Beiträge von Faulpelz

    Der nächste Stop war dann ja auf Barbados, in Bridgetown. Das war nun ein wenig komplizierter, vor allem, nachdem meine Frau bei einer Internetrecherche herausgefunden hatte, dass in den vorangegangenen Jahren mehrfach radikale Baptistenprediger ihre Anhängerschaft gegen Queerpersonen (und insbesondere Transpersonen) aufgehetzt hatten. Und dabei waren leider auch mehrere Transpersonen zu Tode gekommen.

    Anyway: meine Frau hatte mich gebeten, im Rahmen unseres Landgangs auf Barbados nochmal als Mann unterwegs zu sein. Ich habe ihrer Bitte entsprochen. Als wir, da unser Landgang schon sehr früh starten sollte, an der Gangway auf die Freigabe warteten, trafen wir dort auf ein Paar, die kein Problem damit hatten, laut und deutlich in unserer Hörweite zu äussern:

    «He looks much better as a man. I did not like him in his dress yesterday».

    Okay, sowas muss man wohl ignorieren. Wir haben es jedenfalls getan und unseren Tag auf Barbados sehr genossen.

    Aber dann gab es auch noch ein ganz anderes Erlebnis. Am Abend hatten wir den ersten von drei Teilen unseres Spezialitäten-Restaurant-Pakets (sowas gibt es ja auch bei TC), diesmal im Steakrestaurant «Chops Grille». Wir haben ganz normal unser Essen bestellt, aber bereits bemerkt, dass die Kellner ein wenig getuschelt haben.

    Ich hatte an diesem Abend ein knielanges schwarz-graues Strickkleid an, dazu eine Perlenkette meiner verstorbenen Mutter, schwarze Nylonstrumpfhosen und erstmals nach sehr langer Zeit hohe Pumps.

    (Das war auch seither das letzte Mal, dass ich Absätze über 3cm getragen habe. Sorry, aber im Gegensatz zu vielen anderen Transfrauen komme ich damit einfach nicht klar. Auch vor allem, weil ich mir zwischen 2013 und 2019 dreimal das linke Sprunggelenk verletzt habe (wer meine RBe gelesen hat, weiss warum. Aber inzwischen lebe ich sehr gut mit der 3cm-Grenze. Mehr muss ich nicht mehr haben.)

    Die Vorspeisen kamen dann auch völlig unauffällig. Aber als der Hauptgang serviert wurde, ging plötzlich der Kellner, der mir meinen gebratenen Lachs serviert hatte, vor mir auf die Knie und meinte: «I love you!»

    Ich war, gelinde gesagt, irritiert. War das nun einfach nur Masche? Für ein gutes Trinkgeld? War das ernst gemeint? In Anwesenheit meiner gesamten Familie? Ich wusste es nicht. Aber es hat sich, unabhängig davon, saugut angefühlt! Und nach einem kurzen Blickwechsel mit meiner Frau war mir klar, dass sie mir das auch nicht übel nehmen würde.

    Naja, ich habe am Ende der gesamten Kellnerschaft ein grosszügiges Trinkgeld aufgeschrieben, und meinen «neuen Lover» zum Abschied umarmt, ihm einen Fünfer zugesteckt und ins Ohr geflüsstert: «Thank you, but I dont like men. I appreciate your enthusiasm anyway.» Und dann habe ich einen grossen Schmatz von ihm auf meine Wange bekommen.

    Okay, sowas muss man nicht mögen, aber auch das habe ich als wertvolle Erfahrung auf meiner Reise akzeptiert. Wir waren nun halt Teil der Regenbogen-Community, da kommt sowas halt mal vor.

    (Fortsetzung folgt)

    Ich freue mich auf die Fortsetzung!!

    Sehr interessant auch, was du über die Unterstützung der Reederei für transgender Mitarbeitende berichtest.

    Dieses Modell ist bis heute bei Reedereien einzigartig. Nicht einmal Herr Trump hat RCCL, die ja offiziell ihren Hauptsitz in Miami haben (auch wenn die Schiffe auf den Bahamas registriert sind - die aber auch eines der transfeindlichsten Länder Nordamerikas sind!), vom Gegenteil überzeugen können.

    Sowas nenne ich Rückgrat! :love:

    Der nächste Tag war ja ein Seetag, der Tag des «Superbowls». Wir gingen erstmal zum Suitenfrühstück ins «Chops Grille». Und als wir da fertig waren, musste ich dringend mal zur Toilette.

