Beiträge von CosmoST

    Hallo zusammen,

    erstmal vielen Dank an alle, die hier so begeistert mitlesen und das auch bekunden! :thumbup:

    Vielleicht noch ein kleiner Einschub:
    Den Reisebericht erstelle zwar ich hier textuell. Die Fotos sind aber nicht alle von mir, Steffie Mirasol hat auch ihren Anteil. Wir sind ja immer mit 2 Kameras losgezogen und haben beide fleissig fotografiert. Und Steffie liest auch Korrektur, deshalb werden manches Mal auch einzelne Beiträge später von mir korrigiert/geändert. Es ist also nicht alles mein Verdienst hier ;)

    Bei einigen Fotos waren wir übrigens selbst überrascht, wie gut manche Sachen getroffen worden sind. Das sieht man ja auf der Kamera und dem kleinen Display nicht so. Aber manch Foto war auf dem großen Bildschirm dann schon nicht so schlecht würde ich sagen. Uns gefiel es zumindest. Und wir sind ja "nur" Hobby-Fotografen ...


    2 Ergänzungen noch:

    Ich freue mich auf Montag.

    Hmm, ich hatte geschrieben nächste Woche. Ich glaub am Montag schaffe ich es nicht - aber im Laufe der Woche kommt wieder was!
    Ich habe die Texte noch nicht fertig. Alles, was ich bisher geschrieben hatte, wurde veröffentlich. Jetzt muss ich erstmal wieder ein bisschen vorarbeiten.

    Kann man deine Bilder irgendwo bei Insta etc… verfolgen? I

    Nein, die Fotos gibts nur hier im Forum. Ich habe kein Instagram o.ä. und auch keine eigene Homepage.


    VG Sven

    03.02.25: Kreuzen im Weddellmeer (Antarktis): Abendprogramm

    Um 17:00 Uhr stand mit dem Precap eine Vorschau auf die kommenden zwei Tage an. Mit jeweils Vor- und Nachmittagsanlandungen auf den Süd-Shetland-Inseln bzw. Downtown-Antarktis (O-Town Expeditionsleiter), also den Inseln direkt am Antarktischen Kontinent würden wir wieder genügend Programm haben. Inkl. zeitigem Aufstehen versteht sich. Aber natürlich wie immer alles ohne Gewähr, das Wetter kann einem ja noch einen fetten Strich durch die Rechnung machen.

    Abendessen nahmen wir – wie fast immer – im Lido ein. Um 21:30 Uhr gab es am heutigen Tag eine weitere, beliebte Veranstaltung im HanseAtrium, das „Offiziers-Cocktail-Shaken“. Verschiedene Offiziere (u.a. Staff Kapitän, Hotelmanager) schlüpften in die Rolle der Barkeeper und bereiteten verschiedene, durchaus leckere Cocktails zu. Alles inklusive.

    Und da es verschiedene Stationen gab, musste man die auch mal alle ausprobieren. Sprich: Man „musste“ diverse Cocktails trinken. Aber man opfert sich ja gerne ;)

    Dazu spielte die HANSEATIC nature Crew Band. Begann es anfangs noch verhalten, heizten die Matrosen später den Tanzfreudigen gut ein, Schlagzeug, Gitarren, Saxophon, Gesang, alles vorhanden und alles live. Leider - und das ist aber nur unsere persönliche Meinung – nicht unbedingt kompatibel mit unserem Musikgeschmack. 60er/70er Jahre Rock’n’Roll oder Schlager ist halt nicht jedermanns Geschmack. Wo blieben die 80er??? Trotzdem blieben wir ein Weilchen dort, die Cocktails mussten ja getrunken werden und es gab auch die eine oder andere, nette Unterhaltung.

    Zum Abschluss des Abends gab es heute mal einen schönen Sonnenuntergang zu bewundern.

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    Damit endet dieser sehr, schöne Tag, auf dem wir Paulet Island mit den Adeliepinguinen besucht hatten. Morgen sind wir dann wieder auf den Süd-Shetland-Inseln …

    Unsere Tiersichtungen an diesem Tag:
    • Adeliepinguin
    • Blauaugen-Kormoran
    • Weißgesicht-Scheidenschnabel
    • Schneesturmvogel
    • Braune Skua (Raubmöwe)
    • Dominikanermöwe
    • Buntfuss-Sturmschwalbe

    VG Sven


    PS: Der Tag auf Paulet Island hat uns wunderbar gefallen. Wir hatten richtiges, schönes Antarktiswetter, wie man sich das so vorstellt, Schnee und Wind. Und die Adeliepinguine sind herrlich. Gangster zwar, aber niedlich. Laut Steffie sogar die besten Pinguine. Das Einzige, was gestört hatte, war die Mitnahme von Eau-de-Paulet. Dabei darf man doch eigentlich von den Landgängen gar nichts mitnehmen in der Antarktis :/

    Durch unsere verfrühte Abfahrt von Südgeorgien hatten wir zwar einen Südgeorgien-Tag verloren, aber einen im Weddellmeer gewonnen. Das war dann wohl der gestrige Expeditionstag im Weddellmeer gewesen. Ansonsten wären wir wahrscheinlich nur auf Paulet Island gewesen und hätten mal kurz ins Weddellmeer hineingeschnuppert. Letztendlich war es so ja gar nicht schlecht gewesen, würde ich sagen …

    03.02.25: Kreuzen im Weddellmeer (Antarktis): Der Duft von Eau-de-Paulet

    Zurück an Bord wurden erstmal die Stiefel intensiv gereinigt. Erst durch die Stiefelwaschanlage und dann musste man noch mit Handbürsten und Kratzern zusätzlich nachbessern. Vom Boden auf Paulet Island hat man doch einiges an Dreck aufgesammelt, der vor dem nächsten Landgang beseitigt werden musste. Man will keine Sachen auf die verschiedenen Inseln einschleppen.

    Unsere Kleidung war auch halbwegs sauber geblieben, wir sind nicht in den Dreck gestürzt. Nur die Hosenbeine über den Stiefeln mussten noch etwas vom Matsch und Guano befreit werden. Das ist bei einer Regenhose aber einfach.

    Die Oberbekleidung in der Kabine auf den Haken im Bad (inkl. Trocknung an der eingebauten Wandheizung) oder an der Tür. Dann in die Observation Lounge, noch einen kleinen Happen als zweites Frühstück und ein Käffchen. Inzwischen waren auch die Gäste der 2. Zodiacgruppe wieder an Bord und wir verließen Paulet Island.

    Mittagessen. Dann zurück auf die Kabine. Was zum Geier stank hier so??? Hatten wir was übersehen?

    Die Antwort: Die schönen, blauen Parkas hatten den Pinguin-Geruch bzw. den feinen Guano-Staub aufgenommen. Der Fachmann sagt dazu: Eau-de-Paulet :D In der Kabine roch es streng nach Pinguin!!! Das war aber kein Einzelschicksal – es ging allen Gästen so!

    Da hilft kein Schrubben, höchstens eine komplette chemische Reinigung. Oder man versucht den pragmatischen Weg: Parka anziehen und damit nach draußen gehen, ein paar Runden auf dem jetzt wieder geöffneten Oberdeck laufen. Im Wind und an der Luft wird der Geruch ja schon wieder raus gehen. So wie wir dachten auch andere Gäste …

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    Positiver Nebeneffekt des Spaziergangs: Wir konnten den einen oder anderen Blick auf die Szenerie im Weddellmeer werfen, durch das wir Richtung Süd-Shetland-Inseln fuhren.

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    Im Gegensatz zum gestrigen Tag mit mehr Geschwindigkeit. Und außerdem mit mehr Wind und Wellen.

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    Negativ war: Der Parka roch noch immer, zwar weniger streng aber immer noch merklich. Eau-de-Paulet baut nicht so schnell ab wie andere Deos. Das hält viele Stunden! =O

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    Aber wir gaben unser Bestes, fraßen Kilometer bei den Runden übers Deck. Aßen Kalorien – lecker Waffeln mit Kirschen und Eis. Und betrachteten manchen Eisberg im Weddellmeer.

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    VG Sven


    PS: Am frühen Abend rochen die Parkas immer noch ein wenig. Aber nach dem abendlichen Turndown-Service durch die Kabinenstewardess ging es dann eigentlich. Da muss wohl ein entsprechendes Mittelchen im Einsatz gewesen sein. Am nächsten Morgen war der Pinguin fast komplett aus dem Parka verschwunden.

    Ein paar „Weicheier“ gaben ihre Parkas tatsächlich bei der chem. Reinigung ab und bekamen diese dann am Abend zurück geliefert. Die Mehrzahl versuchte es aber mit handwerklichen Mitteln so wie wir. Wir sind ja schließlich auf Expedition, und Shackleton und Nordenskjöld mussten das auch schließlich auch aushalten ^^

    03.02.25: Paulet Island (Antarktis): Gangster im Eis (Teil 3)

    Wir hätten auch zu den Überresten der Nordensjköld-Hütte sowie einem Schmelzwassersee, der mit Süßwasser von der Schneeschmelze gespeist wird, gehen können. Die Wege waren aber wie gesagt sehr rutschig und außerdem wollten wir lieber noch die Pinguine beobachten.

    Daher blieben wir weites gehend direkt am Strand.

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    Neben den Adeliepinguinen brüten auch zahlreiche Blauaugen-Kormorane auf der Insel. Zu einer dieser Brutkolonien gleich unten am Strand gelangte man nach einem kurzen Weg.

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    Blauaugen-Kormorane werden auch Antarktische Kormorane genannt. Sie brüten vor allem auf der Antarktischen Halbinsel sowie den vorgelagerten Inseln, aber auch in Südamerika, häufig in der Nähe von anderen Tieren. So sind sie neben Felsenpinguinen oder Albatrossen auf den Falklands zu finden oder hier auf Paulet-Island neben den Adeliepinguinen. Namensgebend ist der blaue Augenring aus Federn um die Augen herum – ähnlich dem weißen Augenring bei den Adeliepinguinen. Die Größe entspricht ebenfalls ungefähr den Pinguinen (75cm), bei einem Gewicht von 3,5kg. Die Flügel-Spannweite beträgt immerhin 112cm. Als Hauptnahrung dienen Krustentiere und Fisch.

