in dem die Seestraße geöffnet war. Beide Schiffe waren erfolgreich durchgekommen und hatten nun Fahrt Richtung Europa aufgenommen.

    Ein Kreuzfahrtschiff ist ja nicht einfach nur Urlaubsort. Sondern Arbeitsplatz. Zuhause auf Zeit. Gemeinschaft. Familie. Denn natürlich haben viele Crewmitglieder Angehörige, Freunde oder Kolleginnen und Kollegen auf anderen Schiffen. Menschen, mit denen sie verbunden sind, auch wenn gerade Tausende Kilometer Wasser, Häfen und politische Unsicherheit dazwischenliegen. Deshalb ließ der Kapitän diese Nachricht auch in die Crewbereiche übertragen und wiederholte sie zusätzlich auf Englisch.

    Und ich gebe zu: Das war ein Gänsehautmoment.

    Man stand da an Deck, mitten auf dem Atlantik, die Sonne schien, das Meer glitzerte, eigentlich war alles friedlich – und dann traf einen diese Nachricht mitten ins Herz. Erleichterung, Freude, Dankbarkeit, Mitgefühl. Alles gleichzeitig. Ich war so gerührt, dass ich dezent meine Sonnenbrille aufsetzen musste. Reine Sonnenschutzmaßnahme natürlich. Ganz sicher nicht wegen akuten Augen-Pipi-Alarms.

    Aber genau solche Momente zeigen, wie besonders Reisen auf See sein kann. Man ist Gast, ja. Man genießt, isst, tanzt, liegt am Pool und lässt sich treiben. Aber gleichzeitig bekommt man manchmal einen kleinen Blick hinter die Kulissen. Auf die Menschen, die diese Reisen möglich machen. Auf ihre Sorgen, ihre Verbindungen, ihre Erleichterung. Und plötzlich wird aus einer Durchsage viel mehr als nur eine Information.

    Der restliche Tag verlief dann wieder in unserem inzwischen bewährten Seetagsmodus. Und ich liebe ja, wie schnell man auf See eigene Routinen entwickelt. Ausschlafen, gemütlich frühstücken, Vormittags Bewegung und Meer und Kapitänsdurchsage, ein kleiner Mittagssnack, irgendwann Paulchen Panther mit seiner frechen Zeitklauerei, nachmittags Kaffee und Eis am Balkon usw.

    Kaffee und Eis am Balkon sind überhaupt eine Kombination, die man viel öfter würdigen sollte. Es gibt dabei nichts zu verbessern. Man sitzt draußen, schaut aufs endlose Blau, löffelt Eis, trinkt Kaffee und tut so, als wäre das eine völlig normale Art, einen Nachmittag zu verbringen.

    Am Abend stand dann wieder Tanzen auf dem Programm. Heute: Tango. Tango auf hoher See hat schon etwas. Dieser Tanz trägt ja ohnehin eine gewisse Dramatik in sich. Haltung, Spannung, Schritte, kleine Pausen, viel Gefühl und im besten Fall ein Hauch Eleganz. Bei mir vermutlich auch ein Hauch Konzentration und die stille Bitte an meine Füße, sich mit meinem Gehirn abzusprechen. Aber genau das macht es schön. Man arbeitet sich hinein, spürt den Rhythmus, lacht über kleine Unsicherheiten und freut sich, dass man mitten auf dem Atlantik Tango tanzt. Auch das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.

    Zum Abendessen gingen wir heute zur Abwechslung einmal in den Anckelmannsplatz. Man soll ja nicht sagen, wir wären festgefahren. Der Fischmarkt bekam also einen freien Abend, und wir wagten uns wieder ins Buffetleben. Nach so einem Seetag ist das durchaus angenehm: unkompliziert, flexibel, man nimmt sich, worauf man gerade Lust hat, und kann dabei sehr gut so tun, als sei die Auswahl völlig rational getroffen worden. Ist sie natürlich nie. Aber das muss ja niemand wissen.

    Im Anschluss gönnten wir uns in der Ebbe & Flut Bar noch einen schottischen Whisky. Lagavulin. Meine persönliche Schwäche. Es gibt Getränke, die trinkt man. Und es gibt solche, bei denen die Geschmacksknospen kurz ehrfürchtig aufstehen und sich verneigen. Lagavulin gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie. Rauchig, kräftig, ein bisschen wild – und nach diesem Tag genau richtig. Nach Tango für die Füße gab es also noch Tango für die Geschmacksknospen.

    Und während wir dort saßen, mit Whisky im Glas, Atlantik um uns herum und diesem besonderen Seetagsfrieden im Herzen, dachte ich wieder einmal: Genau solche Tage machen eine Überfahrt aus. Nicht, weil ständig etwas Großes passiert. Sondern weil sich große und kleine Momente so wunderbar mischen. Und so fuhr die Mein Schiff 1 weiter Richtung Europa. Stück für Stück. Stunde für Stunde. Mit uns, unseren Eindrücken und einem Herzen, das heute ein kleines bisschen voller war als am Morgen.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Pooldeck 24 - Die Kreuzfahrspezialisten
  • Tag 11 – Atlantik, Seetag 3: Rundenrekorde, Geburtstagsgrüße und ein bisschen Peter-Pan-Gefühl

    Der nächste Seetag begann wieder mit unserem inzwischen sehr vertrauten Blick nach draußen: Wasser. Links Wasser, rechts Wasser, vorne Wasser, hinten Wasser. Der Atlantik blieb seiner Linie treu und lieferte zuverlässig sehr viel Blau in alle Richtungen. Kein Land, kein Hafen, kein Ausflug, keine Palmen am Horizont – nur Meer. Und erstaunlicherweise wurde genau das von Tag zu Tag schöner.

    Mittlerweile hatten wir unseren Seetagsrhythmus definitiv gefunden. Aufstehen ohne Stress, Frühstücken ohne Eile und dann hinein in den Tag, der zwar offiziell nichts von uns wollte, aber trotzdem wieder gut gefüllt war. Vor allem wartete natürlich wieder die Challenge gegen den Kapitän.

    Also: Schuhe an, raus auf Deck 14 und Runden laufen.

    Was anfangs noch als nette Beschäftigung begann, entwickelte sich langsam zu einem kleinen sportlichen Ehrgeiz-Projekt. Aus „Ach komm, ein paar Runden tun uns gut“ wurde inzwischen „Schaffen wir heute unsere Zeit von gestern?“. Sehr gefährlich, so etwas. Kaum gibt man einem Menschen eine Runde mit 440 Metern, ein bisschen frische Seeluft und einen imaginären Gegner namens Kapitän, schon wird aus gemütlichem Gehen plötzlich eine persönliche Bestzeit-Mission.

    Wir wurden also immer ehrgeiziger. Nicht übertrieben natürlich. Also nur ein bisschen. Gerade genug, um täglich unseren eigenen Rundenzeitrekord übertreffen zu wollen. Und genau das machte tatsächlich Spaß. Man läuft da Runde um Runde über Deck 14, das Meer zieht vorbei, der Wind hilft oder bremst je nach Laune, und irgendwann merkt man: Das tut richtig gut. Körper in Bewegung, Kopf frei, Atlantik rundherum. Fast schon meditativ – nur mit Schrittzähler und leichtem Wettbewerbsdenken.

    Währenddessen folgte auch wieder einer dieser Fixpunkte, auf die wir uns täglich freuten: die Durchsage des Kapitäns. Ich mochte diese Ansagen wirklich sehr. Nicht nur wegen der nautischen Informationen, die einem ein kleines Gefühl dafür gaben, wo man gerade mitten auf dem Atlantik herumfuhr, sondern auch wegen der Art, wie sie gemacht waren. Ruhig, informativ, freundlich – und immer mit kleinen persönlichen Momenten.

    Besonders schön fand ich, dass der Kapitän im Rahmen seiner Durchsage auch den Crewmitgliedern zum Geburtstag gratulierte. Das klingt vielleicht nach einer Kleinigkeit, aber ich fand es sehr wertschätzend. Auf so einem großen Schiff arbeiten so viele Menschen im Hintergrund, die dafür sorgen, dass für uns Gäste alles möglichst reibungslos läuft. Da tut es einfach gut zu hören, dass auch diese Menschen gesehen werden. Nicht nur als Crew, sondern als Personen. Mit Namen, Geburtstagen, Freunden, Familien und einem Leben jenseits der Uniform.

    Nach Bewegung und Kapitänsdurchsage war dann wieder Pooldeck angesagt. Das Wetter blieb herrlich, und wir taten, was man an Seetagen eben tut: lesen, faulenzen, aufs Meer schauen, ein bisschen dösen, wieder lesen, wieder aufs Meer schauen und zwischendurch so tun, als wäre das alles ein sehr anspruchsvolles Tagesprogramm. Und irgendwie ist es das ja auch. Entspannung muss man schließlich ernst nehmen.

    Das Pooldeck war wieder dieser wunderbare Mikrokosmos aus Sonnenliegen, Büchern, Handtüchern, Sonnencreme, Getränken und Menschen, die alle auf ihre eigene Weise versuchten, möglichst tiefenentspannt auszusehen. Manche lasen konzentriert, manche schliefen mit Sonnenbrille, manche beobachteten das Bordleben, und manche führten vermutlich innerlich sehr wichtige Verhandlungen mit sich selbst darüber, ob es schon Zeit für das nächste Getränk war.

    Zu Mittag zog es uns ins Tag & Nacht Bistro. Auch das passte wunderbar zu einem Seetag. Unkompliziert, schnell, entspannt – genau richtig, wenn man keinen großen Essensplan schmieden möchte, aber trotzdem plötzlich feststellt, dass Nichtstun hungrig macht. Und das macht es. Sehr sogar. Besonders, wenn man vorher gegen den Kapitän gelaufen ist. Da braucht der Körper selbstverständlich Nachschub.

