Und noch einmal muss ich einen kleinen Einschub machen. Mir ist gerade klar geworden, wie sehr meine Frauwerdung eigentlich meine persönlichen Finanzen herausgefordert hat. Und zwar in puncto Kleidung.
Eigentlich wurde mir dies schon vor ein paar Wochen klar, als mich ein guter Freund mal fragte, was ich eigentlich in diesem Jahr, vor allem seit meinem finalen Coming-out als Frau im Sommer dieses Jahres, für Klamotten ausgegeben habe.
Okay, da ich zuvor immer nur in Sommer-Regionen und in meinen Ferien als Frau unterwegs gewesen war, hatte ich nicht wirklich sooo darauf geachtet. Bewusst wurde es mir eigentlich erst, als ich im September begann, mir erstmals auch eine Herbst- und Wintergarderobe zuzulegen (was ja bislang nicht wirklich notwendig gewesen war). Inklusive Schuhen. Aber letztlich hatte ich ja für die Sommerreisen in den letzten zwei Jahren auch eine Menge Geld investiert. Inklusive Schuhen.
Und dann natürlich auch die ganzen Einkäufe im Laufe des vergangenen Frühjahres und Sommers, die sich ja nach meinem Coming-out im Juni dieses Jahres nicht mehr vermeiden liessen. Inklusive Schuhen. Und im Jahr zuvor. Inklusive Schuhen.
Schon gar nicht zu sprechen vom Effekt, den mein massiver Gewichtsverlust in den letzten zweieinhalb Jahren hatte. Okay, auf Schuhe in diesem Fall nicht so sehr.
Egal: in meinem früheren Leben als Mann hatte ich es mir einfach gemacht. Ich besass immer nur etwa 4-6 Paar Hosen gleichzeitig (meistens Jeans, gelegentlich mal auch etwas aus Stoff oder Cord), dazu ein im Laufe der Jahre gewachsenes Arsenal aus T- und Polo-Shirts, welches ich dann nach dem Prinzip «was gerade im Schrank oben liegt» dazu kombiniert habe. Und zwei mehr oder weniger dunkle Anzüge mit passenden Hemden und Krawatten, die aber meistens in meinem Kleiderschrank verstaubten. An Schuhen hatte ich nie mehr als ein Paar für den Alltag, welches dann im Bedarfsfall kurzfristig ersetzt wurde, und ein – zugegebenermassen selten getragenes – Paar für besondere Anlässe.
Seit ich als Frau herausgekommen bin, ist diese Situation «ein wenig» eskaliert. In meiner jahrzehntelangen Rolle als Mann habe ich mich mehr als nur einmal darüber lustig gemacht, dass manche Frauen stundenlang vor ihrem Kleiderschrank stehen und dann befinden: «Ich habe nichts anzuziehen!» Heute weiss ich das besser…
Auf der anderen Seite habe ich es noch nie so sehr genossen, Klamotten shoppen zu gehen, wie heute.
Meine Frau war im vergangenen März superneidisch, als ich dies zum ersten Mal als Frau ausgerechnet nicht mit ihr gemacht habe, sondern mit meiner Schwester, als ich seinerzeit zu Besuch in HH war. Aber wir haben das im August dieses Jahres, zwei Monate nach meinem finalen Coming-out, in Lörrach nachgeholt.
Anyway: wie ich bereits schrieb, fragte mich kürzlich mal ein Freund, was ich denn so infolge meines Coming-outs für Kleidung ausgegeben hätte. Als ich dann mal schnell über die Bücher ging, hat es mich schon echt aus den Nylons gehauen!
Ich habe dann die Rechnung noch erweitert. Immerhin habe ich in den letzten zweieinhalb Jahren auch gut 30kg Gewicht verloren, und musste infolgedessen auch immer wieder, zum Teil liebgewonnene, Kleidungsstücke ersetzen. Immerhin wiederum keine Schuhe – die musterte ich immer nur aus, wenn ich bemerkte, dass sie mir a) irgendwie trotzdem nicht passten (Schuhgrösse 42 bei Damen ist nicht zwangsläufig kompatibel mit Herren-Schuhgrösse 42!) oder b) mir die Absätze – trotz bester Vorsätze – zu hoch waren.
Am Ende kam ich vor Kurzem zu einer ein wenig niederschmetternden Bilanz. Seit ich Ende April 2022 jenes schicksalhafte Gespräch mit meiner Frau geführt habe, welches mittlerweile zu meinem finalen Coming-out als Frau geführt hat, habe ich nicht weniger als 7000 Franken (!) für Kleidung ausgegeben. Und für Schuhe.
Ist irgendwie Wahnsinn, nicht wahr? Bei uns im Hausflur stehen im Regal mittlerweile gut 30 Paar Schuhe, von denen mehr als 20 meine sind. Mein Kleiderschrank quillt inzwischen über von Röcken, Pullovern, Kleidern (für Winter wie Sommer), Hosen (dito), Shirts, Blusen etc. Von der ganzen Unterwäsche, Nachtbekleidung und vor allem Strumpfhosen (ein gaaanz spezielles Thema!) mal gar nicht zu reden.
Bin ich jetzt einfach nur verrückt? Oder einfach nur als Frau angekommen? Überkompensiere ich irgendetwas? Bin ich ein wandelndes Klischée (vor allem wegen der Schuhe)? Oder ist das schlichtweg nur das Resultat meiner Hormontherapie? Ich weiss es nicht…
Was meint Ihr? 