Beiträge von Bremerin

    Anschließend ging es dann in die Oberstadt. Dort ist die Altstadt, die aus drei Stadtteilen besteht. Der bekannteste und touristisch am besten erschlossene (sprich: überlaufenste) ist Pelourinho. Nicht weniger interessant sind Santo Antônio und das Carmeliterviertel Carmo. Diese beiden Stadtteile, die ineinander übergehen, haben wir zunächst erkundet. In Santo Antônio sind die hübschen bunten Häuser inzwischen von Künstlern und anderen eher jüngeren Gewerbetreibenden hergerichtet und zu Bars, Cafés, Restaurants oder Kunstgewerbeläden umgebaut worden. Von vielen Häusern hat man einen herrlichen Blick auf die Unterstadt und das Meer.

    In Santo Antônio

    Früher waren viele Häuser an der Fassade mit Kacheln versehen


    Eine Standseilbahn verbindet Ober- und Unterstadt

    Inzwischen war es Mittag - Zeit für ein Mittagessen. Unsere Fahrerin setzte uns an einem sehr schönen Lokal mit Terrasse und Blick über die Bucht ab, und wir bestellten eine Moquequa. Das ist ein bahianischer Fisch- und Krabbeneintopf mit Gemüse. Das besondere Aroma bekommt er durch den Zusatz von Dendé-Öl, einem Palmöl. Dazu gibt es Farofa, Reis und einen Brei, der gemischt ist aus Farofa und Fischsud sowie eine Chilisauce. Es war eine große Portion, die wir drei kaum bewältigen konnten, und sie hat köstlich geschmeckt. Unser Guide meinte, er hätte selten solch eine gute Moquequa gegessen.

    Voll auf Genuss eingestellt, brauchte ich jetzt noch eine Trinkkokosnuss zum Nachtisch.

    Gut gesättigt hielten wir anschließend noch an einem lokalen Markt. Dort gab es alles, was die lokale Bevölkerung zum Leben benötigt - und noch einiges mehr.

    Unsere köstliche Moquequa

    Blick von dem Barra gegenüberliegenden Fort

    Die Kokosnuss wird zubereitet zum Trinken

    Draußen steht zwar Fischmarkt, aber in diesem Markt gibt es alles zu kaufen

    Nehmt Euch mal die Zeit zu schauen, was alleine an diesem Stand angeboten wird


    Hier gibt es Chili in vielen Variationen

    Und hier gibt es Krabben. In den Plastikflaschen ist das Dendéöl

    Sogar Kleidung gibt es hier zu kaufen

    Und nun könnt Ihr mal raten, was das wohl ist

    Wir blieben in der Unterstadt und fuhren vorbei an schönen alten Villen und dann entlang der Küste in den hübschen Stadtteil Ribeira weiter im Norden. Hier reiht sich ein Lokal an das nächste, kleinere Boote dümpelten im Wasser und Händler bieten gekühlte Getränke an. Nach Sonnenuntergang pulsiert hier das lokale Leben, aber jetzt am Vormittag war es noch sehr ruhig.

    Unser nächster Halt war an der Kirche Senhor do Bonfim. Es ist die wichtigste Wallfahrtskirche Bahias: Menschen auch von weiter weg kommen hierher, um für etwas zu bitten (z.B. um Gesundung oder Kraft für einen guten Schul- oder Studienabschluss). Wenn das Ereignis dann eingetreten ist, kommen sie zurück mit Fotos, auf deren Rückseite dann ein entsprechender Text steht oder sie bringen das geheilte Körperteil aus Wachs mit, und es wird dann in einer seitlichen Kapelle aufgehängt. Hier haben auch die Wunschbändchen ihren Ursprung. Eigentlich aus der afro-brasilianischen Orixa- Religion kommend wird in dieser Kirche bei der Waschung von Bonfim ein gemeinsames Ritual durchgeführt, das „Menschen und Religionen in einem Glaubensakt vereinen“ soll.

    Schöne alte Villa

    Am Strand in Ribeira

    Die Kirche do Bonfim

    Körperteile als Ausdruck der Dankbarkeit für die Heilung

    Wunschbändchen wurden wo immer Platz war befestigt

    Salvador de Bahia - Private Stadtführung mit Nicolas von Salvador Insider.