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    Die Blauaugen-Kormorane ließen sich auch von uns Menschen nicht stören. Sie saßen ruhig auf ihren Nestern oder betrieben Gefiederpflege oder liefen in der Kolonie herum.

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    Auch einige Weißgesicht-Scheidenschnäbel und Raubmöwen konnten wir hier auf Paulet Island sehen.

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    Wir wollten unseren 90-minütigen Aufenthalt an Land nicht über Gebühr ausreizen und den folgenden Gästen ebenfalls die Chance geben, die Gangster im Eis zu besuchen. Daher gingen wir zurück zur Zodiac-Landestelle. Nicht jedoch ohne weitere Pinguine abzulichten …

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    Uns wurde übrigens mitgeteilt, dass die Adeliepinguine bald die Insel verlassen würden. Das Brutgeschäft für diese Saison war fast abgeschlossen, die Küken entsprechend entwickelt. Sie gehören zu den Pinguinen mit der kürzesten Brutsaison.

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    VG Sven

    03.02.25: Paulet Island (Antarktis): Gangster im Eis (Teil 2)

    Wer sich vielleicht fragt, warum steht in der Überschrift für den heutigen Tag „Gangster im Eis“?

    Zum einen wirken die Adeliepinguine mit ihrem weißen Augenring und den ansonst schwarzen Köpfen, insbesondere wenn sie in Gruppen daherkommen, wie kleine Mafiosi. Wir haben da ein Angebot, was ihr unmöglich ablehnen könnt! :D

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    Zum anderen verhalten sie sich tatsächlich wie Gangster. Beim Nestbau muss man ja nicht unbedingt mühsam in der Umgebung Steine sammeln. Nein, es ist doch viel einfacher, aus dem Nachbarnest ein paar Steine zu stehlen und diese im eigenen Nest zu benutzen! Es gab in der Vergangenheit wissenschaftliche Experimente: An den jeweils äußeren Ecken einer Adeliepinguin-Kolonie wurden die Steine von 4 Nestern eingefärbt: ein Nest rot, je eines blau, grün, gelb. Nach ein paar Tagen waren die bunten Steine in der gesamten Kolonie auf viele Nester verteilt. Nestbau schnell und leicht gemacht. Kleine Gangster im Frack halt ;)

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    Neben den erwachsenen Pinguinen sahen wir viele Jungtiere. Die Küken waren jetzt ca. 2 Monate alt. In diesem Alter beginnen sie in der Regel zu mausern und tauschen ihr Daunenkleid gegen das adulte, wasserdichte Federkleid ein. Einige Küken sind dabei weiter fortgeschritten als andere.

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    Dieses Küken hat sich bereits vollständig des Daunenkleids entledigt. Fehlt noch der weiße Augenring, der aber erst nach 14 Monaten entwickelt ist.


    An Kopf und Rücken befinden sich oft noch Restdaunen, da die Küken an diese Positionen schlecht herankommen. Deshalb sahen die Küken auch zum jetzigen Zeitpunkt teilweise sehr lustig aus. Es gab Punker, Rocker, Tiere mit Dauerwelle und manches Achselhaar. Niedlich :love:

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    Durch das Schneetreiben werden die Küken auch zugeschneit, in den Daunen bleiben die Schneeflocken, ob man jetzt will oder nicht, haften.

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    Viele Küken rennen im scharfen Sprint hinter den Elternvögeln her. Manch verzweifeltes Elternteil versucht, den fordernden Jungtieren zu entkommen. Die Küken werden ab einer gewissen Größe nicht mehr in dem Maße gefüttert, die Eltern müssen auch etwas für ihre eigene, alljährliche Mauser vorhalten. Meist endet die wilde Verfolgungsjagd damit, dass das Küken stürzt und dann langsam den Anschluss verliert, bevor das Spiel wieder von vorne beginnt.

    Ab und an, setzt sich aber auch mal ein Küken durch und bekommt die verlangte Nahrung zugeteilt.

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    Dem Treiben in der Adeliepinguin-Kolonie hätte man stundenlang zuschauen können. Da wir auch authentisches Antarktiswetter mit Wind und Schnee hatten, wirkte das alles wie bei den gesehenen TV-Dokumentationen: Tiere in unwirtlicher Gegend, teilweise vor Kälte bibbernd. Nur dass wir hier live dabei waren!

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    VG Sven

    03.02.25: Paulet Island (Antarktis): Gangster im Eis (Teil 1)

    Angekommen am felsigen Strand wurden wir von lautem Getröte der unzähligen Adeliepinguine begrüßt.

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    Die Pinguine bewegten sich gefühlt leichtfüßig über das unwegsame Gelände.

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    Und damit viel eleganter als wir ^^ Der felsige Untergrund, garniert mit etwas Eis und frischen Schnee und nicht zu vergessen der vierten Zutat, jeder Menge Pinguin-Guano, stellte ein fragiles Geläuf dar. Man musste sich schon sehr vorsichtig fortbewegen, man wollte ja zum einen nicht in die Schei… fallen, zum anderen sich auf dem harten Untergrund bei einem Sturz nicht verletzen. Also watschelten und rutschten wir Gäste auch ähnlich den Pinguinen über den Strand. Wobei die Pinguine deutlich schneller waren …

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    In der Kolonie herrschte ein reger Betrieb. Erwachsene Adeliepinguine watschelten von den Brutplätzen zum Meer, um auf Beutezug zu gehen. Oder nahmen den umgekehrten Weg, um nach erfolgreicher Jagd in die Kolonie zurückzukehren und ihre Jungtiere zu versorgen.

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    Da läuft der Sabber :D - Jungtiere haben übrigens noch keinen Augenring, auch keinen halben. Das, was man hier sieht, ist das Weiße in den Augen …


    Man konnte hier durchaus Unterschiede zu unserem bisherigen Kontakt mit anderen Pinguinarten ausmachen. Bei den Felsenpinguinen standen wir eher vor der Kolonie und haben das Treiben durch einen „Zaun“ von Tussockgras beobachtet. Bei den Königspinguinen waren wir mittendrin, aber standen nicht direkt in der großen Brutkolonie. Die Königspinguine bewegen sich auch eher langsam und erhaben und auf geordneten Bahnen. Hier jedoch wuselt alles wild umher, die Pinguine bewegen sich schneller, kreuzen die Wege der Menschen auf ihren Pinguin-Highways. Man muss als Gast hier viel mehr aufpassen, dass man die Pinguine nicht bei ihrem Tun stört. Es gilt ja: Pinguine haben immer Vorfahrt. Zumal wir uns hier ja viel näher an der Kolonie aufhielten. Ähnliches gilt dann auch für die mit den Adeliepinguinen verwandten Zügel- und Eselspinguine an den folgenden Tagen.

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    VG Sven

    03.02.25: Paulet Island (Antarktis): Wir sind im Winter angekommen …

    Wie gestern bereits angekündigt, klingelte der Wecker sehr früh. Pünktlich im 07:00 Uhr hatten wir Paulet Island im Weddellmeer erreicht und die Vorbereitungen für den Landgang waren bereits in vollem Gange.

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    Paulet Island ist eine kleine, fast kreisrunde Vulkaninsel mit ca. 2km Durchmesser. Sie befindet sich an der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel im südpolaren Weddellmeer. Die Insel besteht fast komplett aus erstarrter Lava., über der ein ca. 350m hoher Schlackenkegel mit einem kleinen Gipfelkrater aufragt. Die Insel ist geologisch sehr jung. Erdwärme sorgt dafür, dass große Teile der Insel das ganze Jahr über eisfrei bleiben. Man vermutet daher, dass der Vulkan in den letzten 1.000 Jahre aktiv gewesen sein muss.

    Paulet Island ist bekannt für 2 Dinge:

    Zum einen für die schwedische Antarktisexpedition unter Nordenskjöld. 1903 wurde das Expeditionsschiff „Antarctic“ vom Packeis zerquetscht, ca. 40km von Paulet Island entfernt. Die Männer machten sich daraufhin mit Schlitten und Gepäck auf und erreichten nach 16 Tagen beschwerlichen Marsches über das Packeis Paulet Island. Dort bauten sie sich eine Hütte aus Steinen, isoliert mit Pinguin-Guano, um den Winter zu überstehen. Nach ca. 10 Monaten wurden sie gerettet.

    Entdeckt wurde die Insel übrigens während einer britischen Expedition 1839-43 unter James Clark Ross. Dieser benannte die Insel nach einem Admiral der Royal Navy, nämlich Lord George Paulet.

    Zum zweiten befindet sich auf Paulet Island eine große Brutkolonie von Adeliepinguinen. Jenen Pinguinen, die wir am gestrigen Tag tausendfach auf Pinguin-Taxis und im Weddellmeer auf Jagd gesehen hatten. Ca. 100.000 Brutpaare leben auf Paulet Island. Weiterhin brüten auch zahlreiche Blauaugen-Kormorane sowie Dominikanermöwen und Schneesturmvögel auf der kleinen Insel.

    Obwohl wir uns auf der Südhalbkugel quasi im Hochsommer befanden, waren wir jetzt im Winter angekommen. Der Wind pfiff uns um die Ohren, die Wolken hingen tief und Schnee fiel vom Himmel. Wobei „fiel“ eigentlich der falsche Ausdruck ist. Durch den Wind vorangetrieben, sauste der Schnee fast waagerecht durch die Luft. Piksende Schneenadeln trafen unsere Gesichter.

    Auf den Außendecks hatte sich an der Seite sowie am Heck vor der Ocean Academy doch einiges an Schnee angesammelt.

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    Deck 9 (und wahrscheinlich auch der Nature Walk) waren morgens noch gesperrt, wegen Glätte und Rutschgefahr.

