Beiträge von Faulpelz

    Auch von mir ein herzliches "Willkommen im Forum"!

    Ich muss zugeben, auch gerne mal in gewissen Diskussionen dazu zu neigen, übers Ziel hinauszuschiessen (mea culpa!). Umso mehr freut es mich, dass Dich dies im Endeffekt nicht von der Anmeldung hier im Forum abgehalten hat. Und sollte ich in Zukunft mal in einem Thread wieder meinen Heisssporn Gassi führen, so darfst Du mich auch gerne jederzeit diesbezüglich zurechtweisen. Ich meine das eigentlich nie wirklich böse, kann nur manchmal einfach nicht meinen Alltagsstress aus dem Forum heraushalten... :*

    Kinder: schlafen.

    Frau: schläft auch.

    Faulpelz: kann irgendwie nicht schlafen.

    Okay, dann gibt es halt noch schnell etwas zum Lesen und Gucken.


    12.7.2019 – Bergen:

    Jetzt stand also der erste Landgang unserer Reise an. Wir hatten uns im Vorfeld für die Teilnahme am Familienausflug des Kids Clubs entschieden. Dies kam mir bzw. meinem immer noch zeitweise schmerzenden Fussgelenk sehr zupass, war dieser Landausflug doch im Programm als „extra leicht“ eingestuft worden. Und nachdem auf dem Anmeldeformular, welches wir am Vortag im Kids Club unterschrieben hatten, auch von einem Shuttlebus die Rede war, war ich guten Mutes, bei diesem Ausflug bestens mithalten zu können.

    Die Ausflugsbeschreibung lautete in etwa so (aus dem Gedächtnis rekonstruiert):

    „Zunächst kommen wir in das alte Hanseviertel Bryggen, wo wir einen kurzen Rundgang machen. Anschliessend fahren wir mit der Floibahn auf Bergens Hausberg Floien hinauf, wo wir zunächst picknicken (jeder bekommt an Bord ein Lunchpaket mit, bitte dafür den Kindern Rucksäcke mitgeben). Danach gehen wir zum Spielen auf den Trollspielplatz. Anschliessend geht es wieder bergab, aber Ihr müsst um Eure kleinen Füsslein keine Angst haben: auch dafür nutzen wir wieder die Bergbahn. Unten angekommen gehen wir auf den Fischmarkt, wo Ihr Piratenbeute machen und einiges probieren könnt. Danach kehren wir wieder zum Schiff zurück.“

    So gut, so falsch.

    Der Shuttlebus fuhr lediglich wenige hundert Meter zum Ausgang des Containerhafens, in dem die MS5 lag. Danach sollte es zu Fuss weitergehen – rund 1.5km einfache Strecke zur Floibahn. Da musste ich leider schon nach kurzer Zeit das Handtuch werfen und meine Frau mit den Jungs alleine weitergehen lassen. Alles Folgende wurde mir also von ihr berichtet.

    Bryggen wurde ebenso links liegen gelassen wie auch der Fischmarkt. Die Kinder wurden regelrecht als Füllmaterial in die überfüllte Bergbahn gestopft, oben fand meine Frau einige hundert Touristen vor. Immerhin konnte sie ein Foto vom Berg hinab zur MS5 machen:

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    Während des Picknicks gingen den Betreuern noch die mitgekommenen Teens verloren, die dann erstmal gesucht werden mussten. Wo der Trollspielplatz war, wusste ebenso niemand; aber als Ersatz gab es einen wohl recht guten Abenteuerspielplatz. Als dann die verlorengegangenen Teens wieder aufgetaucht waren, ging es schon wieder mit der Bahn zur Talstation. Und von dort direkt zum Schiff. Den teilnehmenden Familien wurde zwar angeboten, Bryggen auf eigene Faust zu besuchen, die Rückkehr zur MS5 hätte dann aber jeder selber auf eigenes Risiko bestreiten müssen.

    Meine Frau war sehr enttäuscht. Ich ebenso, hatte ich im Vorfeld der Reise doch einen ganz anderen Ausflug gebucht und eigens auf Bitten meiner Frau wieder storniert, da sie unbedingt mal einen Kids-Club-Familienausflug hatte mitmachen wollen. :(

    Wobei mich besonders die Floibahn ja sehr gereizt hätte. Erinnert Ihr Euch noch an die sog. „Weihnachtsmehrteiler“, die von Ende der 70er- bis Mitte der 90er-Jahre zwischen Weihnachten und Silvester im ZDF ausgestrahlt wurden? Vor 35 Jahren, also im Jahr 1984, lief da der Sechsteiler „Patrik Pacard – Entscheidung im Fjord“, in der Agenten verschiedener Nationen auf der Jagd nach einer Formel für hyperresistente Nutzpflanzen sind, und die Titelfigur – ein Schüler aus München, dessen Vater auf einer Ölbohrplattform vor der norwegischen Küste arbeitet – zwischen die Fronten gerät. Und in der 5. Folge kommt es in Bergen zu einer Verfolgungsjagd, in der die Floibahn eine entscheidende Rolle spielt (kann übrigens problemlos beim Hirschen gefunden werden). Gerne hätte ich mich mal am damaligen Drehort umgesehen.

    Hätte, wenn und aber…


    TC übernimmt ja leider keine Verantwortung für vermittelte Landausflüge; dazu kann man ja bereits geteilter Meinung sein. Aber dies war ein selbst organisierter Ausflug, da sollte man sich doch auf die Einhaltung der Tourbeschreibung verlassen können. Uns hat es geärgert.

