Beiträge von Joean





    Für die Technik-Freaks: Hier laufen 4 6-Zylinder MAN Motoren von Typ MaK 43. Sie haben zusammen eine Leistung von 30.000 PS. Die beiden Propeller sind jeweils 5,2 Meter hoch und 9 Tonnen schwer. Beide Schrauben können gegeneinander laufen.


    Ich finde ja, dass der Maschinenleitstand nicht aussieht, wie 2003 gebaut, sondern eher wie 1983 - aber was weiß ich schon!





    Aktuell laufen nur 2 der 4 Maschinen, da das Wetter gut und die See ruhig ist. Nach einer guten Stunde ist diese sehr interessante Führung vorbei.


    Nachmittags sehen wir uns dann noch diese ominöse Leine am Heck des Schiffes an.




    Diese Leine war uns bisher noch nicht aufgefallen. wird aber seit Seyðisfjördur sozusagen "mitgeschleppt". Während der Führung kam auch eine entsprechende Frage von Mitreisenden.

    Sehr oft ist MS Norröna auch in Sachen Forschung unterwegs. Hier handelt es sich gerade um ein Projekt aus den USA, in dem an der Häufigkeit von Mikroplastikmüll im Atlantik geforscht wird. Am Ende der Leine befindet sich daher so eine Art feiner „Auffangkorb“.


    So vergeht der Tag und irgendwann am Nachmittag, versuche ich, auf dem Weg zurück zum Kontinent die berühmte Szene aus "Titanic" nachzustellen. Gut, genau genommen fährt dieses Schiff ja in die alte Welt und nicht in die Neue, aber wir wollen mal nicht so kleinlich sein!

    Vor allem deshalb nicht, weil ich gerade Leonardo DiCaprio begegnet bin!


    Leo und ich schlendern also engumschlungen auf dem obersten Deck bis ganz nach vorn. Wie in der Filmszene tritt er ganz vorsichtig hinter mich und legt seine Arme von hinten um meinen Bauch.

    'Mein Gott, was hat der Mann denn nur für lange Arme, dass der da überhaupt noch rumkommt!'


    Sanft wandern seine Hände dann zu meinen Schultern und drehen mich behutsam zu ihm um. Es ist ein geradezu magischer Moment. Ganz langsam - wie in Zeitlupe - kommen seine Lippen immer näher.

    "Warte", kann ich nur noch flüstern und meine Hand verschwindet in meiner Jackentasche.

    "Alles, was Du willst", antwortet er atemlos.


    ‚Los jetzt Joean! Der Mann ist doch Wachs in Deinen Händen!‘

    „Könnte ich vielleicht Dein schriftliches Einverständnis bekommen, damit ich dieses Selfie im Forum einstellen darf?“


    BOAH!!!!


    Man glaubt gar nicht, wie empfindlich so ein romantischer Moment sein kann:

    Kaum isser da – schwups, isser auch schon wieder im Eimer!

    Bedankt Euch bei der Datenschutzgrundverordnung!

    Dementsprechend wird also der Leo knipsen geschickt und ihr müsst nur mit mir vorliebnehmen.





    Abends gibt’s dann für alle das große Abschiedsessen – das Wikingerbuffet. Wieder wird jede Menge Meeresgetier aufgefahren, knusprig gebackene Schinken in der Größe von Mammutoberschenkeln und auch mein absolutes persönliches Highlight – die geschmorten Ochsenbäckchen.

    Auf irgendwelche bedenklichen Sachen (z.B. Walfleisch) wird inzwischen verzichtet, aber die halben Schafsköpfe müssen sein – zumindest aus färinger Sicht.





    Dieses Abendessen stellt also den krönenden Abschluss dieser Reise da und wir können ab sofort von uns behaupten: „I survived the North Atlantic on MS Norröna“ – haben wir übrigens auch schriftlich.



    LG Joean

    Freitag, 18. Mai 2018

    Seetag auf dem Weg nach Hirtshals


    Nach dem Frühstück besuchen wir nochmal den Tax-Free-Shop an Bord und decken uns mit einigen Büchsen des überaus leckeren färingischen Bieres als Mitbringsel für die lieben Nachbarn zu Hause ein.


    Um 11:00 Uhr müssen wir aber pünktlich an der Rezeption auf Deck 5 stehen, denn für uns gibt es heute noch einen wichtigen Programmpunkt. Gegen eine Gebühr von 25,- € wird an Bord die Besichtigung der Brücke und des Maschinenraumes angeboten. Dies war die einzige für uns interessante Information auf der Veranstaltung vom letzten Sonntag und wir haben uns dafür natürlich sofort angemeldet.


    Die Führung wird von Simon durchgeführt, der hier an Bord für die Betreuung der Reisenden verantwortlich ist. Er bittet uns, von Fragen an den auf der Brücke anwesenden Offizier abzusehen.


    "Falls der Kapitän kommt: er ist unwichtig, ihn können Sie ruhig ansprechen, sie können ihn alles fragen und Sie können auch Fotos mit ihm machen." So so.





    Die Brücke großzügig und aufgeräumt. Es ist wirklich nur ein Offizier anwesend, der den Autopiloten überwacht.


    Wir erfahren, dass MS Norröna seit 2009 nur noch mit elektronischen Seekarten gefahren wird. Papierkarten gibt es hier nicht mehr. Die Möglichkeit über VHF-Funk zu kommunizieren ist hier zwar noch gegeben, wird aber in der Praxis nicht mehr genutzt, da die Handys dank Satellit immer und überall funktionieren.

    Maximal sind 118 Mann Besatzung an Bord. Alle kommen ausschließlich von den Färöern oder aus Dänemark. Gewechselt wird immer im 4-Wochen-Rhythmus. Im Winterhalbjahr liegt die Besatzungsstärke wesentlich darunter, da dann keine Leute im Service benötigt werden.




    Zur Überwachung sind überall auf dem Schiff Kameras und auf den Autodecks auch Mikrofone installiert. Diese dienen vor allem dem Zweck, illegalen Grenzübertritten vorzubeugen. In den Jahren 2015 und 2016 - in der Zeit der großen Flüchtlingswelle - versuchten viele Flüchtlinge, sich unter/auf den Containern zu verstecken und so nach Island zu kommen.

    Die Reederei musste/muss für jeden Flüchtling, der es nach Island schafft, 21.000,- € Strafe zahlen. Das habe ich so auch noch nicht gewusst und ich finde es sehr interessant, dass auch dieses Thema mal zur Sprache kommt.


    Zwischenzeitlich gibt sich auch der Kapitän die Ehre. Er ist wirklich sehr freundlich, etwas zurückhaltend, aber mit einem überaus sympathischen Lächeln lässt er sich gern mit den Gästen fotografieren.


    Von Deck 7 führt uns unser Weg nun auf Deck 2 - Richtung Maschinenraum. Auf dem Weg dorthin erzählt uns Simon, dass MS Norröna ja das ganze Jahr die Linie Hirtshals - Thórshavn - Seyðisfjörður bedient, sie aber in den Wintermonaten versuchen, keine Passagiere mit an Bord zu nehmen.

