Höhepunkte Marokko – eine 10tägige Rundreise im April 2024

  • Dann sind wir kurz weitergefahren und vor den Souks von Fes rausgelassen worden. Was für ein Gewimmel, das totale Chaos da drinnen. Wir haben völlig das Zeitgefühl verloren und nach nicht mal fünf Minuten komplett die Orientierung. Keine Ahnung, wie lange wir in dem Gewusel da drin waren. Der Guide ist vorausgelaufen, Andrea irgendwo zwischen uns und hinterher ein Einheimischer, der wie ein Hütehund drauf aufgepasst hat, dass keiner von uns 28 irgendwo falsch abbiegt. Hat auch gut geklappt, es ging keiner verloren.

    Die hygienischen Verhältnisse sind .. faszinierend. Angeblich haben die da irgendwelche Vorschriften, die sich mir absolut nicht erschließen. Fisch, Fleisch, Quark – alles liegt ungekühlt da rum, es ist einfach nur .. puhh .. und wir haben ja noch nicht mal Hochsommer dort! Irre. Einfach nur der Wahnsinn.

    Und alles so mini! Garküche: Topf, Mann davor, ein Tisch dahinter mit zwei Stühlen für Gäste .. das ist die Garküche. Nähmaschine, Mann, Stuhl, Tisch für Stoffe, Stuhl für Kunde – das ist die Schneiderei. Dazwischen immer mal wieder ne kleine Moschee, eine Koranschule oder was weiß ich.

    Der Guide hat uns dann noch in so einen Laden geführt, wo man offenbar recht hochwertige Silbergegenstände kaufen konnte (und er sicherlich Provision bekam). Das hat mir eigentlich ganz gut gepasst, ich wollte sowieso eine kleine Teekanne haben als Andenken und der Guide hat mir dann auch beim Handeln geholfen. Wahrscheinlich hab ich noch immer zu viel bezahlt, das war mir aber dann egal, der Preis war für uns okay.


  • Pooldeck 24 - Die Kreuzfahrspezialisten
  • Highlight war die Chouara-Gerberei. Da hat man sich gefühlt, als wäre man mitten im Medicus gelandet. Die stehen da in kurzen Hosen und nackten Füßen in diesen Becken und stiefeln auf den Tierhäuten (Schaf / Ziege / Kuh) herum. Nach ganz traditioneller Methode wie im Mittelalter. Gegerbt wird mit Vogelkot und das entstandene Leder danach eingefärbt. Weil’s etwas stinkt nach Ammoniak, bekommst du als Besucher Pfefferminze in die Hand gedrückt zum Schnüffeln.

    Wären wir alleine unterwegs gewesen, hätte ich mir wohl einen Ledermantel gekauft. Die haben da wunderschöne Sachen. Aber mir war das viel zu hektisch und wenn ich so viel Geld ausgebe, möchte ich mir auch Zeit lassen können. Drei Mitreisende haben aber wirklich was gekauft. Bei einem Mann musste noch was angepasst werden, das wurde dann am Abend ins Hotel geliefert.


  • Mittagessen (nicht inkludiert) hatten wir dann in einem Lokal in den Souks, in dem Andrea Tische reserviert hatte. War ziemlich auf Touri gemacht, aber sehr geschmackvoll. Alles orientalisch, schöne Mosaike, Essen war auch sehr gut und ein Mitarbeiter im orientalischen Outfit hat eine Show draus gemacht, den Tee aufzugießen. Den Touristen (uns) hat es gut gefallen. Ich fand es allerdings recht teuer. Wir haben zu zweit umgerechnet 38 € bezahlt, was für Marokko echt viel ist. Allerdings war es bis zu diesem Zeitpunkt auch das beste Essen, das wir auf dieser Reise hatten.


  • Okay, irgendwann sind wir aus den Souks wieder rausgekommen, in den Bus gestiegen und haben auf dem Weg zum Hotel noch einen kurzen Fotostopp mit Aussicht auf Fes gemacht. Echt groß, dieses Fes.

  • Zurück im Hotel hatten wir ENDLICH mal Pause, ganze 2 ½ Stunden und das hat SO gutgetan, man kann es sich gar nicht vorstellen. Ich hab in aller Ruhe geduscht, mit einem Rinnsal an Wasser :P Haare gewaschen und dann Bilder sortiert. Mein Mann hat gelesen, wir sind einfach mal runtergekommen. Es sind SO viele Eindrücke auf dieser Reise, das ist der absolute Wahnsinn.