    Aber ich kann schon im Voraus verraten, dass dies der einzige schiefgegangene Landausflug unserer Reise bleiben sollte. :)

    Ich selbst nutzte die unerwartete Freizeit, um Euch zumindest den ersten Teil des Berichts zum ersten Seetag online zu stellen. Es sollte leider meine einzige Möglichkeit dazu bleiben. X(

    Am Nachmittag, nach der Rückkehr meiner Familie, kehrten wir dann zu Kaffee und Kuchen im Schmankerl ein. Hier gab es eine tolle Auswahl verschiedener Gebäckspezialitäten aus Österreich:

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    Hier zum Beispiel die "Dobosh-Torte":

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    Und die Imperialtorte war so lecker, dass ich erst nach der Hälfte daran dachte, ein Foto davon zu machen:

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    Am Abend stand dann für mich noch der Gin-Workshop in der Abtanz-Bar an. Ich hatte an diesem bereits im vergangenen Oktober auf der MS6 teilgenommen, war mit dem Ergebnis jedoch nicht so sehr zufrieden gewesen. Dazu kam, dass seinerzeit die allerwichtigste Zutat für Gin, die Wacholderbeeren, nicht angeliefert worden waren, so dass als Basis anstelle Wodka ein bereits fertiger Gin (Gordons) verwendet wurde. (Als ich diese Story dem seminarleitenden Barkeeper erzählte, kam dieser aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus, bedankte sich allerdings auch bei mir, dass ich diesem Programmpunkt eine zweite Chance gegeben hatte.)

    Auf einem Tisch waren die verschiedenen Botanicals, die wir an diesem Tag in neutralem Alkohol einlegen würden, aufgebaut:

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    Zunächst bekamen wir jedoch verschiedene Gins zu kosten – zunächst pur, danach nach Wunsch mit verschiedenen Tonic-Varianten gemischt. Währenddessen erfuhren wir einiges zur Geschichte des Gins und den verschiedenen Aromatisierungsverfahren. Ausserdem ging der Seminarleiter auch ausführlich auf den Gin-Hype der letzten Jahre ein – auch mit partiell sehr kritischen Worten. Er erklärte ausserdem einiges zu den Botanicals und ihrer unterschiedlichen Wirkung im Alkohol. Danach durften wir dann selber ran und 4-6 Zutaten (plus Wacholder) im Mischkolben zusammenstellen.

    Ich hatte mir seit letztem Jahr schon so einige Gedanken für meinen zweiten Versuch gemacht und wusste genau, welche Kombination ich diesmal versuchen wollte: sehr fruchtig, sehr rot, mit etwas Kardamom und Lavendel im Abgang – mal schauen, was zwei Tage später daraus geworden sein würde…

    Meine Frau hasst ja Gin Tonic abgrundtief. Aber im Workshop hatte ich ein paar Ideen bekommen (und den Kursleiter auch nochmal explizit befragt), so dass ich sie bei meiner Rückkehr auf die Kabine einlud, mit mir noch schnell mal auf ein Tasting in den Diamanten zu gehen. Ausserdem wollte ich selber noch einen Gin, der mit bei der Verkostung zu streng gewesen war, statt mit Tonic Water mit Ginger Ale ausprobieren (ein Trend, der dem lieben Kursleiter-Barkeeper allerdings eher Unbehagen bereitete). Und schon wenig später hatten wir zwei Gläser vor uns stehen:

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    Ich finde ja schon allein die Präsentation der Gin-Mischgetränke im Diamanten richtig super – ganz anders als in den anderen Bars auf dem Schiff. Meine Frau war übrigens recht angetan von meinem Vorschlag – aber immer noch nicht überzeugt. Meine eigene Kombi fand ich recht gut – und orderte mir gleich spontan mal aus dem Snack-Angebot der Diamant-Bar (welches genau jenem vom Kabinenservice entspricht) ein Artisanbrot mit Mett (welches aus irgendwelchen Gründen aus dem Anckelmannsplatz verschwunden zu sein scheint):

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    Herrlich dekadent! Meine Frau inspirierte es gleich noch zu einem spontanen späten Sushi-Essen im daneben gelegenen Hanami:

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    Oha, jetzt haben sich doch wieder einige Foodpics in meinen Beitrag gemogelt. Ganz ohne kann des der Faulpelz wohl nicht. Und so nochmals die inspirierende Hecksicht aus dem Diamanten, diesmal vom Abend und allmählich der Mitternachtssonne entgegen fahrend:

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    Am folgenden Tag stand Geiranger auf dem Programm. Würde es – in Anspielung an die o.g. TV-Serie – eine „Entscheidung im Fjord“ geben? Würden wir das Geheimnis der Ananas auf dem Gletscher ergründen? War all dies vielleicht nur ein „alter Hut“? Und was haben eine Kameradrohne und ein windiger Grillabend damit zu tun?

    Die Antworten erfahrt Ihr hier in Kürze.

    So, wir sind inzwischen (vor gut einer Stunde) zuhause angekommen - die Kids wurden bereits dankenswerterweise von meiner besseren Hälfte ins Bett verfrachtet, so kann ich Euch jetzt endlich mal den Rest vom 1. Seetag kredenzen, quasi als Betthupferl.

    11.7.2019 - Seetag (Fortsetzung):

    Auch unser Mittagessen nahmen meine Frau und ich im Hanami ein (die Kids wollten lieber alleine in den Anckelmannsplatz gehen). Zunächst gab es Sushi, genauer gesagt eine Crunchy Prawn Roll, dazu Nigiri mit Dorade bzw. Jakobsmuschel.