    In der Nähe der Insel konnten wir bereits die Pinguine hören und riechen. Bei den Königspinguinen und Felsenpinguinen hatten wir – zumindest gefühlt – nicht den typischen Pinguin-Geruch wahrnehmen können. Hier war das anders, es roch bereits aus großer Entfernung streng nach Pinguin. Kann natürlich damit zusammenhängen, dass Königspinguine auf Sand und im Gras brüten, während hier der Boden hart und gefroren ist, da zieht es nicht so schnell ein …

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    Da wir heute in der ersten Gruppe waren, und unsere Zodiac-Fahrt für 08:30 Uhr avisiert war, blieb keine Zeit für ein langes, ausgedehntes Frühstück. Aber für ein bisschen Nahrungsaufnahme reichte es trotzdem aus …


    VG Sven

    meinschiff2712

    Danke für die Aufklärung. Dann ist es tatsächlich so, dass im Katalog bzw. der Reisebeschreibung das Ganze "geschönt" beschrieben wird.

    Mir war auch eigentlich klar, dass man Südgeorgien nach Süd-Shetland nicht mit einem reinen Seetag schaffen kann. Nur warum Süd-Orkney nicht angelaufen wurde, kann ich nicht sagen. Da wurde bei uns nichts kommuniziert.

    Es kann aber sein, dass das nie geplant war und der Schwerpunkt bei unserer Reise halt woanders lag.

    ich habe ja gesehen: Manche Reisen haben Südpolarkreis intensiv, manche Weddellmeer intensiv usw. Da werden halt unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Bei uns war es glaube ich ohne solchen Schwerpunkt ...


    VG Sven

    02.02.25: Kreuzen im Weddellmeer (Antarktis): Nachmittägliche Tierbeobachtungen (Teil 7)

    Für den Rest des Nachmittags erfreuten wir uns weiterhin an der wunderschönen Natur und den vielen Tieren.

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    Zahlreiche Buckelwale kreuzten nach wie vor unseren Weg. Mal weiter entfernt,

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    mal näher.

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    Hunderte, wenn nicht Tausende Pinguine standen auf den zahlreichen Pinguin-Taxis, flohen von diesen, wenn sich unser Schiff näherte, schwammen und sprangen in großer Zahl vor dem Schiff oder neben dem Schiff umher.

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    Buckelwale und Pinguine fraßen in direkter Nachbarschaft.

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    Und nicht zu vergessen auch die zahlreichen Eisberge und Eisschollen, die im Weddellmeer trieben.

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    Ein toller, beeindruckender Tag, den wir heute hier erlebt hatten.

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    Je weiter die Zeit fortschritt, wurde es an Deck aber auch immer frischer. Der Wind nahm zu, die Temperatur ab. Wir verlagerten unser Tun mal so langsam ins Innere. Schließlich hatten wir mehr oder weniger den gesamten Tag draußen in der Kälte verbracht, irgendwann musste man sich mal aufwärmen.

    Um 17:00 Uhr stand im HanseAtrium „Cruise Talk – Eine Reise um die Welt an“. Es wurden besondere Reisen und Reiseziele mit Hapag-Lloyd Cruises vorgestellt. Klar, da ist einiges dabei, was man sich vorstellen könnte. Aber Budget und auch Urlaub geben das nicht unbedingt her. Aber vielleicht ja in ein paar Jahren …

    Zum Abendessen stand heute „Köche-Dinner“ auf dem Programm, sowohl im Hanseatic-Restaurant als auch im Lido. Verschiedene Köche hatten einzelne Gänge, teilweise inspiriert von ihrer Nationalität, gezaubert. Wie fast immer, nahmen wir diese im Lido ein. Es war sehr lecker.

    Unterbrochen wurde das Abendessen von einer Durchsage. Es wurde eine Schule Großer Schwertwale – bekannt als Orcas – gesichtet. Also mal kurz Essen, Essen sein lassen und nach den Tieren schauen.

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    Leider zogen die Orcas ziemlich schnell in entgegengesetzter Richtung vorbei. Sie waren mehr oder weniger nur auf Durchreise. Daher konnte man sie auch nur kurz verfolgen. Und wir hatten beim Essen auch nicht die Kamera mit dem großen Objektiv dabei.

    Nach dem Abendessen gab es noch einen letzten Programm-Punkt für uns: „Köche-Dinner-Digestif“. Bei einem (oder zwei) Digestif(en) ließen wir den Abend ausklingen. Die Köche, die heute Abend die Gänge gestaltet hatten, stellten sich und ihre Gänge vor.

    Danach ging es aber direkt auf die Kabine und ins Bett. Morgen früh um 07:00 Uhr sollten wir laut Plan bereits Paulet Island erreichen und die ersten Zodiacs kurz darauf starten …

    Unsere Tiersichtungen an diesem Tag:
    • Buckelwal
    • Großer Schwertwal (Orca)
    • Adeliepinguin
    • Eselspinguin
    • Kapsturmvogel
    • Südlicher Riesensturmvogel

    VG Sven


    PS: Auch wenn es mehr oder weniger nur ein Seetag war und ich die letzten Tage ja viel über Seetage „gemeckert“ habe, dieser Seetag war anders. Beeindruckende Landschaften, Eisberge und erst die Tierwelt! Tausende Pinguine auf Schollen und im Wasser, dazu Dutzende Buckelwale! Viel mehr geht nicht :thumbup: Man kann hier zwar die Fotos sehen, aber live dabei ist dann nochmal eine andere Hausnummer!!! Auch die Akustik – Walgesänge und das Tröten der Pinguine – all das gehört auch dazu. Und rundherum tolles, unvergessliches Erlebnis, was wir an diesem Tag erleben durften. Dazu die sehr nahen Buckelwale an unserem Balkon. Und das alles, ohne an Land gewesen zu sein! :)

    Es war im Übrigen auch der Tag, an dem wir mit Abstand die meisten Fotos geschossen hatten, …

    02.02.25: Kreuzen im Weddellmeer (Antarktis): Wir stecken im Eis fest (Teil 6)

    Am Nachmittag gelangten wir in ein größeres Packeis-Feld. Die HANSEATIC nature bahnte sich sicher ihren Weg durch das Eis. Brücke und Expeditionsteam hatten beratschlagt und schließlich wurde eine überraschende Zodiac-Rundfahrt hier im Packeis-Feld angekündigt. Hätten wir jetzt gar nicht gebraucht ob der unvergleichlichen Beobachtungen am heutigen Tag bisher. Aber gut, nehmen wir natürlich trotzdem mit!

    Der Kapitän rammte das Schiff – natürlich planmäßig - in eine der großen Eisschollen und parkte das Schiff dort. Wir steckten fest und drifteten mit dem Eis …

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    Die Zodiacs wurden ins Wasser gelassen und die Cruise wurde vorbereitet. Aber es schien, dass man die Strömung im Fridtjof Sound doch etwas unterschätzt hatte. Die Zodiacs, die HANSEATIC nature in der Scholle, die kleinen und großen Eisschollen um uns herum, alles war in Bewegung. Und so dauerte es nicht lange, bis die ersten Zodiacs vom Eis eingeschlossen waren. Es ging sogar so weit, dass ein Zodiac von zwei Schollen angehoben wurde und dann auf der Eisscholle auflag.

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    Zum Glück waren zu diesem Zeitpunkt noch keine Gäste in den Zodiacs. Mit vereinten Kräften wurde eine Bergung versucht. Die HANSEATIC nature setzte durch gezieltes Rammen weitere Eisschollen in Bewegung, Zodiacs erreichten das havarierte Zodiac und schleppten dieses letztendlich erfolgreich ab. Der Motor war hin, es gab aber wohl genügend Ersatz an Bord.

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    Am Ende kamen alle Beteiligten mit dem Schrecken davon, die geplante Zodiac-Rundfahrt wurde aber natürlich nicht mehr durchgeführt. Sicherheit geht immer vor!

    Waren für uns die großen Eisschollen eher hinderlich gewesen, wurden sie von anderen intensiv genutzt ;)

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    VG Sven

    02.02.25: Kreuzen im Weddellmeer (Antarktis): Das Meer kocht (Teil 5)

    Nachdem wir den gesamten Vormittag auf dem Außendeck verbracht hatten, wurde es Zeit für eine kleine Aufwärmung sowie einen Imbiss. Die Lufttemperaturen lagen immerhin knapp unter 0 Grad (so ca. -1 Grad Cesius bei 3 Bft Wind). Deshalb gingen wir auch kurz auf die Kabine.

    Beim Gang auf den Balkon bot sich eine unvergleichliche, nicht erwartbare Begebenheit: Mehrere Buckelwale – größere wie kleinere, insgesamt waren es 4 Tiere – schwammen direkt in unsere Richtung. Drehten dann ab und schwammen weiter am Schiff entlang.

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    So ca. 5m von uns entfernt, riesige Tiere. Und dann auch noch mit Walgesang. Mit nichts zu vergleichen, was wir diesbezüglich bisher erlebt hatten! :love::thumbup:

    Etwas weiter weg begann dann ein weiterer Wal noch mit seiner Fluke wiederholt auf das Wasser zu schlagen. Was immer er oder sie uns damit sagen wollte.

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    Das Ganze war insgesamt so beeindruckend, dass wir einfach nur die Szenerie genossen. Für Fotos hatten wir die falsche Kamera in der Hand – die Buckelwale waren einfach zu nah! UNVERGESSLICH :)

    Nach einem kurzen Mittagsimbiss ging es auch sofort wieder zurück aufs Außendeck. Nicht, dass man was verpasst.

    Wir genossen weiterhin die Passage durch den Fridtjof Sound. Man wusste gar nicht, wo man zuerst hinschauen sollte. Wale? Pinguine? Eisberge? Landschaft? Alles unglaublich schön …

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    Adeliepinguine schwammen und tobten im Meer,

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    ruhten sich auf Pinguin-Taxis aus oder sprangen von diesen herunter

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    oder erklommen mit einem kühnen Sprung ein ebensolches Pinguin-Taxi.

