Lissabon –
Teil 3
Unterwegs zieht
es sich immer mehr zu, es wird windiger und als wir gerade am Rossio ankommen,
fängt es an zu regnen.
(Wisst ihr noch? Sommer im November und Jacken werden ja überhaupt überbewertet, selbst so eine kleine Strickjacke mag ja viel lieber im Schrank hängen...
)
Also rein ins schönste Haus am Platz, in dem
wirklich der Bahnhof ist und den Stadtplan studiert. „Von hier aus ist es nicht
mehr weit zu „Gloria“ und wenn alle Stricke reißen, fahren wir einfach mit der
Metro zurück zum Schiff. Hier fährt die blaue Linie, also unsere“. Als der Regen
weniger wird, laufen wir weiter zur Haltestelle des Ascensor da Gloria. Sie
oder er (?) kommt gerade angefahren, perfektes Timing. Kaum sind wir drin, fängt es
richtig an zu regnen. 
Oben müssen wir leider aussteigen. Ein nahegelegener
Hoteleingang mit Blick auf die Haltestelle muss jetzt als Unterstand herhalten.
Kaum erspähen wir den Gegenzug, sprinten wir rüber, entern die Bahn und fahren
wieder runter. Uns ist kalt, so wirklich genießen wir die kurze Fahrt gerade
nicht. Dann weiter zur Metrostation, die nur ein paar Schritte entfernt ist und
ab in die blaue Linie Richtung Santa Apolonia, das sind 3 Stationen. Und da es
die Endhaltestelle ist, kann man gar nicht falsch aussteigen. Von dort zieht
sich der Weg durch den Nieselregen zum Eingang des Hafenterminals doch sehr,
wahrscheinlich wäre der Weg von der Station vorher kürzer gewesen.
Nach einer
Trockenleg- und-Kohlehydrate-aufstocken-Pause geht es wieder los, diesmal mit
Jacke.
Wieder ab zur Metro, 2 Stationen bis Baixa-Chiado, nach der Sperre links
rum Richtung Rolltreppen – die sind ausgeschildert – und mit diesen wirklich
genialen Dingern nach oben zur Baixa. Einfach genial!!
Die geplante Pause am
Kiosk auf der Praca Luis de Camoes entfällt, da die Metallstühle alle nass
sind. Schade. Und ohne Sonne ist es hier auch gerade gar nicht so gemütlich,
wie ich es mir ausgemalt bzw. in meiner Erinnerung verankert habe. Also weiter
Richtung Santa Justa, ein Ausflug auf die Aussichtsterrasse muss natürlich
sein. 
Es dämmert
und irgendwann haben wir genug Aussicht genossen. Also wieder runter, auf der
Rua Aurea ein Cafe geentert, um diese sündhaft leckeren Teilchen Pasteis de Nata
zu verputzen und weiter zum Praca do Comercio. Die Stimmung war ganz speziell,
es wurde dunkel, die Läden schlossen, auf der Straße waren Feuerakrobaten und
ein paar Gestalten, die halt so um die Zeit raus kommen. Spannende Mischung.
Durch den
Torbogen scheint der Mond an einem dunkelblauen Himmel – ein Traum. 
Dass die
Aussichtsplattform auf dem Arco da Rua Augusta, die wir morgens links haben
liegen lassen, um diese Zeit noch geöffnet hat, haben wir nicht erwartet. Ein
Blick und schon stehen wir an der Kasse. 
Was für eine Aussicht und was für eine
unbeschreiblich schöne Stimmung hier oben. Wenn ich bisher noch nicht in diese
Stadt verliebt gewesen wäre, dann jetzt. 

Irgendwann haben
wir genug und es geht weiter in die Alfama und dort hat wirklich ein
Fadorestaurant geöffnet. (Sie wären ja auch verrückt, wenn nicht, es liegen
schließlich 3 Schiffe im Hafen!) Es ist übrigens kein Problem, nur etwas zu
trinken wird uns freundlich bestätigt. Also bleiben wir hier.
Anfangs läuft ein
Band, mehr würde ich auch an einem Montagabend zu so früher Zeit als Bespaßung
für Touristen nicht erwarten. Aber dann setzen sich 2 Musiker auf die Stufen
der Kneipe, eine Sängerin kommt heraus und fängt an voller Melancholie zu
singen. Danach kommt ein Mann, der wesentlich fröhlichere Weisen singt und der
mir richtig gut gefällt. 
Das alles bei einem leckeren Superbock. Herrlich. Ein
perfekter Tag in Lissabon. 
Die Ausfahrt
möchte mein Mann eigentlich noch gerne sehen, aber wir sind platt und gehen nach
einem letzten Getränk in der Außenalsterbar mit Blick auf die Alfama schlafen.
Irgendwann werde ich wach, gehe auf den Balkon, um zu sehen, ob wir überhaupt
schon fahren – man merkt nix – und da ist sie, die Brücke, kurz vor uns.
Also
schnell rein, Handy geholt und für den schlafenden Mann die Brückenunterfahrt
gefilmt. Wieder dieses geniale Geräusch.
Und dieses verwunderte „Was guckst du dir denn da an?“ als ist morgens im Bett das Video angeguckt habe. 

Das war
Lissabon. 



Wenn ich könnte, würde ich mich jetzt sofort wieder auf die abendliche Aussichtsplattform beamen. Es war soooo schön dort. Mmhhh