Moin, Zusammen,
nun habe ich hier eine Weile mitgelesen. Ja, der eine liebt Krimis, der andere Liebesromane und ein Dritter bevorzugt Sachbücher. So ist das eben. Was die hier eingestellten Reiseberichte betrifft habe ich eine sehr differenzierte Meinung. Wie hier im Vorfeld von andern Fotis erwähnt, lieber den Mund zu halten als etwas Negatives zu sagen, halte ich für total falsch. Aber das ist eine breite Auffassung, nicht nur hier. Damit haben die lauten Schreier nämlich gewonnen.
Aber zurück zu den Reiseberichten. Es gibt viele gute Berichte über fremde Länder z. B. im "MareTV". Als ich im Jahr 2011 dieses Forum hier entdeckte, es war vor unserer ersten Kreuzfahrt mit TC, hoffte ich, hier einige Informationen zu finden, die nicht in offiziellen Reiseführern stehen. Hauptsächlich im Bezug auf das Schiff. Nett war, das wir auch ein paar fröhliche Menschen aus dem Forum dann auf dem Schiff kennengelernt haben. Von denen ist hier in der Zwischenzeit keiner mehr präsent. Auch gab und gibt es für mich hier kaum nutzbare Informationen. Private Touranbieter nutzen wir nicht, Mietwagen im Ausland sind auch nicht unsers und Gourmetpakete halte ich für rausgeworfenes Geld. Alles, was sonst für eine Reise mit einem Kreuzfahrtschiff wichtig sein könnte, erfahre ich über die entsprechenden Websits.
Nach der Reise gab es hier noch einen kurzen Austausch und das war es dann. Bald schon musste ich dann feststellen, dass das Klientel hier im Forum nicht mehr meinen Maßstäben entsprach. Über manche Dinge konnte und kann ich nur den Kopf schütteln. Wenn z. B. in einer Suite die Bilder an den Wänden bemängelt werden, die Farbe des Teppichbodens nicht dem persönlichen Geschmack entspricht oder die Fenstervorhänge nicht total abdunkeln. Da wird über Badewannen und Duschvorhänge gemäkelt, die Bodylotion ist nicht die richtige und vieles mehr. Die richtige Champagnersorte ist nicht vorrätig oder am Buffet fehlt eine ganz bestimmte Wurstsorte. Dann denke ich, Leute baut Euch ein eigenes Schiff, das könnt ihr so einrichten, wie ihr ihr es mögt. Alles Dinge, über die habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Auch wenn mir die Farbzusammenstellung in der Kabine nicht gefallen hat, es ist so wie es ist, das Schiff wurde nicht nur für mich gebaut. Anderen gefällt es.
Im Detail:
Spannend finde ich Reiseberichte, die bei mir Erinnerungen wecken. Da gab es vor Kurzem einen netten Bericht über eine Donaufahrt, der richtig gut war. Reiseberichte von Zielen, die ich nicht bereisen werde, lese ich nicht, es interessiert mich nicht. Reisen mit vielen Seetagen, wie die 35 Tage Karibikreise von/bis Hamburg, sind auch nicht unsers, da bekomme ich ja einen Schiffskoller. Wir haben uns für diese Reise einmal interessiert, aber bei genauerer Betrachtung hatte sich das erledigt. Viele Reiseberichte überfliege ich nur. Der Titel klingt interessant, dann öffne ich den Tread. Bei den ersten Essensbildern hab ich genug.
Warum schreibt man Reiseberichte? Wenn ich Reiseberichte im öffentlichen Raum schreibe, schreibe ich die für andere und bewege mich vorwiegend auf der Sachebene. Meine persönlichen Erinnerungen in meinen Fotobüchern sind sehr viel individueller. Aber das geht die Öffentlichkeit nichts an.
Fotos: Gibt es hier viele sehr schöne, wo ich manches mal denke "WOW"! Die endlosen Bilder von Essen sind nervig. Da wird jede Mahlzeit, jeder Gang fotografisch festgehalten und eingestellt. Wenn es sich um besondere Mahlzeiten handelt, ist das ja ok, aber ob nun XY zum Frühstück Rührei oder Müsli isst, ist doch eigentlich völlig egal. Aber was ich unter besonderen Mahlzeiten verstehe, ist wohl hier bei vielen Normalität. Ich denke da z. B. an unser Silberhochzeitsdinner auf der AIDAdiva im Rossini. Und ganz nebenbei: ein Foto von einem Steak sagt noch nichts über dessen Qualität oder den Geschmack aus. Ich kann auch nicht nachvollziehen, wozu man um Mitternacht noch noch eine Pizza braucht, Auch staune ich hin und wieder, was so alles fotografiert und eingestellt wird. Da gibt sehr interessante Fotos von Sehenswürdigkeiten, aber ebensolchen Blödsinn wie Regale mit Konserven in Supermärkten. Was die Plüschis betrifft, finde ich das einfach nur albern, aus der Kuscheltierzeit bin ich raus. Ich besitze zwar auch ein kleines Kuscheltier, einen kleinen Teddy, der sitzt bei mir auf dem Nachtschränkchen und hat eine sehr individuelle Bedeutung. Ich gehe damit aber nicht spazieren.
Auch die Fotos von den vielen, meist alkoholischen Getränken, sagen mir nur, welch große Rolle der Alkohol spielt. Da fängt der Tag schon zum Frühstück mit Sekt an. Beim Ausflug gibt es dann das eine und andere einheimische Bierchen. Zurück auf dem Schiff erholt man sich erst einmal bei einem Cocktail, zum Essen folgt die Flasche Wein und vor dem schlafen gehen gibt es noch einen Absacker. Wir sind auch keine Antialkoholiker, aber Sekt zum Frühstück ist die Ausnahme, während des Landgangs gibt es selten Alkohol, Ausnahmen sind hier nur mal z. B. eine Weinprobe auf Madeira oder der Besuch einer Calvadosbrennerei in Frankreich. Zu einem guten Essen gibt es auch ein Glas Wein (keine Flasche). Ein Drink noch zum Abendprogramm und das war es.
Was ich gar nicht mag? Sind diese "Protz-Reiseberichte". "Mein Haus, mein Auto, mein Segelboot" Es sei jedem gegönnt, wenn er/sie sich mehr leisten kann, als die Masse der Bevölkerung. Wenn die Mittel dazu auf ehrliche Art erworben wurden, sollen die Menschen ihr Leben damit ihr genießen. Aber sie sollen es nicht als Norm darstellen. Wenn hier jemand schreibt, er/sie hat eine Kreuzfahrt in einer Innenkabine gemacht, kommt mit Sicherheit von einem anderen der Kommentar: "Bei mir geht ohne Suite gar nichts".
Ich glaube, ich bin sehr viel anspruchsloser, als einige Foris hier. Nun komme mir keiner mit Neid, wie das in solchen Fällen oft der Fall ist. Ich bin zum Glück auch als Rentner nicht in der Situation Flaschen sammeln zu müssen. Ich bin vielleicht nur ein wenig pragmatischer.