    Am Nachmittag folgte dann wieder unser kleines Lieblingsritual: Kaffee am Balkon. Ich glaube, ich könnte mich daran sehr dauerhaft gewöhnen. Kaffee, Meerblick, Ruhe und dieses Gefühl, dass draußen nichts ist außer Wasser und Himmel. Dazu vielleicht ein bisschen süße Begleitung, ein paar Gedanken, die kommen und wieder gehen, und dann irgendwann Augenpflege. Das klingt so viel eleganter als „Nickerchen“ und trifft doch genau das, was ein Seetag am Nachmittag manchmal verlangt.

    Abends wurde wieder getanzt. Heute stand Discofox auf dem Programm – ein Tanz, der für uns natürlich besonders alltagstauglich ist. Discofox geht eigentlich immer. Auf Hochzeiten, Festen, Tanzabenden, in Tanzschulen, auf Schiffen und vermutlich auch an Orten, an denen man gar nicht damit rechnet. Und nach Tango, Mambo, Bachata, Cha-Cha-Cha und Rumba fühlte sich Discofox fast ein bisschen wie Heimkommen an. Flott, vertraut, variabel und mit genug Spielraum, um überzeugt zu sein, man sähe dabei sehr souverän aus.

    Danach ging es zum Abendessen ins Atlantik Mediterran. Ein schöner, ruhiger Rahmen nach einem Tag aus Bewegung, Sonne, Meer und Tanz. Wir genossen das Essen, ließen den Tag Revue passieren und stellten wieder einmal fest, wie gut uns diese Mischung aus Aktivität und Faulheit tat.

    Später besuchten wir noch Tante Woo im Theater mit „Ich wollte nie erwachsen sein“. Allein der Titel passte wunderbar zu diesem Abend. Auf einem Schiff mitten am Atlantik, nach einem Tag voller kleiner Rituale und großer Weite, darf man sich ja durchaus ein bisschen weigern, allzu erwachsen zu sein. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum Reisen so guttut: Man darf staunen, lachen, sich treiben lassen, tanzen, Eis essen, aufs Meer schauen und für eine Weile vergessen, was zuhause alles vernünftig wäre.

    Peter
    6. Juni 2019 um 11:56

    Nach dem Theater ging es noch in die Schaubar. Natürlich. Ein kurzer Absacker, ein bisschen Musik, ein bisschen Bordabendgefühl. Die Schaubar hatte inzwischen ohnehin diesen Magneteffekt: Man wollte nur kurz hin, und schon saß man wieder dort, ließ den Tag ausklingen und fühlte sich sehr einverstanden mit der Welt.

    So endete unser dritter Atlantik-Seetag. Und wieder war ein Tag vergangen, an dem eigentlich nichts passiert war – und doch ganz viel. Genau das ist wohl das Geheimnis dieser Seetage. Sie sind leise, aber sie bleiben.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Tag 12 – Atlantik, Seetag 4: Sonne im Herzen, Paulchen Panther und ein weißer Hai mit Bodenhaftung

    Der nächste Seetag war fast eine Kopie des gestrigen Tages. Aber ganz ehrlich: Wenn die Vorlage so schön ist, darf man sie ruhig kopieren. Es gibt Schlimmeres, als auf dem Atlantik aufzuwachen, die Vorhänge zu öffnen und wieder nichts als Blau, Licht und Weite zu sehen.

    Der Wind hatte nachgelassen, die Sonne lachte vom Himmel, und wir strahlten einfach um die Wette. Es war einer dieser Tage, an denen man gar nicht viel erklären muss. Man sitzt da, schaut aufs Meer, spürt die Wärme, hört das Schiff, wie es sich seinen Weg durch die sanften Wellen bahnt, und denkt sich: Ich bin glücklich. Einfach so. Ohne großes Drama, ohne besondere Gründe, ohne Programmheft-Highlight. Nur glücklich und dankbar.

    Und vielleicht sind genau das die wertvollsten Reisemomente. Nicht unbedingt die großen Sehenswürdigkeiten, nicht die spektakulären Ausflüge, nicht die Fotos, die später alle bewundern. Sondern diese stillen Augenblicke, in denen alles passt. Meer, Sonne, Mensch und Lieblingsmensch neben mir. Und man selbst mittendrin, mit einem Herzen, das gerade sehr zufrieden vor sich hinleuchtet.

    Natürlich starteten wir auch heute wieder mit Bewegung. Die Challenge gegen den Kapitän ließ uns ja nicht los. Inzwischen waren die Runden auf Deck 14 fester Bestandteil des Vormittags geworden. Schuhe an, raus an die frische Luft, loslaufen. Oder gehen. Oder irgendetwas dazwischen, je nachdem, wie motiviert die Beine gerade waren. Der Atlantik begleitete uns zuverlässig, mal mit Wind, mal mit Sonne, heute etwas freundlicher und weniger pustig als an den Tagen zuvor. Und wir hatten mittlerweile einen guten Vorsprung gegenüber dem Kapitän. Der muss sich echt ranhalten 😉

    Und wieder war es schön zu sehen, wie viele Mitreisende mitmachten. Diese Challenge hatte wirklich etwas Verbindendes. Man kannte sich nicht unbedingt, aber man teilte ein Ziel, ein Deck, eine Strecke und manchmal auch den leicht entschlossenen Gesichtsausdruck von Menschen, die gerade versuchen, ihren eigenen Rekord zu schlagen, ohne dabei zu sportlich auszusehen.

    Mittags ging es in den Anckelmannsplatz. Nach Bewegung an der frischen Luft schmeckt Essen ja bekanntlich noch besser. Wobei das auf Kreuzfahrten generell eine gefährliche Erkenntnis ist, weil Essen dort ohnehin zu jeder Tageszeit eine sehr überzeugende Idee zu sein scheint. Aber wir hatten ja Runden gesammelt. Also war alles offiziell legitimiert.

    Dann kam er wieder. Paulchen Panther.

    Pünktlich, gnadenlos und musikalisch gut gelaunt stahl er uns erneut eine Stunde. Total fies. Man hat gerade das Gefühl, den Tag einigermaßen im Griff zu haben, und plötzlich ist wieder eine Stunde weg. Einfach so. Natürlich alles im Dienste der langsamen Rückkehr Richtung europäische Zeit, schon klar. Aber trotzdem: Im Urlaub Zeit klauen ist und bleibt ein fragwürdiges Konzept. Selbst mit Soundtrack.

    Am Nachmittag folgte wieder das, was inzwischen beinahe schon zu unserem persönlichen Seetags-Zeremoniell geworden war: Pooldeck, Sonne, Meerblick, lesen, faulenzen, Kaffee, vielleicht Eis – wobei „vielleicht“ bei Eis eigentlich ein sehr schwaches Wort ist. Eis geht immer. Wirklich immer. Selbst wenn man gerade behauptet, gar nichts Süßes zu wollen. Eis zählt nicht. Eis ist eine eigene Kategorie. Und geht ja auch in eigenen Magen.

    Überhaupt war dieser Tag einer, an dem alles leicht war. Der Atlantik lag weiter um uns herum, das Schiff zog ruhig seine Bahn, die Sonne machte zuverlässig gute Laune, und wir ließen uns treiben. Auf See ist das Nichtstun irgendwann kein Mangel mehr, sondern eine Kunstform.

    Am Abend wurde wieder getanzt. Heute stand Foxtrott auf dem Programm. Ein Klassiker. Elegant, schwungvoll, ein bisschen oldschool im besten Sinne und genau richtig, um dem Tag noch etwas Bewegung mit Haltung zu geben. Nach den lateinamerikanischen Tänzen der vergangenen Tage fühlte sich der Foxtrott fast ein bisschen wie ein Wechsel der Garderobe an: weniger Karibik in den Hüften, mehr Ballsaal im Kopf. Zumindest theoretisch. Praktisch war es wieder eine schöne Mischung aus Freude, Konzentration und dem Versuch, die Füße nicht eigenmächtig entscheiden zu lassen.

    Nach dem Essen im Atlantik Mediterran ging es ins Theater zum Bordkino: „Miss Merkel – Mord auf hoher See“. Allein der Titel passte natürlich perfekt. Mord auf hoher See, während man selbst gerade auf hoher See sitzt – das hat schon einen gewissen Charme. Zum Glück blieb es bei der filmischen Variante. Ein bisschen Krimi, ein bisschen Humor, ein bisschen Theateratmosphäre – ein sehr angenehmer Abendprogrammpunkt, wenn auch durchaus ziemlich seicht, aber will denn schon schwere Kost auf einer so schönen Reise.

    Später wartete dann noch die White Night auf dem Pooldeck. Also raus in die Abendluft, hinein in eine weiße Schiffsnacht mit Musik, Licht, Menschen und dieser besonderen Stimmung, die nur entsteht, wenn ein Pooldeck plötzlich zur Partyfläche wird. Mittlerweile war es wieder windiger geworden. Sehr windig sogar. Hätte der weiße Hai im Pool nicht festgebunden gewesen, hätte es ihn vermutlich zurück in den Atlantik verblasen. Und wer möchte schon erklären müssen, dass ein Deko-Hai über Bord gegangen ist?

    Natürlich wurde auch ein Foto mit dem Kapitän gemacht. Ein kleines Highlight. So ein Kapitänsfoto gehört irgendwie dazu, besonders auf einer Reise, auf der wir ja offiziell täglich gegen ihn anliefen. Wobei er mit der Mein Schiff 1 natürlich weiterhin einen kleinen technischen Vorteil hatte. Aber bitte, WIR liegen trotzdem vorne.