    Für mich war es im Vorfeld der KF keine Frage gewesen, dass ich als Frau auch die Damentoilette benutzen würde. Das hatte ich ja 30 Jahre zuvor, in dem Jahr, als ich während meines Studiums schon einmal als Frau öffentlich unterwegs war, auch immer ohne Probleme getan.

    Aber diesmal waren wir halt auf einem US-amerikanischen Schiff unterwegs. Und was mit Transfrauen in einigen US-Bundesstaaten erst kurz zuvor passiert war, wenn diese die Damentoiletten aufgesucht hatten, war uns beiden leider in «bester» Erinnerung geblieben. Von daher war ich nicht undankbar, dass meine Frau (und jetzt bemühe ich mal ein Klischée) nach «guter alter Mädels-Art» mit mir gemeinsam aufs Klo ging.

    Es war ausser uns niemand da. Erst, als wir die Toilette verliessen, kam uns eine junge Frau entgegen, die mich ein wenig skeptisch anschaute, aber nichts sagte. Das war es dann schon.

    Am frühen Nachmittag hatte ich dann einen Termin beim Bordfriseur. Sowas hatte ich noch nie zuvor auf einer KF gehabt. Meine Hoffnung war, dass ich mir dort eine Dauerwelle würde machen lassen können, aber das war leider nicht möglich. Immerhin konnte der Coiffeur mir mit Heizeisen ein paar Locken machen. Nur leider haben diese den Tag nicht wirklich überstanden, da wir nur wenige Stunden direkt danach unsere auf jeder unserer KFen übliche Paarmassage hatten (diesmal mit Aromaöl). Naja, Künstler*innenpech halt…

    Nach dem Abendessen im Hauptrestaurant wollte ich eigentlich mit meiner Frau zu einer der «Superbowl»-Übertragungen gehen. Leider hatte Schnarrrchsack plötzlich eine Migräneattacke. Und alleine traute ich mich noch nicht auf eine solche Massenveranstaltung. So haben wir das NFL-Finale schliesslich im Kabinen-TV angeschaut und sind noch vor der Halbzeitshow eingeschlafen.

    Okay, auf der einen Seite hatte ich immer davon geträumt, mal einen Superbowl in Amerika zu erleben. Und wer weiss, wann sich diese Gelegenheit jemals wieder ergeben wird.

    Aber auf der anderen Seite war es für meine Familie auch nicht gerade einfach, in dieser Situation mit mir unterwegs zu sein. Und so kann ich es auch heute gut akzeptieren, dass es diesmal leider nicht geklappt hat. Und nachdem die von uns favorisierten «49ers» sowieso nicht gewonnen haben, war es für mich am Folgetag auch nicht sooo schwer zu akzeptieren, dieses Event verpasst zu haben.

    (Fortsetzung folgt)

    Liebe Foristi!

    Ihr werdet Euch wundern, warum ich nun – nach fast 2 Jahren Pause – die Arbeit an diesem RB wieder aufnehme, den ich leider nie fertiggestellt habe. Der Grund ist einfach:

    Ich war mit diesem RB nie wirklich zufrieden. Das lag u.a. daran, dass diese KF mein neues Coming-out gewesen war, von dem ich aber noch nicht offen im Forum berichten mochte. Ich habe deshalb ein paar Andeutungen eingestreut, die auch einige von Euch korrekt gedeutet haben (wir haben uns seinerzeit per PM ausgetauscht).

    Inzwischen bin ich ja nun auch hier im Forum als transgender herausgekommen, und so wuchs in den letzten Wochen in mir der Wunsch, nicht nur diesen RB endlich fertigzustellen, sondern auch für die bereits geschilderten Reisetage ein paar Erlebnisse nachzureichen, von denen ich bei der Erstveröffentlichung noch nicht offen sprechen mochte.

    Disclaimer: diejenigen von Euch, die immer noch mit meinem Coming-out als Frau Probleme haben (ein paar gibt es ja offensichtlich hier im Forum), müssen ab hier wirklich nicht weiterlesen. Ich dränge mich nicht auf. Die folgenden Berichte sind nicht für Euch, sondern für jene, die meine Transition ohne Probleme mitgehen können.