    Dies liegt ganz einfach daran, dass MS Norröna nur bis zu einer Wellenhöhe von 9 Metern Passagiere befördern darf. Sind dagegen keine Passagiere an Bord, kann sie mühelos bei bis zu 17 Meter! hohen Wellen ihre Fracht pünktlich von A nach B bringen.

    Bei der Gelegenheit fällt mir wieder der Ausspruch eines alten Lufthansacargopiloten ein: "Fracht kotzt nicht und Fracht motzt nicht."


    Es gibt ja so Passagierfragen, von denen gern mal erzählt wird und wo man immer denkt: 'Na, das hat sich einer ausgedacht. Sowas fragt doch nicht wirklich jemand!'


    Doch!


    Gerade als Simon vom Winterfahrplan und diesen 17 Meter hohen Wellen erzählt, platzt es aus einer Dame ganz entsetzt heraus: "Aber dann ist doch wohl keine Mannschaft mehr an Bord!"


    Besser wär aber,ne?


    Großes Gelächter begleitet uns so bis auf Deck 2. Hier sind wir ca. 2 Meter unter der Wasserlinie. Vorbei an fleißigen Leuten, die schon wieder alles für das Abendbuffet vorbereiten und an den vielen Lagerräumen...




    kommen wir dann direkt in den Maschinenraum. Es ist laut, aber ich hätte es mir eigentlich noch viel lauter vorgestellt. Kopfhörer? Fehlanzeige.

    geht gleich noch weiter...

    Lemar

    nordwind

    andreaO

    Zwergnase

    uschisiggi

    Capri51

    sonnenscheins

    deern_vonne_elw

    (Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen.)

    Habt vielen lieben Dank für Eure Kommentare.

    Die Passage am Donnerstag zwischen den Inseln Kalsoy und Kunoy gehört für mich zu den absoluten Höhepunkten dieser Reise (natürlich auch Dank des Wetters).

    werde demnächst wohl an keinem Netto mehr vorbeifahren können, ohne an dich, Island und P....pausen zu denken

    andreaO

    Man muss ja wissen, dass mein Mann meine Reiseberichte erst dann liest, wenn ich sie hier veröffentliche (obwohl er sie durchaus vorher lesen könnte und mir das manchmal sogar ganz lieb wäre), aber nein - er will das nicht.

    Am letzten Wochenende waren wir also unterwegs nach Sachsen und in JEDEM Nest mit einem entsprechenden Markt kam ein fragender Seitenblick: "Soll ich abbiegen?"

    Wahrscheinlich wird das unser neuer Running-Gag für die nächsten Jahre. ;)

    LG Joean

    Um 15:00 Uhr macht MS Norröna dann in Thórshavn wieder fest.

    Einen Ausflug wird es für uns auf dieser Reise noch geben. Es geht nach Kirkjubøur im Südwesten der Insel Streymoy. Dieser Ort beherbergt gleich drei wichtige Sehenswürdigkeiten der Färöer – und alle drei sind sie mindestens 700 Jahre alt! Dies liegt daran, dass Kirkjubøur früher geistiges und kulturelles Zentrum der Färöer Inseln war.


    Da hätten wir zum einen die Magnus-Kathedrale ca. aus dem Jahr 1330




    Dann die Olafskirche (leider kein vernünftiges Bild ohne Leute möglich)




    und Roykstovan, das älteste noch bewohnte Holzhaus Europas. Wir dürfen hier sogar in die gute Stube und in die Küche.




    Hier ist es ausgesprochen nett und hat sehr hübsche Motive.





    Nun geht es wieder zurück nach Tórshavn, wo wir dieses unbeschreiblich schöne Wetter zu einem ausgiebigen Spaziergang nutzen. Unter anderem wird er uns am Amtssitz des färingischen Premierministers vorbeiführen.





    Um 21:00 Uhr verlässt MS Norröna dann den Hafen und macht sich auf die letzte Etappe des Weges zurück nach Hirtshals.


    Wer jetzt denkt ‚Na gut. Das war‘s. Viel mehr wird se nich zu erzählen haben‘, der hat sich schwer geirrt!

    LG Joean

    Donnerstag, 17. Mai 2018

    Färöer Inseln


    Nach einer ausgesprochen schaukligen Nacht freuen wir uns nun erstmal über einen halben Seetag und dann auf die ca. 2-stündige Passage zwischen den Inseln Kalsoy und Kunoy, mit anschließender Fahrt entlang der zerklüfteten Küste von Eysturoy nach Thórshavn.




    Das Frühstück wird ja wieder in freier Sitzung eingenommen und so kommt es, dass wir mit einem Ehepaar in Gespräch kommen, die – wie wir – eine der geführten Busreisen machen, allerdings mit der bösen Konkurrenz – nämlich Trendtours.


    Nach der eher allgemein gehaltenen Einstiegsfrage: „Und wie hat Ihnen Island gefallen?“, höre ich von ihr pure Begeisterung über die Schönheit dieser Landschaft und die Weite und diese gewaltigen Kräfte, die da herrschen müssen (ich bin mit meinem Gedanken schon fast wieder am wegschweifen), aber dann fällt ein Wort, dass mich elektrisiert.


    „… und diese kleinen süßen Papageientaucher sind ja wirklich so nieeeedlich.“


    WAS????


    „Wie – Sie haben auch Papageientaucher gesehen?“

    „Ja, und so viele!“

    „Aber diesen komischen Elfenberg hätte ich jetzt nicht unbedingt sehen müssen“, meint er noch dazu.


    Das interessiert mich jetzt brennend und nach einem etwas längeren Gespräch und anschließender Recherche zu Hause weiß ich jetzt folgendes: Trendtours bedient sich auf Island einheimischer Reiseführer. Diese werden extra jedesmal aus Reykjavik nach Egilsstaðir eingeflogen. Und ganz offensichtlich wissen die, was der Islandtouri so sehen will.

    Die Fahrt um den Lögurinn See wurde wohl erheblich eingekürzt. Tante G erzählt mir später, dass es im Osten Islands zwei erwähnenswerte Puffin-Kolonien gibt. Zum einem findet man die größere Population in Fáskrúðsfjörður (ca. 50 Kilometer von Egisstaðir entfernt). Die andere Kolonie befindet sich in der Gegend um Borgarfjöður. Und dort in der Nähe ist dann auch der erwähnte Elfenberg (Achtung! nicht Effenberg lesen!)

    Außerdem finde ich heraus, dass nach Borgarfjöður nur eine zum Teil unbefestigte Straße führt.


    Jetzt macht es richtig Sinn! Wenn ich Angst habe um meinen Bus (siehe Solfataren) oder einfach nur keine Lust, eine teilweise unbefestigte Straße zu fahren, dann erzähle ich den Reisenden doch, es gäbe keine Papageientaucher im Osten Islands.


    Doch! Gibt es!

    Und sie kommen auch nicht erst Anfang Juni, sondern – je nach Wetterlage – spätestens Ende April zum Brüten hierher.

    Aber vielleicht war die gute Karin einfach auch nur schlecht informiert.

    Beides sind miese Voraussetzungen!!!

    Wie meinte Dieter zu Beginn der Reise am Samstagmorgen? “Ihr werdet den Unterschied merken.”