    Am Abend sind wir dann alle zusammen ungefähr 10 Minuten zu einem Riad gelaufen.

    W-u-n-d-e-r-s-c-h-ö-n :love:!! Ein absoluter Traum. In so was würde ich gerne übernachten, wenn ich alleine durch Marokko reisen würde.

    Der Inhaber hat uns erst durchgeführt und sehr wortgewandt irgendwelche Geschichten erzählt, dann kamen drei einheimische Frauen, die sich zu uns an die drei Tische gesetzt haben und wir konnten eine Stunde lang bei Minztee Fragen stellen. War echt interessant, die Stunde war viel zu schnell vorbei. Blöd nur, dass die nur französisch sprechen. Aber bei uns hat eine Mitreisende übersetzt, die mal ne Zeit lang in Frankreich gelebt hat. Sie hat das wirklich sehr gut gemacht.

    Danach gab es ein sehr gutes vier-Gänge-Menü (inkludiert), das leider eeeewig gedauert hat und es waren nicht nur wir, die so müde waren.

    Wir sind wirklich erst um halb zwölf wieder zurück im Hotel gewesen und morgen um sieben fährt der Bus schon los, weil wir über den Mittleren Atlas fahren und das dauert wohl ewig. Irgendwas mit Dattelhain, Dünen, Wüste, Kamel, was-weiß ich .. dazu morgen mehr.

    Vorher Frühstück, Koffer in den Bus .. puh.

    Erholung ist was anderes, aber das wussten wir vorher schon. Wären wir auf dem Schiff, würde ich sagen „die Reise ist mega - aber ich bräuchte GANZ dringend einen Seetag“ ;)

    …

  • Total krass die Gerberei8| der Kamelkopf (war doch einer denke ich mal) leider übrigens auch;(. Aber gut: andere Länder andere Sitten so ist es nun mal basta. In Südamerika werden auch Meerschweinchen gegessen und als „Nutztiere“ in den Küchen gehalten. Als Tierfreund muss ich da echt auf manchen Reisen kurz schlucken aber das muss ich ja auch z.B. bei einem Blick hinter die Kulissen deutscher Schlachthöfe:evil:.
    Das mit der Gerberei finde ich sehr interessant da ich selbst in einer Kleinstadt wohne, die über Jahrhunderte eine Metropole des Lederhandwerks war. Führend in Württemberg. Und ich erinnere mich noch gut daran was aus der alten Leimfabrik immer für <X Gerüche kamen wenn die wieder Häute verkochten für Hautleim. Zum Glück ist das Geschichte:saint:.

    Schöne Grüße,

    Bumblebee :)

  • Tag 5 / Montag - durch den Mittleren Atlas über Erfoud in die Dünen von Erg Chebbi

    Es ist schon wieder halb zwölf in der Nacht …

    Ich musste erst mal nachlesen, wo wir heute überhaupt langgefahren sind. Wir hatten 430 km endlos lange Busfahrt. Wie sich innerhalb dieser Zeit die Landschaft verändert hat, war total interessant. Von grün-grün-grün über langsam-irgendwie-braun bis Wüste.

    Zuerst sind wir an einer Skihütte vorbeigekommen mit genau einer Abfahrt :), fand ich lustig.


  • Dann hatten wir den Programmpunkt „wir laufen durch einen Zedernwald und genießen die frische Luft“. War der „Nationalpark von Ifrane am westlichen Rand des Mittleren Atlas, bekannt für seine ausgedehnten Zedern- und Steineichenwälder“.

    Yo. Der Bus hat uns rausgelassen, wir haben die netten, frechen Berberäffchen bewundert, dann sind wir 10 Minuten lang durch Zedernbäume am Straßenrand entlanggelaufen und dann wieder in den Bus gestiegen :). Aber gut, die Äffchen waren süß und die Bewegung hat wirklich gutgetan. Vorgestellt hab ich mir das aber irgendwie anders.



  • Nach ewiger Fahrt haben wir dann irgendwo zu Mittag gegessen, war eine Art Rasthof oder so. Zur Auswahl stand Gemüse- Tajine, Gemüse- Tajine oder Gemüse- Tajine :). War aber echt gut getaktet, denn Andrea hatte das alles schon vorbestellt. Wir saßen ratzfatz wieder im Bus.


