Man muss die Entwicklung in der Touristik in den letzten 16 Monaten betrachten - also ab etwa 03/2020 - wo uns das verdammte Virus heimgesucht hat.
Zunächst herrschte große Verwirrung. In der Politik, bei Virologen und diversen Wissenschaftlern. Die Menschen waren verunsichert und ängstlich. Im Frühjahr 2020 gab es Menschen die ernsthaft der Meinung waren, dass wir die Corona-Pandemie im Herbst 2020 erledigt hätten. Es gab Meinungen, Prognosen und Spekulationen über die Entwicklung des Virus und der damit verbundenen Situation, wie sie die Menschheit in dieser Dimension noch nicht erlebt hatte. Land A agierte anders als Land B und Land C war mehr betroffen als Land D. Eigentlich ein Chaos, aber vermutlich hätte es niemand besser gemacht. Wo man sonst 10 Jahre benötigte um ein Impfserum auf den Markt zu bringen, gelang das in nur 9 Monaten. Dafür Respekt und Anerkennung.
Egal ob Airlines, Hotels, Kreuzfahrten - alles reduzierte sich hinsichtlich der Nachfrage und Machbarkeit um über 90% ! Wirtschaftlich eine Katastrophe.
Und heute - noch über 16 Monaten Corona ? Wir haben viel gelernt. Die Pandemie hat uns alleine in Deutschland bisher viele Milliarden Euro gekostet. Wie viel von diesen Milliarden richtig und korrekt investiert wurde und wie viele Milliarden Euro davon in den Sand gesetzt wurden, wir wissen es nicht und wollen es auch eigentlich nicht wissen. Klar, mit unserem heutigen Wissen nach 16 Monaten Corona-Erfahrung, würden wir heute vieles anders machen. Hinterher ist man immer schlauer.
Manfred und Monika Mustermann sehnen sich nach Urlaub. Touristik-Konzerne brauchen dringend Umsätze, Erlöse, Erträge. Leider funktioniert das nicht alles so, wie "Manfred + Monika Mustermann", sich das vorstellen.
Und wenn TUI Cruises nicht die Reisen "auf die Kette bekommt", wie Manfred + Monika sich das wünschen, dann werden wir damit leben müssen.
Egal ob AIDA, HL, Phoenix und TUI Cruises, alle wollen und müssen so schnell als eben möglich wieder aus den roten Zahlen kommen. Alle hätten am liebsten wieder ihre Schiffe zu 100% ausgelastet und alle würden liebend gerne das Scheiß-Virus im Atlantik ersaufen lassen.
Aber es geht eben nicht so einfach. Ob nun Kreuzfahrten wieder regulär stattfinden, ist von enorm vielen Faktoren abhängig und eben nicht nur von irgend welchen Inzidenzwerten.
Man muss wieder Besatzungen akquirieren, F&B Versorgungsketten mittelfristig sicherstellen, hunderte in Teilen unterschiedliche Regularien der Länder/Häfen anfragen und vereinbaren. Und das alles in einer Zeit, wo sich täglich/wöchentlich alles ändern kann. Als Reederei muss man zudem sorgsam prüfen, welche Risiken man bereit ist einzugehen und welche nicht. Alles was heute wirtschaftlich kalkuliert wird, muss u.U. morgen schon wieder entsorgt werden.
In der Vergangenheit haben wir erlebt, dass TUI Cruises das relativ ordentlich geschafft, während sich z.B. AIDA eher unbeholfen im Kreis gedreht hat.
Und eins ist leider auch sehr deutlich, noch immer ist die Nachfrage nach Pauschalreisen und Kreuzfahrten über viel mehr als 50% geringer als in Zeiten der Normalität.
Dafür ein ganz simples Beispiel:
In der alten Normalität bestand die Flotte der deutschen TUIfly aus insgesamt 39 Flugzeugen. Inzwischen hat man die Flotte auf 22 (!!!) Flugzeuge reduziert. Man glaubt, dass das für die nächsten 2 bis 3 Jahre ausreichend ist. Man hat also die Flotte um fast 50% verkleinert, weil man davon ausgeht, dass sich die Branche nur sehr langsam erholen wird. Leider ist das die Realität
Das Kernproblem besteht einfach darin, dass das Verhalten der Urlauber in den nächsten 2, 3 oder 4 Jahren nur sehr schwer zu kalkulieren ist. Daher geht TUI Cruises auch keine unnötigen Risiken ein, um zu vermeiden noch mehr Geld zu verlieren.
Für den Kreuzfahrt affinen Urlauber ist das alles nicht befriedigend und wenig hilfreich. Aber vielleicht ist es wert, darüber mal 5 Minuten nachzudenken, bevor man wieder endlos nach Ausweichrouten ruft.