    Pünktlich um halb zehn wurden wir von Nicolas abgeholt, ein klimatisiertes Auto mit Fahrerin stand auch bereit. Das sollte sich wegen der hohen Temperaturen als sehr angenehm erweisen. Zunächst fuhren wir zu einem hübschen Binnensee, (Dique do Torro), an dessen Ende majestätische Baianas im Wasser standen - ein Vorgeschmack auf die echten, die wir am Nachmittag in der Altstadt sehen sollten. Baianas sind dunkelhäutige Frauen, die mit weiten Röcken bekleidet und meist einem Turban um den Kopf geschlungen erinnern an afrikanische Königinnen. Sie bieten afrikanisch inspiriertes Essen an.

    Danach ging es weiter ans Meer in den Stadtteil Barra. Von hier hat man einen sehr schönen Blick auf die Strände von Barra, in die große Allerheiligenbucht und auf die gegenüberliegende Insel Itaparica. Hier gab es dann auch die kleinere Version der Christusstatue.

    Ganz in der Nähe liegt dann das Fort von Barra mit seinem Leuchtturm. Es diente dazu, die Einfahrt der Bucht zu bewachen und zu verteidigen gegen feindliche Invasoren.

    Dique do Torro

    Der Strand von Barra. An der Spitze ist das Fort und der Leuchtturm

    Die Christusstatue

    Der Strand von Barra vom Fort aus

    Eine typische Baiana

    Mit diesen Bändchen verbindet man Wünsche

    Inzwischen haben wir unseren ersten Ausflug auf dem Amazonas gemacht, und es fehlen noch die Berichte von Salvador und Natal. Ich hoffe, dass ich heute Nachmittag noch Internet habe, dann gibt es noch ein paar Fotos von Salvador.

    Das Wetter ist übrigens seit ein paar Tagen schwül-heiß mit einer Luftfeuchtigkeit heute von 98%. Da schwitzt Frau schon mächtig. Und eben hat es auch kurz und heftig geregnet. Das sind auch die Vorhersagen für die nächsten Tage. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass wir bislang überwiegend super Wetter hatten.

    Es gibt aber auch weitaus schäbigere Favelas mit z.B. vielen Holzhütten. Rosinha ist schon quasi eine "Nobel"-Favela mit erinnerlich der größten Sambaschule Rios.

    Das stimmt. In der Rocinha wohnen eben auch Künstler, Studenten und viele Berufstätige. Und neben den Sambaschulen gibt es auch noch diverse Capoeira Schulen. Leider war es noch zu früh am Tag; ich hätte gerne eine Vorführung gesehen.

    Flavia

    „Aber wie ist das jetzt eigentlich, nachdem 2 Monate auf See vergangen sind, hast Du liebe Verena noch Lust auf Neues (und was sagen die anderen mitreisenden Langzeiturlauber), oder ist bei Frau so eine Art Reisemüdigkeit zu fühlen?“

    Irgendwie klappt es mit dem Zitieren nicht so recht.

    Also, von Reisemüdigkeit oder Heimweh keine Spur. Wir waren allerdings sehr dankbar über die 4 Seetage in der letzten Woche. Da hatten wir Zeit das Gesehene zu verarbeiten. Und jetzt am Amazonas dominiert wieder das Naturerlebnis, das ist auch nicht so anstrengend wie eine Großstadt.

    Wir haben auch festgestellt, dass die Ausflüge in kleiner Gruppe oder nur zu zweit deutlich entspannter sind als die Phoenix Ausflüge in der großen Gruppe. Und so habe ich jetzt auf die Schnelle für Manaus und zwei Karibikinseln noch private Ausflüge gebucht. Den Rest machen wir dann mit dem Taxi.

    Mein ganz persönliches Fazit

    Nach zwei Tagen Rio sind wir mit einem zwiespältigen Gefühl abgefahren. Das viele unterschiedliche, zum Teil auch private Gründe. Aber Rio zählt für mich definitiv nicht zu den schönsten Städten der Welt. Dazu habe ich zu viel Elend gesehen und über Gewalt und nächtliche Schießereien gehört. Als Touristin könnte ich all das sicherlich ausblenden, aber dann würde ich dieser Stadt nicht gerecht werden. Wenn 1/3 der Bevölkerung in Armenvierteln wohnt, dann gehört das für mich dazu. Schade war, dass durch ein defektes Auto unseres Guides die Besichtigung am 2. Tag nachmittags unter großem Zeitdruck stattfand . So fielen längere Spaziergänge, die ich so liebe, um die Stadt in Ruhe auf mich einwirken zu lassen, leider der unerbittlich tickenden Uhr zum Opfer.