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    Ich hatte den Eindruck, dass das Sushi im Vergleich zu unserer Reise mit der MS6 im Oktober vergangenen Jahres deutlich besser geworden ist, aber da mag mich meine Erinnerung trügen. Oder die grandiose Aussicht von unserem Tisch aus hat mich so positiv gestimmt:

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    Dann zur Suppe; meine Frau hatte Miso (davon kein Foto, da ich davon ausgehe, dass jede/r, die/der sich für japanisches Essen interessiert, weiss, wie die aussieht), ich den grünen Curry Fond mit Garnelen:

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    Fruchtig-scharf, mit Aromen von Apfel und Melone, eine geniale Komposition! Da hat Tim Raue wirklich eine tolle Neuheit auf der Karte rausgehauen.

    Meine Frau verzichtete dann auf einen Hauptgang und nahm lieber zwei Zwischengänge – die Wasabi-Garnelen und das Lachs-Sashimi Ceviche-Style:

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    Auch das Lachs-Sashimi wurde zwischenzeitlich von Tim Raue überarbeitet, aus unserer Sicht klar verbessert.

    Für mich gab es im Hauptgang den Schweinebauch süsssauer, den kannte ich ebenfalls von unserer letzten KF. Aber irgendwie wurde diese (imho) seitdem eher verschlimmbessert. Die beiliegenden Ananas-Tomaten-Sticks aus der Molekularküche waren zwar ziemlich gut, aber das Knusprig-Zarte des Schweinebauchs ist völlig ins Hintertreffen geraten. Und die süsssaure Sosse hat m.E. zu viel Schärfe bekommen (wobei ich es eigentlich gerne scharf mag).

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    Nota bene: das Gericht ist immer noch gut und empfehlenswert. Jedoch lange nicht mehr so gut, wie vorher. Aber streng genommen hat Tim Raue das Rezept nur noch konsequenter dekonstruiert, bleibt also seiner kulinarischen Linie treu.

    Ich finde es ja auch sehr gut, dass er immer noch regelmässig an Bord der Schiffe geht, mit den Köchen Verbesserungen erarbeitet und neue Gerichte entwirft. Da steckt eine Menge Liebe zum Detail drin.

    (Nebenbei – habt Ihr es schon mitbekommen? Im Mein Schiff-Blog wurde kürzlich bekanntgegeben, dass Tim Raue bei der Singapur-Hongkong-Weihnachtsreise der MS 6 im Dezember (15.-25.12.2019) an Bord sein wird, um die Gäste höchstselbst zu bekochen. Ausserdem gibt es ein Meet&Greet mit Fans und Lesungen aus seinem Buch „My Way“.)

    Ach ja: ich hatte ja auch noch ein Dessert: Sushi mit Obst.

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    Genauer gesagt: Ananas-Nigiri und Apfel-Maki, dazu Ahornsirup und dem obligatorischen Gari. Ein süsses Finale.

    Nach einer kurzen Mittagspause auf der Kabine machte ich mich auf den Weg zur AAB zum Foristentreffen. Aber leider war die Resonanz nicht einmal annähernd so hoch, wie ich angesichts der vielen Mitreisenden im Roll Call gehofft hatte. Am Ende waren wir ganze 6 Personen, 3 Foristi, 3 BegleiterInnen. Wo war der Rest? Hatten Sie uns nicht gefunden? Egal, sie haben ein sehr schönes Treffen verpasst, mit leckeren Cocktails in angenehmer Atmosphäre.

    Apropos Cocktails – was uns ebenfalls sehr positiv auffiel: an Bord werden nur noch Trinkhalme aus Papier bzw. Zucker verwendet. Ebenso für das Eis auf dem Pooldeck Löffelchen aus Holz. Ein wichtiges Statement zur Müllvermeidung.

    Danach stand für meine Frau und mich Entspannung an. Wir haben inzwischen die schöne KF-Tradition, am ersten Seetag eine Paarmassage mit vorangehendem Meersalzpeeling zu buchen. Da kommt man dann so richtig schön in den Urlaubsflow. War diesmal auch wieder exzellent, darauf kann man sich bei TC glücklicherweise fest verlassen. Und der nette Mitarbeiter an der Spa-Rezeption erkannte uns gleich wieder – er war im Oktober auch an Bord der MS6 gewesen.

    Am Abend gingen wir dann in unser Lieblingsrestaurant, das Schmankerl. Vorweg gab es wie immer eine kleine Brotzeitplatte:

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    Die Kids hatten Gulasch mit Spätzle (der Kleine) bzw. Bratwurst mit Kraut (ohne Kraut) und Käsespätzle (ohne Röstzwiebeln – der Grosse), als Dessert je einen Esterhazy-Palatschinken.

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    Meine Frau hatte als Vorspeise Feldsalat mit Linsen, Wachtelei und Wildschweinschinken (eines der neuen Gerichte auf der Karte – sehr gut laut meiner besseren Hälfte), für mich gab es Schweinskopfsülze im Glas mit roten Zwiebeln.

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    Dann zum Hauptgericht. Meine Frau entschied sich für die halbe Bauernente mit Rotkraut und Knödel:

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    Für mich wurde es das Gröstl:

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    Beides lecker und gut, da fiel es auch nicht weiter ins Gewicht, dass man zwischendurch meine Hühnercrémesuppe vergessen hatte, die kam dann anschliessend.

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    Und während meine Frau auf den Nachtisch verzichtete, durfte es für mich noch der legendäre Mein Schiff Kaiserschmarrn (mit Zwetschgenröster und Apfelmus) sein.

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    Es wurde ja wiederholt von Bloggern und in Foren geäussert, dies sei der beste Kaiserschmarrn der Welt. Kann ich nicht beurteilen, aber er ist wirklich wunderbar fluffig und leicht. (Das Rezept hat TC übrigens schon vor einiger Zeit in seinem Mein Schiff-Blog veröffentlicht, es kann also von jedermann nachgekocht werden.)

    Anschliessend gingen meine Frau und ich noch ins Studio, wo ein kurzes Ein-Mann-Theaterstück mit dem Titel „Ruhestörung“ gegeben wurde. War recht unterhaltsam und gut gespielt.