    Ein weiteres Highlight des Abends war das Schokoladenbuffet. Ein Träumchen. Und das sage sogar ich, obwohl ich eigentlich gar nicht so die Süße bin. Außer Eis natürlich. Eis geht immer, das hatten wir ja bereits geklärt. Aber dieses Schokoladenbuffet war wirklich beeindruckend. Nicht nur zum Essen, sondern vor allem zum Anschauen und Fotografieren. Kleine Kunstwerke, glänzende Versuchungen, Schokolade in Formen, Farben und Varianten, bei denen man fast ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn man sie zerstört. Fast.

    Ich fotografierte also ausgiebig, staunte, bewunderte und war sehr zufrieden damit, dass andere Menschen offenbar deutlich mehr Geduld für filigrane Schokoladendekoration haben als ich. Es sah großartig aus. Ein süßer Traum auf hoher See – und selbst wenn man nicht alles probieren wollte, war es optisch ein echtes Erlebnis.

    So endete ein weiterer Atlantiktag. Einer, der vielleicht auf dem Papier nicht spektakulär klang, aber sich genau richtig anfühlte. Fast eine Kopie des Vortags also. Aber eine sehr, sehr gelungene. Und auch dieses schöne Gefühl blieb: Wir sind mitten auf dem Atlantik, weit weg von allem, und gerade genau dort, wo wir sein möchten.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Tag 13 – Atlantik, Seetag 5: Murmeltiermodus, Senf-Krapfen und Kursänderung Richtung Azoren

    Langsam fragte ich mich ernsthaft, ob wir in einer Zeitschleife gefangen waren. So ein bisschen wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – nur eben mit mehr Meer, mehr Buffet und deutlich besserer Aussicht.

    Denn auch dieser Seetag begann wieder sehr vertraut. Aufwachen. Atlantik. Frühstück. Runden laufen. Meer schauen. Irgendwo zwischen Kaffee, Sonnenbrille und der Frage, ob man heute vielleicht doch einmal etwas völlig Neues machen sollte – um dann festzustellen: Warum eigentlich? Wenn ein Tagesablauf funktioniert, muss man ihn ja nicht mutwillig sabotieren.

    Also gingen wir wieder auf Deck 14 zur Challenge gegen den Kapitän. Unsere Runden waren mittlerweile fester Bestandteil des Vormittags geworden, fast schon ein kleines Ritual mit sportlichem Tarnanstrich. Wir liefen, sammelten Meter und Kilometer, verglichen innerlich wieder mit den Vortagen und waren inzwischen erstaunlich motiviert. Wer hätte gedacht, dass man mitten am Atlantik plötzlich Ehrgeiz beim Rundendrehen entwickelt? Ich jedenfalls nicht. Aber der Mensch wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben – oder zumindest mit seinem Schrittzähler.

    Während ich also noch darüber nachdachte, ob wir vielleicht wirklich jeden Tag denselben Tag noch einmal erleben, riss mich Paulchen Panther sehr entschieden aus meinen Murmeltier-Überlegungen. Pünktlich schlug er wieder zu und klaute uns eine weitere Stunde. Mit dieser fast schon fröhlichen Unverschämtheit, mit der man im Urlaub absolut nicht rechnen möchte.

    Aber heute hatte das Ganze auch etwas Tröstliches: Es war vorerst das letzte Mal. Jetzt sei dann „wirklich Schluss“, zumindest fürs Erste. Man wollte es kaum glauben. Keine weitere Stunde, die plötzlich im Nichts verschwindet. Keine musikalische Zeitumstellung mehr zur Mittagszeit. Paulchen Panther verabschiedete sich also erst einmal aus seinem Amt als offizieller Bord-Zeitdieb. Ich war nicht traurig.

    Mittags gab es am Pooldeck Berliner. Oder, wie wir natürlich sagen würden: Krapfen. Denn Berliner sind für uns Menschen aus Berlin, und Krapfen sind das, was man isst. Aber gut, wir waren auf einem Schiff mit vielen Herkunftsregionen, da darf man großzügig sein.

    Die Krapfenaktion hatte allerdings einen kleinen Nervenkitzel eingebaut: Drei davon waren mit Senf gefüllt. Wer so einen erwischte, hatte etwas gewonnen. Was genau, war mir in dem Moment gar nicht klar – später sah ich im Bordfilm, dass es offenbar eine Flasche Schampus war. Also durchaus ein Preis, der den kurzen Senf-Schock vermutlich ein wenig abfedern konnte. Trotzdem war ich nicht sicher, ob ich dieses kulinarische Risiko wirklich eingehen wollte. Ein Krapfen ist ja eigentlich ein Vertrauensprodukt. Süß, weich, harmlos. Wenn da plötzlich Senf drin ist, ist das schon ein sehr direkter Eingriff in die Beziehung zwischen Mensch und Mehlspeise.

    Am Nachmittag verlief zunächst alles wieder im vertrauten Seetagsmodus. Ein bisschen Pooldeck, ein bisschen lesen, ein bisschen faulenzen, ein bisschen aufs Meer schauen. Der Atlantik war weiterhin groß, blau und geduldig, auch wenn man merkte, dass er langsam etwas lebhafter wurde. Der Wind nahm zu, das Schiff bewegte sich spürbarer, und die See erinnerte uns daran, dass sie nicht nur Kulisse ist, sondern durchaus auch Charakter hat.

    Gegen Abend kam dann erneut eine Durchsage des Kapitäns. Diesmal allerdings mit einer ernsteren Nachricht: Aufgrund eines medizinischen Notfalls an Bord mussten wir den Kurs ändern und Richtung Azoren drehen, um in Hubschrauber-Reichweite zu kommen.

    Da wird es auf einem Schiff sofort stiller in einem. Plötzlich ist aus dem entspannten Seetag wieder etwas sehr Reales geworden. Man denkt an die betroffene Person, an die Angehörigen, an die Crew, an die medizinischen Abläufe, die im Hintergrund funktionieren müssen. Auf einem Schiff mitten auf dem Atlantik bekommt der Begriff „Hilfe“ noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Es gibt nicht einfach das nächste Krankenhaus um die Ecke. Da zählt Planung, Erfahrung, Distanz, Wetter, Technik – und ein Kapitän, der die richtigen Entscheidungen trifft.

    Wir fuhren also Richtung Azoren. Diese Inselgruppe mitten im Atlantik, irgendwo zwischen Europa und Amerika, wurde für uns plötzlich nicht zum Reiseziel, aber zu einem wichtigen Orientierungspunkt. Nicht aus touristischer Neugier, sondern aus medizinischer Notwendigkeit. Ein Moment, der einen demütig macht.

    Am Abend stand trotzdem die Tanzstunde auf dem Programm. Heute: Langsamer Walzer. Und irgendwie passte das fast zu gut. Der Walzer hat ja von sich aus schon dieses sanfte Schweben, dieses Heben und Senken, dieses Gleiten. Nur dass heute das Schiff offenbar beschloss, aktiv mitzutanzen.

    Der Seegang hatte mittlerweile zugenommen, und dadurch bekam der Langsame Walzer eine ganz eigene Dynamik. Man setzte einen Schritt – und der Boden kam entweder früher näher, als man damit gerechnet hatte, oder er haute einfach ab. Sehr eigenwillig. Normalerweise führt ja einer von uns beiden. Heute führte eindeutig auch der Atlantik mit. Und zwar nicht immer rücksichtsvoll.

    Trotzdem, oder gerade deshalb, machte es Spaß. Langsamer Walzer auf einem schaukelnden Schiff ist vielleicht nicht die einfachste, aber sicher eine sehr maritime Variante dieses Tanzes. Man bewegt sich, das Schiff bewegt sich, der Horizont bewegt sich gefühlt auch ein bisschen – und irgendwo dazwischen versucht man, elegant auszusehen. Eine Herausforderung. Aber eine schöne.

    Später ging es ins Theater zur Comedy Show. Ein bisschen Lachen tat gut, gerade nach der ernsteren Durchsage und einem Tag, der zwischen Routine, Krapfenroulette und Kursänderung doch einige Stimmungswechsel zu bieten hatte. Comedy auf See hat ohnehin ihren eigenen Charme. Vielleicht, weil alle ein bisschen entspannter sind. Vielleicht auch, weil man auf einem schaukelnden Schiff schneller bereit ist, über Dinge zu lachen, die zuhause vielleicht nur ein müdes Lächeln hervorrufen würden.

    Danach landeten wir in der Galeriebar. Und dort gab es eine besonders nette Überraschung: Wir trafen einen Kellner wieder, den wir schon von der Mein Schiff 7 kannten. Solche Wiedersehen an Bord sind einfach schön. Plötzlich verbindet sich eine frühere Reise mit der aktuellen, und für einen Moment fühlt sich die Mein-Schiff-Welt noch vertrauter an. Wir hatten viel Spaß, plauderten, lachten und genossen diesen Abend sehr.

    Die Nacht wurde dann allerdings deutlich schaukeliger. Der Wind pfiff ums Schiff, die See machte sich bemerkbar, und die Mein Schiff 1 arbeitete sich weiter durch den Atlantik. In der Kabine hörte man das Rauschen, das Pfeifen, dieses tiefe, lebendige Geräusch eines Schiffes, das nicht in einem ruhigen Hafen liegt, sondern draußen unterwegs ist.

    Und während wir im Bett lagen und das Schiff spürbar unter uns arbeitete, dachte ich wieder einmal: Eine Atlantiküberquerung ist eben nicht nur Pooldeck, Eis und Sonnenuntergang. Sie ist auch Weite, Wetter, Verantwortung, Bewegung und manchmal ein Kurswechsel aus einem sehr ernsten Grund.