    Was mir gut gefallen hat, sind die wunderschönen Strände, quirlige Stadtteile wie Santa Teresa oder das sanierte Hafenviertel. Die Innenstadt hingegen war am Wochenende wie ausgestorben. Die Musik, die Leichtigkeit und Lebensfreude ziehen mich immer wieder auf‘s Neue in ihren Bann.

    Und nicht zuletzt unser Besuch in der Favela war eine wichtige Erfahrung: zu erleben, wie die Menschen sich dort um Lebensqualität und eine Perspektive bemühen. Und der Tourismus spielt dabei vielleicht eine kleine, aber dennoch eine Rolle.

    Das Viertel Rocinha

    Im Vorfeld waren wir sehr unsicher, ob wir tatsächlich in eine Favela fahren sollten. Aber der Touranbieter hat uns die Entscheidung abgenommen: er hat diesen Punkt in unser Programm für Samstag aufgenommen. Geplant war eine kurze Fahrt durch die Favela. Am Eingang stieg eine weitere Tourguide zu, die sich in der Favela sehr gut auskennt und dort auch sehr bekannt ist. Eine sehr temperamentvolle Frau, die immer wieder Bekannte aus dem Autofenster begrüßte. Da für viele Menschen, die schlecht bezahlten Beschäftigungen nachgehen, eine normale Wohnung in Rio unerschwinglich ist, gehen sie auf die Hügel und bauen dort ‚illegal’, aber von der Stadt toleriert. 30% der Bevölkerung Rios wohnen in solchen Favelas. Sie sind ein rechtsfreier Raum, wo Banden das Sagen haben und für Ordnung sorgen. Das sorgt einerseits für eine gewisse Struktur und Sicherheit, andererseits gibt es Macht- und Verteilungskämpfe zwischen den Banden, und so kommt es immer wieder zu Schießereien. Oder auch, wenn die Polizei einen ihrer eher seltenen Einsätze in einer Favela macht. Trotzdem kann ich rückblickend schreiben, dass wir uns sicher gefühlt haben.

    Der erste Eindruck: es wimmelt von Menschen, Autos und Motorrädern. Laden reiht sich an Laden, und die Leute transportieren von einem Karton mit Eiern bis hin zu zwei Kindern zwischen Mutter und Vater alles auf ihren Motorrädern. Schnell ging es nicht mehr weiter: ein Müllauto verursachte ein Verkehrschaos. Erst hatte ich ein mulmiges Gefühl, aber das verging bald, und wir schauten dem quirligen Treiben interessiert zu. Unsere Guide, deren Namen ich leider vergessen habe, erklärte uns auf Portugiesisch das eine oder andere soziale Projekt und zeigte uns sonstige Sehenswürdigkeiten. Unser Fahrer Jürgen war so beschäftigt mit dem Bewältigen des Verkehrschaos, dass ein Teil der Übersetzungen leider auf der Strecke blieb. Dennoch festigte sich der Eindruck, dass dies ein ganz normaler - armer - Stadtteil ist mit Strom, Wasser, Geschäften, Schulen, Ärzten, Werkstätten und allem, was dazu gehört. Nur dass die Bauweise sehr ungeordnet stattfindet: wann immer etwas Geld vorhanden ist, wird weiter gebaut.

    An einem Punkt oben auf dem Berg stellten wir das Auto in einer bewachten Garage ab und gingen zu Fuß weiter. Durch enge, verwinkelte Gänge über zum Teil steile Treppen gingen wir zu einem Restaurant mit Aussichtsterrasse. Hier wurden wir freundlich empfangen, mussten für ca. 5 € ein Getränk kaufen und konnten dann die Aussicht von hier oben genießen. Da die Zeit schon sehr fortgeschritten war und wir am Nachmittag mit einem lieben deutschen Freund, der hier in Rio wohnt, verabredet waren, mussten wir uns bald verabschieden und fuhren auf kurzem Weg zurück zum Schiff.


    Rund 200.000 Menschen leben nur in dieser Favela.

    Gebaut wird, wo Platz ist

    Das Hafenviertel

    Das Hafengebiet zählt zu den ältesten Stadtvierteln Rios. Um es aus dem schmuddeligen Image herauszuholen, wurde es zu den Olympischen Spielen 2016 saniert. Nicht nur die Hafengebäude erhielten einen neuen Anstrich, sondern die vielen baufälligen Gebäude wurden renoviert und somit das Viertel auch für Bars, Cafés und Restaurants interessant.