    Alle Klarheiten beseitigt? Dann geht es jetzt (endlich) weiter:

    Vorweg: ich war schon im Februar 2024 der Ansicht, dass es kaum einen besseren Ort gibt, (nochmal) als Transfrau herauszukommen, als eine KF. Ich hatte mich im Vorfeld im Internet auch ausführlich dazu informiert, und u.a. herausgefunden, dass RCCL bereits 2017 ein bis heute nicht nur fortschrittliches, sondern auch von keiner anderen Reederei erreichtes Inklusionsprogramm für Transpersonen installiert hat.

    Dies betrifft nicht nur Transpersonen unter den Gästen, sondern auch unter den Besatzungen. Oder wie anders sollte man es nennen, dass RCCL seither nicht nur die vollen Kosten für die Hormonbehandlungen von Mitarbeiter*innen, die trans sind, übernimmt, sondern auch eine Vertragsklinik auf den Philippinen hat, wo Besatzungsmitglieder – auf Kosten von RCCL! - die geschlechtsangleichenden Operationen machen lassen können? Sogar die Anreisekosten dorthin übernimmt RCCL. Und diese Klinik ist nicht «irgendein» Spital, sondern eine der weltweit ersten Adressen für Gender-Chirurgie. Dorthin reisen sogar viele Transpersonen aus Europa und den USA für viel Geld, weil die dortigen Operationstechniken wegweisend sind.

    Ihr werdet sicherlich nachvollziehen können, dass diese Informationen für mich ein wesentlicher Faktor waren, nun ausgerechnet auf dieser speziellen Reise nach fast 30 Jahren wieder als Transfrau herauszukommen.

    Zur Anreise bis San Juan ist von mir nichts hinzuzufügen. Der für mich besondere Teil der Reise begann am Abend der Einschiffung am 10.2.2024. Bis dahin hatte ich die komplette Anreise in meiner altvertrauten Maske als Mann absolviert. Aber nun war der besondere Moment gekommen, dem ich schon seit Monaten entgegengefiebert hatte.

    Leider liessen unsere Koffer sehr lange auf sich warten. Ich war nervös, schliesslich hatte ich geplant, an diesem Abend mit meiner Frau den ersten Barbesuch in meiner wahren Identität zu wagen. Als dann unser Gepäck endlich auf der Suite eintraf, konnte ich aber auch nicht anders, als erstmal alle meine Klamotten ordentlich im Wandschrank und den Schubladen einzusortieren.

    Für den ersten Abend hatte ich bewusst ein Outfit gewählt, welches nicht zuuu eindeutig war. Eine beige, knielange Shorts, dazu eine hellbraune Glanzstrumpfhose, weisse Damenslipper, einen blassrosa Feinstrickpulli, eine dezente Kette, zwei Ringe und ein kleines Armband. Als Make-up lediglich etwas die Bartstoppeln abdeckenden Puder (obwohl ich mich gerade erst frisch rasiert hatte) und ein dezenter Lippenstift, nicht mehr. Und seinerzeit hatte ich noch nicht meine Dauerwelle, und meine Haare waren noch nicht einmal schulterlang.

    Als ich mich schliesslich zurechtgemacht hatte (meine Frau war zufrieden mit Jeans und T-Shirt), gingen meine Frau und ich zur Kabinentür. Und dann begann spontan ein Ritual, welches uns danach mehr als ein Jahr auf verschiedenen Reisen begleiten sollte: wir nahmen uns fest an den Händen, ich öffnete die Kabinentür und meinte leise: «Showtime!»

    Der Kabinengang war komplett leer. Erst im Atrium begegneten wir den ersten anderen Passagieren, aber ich habe seinerzeit komplett auf Tunnelblick geschaltet, wahrscheinlich aus Angst vor möglichen Reaktionen auf mich. Mein Ziel waren die Aufzüge, wir wollten zur Borddisco, wo die Bar um diese Zeit schon geöffnet, der Tanzbetrieb aber noch nicht begonnen hatte. Im Aufzug waren wir zum Glück allein, so konnte ich schon einmal ein wenig entspannen.

    Wir fanden dann auch sofort einen kleinen 2er-Tisch. Leider waren zu dieser Zeit noch keine Kellner*innen unterwegs, so dass wir unsere ersten Cocktails an Bord direkt an der Bar bestellen mussten. Und da meinte meine Frau: «Das machst Du jetzt, Komm, trau Dich!»