    Ja! Tu ich! Jetzt gerade!


    Meine Frage, ob sie denn auch den Dettifoss besucht haben, lässt sich leider nicht abschließend klären, denn die Beiden wissen nur, dass sie an einem “großen Wasserfall” gehalten haben. Und davon gibts hier ja nun wahrlich genug.


    Eine Weile überlege ich nach diesem Gespräch, ob ich unsere Reiseleiter mit diesen Fakten konfrontieren soll, aber dann entscheide ich mich dagegen. Was sollte das jetzt noch bringen, außer schlechter Laune? Und von Papageientauchergucken war in der Reisebeschreibung ja auch nie explizit die Rede.


    Macht es nicht viel mehr Sinn, wenn ich meine – mir gegebenen – Möglichkeiten nutze, um zukünftige Reisende vor dem oben beschriebenen Buchungsweg zu warnen, damit sie nicht ebenfalls in die Fänge von Karin und Dieter geraten?

    Ich denke schon.


    Kommen wir aber nun wieder zu etwas wesentlich Erfreulicherem. Die Passage durch die beiden Inseln Kalsoy und Kunoy dürfen wir bei bestem, aber windigem Wetter erleben.


    Hier ein paar kurze Eindrücke:








    Diese Fahrt ist ein absolutes Highlight.

    geht gleich noch weiter..

    Wir halten noch am Myvatn Naturbad und können einen Blick hineinwerfen und fahren dann weiter zum Solfataren-Hochtemperaturgebiet. Dort gibt es leider nur einen zwanzigminütigen Stopp, verbunden mit dem Hinweis, man solle sich doch alles nur von der Aussichtsplattform aus ansehen.

    Die Absicht habe ich nicht, aber wie weit kommt man bei zwanzig Minuten denn?





    Genau hat Dieter jeden, der sich nicht an diese Anweisung hält, im Auge und als ich dann (pünktlich) wieder zurück am Bus bin, kriege ich erst mal einen Anschiss, ob ich denn jetzt wirklich mit diesen dreckigen Schuhen in seinen schönen Bus wolle. Ja, will ich!


    Danach machen wir uns dann endgültig auf den gut 160km langen Heimweg, zurück nach Seyðisfjörður. Kurz vor Egilsstaðir ergreift Karin das Mikrofon und das Wort und resümiert nochmal, was wir heute alles erlebt haben.

    Ich warte ja auf eine ganz besondere Passage. Bin mal gespannt, ob ich recht habe…


    So, jetzt machen wir alle zusammen mal etwas, was es hier in einem Reisebericht noch nie gab. Wir machen alle zusammen eine kleine gymnastische Übung und spielen Joean in dieser Situation nach.

    (Tipp: Man kann es im Sitzen machen, aber im Stehen macht es mehr Spaß.)


    Also: alles hört auf mein Kommando und im Moment hören wir alle Karin zu.


    „… und dann sind wir am ersten Geothermal-Kraftwerk Islands vorbeigefahren und haben die kochenden Schlammtöpfe in der Nähe des Vulkans Krafla gesehen.“


    Wir stehen nun alle mal auf.


    „Nun fahren wir auf dem gleichen Weg, den wir auch schon heute Morgen genommen haben, wieder zurück zu unserer Fähre.“


    Wir heben den rechten Arm (wahlweise auch gern den linken) und strecken ihn nach vorne aus, so dass zwischen unserem Körper und dem Oberarm ein 90° Winkel entsteht.


    „Wir durchqueren dabei die Möðrudalsöræfi, eine wüstenähnliche Gegend, die zum nordöstlichen Teil des isländischen Hochlandes gehört.“


    Jetzt winkeln wir den Unterarm nach oben an. Den Oberarm schön weiter im 90° Winkel halten. Ach ja, möglichst gleichmäßig weiteratmen nicht vergessen.


    „Dieser Weg wird uns dann bis nach Egilsstaðir führen…“


    Die Hand schließt sich, nur noch der Zeigefinger guckt erwartungsvoll nach oben.


    „…wo wir an Tankstelle noch mal eine Pause machen werden.“


    Wir machen eine Faust und ziehen mit einer ruckartigen Bewegung den Oberarm Richtung Hüftknochen. Diese Bewegung kann durch ein gleichzeitiges kräftiges „Yessss“ wirkungsvoll verstärkt werden.


    Ende der Übung und (fast) Ende des Tages.


    Zur Belohnung gibt’s hier noch einen Blick aus dem Busfenster Richtung MS Norröna.





    Schon kurz vor 21:00 Uhr verlässt MS Norröna dann den Hafen und macht sich auf den Weg wieder zurück zu den Färöer Inseln. Das Wetter ist auch heute Abend absolut phantastisch. Der Kapitän kündigt für die Nacht und den morgigen Vormittag Windstärken von bis zu 6 Beaufort und Wellenhöhe bis zu 3,5 Metern an, die aber leider von der Seite kommen werden.



    Den nächsten Teil gibt's dann leider erst am Sonntag.

    LG Joean

    Was wirklich schön war, dass außer uns kein anderer Bus da war und auf dem Parkplatz ansonsten nur 5 oder 6 PKW standen. Ich glaube, so leer hat man das im Sommer wohl nie. Leider ist nur Zeit, um den kürzesten der angebotenen Rundwege zu laufen. Schnell noch in den Giftshop nebenan und dann flink weiter zu den Pseudokratern Skútustaðagígar.






    Von hier aus geht’s dann durch, ca. eine halbe Stunde bis zum Godafoss. Hier bleiben wir weit über eine Stunde, was ich sehr angenehm finde. Wie schon vor 19 Jahren turnen wir hier über die Steine und versuchen, möglichst nahe an die Kante zu kommen. Fakt ist: damals haben wir uns weiter vorgetraut. Die Aussicht, auf den nassen Steinen auszurutschen, schreckt uns heute ganz offenbar mehr als damals. Macht Alter also vielleicht doch weise - oder einfach nur ängstlich?

    Die Tatsache, dass man, wenn man es schafft, ja bis ganz vorn an die Kante rankommt, finde ich ja nach wie vor phantastisch. Bei uns stünden da ja vorher massenhaft Absperrungen, Zäune, Gitter.


    Aber ich glaube, die Zeit ist hier auch bald vorbei. Die Isländer sind nämlich dabei, eine Art Aussichtsplattform zu bauen. Und ich nehme mal an, wenn das Ding fertig ist, dann ist an dem Punkt auch Schluss.






    Etwas flussabwärts gibt es noch den klitzekleinen Bruder des Godafoss, den Geitafoss.




    Vom Godafoss aus geht’s dann zurück zum Infozentrum am Myvatn für eine ….Pause. Danach weiter zur Grjótagiá. Einer Grotte, mit einem unterirdischen heißen See. Oberhalb der Grotte sind die Verwerfungen der Kontinentalplatten deutlich zu erkennen. Außerdem war die Grjótagiá auch Schauplatz für Szenen aus Game of Thrones.




    geht gleich noch weiter

    Mittwoch, 16. Mai 2018

    Seyðisfjördur


    Was ist das denn für ein gei… Wetter heute!




