Gipsy im kalten Südwesten der USA - ein Roadtrip über Weihnachten 2007

  • Ein altes Gefängnis, Sand und Palmen - Teil 1

    Yuma, Arizona


    Montag, 07.01.2008

    Gefahrene Meilen: 282.5 (= 455 km)


    Gestern Abend durfte ich noch erleben, was bei heftigem Regen so passieren kann. Ich hatte gerade den Tagesbericht hochgeladen und wollte meine Emails abrufen, als es plötzlich stockdunkel wurde. Ein Blick nach draußen überzeugte mich davon, dass nicht nur mein Zimmer vom Stromausfall betroffen war sondern mindestens die ganze nähere Umgebung. Und das Internet war dann natürlich auch weg. Die einzige Lichtquelle, die ich noch hatte, war der Monitor von meinem Laptop und die zwei blauen Leuchtdioden am Gehäuse, die Betrieb und Plattenaktivität anzeigen – und mein kleiner Nintendo DS. Zum Glück war der Laptop voll aufgeladen, so dass ich mir erst einmal keine Sorgen über die Dauer meiner Schummerbeleuchtung machte. Während es draußen unaufhörlich regnete, spielte ich knapp 1 Stunde im Licht des Laptops mit dem Nintendo und beschloss dann, schlafen zu gehen. Also durfte der Laptop ins Bad umziehen, damit ich dort auch etwas Licht hatte. Doof war nur, dass sich nach ein paar Minuten ohne Aktivität der Monitor abschaltete und ich nicht die Geduld hatte, herauszufinden, wie ich unter Linux den Energiesparmodus im Batteriebetrieb vorübergehend abschalten konnte. Die Eingabe von Passwörtern war auch so eine Sache: Ich sah ja nicht, auf welche Tasten meine Finger hackten und auf der Laptop-Tastatur kann ich noch nicht blind starten.


    Gerade als ich im Bett lag, wurde es wieder hell; der Strom war wieder da. Also machte ich halt die Lichter aus, die ich vorher vergessen hatte und ging wieder ins Bett. Es war ja auch schon 22 Uhr.

    Heute morgen regnete es immer noch, aber das Internet war wieder da, so dass ich meine Emails ansehen und den Wetterbericht für Gila Bend, Yuma und Yoshua Tree abrufen konnte. Nebenher nutzte ich noch die Gelegenheit, um ein paar Kollegen über Skype kurz zu kontaktieren. Während der ganzen Aktionen trank ich eine Dose Fertigkaffee und aß einen Zimt-Rosinen-Bagel aus meinen Vorräten. Das billige Motel hatte zwar Internet, bot aber kein Frühstück, was mir aber egal war. Da der Kaffee in Dose auch ziemlich viel Koffein enthält, brauchte ich heute auch keinen Cappuccino mehr.

    Dann konnte ich eine kurze Regenpause zum Beladen des Autos nutzen und fuhr los. Noch während ich Gila Bend Richtung Westen verließ, fing es schon wieder an, heftig zu regnen. Aber als ich etwa 50 km nach Westen gefahren war, war endgültig Schluss mit dem Wasser von oben.


    Mein erstes Ziel war dann das Yuma Territorial Prison, das als historisches Gelände vom Staat Arizona verwaltet wird und natürlich Eintritt kostet. Ich hatte mir wirklich etwas mehr davon erwartet als ein zu etwa ¾ abgerissenes Gefängnis mit einem alten Wachturm.

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    Als das Gefängnis außer Betrieb genommen wurde, wurde ein großer Teil der Einrichtung und Gitter für andere Gefängnisse verwendet. Ein Teil des Geländes musste für den Bau der Eisenbahnbrücke, die direkt neben dem Gefängnis über den Fluss führt, abgetragen werden. Und der größte Teil der Gebäudemauern wurde zum Wiederaufbau Yumas nach einer Flutkatastrophe verwendet.

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    So standen nur noch die Zellenreihen, deren Mauern mit Metallgittern verstärkt sind, unter freiem Himmel. Das Gebäude drumherum und das Dach fehlten ganz.

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    Aber wenigstens waren ein paar der Zellen wieder eingerichtet worden, so dass man sehen konnte, wie eng die Zellen waren. In dieser Doppelzelle im mittleren Zellengang, die durch ein Gitter in zwei Zellen unterteilt werden konnte, waren 12 Häftlinge untergebracht, immer 3 übereinander. Und die Betten waren ganz schön schmal.

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    Etwas komfortablere Zellen waren nur für 6 Bewohner eingerichtet und hatten zusätzlich noch ein Regal und einen Eimer, der wohl als Toilette diente.

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    Und dann gab es noch die Luxuszellen für Doppelbelegung.

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  • Pooldeck 24 - Die Kreuzfahrspezialisten
  • Ein altes Gefängnis, Sand und Palmen - Teil 2
    Yuma, Arizona

    Während der Fahrt zum Gefängnis hatte ich noch ein anderes Hinweisschild auf einen historischen Park gesehen, den ich mir wenigstens mal von außen ansehen wollte – bevor ich mich entschied, ob ich hineingehen würde oder nicht. Es handelte sich dabei um ein altes Armeegelände, auf dem Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts ein Depot untergebracht war. Und es sah von außen schon wesentlich interessanter aus als das Gefängnis.


    Dieser Besuch war schon wesentlich lohnender. Da standen noch alte Gebäude, die aufgrund ihrer erhöhten Lage die Flutkatastrophe heil überstanden hatten. Und die Gebäude waren noch mit den Originalmöbeln eingerichtet und alles war erklärt.

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  • Ein altes Gefängnis, Sand und Palmen - Teil 3
    Yuma, Arizona

    Außerdem waren noch alte Fahrzeuge zusammengesucht worden, die jetzt auf dem Gelände ausgestellt werden. So findet sich ein Picknickplatz, der in eine Planwagenburg integriert ist.

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    Auch alte Autos und Pferdewagen konnte man besichtigen sowie eine alte Dampflok und einen Eisenbahnwagen.

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    Auch das alte Reservoir war noch vorhanden, das die Wasserversorgung des Depots sicherte. In dieses oben offene Gebäude wurde das schlammige Flusswasser gepumpt. Nachdem sich der Schlamm abgesetzt hatte, wurde von oben das klare Wasser abgeschöpft. Natürlich musste von Zeit zu Zeit der ganze alte Schlamm entfernt werden, damit wieder neuer Schlamm Platz hatte. Da finde ich unsere Art der Wasserversorgung sehr viel hygienischer, und darunter fällt auch das ziemlich stark gechlorte Wasser in Amerika.