    Und wem das jetzt zu viele Foodpics waren (das wird am nächsten Tag sowieso anders) – hier noch der Sonnenuntergang von kurz nach 23 Uhr, aufgenommen von unserem Balkon:

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    Soviel zum ersten Seetag, bleibt dran, es geht bald weiter.

    Die KF ist bereits vorbei, die Reise leider noch nicht. Unser IC von Bremen nach Köln hat satte 33 Minuten Verspätung durch Extra-Halte und so eingefahren, so dass beim Umsteigen aus 39 Minuten plötzlich 6 geworden waren. Nachdem wir dann auf drn letzten Drücker am Wagen angekommen waren, folgte der nächste Rückschlag: Klimaanlage kaputt! Wir mussten auf den Nachbarwaggon ausweichen, in dem praktischerweise die Anzeigen der Sitzplatzreservierungen ausgefallen sind.

    Deutsche Bahn: echt hot - und man geniesst die Fahrt in vollen Zügen.:cursing:

    Sopur :

    Beim Frühstück im Anckelmannsplatz sass heute morgen eine ältere Frau am Nachbartisch, die sich bitter darüber beschwerte, dass es in den vorangegangenen Häfen so kalt gewesen sei. In Spitzbergen sei sie deswegen gar nicht erst von Bord gegangen. Das sei auf ihrer letzten Griechenland-KF ja ganz anders gewesen. (sic!)

    Dieselbe Dame trafen wir dann kurz darauf in unserem Tourbus wieder - dort beschwerte sie sich kontinuierlich über die heutige "Hitze"... :/

    Für einen kontinuierlichen Bilderupload reicht es zwar leider immer noch nicht wirklich, aber zumindest kann ich heute aus Invergordon nochmal ein kleines "Hallo" an Euch alle senden. Ich werde dann nächste Woche schauen, wie schnell ich die einzelnen Tagesberichte nachreichen kann. Leider wird da auch wieder jede Menge Alltagsarbeit auf mich warten, aber irgendwie bekomme ich das sicher hin. CU!

    Und weiter geht die Reise!

    11.7.2019 – Seetag:

    Wie schon angekündigt, probierten wir gestern zum ersten Mal das neue Frühstück im Hanami aus, welches dort täglich von 7:30 bis 11 Uhr serviert wird. Es kostet € 6.90, darin ist u.a. auch ein frisch gepresster Orangensaft inkludiert. Wenn man bedenkt, wieviel der alleine im Atlantik oder Anckelmannsplatz kostet, ist der Preis für das Frühstück geradezu lächerlich gering. Denn es wird eine Menge geboten:

    Sobald wir Platz genommen hatten, wurden auch schon ein kleiner Brotkorb sowie Butter und Marmeladen (und für die Kids natürlich Nutella!) vor uns abgestellt.

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    Nur ca. 20 Sekunden später kam der nächste Kellner und brachte einen kleinen Obstteller.

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    Und weniger als eine Minute später stand dann diese Etagiere mit Käse, Schinken und Salami (sogar richtig guter Serranoschinken war dabei!) sowie Lachs und Räucherfisch auf dem Tisch:

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    Und derselbe Kellner nahm gleich unsere ersten Getränkewünsche auf. Was für ein reibungsloser Ablauf. Okay, zu diesem Zeitpunkt waren ausser unserem nur 4 weitere Tische besetzt (das Frühstück scheint sich noch nicht allzu weit herumgesprochen zu haben), aber trotzdem möchte ich das lobend erwähnen.

    Nachdem wir dann Zeit gehabt hatten, die Frühstückskarte ausgiebig zu studieren, gaben wir unsere Bestellungen auf. Unmittelbar zuvor waren die Getränke eingetroffen, auch Extrawünsche waren kein Problem (unser Kleiner möchte seinen Kakao gerne lauwarm, vorzugsweise eine halbe heisse Schokolade, die mit kalter Milch aufgefüllt wird).

    Und während wir uns noch durch Etagiere und Obstteller futterten, wurden uns ausserdem noch Schokocroissants, Plundergebäck, Zimtschnecken gereicht, ausserdem nochmals Brötchen und Brot angeboten. Alles immer sehr speditiv, ohne jedoch nervig zu werden oder uns zu hetzen. Dieser Service war für uns perfekt ausbalanciert!

    Schliesslich kamen dann auch die bestellten Speisen. Die Jungs hatten jeweils Crepes mit Nutella bestellt:

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    Meine Frau hatte einen Geflügelwrap, der auf dem Foto leider nicht gut getroffen ist, ihrer Aussage nach jedoch hervorragend geschmeckt hat:

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    Für mich waren es Eggs Benedict geworden (mit Gruß an ebenezer ). Sie waren… okay. Ich habe schon schlechtere, aber auch bessere gegessen. Der Geschmack war gut, bei den Konsistenzen haperte es leider ein wenig. Da ist noch Luft nach oben. Aber angesichts des sehr guten Gesamteindrucks des Frühstücks ist das sicherlich Jammern auf hohem Niveau.

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    Nach dem Frühstück gingen wir dann zum Kids Club, um unsere Jungs anzumelden und den morgigen Familienausflug in Bergen zu bestätigen. Danach musste noch eine kleine Unstimmigkeit bei unserer Landausflugsbuchung für Longyearbyen geklärt werden. Davon dürfte es auch bei anderen Passagieren einige gegeben haben; in der Landausflugsabteilung tummelten sich jedenfalls fast 100 Mitreisende, denen mehr als ein Dutzend TC-Mitarbeiter zu helfen versuchten. Klappte alles auch wunderbar zügig und reibungslos – ein weiteres Mal Daumen hoch für die Besatzung. Unser Problem war in weniger als 3 Minuten keines mehr. Like!