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    Wenn es mal schneller gehen sollte, ging es ab auf den Bauch und mit den Beinen wurde angeschoben. So kommt ein Pinguin auf den Schollen doch gleich viel schneller vorwärts.

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    VG Sven

    02.02.25: Kreuzen im Weddellmeer (Antarktis): Das Meer kocht (Teil 4)

    Wir sahen eine unglaubliche Anzahl von Pinguinen um uns herum. Tausende Adeliepinguine schwammen oder sprangen im Wasser auf der Suche nach Nahrung.

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    Es sah aus, als ob das Meer kochen würde vor Tieren! Dieser Ausspruch stammt übrigens nicht von mir, sondern vom Expeditionsleiter während der Durchsagen.

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    Zwischen den Pinguinen waren Dutzende Buckelwale unterwegs, die ebenfalls am großen Fressen teilhaben wollten.

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    Pinguine und Wale vereint bei der Aufnahme von Krill und kleinen Fischen. Das Meer schien hier besonders nahrhaft zu sein, der Tisch war reich gedeckt.

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    Buckelwale gehören zu den Bartenwalen. Sie werden bis 18m lang, bei einem Gewicht von 30t. Im Unterschied zu anderen Furchenwalen ist der Körper sehr kräftig ausgebildet. Die Brustflossen sind wesentlich größer als bei anderen Walarten, sie erreicht fast ein Drittel der Körperlänge. Die Rückenfinne ist dagegen winzig. Die Fluke ist dagegen wieder sehr groß. Auf dem Körper (inkl. Brustflossen) befindet sich häufig Narbengewebe in Form weißer Flecken, dieses kommt durch den Befall mit Seepocken zustande. Buckelwale leben in allen Ozeanen, Sommerquartiere liegen in der Arktis/Antarktis, die Winterquartiere in tropischen/subtropischen Regionen. Man geht davon aus, dass Buckelwale bei ihren Wanderungen zwischen Sommer- und Winterquartier den Äquator nicht überqueren.

    Bekannt sind Buckelwale durch ihren ausgeprägten Walgesang sowie ihrer Lebhaftigkeit. Charakteristisch für ihr Verhalten ist das Zeigen der Fluke vor dem Abtauchen. Der Bestand der Buckelwale ging durch die intensive Bejagung weltweit bedrohlich zurück. Seit 1966 steht der Buckelwal unter weltweitem Artenschutz. Inzwischen hat sich der Bestand zum Glück wieder erholt.

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    Normalerweise leben Buckelwale überwiegend allein oder in kleinen Gruppen von 2-9 Tieren. Hier im Fridtjof Sound kamen die Tiere aber durchaus in größerer Menge zusammen. Das Festbuffet war wohl für die Tiere zu verlockend!

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    Alleine auf diesem Foto sind 7-8 Wale zu sehen!


    Immer wieder schossen Blasfontänen zwischen den Massen an Pinguinen in die Höhe.

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    Wir beobachteten die eine oder andere imposante Fluke, die kurz vor dem Abtauchen gezeigt wurde.

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    Außerdem waren immer wieder die Walgesänge zwischen den Tieren deutlich zu hören. Dieses Mal also nicht nur das Schnaufen beim Blasen, sondern richtige Kommunikation. Ein wunderbares Gefühl, das hören zu können!!! Die eine oder andere Freudenträne wurde verdrückt …


    VG Sven

    02.02.25: Kreuzen im Weddellmeer (Antarktis): Pinguin-Taxis im Fridtjof Sound (Teil 3)

    Massen dieser Adeliepinguine machten es sich auf den Eisschollen hier im Weddellmeer gemütlich.

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    Wenn das Schiff dann näherkommt und ein paar der Pinguine die Nerven verlieren – sprich sie rennen über die Scholle und springen ins Wasser – kommen bald alle Pinguine auf so einem Taxi nach.

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    Noch ist alles ruhig auf der Scholle, …

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    … doch die ersten verlieren die Nerven und rennen zum Meer, alles ist in Aufruhr …

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    … inzwischen stürzen alle zum Rand der Scholle …

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    … und von dort ins Meer …

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    … immer mehr Pinguine verschwinden im Meer …


    Nach Sekunden hat sich die Scholle geleert.

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    Auf vielen der Fotos konnten wir zuhause erkennen, dass sich auch ein paar Eselspinguine „eingeschlichen“ haben. Eine große Gruppe von Adeliepinguinen und oft ein einziger Eselspinguin dazu auf der Scholle.

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    Viele Adeliepinguine und ein Eselspinguin (ganz vorne an der Scholle, mittig im Bild)


    Immer nur einer! :/ Handelte es sich um einen Kundschafter auf feindlichem Terrain? Wollte man mit den Adeliepinguinen anbandeln? Waren die Eselspinguine verwirrt und hielten sich für Adeliepinguine?

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    Ein Eselspinguin unter vielen Adeliepinguinen. Wer findet ihn? Kleiner Tipp: Vorne auf der Scholle links …


    Oder war es nur Zufall? Wir werden es wohl nie erfahren …

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    Ein Eselspinguin (oben, mittig) unter Adeliepinguinen


    VG Sven

    02.02.25: Kreuzen im Weddellmeer (Antarktis): Pinguin-Taxis im Fridtjof Sound (Teil 2)

    Vom Antarctic Sound ging es in den kleineren Fridtjof Sound. Dieser ist nur etwa 3km breit. Hier herrscht oft eine starke Gezeitenströmung, die sich durch die Vielzahl von Eisbergen zwängt.

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    Jetzt konnten auch wir die ersten, sogenannten Pinguin-Taxis sehen.

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    Auf meist größeren Eisschollen stehen oder liegen Pinguine. Sie lassen sich von diesen Eisschollen treiben und sparen so Kräfte während der kräftezehrenden Jagd nach Nahrung. Es gab Eisschollen mit kleinen Gruppen von Pinguinen, Eisschollen mit Einzelbuchung, Eisschollen mit Massen an Pinguinen.

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    Vor allem Adeliepinguine stehen wie kleine Zinnsoldaten auf den Eisschollen.

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    Einige liegen auch auf dem Bauch oder bewegen sich bäuchlings vorwärts.

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    Adeliepinguine gehören, wie die gestern gesehenen Zügelpinguine, zu den Langschwanzpinguinen. Sie tragen ein elegantes, einheitlich schwarz-weißes Gefieder. Charakteristisch ist der weiße Ring um die Augen, der aus feinen, weißen Federn besteht. Der Kopf ist ansonsten komplett schwarz. Uhre Größe beträgt ca. 70cm bei 5kg Gewicht. Benannt wurden die Adeliepinguine nach der Frau des Polarforschers Jules Dumont d’Urville. Warum auch immer. War sie besonders schön, und man wollte die schönen Tiere nach ihr benennen? War sie tollpatschig? …

    Zusammen mit den Kaiserpinguinen brüten die Adeliepinguine am südlichsten von allen Pinguin-Arten. Adeliepinguine brüten in großen Kolonien auf felsigen Inseln, Halbinseln oder Küstenabschnitten. Die Weibchen legen ihre Eier in die aus zusammengehäuften Steinen bestehenden Nester. Das Brutgeschäft wird komplett von den Männchen übernommen, die Weibchen sind in dieser Zeit auf Futtersuche. Nachdem die Küken geschlüpft sind, erfolgt die Aufzucht abwechselnd durch beide Elternteile. Im Alter von 2-3 Wochen schließen sich die Jungtiere zu Kindergärten zusammen, beide Eltern sind dann auf Futtersuche. Jungtiere haben noch keinen weißen Augenring. Der Bestand der Adeliepinguine wird als ungefährdet eingestuft, 2014 wurde der Bestand auf ca. 7,5 Mio. Brutvögel geschätzt.

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    Ein einsamer Adeliepinguin im weiten, weißen Nichts …

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    … entschließt sich, dass die Einsamkeit doch nichts ist …

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    … und begibt sich langsam zum Meer …

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    … stößt ich kräftig ab und verschwindet im Meer …


    VG Sven

    02.02.25: Kreuzen im Weddellmeer (Antarktis): Eisberge im Antarctic Sound (Teil 1)

    Den heutigen Tag verbrachten wir im Weddellmeer. Im Tagesprogramm stand: „Heute steht der Tag ganz im Zeichen der Expedition. Wir kreuzen im Weddellmeer. Genießen Sie die einzigartige Szenerie auf dem Nature Walk oder den Außendecks und nehmen Sie Ihr Fernglas mit. Alle eventuell möglichen Aktivitäten werden wir per Durchsage kommunizieren, da vieles von den Wetterbedingungen abhängen wird. Achten Sie bitte auf unsere Durchsagen und genießen Sie einen ganz besonderen Tag im Weddellmeer.“

    Ein Expeditionstag im Weddellmeer also. Auf unserer Arktis-Reise 2022 hatten wir auch einen solchen Expeditionstag auf See gehabt, daher wussten wir bereits ungefähr, was auf uns zukommt. Man steht fast den gesamten Tag auf den Außenbereichen des Schiffes und genießt die Szenerie dort draußen und schießt das eine oder andere Foto, während das Schiff dahingleitet. Eigentlich ein Seetag – oder sollte ich lieber sagen „Sehtag“ – ohne Anlandung, aber trotzdem ganz anders und meist wunderschön. OK, nicht im Tagesprogramm aufgelistete Aktivitäten (z.B. Anlandungen oder Zodiac-Cruises) wurden zwar nicht ausgeschlossen, aber gehen wir mal nicht davon aus …

    Das Weddellmeer ist das größte der 14 Randmeere des Südlichen Ozeans am antarktischen Kontinent. Seine Grenzen sind klar definiert: Im Osten die Küste von Coatsland, im Westen von Grahamland, im Norden durch den Atlantisch-Indischen Rücken, einem unterseeischen Gebirgszug, und im Süden durch das Filchner-Ronne-Schelfeis. Die Fläche beträgt ca. 2,8 Mio. km2, die max. Breite 2.150km ungefähr auf der Höhe von Elephant Island. Es ist zwischen 500 und 5.000m tief. Der westliche Teil des Meeres ist bis auf die Höhe von Elephant Island ständig von Packeis bedeckt, im übrigen Teil des Weddellmeeres geht die Eisbedeckung im Sommer für ca. 3 Monate zurück.