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  • Ein altes Gefängnis, Sand und Palmen - Teil 4
    Yuma, Arizona

    Irgendwann musste ich mich von diesem interessanten Park losreisen und weiterfahren. Es ging erst einmal immer noch nach Westen, wo schon ziemlich bald seltsame hellbraune Berge auftauchten. Ich rätselte und überlegte, was das für seltsame Berge sein könnten, bis mir schlagartig einfiel, dass kurz hinter Yuma in Richtung Westen die Autobahn direkt durch Sanddünen führt. Und da konnte ich die Dünen auch schon richtig erkennen. Natürlich ist das ganze Gebiet als Erholungsgebiet ausgewiesen und eingezäunt, damit auch Eintritt verlangt werden kann.

    Weil wahrscheinlich zu viele Autofahrer auf den Seitenstreifen angehalten und die Sandbuggies beobachtet hatten, wurde wohl ein Rastplatz mit Chemietoiletten zwischen den beiden Richtungsfahrbahnen angelegt, so dass man die Autobahn überqueren muss, wenn man in die Dünen will. Das ist wahrscheinlich der einzige Rastplatz, von dem aus man, wenn man nicht aufpasst, in die verkehrte Richtung weiterfahren kann. Der hat nämlich von beiden Richtungen Zufahrten und somit natürlich auch Abfahrten in beide Richtungen.

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    Irgendwann fiel mir auf, dass ich ja beim Wechseln nach Kalifornien in Yuma ein Schild gesehen hatte, dass ich auch die Zeitzone gewechselt hatte. Ich hatte also die Stunde wiederbekommen, die ich am Anfang meiner Rundreise verloren hatte. Es wird jetzt also schon früher dunkel und auch früher hell, was für mich heißt, dass ich früher aufstehen muss, damit ich etwas vom Tageslicht habe. Dafür stimmt die Uhr im Auto wieder, die ich nicht umgestellt hatte.


    Schon kurz vor Yuma und dann auf der Weiterfahrt nach Westen fielen mir die vielen Wohnmobile auf, die unterwegs waren. Auch gab es sehr viele Campingplätze, die fast alle voll belegt waren. Da fiel mir ein, dass ich hier ja mitten im Gebiet der sogenannten Snowbirds bin, wie die Rentner genannt werden, die normalerweise im Norden wohnen und den Winter in ihren Wohnmobilen hier im Süden verbringen. Deshalb hatte ich auch vermieden, hier in der Gegend übernachten zu müssen. Bei den Wohnmobilen handelte es sich hauptsächlich um die Riesendinger in Busgröße; und alle, die mir unterwegs begegneten, zogen entweder ein normales Auto hinterher oder ein Boot. Das muss ein Leben sein. Haben die Leute dann im Norden auch noch ein Haus oder wohnen die das ganze Jahr in ihrem Campingbus und fahren immer dorthin, wo ihnen das Wetter gerade zusagt?


    Inzwischen ging die Fahrt nach Norden in Richtung Palm Springs. Und dann hatte die Border Patrol einfach auf einem zweispurigen Highway eine Spur gesperrt und kontrollierte alle Autos, die sie so in eine lange Schlange lenken konnten. Diesmal gab sich der Beamte aber mit einer Gesichtskontrolle zufrieden. Nur das Auto hinter mir wurde wohl gründlicher untersucht, denn es dauerte ziemlich lange, bis ich wieder Autos im Rückspiegel sah.


    Rechts und links der Straße sah ich immer noch die Sandwüste, die wohl für Südkalifornien typisch ist. Aber je mehr ich mich Palm Springs näherte, desto mehr Palmen tauchten am Straßenrand auf. Es sieht fast so aus als würden die Palmen in Großanlagen angebaut. Da gab es Anlagen mit Reihen von ganz kleinen Palmen, dann kamen etwas größere und dann auch die richtig großen. Leider konnte ich nicht anhalten um Fotos zu machen. Da habe ich mal wieder bedauert, keinen Chauffeur zu haben, damit ich auch während der Fahrt fotografieren kann (ist vielleicht auch gut so, ich hab auch so schon über 4000 Bilder gemacht und bin noch nicht wieder zurück in Deutschland). Aber vielleicht kann ich morgen mal auf der Fahrt zum Joshua Tree Nationalpark anhalten und ein paar Palmen fotografieren.


    Für die Übernachtung habe ich mir Indio, einen günstigen Vorort von Palm Springs ausgesucht. Dafür habe ich mal wieder kein Internet. Morgen kann ich den ganzen Tag im Joshua Tree Nationalpark verbringen und Kakteen (ja, die gibt es dort auch) und Joshua Trees besuchen – und vielleicht auch eine kleine Wanderung zu einer Oase mit ganz vielen Palmen unternehmen. So wie sich meine Erkältung heute benommen hat, sollte das eigentlich wieder drin sein. Ich hab heute den ganzen Tag weniger gehustet als die letzten Tage in 2 bis 3 Stunden und mein Schnupfen ist fast weg. Da sollte eigentlich die Luft auch wieder für eine Wanderung reichen – vor allem, wenn ich bergauf gaaaanz langsam gehe.

  • Guten Morgen Ihr Lieben.

    Der letzte Tag meines Urlaubs ist angebrochen. Und es ist wieder ein sonniger Frühlingsmorgen mit Temperaturen im zweistelligen Bereich. Nächste Woche geht dann die Arbeit wieder los; am Montag auf jeden Fall aus dem Home Office. Und dann wird sich herausstellen, ob es beim Home Office bleibt, was ich für sehr wahrscheinlich halte, und ob ich dann in Kurzarbeit gehen muss.

    Aber zuvor kommt noch ein richtig voller Tag im Bericht, bei dem ich mal wieder beim Auswählen der Bilder kapituliert habe und Euch jetzt mit einer Bilderflut überschwemmen werde. Ich hoffe nur, dass Ihr nicht ertrinkt dabei. ;)

  • Wüsten und Oasen - Teil 1

    Joshua Tree National Park, Kalifornien


    Dienstag, 08.01.2008

    Gefahrene Meilen: 136.0 (= 219 km)

    Irgendwie war heute morgen erst einmal gar keine Energie zum Aufstehen da. Es wurde mir schmerzhaft bewusst, dass mein Urlaub langsam aber sicher dem Ende zugeht. Aber ich zwang mich zum Aufstehen. Munter war ich nämlich. Und ein kurzer Blick aus dem Fenster machte mich dann hellwach: Draußen färbte sich gerade der Himmel rot über Palmen. Ich beeilte mich mit dem Anziehen und schaffte es tatsächlich noch, die allerletzten rötlichen Flecken am Himmel abzulichten.