    Aber: Wenn das so bliebe… dann wär’s nicht Island!


    Heute hieß es für uns schon sehr früh aufstehen. Für 07:30 Uhr (Schiffszeit) war schon die Abfahrt geplant. Wieder geht es über die Hochebene und wir haben Glück, dass wir dort eine der wilden Rentierherden sehen. Rentiere wurden vor einigen Jahren aus Norwegen eingeführt, in der Hoffnung, dass sich Isländer – ähnlich den Samen im Norden Skandinaviens - mit der Zucht und Fleischproduktion befassen würden. Dies war allerdings ein Trugschluss und so streift das Ren nun wild und frei und nur sich selbst gehörend durch die Weiten Islands.




    Von Egilsstaðir aus soll es heute Richtung Myvatn gehen, immer die Ringstraße entlang.


    Denken wir mal positiv und nehmen an, dass Dieter an der entscheidenden Kreuzung einfach nur rechts und links verwechselt hat…und schwups grüßt uns der altbekannte Parkplatz zwischen Netto und Tanke.


    Flinke Adleraugen finden aber sofort den Haken an der Sache.

    „Netto hat aber noch zu.“, tönt es empört von hinten.

    Ja, das wäre schon klar, aber man solle ja auch eher die Dienste des anderen Hauses in Anspruch nehmen, immerhin hätte es doch so saubere und öffentliche …


    Ich kann’s nicht mehr hören!


    Ziemlich schnell sind die Ersten wieder da. Die Tankstelle hätte auch noch zu, mache aber um 08:00 Uhr auf. Das würde jetzt auf knappe 10 Minuten Knie zusammenpressen und Luftanhalten rauslaufen.


    Hah! Weit gefehlt!

    Zwischen der Schiffszeit und der Ortszeit (es empfiehlt sich ja, meine Reiseberichte genau zu lesen) gibt es doch noch diese unbedeutende winzig kleine eigentlich doch fast zu vernachlässigende Differenz von einer Stunde. Hier auf Island ist es nämlich gerade mal 06:50 Uhr!


    ‚Und wenn wir jetzt hier stehenbleiben, bis der Schuppen aufmacht, dann sind bis dahin meine Kippen alle und müssen muss ich dann garantiert auch!‘, denke ich.


    Tja, liebe Freunde der gepflegten Unterhaltung.

    Soviel zum Thema: Wie greife ich mit beiden Händen so richtig ins Klo, ohne mit Wasser in Berührung zu kommen.


    Das war ja schon mal nichts. Also machen wir uns doch auf den Weg Richtung Myvatn. Eine knappe Stunde geht es nun durch wenig abwechslungsreiches Gebiet, bis wir an unserem ersten Stopp dem Rjùkandafoss ankommen.






    Wie jetzt? Ein Parkplatz, ein Wasserfall mit jeder Menge Wasser und kein …?

    Island – wir müssen reden!


    So gegen halb elf sind wir dann am Myvatn und nehmen als erstes mal Kurs auf das Infozentrum in Reykjahlið.




    Puh, das war knapp! Das aber hier auch nie ein Netto kommt, wenn man mal einen gebrauchen könnte!!!


    Anschließend geht es erst mal nach Dimmuborgir mit seinen Lavaformationen. Ich halte mich mit zu vielen Fotos mal zurück, denn die meisten kennen das ja schon. Hierher fahren die Ausflüge ja ab Akureyri, wenn dort ein Kreuzfahrer liegt.




    geht gleich noch weiter

    Gabi46

    Ja, mit dem "WARUMTUICHMIRDASÜBERHAUPTAN"-Gedanken hab ich so meine Erfahrungen - mal im Casino und mal eben auch am Berg...

    Hundefreundin

    Obwohl ja Island sehr schön sein soll

    Island IST definitiv sehr sehr schön. Wir waren ja jetzt schon zum fünften Mal auf dieser Insel und haben auch schon mal eine Rundreise gemacht und eins weiß ich ganz sicher: Wir waren nicht das letzte Mal dort.

    Die Fahrt ging von Samstag bis Samstag. Außerhalb der Sommersaison bleibt die Fähre dann über Nacht in Seyðisfjördur liegen und man hat zwei volle Tage auf Island. Somit entfällt lästiges Kofferein- und Auspacken.

    Nane

    Bericht " Wikinger auf Toilettentour"

    Genau, so hätte ich meinen Bericht ja auch nennen können.

    oder vielleicht auch: "Wikingerkreuzfahrt - öfter mal müssen müssen" :D

    Bremerin

    Herrlich, wie sich die Bilder doch gleichen.

    @all

    Vielen Dank für die lieben Kommentare und die ganzen Likes. Ich freue mich wirklich sehr, dass Euch mein kleiner Bericht wieder mal gefällt.

    Aber - noch ist er ja nicht zu Ende!!!

    LG Joean

    Wesentlich fotogener ist da schon das Bauernhaus des isländischen Dichters Gunnar Gunnarsson, dass inzwischen ein Museum und ein Kaffee beherbergt.



    Dieses Haus entspricht so gar nicht der sonst anzutreffenden Bauweise, sondern ist nach dem Vorbild europäischer Gutshöfe erbaut worden.

    Wer kommt übrigens drauf, was an dem Snæfellsstofa Visitor Center das Wichtigste war??? Richtig, es war die dritte Toilette seit 09:50 Uhr.

    Weiter geht es dann zum nächsten - und wie wir denken - letzten Highlight dieses Tages, dem Hengifoss. Der Hengifoss ist der vierthöchste Wasserfall Islands. Seinen besonderen Reiz machen die roten Tonschichten aus, die hier den Fels durchziehen.

    Karin kündigt eine „kleine Wanderung“ an, aber mich beschäftigt eine ganz andere Frage: Ob es wohl auch hier…?

    Auf dem Parkplatz angekommen, können wir diesen Foss schon mal in Augenschein nehmen. Ach Du Sch…ande.



    Die Wanderung sei etwas anspruchsvoll und es sollten sich nur die auf den Weg machen, die sich das auch zutrauen. Die anderen könnten ja am Bus warten. Na gut.

    Den Blick fest auf das Ziel gerichtet, geht es an der Seite des Parkplatzes erst mal eine Treppe hinauf, die eigentlich eine Leiter werden wollte. Sie dient schon mal der „Vorselektion“ – die ersten machen kehrt.


    Der sich dann daran anschließende Fußweg geht einfach nur noch schei..steil bergan. Wie ein stoisches Brauereipferd trotte ich vor mich hin und setzte einen Fuß vor den anderen. Um mich herum keucht und röchelt es, dass es eine Freude ist. Zeigt es doch, dass es anderen Damen unserer Gruppe auch nicht besser geht.


    ‚ICHWILLNICHTDIEERSTESEINDIEAUFGIBT!!!!‘, ist meine Motivation.


    Der ‚WARUMTUICHMIRDASÜBERHAUPTAN,VERDAMMT‘-Gedanke wird aber immer stärker.