  • Einen kurzen Stopp haben wir dann noch bei irgendeiner schönen Aussicht auf einen Dattelhain mitten in der Wüste gemacht. So langsam nähern wir uns landschaftlich der Vorstellung, die ich als Laie von Marokko hatte.

    Andrea hat bei einem Dattelverkäufer zwei Pack der besten Datteln gekauft, die ich je gegessen hab und an uns verfüttert. Wir haben dann alle ganz begeistert auch welche gekauft. Das muss ein Kilo gewesen sein für umgerechnet 5 € - Schnäppchen :)!

  • Nicht lange darauf waren wir dann ENDLICH in unserem Hotel Kasbah Chergui mitten in der Wüste. Wunderschön :love:. SO stelle ich mir ein Hotel vor, dass von Studiosus gebucht wird. Absolut traumhaft. Wunderbar eingerichtet, ein Pool mit schönem Außenbereich in der Mitte, so richtig zum Wohlfühlen.

    Hier würde ich gerne einfach nur mal wenigstens einen halben Tag lang NICHTS machen und entspannen, die Seele baumeln lassen. Schon echt anstrengend, diese Reise.


  • ...aber es war uns nicht vergönnt, wir hatten genau 1 Std. 20 Minuten Zeit bis zum Treffen mit den acht Jeeps, die uns in die Wüste zu unseren Kamelen gebracht haben. Naja Wüste – eigentlich mehr eine Sanddüne bzw mehrere Sanddünen (?), wirklich nicht groß, aber für uns und das Feeling hat es gereicht :).

    Wir wurden dann eine gute Stunde lang über irgendwelche Wüsten/Schotter/Sand-Pisten gekarrt. Ein Gewackel und Geschaukel, Wettrennen der Jeepfahrer (die haben da zwei Gangschaltungen drin!), echt ein Erlebnis, schon alleine die Fahrt.

    Zehn von uns hatten über Andrea Kamele vorreserviert. Hat mich 200 Dirham gekostet (20 €) und das war’s echt Wert. Wann sitzt man schon mal auf einem Kamel?

    Der Kameltreiber hat uns 20 Minuten lang die Sanddünen hochgeführt, um dann oben einen nicht vorhandenen Sonnenuntergang zu sehen (zu viel Saharastaub). Der Hinweg war sehr unruhig. Da sind Quads durch den Sand gefahren, es waren viele Leute unterwegs…

    Wir sind dann irgendwann abgestiegen, der Kamelführer hat uns noch irgendwelches Zeugs verkauft (er hat 100 Kinder zu ernähren – oder irgendwie so), dann ging’s wieder nach unten. Da wir die letzte Karawane waren, die Quads und die anderen Menschen weg waren und man inzwischen an das Geschaukel gewöhnt war, war’s dann genau so schön, wie ich mir vorgestellt hatte. Es war einfach still. Schön! Doch, war alles in allem sein Geld wert.

    Anm.: In den Filmen sieht man nie, dass die Kamele ja auch mal müssen und man eigentlich die ganze Zeit durch die Kamelköttel läuft und praktisch malerisch durch die Klo-Straße der Kamele wackelt. Wahrscheinlich retuschieren die das alles weg, wer weiß.

    Die Rückfahrt war dann irgendwie auch ein Erlebnis. Zur Erinnerung – die Hinfahrt war ein Abenteuer und hat fast ne Stunde gedauert über Pisten und Schotter und Sand. Die Rückfahrt … nicht. Wir hatten ca. 10 Minuten genau die gleichen Bedingungen wie hinwärts und dann biegt der einfach auf eine ganz normale Straße ab und wir waren ruckzuck im Hotel. Voll die Show für die Touristen war das mit der Hinfahrt. Fand ich lustig. Was die nicht alles so abziehen, um unsereins zufrieden zu stellen :).

    Essen wollten wir im Hotel eigentlich nichts mehr, war schon so spät. Da das Hotel aber so super war dachten wir, wir schauen uns das Buffet doch mal an. War eine gute Idee! So ein tolles Buffett hatten wir auf der ganzen Reise noch nicht, viele landesstypische Sachen (es HÄTTE auch Gemüse-Tajine gegeben :)), echt lecker.