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    Da es im Motel 6 nur Kaffee gibt und ich dessen Qualität kenne (der ist von der Sorte „schmeckt furchtbar, aber es ist etwas Koffein drin, also runter damit“), belud ich gleich das Auto bevor ich auscheckte und dabei einen Becher dieses Gebräus mitnahm. Ich musste sowieso zuerst mal eine Tankstelle suchen und das Auto füttern; da konnte ich mir auch gleich einen Eimer Cappuccino und einen Muffin mitnehmen, den ich dann bei Gelegenheit gefuttert habe.


    Und dann ging es auf der Autobahn erst einmal bergauf. Da waren auf einer Strecke von 16 km knapp 500 Höhenmeter zu gewinnen. Und das nicht in Form von Serpentinen, sondern als lang gestreckte Gerade. Am Anfang der Steigungsstrecke war ein Schild, dass man zur Vermeidung von Überhitzung die Klimaanlage und Heizung abstellen solle. Und die Laster quälten sich da rauf. Mit meinem leistungsstarken Auto hatte ich da überhaupt keine Probleme, nur der Benzinverbrauch stieg auf dieser Strecke enorm. Die Gegend, durch die ich fuhr, konnte nicht karger sein: Es gab nur nacktes, schroffes Gestein zu sehen. Das war schon ein krasser Unterschied: Unten im Tal Palmen, Felder und Obstplantagen und hier nur noch Felsen.


    Dann war die Ausfahrt erreicht, die in der kleinen Parkstraße mündet, die durch den Joshua Tree Nationalpark führt. Zuerst ging es einige Zeit einfach so durch die Landschaft, die bei näherem Hinsehen noch einige Farbtupfer hervorbrachte.

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    Mein erster Halt war wie üblich beim Visitor Center, hier auch gezwungenermaßen, um den Eintritt zu bezahlen bzw. gegen Vorzeigen des Nationalparkpasses eine Karte des Parks und Tipps für kurze Wanderungen zu erhalten. Die von mir ins Auge gefasste Wanderung wurde genauso beschrieben, wie ich befürchtet hatte: Auf einem felsigen Wanderweg geht es steil 100 m hinauf und gleich darauf wieder hinunter – und auf dem Rückweg dasselbe noch einmal. Damit war die Besichtigung der Oase am Ende dieses Weges meiner Erkältung zum Opfer gefallen; das wollte ich mir dann doch nicht zumuten.


    Aber es gab eine Alternative: Direkt hinter dem Visitor Center führte eine geteerte Straße bis direkt an eine andere Oase, die dann durch einen kurzen Fußweg erreicht werden konnte. Das war dann zwar nicht dasselbe wie wenn man nach einer Wanderung durch die Felsenwüste plötzlich vor Palmen steht, aber doch ein Ersatz. Und wenn man sich vorstellte, dass man nicht gerade aus dem Auto ausgestiegen und diesen schönen Spazierweg hinuntergegangen war, sondern müde und abgekämpft von einer Wanderung angekommen ist, dann war der Anblick schon faszinierend.

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    Meine Fantasie reichte aber nicht aus, um die Kühle des Morgens, es war erst 9 Uhr und noch ziemlich frisch, durch Sonnenglut zu ersetzen und so ging ich dann wieder zum Auto, um dessen Wärme zu genießen. Bei der Weiterfahrt sah ich dann plötzlich vor mir eine Bewegung. Anhalten, Fenster herunterfahren, Foto anschalten und abdrücken mussten ganz schnell gehen, aber dann hatte ich den Kojoten nur ganz leicht unscharf fotografiert, bevor er verschwand. Die sind ganz schön schnell, diese Kojoten.

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  • Wüsten und Oasen - Teil 2

    Joshua Tree National Park, Kalifornien

    Im Südteil des Joshua Tree Nationalparks, den ich gerade durchfuhr, findet man die Colorado-Wüste, die sehr karg ist und auf deren Geröll hauptsächlich ein paar Sträucher und Chollas wachsen. Und die Chollas traten plötzlich nicht nur mehr vereinzelt auf sondern in großen Mengen, wie in einem Garten. Auch wenn diese Kakteen richtig flauschig aussehen, wird vom Berühren dringend abgeraten, da die Stacheln, die dieses flauschige Aussehen erst ermöglichen, so mit das Fieseste sind was es im Joshua Tree Nationalpark gibt: Die haben Widerhaken, mit denen sie sich so richtig festhaken können in der Haut. Also habe ich sie lieber nicht gestreichelt sondern nur aus sicherer Entfernung fotografiert.


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    Der Hunger meldete sich jetzt und so habe ich meinen Muffin mit einem Teil des Cappuccinos (heute fasste der Eimer sogar gut 700 ml) im Auto mit Blick auf den Cholla-Garten verspeist. Draußen war es mir noch zu kalt. Bei der Weiterfahrt nach Norden verschwanden die Chollas wieder und dafür tauchten plötzlich riesige Felsbrocken auf.


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  • Wüsten und Oasen - Teil 3

    Joshua Tree National Park, Kalifornien


    Auch die Vegetation änderte sich; jetzt war ich nicht mehr in der Colorado-Wüste sondern in der Mojave-Wüste mit den für sie typischen Joshua Trees, die dem Park seinen Namen gaben.

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    Viele Besucher sehen sich nur den Nordteil an oder durchfahren den Park von Norden nach Süden und sind dann von der Kargheit der Colorado-Wüste total enttäuscht. Es ist auch ein sehr großer Unterschied: Im Süden eine Landschaft, bei der die Vegetation nicht sehr hoch wächst und die Chollas schon eine Sensation sind und im Norden die üppigen Joshua Trees, die in Massen auftreten können. Und die Joshua Trees sollten mich jetzt bis zum Verlassen des Parks begleiten.


    Zuerst jedoch ging es noch hoch hinauf: Auf einen Aussichtspunkt nämlich, von dem aus man bei klarem Wetter bis fast nach Mexiko sehen kann. Dadurch, dass es sich immer mehr bewölkte, bot sich mir ein unglaublicher Anblick: Im Vordergrund schroffe, steil abfallende Felsen der Colorado-Wüste und im Hintergrund Berggipfel, die gerade so über die sich dort auftürmenden Wolken blitzen. Da musste ich schon zweimal hinsehen, bis ich die dunklen Streifen über den Wolken als Berggipfel erkannte.

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  • Wüsten und Oasen - Teil 4

    Joshua Tree National Park, Kalifornien

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    Als nächstes kam dann die kleine Wanderung dran, die als Ersatz für die zu anstrengende Wanderung zur Oase dienen sollte. Da führte der Weg zuerst durch eine sehr enge Passage in riesigen Felsblöcken, um dann in einem verborgenen Tal zu münden. In diesem von hohen, schroffen Felsen umgebenen Tal war eine eigene kleine Welt zu finden mit verhältnismäßig üppiger Vegetation, die außer aus Yuccas und Joshua Trees auch noch aus Koniferen und anderen Sträuchern bestand. Und das alles war immer wieder durchsetzt von unglaublich großen Felsbrocken.