    Am ersten Aussichtspunkt (nach 1 km) werfe ich dann ein imaginäres Handtuch in die Fluten. Den Rest muss jetzt eben der Zoom rausholen. Insgesamt sind es ca. 2,5 km bis zum Hengifoss (und es wird zwischendurch nicht flacher!). Soweit ich das mitkriege, schafft es aber keiner bis dahin (schon gar nicht in der zur Verfügung stehenden Zeit).



    Immerhin hab ich es fast bis zu einem zweiten Foss geschafft, dem Litlanesfoss. Eingefasst wird er von sehr schönen Basaltsäulen und die roten Schichten sind hier auch sehr schön zu sehen.





    Auf dem Rückweg noch ein nettes Panorama.



    Nun geht’s die Straße 931 wieder zurück Richtung Egilsstaðir, dann über die Hochebene und wir sind wieder in Seyðisfjördur.

    Aber: Oh Wunder! In Egilsstaðir setzt Dieter beherzt den Blinker und wir finden uns auf dem schon bekannten Parkplatz wieder. Was soll das? Irgendwelche Flüssigkeiten, die ich von mir geben könnte, habe ich auf dem steilen Weg Richtung Hengifoss sämtlichst ausgeschwitzt!


    Im Bus wird gemurmelt. Dann plärrt es mit Kinderstimme irgendwo von hinten: „Isch will aba nich mehr zu Netto!“


    „Die hatten heute früh schon keine Sonderangebote mehr.“, motzt es leise von anderer Seite weiter. Es nützt nichts. Während ich also standhaft beide Gänge verweigere, spitze ich mal ein wenig die Ohren.


    „Ich hab ein Islandnettotrauma.“, sagt ein älterer Herr neben mir. Sein Bekannter nickt und meint: “Wir hatten heute eine Toilettentour, kann ich eine Menge drüber erzählen“. Dieser Satz setzt sich in meinem Kopf fest und wird sich in den nächsten Tagen weiterentwickeln.


    So gegen viertel vor sechs sind wir wieder am Schiff und machen uns nach dem Abendessen noch zu einem kurzen Spaziergang durch Seyðisfjördur auf. Viel hat dieser Ort nicht zu bieten. Im Wesentlichen lebt er von und mit der Fähre, von menschlicher und Containerfracht.





    In dem kleinen Fährterminal gibt es außer WLAN auch noch eine kurze Info für alle Ankommenden.



    LG Joean

    An den Hängen der Felsspalte sind die Möwen schon am Brüten.





    Danach machen wir uns schon wieder auf die Rückfahrt nach Tòrshavn und halten zwischendurch noch mal für ein paar schöne Fotomotive an.





    Zurück in Tòrshavn bleibt noch Zeit für einen Stadtbummel, aber um 14:00 Uhr legt MS Norröna ab. Nun sind wir auf dem Weg nach Island.



    Dienstag, 15. Mai 2018

    Seyðisfjörður


    Wir kommen gegen 10:00 Uhr (Schiffszeit) in Seyðisfjörður an. Leider ist die Fahrt durch den Fjord dermaßen verregnet, dass ich nicht ein einziges vernünftiges Foto machen konnte.


    Unser Bus wird als erster ausgeladen und wir machen uns auf den Weg. Von Seyðisfjörður aus muss man auf jeden Fall erst mal über eine Passstraße, um die Fjaðarheiði, eine 620 Meter hohe Hochebene, zu überwinden. Hier liegt teilweise noch ordentlich Schnee. Auf der anderen Seite des Passes liegt Egilsstaðir, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Osten Islands. Die Fahrt über die Serpentinen dauert eine knappe halbe Stunde. Dann biegt der Bus zielgerichtet auf einen großen Parkplatz ein. Und nu? Schon da?


    Bisher war mir Island nicht unbedingt als Land der kurzen Wege bekannt. Die Erklärung gibt Karin umgehend.

    „Wir machen hier 20 Minuten Pause. Gehen Sie am besten hier nochmal auf die Toilette!“

    An der Tankstelle hier gebe es dazu die Möglichkeit und gegenüber sei auch gleich ein Netto.




    Leider macht der erst um 10:00 Uhr (Ortszeit) auf und da wir ja nach Schiffszeit losgefahren sind... habe ich zehn Minuten Zeit, mir zu überlegen, ob ich nicht doch mal reinschaue. Für Reisende, die das erste Mal auf Island sind, ist das vielleicht noch interessant, aber unterm Strich sind auch hier die Frühstücksflocken von Kellogg’s und die Isländerin, die was auf sich hält, betoniert sich auch hier die Frisur mit Drei-Wetter-Taft an die Birne.


    Für heute steht eine Landschaftsfahrt um den Lögurinn See auf dem Plan. Der Lögurinn ist der drittgrößte Binnensee Islands und bis zu 112 Meter tief. Damit liegt er teilweise bis zu 90 Metern unter dem Meeresspiegel.


    Wir fahren also entlang einer Straße, die rechts und links von Bäumen gesäumt wird. Seit Anfang des 20. Jhd. wird in dieser Gegend versucht, Island wieder aufzuforsten. Dies ist wegen des rauen Klimas sehr zeitaufwendig, da die Bäume noch wesentlich langsamer wachsen als bei uns.




    Zwischendurch sehen wir noch ein paar Singschwäne, die in den kurzen Sommermonaten hier ihren Nachwuchs aufziehen.



    Eine gute halbe Stunde später halten wir auf einem Parkplatz in der Nähe des See's. Hm, ich kann verstehen, dass die Isländer stolz sind auf ihren hier neu entstehenden Wald. Aber mal ehrlich: Glaubt ihr, ein Isländer würde Deutschland bereisen und sich dann voller Begeisterung hier etwas ansehen, was er zu Hause viel größer und eindrucksvoller hat?

    Na gut, aber wahrscheinlich geht’s auch gar nicht darum, sondern um die Toiletten, die sich am Rand des Parkplatzes befinden.



    Nochmal 20 Minuten später halten wir am Parkplatz des Hallormsstaðaskógur National Parks, der das ganze Aufforstungsgebiet umfasst. Wir machen einen kurzen Spaziergang. Während dieses Rundgangs stellt auch jemand die Frage nach Papageientauchern.

    Karins Antwort: Nein, in Ostisland gäbe es keine Papageientaucher. Außerdem wären wir dafür sowieso ca. 2 Wochen zu früh dran. Zu diesem Zeitpunkt nehme ich das - aufgrund fehlender eigener Recherche - mal so hin.


    Hauptsächlicher Anziehungspunkt war und blieb für unsere Reiseleiter die, sich am Parkplatz befindende, öffentliche Toilette. Deren Nutzung wurde uns wieder ausdrücklich ans Herz gelegt.

    Zu diesem Zeitpunkt ist meine Stimmung erstmal ziemlich auf dem Tiefpunkt. Wenn hier nicht bald noch ein Knaller folgt, dann verbuche ich diesen Tag mal als größten Reinfall seit ziemlich langer Zeit. Überhaupt bin ich der Meinung, dass hier so manch eine Priorität falsch gesetzt wird. Auf dem Weg zwischen See und Hallormsstaðaskógur National Park wird mitten auf der Straße angehalten, damit man Schafe fotografieren kann. Schafe fotografiere ICH auf den Schafsinseln, hier gibt es anderes, was es sonst so nicht (zumindest nicht so häufig) gibt. Aber als wir vorhin an diesen Islandpferden vorbeigefahren sind, da kam von Karin nur: „Hier sehen Sie Islandpferde auf ein Uhr.“ Und wusch – vorbei war der Bus.