    Ein Tag also, der begann wie ein Murmeltier-Seetag – und endete mit schaukelnder Nacht, Wind ums Schiff und dem Gefühl, dass der Atlantik uns daran erinnerte, wer hier eigentlich das letzte Wort hat.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Tag 14 – Atlantik, Seetag 6: Azoren-Nähe, Hubschrauber und ein Blick hinter die Schiffskulissen

    Der nächste Morgen begann nicht mit sanftem Meeresrauschen, sondern mit einer sehr deutlichen Erinnerung daran, dass wir uns mitten auf dem Atlantik befanden. Der Seegang hatte ordentlich zugelegt, und wir wurden vom Schaukeln des Schiffes geweckt. Also nicht dramatisch, aber schon so, dass man im Bett kurz überlegt, ob man sich nun gemütlich in den Schlaf wiegen lässt oder ob das Schiff heute ein bisschen zu motiviert mitwiegt.

    Wir befanden uns mittlerweile in der Nähe der Azorenküste. Die Inselgruppe lag irgendwo da draußen, nicht als geplanter Hafen, sondern als wichtige Rettungsmarke auf unserer Route. Wegen des medizinischen Notfalls an Bord mussten wir noch ein Stück näher ans Land heran, damit der Hubschrauber die Mein Schiff 1 erreichen konnte.

    Der Wind war hartnäckig. Sehr hartnäckig. Er pfiff ums Schiff, rüttelte an der Atmosphäre und machte klar: Heute ist kein gewöhnlicher Pooldeck-Seetag. Das Meer war bewegter, die Stimmung etwas gedämpfter, und über allem lag dieses stille Wissen, dass es heute nicht um unser Urlaubsprogramm ging, sondern um einen Menschen, der dringend Hilfe brauchte.

    Gegen Mittag kam dann der Helikopter.

    Nach einiger Zeit war die Ausschiffung geglückt. Der Hubschrauber entfernte sich langsam vom Schiff, und wir schickten mit ihm unsere besten Gedanken und Wünsche mit. Möge alles gut ausgehen. Mehr kann man in so einem Moment nicht tun. Aber innerlich tut man es sehr intensiv.

    Nachdem der Hubschrauber abgeflogen war, drehte die Mein Schiff 1 wieder Richtung Südost mit Kurs auf Madeira. Und auf einmal veränderte sich auch das Gefühl an Bord. Der Wind kam nun von hinten und glich sich mit dem Fahrtwind aus. Es wurde beinahe windstill. Nach diesem unruhigen Morgen wirkte das fast unwirklich. Als hätte jemand den Atlantik kurz leiser gedreht.

    Die Laufchallenge gegen den Kapitän musste heute wegen der Notausschiffung pausieren. Verständlich natürlich. Und wir nahmen es sportlich – im wahrsten Sinne des Wortes. Wir hatten ohnehin schon einen deutlichen Vorsprung herausgelaufen. Für den verbleibenden Tag morgen würde das also ein Klacks werden. Sagen wir zumindest. Mit ausreichend Selbstvertrauen und einem gewissen Hang zur Schönrechnung.

    Am späteren Nachmittag hatten wir heute die Blickwinkel-Tour gebucht. Und die passte perfekt zu diesem Tag, an dem man ohnehin schon gespürt hatte, wie viel hinter den Kulissen eines Schiffes passiert. Nun durften wir selbst einmal Bereiche sehen, die man als Gast normalerweise nicht betritt.

    Zuerst ging es in die Galley, also in die große Schiffsküche. Und man kann es nicht anders sagen: beeindruckend. Wenn man als Gast im Restaurant sitzt, denkt man ja selten darüber nach, welche Logistik dahintersteht, damit täglich Tausende Mahlzeiten frisch, pünktlich und in gleichbleibender Qualität auf den Tellern landen. In der Galley sieht man plötzlich, was dafür nötig ist: Arbeitsstationen, Abläufe, Organisation, Konzentration und ein Team, das in einem Tempo arbeitet, bei dem man selbst schon vom Zuschauen Respekt bekommt. Auch einen Blick ins Lager konnten wir werfen, um festzustellen, dass wir ganz schön fleißig waren im Konsumieren. Dort und da bettelten leere Ecken schon förmlich um ein kleines bisschen Aufmerksamkeit und Nachschub.

    Danach führte uns die Tour vorbei am Crewbereich und über die „Autobahn“ im Schiffsbauch. Allein dieser Begriff ist herrlich. Und tatsächlich fühlt es sich dort unten ganz anders an als in den öffentlichen Bereichen. Weniger Teppich, weniger Deko, weniger Urlaubsinszenierung – dafür viel Funktion, Bewegung und Struktur. Man bekommt ein Gefühl dafür, dass so ein Schiff nicht nur Hotel, Restaurant, Theater und Pooldeck ist, sondern auch ein riesiger Arbeitsorganismus. Ein schwimmendes System aus Wegen, Räumen, Abläufen und Menschen, die dafür sorgen, dass oben alles leicht aussieht.

    Besonders spannend war auch der Blick ins Theater – nicht von den Sitzplätzen aus, sondern hinter die Kulissen. Lichttechnik, Tontechnik, Bühne, Abläufe, Backstagebereich. Plötzlich versteht man noch einmal besser, wie viel Aufwand hinter einer Show steckt. Das, was abends scheinbar mühelos auf der Bühne passiert, ist in Wahrheit minutiös vorbereitet. Technik, Timing, Ton, Licht, Künstlerinnen und Künstler – alles muss funktionieren. Und wenn man dann das nächste Mal gemütlich im Zuschauerraum sitzt, schaut man definitiv mit anderen Augen hin.

    Ganz besonders eigenartig und eindrucksvoll war der Bereich im Bug des Schiffes, wo sich ein kleines Lager für Kostüme und Deko befindet. Schon der Weg dorthin hatte etwas Besonderes.

    Und dort vorne im Bug war das Gefühl plötzlich ganz anders. Man konnte die Wellen, die den Bug umspielten und teilweise gegen das Schiff klatschten, nicht nur hören. Man konnte sie irgendwie sogar spüren. Dieses dumpfe, kraftvolle Geräusch, dieses Arbeiten des Schiffes gegen das Wasser, diese Nähe zum Atlantik – das ging einem richtig durch den Körper. Oben an Deck ist das Meer Kulisse. Dort unten war es unmittelbar. Fast körperlich. Ein bisschen unheimlich, aber vor allem faszinierend.

    Nach dieser Tour sah ich die Mein Schiff 1 noch einmal mit anderen Augen. Nicht nur als vertraute Lady, die uns über den Atlantik trägt, sondern als komplexe, lebendige Welt. Schade, dass es nicht erlaubt war Fotos zu machen.

    Am Abend ging es dann ins Atlantik Mediterran. Nach so einem Tag tat ein ruhiges Abendessen gut. Sitzen, essen, reden, ein bisschen runterkommen. Der Tag hatte schließlich viel in sich gehabt. Danach zog es uns wieder in die Galeriebar.

    Und dort versumpften wir heute so richtig.

    Eigentlich wollten wir vermutlich nur kurz etwas trinken. Natürlich. So beginnen diese Geschichten immer. Nur kurz. Ein Glas. Ein bisschen sitzen. Und plötzlich ist es später, als geplant, die Gespräche laufen, die Stimmung passt, und man merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht. Die Galeriebar hatte sich für uns ohnehin zu einem sehr angenehmen Abendplatz entwickelt. Und heute war genau so ein Abend, an dem man einfach hängen bleibt.

    Vielleicht auch, weil der Tag emotionaler gewesen war. Vielleicht, weil man nach all den Eindrücken noch nicht sofort ins Bett wollte. Vielleicht, weil es einfach schön war. Jedenfalls saßen wir dort, tranken, lachten, redeten und ließen den Atlantik draußen weiter Atlantik sein.

    Ein Seetag also, der wieder einmal ganz anders verlief, als man es morgens erwartet hätte. Unruhig begonnen, ernst geworden, erleichtert weitergegangen, spannend hinter die Kulissen geführt und schließlich sehr gemütlich in der Galeriebar versumpft.

    Der Atlantik hatte heute viele Gesichter gezeigt. Und wir waren dankbar, dass die Mein Schiff 1 uns weiter sicher Richtung Madeira trug.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Tag 15 – Atlantik, Seetag 7: Bilderbuchblau, Kapitän bezwungen und Bettdeckentiere mit kurzer Lebenserwartung

    Unser letzter Seetag vor Madeira begann beinahe unwirklich schön. Nach den bewegteren Tagen zuvor zeigte sich der Atlantik heute von seiner ganz sanften Seite: sonnig, ruhig, fast windstill und so friedlich, als hätte jemand die große blaue Decke glattgezogen. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Nur eben ohne Buch, dafür mit sehr viel Meer.

    Es war einer dieser Morgen, an denen man hinausschaut und sofort weiß: Heute wird nicht gekämpft. Heute wird genossen. Der Himmel strahlte, das Wasser glitzerte, die Mein Schiff 1 glitt ruhig dahin, und rundherum lag diese ganz besondere Stille, die man nur auf See erlebt. Keine Straßen, keine Stadtgeräusche, kein Land, das ablenkt. Nur Schiff, Sonne und Horizont.

    Peter
    6. Juni 2019 um 11:56

    Natürlich stand auch heute noch einmal unsere Challenge gegen den Kapitän auf dem Programm. Der große Endspurt. Nach all den Runden auf Deck 14, nach Wind, Sonne, Ehrgeiz, kleinen persönlichen Rekorden und der einen Zwangspause wegen der Notausschiffung wollten wir es nun natürlich wissen.

    Und tatsächlich: Wir haben es geschafft.

    Die Challenge gegen den Kapitän war gemeistert. Also gut, streng genommen hatte der Kapitän weiterhin den Vorteil, dass er ein Kreuzfahrtschiff unter sich hatte und wir nur unsere Füße. Aber darum ging es ja nicht. Wir hatten unsere Kilometer gesammelt, Runde für Runde, Tag für Tag, und haben unsere Vorgabe deutlich übertroffen. Und plötzlich fühlte sich diese kleine Bordaktion gar nicht mehr so klein an. Sie hatte uns beschäftigt, motiviert, bewegt und jeden Seetag ein bisschen strukturiert.