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  • Wüsten und Oasen - Teil 5

    Joshua Tree National Park, Kalifornien

    Natürlich brauchte ich für die knapp 2 km Rundweg mindestens doppelt so lange wie die anderen Leute. Schließlich musste ich alle paar Schritte stehen bleiben und in alle Himmelsrichtungen schauen, bevor ich weitergehen konnte. Es hätte ja sonst sein können, dass ich eine besonders schöne Pflanze oder eine besonders seltsame Felsformation nicht sehen würde.

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  • Wüsten und Oasen - Teil 6

    Joshua Tree National Park, Kalifornien

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    Nach gut einer Stunde (na gut, es waren fast 1 ½ Stunden) war auch ich wieder am Ausgangspunkt der Wanderung angekommen – und um über 100 Fotos reicher. Auch ein kleiner Squirrel lugte einmal kurz über einen Felsbrocken, aber bevor ich die Kamera richtig eingestellt hatte, wurde er von sich nähernden Schritten vertrieben.


    Die Fahrt Richtung Westeingang ging weiter durch richtige Joshua Tree Wälder. Endlich konnte ich mich mal an Joshua Trees so richtig satt sehen, habe aber hier keine Bilder mehr gemacht. Außerhalb des Joshua Tree Nationalparks treten diese Riesenyuccas (Joshua Trees sind die größten Yuccas, die es gibt) immer nur einzeln oder in kleinen Gruppen auf und man hat keine Haltebuchten, von denen aus man diesen Anblick so richtig genießen kann.

    Aber irgendwann hat jeder Park ein Ende und ich zeigte beim Passieren des Westeingangs dem Parkranger meinen Nationalparkpass. Da man im Süden ja einfach so in den Park fahren kann und quasi freiwillig im Visitor Center den Eintritt bezahlt, werden bei den beiden besetzten Eingängen eben auch aus dem Park fahrende Autos kontrolliert und zur Kasse gebeten. Mein nächstes Ziel war das Visitor Center im Ort Joshua Tree, das zu diesem Eingang gehört. Mann, war das gut versteckt. Die Hinweisschilder waren nur zu sehen, wenn man in Richtung Park fuhr, was ich auch tat. Anhand meiner Parkkarte wusste ich ja ungefähr, wo ich das Visitor Center zu suchen hatte. Aber es bot nichts interessantes.


    Jetzt musste ich noch außerhalb des Parks zum Haupt-Visitor Center in Twentynine Palms kommen, das genau so gut versteckt ist wie das andere. Aber es hatte noch eine kleine Überraschung zu bieten, von der ich zwar schon im Internet gelesen, es aber wieder vergessen hatte: Dort gab es auch eine Oase. Und da konnte ich dann den Tag noch mit einem kleinen Spaziergang unter Palmen beenden.

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    Und irgendwie spiegelt dieser dunkle Abendhimmel meine Stimmung wider: Einerseits dunkel und traurig, dass mein Urlaub fast zu Ende ist, und andererseits auch froh und glücklich, so viel schönes gesehen und erlebt zu haben.


    Jetzt bin ich wieder mal in einem Motel 6 ohne Internetzugang und muss auf eine Gelegenheit warten, bis ich meine Berichte und Bilder hochladen kann.


    Morgen geht es durch die Mojave-Wüste nach Jean, wo ich mich für die letzten zwei Nächte einquartiert habe.

  • Ich werd auch schon ganz wehmütig... weil sich mit Ende deiner Reise auch das Ende dieser tollen Bilderflut abzeichnet...

    LG Regina

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  • Vom Joshua Tree N.P. waren wir auch ganz begeistert. Gerade auch das Wonderland of Rocks fand ich sehr beeindrucken. Danke für die Erinnerung

    Wie Urlaubsende....jetzt schon :/

  • Ein paar Bilder habe ich noch, aber keine Flut, noch nicht einmal Hochwasser - Jedoch noch ziemlich viel Text, den ich schon vor über 10 Jahren geschrieben habe. Und meine Berechnung ist auch aufgegangen: Morgen kann ich den Rest noch einstellen und bin mit dem Bericht dann fertig geworden, bevor ich wieder arbeiten muss.

  • Oh wie schöne Bilder des Joshua Tree NP:love:. Da muss ich wohl auch mal hin und ein wenig rumwandern. Ich bin auf unserer Rundreise immer ganz begeistert von den verschiedensten Felsformationen gewesen. Des Weiteren kann ein Felsen immer neue Eindrücke vermitteln, man muss nur den Blickwinkel ändern. Ach.... Berge begeistern mich einfach und sorgen bei mir zu einer sehr schnellen Entschleunigung.

  • Guten Morgen Ihr Lieben,

    Bei der ausgefallenen Kreuzfahrt wäre heute der letzte Tag, ein Seetag, angebrochen und ich hätte bestimmt meine Lieblingsplätzchen für Seetage gefunden.

    Auf Balkonien ist ein weiterer schöne Frühlingstag angebrochen mit erneut Temperaturen im zweistelligen Bereich. Die Vögel zwitschern, das Gras wächst, die Primeln haben Löwenzahn und Gänseblümchen Platz machen müssen, die meisten Bäume haben inzwischen ihr Sommerkleid angelegt, die letzten Nachzügler haben das auch festgestellt und bilden eilig Knospen, und eine vorwitzige Wespe versucht vergeblich, durch mein Fliegengitter ins Zimmer zu gelangen.

    Und auch meine Ersatzreise aus der Erinnerung geht mit Riesenschritten auf das Ende zu. ;(

    Noch ein letztes Mal darf ich Bilder aussortieren. Das ist heute sehr einfach; ich kann Euch alle zeigen, weil es für mich nicht mehr viel gab, das ich fotografieren wollte.

  • Zurück durch die Mojave-Wüste

    Mittwoch, 09.01.2008

    Gefahrene Meilen: 166.4 (= 268 km)


    Heute war endgültig der letzte Tag, den ich unterwegs bin. Heute Abend bin ich in Jean, einem kleinen Ort kurz vor Las Vegas. Und das ist auch das letzte Hotel bevor ich abfliege. Da in Las Vegas gerade eine große Messe ist, sind die Übernachtungspreise in den Hotels in der Nähe des Flughafens in schwindelerregende Höhen geklettert. Bevor ich da über 100$ für ein einfaches Motelzimmer ausgebe, bleibe ich lieber außerhalb. Außerdem ist es am Morgen wesentlich einfacher, von Jean aus zum Flughafen zu kommen als von der Innenstadt oder einem der anderen Randbezirke von Las Vegas. Der Flughafen liegt nämlich gerade in der richtigen Richtung am Rand von Las Vegas, so dass die 35 km von Jean schneller gehen als 20 km Stadtverkehr.