    (An dieser Stelle unterbreche ich vorläufig, da das Internet mal wieder extrem instabil geworden ist und der Bilderupload zu Picr nicht mehr funzt.)

    Ein Tip übrigens: TC verbietet ja (wie andere KF-Gesellschaften auch), selbstständig Verlängerungskabel und vor allem Mehrfachstecker mit an Bord zu bringen (aus Sicherheitsgründen); man könne solche aber bei Bedarf an der Rezeption ausleihen. Solltet Ihr solches selber mal vorhaben (z.B. weil, wie bei uns, die in der Kabine vorhandenen Steckdosen nicht für alle Eure Ladegeräte etc. ausreichen), geht gleich beim Boarding am Anreisetag zur Rezeption. Bereits am 1. Seetag war da für uns nichts mehr zu holen, alles schon ausgeliehen bis Ende der Reise. Gleiches gilt auch für einen zweiten Controller für die Playstations auf den Suiten.

    Ach ja, hier an Bord spürt man immer noch deutlich die Nachwirkungen der Magen-Darm-Grippe der vorangegangenen Reise. Einfaches Desinfizieren der Hände beim Betreten der Restaurants reicht nicht mehr - wo immer ein Waschbecken installiert ist, werden die Passagiere daran vorbeigeleitet, so dass bspw. der Anckelmannsplatz vom Pooldeck aus derzeit nur über den steuerbordseitigen Zugang zu erreichen ist, der an der Backbordseite (da, wo sich die Backstube befindet) ist momentan nur Ausgang. Auch beim Tag&Nacht steht meistens jemand und macht die Besucher auf das Waschbecken am Eingang aufmerksam.

    Nach dem Muster Drill begaben wir uns aufs Pooldeck, wo die Auslauf-Lightshow aber in relativ starker Abendhelligkeit nicht annähernd so imposant war, wie ich sie in Erinnerung hatte. Zwei Gläser Sekt und einen Tequila Sunrise später gingen wir nochmal vor dem Abendessen zur Kabine zurück, weil der Grosse unbedingt die Schuhe wechseln wollte. An der Tür fand sich neben dem morgigen Programm ein Brief, in dem mir mitgeteilt wurde, dass mein Koffer wegen eines potentiell gefährlichen Gegenstandes konfisziert worden war und ich mich deswegen an der Rezeption melden sollte.

    Mir war sofort klar, warum es dabei ging. In Akureyri wollen wir eine alte Schulfreundin von mir besuchen, die ca. 150km nordöstlich von dort mit ihrem Mann und zwei Kindern eine Farm betreibt. Als Gastgeschenk hatte ich für alle vier Schweizer Taschenmesser besorgt, hatte jedoch wegen der genauen Beschränkungen und Bestimmungen schon Monate zuvor sowohl bei TC als auch beim Isländischen Zoll nachgefragt und grünes Licht bekommen.

    An der Rezeption bedeutete man mir, dass es nur darum ginge, dass bei der Durchleuchtung etwas aufgefallen war, was gecheckt werden sollte, und dass die Security meinen Koffer nur in meiner Anwesenheit öffnen dürfe. Okay, also ab zum Sicherheitsdienst. Nur dass mein Koffer dort gar nicht zu finden war. Erklärung: „Der wird wohl beim Housekeeping sein, warten Sie einfach ab, der kommt schon noch zu Ihnen.“ Okaaayyy…..

    Jetzt aber ab zum Abendessen – ins Atlantik Mediterran. Als Vorspeise gab es Vitello Tonnato classico bzw. Hummerravioli mit Trüffelbutter. Letztere ein wenig trocken, aber mit sehr leckerem Gemüse, das Vitello klein aber fein mit grillierter (!) Kaper (laut meiner Frau „ein Umami-Faustschlag ins Gesicht“):

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    Anschliessend hatte ich eine Petersiliencréemesuppe mit Räucherlachsstreifen (irgendwo unter der Suppenoberfläche):

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    Den Zwischengang hatten wir unisono bestellt – mit Kumin gewürzte Wachtelbrust an Joghurtdip auf gebackener Auberginenscheibe:

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    Sehr fein, sehr schön abgestimmt. Als Hauptgang hatte ich mich mal an der veganen Karte versucht: Tofu in der Pfefferkruste in leichter Sojasosse auf Reisnudeln und Sesamöl. Yummi und recht pikant:

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    Aber nur ein kleiner Snack im Vergleich zum Hauptgang, den sich meine Frau aus den neuen Zuzahlgerichten des A-Mediterran ausgesucht hatte:

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    Carabineros (also Heuschreckenkrebse) mit Babygemüse und marinierten Tomaten; das eigentlich dazugehörige Knoblauchbrot und Ajoli wurde zwar vergessen, das fiel aber nicht weiter auf. Und weil ich mit meinem Hauptgang so schnell fertig war, wurde ich vom Kellner gefragt, ob ich nicht noch einen Teller, den er zu viel hatte, probieren wollte. In seinem Akzent verstand ich nicht wirklich, worum es ging. Ich hörte nur irgendwie ‚Früchte‘ heraus und sagte zu. Aber stattdessen kam dies:

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    Rosa gebratenes Rinderfilet unter der Markhaube mit Trüffeljus und Polenta. Ich muss irgendwie den ganzen Tag einen unglaublich hungrigen Eindruck gemacht haben – erst das Mega-Eis, jetzt ein zweiter Hauptgang. Schmeckte aber auch super (so wie die Krebse meiner Frau übrigens ebenfalls), war zart und auf den Punkt gebraten mit einer wunderbar cremigen Polenta.