    Ein bisschen stolz waren wir schon. Völlig zu Recht natürlich. Schließlich läuft man nicht jeden Tag mitten auf dem Atlantik gegen einen Kapitän an und gewinnt am Ende zumindest moralisch. Und moralische Siege zählen im Urlaub ganz besonders. Vor allem, wenn man sie anschließend mit Kaffee, Eis oder einem guten Abendessen würdigen kann.

    Nach unserem sportlichen Triumph gegen den Kapitän – zumindest in unserer sehr persönlichen Interpretation der Ereignisse – ging es dann gleich weiter mit einem Programmpunkt, der perfekt zu einer Atlantiküberquerung passte: der nautisch-technischen Fragestunde mit dem Kapitän.

    Und die war tatsächlich richtig spannend. Fast zwei Stunden erzählte er Wissenswertes rund um Navigation, Technik, Wetter, Routenplanung, Sicherheit, Maschinenleistung, Seegang und alles, was man sich als neugieriger Kreuzfahrtgast so fragt, wenn man tagelang über den Atlantik fährt und plötzlich sehr interessiert daran ist, wie dieses riesige schwimmende Zuhause eigentlich funktioniert. Ich mag solche Einblicke ja sehr, weil man danach wieder ein bisschen mehr Respekt vor allem hat, was im Hintergrund passiert. So ein Schiff fährt schließlich nicht einfach „geradeaus, bis Madeira kommt“, auch wenn das aus Passagiersicht manchmal sehr praktisch klingt.


    Besonders schön war, dass die Fragestunde nicht trocken oder belehrend war, sondern mit einer guten Portion Humor ablief. Der Kapitän erzählte informativ, aber locker, erklärte technische Dinge verständlich und ließ immer wieder durchblicken, dass auf See zwar sehr viel Präzision, Erfahrung und Verantwortung gefragt sind, aber ein bisschen seemännischer Humor offenbar auch nicht schadet. Aus geplanten Fragen wurde so ein richtig unterhaltsamer Blick hinter die Kulissen der Brücke – und ehe man sich versah, waren fast zwei Stunden vergangen.

    Der Tag blieb herrlich ruhig. Pooldeck, Sonne, Meerblick, ein bisschen Lesen, ein bisschen Faulenzen, ein bisschen einfach nur Dasein. Nach fast einer Woche Atlantiküberquerung merkte man, wie sehr man in diesem Seetagsrhythmus angekommen war. Was am Anfang noch nach „sieben Tage ohne Hafen“ klang, fühlte sich inzwischen an wie ein eigener kleiner Kosmos. Jeder Tag ähnlich, aber nie ganz gleich. Jeder Tag ruhig, aber nie leer.

    Am Nachmittag stand dann noch ein weiteres Highlight auf dem Programm: Neptuns Abschlussinspektion mit Schlüsselrückgabe. Und das war herrlich schräg. Genau diese Art von Bordprogramm, bei der man sich zunächst fragt, was da eigentlich passiert – und dann feststellt, dass genau das der Reiz daran ist.

    Der Kapitän übergab symbolisch einen großen Schlüssel zurück an Neptun und bedankte sich für die ruhige und sichere Überfahrt. Wer genau Neptun war, weiß ich bis heute nicht. Irgendjemand aus der Crew, kostümiert, mit nicht ganz so ausreichender Würde (sorry), Bart und Meeresautorität. Begleitet wurde das Ganze von Piraten, einer Nymphe, Meerjungfrau oder sonstigen Meereswesen – ich bin bei der maritimen Fabelwesen-Klassifizierung nicht ganz sattelfest – und allerlei kostümierten Gestalten, die das Spektakel wunderbar absurd und sehr unterhaltsam machten.

    Es hatte etwas von Seefahrertradition, Karneval auf hoher See und liebevoller Bordfolklore zugleich. Nach sieben Tagen Atlantiküberquerung passte das aber perfekt. Wir hatten den Ozean überquert, Paulchen Panther überlebt, den Kapitän sportlich herausgefordert, Wind und Wellen kennengelernt und waren nun offenbar offiziell von Neptun entlassen. Oder zumindest geduldet. Auch schön.

    Auf unserer Kabine wartete auch wieder ein neuer Mitbewohner auf uns. Oder besser gesagt: ein kunstvoll gefaltetes Bettdeckentier.

    Fast jeden Tag hatte sich unser Kabinenservice etwas Neues einfallen lassen. Plötzlich lag da ein Tierchen auf dem Bett, aus Bettdecke geformt, mit liebevollen Details und diesem Talent, einen sofort zum Lächeln zu bringen. Man kommt in die Kabine, rechnet mit nichts Besonderem – und dann schaut einen da ein kleiner textiler Bewohner an, als hätte er schon den ganzen Tag auf Gesellschaft gewartet.

    Leider hatten diese Tierchen bei uns immer nur ein sehr kurzes Leben. Ihre Existenz war zauberhaft, aber tragisch begrenzt. Spätestens am Abend, wenn wir schlafen gingen, war es vorbei mit der Artenvielfalt auf unserer Kabine. Aus dem geplanten Bord-Zoo wurde also leider nichts. Nicht einmal eine richtige One-Animal-Show konnte dauerhaft etabliert werden. Eher eine täglich wechselnde Pop-up-Fauna mit eingebautem Verfallsdatum.

    Oder anders gesagt: Unsere Kabine war kurzzeitig ein liebevoll dekorierter Mini-Zoo, der sich jeden Abend aus praktischen Gründen wieder selbst abschaffte.

    Schade eigentlich. Aber sehr charmant.

    Am Abend wurde wieder getanzt. Heute standen Boogie und Jive auf dem Programm – also genau die Art von Tänzen, bei denen man schnell merkt, ob die Beine noch wach sind. Nach all den Seetagen, Runden gegen den Kapitän und diversen kulinarischen Verpflichtungen war das durchaus eine berechtigte Frage.

    Aber es machte wieder unglaublich viel Spaß. Boogie und Jive bringen einfach Schwung in den Abend. Flott, fröhlich, lebendig – und mit einem gewissen Risiko, dass man plötzlich mehr Energie vortäuscht, als man tatsächlich noch besitzt. Zum Glück galt Kathis wunderbares Motto: „Es gibt keine Fehler, nur Variationen.“

    Ein Satz, den man eigentlich ins Leben übernehmen sollte. Gerade beim Tanzen ist er Gold wert. Schritt vergessen? Variation. Falsche Richtung? Kreative Interpretation. Zu früh gedreht? Spontane Erweiterung des Figurenmaterials. So betrachtet waren wir vermutlich nicht nur Tänzer, sondern regelrechte Künstler der freien Bewegungsauslegung.

    Nach dem Tanzkurs ging es ins Theater zu „Varieté Voyage“. Ein passender Programmpunkt für diesen letzten Seetag vor Madeira. Bühne, Licht, Artistik, Musik, Atmosphäre – eine schöne Mischung aus Staunen und Unterhaltung.

    Und weil ein schöner Seetag natürlich einen würdigen Abschluss braucht, landeten wir danach wieder in der Galeriebar. Wen überrascht es noch? Uns jedenfalls nicht. Die Galeriebar war mittlerweile zu einem unserer festen Abendplätze geworden. Man geht hin, bestellt etwas, plaudert, lacht, lässt den Tag ausklingen – und plötzlich ist man wieder sehr einverstanden mit allem.

    Draußen fuhr die Mein Schiff 1 weiter Richtung Madeira. Nach sieben Seetagen am Stück rückte nun wieder Land näher. Ein seltsames Gefühl. Einerseits freuten wir uns natürlich auf Madeira, auf Insel, auf Grün, auf neue Eindrücke. Andererseits war da auch ein bisschen Wehmut. Diese Atlantiktage hatten ihren ganz eigenen Zauber entwickelt. Ruhig, weit, entschleunigt und voller kleiner Rituale.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Tag 16 – Madeira: Zurück in Europa, zumindest so halb, und Wiener Walzer vor Sissi-Kulisse

    Europa hatte uns wieder. Zumindest eine Insel davon. Nach Tagen auf dem Atlantik, nach Karibik, Seetagen, Zeitumstellungen, Wind, Wellen und ganz viel Blau tauchte nun Madeira vor uns auf. Und was soll ich sagen: Diese Insel kann einfach etwas. Sie steht da nicht nur im Atlantik herum, sie inszeniert sich. Grün, steil, dramatisch, blühend, felsig, mild – Madeira ist keine Insel für leise Auftritte.

    Für uns war es ein Wiedersehen, denn im letzten Jahr hatten wir bereits einen anderen Teil der Insel besucht. Diesmal sollte es in den Osten und Norden gehen. Gebucht hatten wir eine private Tour nur für uns beide mit Banana Joe Tours – deutschsprachig, ganz entspannt und genau so, wie wir es mögen: viel sehen, viel erfahren und flexibel bleiben.

    Um 9 Uhr wartete Daniel direkt vor dem Schiff auf uns. Sehr sympathisch, sehr unkompliziert – und schon ging es los.

    Der erste Stopp führte uns nach Garajau zur Christo-Rei-Statue. Natürlich ist sie nicht ganz so groß wie ihr berühmter Bruder in Rio de Janeiro, aber dafür steht sie an einem Ort, der mit Aussicht punktet. Und zwar ordentlich. Hoch über dem Atlantik breitet sie die Arme aus, als wollte sie Madeira, das Meer und alle Besucher gleichzeitig umarmen. Unter uns rauschte die Küste, vor uns lag das große Blau, und nach den vielen Seetagen fühlte sich fester Boden unter den Füßen schon fast exotisch an.