    Als mein Wecker heute morgen klingelte, konnte ich mich zu gar nichts aufraffen und stellte nur schnell die Heizung wieder an, die ich über Nacht ausgestellt hatte (die mit den Klimaanlagen gekoppelten Heizungen machen einen Heidenlärm), und ging wieder ins Bett. Erst eine Stunde später konnte ich mich zum Aufstehen überreden. Aber ich war total lustlos. Hunger hatte ich zwar etwas, aber absolut keinen Appetit. Also wurde das Frühstück erst einmal verschoben. Und der Kaffee des Motel 6 schmeckte so scheußlich, dass ich kurzerhand die Pflanzen damit goss. Ich hoffe, sie haben es überlebt.


    Die Fahrt ging über kleine Überlandstraßen quer durch die Mojave-Wüste, die heute genauso trostlos aussah wie meine Stimmung. Auch das Radio konnte mich nicht aufmuntern. Und trotzdem war es schön, so durch die menschenleere Weite zu fahren, in der die Straße kilometerweit immer geradeaus geht, ohne Kurve. Vereinzelte Briefkästen oder ganze Ansammlungen von Briefkästen bei Kreuzungen mit Straßen, die mehr wie Feldwege aussehen. In der Ferne ein paar Häuser, ganz schwach zu erkennen. Da gewinnt der Satz: „ich geh schnell zum Briefkasten“ eine ganz andere Bedeutung, denn das zum Briefkasten Gehen könnte ein paar Kilometer bedeuten. Auch jeden Tag Einkaufen ist da nicht drin.


    Ringsherum in der Ferne waren die schroffen Berge zu erkennen, die erst einmal meine Begleiter waren. Die Berge vorne kamen ganz langsam näher, bis die Straße nach Norden abschwenkte und auf diese Berge zuführte. Und diese musste ich auch überqueren. Neben der Straße nur ausgetrocknete Erde mit kleinen Sträuchern und büschelweise hartes Wüstengras. Sonst wuchs nichts. Ab und zu kam mir ein Auto entgegen oder es überholte mich eines. Aber während der ganzen Fahrt durch die Wüste (160 km lang) kam keine Tankstelle, kein Restaurant, kein Fast-Food-Laden, nur einsame Farmen bzw. Ortschaften, die aus einer Hand voll Häuser bestehen und sogar ein Postamt haben.

    Und dann war ich in der Mojave National Preserve, die ich schon auf dem Weg vom Death Valley zum Grand Canyon auf derselben Straße in der anderen Richtung durchfahren hatte. Damit hatte sich der Kreis geschlossen; ich war fast wieder zurück. Da ich bei der ersten Durchfahrt wesentlich weniger Zeit hatte und wusste, dass ich den unteren Teil dieses Naturschutzgebietes noch einmal durchfahren würde, hatte ich keine Fotos von den Dünen gemacht und mir auch das Depot nur kurz von außen angesehen. Die Fotos von den Dünen holte ich jetzt bei strahlendem Sonnenschein, aber kalten 10° C nach. Wenn ich 6 km Feldweg-Schotterpiste gefahren wäre, wäre ich bis fast an den Fuß der Dünen herangekommen. Aber auf Schotterpiste hatte ich gar keine Lust, schon gar nicht mit einem normalen Auto, das keine erhöhte Bodenfreiheit hat.

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    Das Eisenbahndepot stellte sich als liebevoll renoviertes und hergerichtetes Visitor Center des Naturschutzgebiets heraus, in dem nicht nur einige der Originaleinrichtungen des Bahnhofs sondern auch eine große, interessante Ausstellung über die Geschichte der Mojave-Wüste auf die wenigen Besucher warten. Ich hielt mich dort über eine Stunde auf und schaute mir alles an.

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    Noch 3 Bilder vom Anfang der Reise.

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    Die Weiterfahrt ging dann durch noch unbekanntes Terrain; diese Strecke war ich noch nicht gefahren. Und da wartete noch eine Überraschung auf mich: Tausende von Joshua Trees. Dass es einige Joshua Trees geben würde, war mir bekannt, aber dass ich kilometerweit durch richtige Wälder von Joshua Trees fahren würde, war eine große Überraschung für mich. Aber ich schaffte es nicht, Bilder davon zu machen. Ich brachte es nicht über mich, einfach anzuhalten (was problemlos möglich gewesen wäre) und sozusagen Abschiedsbilder zu machen. Da fuhr ich lieber langsamer als ich eigentlich durfte und versuchte, so viele Eindrücke wie irgend möglich in meinem Kopf zu speichern. Als es wieder weniger Joshua Trees wurden, kam auch schon bald die Autobahn, die mich dann nach Jean brachte.


    Diese Fahrt durch die letzten Kilometer der Mojave-Wüste mit den vielen Joshua Trees empfand ich als Abschied von dieser Gegend, die mir so gut gefällt. Und ich weiß, dass mich das Fernweh irgendwann wieder packen wird und ich wieder zu den roten Felsen, der Mojave-Wüste und den Joshua Trees fahren werde.


    Da ich noch den ganzen Tag nichts gegessen hatte, siegte dann schließlich die Vernunft und ich fuhr in Primm, dem ersten Ort mit Tankstelle und Futtermeile seit Twentynine Palms heute morgen, in das dortige Outlet-Center, um in der Futtermeile chinesisches Fast-Food zu essen und den Rest einer mittleren Cola mitzunehmen. Die mittlere Cola dürfte so etwa 700 ml fassen.


    Das Zimmer hier im Hotel in Jean ist schön groß und hat zwei Betten. Auf einem liegen meine beiden Koffer schon fertig umgepackt für den Flug. Ich muss nur noch die letzten Reste darin verstauen.


    Da mein Hotel keinen Wlan-Zugang bietet sondern nur die alte Modem-Methode, werde ich morgen früh mal nach Primm fahren und schauen, ob die wirklich Internet in ihrem Einkaufszentrum anbieten. Das wird dann wahrscheinlich die letzte Möglichkeit für mich sein, ins Internet zu gehen.


    Mit unseren Bekannten in Las Vegas bin ich morgen zum Abendessen verabredet. Und ich bin sicher, dass ich für den Rest des Tages noch eine sinnvolle Beschäftigung finden werde wie z.B. den Besuch der Star Trek Experience im Las Vegas Hilton oder rausfahren zu den roten Felsen.

