Dienstag, 5. März 2019: Agadir
Der Tag beginnt sehr diesig, wie es in Agadir häufiger der Fall sein soll. Das Schiff hat im Industriehafen festgemacht, welcher etwas außerhalb der Stadt liegt und wenig ansprechend wirkt. Man sieht auf Kräne und Container und LKWs, die diese abholen. Geruchsbelästigung durch die Fischfabrik konnten wir nicht feststellen, doch ein Tanker gegenüber, der wohl gerade be- oder entladen wurde, verbreitete etwas Dieselgeruch. Man sieht außerdem, dass die dortigen Anlegemöglichkeiten für Kreuzfahrer erweitert werden sollen, ein Kai wird gerade verlängert.
Auch in diesem Jahr überlegten wir, ob wir nicht doch Marrakesch ins Programm nehmen sollten. Im Jahr zuvor hatten wir das von TUI als dessen „Kleine Schwester“ beworbene Taroudant besucht und es hatte uns gefallen, nicht zuletzt, weil wir einen sehr guten Führer dabei hatten (In meinem RB von dunnemals auf der alten MS2 berichtete ich es auch ausführlich)
Auch nach Taroudant waren es schon ungefähr anderthalb Stunden Busfahrt, nach Marrakesch hätte eine Tour mindestens dreieinhalb Stunden gedauert. Auf 7h Bus hatte ich einfach keine Lust und überredete meinen Mann, uns doch lieber erstmal Agadir selber anzusehen, von dem wir im Vorjahr nur wenig zu Gesicht bekommen hatten.
Gesagt getan, für 8.45 Uhr buchten wir eine Panoramafahrt durch die Stadt. Die war genauso, wie man so etwas erwartet, nicht besser, nicht schlechter. Zuerst ging es zur Kasbah hoch über der Stadt. Das ist eine Festungsruine, die von der Altstadt nach dem großen Erdbeben 1961 übrig geblieben ist, alles andere wurde damals zerstört. Das wieder aufgebaute Agadir ist dadurch eine moderne Stadt geworden, wie es sie auch in Europa geben könnte.
Von der Kasbah hat man, wenn es klar ist, einen Traumblick auf die Unterstadt und das Meer. Leider war es diesig. Von der Festung selbst bzw. deren Resten ist mir nicht viel in Erinnerung geblieben. Geschäftstüchtige Einheimische standen davor mit kleinen Souvenirständen, man konnte sich zudem gegen einen Obolus mit Kamelen fotografieren lassen oder diese reiten, auch Ponys waren vorhanden.
Die nächste Station war eine Art neuer Altstadt, die Neue Medina, gebaut von einem italienischen Architekten, architektonisch durchaus nicht ohne Reiz, aber auch sehr künstlich. Innen befanden sich einige Geschäfte und kleine Werkstätten, dazu ein Restaurant und alles ist noch im Wachsen. Wir fanden hier einen jungen Mann, der kleine Skulpturen aus einem weißen Stein fertigte. Wir kauften ihm zwei ab als Souvenirs für die Kinder und uns.
Der Bus brachte uns schließlich an den Strand, wo wir eine knappe Stunde Freizeit hatten. Hier ist uns etwas Putziges passiert, worüber wir heute noch lachen müssen. Wir schlenderten da so entlang, mein Mann hob einen Stein auf und auch ich interessierte mich für einen hellblauen Kieselstein. Nun wussten wir allerdings nicht, ob man als Tourist so etwas überhaupt mitnehmen darf, man hat da Geschichten gehört und ob die nun von Thailand oder von Marokko handelten… 
Plötzlich jedenfalls war ein fliegender Händler da, der uns Steine, Mineralien offerierte und sie gleich aus einem Sack vor uns hinlegte: von außen unscheinbar, immer in zwei Hälften aufgebrochen und innen eine Art farbiges Kristall. Ich wusste nicht, was das ist, ob es so etwas überhaupt gibt oder ob es in Taiwan gefertigt wird. Ich wusste nur, dass ich das nicht wirklich wollte und nicht brauchte. Der Händler konnte nun kaum Englisch, wir kein Französisch oder Arabisch, und er holte immer neue Farbvarianten aus dem Sack hervor und nannte dann auch einen (unverschämten) Preis in Euro.