    Namensgeber für das Weddellmeer ist der britische Segler James Weddell, der 1823 bis zum 74. Breitengrad Süd in diese nahezu unschiffbare Bucht eindrang.

    Weitere bekannte Expeditionen im Weddellmeer:

    • 1902-04: William Spears Bruce erforscht und vermisst das Weddellmeer.
    • 1901-04: Die schwedische Nordenskjöld Expedition. Die vom Packeis eingeschlossene „Antarctic“ sank 1903, die komplette Besatzung erreichte nach einem 16-tätigen Marsch über das Eis Paulet Island und überwinterte dort in selbst gebauten Steinhütten, wo sie nach 10 Monaten gerettet wurden.
    • 1916: Shackleton-Endurance-Expedition. Darüber hatte ich bereits ausführlich berichtet. Die „Endurance“ wurde vom Packeis eingeschlossen und sank später. 2022 wurde das Wrack in einer Tiefe von 3.008m auf dem Meeresgrund entdeckt.
    • 1910-12: Deutsche Südpolarexpedition. Wilhelm Filchner wollte mit dem Schiff „Deutschland“ so weit wie möglich nach Süden vorstoßen und denn per Schlitten zum Südpol vordringen. 1912 fror das Schiff im Packeis fest und driftete 9 Monate im Uhrzeigersinn durch das Weddellmeer. Dadurch entdeckte man die hier vorherrschenden Strömungsverhältnisse.
    • Seit 1983: Die „Polarstern“ betreibt Polare Klima- und Meeresforschung auf jährlichen Expeditionen.

    Und nun waren wir hier auf Expedition. Wobei man unsere „Expedition“ natürlich nicht mit den richtigen Expeditionen der Forscher aus der Geschichte vergleichen kann. Und hoffentlich werden wir nicht vom Packeis eingeschlossen. Ich habe aber durchaus die Vermutung, dass das bei uns nicht der Fall sein wird …

    Da wir möglichst wenig verpassen wollten, standen wir an diesem Seetag, äh Sehtag, relativ zeitig auf, um nach einem schönen Frühstück für das Kommende bereit zu sein.

    Also warm anziehen, Fotoausrüstung packen und dann rauf auf die Außendecks. Wir bevorzugen die Sicht von oben (Deck 9). Auf dem Nature Walk (Deck 6) ist man zwar viel näher am Wasser dran, hat aber nur den Blick nach vorne und ein bisschen zur Seite. Von oben hat man fast den Rundumblick (wenn man ans Heck möchte, muss man runter auf Deck 8). Man hat einfach mehr Überblick. Und die Menschen verteilen sich besser, da mehr Fläche. Daher waren wir meistens dort – auch wenn der Nature Walk an sich eine feine Sache ist.

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    Wir befanden uns im Antarctic Sound, einer Meerenge zwischen der Antarktischen Halbinsel und den Joinville-Inseln. Sie wurde 1902 während der schwedischen Antarktisexpedition unter Otto Nordenskjöld entdeckt. Benannt ist sie nicht nach dem Antarktischen Kontinent, sondern nach seinem Schiff, der „Antarctic“. Dummerweise hatte dieses Schiff diesen für Benennungen nicht gerade attraktiven Namen. Die Antarktis gab es ja bereits, und man kann ja nicht einfach alles Antarctic nennen. Aber für den Antarctic Sound hat es gereicht – nur würde man wahrscheinlich bei diesem Namen nicht unbedingt darauf schließen, dass es nach einem Schiff benannt wurde.

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    In der Meerenge befinden sich häufig treibende Eisberge, v.a. Tafeleisberge. Diese konnten wir bereits seit den Morgenstunden erspähen.

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    Die Eisgiganten präsentieren sich in den unterschiedlichsten Formen. Die ständige Brandung nagt kontinuierlich am Eis, es bilden sich tiefe Einschnitte und auch Eishöhlen. Auch Lagunen und Unterwasserplateaus konnten wir ausmachen.

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    Dank dem bewölkten Himmel waren die unterschiedlichen Blautöne an den Eisbergen sehr schön wahrnehmbar.

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    Das eine oder andere, kleine Pinguin-Taxi wurde ebenfalls passiert. Allerdings waren wir bei diesen Ansagen noch nicht an Deck und verpassten diese. Das würde sich doch hoffentlich nicht rächen?


    VG Sven

    01.02.25: Point Wild (Süd-Shetland-Inseln) - Zodiacs im Nebel vor schroffer Kulisse (Teil 2)

    Auf den Felsen an Point Wild befindet sich eine große Kolonie von Zügelpinguinen.

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    Diese trotzen den Bedingungen, die hier größtenteils herrschen. Die Brandung unten an den Felsen ist schon mächtig.

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    Und dann müssen sie auch noch die steilen und schroffen Felsen irgendwie hinauf. Man sieht ja keine Treppe oder ähnliches.

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    Es ist erstaunlich wie die Tiere so hoch auf die Felsen und Berge gelangen, sie können ja bekanntlich nicht fliegen.

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    Zügelpinguine gehören zu den Langschwanzpinguinen und sind mit dem Adelie- und Eselspinguin verwandt. Charakteristisch ist der schmale, schwarze Streifen, der sich vom Hinterkopf über die Kehle zieht. Zusammen mit dem schwarzen Kopf sieht es so aus, als ob der Pinguin eine Mütze mit Kinnriemen trägt, ähnlich den englischen Bobbies. Daher auch der engl. Name Chinstrap Penguin. Man schätze den Bestand auf etwas 7,5 Mio. Brutpaare, sie kommen v.a. auf den Süd-Shetland-, den Süd-Orkney- sowie den Süd-Sandwich-Inseln vor. Die Körpergröße beträgt ca. 75cm bei einem Gewicht von 5kg. Während der Brutzeit im Sommer werden meist 2 Eier gelegt und auch ausgebrütet. Beide Elternteile wechseln sich bei Brut und Aufzucht der Jungtiere ab. Für ihre Nester werden eisfreie Küstenabschnitte bevorzugt, gerne an etwas steileren Felsen – so wie es hier der Fall ist. Zu den Feinden gehört der Seeleopard sowie – wie bei allen Pinguinen – die Raubmöwen und der Riesensturmvogel.

    Wir konnten die Zügelpinguine intensiv bei ihrem Tagwerk vom Zodiac aus beobachten, wir waren nahe genug an den Felsen dran.

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    Zügelpinguine sprangen die Felsen hinunter, um auf Fischfang zu gehen. Andere nutzten die Brandung, um von den Wellen an Land gespült zu werden und begannen dann den beschwerlichen Aufstieg.

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    Erstaunlich, wie diese Tiere auf den Felsen sich bewegen, da gibt es schmale Grate, auf denen sie trittsicher in großer Höhe wandeln. Rutschige Steine, auf denen man laufen muss. Faszinierend!

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    Jungtiere haben wir unten auf den Felsen keine gesehen, hier halten sich nur die Pinguine auf, die zur Jagd gehen, von dort kommen und sich ausruhen. Die Jungtiere sind in den Nestern, die sich hoch oben auf den Felsen befinden.

    Die Statue für Luis Pardo, der 1916 mit dem Dampfschiff Yelcho die 22 Männer um Frank Wild, von Elephant Island rettete, befindet sich direkt am Wasser auf Point Wild.

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    Das ist auch der Platz, an dem die Männer mehrere Monate auf Rettung ausharrten – auf kleinstem Raum.

    Neben den Zügelpinguinen befanden sich auch vereinzelte Seebären an Land und im Wasser um Point Wild. Außerdem konnten wir Riesensturmvögel, Kapsturmvögel sowie Weißgesicht-Scheidenschnäbel um die Zügelpinguin-Kolonie herum sehen.

    Nach intensiver Betrachtung der Natur um Point Wild sowie der Tiere, die hier leben, fuhren wir zurück Richtung Schiff.

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    Da die HANSEATIC nature inzwischen heller beleuchtet war, konnte man sie jetzt auch gut erkennen.

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    Damit endete auch unser abendlicher Besuch an diesem geschichtsträchtigen Ort. Schön, dass es mit der Zodiac-Fahrt doch geklappt hat. Auch wenn man im Nebel nicht immer alles genau erkannt hat. Dafür gaben die vorherrschenden Wetterbedingungen dem Ganzen ein mystisches Flair.

    Da es auch schon am Abend war und wir bereits gegessen hatten, ging der Tag für uns auch mehr oder weniger dem Ende zu. Von der Fahrt doch etwas durchgefroren zog es uns eher auf die Kabine Richtung Bett als in die Bar bei einem kühlen Cocktail. Zumal es am nächsten Tag auch wieder zeitig raus gehen sollte …

    Unsere Tiersichtungen an diesem Tag:
    • Antarktischer Seebär (Pelzrobbe)
    • Zügelpinguin
    • Kapsturmvogel
    • Weißgesicht-Scheidenschnabel
    • Südlicher Riesensturmvogel
    • Küstenseeschwalbe

    VG Sven

    01.02.25: Point Wild (Süd-Shetland-Inseln) - Zodiacs im Nebel vor schroffer Kulisse (Teil 1)

    Und tatsächlich wurde grünes Licht für die Zodiac-Rundfahrt gegeben. Wir waren gegen 19:30 Uhr in der 2. Gruppe dran. Daher gab es für uns ein schnelles Abendessen im Lido, bevor wir in die Zodiacs stiegen. Eine rund 90-minütige Zodiac-Rundfahrt begann.

    Auch heute stand in unserem Zodiac der Kapitän persönlich am Steuer, dieses Mal hatte Steffie ihn auch erkannt. ^^ Bei bestem Antarktischen Wetter – sprich: Schnee, Regen, ein bisschen Seegang und Nebel - ging es los …

    Der Nebel wechselte fast minütlich, mal war es weniger, mal mehr – reine Glückssache, ob man dann auch gute Sicht hatte oder keine.