  • Der letzte Tag


    Donnerstag, 10.01.2008

    Gefahrene Meilen: 147.7 (= 238 km)


    Heute wachte ich mit einer ganz miesen Laune auf. Es war der letzte Tag, denn morgen musste ich schon ganz früh wieder am Flughafen sein, um den Flieger nach Deutschland zu besteigen. Und wie um sich über mich und meine schlechte Laune lustig zu machen, lachte draußen die Sonne vom Himmel. Da hätte ich wenigstens eine hellgraue Wolkendecke zum Abschied erwartet und nicht strahlenden Sonnenschein. Das verbesserte meine Laune keineswegs.


    Irgendwann raffte ich mich auf, die Kaffeemaschine anzuwerfen und alle verfügbaren Kaffeebeutel in die Kanne zu werfen, um 2 Becher starken Kaffee zu brauen. Für morgen früh hatte ich noch meine letzte Dose Fertigkaffee reserviert, da ich genau weiß, dass ich keine Lust haben werde, mitten in der Nacht trinkbaren Kaffee zu fabrizieren und der aus der Dose gar nicht so übel ist und auch genügend Koffein hat, um mich zu Unzeiten munter zu machen.


    Den Kaffee trank ich ganz langsam und machte mich dann mal fertig zu Gehen. Schließlich hatte ich heute noch einiges vor.


    Zuerst musste ich zurück nach Primm in die Outlet Mall, um mit dem dort vorhandenen Wlan-Netz meine Flugdaten zu checken. Ich hatte da nämlich den von Delta angebotenen Service in Anspruch genommen, 24 Stunden vor dem Abflug eine Email mit den aktuellen Daten zu erhalten. Das Outlet und der Food Court waren schnell erreicht. Und eigentlich hatte ich mir vorgenommen, dort zu frühstücken. Aber ich hatte einfach keinen Appetit bzw. das Fast Food Angebot dort verscheuchte noch den letzten Rest Vernunft, die sagte, dass ich etwas essen müsste. Also versuchte ich nur, mit dem Laptop ins Wlan zu kommen. Da stellte sich heraus, dass es nicht kostenlos war. Aber die 5$, die es kosten sollte, opferte ich halt. Ich hatte einfach keine Lust, Las Vegas nach einem kostenlosen Wlan abzugrasen (und außerdem hätte das dann auch entweder einen Kaffee oder Parkgebühr und zumindest Benzin gekostet).


    Also hatte ich Internet-Zugang und konnte die letzten Tagesberichte hochladen und noch einmal meine Emails checken. Von Delta war eine Email eingetroffen, die alle geheimen Hoffnungen zerschlug: Das Flugzeug sollte wirklich um 7:15 starten; der Flug war weder etwas verschoben noch abgesagt worden. Also blieb mir wohl nichts übrig, als wenigstens Las Vegas wieder zu verlassen. Aber vielleicht würde ich ja in New York festsitzen (der traurige Urlauber braucht einen kleinen Hoffnungsschimmer, dass sich sein Urlaub gezwungenermaßen verlängern könnte).


    Als nächstes wollte ich mal beim Mietwagen-Center vorbeifahren, damit ich morgen früh den Eingang nicht mehr suchen muss. Die Adresse hatte ich schon in Deutschland in das Navi eingegeben und Bonnie führte mich problemlos hin. Ihre Route folgte zwar nicht der ausgeschilderten Route, die die Einfahrt so ansteuert, dass man rechts abbiegen kann, aber das Links-Abbiegen sollte doch morgens kurz nach 4 Uhr wohl keine Probleme machen. Da war nämlich noch eine Tankstelle in der Richtung, aus der ich mich von Bonnie geführt näherte. Und ich musste mein Auto vollgetankt abgeben.


    Das nächste Ziel war das Silverton-Casino, in dem ich zum Abendessen verabredet war. Es war zwar erst früher Nachmittag, aber ich wollte mir den Treffpunkt erst mal in aller Ruhe ansehen. Austin hatte da nämlich einen Brass-Shop erwähnt und ich erinnerte mich an Berichte im Internet, die diesen Shop als Paradies für Outdoor-Fans bezeichneten. Und den wollte ich mir dann noch anschauen. Das Navi hatte ich im Hotel mit Hilfe des Telefonbuchs programmiert. Und bei der Anfahrt konnte ich mich noch einmal so richtig über Bonnie lustig machen: Die Einfahrt zum Parkplatz ist auf der Rückseite, so dass man von der Hauptstrasse (die die Adresse des Casinos ist) abbiegen muss und von hinten kommt. Das passte Bonnie natürlich gar nicht; sie hatte schließlich die Hauptstrasse gespeichert und wollte dann immer, dass ich wieder wende. Erst als ich auf dem Parkplatz ziemlich am Ende Richtung Hauptstrasse war, meinte sie plötzlich, ich hätte mein Ziel erreicht. Die weiß wohl auch nicht, was sie will.


    Im Casino traf ich zuerst auf ein riesiges Aquarium. Den Brass-Shop sah ich mir vom Eingang im Casino aus an und hatte plötzlich gar keine Lust mehr, da zu stöbern.


    Auch zum Einkaufen hatte ich keine Lust und ich brauchte auch nichts mehr dringend. Außerdem waren die Koffer und der Rucksack schon voll und ich hätte noch ein weiteres Gepäckstück kaufen müssen. Dann wäre nämlich der Notfallplan für den Rückflug in Kraft getreten: Der kleine Koffer wird nicht ganz gefüllt, so dass er als Handgepäck verwendet werden kann, und der Rucksack muss leer in einen der aufgegebenen Koffer/Taschen.


    Aber die Star Trek Experience im Hilton wollte ich mir noch anschauen bzw. für einen Star Trek Fan ein Mitbringsel besorgen. Also fuhr ich los auf den Strip - und stand im Stau. Und je näher ich dem Convention Center und damit dem Hilton kam, desto schlimmer wurde es. Kein Wunder, es war ja bereits kurz nach 16 Uhr und die große Convention, derentwegen ich in Jean übernachten musste, dürfte für heute wohl zu Ende sein. Da versuchte ich nur noch, irgendwie über Seitenstraßen wieder zurück nach Jean zu kommen, was aber gar nicht so einfach war. Bonnie hatte ich nur das Ziel eingegeben und an jeder Kreuzung entschied ich mich neu, ob ich Bonnie folgen oder anders fahren wollte. Wenn Bonnie versuchte, mich wieder in den Stau zu bugsieren, ignorierte ich das einfach und fuhr in die entgegengesetzte Richtung. So kamen wir irgendwie doch wieder zurück nach Jean, wo ich mir aus dem inzwischen wieder aufgefüllten Kaffeevorrat noch einmal einen Kaffee kochte. Noch etwas Spielen mit dem Nintendo und dann war es auch schon wieder Zeit, zum Abendessen ins Silverton zu fahren.


