Wir gingen dann auf die andere Strassenseite, wo sich das Büro der
Agentur befand, wo ich die Tickets für den Eiffelturm bestellt
hatte. Vor der Tür standen schon gut 50 Personen, die Dienste der
Agentur waren also gut gebucht. Ich löste unsere Vouchers gegen die
Eintrittskarten ein und bekam ausserdem farbige Klebepunkte, die wir
auf unseren Jacken anbringen mussten. Schliesslich war der Eintritt
zum Tour Eiffel nur als geführte Gruppe möglich.
Während wir da so
warteten, kam plötzlich eine Mitarbeiterin der Agentur vor die Tür
und verkündete, dass man noch ein paar Restkarten für die Fahrt auf
die Spitze des Turms hätte (unsere Tickets galten ja nur für Ebene
2, also nicht einmal die Mitte des Turms), welche nun auf «First
come, first served»-Basis gekauft werden könnten. 
Ich zögerte keine
Sekunde und eilte zurück zum Tresen, wo ich dann tatsächlich für
60 Euro für uns vier das begehrte Upgrade erstehen konnte. Yeah! 
Okay, damit war der
Preis für unsere Turmfahrt mal eben auf 320 Euronen gestiegen, aber
wann kommen wir schon das nächste Mal nach Paris?
Kurz darauf kamen
unsere Guides und gaben uns ein paar Instruktionen und Informationen.
U.a. wurde herumgefragt, ob wir irgendwelche Gegenstände dabei
hätten, die als Waffen gebraucht werden könnten (und da war ich
wirklich froh, mein Sackmesser an diesem Tag im Hotel gelassen zu
haben). Dazu würden auch alle Objekte aus Glas zählen. Man könne
diese aber auch in einem Souvernirshop auf der anderen Strassenseite
kostenlos zur Aufbewahrung geben.
Sicherheitshalber
brachte also meine Frau die Katakomben-Souvenirs der Jungs dorthin.
Dann ging es los.
Und für mich wurde es ein absolut harter Marsch. Denn neben meinem
Rücken meldete sich nun auch völlig unvermittelt mein linkes
Sprunggelenk und forderte Ruhezeiten ein. Klar, wir hatten zu diesem
Zeitpunkt bereits längst die 10`000-Schritte-Marke für den Tag geknackt, die ich
im Alltag zuhause praktisch nie erreiche (an einem durchschnittlichen
Arbeitstag in der Praxis komme ich gerade mal auf knapp 4`000
Schritte, auf Ausflügen mit der Familie am Wochenende vielleicht auf 6`000 - 7`000). Mein Körper ist solche Laufwege einfach nicht mehr
gewohnt. 
Und dann hiess es
noch anzustehen bei der Sicherheitskontrolle. Der Eiffelturm ist
nämlich inzwischen von einem hohen Zaun umgeben, in dessen Inneres
man nur kommt, wenn man eine Kontrolle wie am Flughafen passiert hat. Und wenn für mich (bzw. meinen Rücken) etwas noch schlimmer ist,
als lange Gehstrecken, ist es längeres Anstehen. 
Immerhin half es,
dass wir als geführte Gruppe einen eigenen Durchgang benutzen
konnten, das ging schneller als an den anderen Linien. Aber schon
dräute das nächste Unheil: die Jungs mussten mal wieder aufs Klo.
Und zwar dringend! 
Zwar gab es am Fusse
des Eiffelturms Toiletten, aber wir durften ja den Anschluss zur
Gruppe nicht verlieren. Der Grund war schnell erkenntlich: mit
Einzeltickets hätten wir uns nochmal in eine Schlange von geschätzt
200 Personen an den Aufzügen einreihen müssen, für die geführte
Gruppen gab es erneut einen eigenen Schnellzugang (und damit
relativiert sich der hohe Preis der Agentur auch wieder ein wenig
gegenüber dem offiztiellen Vorverkauf).
Zwischenzeitlich
habe ich noch vom Fusse des Turms ein Foto geschossen:
Wir kamen also recht
schnell voran, mussten aber direkt vor den Aufzügen nochmal durch
eine Sicherheitskontrolle (warum, hat sich mir nicht wirklich
erschlossen). Und die Jungs jammerten. 
Dann warteten wir
vor dem Aufzug. Unsere Kids hatten kein Auge und Ohr für die
beeindruckende Hydraulik, welche seit mehr als einem Jahrhundert
immer noch mit Wasser aus der nahegelegenen Seine betrieben wird, und
ihre riesigen Kolben – die beiden wollten zur Keramik, so schnell
wie möglich. Immerhin war unsere Führerin so verständig, dies zu
erkennen, so dass sie uns wortreich direkt an die Spitze der Schlange
manövriert hat, so dass wir auch wirklich mit dem nächsten
ankommenden Aufzug fahren konnten. 
Die Fahrt mit diesem
ist sehr beeindruckend, für mich eines der Highlights von Paris,
denn die dahintersteckende Ingenieurskunst mit sich kontinuierlich
änderndem Aufstiegswinkel ist einfach grossartig (vor allem, wenn
man bedenkt, dass Gustave Eiffel sie noch selber erdacht hat). Aber
die knapp 3 Minuten bis zur Ebene 2 (inkl. Zwischenstop auf Ebene 1)
geriet für die Jungs zur echten Herausforderung. Einen Blick für
den Aufstieg über das Marsfeld hatten sie leider nicht. 