    Blieb noch der Nachtisch – für mich Melopita – griechischer Apfelkuchen mit Honig und Walnüssen sowie ein Erdbeersüppchen mit Litschimousse und Mandelkrokant für meine Frau:

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    Beides nochmal fruchtig lecker und ein schöner Abschluss unseres lucullischen Bacchanals.

    Nachdem wir anschliessend zu unserer Kabine zurückgerollt waren, wartete dann auch der verlorengeglaubte letzte Koffer. Schnell wollte ich Euch einen ersten Bericht vom Vortag abliefern, aber leider war das Bordnetz zu diesem Zeitpunkt völlig überlastet. Also tippte ich die Rohfassung schnell in die Textverarbeitung, packte anschliessend noch ein paar Sachen aus und verzog mich mit den Meinen in die Mupfel. Morgen dann erstmals Frühstück im Hanami...

    Hallo, da bin ich wieder.

    Leider gab es am gestrigen Seetag massive Probleme mit dem Internet, so dass ich leider nicht ins Forum kam. So muss ich heute ein wenig nacharbeiten.

    Ein kleiner Nachtrag noch zum Abend der Ankunft in Bremen: als wir da im Ratskeller einkehrten, fiel mir auf dem Tisch ein Gegenstand auf, der Euch sicherlich bekannt vorkommen wird:

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    Ja, genau: das sind die gleichen Besteckständer, wie im Anckelmannsplatz. Ein netter Vorbote unserer Schiffsreise. Aber nun weiter im Bericht.


    10.7.2019 – der Anreise zweiter Teil:

    Kein Hahnenschrei, kein Gemaunze, kein Gebell und auch kein Eselsschrei sondern lediglich ein profaner Reisewecker rissen uns am nächsten Morgen aus unseren Träumen. Ein erster Check ergab, dass mein Hinterhuf schon wieder deutlich abgeschwollen und erstaunlich schmerzarm war – ein gutes Zeichen. Nach einem ausgiebigem Frühstück checkten wir schliesslich aus und begaben uns zum Bahnhof.

    Dort begegneten wir dann gleich einer Familie, die gerade von der MS5 kam und liessen uns gleich über die Situation an Bord updaten: anscheinend habe es tatsächlich einige Fälle von Magen-Darm-Grippe gegeben, insgesamt sei es aber wohl nicht so schlimm gewesen, wie wir gemutmasst hatten (obgleich man hier im Forum inzwischen anderes lesen kann). Auf dem Bahnsteig trafen wir dann auf die ersten Mitreisenden unserer KF. Gemeinsam traten wir also die letzte Etappe der Anreise an.

    Am Bremerhavener Hauptbahnhof angekommen, wurden wir auch gleich von Mitarbeitern von TC in Empfang genommen, welche uns zum Gepäckverlad und zum Shuttlebus einwiesen – klappte alles schön reibungslos. So hätte es auch gerne weitergehen können.

    Hätte, hätte, Fahrradkette! Am KF-Terminal dann der erste Schock: eine riiiesige Menschenschlange, die noch vor dem Gebäude fast 100m lang war. Au weia! Wie war das noch gleich mit der Fast Lane für online Eingecheckte? Aber auf diese tolle Idee war scheinbar die Hälfte der Anwesenden ebenfalls gekommen, hier also kein Zeitvorteil. Blieb für uns noch der Suitenbonus. Und tatsächlich: mit diesem kamen wir dann, oh Wunder, an grob geschätzt 200-300 Wartenden vorbei und waren innert 10 Minuten durch. Ich mochte kaum glauben, dass das schon alles gewesen sein sollte.

    War es aber nicht. Denn im Obergeschoss des Terminals stiessen wir dann in die nächste Menschentraube, die bemüht war, sich irgendwie in drei einigermassen auseinanderhaltbare Schlangen aufzuteilen, um die Sicherheitskontrolle zu passieren. Extra-Schlange für Suitengäste: Fehlanzeige. Und genau jetzt begann mein Knöchel wieder kräftig zu meckern.

    Während sich meine Frau erstmal in einer der Schlangen anstellte, setzte ich mich mit den Kids in eine Ecke und versuchte, diese während der Wartezeit zu beschäftigen. Nicht immer ganz einfach, wenn der eine an ADS und der andere an ADHS leidet. Und als ich einmal hochsah, um zu schauen, wie weit meine Frau gekommen war, war diese plötzlich verschwunden. Panik – was nun? Ich schickte den Grossen los, um nach ihr zu suchen. Kurz darauf kam er auch mit ihr zurück, und ich erfuhr, dass in der Zwischenzeit eine der Schlangen umgewidmet worden war für Suitengäste und Rollstuhlfahrer. Blöderweise war das die längste der drei Schlangen gewesen, in der nun immer noch jede Menge Nicht-Suitengäste standen. Egal, wir probierten es. Am Ende dauerte es dann gefühlt doch länger als in den anderen Schlangen. Möööp!

    Irgendwann (so ca. 14:20 Uhr) kamen wir dann auch endlich an Bord. Leider noch ohne SMS für die Kabinenfreigabe, aber wir schauten trotzdem einfach mal auf Deck 10 vorbei. Und tatsächlich fanden wir unsere Bordkarten bereits an der Tür unserer JS. Drinnen war auch alles schon parat, die üblichen Unterlagen, Landausflugstickets etc waren bereits eingetroffen – und dabei stiessen wir gleich auf eine überraschende Neuerung:

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    Frische Pizza rund um die Uhr auf die Kabine? Wird sicherlich im Laufe der Reise noch angetestet.