    Es war schön, die drei mal wieder zu sehen, und ich wurde auch endlich die Schokolade los, die ich für sie aus Deutschland mitgenommen hatte und die die ganze Tour gut eingewickelt im Kofferraum des Autos mitmachen musste.


    Nach dem Abendessen fuhr ich wieder zurück nach Jean und überprüfte noch einmal die Koffer. Als ich wie jeden Abend die Fotos von der Kamera auf den Laptop überspielen wollte, fiel mir auf, dass ich ja heute überhaupt nicht fotografiert hatte.


    Dann stellte ich schnell den Wecker auf kurz nach 3 Uhr und versuchte, ein paar Stunden zu schlafen.

  • Der Rückflug

    Freitag, 11.01.2008

    Gefahrene Meilen: 33.4 (= 54 km)


    Als der Wecker kurz nach 3 Uhr klingelt, wollte ich am liebsten gar nicht aufstehen. Aber es blieb mir nichts anderes übrig. Also aufgestanden, ab ins Bad, anziehen, alles einpacken, den Dosenkaffee trinken, das Auto das letzte Mal einräumen, auschecken und losfahren. Die Fahrt in der Nacht war überhaupt kein Problem; ich brauchte einschließlich Tankstop nur 35 Minuten bis ich das Auto das letzte Mal anhielt und der Angestellten von Dollar übergeben konnte. Die sah das Auto kurz an, gab den aktuellen Meilenstand ein und druckte die Abgabequittung aus. Dann ging es mit dem ganzen Gepäck zum Flughafen-Shuttle.


    Auf dem Flughafen war trotz der frühen Stunde schon wieder oder immer noch Hochbetrieb. Am Check-In musste ich nur kurz warten. Und da stellte sich heraus, dass ich es geschafft hatte, einen 64 cm großen Koffer und einen 50 cm großen Koffer so zu packen, dass der kleine Koffer nur 5 Pfund leichter war als der große, beide aber gut unterhalb der Grenze lagen. Und dann kam der Schock: Die Schlange zur Handgepäckkontrolle war die längste, die ich bisher gesehen hatte. Aber es ging zügig voran (hier wollten sie auch nur die Laptops ausgepackt haben sowie Schuhe und Jacken in den Körben zum Durchleuchten) und ich war noch gut 30 Minuten vor dem Boarden am Gate. Da konnte ich mich in aller Ruhe zwingen, das gestern beim Abendessen übriggebliebene Hühnerbrust-Sandwich hinunter zu würgen, da es ja auf den Inlandsflügen nichts zu essen gibt. Das Sandwich war eigentlich sehr gut, aber ich hatte absolut keinen Appetit und musste mich regelrecht zu jedem Bissen zwingen.


    Im Flugzeug hatte ich einen Fensterplatz auf der rechten Seite, so dass die ganze Zeit die Sonne zum Fenster herein schien. Aber ich hatte sowieso keine Lust zu fotografieren (das erste Mal, dass ich beim Flug nicht fotografiert habe). Ich saß nur da und schaute traurig zum Fenster hinaus und nahm Abschied von der Landschaft unter mir. Das Snack-Angebot verdarb mir die Lust auf Essen vollends, so dass ich nur die Getränke nahm.


    Plötzlich, auf der Höhe von Delaware, begann das Flugzeug über dem Meer zu kreisen. Meinem Gefühl nach hätten wir schon viel früher nach Norden abdrehen müssen, um nach New York zu kommen. Irgend etwas stimmte da nicht. Und da kam auch schon die Durchsage des Flugkapitäns, dass New York gerade wegen eines Unwetters dicht sei und wir so lange hier kreisen würden, bis wir wegen Spritmangels woanders würden landen müssen. Innerlich wünschte ich mir, dass genau das passieren würde, so dass ich keine Chance hätte, meinen Anschlussflug nach Paris zu erreichen und vielleicht würde länger bleiben können. Aber da hörten wir auf zu kreisen und nahmen Kurs auf New York, wo wir am Ende mit 45 Minuten Verspätung landeten. Das war aber kein Problem, hatte ich doch ursprünglich etwa 4 Stunden Zeit zum Umsteigen gehabt.


    Nach dem Verlassen des Flugzeugs musste ich erst einmal das Terminal wechseln und dann einen Schalter von Air France suchen und meine Bordkarten-Gutscheine gegen richtige Bordkarten eintauschen. Delta war es in Las Vegas nicht möglich, mich bis Stuttgart durchzuchecken, obwohl Delta und Air France Partner sind. Am Air France Schalter stellte sich heraus, dass meine Sitzplatzreservierung auch nicht im System aufzufinden war und nur noch Mittelplätze und einige wenige Gangplätze frei wären. Da entschied ich mich für einen Gangplatz und ich war darüber nicht einmal so unglücklich (obwohl ich wegen meiner Platzangst eigentlich auch auf den Nachtflügen einen Fensterplatz bevorzuge), denn mir fiel noch rechtzeitig ein, dass Air France ja nachts keinen Service anbietet und man sich die Getränke selbst in der Bordküche holen muss. Und mit meiner Erkältung und dem Husten würde viel Trinken ganz sicher nicht schaden. Natürlich musste ich auch hier wieder durch die Handgepäckkontrolle, wo wieder nur der Laptop ausgepackt und Schuhe und Jacken ausgezogen werden mussten. Am Gate gönnte ich mir während des Wartens noch einen Fruchtsalat und beobachtete die Leute. Im Flugzeug selbst waren noch etliche freie Plätze, darunter auch einige Fensterplätze. Aber ich hatte mich schon von den Vorteilen des Gangplatzes überzeugt und wechselte nicht auf einen Fensterplatz. Vor allem der freie Platz neben mir machte die Entscheidung leichter.


    Nachdem das Flugzeug das Gate verlassen hatte, geschah etwas Seltsames: Ich schlief ein und wachte etwa 45 Minuten später wieder auf als der Flieger sich zum Start bereit machte und Gas gab. Ich kann im Flugzeug nämlich nur schlafen, wenn die Räder noch Bodenkontakt haben und wache unweigerlich wieder auf, wenn die Turbinen losheulen. Ob das für JFK wohl normal ist, dass die Flugzeuge zum Start kilometerlang Schlange stehen müssen?