Da fängt doch mein Mann an zu handeln, bietet einen etwas geringeren Preis (aber immer noch doppelt so viel, wie ich überhaupt gezahlt hätte!). Ich schließe daraus, er - wolle – solche – Steine – wohl haben. Der Händler zeigt noch mehr Varianten und ich betrachte insbesondere einen in Kobaltblau und in Smaragdgrün. Das verwundert nun wieder meinen Mann, der daraus schließt, ich –wolle – undzwar sogar zwei davon(!) und kurz und knapp mit dem Händler zum Abschluss kommt.
Als der weg ist, stehen wir beide da mit den in Zeitungspapier eingewickelten großen Steinen und ich frage meinen Mann, wofür er die eigentlich haben wollte. Da guckt er mich erstaunt an und sagt, er hätte gedacht, ich wollte die haben und gleich zwei davon.
Jetzt mussten wir lachen über unsere Dummheit und schmunzelten auch nicht wenig über den Händler, der heute wohl ein Supergeschäft gemacht hatte. Na, jetzt zieren die beiden Gesteinsgebilde mein Bücherregal im Arbeitszimmer.

Gegen 13 Uhr sind wir zurück auf dem Schiff und nun endlich ist die Sonne da und bescheint etwas später sogar unseren Balkon.
Wir haben für den frühen Abend noch etwas gebucht, eine Fantasiafahrt zu den Berbern mit Programm und Abendessen, von der ich irgendwo schon mal eine positive Beschreibung gelesen hatte.
Um 16.45 Uhr geht es los. Die als Schauplatz angepriesene „Berberfestung“ ist zwar nur ein zugeschüttetes Freibad, aber wir werden empfangen von Trommeln und Musikern, bekommen im Verlauf ein wenig Akrobatik zu sehen und eine Feuershow (für die es leider noch zu hell ist, genau diese Art Feuerakrobatik hat unser Sohn vor Jahren auch mal praktiziert), Pferde reiten Scheinattacken, Büchsen knallen, kurz: da wird sich echt bemüht, uns Touris zu unterhalten. Anschließend geht es in ein großes Zelt, wo runde Tische für je 8 Leute eingedeckt sind, sogar Wein wird angeboten. Hier erhalten wir ein mehrgängiges marokkanisches Menü, das meinen Mann und mich ehrlich entzückt (der Führer vom Vormittag hatte behauptet die marokkanische Küche sei die viertbeste der Welt).
Zuerst gibt es verschiedene Gemüse, teils als Salat, teils gegart, beides für europäische Gaumen ungewöhnlich gewürzt. Den nächsten Gang bilden eine Art Frühlingsrollen bzw. Teigtaschen: gefüllt mit Gemüse und Hühnchenfleisch (süß u.a. mit Zimt abgeschmeckt) und mit Kartoffelmasse (salzig im Kontrast dazu). Der Hauptgang ist ein Eintopf in einem großen Behältnis für alle serviert, bestehend aus Huhn, Kartoffeln, Blumenkohl, Möhren, Oliven u.v.m., wirklich sehr lecker. Zuletzt kommt noch Obst und schließlich Gebäck. Zwei Männer an unserem Tisch aßen fast nichts, der eine hatte eine Magenverstimmung (oder schob eine solche vor) – warum sie überhaupt mitgefahren waren, erschloss sich uns nicht. Zwischen den Gängen gab es zudem Musikeinlagen und auch eine Bauchtänzerin erschien.
Wohl gesättigt und aufs Beste unterhalten sitzen wir nun da, da wird diskret ein kleines Körbchen für eventuelle Trinkgelder herbeigebracht. Wir legen 5 € hinein, denn es hat uns gefallen, doch niemand an unserem Tisch tut es uns nach, sie hatten alle angeblich oder tatsächlich gar kein Geld dabei. Auf mich wirkt das peinlich. Da mühen sich 20 Leute mehrere Stunden, nun ja – man hat den Ausflug bezahlt, aber selbst in Deutschland ist man nicht so knickerig.
(Ähnliches fiel mir auch bei allen Busausflügen auf, wo nur einige dem Busfahrer und dem oder der Reise-Führer(in) ein Geldstück zusteckten).
Gegen 21 Uhr sind wir zurück auf dem Schiff und gehen noch bis Mitternacht in die Schaubar, denn morgen ist wieder Seetag.