Mein Schiff 7 am 01. August 2024, hier der zugehörige Reisebericht von @Mupfel.
Wir hatten uns sehr frühzeitig dafür entschieden, mit Spitzbergen Reisen ein Sightseeing in Longyearbyen zu machen. Wir hatten vor einem Jahr gebucht und die früheste Zeit (09:30 Uhr) gewählt, um auf der einen Seite einen komprimierten Eindruck der Stadt und vom Leben auf Spitzbergen zu bekommen, und auf der anderen Seite noch flexibel für andere Ausflüge zu sein (siehe Ausflugsberichte Katamaranfahrt mit TUI und Hundeschlitten auf Rädern). Den Tipp mit Spitzbergen Reisen hatten wir hier aus dem Forum.
Wir haben unseren Guide direkt vor dem Hafenausgang getroffen, wo sie auch den Minibus (VW Bus) geparkt hat. Wir waren insgesamt acht Personen plus unser Guide. Wir sind dann erstmal schnell auf das Plateau zum Global Seed Vault gefahren, wo sich unser Guide erstmal ausführlich vorgestellt und uns in das Leben und die Stellenwert des heutigen Longyearbyen und Spitzbergen eingeführt hat. Von hier aus hatten wir einen schönen Blick in Richtung Isfjord und Adventfjord sowie auf den Flughafen von Longyearbyen. Unser Guide ist selbst in der Wissenschaft tätig und deshalb konnte sie uns viele Details schildern rund um die Bedeutung von Spitzbergen, die klimatischen Bedingungen und Auswirkungen der Klimaerwärmung, aber auch über die Funktion des Global Seed Vaults und wie es dort drinnen aussieht. Wir lernten auch, dass es noch einen weiteren Samentresor auf Spitzbergen gibt und dass Spitzbergen einen eigenen BER (wahlweise Stuttgart 21 oder Elphi) hat - das Besuchszentrum zum Global Seed Vault sollte bereits mehrfach eröffnet werden, aber immer wieder gab es Gründe, dieses zu verschieben.
Wir sind dann zurück in Richtung Ort gefahren und unser Guide hat viele Anekdoten über die Vergangenheit und die Kultur auf Spitzbergen erzählt. Wir sind an der alten Lorenbahn und dem Kraftwerk vorbeigefahren und an einem Haus, das unter dem Lift gebaut ist, wo die Loren langgeführt werden. Dort, so die Geschichte, wurde irgendwann ein Abgesandter aus Oslo untergebracht, der für die Regierung den Abbau von Kohle überwachen sollte. Weil man sich aber gar nicht gerne auf die Finger schauen lassen wollte, bekam der Mann dieses Haus zugewiesen. Nachts konnte er vor lauter Lärm der Bahn nicht schlafen, am Tag konnte er vor Kohlenstaub nicht lüften. Wir haben dann noch viel über den Bergbau auf Longyearbyen und die Gründung der Stadt erfahren.
Der nächste längere Stopp war dann an der hübschen Kirche. Wir sind dort hineingegangen; die Kirche ist zu gleich ein "Dorfgemeinschaftshaus" und wir haben unzählige Geschichten erzählt bekommen vom Leben im Sommer wie im Winter auf Longyearbyen. Dabei hat unser Guide das so lebendig erzählt, dass man sich fast "dabei gefühlt" hat. Ich habe seitdem einen neuen Ohrwurm: "Here comes the sun", denn zu diesem Lied trifft man sich jedes Jahr im März vor der Kirche und feiert die ersten Sonnenstrahlen, die dann wieder Longyearbyen erreichen.
Weiter sind wir durch das Adventdalen gefahren, an dem alten Kindergarten und der Schule vorbei, an der Einkaufsstraße vorbei und dann durch die Wohnviertel. Wir haben gelernt, warum man auf Spitzbergen nicht unentdeckt Alkohol konsumieren kann (es sei denn, man trinkt Wein!), und warum die Häuser alle auf hölzernen Stelzen, aber mit heruntergezogener Holzfront und in bunter Farbe gebaut sind. Vor fast jedem Haus standen zudem mehrere Motorschlitten - auch das war eine tolle Erinnerung.
Wir sind dann noch in Richtung Camp Barentz gefahren und an den Husky-Stallungen vorbeigekommen. Aus der Ferne konnten wir einen Blick auf das EISCAT Radar werfen. Hier haben wir auch ein wenig davon gelernt, dass das Leben auf Spitzbergen auch bedrohlich sein kann - bei Expeditionen, aber auch an der Stadt. Unser Guide hatte ihre erste Begegnung mit einem Eisbären nämlich direkt vor der Universität - eine faszinierende Geschichte. Wir haben aber auch gelernt, dass wir bei einer Sichtung auch nur in der Nähe von Longyearbyen das Schiff nicht hätten verlassen dürfen.
Und dann natürlich noch dies hier:
Fazit: uns war ein Einblick in die Stadt wichtig, dazu gerne auf Deutsch, damit die Kinder es gut verstehen. Unser Guide hat aber perfekt deutsch gesprochen, es war total kurzweilig und lustig. Und es war authentisch, denn wir haben unheimlich viele spannende Geschichten rund um das Leben und die Kultur auf Spitzbergen gehört. Klar, dass der Guide auch bewaffnet sein muss, weil wir außerhalb der Stadtgrenzen unterwegs sind. Die Tour startet und endet am Schiff, sie bieten aber auch an, Gäste im Stadtzentrum abzusetzen.
Der Preis ist mit knapp 300 Euro für vier Personen wie so oft in Norwegen happig; und dennoch war es unserer Meinung nach den Preis wert - man macht es nicht jeden Tag. Von daher, wer nach Spitzbergen kommt und wirklich erfahren will, wie die Leute in Longyearbyen leben und was man wirklich gesehen haben muss - für den ist das eine klare Empfehlung.