Naja, immerhin
konnten sie dann schnell ihr Notdurft verrichten, so dass im Kopf
wieder Platz war für die Schönheit des Ausblicks:
Unsere Guides gaben
dort auch noch eine kleine Führung, aber wir entfernten uns recht
bald von der Gruppe, um nach dem Aufzug zur Spitze zu suchen. Dieser
ist leider nicht wirklich gut ausgeschildert: man muss erstmal eine
Treppe hinaufgehen, dann halb um den Turm herum. Wir brauchten ein
wenig, um den Zugang zu finden.
Hineingestopft in
eine kleine Kabine fuhren wir dann nach oben. Und diesmal konnten wir
alle das Erlebnis auch wirklich würdigen. Am oberen Ende des
Ausflugs befindet sich zunächst eine Ebene, die rundum verglast ist.
Über den Fenstern sind die jeweiligen Entfernungen zu Grosstädten
und vor allem hohen Türmen weltweit angegeben. Unsere Jungs machten
sich gleich auf die Suche nach dem Burj Khalifa, welchen wir gut ein
Jahr zuvor besucht hatten. Aber dort waren wir gar nicht mal so hoch
gekommen, wie an diesem Tag.
Eine Treppe höher
befindet sich dann die oberste Plattform, unverglast und nur mit
grobem Gitter geschützt. (Dort befindet sich auch das Büro von
Gustave Eiffel, welches aber leider schon geschlossen war.) Und von
dort konnten wir dann den Sonnenuntergang beobachten und zuschauen,
wie die Lichter der Stadt nach und nach angingen:
Auf dieser Plattform
gibt es übrigens auch einen kleinen Verkaufsstand, welcher
Champagner in kleinen (wohl kompostierbaren) 1dl-Flutes für rund 20
Euro anbietet. Man kann auch ein Set mit 2x Schampus und etwas Kaviar
für 67 Euro bekommen. Nur so als Tip für alle diejenigen unter
Euch, die gerne mal auf der Spitze des Eiffelturms zünftig anstossen
wollen. 
Auf dieser 3. Ebene
war es auch erstaunlich windstill, viel weniger Luftbewegung als auf
Ebene 2.
Naja, recht bald
fuhren wir schliesslich wieder nach unten. Und während wir noch am
Aufzug von Ebene 2 zum Boden anstanden, begann die stündliche
Lightshow (es war gerade 21 Uhr geworden). Die Jungs waren untröstlich, hatten diese doch vom Boden
aus anschauen wollen. Aber auch aus dem Inneren des Turms heraus war
es ganz nett.
(Kleiner Einschub zur 1. Ebene des Turms: dort befinden sich zwei Restaurants, in denen man ein kleines Menü einnehmen kann. Die zwei offerierten 3-Gang-Menü-Optionen kosten ca. 100 bzw. rund 150 Euro, das Kindermenü gut 80 Euro.) 

Unten angekommen
suchten wir nach einem Ausgang, der uns möglichst nahe an den
Souvenirshop bringen würde, wo wir ja noch etwas abzuholen hatten.
Leider mussten wir aber nach Verlassen des Turmgeländes fast halb um
den Turm herumgehen. Und eben dort hatten sich in der Zwischenzeit
wahre Horden von Souvenir-Händlern eingefunden, welche glitzernde
und blinkende Mini-Türme feilboten. Schon ab 1 Euro! Wollten wir
denn kein Souvenir?
Nö. 
Ich hatte ja viel
mehr Interesse an den diversen mobilen Imbissständen, an denen
wohlduftende Speisen auf die Hand angeboten wurden, aber meine
Familie war inzwischen zu müde, um noch hungrig zu sein. Sie wollten
einfach nur noch zurück ins Hotel. 
Also schnell zum
Souvenirshop, unsere Andenken eingesammelt. Glücklicherweise fuhr
genau dort ein Bus, welcher bis zum Bahnhof Saint Lazare, dem
zweitgrössten Bahnhof von Paris, fahren sollte. Von dort konnten wir
dann direkt mit der Metrolinie 13 wieder zum Hotel fahren.
Am Beginn der
Busfahrt war es inzwischen 22 Uhr geworden, die nächste Lichtershow
des Turms stand an. Und tatsächlich konnten wir für gut 20 Sekunden
durch eine Nebenstrasse das Spektakel beobachten. Also doch noch
irgendwie alles gut gegangen.
(Vom illuminierten Turm aus den
bekannten Gründen keine Bilder.)
Im Hotel kamen wir
dann kurz vor 23 Uhr an. Ich hatte ja eigentlich noch die zweite
Brasserie in der unmittelbaren Umgebung des Hotels antesten wollen,
aber der Rest der Familie trat spontan in den Streik (da muss der
Vortag ein wenig abgefärbt haben), so dass unser Abendsnack («Essen»
mag ich das nun wirklich nicht nennen) aus ein paar Chips und
Schokoriegeln von der Hotelrezeption sowie einer Packung Kekse, die
meine Frau noch von der Anreise im Rucksack hatte, bestand. 
Okay, am nächsten
Tag würden wir ja schon um 9 Uhr zur Fahrt in den «Parc Asterix»
abgeholt werden, also fügte ich mich der Mehrheitsentscheidung.
Ach ja, falls es
Euch interessiert: am Ende des Tages waren wir bei genau 14`671
Schritten angekommen. Meine Frau war voller Bewunderung, wie ich
diesen Tag durchgestanden hatte, so völlig aus dem Training.
Allerdings mache ich mir inzwischen ein wenig Sorgen ob der Fitness
der Jungs...