    Der Flug verlief wie erwartet: Der Kaffee roch nach Kaffee, schmeckte nach Kaffee und wirkte wie Kaffee, denn es war Kaffee und nicht nur gefärbtes Wasser. Auch das Essen war erstaunlich genießbar und schmeckte mir wesentlich besser als das, das Delta auf dem Hinflug serviert hatte. Als dann der Service eingestellt war, pilgerte ich etwa alle 30 Minuten durch das halbe Flugzeug nach hinten zur Bordküche, um mit einem vollen Wasserbecher wieder zu meinem Platz zurückzukehren. So kann man sich die Langeweile auch etwas vertreiben. Am Morgen (es war noch dunkel draußen) gab es noch Frühstück mit richtigem Kaffee.


    In Paris parkten wir auf einer Außenposition, so dass wir mit dem Bus durch den halben Flughafen gefahren wurden. Dann ging es zu Fuß im Flughafen ungefähr dieselbe Strecke weiter zum Gate, natürlich nicht ohne weitere Handgepäckkontrolle. Und dort sollte ich zum ersten Mal meine Fließjacke anbehalten, was dazu führte, dass der Metalldetektor wie verrückt zu piepsen anfing, als ich durchging. Des Rätsels Lösung: Ich hatte immer noch Ersatzakkus für die Kamera in meiner Jackentasche. Als die draußen waren, piepste nichts mehr, aber ich wurde trotzdem abgetastet - und da war tatsächlich noch etwas seltsames in meiner Jackentasche: meine Hustenbonbons, von denen ich mir einen größeren Vorrat in die Tasche gesteckt hatte. Als ich für harmlos befunden worden war, durfte ich endlich weiter zum Gate, wo wieder Warten angesagt war. Und natürlich gab es mal wieder keine Sitzplätze und auch viel zu wenig Toiletten - ist halt typisch für CDG.


    Als es dann ans Boarden ging, gab es mal wieder Schwierigkeiten: der Scanner konnte meine in JFK ausgestellten Bordkarten nicht lesen. Nach einigem Hin und Her wurde die manuelle Eingabe der Daten dann akzeptiert und ich konnte endlich durch den Flugsteig zum Bus gehen, der mich zu einem anderen Flugsteig brachte, über den das Flugzeug dann betreten werden konnte. Das ist wirklich kein Witz: Vom Gate ging es zuerst eine Treppe runter zum Bus, der wieder über den halben Flugplatz fuhr und an einem Treppenhaus anhielt, das zu einem anderen Gate hochführte. Paris eben.


    In Stuttgart wurde ich schon von meiner Tochter erwartet, bei der ich auch den restlichen Samstag und den Sonntagvormittag verbrachte. So hatte ich schon Gelegenheit, einen Teil meiner Mitbringsel loszuwerden und den Laptop gegen eine DVD mit meinen Bildern und Aufzeichnungen zu tauschen. Die Katzen haben sich auch über ihre Mitbringsel gefreut: Terrie hat einen Catnip-Stofffisch beschlagnahmt und schleppt diesen überallhin mit (und redet nachts furchtbar laut mit ihm). Gipsy hat die "Vögel am Stil" mit Wohlwollen betrachtet, da sie jetzt 3 ältere und 2 neue mit Glöckchen hat. Der "Riesenvogel am Stil" (Riesenfederteil am Plastikstil) hat sie sofort angreifen lassen und Rupfversuche herausgefordert. Also hab ich für die beiden das Richtige gefunden.


    Nach einem kurzen Nickerchen am Nachmittag (ich hatte ja schließlich in der Nacht vor dem Flug knapp 4 Stunden und während des Flugs nur 45 Minuten geschlafen) war ich wieder halbwegs fit und konnte mich mit Appetit auf das Abendessen stürzen. In der folgenden Nacht schlief ich fast 12 Stunden und hatte damit dann den gesamten Jetlag bereits überstanden.


    Am Sonntagnachmittag fuhr ich dann mit dem Zug nach Hause und packte später noch die Koffer aus. Montag musste ich wieder normal arbeiten.

  • Fazit (direkt nach der Reise)

    Am Anfang hatte ich echt Angst, dass es so kalt und ungemütlich werden würde, dass ich die Route total umwerfe und ich mich die 4 Wochen nur in Südarizona, Südkalifornien und Las Vegas aufhalten würde. Aber diese Angst war absolut unbegründet. Es war zwar teilweise wesentlich kälter als erwartet, aber durch die geringe Luftfeuchtigkeit war die Kälte nicht so unangenehm. Trotzdem haben mich die tiefen Temperaturen und vor allem der eisige Wind an manchen Orten überrascht. Vor allem in White Sands und Carlsbad hatte ich höhere Temperaturen erwartet.

    Die Landschaft war im Winter sehr schön; rote Felsen mit etwas grün und Schnee haben schon das gewisse Etwas. Vor allem die Leere in den Parks hat mich angenehm überrascht. Trotzdem möchte ich einige der besuchten Parks, allen voran Arches, Canyonlands und Mesa Verde, auch noch (mindestens) einmal im Frühjahr oder Herbst besuchen, wenn die Wege besser begehbar sind und in Mesa Verde alle Ruinen besucht werden können.

    Ich hatte ja schon von Anfang an meine Präferenzen, aber trotzdem in diese erste größere Tour einige andere Parks mit eingebaut, um diesen auch eine Chance zu geben. Und das war auch gut so. Denn so konnte ich deutlich erkennen, dass ich meine bevorzugten Interessen wirklich (rote) Felsen, Kakteen, Wüste und Indianerkultur sind.

    Insgesamt hatte die Tour die richtige Mischung und auch etwa die richtige Reihenfolge: Am Anfang rote Felsen, dann Wüste, dann wieder rote Felsen und Canyons, vermischt mit Indianerkultur und zum Schluss noch Wüste mit Kakteen und Joshua Trees. Auch von den Temperaturen her war die Reihenfolge richtig: Zuerst kurz angenehm warm, dann eisig von Williams bis White Sands, von White Sands bis Albuquerque etwas wärmer bevor es wieder eisig wurde bis kurz vor Sedona. Und dann war es nur noch warm; ich hatte aber auch wirklich genug von der Kälte. Hätte ich die Tour in die andere Richtung gemacht, also zuerst schön warm und dann eisig, hätte ich bestimmt sehr schnell aufgegeben und wäre wieder in den Süden abgehauen.

    Ich habe unheimlich viel gesehen und noch sehr viele Eindrücke zu verarbeiten. Das Schreiben des Berichts jeden Abend war ideal, um mich später beim Lesen wieder daran zu erinnern und mit der richtigen Verarbeitung der Eindrücke beginnen zu können. Hätte ich den Bericht erst nach meiner Rückkehr geschrieben, hätte ich wahrscheinlich viele Kleinigkeiten bereits wieder vergessen.



    Gefahrene Meilen insgesamt: 5821 (= 9368 km)