    Unser nächster Stopp ist so gegen halb zwei auf der anderen Seeseite das Snæfellsstofa Visitor Center. Hier verweist Karin vor allem auf die Besichtigung der Ausgrabungsstätte von Skriðuklaustur - einem alten Augustinerkloster. Das wär's dann:




    Und schon wieder 10 Dateianhänge erreicht - gleich kommt Teil 3

    Montag, 14. Mai 2018

    Die Färöer Inseln – Teil 1


    Bereits früh um 05:00 Uhr erreicht MS Norröna ihren Heimathafen Tòrshavn auf der Insel Streymoy.






    Da es noch sehr früh ist kann ich Euch noch mit ein paar Fakten quälen, die ich mir auch erst wieder anlesen musste. Die Färöer liegen in etwa so auf dem halben Weg zwischen Dänemark und Island. Es ist eine Ansammlung von 18 Inseln, gelegen mitten im Atlantik, aber eben auch mitten im Golfstrom. Reine, frische Seeluft kann man hier überall atmen, denn kein Punkt der Inseln ist weiter als 5 km vom Meer entfernt. Beim Atmen sollte man sich allerdings wetterfest anziehen. Meine Empfindung war, dass die Wetterlage hier fast noch schneller wechselt als ich das von Island her kenne.

    Unterseeische Vulkane haben hier vor ca. 60 Millionen Jahren eine wirklich beeindruckende Landschaft geformt.


    Wir werden heute unter Leitung von Karin und Dieter unseren ersten Ausflug machen. Von Tòrshavn geht es zunächst auf der Buttercop-Route“ Richtung Norden. Straßen, die zu dieser Route gehören, finden sich auf mehreren Inseln der Färöer und kennzeichnen immer landschaftlich besonders eindrucksvolle Gebiete. Ihren Namen hat die Buttercop-Route von der Nationalblume der Färöer – die gelbe Sumpfdotterblume.


    Zunächst sieht das ja wirklich alles andere als einladend aus.




    Zwei bis drei Ecken weiter dann so:



    Nachdem wir von dem Pass dann runter sind, geht’s weiter an der Nordostküste Streymoys entlang.


    Hier findet sich dann auch endlich mal jemand, der uns standesgemäß begrüßt.




    Weiter geht die Fahrt über die weltweit einzige Brücke, die den Atlantik überspannt rüber auf die nördlich gelegene Nachbarinsel Eysturoy. Nahe des Ortes Eiði findet man dann auch „Risin og Kellingin“ (der Riese und das Weib), zwei vor der Küste stehende Basaltsäulen.




    Um mal die Größenverhältnisse etwas gerade zu rücken, sei erwähnt, dass die beiden Säulen jeweils um die 70 Meter hoch sind und die davorliegende Klippe ca. 350 Meter. Selbstverständlich gibt es zur Entstehung der Säulen mindestens eine Sage und selbstverständlich sind es versteinerte Trolle.


    In Eiòi gibt es dann noch einen technischen Stopp. Wer nicht die sich hier befindlichen öffentlichen Toiletten besucht, kann sich stattdessen die kleine Kirche des Dorfes ansehen.




    Danach weiter über die Buttercop-Route nach Gjógv. Besonders sehenswert ist hier die Felssplate, die dem Dorf seinem Namen gab und die schon zu Zeiten der Wikinger als Hafen diente.





    So, maximale Anzahl an Dateianhängen erreicht. geht gleich noch weiter...

    plädiere schon mal dafür, Dich schnellstmöglich auf die nächste Kreuzfahrt zu schicken, damit wir alle hier weiterhin viel zu lesen und zu schmunzeln haben

    @all

    na, dann fangt schon mal an, zusammenzulegen.

    Jetzt schwant mir auch, woher das Wort "Verleger" eigentlich kommt. 8|

    Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr kann ich mich mit dem Gedanken anfreunden.

    uschisiggi

    Witzigerweise hast du mir mit diesem Satz (im weitesten Sinne) schon fast das Ende meines Reiseberichtes vorhergesagt...

    Hach, ich liiiieeeebe meine fiesen Cliffhänger .... :love:

    LG Joean

    Sonntag, 13. Mai 2018

    Seetag auf dem Weg zu den Färöer Inseln – Es ist eine Fähre, eine Fähre, eine Fähre!


    Schon um 04:30 Uhr werden wir wach, da wir ganz vergessen haben, die Jalousie vor dem Fenster runter zu ziehen und nun scheint die Sonne schon direkt bei uns rein.


    Das gibt mir die Gelegenheit, nochmal einen Blick in das uns gestern zur Verfügung gestellte Infomaterial zu werfen. Dort heißt es:


    „…, wir sind uns sicher, dass Sie den ausgezeichneten Service, die hervorragende Küche und das kurzweilige Bordleben genießen werden. Während der vor Ihnen liegenden Überfahrt haben Sie zahlreiche Möglichkeiten, …, seien es inspirierende Filmvorführungen über die Färöer Inseln und Island,…“


    Belassen wir es mal bei diesem Zitat.

    Früh genug wach steuern wir also irgendwann das Norröna Buffet Restaurant an, in dem wir unser Inclusive-Essen zu uns nehmen dürfen. Gegen das Buffet kann man wirklich nichts Negatives sagen, es ist alles da, was man zum Frühstücken braucht. Um das Wasserrührei (kennt man ja) kann man einen Bogen machen, um sich dann an den Spiegeleiern zu bedienen. Bis dahin – alles gut und es ist ja „nur“ eine Fähre.


    Das wirkliche Problem fängt erst an, wenn man dann einen Tisch sucht. Zum Frühstück gilt hier: freie Sitzung und es ist ein unglaubliches Gewusel. Darüber hinaus kann man nur an ca. zwei Drittel der Tische Platz nehmen, denn die anderen sind mit Bergen von dreckigen Tellern und Abfall der „Voresser“ übersät.

    Der „ausgezeichnete Service“ hat wahrscheinlich genau das, was ich die Woche auch habe: Urlaub.


    Irgendwann haben wir dann Glück und finden einen gerade abgeräumten Tisch. Zum Abwischen war leider keine Gelegenheit und ich glaube, wenn ich nicht schon ein solches vom Buffet mitgebracht hätte, dann wäre es mir mühelos gelungen, ein Brötchen aus den Krümeln auf und unter dem Tisch zusammenpuzzeln. Empfindlich darf man hier nicht sein – es ist und bleibt eine Fähre.


    Der absolute Gipfel (das Wort „Krönung“ will mir in diesem Zusammenhang nicht über die Lippen) ist allerdings die Getränkesituation. Es gibt Automaten, die statt Kaffee, eine unbeschreibliche Brühe ausspucken. Ich gehe jede Wette ein, in diesem Gerät sitzt eine kleine alte schrumpelige Hexe, die hier versucht, ihren Zaubertrank an den Gast zu bringen.