    Die Hauptattraktion dürfte das Werk von dem Spanier Salvatore Calatrava sein, in dem das Wissenschaftsmuseum untergebracht ist. Daneben bietet das Museo de Arte do Rio auf seiner kostenlos zugänglichen Dachterrasse einen schönen Überblick auf den Hafen.

    An der Wand vor dem Hochhaus ist eine riesige Wandmalerei, den Ethnien der Welt gewidmet. Es ist anlässlich der Fußball- WM entstanden.

    Teilansicht

    Alte und neue Gebäude

    Kräne, made in Germany

    Das museo de amanhã, das Museum von morgen

    Das Museo de ARTE de Rio ist schräg gegenüber mit großer Aussichtsterrasse

    Aussicht von oben

    Ein Teil des Charmes von Rio ist darauf zurückzuführen, dass diese Stadt so viel Natur zu bieten hat: herrliche Sandstrände, die wie Perlen aufgereiht hintereinander liegen und den riesigen immergrünen Tijuca- Wald.

    Viele Fotos vom Strand kann ich leider nicht zeigen, weil überall zu viele Menschen sind.

    Das Copacabana Palace Hotel, erstes Haus am Platz


    Der Tijuca Nationalpark bietet viele schöne Aussichtspunkte


    Auch vom Zuckerhut aus sieht man herrliche Natur

    Und vom Corcovado

    Die Lagoa das Freitas in Ipanema

    2. Santa Teresa incl. Fliesentreppe

    Santa Teresa ist das Künstlerviertel: Bars, Cafés, Galerien und Boutiquen prägen das Bild dieses Stadtteils, und die einzige verbliebene Straßenbahn fährt hier. Der frisch gebackene saftige Bananenkuchen mundete hier genau so köstlich wie die pão de queijo (Käse-)Bällchen. Livemusik dröhnt aus Lautsprechern, und am Sonntag Nachmittag sind die Lokale gut gefüllt.


    Rio de Janeiro - Teil 1: die Christusstatue und der Zuckerhut

    Am Morgen hattesie sich noch vornehm hinter den Wolken verborgen, aber schon während der Einfahrt konnten wir sehen, dass die Wolkenschicht dünner wurde. Wir hatten für heute über Frank Hopfe eine private Stadtführung in Rio gebucht. Unser Guide war Jürgen, der auch schon lange hier lebte. Pünktlich um 8.30 starteten wir, und das erste Ziel war der Corcovado.

    Es ist eine schöne Fahrt durch den Tijuca Wald auf eine Höhe von 700 m. Den letzten Teil des Weges muss man mit Kleinbussen zurücklegen. Am oberen Haltepunkt angekommen, mussten wir dann nur noch einige Stufen erklimmen und uns durch die übrigen Touristen hindurch kämpfen und wurden dann mit einem Blick einerseits auf die imposante 38m hohe Statue und andererseits über ganz Rio belohnt. Das Wetterglück war uns auch an diesem Wochenende hold, und so bot sich uns ein fantastischer Ausblick.


    Blick von oben auf den Tijuca Nationalpark und das Maracanã-Stadion


    Bereits bei der Anfahrt auf Rio war der Zuckerhut eine imposante Landmarke. Am Sonntag Nachmittag sind wir dann kurz vor dem Sonnenuntergang mit den beiden Seilbahnen ganz hinauf gefahren. Leider war es schon sehr voll dort, so dass die Fotografiermöglichkeiten eingeschränkt waren. Nichtsdestotrotz war die Aussicht auch von hier oben sehr schön.

    Sonnenuntergang vom Zuckerhut in Richtung Westen

    Auch nachdem die Sonne untergegangen war, gab es schöne Ausblicke

    Zwei sehr intensive und abwechslungsreiche Tage liegen hinter uns. Wir waren jeden Tag ca. 10 Stunden unterwegs und haben die extremen Gegensätze dieser Stadt erlebt: die Top- Sehenswürdigkeiten

    Corcovado


    und Zuckerhut

    Sonnenuntergang vom Zuckerhut

    Reichtum in Leblon und São Conrado

    und Armut in einer Favela (30% der Cariocas leben in einer Favela, weil es keinen bezahlbaren Wohnraum gibt)

    In dieser Favela leben ca. 200000 Menschen


    Es gibt wunderschöne Strände

    und Stadtteile, die verfallen, weil niemand investiert

    Den größten Stadtwald der Welt (Tijuca)

    und noch vieles mehr. Ich werde versuchen, an den nächsten beiden Seetagen meine Gedanken und Gefühle zu sortieren und dann ausführlicher berichten.