    Auszupacken war noch nichts, kein Koffer zu sehen. Also ruhten wir uns erst einmal ein gutes halbes Stündchen aus, bis sich der Hunger meldete. Der Grosse wollte nicht mitkommen, der Kleine unbedingt in den Anckelmannsplatz. Also Abmarsch – uuuund halt! Die Kabinentür ging nicht richtig auf. Grund: die ersten zwei Koffer, die wir 6 Tage zuvor bei Tefra aufgegeben hatten, standen davor. Aber zum Auspacken hatten wir jetzt keine Lust mehr, jetzt war Zeit für ein spätes Mittagessen.

    Ich habe davon diesmal keine Fotos gemacht (hatte leider die Kamera auch auf der Kabine vergessen), aber ein Wok-Gericht, eine Linsensuppe und ein paar Bratwurststückchen könnt Ihr Euch hoffentlich vorstellen. Natürlich sollte auch das erste Eis nicht fehlen, also steuerte ich zielsicher die entsprechende Station an: „Ich hätte gerne drei Kugeln: als erstes ‚Grüner Apfel‘… halt, halt halt!“ Der nette Herr hinterm Tresen, der mir gerade drei Kugeln ‚Grüner Apfel‘ in die Schüssel getan hatte, blickte mich erschrocken an, und versuchte schnell, das Eis wieder zurück in den Behälter zu schaufeln. Das war mir jetzt aber auch irgendwie unangenehm. „Nein, ist schon okay, lassen Sie mal“, versuchte ich, ihn zu beruhigen. „Dann bitte noch ‚Orange‘ und ‚Vanille-Kirsch‘.“

    Mit einer Riesen-Eisportion (auch bei den beiden letzten Sorten war der gute Mann recht grosszügig gewesen, insgesamt werden es so ca. 7-8 Kugeln gewesen sein) kam ich zurück an unseren Tisch und erntete von meiner Frau sofort ein breites Grinsen: „Weniger ging wohl nicht, was?“ Ich erklärte meiner Frau die Situation, und gemeinsam kämpften wir uns durch den Eisberg.

    Okay, wieder zurück zur Kabine, wo nun auch der erste in BHV aufgegebene Koffer angekommen war. Three down, two to go, wir machten Fortschritte. Leider noch nicht der Koffer mit meinem Schlepptop, also konnte ich mit Euch zu diesem Zeitpunkt leider nur via Tablet kommunizieren.

    Mir fiel ein, dass ich noch meinen Vater anrufen wollte. Während des Gesprächs traf dann unerwartet eine SMS von TC ein, dass unsere Kabine jetzt für uns bereit sei. Ääääh, ja…

    Ich liess das Handy erstmal zum Laden in der Kabine, und wir machten uns auf, den ersten Cocktail an Bord nachzuholen. Also mit „wir“ sind meine Frau und ich gemeint, die Kids wollten lieber erstmal die Playstation unserer JS austesten. Weil es näher war, fuhren wir einfach runter auf Deck 4 und gingen in die TUI-Bar. Und als ich dann schliesslich meinen Long Island Ice Tea vor mir stehen hatte, kam das erste Mal auch so etwas wie Urlaubsstimmung auf. Oooommmmm….

    Der Barmixer muss allerdings im Moment schwer verliebt sein – oder man hatte das Personal angewiesen, die gestressten Neuankömmlinge mit grösseren Dosen Alkohol zu besänftigen. Mir ist bewusst, dass der LIIT mehr Alkohol enthält, als andere Cocktails, und diese bei TC in den Inklusivbars sowieso steifer gemixt werden, als in Bars an Land. Aber das hier zog einem wirklich die Schuhe aus. Vor allem: wenn ein Drink 5 verschiedene Spirituosen enthält, und man schmeckt den Wodka explizit heraus, ist definitiv zu viel Wodka drin! Mir wurde schon nach der Hälfte des Cocktails recht blümerant. Egal, wenn‘s der Entspannung hilft…

    Wieder zurück auf der Kabine war auch die Reisetasche vom Gepäckservice wieder aufgetaucht. Immer noch nicht da: der Koffer mit meinem Schlepptop. Und auf meinem Handy war wieder eine neue SMS von TC eingetroffen: „Ihre Kabine ist jetzt für Sie bereit.“ War das jetzt der Alkohol, oder hatte ich in jenem Moment ein astreines Déja-vu?

    Bis zur Seenotrettungsübung war noch ein wenig Zeit, die wir mit einer ersten Runde Auspacken überbrückten. Dann ab zur Musterstation. Und während noch der Sicherheitsfilm lief, wieder eine SMS: „Ihre Kabine...“ Verdammt! Was hatten die mir in den Drink getan? Im Geiste hörte ich schon „I got You, Babe“ von Sonny & Cher laufen. Würde ich jetzt jeden Morgen im „Edel Weiss“ am Bremer Hauptbahnhof aufwachen, verdammt dazu, diesen Tag immer und immer wieder zu erleben?

    Fortsetzung folgt...

    So, endlich bin ich wieder richtig online. Der Schlepptop war zwar gestern Abend wieder da, aber der Traffic im Schiffsnetz war dermassen hoch, dass an ein Hochladen von Bildern nicht zu denken war. Okay, legen wir endlich los - allerdings nicht mit dem gestrigen Tag, sondern mit Vorgestern (!):

    9.7.2019 – der Anreise erster Teil:

    Da die Anreise aus der Schweiz am Tag des Auslaufens selbst bei Abfahrt um halb 6 Uhr morgens ein ziemlich unkalkulierbares Risiko bezüglich eventueller Bahnverspätungen gewesen wäre, hatten wir uns schon vor einiger Zeit entschlossen, diese um einen Tag vorzuverlegen und in Bremen eine nächtliche Zwischenstation einzulegen. So machten wir uns am 9.7. gegen halb 10 Uhr am Vormittag in aller Ruhe auf den Weg – zunächst mit dem Postbus von unserem Dorf in die nächste Stadt, von dort mit der S-Bahn nach Basel. Drei unserer Koffer hatten wir bereits 5 Tage vorher mit dem Gepäckservice vorausgeschickt, so dass wir nun nur noch einen grossen und einen kleinen Koffer mit in die Bahn nehmen mussten.