    Bäähh – ist das ecklig!


    Nach zweimaligem vorsichtigem Nippen stelle ich den „Genuss“ dieses Trankes ein, denn alt bin ich schon und schrumpelig werd ich noch früh genug.

    Vielleicht wäre Tee eine Alternative? Das Hexenhaus kann auch „Hot Water“, aber was dann aus dem Hahn kommt, hat eine Farbe als wäre es vorher erst mal durch die Hexe durchgelaufen, wenn ihr versteht was ich meine (und wenn nicht, dann habt ihr nichts verpasst).

    Es ist definitiv eine Fähre!

    Und das hat nichts damit zu tun, dass auch Tassen Mangelware sind, Pappbecher dafür in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen.

    Orangensaft wird frühstückstechnisch in dieser Woche unsere Rettung sein. Und in einer der beiden Bars kann man sich später immer noch einen wirklich guten (kostenpflichtigen) Kaffee (und dort auch aus Tassen) gönnen.


    Das „kurzweilige Bordleben“, welches angepriesen wurde, besteht im Wesentlichen aus dem, was man draus macht. Es ist aber eine Fähre – und wir wussten das vorher. Scrabble, Würfelbecher und Kartenspiel durften sich daher - im Gegensatz zu unseren sonstigen Kreuzfahrten – über einen Platz im Koffer freuen. Am späteren Vormittag gab es dann noch die „inspirierende Filmvorführung“ über die Färöer Inseln, eine mareTV-Sendung.


    Manch einer fragt sich jetzt bestimmt, warum wir diese Reise gebucht haben.


    1. Es war die Route. Auf den Färöern waren wir zuletzt 2010 und da haben wir an einem Vormittag gerade die Zeit gehabt, etwas durch Tòrshavn zu bummeln. Jetzt wollten wir etwas mehr von den Färöern sehen und die Ausflugsangebote (Bestandteil der Wikingerkreuzfahrt) mitnehmen.
    2. Die Möglichkeit, nach Ostisland zu kommen. Dies ist eine Ecke, die von Kreuzfahrtschiffen eher selten angelaufen wird. In einer Beschreibung der „bösen“ Konkurrenz“ hatte ich außerdem gelesen, dass ein Highlight dieser Reise die Fahrt zum Dettifoss (witterungsabhängig) sei. Ich muss zugeben, „Dettifoss“ hat mich angefixt, „witterungsabhängig“ hab ich ausgeblendet.
    3. Die Kombination von 1. und 2., gepaart mit der Tatsache, dass ich dafür nur 5 Tage Urlaub brauche.
    4. Wir waren ja schon mal mit Finnlines unterwegs und dort waren unsere Erfahrungen durchweg positiv (na ja, bis auf den Keyboarder, aber das wurde ja dann auch besser).
    5. So eine Reise macht auch nicht jeder.

    Fünf Gründe – für uns ausreichend. Und Meerblick, Seegang, frische Luft kostenlos obendrauf.


    Ach, übrigens darf ich noch erwähnen, dass der bestialische Gestank im Treppenhaus auf See verschwunden war, hing wahrscheinlich mit der Schließung des Autodecks zusammen. Im Hafen: Autodeck auf = Gestank wieder da.


    Der Rest des Tages vergeht mit angeregten Unterhaltungen mit Mitreisenden (Altersteilzeitler müsste man sein, dann würde ich auch 2 Wochen rund um Island fahren, aber ich würde ganz bestimmt nicht campen!) und der Beobachtung einer Gruppe jagender Schweinswale.


    „Ehe Du mit Deiner Kamera in die Gänge kommst, haben die Viecher den Hering doch schon wieder verdaut!“, ohne mein Wissen scheint GöGa auf Meeresbiologe umgeschult zu haben.

    Na ja – rausgekommen ist zumindest ein Foto, welches ich unbedenklich hier einstellen kann. Es ist absolut nichts drauf zu sehen…




    Im Laufe des späten Nachmittags fahren wir dann noch an der Nordspitze der Shetland-Inseln vorbei und sehen den Bressay Leuchtturm.



    Abends entzerrt sich die Versorgungssituation deutlich. Es gibt Tischzeiten und feste Plätze pro Reisegruppe. Das Essen wird wieder in Buffetform angeboten und hier gibt’s jetzt wirklich überhaupt nichts mehr zu meckern. Fisch und Meeresfrüchte soweit das Auge reicht, Fleisch ohne Ende (jeden Tag mindestens drei andere verschiedene Braten, die frisch aufgeschnitten werden), Salate, Beilagen… Es bleiben absolut keine Wünsche offen.

    Und um an diesem Dessertbuffet vorbeizukommen, hätte man mir Augen und Nase verbinden müssen und gleichzeitig auch noch beide Beine brechen. Ich hatte ja schon im Vorfeld gelesen, dass das Abendessen an Bord dieser Fähre üppig und sehr sehr gut sein soll. Das kann ich zu 100% bestätigen.

    Und an den noch folgenden Tagen geht es beim Frühstück auch gesitteter zu – warum auch immer.

    LG Joean

    nordwind

    Susi66

    Bremerin

    KarinM

    sonnenscheins

    Hallo und willkommen an Bord. Ich freue mich, dass ihr mitkommen wollt.

    Die Auflösung der 108,30 € gibt's aber erst im letzten Teil - dauert also noch etwas.

    Langweilig wird's aber bis dahin nicht - soviel kann ich versprechen...

    Königin

    Schön, dass ihr wieder zurück seid und nun auch mitlest.

    GöGa dankt und schickt liebe Grüße an den König - ich natürlich auch :)

    Dann werde ich mich mal an den nächsten teil setzen...

    LG Joean

    Samstag, 12. Mai 2018

    Weiterreise nach Hirtshals

    Die Vorfreude treibt uns schon zeitig aus dem Bett und so stehen wir gute 5 Minuten vor 07:00 Uhr beim Bäcker Junge vor der Tür.

    Offen ist dort erst ab 07:00 Uhr, müssen wir eben etwas warten. Als wir noch versuchen, mit unseren Koffern den Gehweg nicht zu sehr zu versperren, kommt ein junger Mann angerannt, stürzt an die Tür und als diese nicht aufgeht, hämmert er mit der Faust an die Scheibe.

    „Der macht erst um 07:00 Uhr auf“, will ich der Tür zu Hilfe eilen.

    „Ich weiß“, sagt er, „ich arbeite hier!“

    Oh, na dann freuen wir uns doch über jeden Angestellten, der noch den Weg findet.

    Das ist wieder so ein schönes Beispiel, an dem man das Wort „relativ“ wirklich gut erklären kann. Wir sind mit fünf vor sieben relativ früh dran und er eben relativ spät. Besser hätte das der alte Albert auch nicht beschreiben können.

    Die Kollegin des jungen Mannes kommt und schließt die Tür auf.

    „War wohl wieder spät gestern abend, was?“

    Er winkt nur ab und stürmt nach hinten.