    Schade, dass es morgen schon wieder weitergeht. Hier wären wir echt gerne noch eine weitere Nacht geblieben.

    Anm.: Ich hatte zu Andrea gesagt, dass ich die Reise super finde – aber leicht stressig ist das schon. Die gleiche Reise gäbe es noch mal, sagte sie „… mit Muse“. Gleiches Programm, aber ein paar Tage länger (und dementsprechend teurer). Wäre eigentlich für die Rentner gedacht. Die Reise würde aber wahrscheinlich aus dem Programm genommen werden, weil „das wird von den älteren Leuten nicht angenommen, die sind alle auf diesen Reisen hier.“ Yeah. Ich sag’s ja – in diesem Alter wäre ich auch gerne noch so fit, interessiert und agil wie meine Mitreisenden :thumbup:<3!

  • Total krass die Gerberei8| der Kamelkopf (war doch einer denke ich mal) leider übrigens auch;(. Aber gut: andere Länder andere Sitten so ist es nun mal basta. In Südamerika werden auch Meerschweinchen gegessen und als „Nutztiere“ in den Küchen gehalten. Als Tierfreund muss ich da echt auf manchen Reisen kurz schlucken aber das muss ich ja auch z.B. bei einem Blick hinter die Kulissen deutscher Schlachthöfe:evil:.
    Das mit der Gerberei finde ich sehr interessant da ich selbst in einer Kleinstadt wohne, die über Jahrhunderte eine Metropole des Lederhandwerks war. Führend in Württemberg. Und ich erinnere mich noch gut daran was aus der alten Leimfabrik immer für <X Gerüche kamen wenn die wieder Häute verkochten für Hautleim. Zum Glück ist das Geschichte:saint:.

    Yes, das war ein Kamelkopf :huh:.

    Die Gerberei war wirklich ein absolutes Highlight und hier hätten wir uns gerne mehr Zeit gelassen. Aber so ist das nun mal mit einer Gruppenreise. Das ist wie auf einem Mein Schiff - Tagesausflug, man hat irgendwie nie genug Zeit. Es war auf alle Fälle ein faszinierender Tag.

  • Danke für den tollen Bericht über ein uns noch völlig unbekanntes Land :)

    Rundreisen in der Gruppe kennen wir hingegen gut, anstrengend aber man holt aus der Zeit so viel raus. Nach drei Tagen haben wir immer das Gefühl schon ewig unterwegs zu sein ;)

    Freue mich schon auf die Fortsetzung, du schreibst super kurzweilig :love:

    Liebe Grüße von Bine :)

  • Tag 6 / Mittwoch – durch den Hohen Atlas bis nach Boumalne

    Wir haben Tag sechs und ich finde das echt krass, denn wir fliegen an Tag zehn schon wieder! Das geht jetzt echt so schnell vorbei!

    Zu touristenfreundlicher Zeit (09:00 Uhr) sind wir nach einem sehr leckeren Frühstück also mal wieder weitergefahren. Die je 12 kg Gepäck pro Koffer erfreuen uns übrigens jeden Tag. Da hält sich die Schlepperei in Grenzen.

    Der erste Halt waren ehemaligen Bewässerungsanlagen mit Namen Foggaras. Das ist eine besondere Form der (früheren) Oasenbewässerung. Man hat da, wo das Gelände sich passend geneigt hat, Schächte gebuddelt, immer im Abstand von 10 – 15 Metern, und die dann mit einem Stollen verbunden. Ein recht ausgeklügeltes System, muss man sagen. Im Endeffekt hatten die dann einen unterirdischen Kanal, der das Wasser durch die Oase geleitet hat. Das war bis zu 70 Meter tief (die müssen lange gebuddelt haben) und bis zu 40 km lang. Fleißig!

  • Dann wieder rein in den Bus und in irgendein Örtchen zu einer Art Teppich-Verkaufsveranstaltung. Da dachte ich ja vorher ojeh … aber das war richtig, richtig, richtig gut gemacht. Die haben sich total ins Zeug gelegt und drei Mitreisende haben sogar was gekauft. Es hab Minztee und „Berberpizza“ (keine Ahnung, wie das korrekt heißt). Doch, war echt gut. Sehr kurzweilig, sehr unterhaltsam. Hat die Andrea sehr gut ausgesucht :thumbup:.