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    Der erste Weg führte die Gruppe von Zodiacs in Richtung der Gletscherzunge.

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    Im Größenvergleich Zodiac zu Gletscher mag man erahnen, welche Ausmaße der Gletscher hat. Ab und an lösten sich Eismassen vom Gletscher. Aufgrund der dann entstehenden Wellen ist es sicherer, sich nicht zu nah am Gletscher aufzuhalten. Ich denke aber, unser Kapitän wusste schon, was er tat.

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    Weiter führte die Fahrt entlang der schroffen Felsen. Aufgrund des Nebels eine wahrhaft mystische Fahrt.

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    Unterwegs musste der Kapitän eine Durchsage an seinen Staff-Kapitän machen, dass er doch mal die Lichter am großen Schiff anmachen solle, man könne ja kaum was erkennen in der Nebelsuppe 8|

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    Im kleinen Zodiac hatten wir mit durchaus mit etwas Wellengang zu kämpfen, es war bei weitem nicht spiegelglatt. Deshalb war es auch schwierig bei der Schaukelei schöne Fotos zu machen. Die großen Teleobjektive machen bei so einer Fahrt keinen richtigen Sinn, zumal es auch regnete und schneite. Daher entstanden alle Fotos während der Fahrt mit einem normalen Objektiv oder dem Handy, Tiere in Nahaufnahme findet man leider keine.

    Auf dem Wasser befanden sich immer wieder zahlreiche kleine Eisschollen oder auch frisches Meereis. Fuhr das Zodiac da rüber, gab es immer ein besonderes Gefühl, man wird so schön durchgeschüttelt.

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    VG Sven

    01.02.25: Nochmal fast ein ganzer Seetag auf dem Weg in die Antarktis

    Obwohl unser Ziel, Elephant Island, eigentlich bereits in greifbarer Nähe lag, verbrachten wir noch fast einen weiteren kompletten Tag auf See. Erst für 18:00 Uhr war die Ankunft an Point Wild vorgesehen. Um dieses Ziel nicht zu gefährden, dümpelte das Schiff mehr oder weniger mit niedriger einstelliger Knoten-Zahl dahin.

    Warum auch immer. Man hätte ja ein wenig früher dort anlanden können, wenn man schneller bzw. mit normaler Geschwindigkeit gefahren wäre. Und die Bekundungen, dass wir durch unsere frühere Abfahrt aus Südgeorgien einen Tag im Weddellmeer gewinnen würden, klang auch wie Hohn. Statt einem Seetag hatten wir jetzt 3, was man da gewinnt, war zumindest nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Frust breitete sich aus. Zusätzlich kam noch hinzu, dass das Wetter jetzt auch nicht so doll war. Vielleicht hat hier nur etwas bessere Kommunikation gefehlt, wir waren ja nicht die Einzigen, die das nicht verstanden. Es gab sicher genug Gründe, warum man halt nicht schon am Vormittag Point Wild anläuft – weil z.B. bereits ein anderes Schiff dort gemeldet war. Egal, wir sind weder Kapitän noch Expeditionsteam, die werden schon wissen, was sie tun …

    Also weiterhin Seetag. Seetage heißen: etwas länger ausschlafen und Vorträge. Aufgrund der Crew-Sicherheitsübung begannen diese nicht schon um 10:00, sondern erst um 11:30 Uhr. Aber immerhin mit dem Thema Biologie. Nach Robben und Pinguinen behandelten wir heute das Thema Wale. Die allseits beliebten Meeressäuger sorgen auf Kreuzfahrten ja immer wieder für eine Flut an Fotos und Videos, wenn eine Gruppe von ihnen oder einzelne Exemplare gesichtet werden. Aufgrund ihrer teils gigantischen Ausmaße immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis, dass wir auch auf dieser Fahrt bereits teilen durften. Auch dieser Vortrag befasste sich mit der Systematik und Lebensweise der Tiere, mit Schwerpunkt auf die hier im Süden anzutreffenden Wale:

    • Unterordnung Bartenwale (haben Barten (Hornplatten im Kiefer) statt Zähne, dienen zum Filtern von Krill und kleinen Fischen, sind die größten Wale)
      • Familie Glattwale
        • Grönlandwal (dürfte schwer werden, den hier zu entdecken)
        • Atlantischer und Pazifischer Nordkaper (leben ebenfalls in den kälteren Regionen der Nordhalbkugel)
        • Südkaper (den kann man in der Antarktis antreffen)
      • Familie Furchenwale
        • Blauwal (der größte Wal auf Erden – bis 33m und 200t schwer, der Jackpot, den zu sehen)
        • Finnwal (bis 27m und 70t – hatten wir rund um die Shag Rocks gesehen)
        • Seiwal (bis 20m und 45t – hatten wir um die Falklandinseln gesehen)
        • Buckelwal (bis 15m und 30t - hatten wir rund um die Shag Rocks sowie in der Arktis und um Island gesehen, wir hofften aber noch auf weitere Begegnungen)
        • Südlicher Zwergwal (bei 11m und 9t kann man ja nicht wirklich von einem Zwerg sprechen)
      • Familie Grauwale
    • Unterordnung Zahnwale (besitzen Zähne und keine Barten, die sie zum Jagen von Fischen und kleineren Meeressäugern benutzen, deutlich kleiner als Bartenwale)
      • Familie Delfine
        • Viele Arten weltweit, für unser Fahrtgebiet sind die meisten jedoch nicht relevant
        • Commerson-Delfin (haben wir zwischen den Falklands gesehen)
        • Stundenglas-Delfin
        • Großer Schwertwal (Orca) (auf Island hatten wir das Vergnügen, einer Orca-Schule bei der Jagd nach Fischen zuzuschauen, wir hoffen auch hier noch auf weitere Begegnungen)
      • Familie Gründelwale
        • Narwal und Beluga (beide hatten wir in der Arktis sichten können)
      • Familie Schweinswale (nicht relevant für die Antarktis)
      • Familie Pottwale (nicht relevant für die Antarktis)
        • Pottwal (größer Zahnwal mit 20m und 50t, mit geschätzten 2.000.000 Exemplaren die größte Population unter den Walen)
      • Familie Schnabelwale und spezielle Fluss-Delfine (u.a. Amazonas-Flussdelfin) sind für unser Fahrtgebiet nicht relevant

    Wie man sieht eine breit gefächerte Spezies. Wir hofften, den Walbegegnungen bei den Shag Rocks sowie auf der Fahrt zwischen den Falklandinseln noch weitere Begegnungen mit den Meeressäugern hinzufügen zu können. Ein paar Tage dafür hatten wir ja noch …

    Nach dem Mittagessen stand um 15:00 Uhr ein weiterer Vortrag an: „Wenn mal nicht alles klappt – heldenhafte Rettungsaktionen“. Es wurden kuriose Geschichten aus der Antarktisforschung erzählt, schlechte Planungen und Zufälle führten zu abenteuerlichen Rettungsaktionen. Neben der bereits bekannten Shackleton Endurance-Expedition von 194-17 wurden weitere Expeditionen beleuchtet. Z.B. die Belgica-Expedition 1897-99 unter de Gerlache, die teilweise wirklich schlecht vorbereitet wurde, aber trotzdem neben dem grandiosen Scheitern auch einige erfolgreiche Entdeckungen durchführen konnte. Oder die schwedische Antarktisexpedition 1901-03 unter Nordenskjöld.


    Gegen 18:00 Uhr erreichten wir Elephant Island. Die Insel gehört zu den Süd-Shetland-Inseln, ist 47km lang und 27km breit bei einer Fläche von 558km2. Sie ist fast vollständig vergletschert und weist eine max. Höhe von 973m auf. Ihren Namen hat sie entweder vom Reichtum an See-Elefanten, der bei ihrer Erkundung entdeckt wurde, oder von ihrer Form. Diese erinnert nämlich an einen Elefanten-Kopf inkl. deutlichem Rüssel. Beide Varianten sind schlüssig, da scheiden sich die Geister.

    Schroffe Bergfelsen und die fast vollständige Vergletscherung machen die Anlandung auf der Insel nicht einfach. Lediglich ein kleiner Teil – Point Wild – ist halbwegs flach. Dort verbrachten die Männer der Endurance-Expedition unter Frank Wild mehrere Monate in unwirtlicher Umgebung und warteten auf Rettung durch Shackleton.

    Eine Anlandung ist aber auch hier nicht möglich. Abgesehen von der Brandung ist der Platz für eine Anlandung von 100 Personen einfach zu klein! Daher war eine Zodiac-Cruise an diesem historischen Punkt geplant.

    Leider spielte das Wetter nicht so richtig mit. Konnte man zu einem Zeitpunkt noch halbwegs Land erkennen,

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    sah es Minuten später schon ganz anders aus.

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    Dichte Nebelschwaden hatten uns bereits den gesamten Tag über begleitet. Dazu Regen und Schnee. Und besonders kritisch: Wellengang und Brandung, der Feind des Zodiacs. Zwar typisches Antarktiswetter, aber konnte die Cruise stattfinden? Das Expeditionsteam beriet sich. Würden wir tatsächlich eine Zodiac-Cruise unternehmen können oder würde dieser Tag als weiterer, kompletter Seetag in die Geschichte eingehen?

    Fortsetzung folgt …


    VG Sven

    31.01.25: Seetag auf dem Weg in die Antarktis

    Nach dem gestrigen ungeplanten Seetag folgte nun heute der geplante. Wir konnten endlich mal wieder halbwegs ausschlafen. Das Wetter hatte sich ein wenig beruhigt, der Wind bzw. Sturm hatte merklich nachgelassen. Etwas Seegang war immer noch vorhanden – auf einem großen Schiff wie der Mein Schiff hätte man wahrscheinlich nichts gemerkt, auf einem kleinen Schiff wie der HANSEATIC nature aber schon. Es war aber für uns kein Problem.