    Wo die Tür nun schon mal auf ist, dürfen auch wir gleich mit rein. Eigentlich wollten wir nur schnell einen Kaffee aus Togo und ein Baguette zum Mitnehmen. Aber die Auswahl in der Theke ist ein Problem für GöGa.

    „Haben Sie denn auch was ohne Körner?“

    „Klar, sagen Sie einfach, was Sie haben wollen und was drauf soll, meine Kollegin macht das dann frisch.“

    Er atmet auf – gibt also doch noch was zwischen die Kiemen.

    In der Zwischenzeit ist unser Kaffee fertig und sie schwatzt mir noch 2 Franzbrötchen auf. Der erste Deal des Tages ist also perfekt.

    Um zehn nach sieben rollt der uns mit den Reiseunterlagen beschriebene Bus um die Ecke und wir lernen – nennen wir sie mal Karin und Dieter (Namen vom Autor geändert) – kennen. Die beiden sind das Inhaberehepaar des besagten Reiseunternehmens und außerdem Fahrer(in) und Reiseleiter(in) für die kommende Woche in Personalunion.

    Der Bus ist schon halb gefüllt, in Hamburg werden nun noch weitere 8 Personen zusteigen. Mein Mann kommt schon mal mit Dieter ins Gespräch und erzählt ihm, dass ein Kollege von ihm vor 3 Wochen die gleiche Tour – allerdings mit Trendtours – gemacht hat.

    Dieter rümpft bei Erwähnung der „Konkurrenz“ die Nase und meint nur: „Ihr werdet den Unterschied merken.“

    Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen.

    Auf geht’s Richtung Hirtshals. Wir machen noch zwei kurze Stopps in Neumünster sowie Flensburg und nehmen dort noch weitere Reisende auf. Zwischendurch wechseln sich Karin und Dieter beim Fahren ab. Das ist sehr praktisch, so können die vorgeschriebenen Lenkzeitpausen entfallen. An der dänischen Grenze gibt’s einen kurzen Rückstau aufgrund der wieder eingeführten Grenzkontrollen. Aber wirklich viel Zeit verlieren wir dadurch nicht. Kurz nach halb zwei sind wir dann in Hirtshals (incl. einer Pause auf dänischer Seite).

    Hirtshals ist ein ziemlich schmuckloser Hafen mit mehreren Fährterminals. Von hier aus kann man mit der ColorLine nach Kristansand oder Larvik fahren oder auch mit der Fjordline nach Bergen, Stavanger oder Langesund.

    Da ich im Hafen von Hirtshals kein Bild der Fähre gemacht habe, füge ich mal an dieser Stelle ein Bild des Schiffes ein, welches ich in Seyðisfjöður gemacht habe.

    MS Norröna liegt am Terminal der Fjordline. Aktuell werden außer der menschlichen Fracht auch noch viele Container verladen und das erste, was wir bei Betreten des Schiffes wahrnehmen, ist ein beißender Gestank nach Fisch.

    Es gibt ja wirklich schon für fast alles ne App, leider gibt es noch keine, mit der man Gestank aufzeichnen kann. Zu gern würde ich jetzt eine kleine Geruchswiedergabe starten. Für die Authentizität wäre das jetzt auf jeden Fall ein großer Gewinn.

    Wir beziehen erst mal unsere Kabine auf Deck 6. Das wir hier nicht mit dem Komfort eines Kreuzfahrtschiffes rechnen können, ist uns völlig klar. Das muss man aber unbedingt vorher wissen, ansonsten geht man aus der Kabine sofort rückwärts wieder raus.

    Wir hatten uns für eine 2-Bett-Außenkabine entschieden.


    Da ist nicht viel Platz. Einen Fernseher gibt es auch (links im Bild - nicht zu sehen). ARD, ZDF, ZDFneo und Arte sind empfangbar (allerdings nicht im Hafen von Seyðisfjöður).

    Auch die beiden Schränke sind eher überschaubar und max. 25cm tief. Zu viel Gepäck sollte man auf keinen Fall dabeihaben.


    Worüber man sich vor der Reise unbedingt belesen haben sollte ist, dass es zwar pro Person ein Badetuch gibt, aber pro Kabine nur ein normales Handtuch (zweimaliger Wechsel während der Reise, Bettwäsche einmal). Von daher hatte ich vorgesorgt und im Koffer Duschvorleger und Handtuch mit untergebracht.

    Um 15:00 Uhr (Hirthals-Zeit) legt die MS Norröna dann Richtung Färöer Inseln ab. Für uns ist es dann aber erst 14:00 Uhr. Denn da das Schiff unter färinger Flagge fährt, gilt für die gesamte Reise die „Schiffszeit“. Und die richtet sich nach der Färöer Zeitzone. Auch in Seyðisfjöður gilt diese Zeit, obwohl die Zeitverschiebung ja dort nochmals minus eine Stunde wäre. Alle angegebenen Ein- und Ausschiffungszeiten, alle Öffnungszeiten, alle Essenszeiten, alle Treffpunktzeiten – alles immer Schiffszeiten (und ich erwähne das nicht umsonst!).

    Die Ausfahrt aus dem Hafen von Hirtshals könnte man auch als ziemlich eng bezeichnen.

    Nach dem Auslaufen gibt es dann so eine Art Informationsveranstaltung für alle Passagiere. Außer unserem Bus sind noch 3 Busse von Trendtours, ein Bus eines anderen norddeutschen Reiseunternehmens (eine Leserreise), ein Bus aus Norwegen und auch einige Leute an Bord, die die reine Fährüberfahrt bis zu den Färöern bzw. nach Island gebucht haben.

    In der Infoveranstaltung ging es mehr so um organisatorische Sachen – nichts wirklich Aufregendes. Das gibt mir jetzt die Gelegenheit, mal kurz auf Schiff und Reederei näher einzugehen.

    Die Reederei Smyril Line (Hauptsitz: Tòrshavn) gibt es nunmehr schon seit sechsunddreißig Jahren und sie betreibt die einzige Fährverbindung zwischen Dänemark, den Färöern und Island, die ganzjährig befahren wird.

    Die MS Norröna wurde 2003 auf der Flender Werft in Lübeck gebaut und kostete seinerzeit ca. 100 Mio Euro.

    Sie ist 165 Meter lang und 30 Meter breit, Tiefgang 6,50 Meter.

    Maximal kann sie 1.482 Passagiere und 800 PKW’s befördern – aber dann möchte ich garantiert nicht mehr an Bord sein!

    Bei unserer Reise sind es ca. 600 Passagiere und das reicht auch. Mir zumindest – die Reederei wird das sicher anders sehen. Maximal kann die Norröna mit 21 Knoten laufen, bei unserer Reise wird sie über 16 Knoten nicht hinauskommen.

    Damit Ihr Euch mal ein ungefähres Bild der Route machen könnt:

    Leider werde ich nicht viele Bilder vom Schiff zeigen können. Ich habe zwar viele Bilder gemacht, bin aber zu dem Zeitpunkt noch davon ausgegangen, es würde ausreichen, wenn ich dann die darauf befindlichen Personen „verpixele“.

    Auf alle Fälle kann ich Euch noch mit einem völlig unverpixelten Sonnenuntergang und einem Blick auf die norwegische Südküste quälen.