    Von dort aus ging es weiter in Richtung Flughafen – beziehungsweise unter die Landebahn. Der Flughafen von Madeira ist ja ohnehin eine kleine Sehenswürdigkeit für sich. Die Landebahn steht teilweise auf mächtigen Stelzen, und wenn man darunter hindurchfährt, denkt man kurz: Ja, das ist technisch beeindruckend. Und ein kleines bisschen verrückt. Kurz darauf machten wir noch einen Stopp mit Blick auf die Landebahn, und genau in diesem Moment landete ein Flugzeug quasi direkt vor beziehungsweise neben uns. Perfektes Timing. Madeira lieferte also nicht nur Landschaft, sondern auch Live-Airport-Kino.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Liebe Alexandra1201 ,

    So schön dein Bericht. Danke dafür. So kam ich gar nicht dazu meine Fortsetzung zu schreiben.

    Wasserschnegge

  • Weiter ging es nach Machico. Hier begann die Geschichte Madeiras, denn in dieser Gegend landeten die ersten portugiesischen Entdecker der Insel. Heute wirkt Machico freundlich, hell und entspannt. Palmen, Meer, ein bisschen Geschichte, ein bisschen Kleinstadtflair – ein Ort, der nicht laut sein muss, um schön zu sein. Man kann dort gut verstehen, warum Madeira schon früh fasziniert hat. Diese Insel ist einfach anders. Kein flaches Strandparadies, sondern ein grünes Gebirge im Atlantik, das zufällig rundherum Meer hat.

    Am Miradouro Caniçal zeigte sich dann wieder diese typische Madeira-Dramatik. Ein Aussichtspunkt, an dem man zwei Küsten auf einmal erahnen kann und sofort versteht, warum die Insel so kontrastreich wirkt. Eben noch sanfter Atlantikblick, dann wieder karge Felsen, grüne Hänge, tiefe Täler, steile Straßen und immer wieder diese Ausblicke, bei denen man reflexartig zur Kamera greift. Madeira ist landschaftlich ein bisschen wie ein Mensch, der nie einfach nur „nett“ sein möchte. Es muss schon spektakulär sein.

    Dann erreichten wir Porto da Cruz. Zuckerrohr und Rum gehören hier einfach dazu. Madeira hat eine lange Tradition in der Zuckerrohrverarbeitung, und in Porto da Cruz kann man dieser Geschichte noch sehr direkt begegnen. Natürlich durfte auch ein Blick in die traditionelle Rum-Destillerie nicht fehlen. Zuckerrohr, Maschinen, Geruch, Geschichte – und irgendwo im Hintergrund schwingt immer die sehr vernünftige Frage mit, ob man Rum nicht viel öfter als Kulturgut betrachten sollte. Ich finde: ja.

    Danach ging es weiter nach Santana. Diese kleinen, typischen Häuschen mit ihren spitzen Strohdächern kennt man von unzähligen Madeira-Bildern. Und trotzdem ist es etwas anderes, davorzustehen. Sie wirken fast ein bisschen märchenhaft, als hätte jemand beschlossen, dass ein Haus nicht einfach nur praktisch, sondern auch maximal fotogen sein sollte. Natürlich wurde fotografiert. Ausgiebig. Solche Motive verlangen das.

    Was das Meer behält ⚓️

  • In São Jorge wartete dann ein ganz besonderer Ort auf uns: die Ruine einer alten Zuckerrohrfabrik, eingebettet in sattes Grün. Und genau solche Plätze liebe ich. Orte, an denen Natur und Geschichte ineinander wachsen. Mauern, die nicht mehr vollständig erzählen, was einmal war, aber genug übrig lassen, damit die Fantasie anspringt. Zwischen Pflanzen, alten Strukturen und dieser leicht geheimnisvollen Atmosphäre entstanden natürlich wieder stimmungsvolle Fotos. Madeira kann eben nicht nur Panorama, sondern auch Patina.

    Einer der eindrucksvollsten Ausblicke des Tages erwartete uns am Miradouro São Cristóvão. Und ja, Hawaii-Vibes trifft es tatsächlich ziemlich gut. Dramatische Steilküsten, tiefes Grün, das Tal von Boaventura, Atlantik, Felsen, Dschungelgefühl – man hätte fast erwartet, dass jeden Moment ein Dinosaurier durchs Bild läuft. Jurassic Park auf Portugiesisch sozusagen. Atemberaubend schön. Diese Landschaft ist nicht einfach dekorativ, sie hat Wucht. Sie steht vor einem und sagt: Schau ruhig länger hin, ich habe genug zu bieten.

    Während der Fahrt erzählte Daniel viel über die Insel, ihre Geschichte, ihre Pflanzen, ihre Besonderheiten und das Leben auf Madeira. Und genau das macht für mich eine gute private Tour aus: Man fährt nicht nur von Fotostopp zu Fotostopp, sondern bekommt ein Gefühl für den Ort. Madeira besteht nicht nur aus Aussichtspunkten und Blumen, sondern aus Menschen, Geschichten, Landwirtschaft, Traditionen, Herausforderungen, engen Straßen und sehr viel Liebe zur Insel.

  • Zum Abschluss führte uns die Tour nach Câmara de Lobos. Dieses Fischerdorf gehört wohl zu den bekanntesten Orten Madeiras – nicht zuletzt, weil Winston Churchill hier einst mit seiner Staffelei saß und malte.

    Der kleine Hafen mit seinen bunten Fischerbooten sieht aber auch aus, als hätte er sich bewusst für Postkarten beworben. Enge Gassen, kleine Bars, Boote, Fischerdorf-Flair und irgendwo in der Luft dieser sehr einladende Gedanke: Eine Poncha wäre jetzt keine schlechte Idee.

    Und genau die gab es dann auch.

    Wir besuchten die Bar von Cristiano Ronaldos Onkel. Und das war tatsächlich eindrucksvoll. Die Bar gleicht fast einem kleinen Museum. Überall Erinnerungen, Fotos, Trikots, Hinweise auf CR7 – für Fußballfans vermutlich ein heiliger Ort, für alle anderen zumindest ein sehr spannender Einblick in den Stolz, den Madeira auf seinen berühmtesten Sohn hat. Cristiano Ronaldo ist hier nicht einfach ein Fußballspieler, er ist ein Inselphänomen. Man spürt, wie sehr die Menschen sich mit seinem Erfolg verbunden fühlen.

    Wir tranken Poncha, dieses typische Madeira-Getränk aus Zuckerrohrschnaps, Honig und Zitrusfrüchten, das harmloser wirkt, als es vermutlich ist. Ich machte natürlich ein Video für meinen Neffen, den wahrscheinlich größten CR7-Fan des Universums. Und dann kam noch das absolute I-Tüpfelchen: Die angeheiratete Tante schenkte uns eine Autogrammkarte mit Original-Unterschrift.

    Das haute sogar fast mich aus den Socken.

    Ich bin ja nicht einmal der größte Fußballfan des Universums, aber so ein Moment ist trotzdem besonders. Vor allem, wenn man weiß, wie sehr sich jemand daheim darüber freuen wird. Plötzlich wird aus einem kurzen Barbesuch eine kleine Geschichte, die man sicher noch oft erzählen wird.

    Danach ging es zurück zum Schiff. Und wir waren uns einig: Das war ein mega gelungener Ausflug. Genau die richtige Mischung aus Landschaft, Geschichte, Kultur, kleinen Überraschungen, Genuss und persönlichen Momenten. Eine Tour, die wir wirklich sehr empfehlen können und jederzeit wieder machen würden. Madeira hatte einmal mehr gezeigt, warum diese Insel für uns so besonders ist.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Beim Auslaufen wurde es dann noch einmal richtig schön. Natürlich untermalt vom Grafen – alles andere wäre inzwischen ja fast unvollständig gewesen. Während die Mein Schiff 1 langsam ablegte, kam es noch zu einem kleinen Meet and Greet mit der Europa 2, die unseren Liegeplatz einnahm. Ein schönes Hupkonzert inklusive. Ich liebe solche Momente. Zwei Schiffe, ein Hafen, ein bisschen maritime Höflichkeit und ganz viel Gänsehaut.

    Dann stand wieder Tanzkurs auf dem Programm. Heute: Wiener Walzer.

    Und während draußen die Küste Madeiras an uns vorbeizog, tanzten wir Wiener Walzer. Passender hätte es für uns Österreicher kaum sein können. Noch dazu auf einer Insel, die auch Kaiserin Sisi liebte und die bis heute gern mit dieser eleganten, nostalgischen Seite verbunden wird. Da standen wir also auf der Mein Schiff 1, irgendwo zwischen Madeira und Atlantik, drehten uns im Walzertakt, während draußen eine unserer Lieblingsinseln langsam kleiner wurde.

    Das war fast surreal.

    Ein bisschen kitschig vielleicht. Aber manchmal darf Kitsch sein, wenn er echt ist. Und dieser Moment war echt schön.

    Zum Abendessen gingen wir wieder in den Fischmarkt. Natürlich. Unser Muster blieb stabil, und ich sehe keinen Grund, ein funktionierendes System zu hinterfragen. Danach ließen wir den Abend in der Galeriebar ausklingen. Wieder sitzen, trinken, reden, lachen, den Tag noch einmal Revue passieren lassen und dabei merken, wie viel in diesen Stunden passiert war.

    Madeira hatte uns wieder gepackt. Und Madeira hatte auch diesmal geliefert.

    Europa hatte uns also zurück – zumindest in Form dieser wunderbaren Insel im Atlantik. Und wenn schon zurück nach Europa, dann bitte genau so.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Tag 17 – Seetag: Heckwelle, Ballroom-Finale und ein neuer Tag in der Galeriebar

    Sind wir etwa wieder zurück in der Zeitschleife?