    Stand in Südgeorgien mehr die Tierwelt im Vordergrund, würde es morgen eher historisch werden. Das heißt natürlich nicht, dass es dort, wo wir morgen sein werden, keine Tiere gibt.

    Zur Einstimmung auf das Kommende waren auch die Vorträge am heutigen und morgigen Tag zu verstehen. Los ging es um 10:00 Uhr mit „Last Action Heroes – Erforschung und Entdeckung der Antarktischen Halbinsel“. Wir hörten Geschichten über die heldenhaften Entdecker der Vergangenheit (v.a. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts) sowie über die Forschungen in der Moderne und die heutigen großen Stationen, die sich in der Antarktis befinden. Welche großen Entdecker gab es hier, mit welchen Unwägbarkeiten hatten sie zu kämpfen, was haben sie erforscht? Auf eine spezielle Expedition der Historie werde ich später noch eingehen.

    Im Anschluss ging es meteorologisch weiter. „Wetter, Unwetter oder Klimawandel?“ brachte uns die Begriffe der Meteorologie näher. Was ist Wetter? Was ist Klima? Usw.

    Dann war erstmal Mittag sowie ein bisschen relaxen angesagt.

    Wer sich übrigens gefragt hat, woher ich die ganzen Tiernamen unter den Fotos weiß: Am Nachmittag begaben Steffie und ich uns in die Ocean Academy. Neben den dort befindlichen Mikroskopen und Multimedia-Plätzen und -Panels gibt es dort auch die guten, alten Infomittel ;) Sprich: Tier-Bücher/-Lexika aus Papier!!! Wir glichen die Fotos auf der Kamera mit den Bildern im Buch ab und schon hatte man den Vogel identifiziert :) OK, so schnell geht es dann doch nicht, man muss schon ein bisschen suchen. Aber zum Glück gibt es verschiedene Fachbücher für die Falklands oder Südamerika, man muss also nicht im Welt-Lexikon suchen. Zum anderen können wir schon ein wenig die Familien der Vögel unterscheiden (das ist eine Eule, das ein Falke, das ein Fink usw. und nicht nur: das ist ein Vogel ^^ ). Damit ging es dann ganz gut. Und außerdem waren später am Nachmittag auch die Experten in der Ocean Academy und wenn man gar nicht weiter wusste, konnte man die Biologin fragen. Das meiste haben wir aber selbst herausgefunden!

    Leider macht sich hinten im Schiff genauso wie am Bug der Seegang schon eher bemerkbar. Ganz lange hielt man es dort bei diesen Bedingungen nicht aus. Also besser wieder in die Schiffsmitte.

    Außerdem stand auch der nächste Vortrag an. Gast-Lektor Reinhold Messner erzählte über die Shackleton-Expedition, „Wild: oder der letzte Trip auf Erden“. Untermalt mit zahlreichen Originalfotos tauchten wir ein in die Geschichte dieser berühmten Expedition.

    1914 brach Sir Ernest Shackleton mit seinem Schiff, der Endurance, auf, um die Antarktis zu durchqueren. Insgesamt 28 Männer befanden sich auf dem Schiff. Amundsen hatte 1911 den Südpol erreicht und die Forscher und Entdecker in der Antarktis mussten sich somit neuen Zielen stellen, die Durchquerung war eines davon. Shackleton hatte bereits zuvor einige Expeditionen erfolgreich unternommen. Dieses Mal wollte er vom Weddellmeer die Expedition auf dem Antarktischen Festland starten. Leider fror sein Schiff im Eis ein und es gab erstmal kein Weiterkommen. Die Männer machten es sich auf dem Eis „bequem“, sprich sie richteten ein Lager neben dem eingeschlossenen Schiff ein. Ca. 9 Monate drifteten sie mit den Eismassen mit. Sie lebten von ihren Vorräten. Hunde, die sie auf die Reise mitgebracht hatten, waren bei Transporten hilfreich.

    Dann jedoch führte der Druck der Eismassen dazu, dass das Schiff auseinanderbrach. Die Männer konnten vorher noch die letzten Vorräte und Ausrüstung vom Schiff holen, außerdem konnten 3 Rettungsbote gesichert werden.

    Als im Herbst 1915 eine Fahrrinne zwischen den Eismassen entstand, entschied Shackleton, dass man sich mit den Rettungsbooten in Richtung der Süd-Shetland-Inseln aufmachen sollte. Ziel war es, eine der bekannten Inseln, wo ab und an Walfänger vorbeikommen, zu erreichen und die Chancen auf Rettung dadurch zu erhöhen. Also machte man sich auf und ruderte Richtung Norden. Die Bedingungen bei der Überfahrt waren jedoch schlecht, immerhin erreichte man Elephant Island, eine unbewohnte, abgelegene Insel. Nach mehreren vergeblichen Versuchen konnten die Männer einen halbwegs geeigneten Landeplatz finden und gingen an Land.

    Shackleton erkannte, dass sich hier in diese Gegend nur selten Walfänger oder andere Schiffe verirren würden. Wenn man Chance auf Rettung haben wollte, musste man diese aktiv anfordern. Also reifte der Plan, mit einer kleinen Gruppe die 1.500km nach Südgeorgien in einem der Beiboote zu fahren und dort Hilfe zu holen. Also wurde eines der Boote umgebaut und Shackleton machte sich im April 1916 mit 5 Männern auf. Nach einer kräftezehrenden Überfahrt erreichten sie die Südküste von Südgeorgien. Die Walfangstationen befanden sich aber alle an der Nordküste. Eine Fahrt mit dem Boot dorthin war nicht möglich, die Überfahrt hatte sowohl am Boot als auch an der körperlichen Verfassung der Männer ihren Tribut gefordert. Also blieb nur, die Insel zu Fuß zu durchqueren. Shackleton und 2 weitere Männer wagten die Überquerung der Berge Südgeorgiens und kamen tatsächlich in der Walfangstation in Stromness an. Die übrigen 3 Männer verblieben in der Bucht, sie konnten den Marsch nicht mehr bewerkstelligen. Sie wurden kurz danach aber mit einem Boot von der Walfangstation eingesammelt und gerettet.

    Frank Wild, ein treuer Gefährte Shackletons, der bereits verschiedene Expeditionen mit ihm unternommen hatte, richtete unterdessen auf Elephant Island das Lager ein, in dem die Männer den Winter überstehen und auf Rettung warten sollten. Aus den verbliebenen zwei Booten wurde eine Schutzhütte provisorisch errichtet, in der ein paar Männer stehend Schutz finden konnten. Da die Mitglieder der Expedition in körperlich und psychisch schlechter Verfassung waren, musste Wild die Männer bei Laune halten, es wurden Dienstpläne aufgestellt (wer beschäftigt ist, denkt nicht an andere Dinge), es wurden Feiern unternommen, Lieder gesungen, Fußball gespielt, Jagdausflüge durchgeführt. Da man anfangs zu optimistisch die Dauer der Rettung kalkuliert hatte, deckte man sich fast zu spät mit Vorräten (Pinguin- und Robbenfleisch) ein. Erst als fast alle Tiere die Insel verlassen hatten, begann man mit der Vorratsanlage. Besonders demotivierend kam hinzu, dass der Platz, an dem die Männer verharrten, sehr klein war. Anfangs mit einem Monat für Rettung kalkuliert, gingen Wochen und Monate ins Land. Niemand kam. Die Hoffnung schwand …

    Shackleton unternahm mehrere Rettungsversuche, die alle scheiterten. Erst der vierte Versuch hatte Erfolg. Shackleton bat die chilenische Regierung, ihm die Yelcho unter Kapitän Luis Pardo zu leihen. Einen kleinen, stabilen Dampfer. Mit diesem Schiff gelang im August 1916 die Überfahrt nach Elephant Island, das Lager der Männer um Frank Wild wurde gesichtet und konnte auch angefahren werden. Innerhalb einer Stunde waren alle Männer an Bord und gerettet. Die Yelcho fuhr nach Punta Arenas zurück.

    ALLE Männer der Expedition waren am Leben! Ein Verdienst von Shackleton und Wild, der auf Elephant Island die Gruppe zusammenhielt. Trotz widrigster Bedingungen und Entbehrungen starb keiner der Männer während der Expedition. Das Fleckchen Erde auf Elephant Island, wo die 22 Männer mehrere Monate bis zur Rettung ausgeharrt hatten, wurde später „Point Wild“ benannt.

    1917 kehrten die Männer einzeln nach England zurück. Da inzwischen der I. Weltkrieg tobte, bekamen sie bei ihrer Heimkehr nicht die zustehende Aufmerksamkeit. Es gab wichtigere Themen als eine Expedition. Viele der Männer meldeten sich freiwillig als Soldaten, einige starben. Da überlebt man widrigste Bedingungen in unwirtlicher Umgebung und stirbt dann auf dem Schlachtfeld …

    Sir Ernest Shackleton unternahm 1921 eine weitere Antarktis-Expedition, erneut zusammen mit Frank Wild. 1922 starb er jedoch an den Folgen eines Herzinfarkts auf Südgeorgien und wurde auf dem Friedhof in Grytviken auf Wunsch seiner Frau beerdigt. Später wurde Frank Wild, der 1939 starb, neben ihm beigesetzt.

    Wir hatten den Friedhof mit beiden Gräbern vor 2 Tagen in Grytviken besucht. Und morgen war der Plan, Point Wild zu besuchen. Wir wandelten also auf geschichtlichen Pfaden.

    Im Multimedia-System auf der Kabine konnte man übrigens auf der Reise den Stummfilm „SOUTH“ sehen. Dieser wurde während der Endurance-Expedition 1914 bis 1917 von Shackleton’s Kameramann auf Film und Foto aufgenommen und um Texttafeln erweitert. Wir konnten somit diese Geschichte mit Original-Aufnahmen nachverfolgen.