    Habe ich dann auch gemacht. Am Bartresen begegnete ich dann unmittelbar einem älteren, schon «etwas» angetrunkenen Texaner (unschwer an seinem Akzent zu erkennen), der dort mit seiner Tochter (?) stand. Ich habe nicht wirklich verstanden, was der Mann zu mir gesagt hat, aber sinngemäss war es wohl Folgendes:

    «Hey Man! Are you pretending to be a woman?»

    Ich habe das ignoriert und bei der Barkeeperin, die mich bereits mitleidig anschaute, unsere Bestellung aufgegeben.

    «Hey, I am talking to you! Hello man!»

    Ich habe ihn einfach nur freundlich angelächelt. Seine Tochter (?) kam mir sofort zur Hilfe, legte ihm den Arm um die Schulter und zog ihn von mir weg.

    Als die Barkeeperin mit unseren Cocktails kam, meinte sie nur «Sorry!»

    Ehrlich gesagt: das war irgendwie weniger schlimm verlaufen, als ich befürchtet hatte. Also im Vergleich zu ein paar Dingen, die ich in den eineinhalb Jahren zuvor mit ein paar Leuten im Internet erlebt hatte, die ich mal für meine Freund*innen gehalten hatte. Jedenfalls ging ich mit unseren Drinks zurück zu meiner Frau. Wir haben die dann getrunken, und sie hat seinerzeit ein Foto von mir gemacht. Als ich dieses später auf der Kabine angeschaut habe, kam mir sofort ein Gedanke: «Nici, denk bitte daran, Dich nicht mehr zu breitbeinig hinzusetzen. Diese Gewohnheit musst Du dringend ablegen, trotz Deines Übergewichts. Ganz besonders, wenn Du an einem Glastisch sitzt!»

    (Irgendwie kann ich das Bild leider nicht im korrekten Hochformat einfügen. Sorry!)

    Okay, seitdem habe ich nochmal massiv abgenommen. Die Beine einfach übereinanderzuschlagen, ist mir dennoch immer noch nicht möglich. Das liegt aber auch u.a. daran, dass ich höchstwahrscheinlich in der Pubertät einen Mangel an Wachstumshormonen hatte (die Längenverhältnisse zwischen meinen kurzen Armen und Beinen einerseits und meinem langen Rumpf andererseits deuten darauf hin).

    Aber egal: wir sind dann nach Austrinken unserer Cocktails wieder auf die Kabine zurückgekehrt. Es war ein sehr aufregender Tag gewesen, und ich habe noch eine Weile gebraucht, um einzuschlafen. Aber dennoch: die Rückkehr in das echte Leben war geglückt.

    (Fortsetzung folgt - wenn von Euch gewünscht)

    Ein Beispiel: vor ein paar Tagen habe ich gedacht, Mensch von „Dem“ Faulpelz habe ich auch schon lange nichts mehr gelesen, keine Reiseberichte, keine leckeren Essensfotos…. Schwups an dem Tag sehe ich die Fortsetzung von „seiner“ neuen Vorstellung, (Sorry, für das Dem und seiner, es dient nur zu meiner gedanklichen Erklärung) die leider an mir vorbei gegangen ist. Jetzt weiß ich warum es keine Berichte mehr gab.

    Nö, das liegt ganz einfach daran, dass es mir irgendwann einfach zu stressig wurde. Die RBe waren vom Spass zur Pflicht geworden und gingen mir übrrhaupt nicht mehr leicht von der Hand. Deshalb habe ich mir selber eine entsprechende Auszeit verordnet.

    Aber keine Sorge, irgendwann fange ich wieder an. Ein paar Ideen habe ich schon. Aber es wird noch ein wenig dauern.

    Mich würde bei den Juniorsuiten interessieren ob es wirklich so ist das bei den Betten nur an eine Seite ein Nachttisch ist. So sieht es auf Fotos immer aus. Und der eine vorhandene Nachttisch auch noch sehr klein ist, so das ein Schlafapnoegerät dort wohl nicht hin passt.

    Auf MS 1-7 gibt es auf beiden Bettseiten (kleine) Nachttische, auf der Relax nur auf einer Seite. Und ein durchschnittliches Apnoe-Beatmungsgerät hat darauf (unabhängig vom Schiff) kaum Fall Platz.