    Nach Madeira, festem Boden unter den Füßen fühlte sich dieser nächste Seetag fast ein bisschen an wie die Rückkehr in unseren vertrauten Atlantikmodus. Aufwachen, Meer, Schiff, keine Eile. Wieder dieses Gefühl: Heute müssen wir nirgendwo hin. Außer vielleicht zum Frühstück, zur Bar, zum Tanzen, zum Abendessen und irgendwann – theoretisch – ins Bett. Also eigentlich doch ein gut gefüllter Kalender. Aber eben auf die schönste Art.

    Und als würde das Universum diesen Gedanken noch ein bisschen unterstützen wollen, wurde uns heute auch noch die letzte Stunde geklaut. Allerdings diesmal nicht mehr pünktlich um 12 Uhr und nicht mit Paulchen-Panther-Soundtrack, sondern ganz still und heimlich in der Nacht. Fast unspektakulär eigentlich. Nach all den musikalischen Zeitdiebstählen der vergangenen Tage fühlte sich das beinahe unfair diskret an. Keine Melodie, kein dramatischer Moment, kein kollektives „Schon wieder?“ am Pooldeck – einfach schlafen gehen und mit einer Stunde weniger wieder aufwachen. Sehr elegant gelöst. Sehr hinterhältig aber auch.

    Der Tag begann wieder ruhig. Nur die Mein Schiff 1, das Meer und wir. Und ganz ehrlich: Auch das kann man sehr gut aushalten.

    Heute nutzten wir den Tag für einen ausführlicheren Fotorundgang über das Schiff. Nach so vielen Tagen an Bord kennt man zwar vieles schon, aber genau dann beginnt man, genauer hinzuschauen. Am Anfang orientiert man sich eher funktional: Wo ist die Kabine? Wo gibt es Kaffee? Wo ist der Fischmarkt? Wo steht die nächste Bar? Später sieht man die Details. Die Treppenhäuser, die Kunst, die kleinen Ecken, die Ausblicke, die Wege, die man inzwischen automatisch geht. Aus dem Schiff wird langsam ein vertrauter Ort. Ein Zuhause auf Zeit, das man am Ende fast so fotografiert, als müsste man sich später vergewissern, dass es wirklich da war.

    Wir streiften also über die Decks, machten Fotos, hielten Eindrücke fest und entdeckten wieder einmal, wie viele Perspektiven so ein Schiff eigentlich bietet. Von außen wirkt es groß, von innen noch größer – und trotzdem findet man nach einigen Tagen seine Lieblingsplätze. Manche ganz offensichtlich, andere eher zufällig.

    Einer dieser Lieblingsplätze war heute eindeutig das Heck.

    Wir saßen lange dort, blickten auf die Heckwelle und genossen einfach. Diese Spur, die das Schiff durchs Wasser zieht, hat etwas unglaublich Beruhigendes. Sie ist Bewegung und Rückblick zugleich. Man sieht, wo man gerade herkommt, während man weiterfährt. Weißes Wasser, blaues Meer, endloser Horizont. Fast meditativ. Man könnte stundenlang hinschauen und würde trotzdem nicht das Gefühl haben, Zeit zu verlieren.

    Vielleicht ist die Heckwelle überhaupt eines der schönsten Symbole für eine Reise. Sie zeigt, dass man unterwegs ist. Dass etwas hinter einem liegt. Dass man Spuren zieht, auch wenn sie sich gleich wieder im Meer verlieren. Und vielleicht passt genau das so gut zu diesen letzten Tagen der Reise: Man schaut zurück auf all das, was schon war, und fährt trotzdem weiter. Noch ist es nicht vorbei. Aber man spürt langsam, dass der große Bogen sich langsam schließt.

    Natürlich wurde dieser philosophische Tiefgang angemessen begleitet. Mit dem einen oder anderen Carib, einer Coronita und durchaus auch mal einem Aperol Sprizz. Man muss schließlich flexibel bleiben. Die Karibik lag zwar schon hinter uns, aber ein Carib in der Hand half sehr dabei, sie innerlich noch ein bisschen festzuhalten. Die Coronita sorgte für internationale Leichtigkeit, und der Aperol Sprizz erinnerte vorsichtig daran, dass Europa nun doch wieder näher rückte. Getränketechnisch waren wir also bestens zwischen den Welten aufgestellt.

    Der Nachmittag verging in diesem herrlichen Seetagsrhythmus, der inzwischen fast schon selbstverständlich geworden war. Ein bisschen gehen, ein bisschen sitzen, ein bisschen schauen, ein bisschen trinken, ein bisschen fotografieren. Und immer wieder dieses Meer. Es war kein Tag mit großen Sensationen, aber einer mit vielen kleinen Momenten, die genau deshalb schön waren.

    Am Abend wurde es dann noch einmal besonders: Abschlussball unseres Ballroom Dancing.

    Schon das Wort Abschlussball klingt ja nach etwas Feierlichem. Nach schönen Kleidern, Musik, ein bisschen Wehmut und dem Versuch, sich noch einmal besonders elegant zu bewegen. In unserem Fall kam noch Kathi dazu – und damit natürlich auch eine gute Portion Humor, Schwung und die beruhigende Gewissheit, dass es weiterhin keine Fehler gab, sondern nur Variationen.

    Und Variationen hatten wir viele.

    Es wurde noch einmal getanzt, gelacht, ausprobiert und improvisiert. Die Stunde war richtig lustig, aber zugleich auch ein kleines bisschen melancholisch. Denn mit diesem Abschlussball ging eine der schönsten Routinen dieser Reise zu Ende. Die täglichen Tanzstunden waren für uns wirklich ein Highlight gewesen. Nicht nur, weil wir ohnehin begeisterte Tänzer sind, sondern weil das Tanzen an Bord diese Reise noch einmal besonderer gemacht hat.

    Man merkt dann plötzlich, wie schnell so etwas vorbei ist. Eben hat man noch zum ersten Mal in der Arena gestanden, jetzt tanzt man schon den Abschlussball. Und während man noch versucht, eine Figur halbwegs sauber hinzubekommen, meldet sich innerlich dieses kleine Gefühl: Schade. Das hätte gern noch länger dauern dürfen.

    Nach dem Tanzen ging es zum Abendessen ins Atlantik Klassik. Ein schöner Rahmen für diesen Abend. Nach all den Variationen auf dem Tanzparkett durfte es am Tisch wieder etwas gesetzter zugehen. Wobei gesetzt natürlich relativ ist, wenn man innerlich noch im Takt weiterwippt und versucht, die letzten Tanzschritte nicht sofort wieder zu vergessen.

    Später stand die Crewshow auf dem Programm. Und die war wirklich beeindruckend. Es ist jedes Mal unglaublich, welche Talente in diesen Reihen schlummern. Menschen, die tagsüber im Service, in der Küche, im Housekeeping oder in anderen Bereichen dafür sorgen, dass der Schiffsbetrieb läuft, stehen plötzlich auf der Bühne und singen, tanzen, performen, begeistern. Da bekommt man noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Crew.

    Man sieht nicht nur die Professionalität, mit der sie arbeiten, sondern auch die Persönlichkeiten dahinter. Stimmen, Bewegungen, Ausdruck, Mut, Freude. Und man denkt sich: Wahnsinn, was hier alles an Talent an Bord ist. Eine Crewshow ist immer mehr als nur Unterhaltung. Sie ist auch ein Moment der Wertschätzung. Ein Blick auf die Menschen, die sonst oft im Hintergrund bleiben und an diesem Abend völlig zurecht im Rampenlicht stehen.

    Nach der Show zog es uns – wen wundert es noch – wieder in die Galeriebar.

    Eigentlich wollten wir vermutlich wieder nur kurz etwas trinken. Diese berühmten letzten Worte. „Nur kurz“ ist auf Kreuzfahrten ja ein sehr dehnbarer Begriff. Besonders in der Galeriebar. Man setzt sich, bestellt etwas, trifft vielleicht bekannte Gesichter, plaudert, lacht, lässt den Abend laufen – und plötzlich stellt man fest, dass die Zeit schon wieder völlig unbemerkt an einem vorbeigeschlichen ist.

    Oder besser gesagt: vorbeigetanzt.

    Denn als wir schließlich in die Kabine kamen, war der neue Tag bereits angebrochen. Aus dem geplanten gemütlichen Ausklang war also wieder ein etwas längerer Abend geworden. Aber genau so entstehen Urlaubserinnerungen. Nicht aus perfekter Disziplin, sondern aus Momenten, in denen es gerade zu schön ist, um schon aufzuhören.

    So endete dieser Seetag mit Heckwelle, Schiffsfotos, Ballroom-Abschlussball, Crewtalenten und einer Galeriebar, die uns wieder einmal länger festhielt als geplant.

    Vielleicht waren wir tatsächlich in einer Zeitschleife. Aber wenn sie so aussieht, darf sie gerne noch ein bisschen bleiben.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Tag 18 – Málaga: Hochzeitstag, Altstadtzauber und Shanty-Chor mit Begeisterungsgarantie

    Letzter Hafen. Málaga.

    Allein diese Kombination fühlte sich schon ein bisschen wehmütig an. Nach Karibik, Atlantik, Madeira und all den Seetagen lag nun also unser letzter Stopp vor uns. Und als wäre das nicht schon besonders genug, war heute auch noch unser Hochzeitstag. Ein letzter Hafen, ein wunderschöner Anlass und eine Stadt, die uns mit Sonne, Meer, Altstadtgassen und südspanischem Lebensgefühl empfing. Es gibt schlechtere Arten, einen Hochzeitstag zu verbringen.

    Da wir erst um 10 Uhr anlegten, durften wir sogar gemütlich ausschlafen. Genau richtig für einen besonderen Tag. Málaga wartete schließlich geduldig auf uns. Sehr sympathisch von der Stadt.