    Nach dem Vortrag über die Expedition gab es noch ein Recap/Precap. Das Expeditionsteam ließ zusammen mit den Experten die Anlandungen in Südgeorgien Revue passieren und stimmte uns auf die kommenden Tage auf Elephant Island / Point Wild sowie im Weddellmeer ein.

    Beim folgenden Abendessen wurden wir heute zum zweiten Mal in Folge dem Lido untreu – der Hotelmanager nahm das schon mit Stirnrunzeln zur Kenntnis :rolleyes:

    Heute ging es nochmal ins Hamptons. Ein anderes Menü als beim Besuch vor 7 Tagen. Ich würde sagen, dieses Menü gefiel uns noch besser. Als Hauptgang gab es Burger. Im Anschluss gab es den „Talk an Bord“ im HanseAtrium mit Reinhold Messner und dem Schweizer Reiseveranstalter. Ein Thema war u.a. die Entwicklung des Tourismus in entlegenen Regionen.

    Damit war dann auch dieser Seetag mehr oder weniger zu Ende. Am morgigen Tag wird es dann hoffentlich auch wieder was in Echt zu sehen geben und nicht nur in Vorträgen …


    VG Sven

    30.01.25: Südgeorgien – Ein Satz mit X … und der A-23 A

    Da saßen wir also um 10:00 Uhr mit vielen anderen Gästen und warteten, was auf uns zukommen würde. Wenn extra der Kapitän spricht, muss es ja was Größeres sein. Zieht ein großer Sturm auf, dass wir zurück nach Ushuaia müssen? Oder ist das Problem eine Nummer kleiner?

    Zunächst wurde uns nochmal die aktuelle Wetter-Situation erläutert. Dass man in Gold Harbour bei dem Wind nicht anlanden konnte, war klar. Dass man bei solchem Wind nachmittags auch keine Zodiac-Fahrt in der Cooper Bay unternehmen kann, ist zwar schade, aber auch logisch.

    Kapitän und Expeditionsteam hatten sich zusammengesetzt und darauf geeinigt, dass man nicht in Südgeorgien wartet, bis das Wetter vielleicht etwas besser werden würde. Sondern, dass wir uns gleich in Richtung Antarktis aufmachen. Somit würden wir einen zusätzlichen Tag im Weddellmeer gewinnen, so die Aussage des Expeditionsleiters. Wir würden dann übermorgen Abend an unserem nächsten Halt, Point Wild, ankommen. Damit war dann mehr oder weniger die Bekanntmachung auch schon abgeschlossen, am heutigen Tag wurde dann ein geändertes Programm angeboten.

    Hmmm, so richtig schlüssig ist das für den unbedarften Gast nicht, muss ich sagen. Der Plan – wie er auch im Katalog steht – sah ja vor:

    • Heute 3. Tag in Südgeorgien
    • Morgen: Seetag
    • Ab Übermorgen: Expedition in der Antarktis (Süd-Orkney, Süd-Shetland usw.)

    Also ein Seetag zwischen Südgeorgien und dem nächsten Ziel. Das war in den Reiseberichten, die ich vor unserer Reise gelesen hatte, auch tatsächlich so gewesen. Und wir würden jetzt einen kompletten Seetag plus 2 Drei-Viertel Seetage fahren? Irgendwie passt das nicht, wir wollen doch auch was sehen und nicht nur Seetage haben.

    Vielleicht verstanden wir es nicht so richtig – andere Gäste aber auch nicht. Vielleicht hätte man auch noch etwas anders kommunizieren müssen – warum man z.B. die Süd-Orkney-Inseln halt nicht anläuft (nur mit diesen passt es aufgrund der Entfernung mit dem einen Seetag). Hatte man auf dieser Reise andere Prioritäten gesetzt? Verzichtete man auf die Süd-Orkney-Inseln, weil sie nicht so interessant sind? Durfte man nicht anlanden wegen Vogelgrippe? Steht im Katalog Grütze?

    Was auch immer, ein bisschen mehr Info hätte sicher geholfen. So sah man erstmal: fast 3 Seetage gegenüber einem lt. Katalog. Und das soll jetzt vorteilhaft sein? :/

    Neben den Informationen wurde auch das Tagesprogramm umgestaltet, am Vormittag gab es z.B. den Vortrag „Dynamischer Ozean & Atmosphäre – Wind und Strömung“. Wir erfuhren einiges über die unterschiedlichen Meeresströmungen, die treibenden Kräfte und Windsysteme. Passend zum heutigen Sturm da draußen.

    Auch nach dem Mittagessen musste man sich heute eher drin aufhalten, ein paar Runden auf dem obersten Deck waren nicht drin – zu viel Wind. Daher vielleicht mal in die Observation Lounge mit Blick nach vorne gehen und einen Kaffee trinken. Lange hielten wir es dort aber nicht aus, vorne im Schiff merkt man den Seegang doch ziemlich stark. Da ist man mittschiffs, u.a. auf unserer Kabine, besser aufgehoben.

    Unterwegs konnten wir weitere Eisberge entdecken. Kleine, größere, meistens Tafeleisberge.

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    Am Nachmittag gab es einen weiteren Vortrag, aus der beliebten Ecke der Biologie. „Welt der Pinguine“ hieß der Vortrag. Auf den Falklandinseln und Südgeorgien hatten wir ja bereits einige Begegnungen mit diesen besonderen und wunderbaren Vögeln. Neben den Anpassungen an den (teils lebensfeindlichen) Lebensraum, der Nahrungsbeschaffung und Fortpflanzung wurde auch auf die Systematik der Pinguine eingegangen – mit besonderem Augenmerk auf unser Fahrtgebiet versteht sich.

    Hier mal grob die Gattungen und ihre Vertreter:

    • Großpinguine
      • Königspinguin (haben wir in Südgeorgien gesehen)
      • Kaiserpinguin (größte Pinguin-Art, die nur südlich in der Antarktis vorkommt, unwahrscheinlich, dass wir welche sehen werden)
    • Langschwanzpinguine (die werden wir hoffentlich noch alle im Verlauf der Reise sehen)
      • Eselspinguin
      • Adeliepinguin
      • Zügelpinguin
    • Schopfpinguine
      • Felsenpinguin (Rockhopper) – auf den Falklands gesehen
      • Goldschopfpinguin (haben wir leider auf Südgeorgien verpasst – Cooper Bay ist ja ausgefallen)
      • Weitere Arten außerhalb unseres Fahrtgebietes, wie in Neuseeland (z.B. Dickschnabelpinguin, Kronenpinguin, Tristanpinguin)
    • Gelbaugenpinguin (nur in Neuseeland)
    • Zwergpinguin (nur in Neuseeland)
    • Brillenpinguin
      • Brillenpinguin (Südafrika)
      • Humboldt-Pinguin (Chile, Peru)
      • Magellanpinguin – auf den Falklands gesehen
      • Galapagos-Pinguin (nur auf den Galapos-Inseln)


    Wie eigentlich immer – ein sehr interessanter Vortrag.
    Und eines noch: Pinguine machen glücklich! Es gibt nie genug Pinguine! :)

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    Safety first, im Zodiac immer Rettungsweste tragen, das gilt auch für Pinguine …


    Entgegen unserer Gewohnheit suchten wir heute zum Abendessen das Hanseatic Restaurant, also das Bedienrestaurant auf. Wir hatten von einem der Experten eine Einladung zum gemeinsamen Abendessen erhalten. Zusammen mit einem weiteren Ehepaar wurde es zu fünft ein lustiger Abend. Das Essen schmeckte, die Getränke waren für uns heute alle inklusive und wir hatten nette Unterhaltungen. Sehr schön!

    Wir waren dann auch nahezu die letzten, die das Restaurant verließen.

    Kaum im Bett und im schönsten Schlaf, wurde ich dann von einer weiteren Durchsage geweckt. Steffie war noch wach und las. Wir waren am A-23 A angekommen, dem aktuell größten Eisberg der Welt.

    1986 hatte er sich bei einem Abbruch vom Filchner-Ronne-Schelfeis gelöst und hatte sich bis 2020 im Weddellmeer kaum bewegt. Dort war er zwischen den Meeresströmungen gefangen. Ende 2024 hatte er sich aber aus diesen Meeresströmungen befreit und treibt nun auf Südgeorgien zu.

    Die Fläche beträgt etwa 4.000 km2 – er ist damit ungefähr so groß wie Mallorca. Gigantisch, wenn man bedenkt, dass ein Großteil – nämlich bis zu 300m tief – unter der Meeresoberfläche zu finden ist. Die Masse wird auf ca. 1 Billion Tonnen errechnet. Tagsüber wurden wir schon mit Informationen zum A-23 A versorgt und es war klar, dass wir gegen Abend auf ihn stoßen würden. Unklar war aber die Uhrzeit. Da es dunkel sein würde – und man dadurch nicht so viel sehen würde – hatte ich das Ganze als nett, aber kein Muss ausgelegt und war deshalb schon am Schlafen. Und dann kam die Durchsage und riss mich aus den schönsten Träumen. Na gut, schnell mal warme Kleidung überziehen und dann raus aufs Deck.

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    Wie zu erwarten, sahen wir nicht viel. Trotzdem wir recht nahe waren (eine Seemeile) und die Strahler vom Schiff recht leistungsstark sind und der Eisberg verdammt groß, konnte man nur Schemen erkennen. Aber immerhin: Wir können sagen, dem A-23 A begegnet zu sein. Die HANSEATIC nature würde noch eine gewisse Zeit am Eisberg entlangfahren, schließlich ist er ja ein paar Kilometer lang. Aber mehr gibt es dann auch nicht im Dunkeln zu sehen. Also zurück ins Bett …


    VG Sven


    PS: Inzwischen ist der A-23 A Anfang März 2025 ca. 70km vor Südgeorgien auf Grund gelaufen. Wahrscheinlich wird er dort langsam abschmelzen oder in kleinere Eisberge zerfallen. Wenn er jetzt in dieser Position bleibt und sich nicht näher an Südgeorgien heran bewegt, werden für die Tierwelt auch keine großen Auswirkungen erwartet.