    Am Bahnhof Basel SBB deckten wir uns noch mit Reiseproviant ein, dann sollte es zum ICE Richtung Norden gehen. Und da gleich der erste Dämpfer unserer Reisevorfreude: auf der Rolltreppe zum Bahnsteig verlor ich die Kontrolle über den von mir bugsierten Koffer, stolperte und verdrehte mir den rechten Knöchel. Nicht wirklich heftig, aber schmerzhaft genug. Und leider war das die dritte Verletzung am rechten Sprunggelenk innert weniger Wochen, gesund ist das nicht wirklich für die Bänder. Hurra! Das würde die weitere Anreise mit Sicherheit nicht einfacher machen.

    Mit einer Mischung aus Humpeln und Hinken sowie der Hilfe eines sehr netten Zugbegleiters schaffte ich es dann noch ins Abteil. Der Zugbegleiter bot dann noch an nachzuschauen, ob das Speisewagenpersonal etwas zum Kühlen für mich hätte und ich meinte noch dankbar, falls nicht, würde mir auch eine Flasche eisgekühlte Cola oder Wasser weiterhelfen.

    Die Cola wurde auch alsbald gebracht (ich liiiebe den am-Platz-Service in der 1, Klasse der DB!), und da wir die einzigen Reisenden in diesem Abteil waren, war es auch nicht weiter problematisch, dass ich Schuh und Socken auszog und die Flasche auf mein schmerzendes Gelenk packte. Immerhin ein wenig Linderung. Und gut, dass ich in meinem Rucksack einen Blister Ibuprofen Tabletten hatte.

    Kurz vor Freiburg wurde dann im Roll Call hier im Forum berichtet, dass TC gerade dabei war, die Bucher des Early Check-ins abzutelefonieren und diesen zu canceln – da es auf der vorangegangenen Tour einige Fälle von Magen-Darm-Grippe gegeben hatte, wollte man erst einmal alles gründlich reinigen und desinfizieren, so dass der Check-in erst um 13 Uhr starten konnte. Mir schwante nichts Gutes...

    Im Laufe der Stunden nahm der Schmerz am Knöchel dann auch glücklicherweise ein wenig ab – leider im Gleichklang mit den 19 Minuten Umsteigezeit, die wir planungsgemäss in Hannover haben sollten. Die schrumpelten aus verschiedenen Gründen und vor allem einer Störung an einem Bahnübergang auf letztlich 5 Minuten zusammen, an denen noch ein Bahnsteigwechsel zu bewältigen war. Und blöderweise kamen wir auch noch so in Hannover an, dass der zu unserer Position auf dem Bahnsteig weisende Treppenaufgang leider nur eine Rolltreppe in Gegenrichtung hatte. Also hiess es, schnell zu entscheiden: die Zähne zusammenbeissen und mit schmerzendem Huf den Koffer nach unten wuppen oder einen Umweg laufen? Ich entschied mich im Zeitdruck für die erste Variante. Glücklicherweise ist Adrenalin ein guter Schmerzdämpfer, allerdings macht es gerne auch einen ziemlichen Tunnelblick. Und so merkten wir erst am nächsten Treppenaufgang, dass uns plötzlich unser Kleiner fehlte.

    Also lief meine Frau zurück zur vorherigen Treppe und fand ihn dort recht schnell vor, während unser Grosser und ich schon einmal zum Zug sprinteten, der nurmehr weniger als eine Minute vor der Abfahrt stand. Ich habe mich dann einfach ganz dreist mitten in eine Tür gestellt und so lange gewartet, bis Frau und Kind endlich herangekommen waren. Puh, das war wirklich haarscharf! Dass wir dann noch durch den halben Zug laufen mussten, um Plätze zu finden, fiel kaum noch ins Gewicht. Dass ich inzwischen komplett durchgeschwitzt war – geschenkt. Hauptsache auf dem Weg.

    In Bremen hatte ich glücklicherweise ein Zimmer in einem Hotel direkt gegenüber vom Bahnhof reserviert, welches auf den typisch norddeutschen Namen „Edel Weiss“ hört. Eigentlich hätten wir jetzt gut und gerne dort bleiben und ausruhen können, aber ich hatte meinen Jungs im Vorfeld versprochen, ihnen noch die Bremer Stadtmusikanten und den Roland zu zeigen. Und ausserdem wollte ich endlich mal wieder in den Ratskeller, hatte dort auch einen Tisch bestellt.

    Also nochmal los, ab in die Tram, bis zum Dom

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    Dann ein Besuch bei den berühmtesten tierischen Vertretern der Stadt:

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    Und schliesslich die gemütliche Einkehr im Ratskeller. Ich hatte „Bremer Knipp“, eine gebratene Hafergrützwurst mit Bratkartoffeln und Senfgurkenstreifen:

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    Für meine Frau gab es lecker Scholle mit Krabben:

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    Und zum Nachtisch Bremer Rote Grütze (die ist saurer als beispielsweise ihr Sylter Pendant, wie wir es vom „Gosch“ kennen) bzw. „Bremer Kluten“:

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    Beim Rückweg zur Tramstation nahmen wir dann auch noch im Halbdunkel eine falsche Abzweigung, worüber mein Knöchel aufgrund längerer Gehstrecke bis zur Tramstation nochmal jubelte, aber schliesslich kamen wir im Hotel an.

    Der nächste Tag konnte eigentlich nur besser werden. Obwohl: da war ja noch die Sache mit dem späteren Check-in. Egal, erstmal an der Matratze horchen.