    Gegen 11 Uhr gingen wir von Bord und schlenderten erst einmal die wunderschöne Hafenpromenade entlang. Málaga hat diesen Übergang vom Kreuzfahrtschiff in die Stadt wirklich schön gelöst: Palmen, Promenade, Meer, moderne Architektur, Bars, Menschen, Licht – und dazwischen natürlich jede Menge Yachten, die so pompös im Hafen lagen, dass man unweigerlich kurz überlegt, ob man im Leben irgendwo falsch abgebogen ist. Oder einfach nur das falsche Sparbuch besitzt.

    Der Weg in die Stadt führte uns vorbei am Wasser und hinein in dieses mediterrane Treiben, das Málaga sofort so angenehm macht. Die Stadt liegt an der Costa del Sol und verbindet Strand, Hafen, Altstadt und Kultur auf sehr engem Raum – genau das macht sie für einen Kreuzfahrtstopp so dankbar. Man ist schnell mittendrin und hat trotzdem das Meer immer in der Nähe. Málaga ist außerdem die Geburtsstadt von Pablo Picasso und hat sich in den letzten Jahren stark als Kulturstadt positioniert, nicht nur als sonniges Tor zur Costa del Sol.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Alexandra1201

    Tolle Bilder und sehr schön geschrieben :thumbup:

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    Höhepunkte des Westlichen Mittelmeers


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    Festtage in der Karibik


    Leider schon vorbei

    2016 - März Karibik Mein Schiff 3

    2017 - Juni Mittelmeer mit Ibiza Mein Schiff 5

    2018 - April Kanaren mit Kapverden Mein Schiff 4

    2019 - August Adria mit Sizilien und Griechenland Mein Schiff 6

    2020 - August Passau-Budapest-Passau Nicko Vision

    2021/22 - Dezember Kairo-Luxor-Assuan Steigenberger Legacy

    2022 - August/September Hamburg bis New York Mein Schiff 1

    2023 - Februar Kanaren mit Lanzarote Mein Schiff 4

    2023/24 - Dezember/Januar Silvesterreise Dubai Mein Schiff 2

    2024 - August Westliches Mittelmeer mit Valencia Mein Schiff 2

    2025 - März Kanaren mit Marokko Mein Schiff 7

    2025/26 - Dezember/Januar Festtage in Mittelamerika Mein Schiff 1

    2026 - August Adria mit Mein Schiff 4


  • Um 12 Uhr trafen wir Konstantin zu unserer deutschsprachigen Führung durch die Altstadt. Und die war wirklich gelungen. Sehr informativ, kurzweilig und mit genau der richtigen Mischung aus Geschichte, Stadtleben und kleinen Details, die man alleine vermutlich übersehen hätte.

    Unsere Route führte uns zuerst zur Calle Larios, der eleganten Einkaufsstraße Málagas. Breit, hell, geschäftig und perfekt zum Schauen, Flanieren und Menschenbeobachten. Von dort ging es weiter zur Plaza del Obispo, wo die Kathedrale von Málaga eindrucksvoll zwischen den Gebäuden auftaucht. Diese Stadt kann schon sehr schön Kulissen bauen. Weiter über die Calle Cister zur Plaza de la Aduana, dann Richtung Calle Alcazabilla – dort, wo Geschichte besonders dicht beieinanderliegt. Römisches Theater, maurische Festungsanlage, Altstadtleben, Cafés, Touristen, Einheimische: Málaga stapelt seine Epochen nicht irgendwo im Museum, sondern mitten in der Stadt.

    Besonders schön war auch die Plaza de la Merced mit dem Picasso-Monument. Dass Picasso hier geboren wurde, merkt man an vielen Stellen der Stadt. Málaga ist stolz auf diesen berühmten Sohn, aber zum Glück nicht auf eine aufdringliche Art. Eher so, als würde die Stadt sagen: Ja, Kunst können wir auch. Sonne sowieso. Die Führung endete rund um die Plaza de la Constitución, mitten im Herzen der Altstadt, wo sich dieses typische spanische Stadtgefühl noch einmal wunderbar verdichtete: Menschen, Stimmen, Fassaden, Geschäfte, Cafés und überall dieses lebendige Durcheinander, das in Spanien irgendwie nie chaotisch, sondern einfach nach Leben klingt.

    Was das Meer behält ⚓️

  • Nach der Führung gönnten wir uns erst einmal ein spanisches Bier in der Fußgängerzone. Mit Blick auf das bunte Treiben, versteht sich. Es gibt ja kaum etwas Schöneres, als nach einer Stadtführung einfach dazusitzen, zu schauen und zu merken, dass man gerade nicht weiter muss. Menschen liefen vorbei, Gespräche flogen durch die Luft, Gläser klirrten, die Stadt summte vor sich hin – und wir saßen mittendrin, an unserem Hochzeitstag, mit einem kalten Bier und sehr viel Zufriedenheit.

    Danach ging es hinauf zur Festung. Gemeint ist das Castillo de Gibralfaro, das hoch über Málaga thront und im 14. Jahrhundert zum Schutz der Alcazaba errichtet wurde. Von den Mauern aus hat man einen großartigen Blick über die Stadt, den Hafen und das Meer. Und genau dieser Blick war den Aufstieg definitiv wert. Unter uns lag Málaga, hell, lebendig, mediterran, mit Hafen, Schiffen, Dächern und dem Meer als großem blauem Abschluss. Natürlich suchten wir auch unsere Mein Schiff 1 im Hafen. Das macht man als Kreuzfahrer ja automatisch, als müsste man regelmäßig überprüfen, ob das schwimmende Zuhause noch da ist.

    Anschließend gingen wir langsam wieder bergab und retour durch den wunderschönen Park. Der Paseo del Parque ist mit seinen tropischen Pflanzen, schattigen Wegen und üppigem Grün fast schon ein botanischer Spaziergang mitten in der Stadt. Besonders nett waren die vielen grünen Papageien, die unterwegs immer wieder auftauchten. Sie wirkten ein bisschen so, als hätten sie Málaga ebenfalls als Lieblingsplatz auserkoren und würden nun lautstark Besitzansprüche anmelden.

    Natürlich machten wir noch einen Abstecher an den Strand. Der heißt Playa de la Malagueta und liegt nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt. Ein Stadtstrand direkt neben Altstadt, Hafen und Promenade – auch das ist Málaga. Noch einmal Meer, Sand, Strandstimmung und ein letzter kleiner mediterraner Moment, bevor es zurück aufs Schiff ging.

  • Wow Alexandra1201

    Vielen, vielen Dank für die wundervollen Einblicke in Eure Reise. Schön, dass du uns teilhaben lässt.

    Hast du schon einmal daran gedacht ein Buch zu schreiben? Also, ich würde es unbedingt kaufen. Mega Schreibstil!

    VG Dani

    Die Lust am Reisen entspringt der Lust, dort zu sein, wo es auf uns nicht ankommt.
    Dr. Michael Rumpf

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    "14 Nächte - Karibische Inseln - ab/bis La Romana" :love:

  • Zurück an Bord wartete schon das nächste kleine Highlight: Der Kapitän löste heute seine verlorene Challenge ein und grillte für die Gäste. Sehr ehrenhaft. Nach all den Runden, die wir Passagiere gegen ihn gelaufen waren, stand er nun also am Grill.

    Ein schöner Abschluss dieser sportlichen Seetagsgeschichte. Wir verzichteten allerdings auf Würstel und Kotelett, denn für unseren Hochzeitstag hatten wir abends im Surf & Turf reserviert. Prioritäten muss man setzen.

    Und diese Priorität war absolut richtig.

    Beef Tatar, Filetsteak, guter Wein und mein Schatz an meiner Seite. Mehr braucht es eigentlich nicht für einen perfekten Hochzeitstagsabend. Es war lecker, gemütlich, besonders – und genau der richtige Rahmen für diesen Tag. Nach so vielen gemeinsamen Reisemomenten, nach Karibik, Atlantik, Madeira und Málaga saßen wir da und genossen einfach. Das Essen, den Wein, die Reise, den Anlass und vor allem: uns.

    Danach kam das letzte Auslaufen. Natürlich mit dem Grafen. Zum letzten Mal auf dieser Reise diese vertraute Musik (Spoiler: war nicht das letzte mal), dieses langsame Ablegen, dieses Hinausgleiten aus dem Hafen. Málaga wurde kleiner, die Lichter entfernten sich, die Mein Schiff 1 nahm wieder Fahrt auf. Letztes Auslaufen. Das klingt schon ein bisschen gemein, wenn man es ausspricht. Aber schön war es trotzdem. Sehr schön sogar.

    Im Atrium sang danach der Shanty-Chor. Mindestens dreistimmig. Also laut, ein bisschen falsch und mit Begeisterung. Und das ist in diesem Fall ausdrücklich liebevoll gemeint. Es wurde gesungen, was das maritime Herz begehrt: „Es gibt kein Bier auf Hawaii“, „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, „Seemann, lass das Träumen“, „Drunken Sailor“ und all die Klassiker, bei denen irgendwann ohnehin niemand mehr so genau weiß, ob man den Text kann oder nur sehr überzeugt mitsummt.

    Es war herrlich. Ein bisschen schräg, ein bisschen laut, ein bisschen Seefahrerromantik mit Augenzwinkern – und genau deshalb passend. Nach so einer Reise darf ein Shanty-Chor ruhig klingen, als hätte er mehr Herz als Tonleiter im Gepäck.

    Zum Abschluss landeten wir natürlich wieder in der Galeriebar. Wo auch sonst. Noch einmal sitzen, trinken, reden, lachen, den Tag nachklingen lassen. Málaga war ein würdiger letzter Stopp.

    Und während die Mein Schiff 1 weiter Richtung Palma fuhr, blieb dieser Abend noch lange bei uns: mein Mann an meiner Seite, der letzte Hafen im Rücken, ein Glas in der Hand und dieses dankbare Gefühl, wieder ein Stück Welt gemeinsam erlebt zu haben.

    Was das Meer behält ⚓️