Samstag, 12. Mai 2018
Weiterreise nach Hirtshals
Die Vorfreude treibt uns schon zeitig aus dem Bett und so
stehen wir gute 5 Minuten vor 07:00 Uhr beim Bäcker Junge vor der Tür.
Offen
ist dort erst ab 07:00 Uhr, müssen wir eben etwas warten. Als wir noch
versuchen, mit unseren Koffern den Gehweg nicht zu sehr zu versperren, kommt
ein junger Mann angerannt, stürzt an die Tür und als diese nicht aufgeht,
hämmert er mit der Faust an die Scheibe.
„Der macht erst um 07:00 Uhr auf“, will ich der Tür zu Hilfe
eilen.
„Ich weiß“, sagt er, „ich arbeite hier!“
Oh, na dann freuen wir uns doch über jeden Angestellten, der
noch den Weg findet.
Das ist wieder so ein schönes Beispiel, an dem man das
Wort „relativ“ wirklich gut erklären kann. Wir sind mit fünf vor sieben relativ
früh dran und er eben relativ spät. Besser hätte das der alte Albert auch nicht
beschreiben können.
Die Kollegin des jungen Mannes kommt und schließt die Tür
auf.
„War wohl wieder spät gestern abend, was?“
Er winkt nur ab und stürmt nach hinten.
Wo die Tür nun schon mal auf ist, dürfen auch wir gleich mit
rein. Eigentlich wollten wir nur schnell einen Kaffee aus Togo und ein Baguette
zum Mitnehmen. Aber die Auswahl in der Theke ist ein Problem für GöGa.
„Haben Sie denn auch was ohne Körner?“
„Klar, sagen Sie einfach, was Sie haben wollen und was drauf
soll, meine Kollegin macht das dann frisch.“
Er atmet auf – gibt also doch noch was zwischen die Kiemen.
In der Zwischenzeit ist unser Kaffee fertig und sie schwatzt
mir noch 2 Franzbrötchen auf. Der erste Deal des Tages ist also perfekt.
Um zehn nach sieben rollt der uns mit den Reiseunterlagen
beschriebene Bus um die Ecke und wir lernen – nennen wir sie mal Karin und
Dieter (Namen vom Autor geändert) – kennen. Die beiden sind das Inhaberehepaar
des besagten Reiseunternehmens und außerdem Fahrer(in) und Reiseleiter(in) für
die kommende Woche in Personalunion.
Der Bus ist schon halb gefüllt, in Hamburg
werden nun noch weitere 8 Personen zusteigen. Mein Mann kommt schon mal mit
Dieter ins Gespräch und erzählt ihm, dass ein Kollege von ihm vor 3 Wochen die
gleiche Tour – allerdings mit Trendtours – gemacht hat.
Dieter rümpft bei
Erwähnung der „Konkurrenz“ die Nase und meint nur: „Ihr werdet den Unterschied
merken.“
Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen.
Auf geht’s Richtung Hirtshals. Wir machen noch zwei kurze
Stopps in Neumünster sowie Flensburg und nehmen dort noch weitere Reisende auf.
Zwischendurch wechseln sich Karin und Dieter beim Fahren ab. Das ist sehr
praktisch, so können die vorgeschriebenen Lenkzeitpausen entfallen. An der
dänischen Grenze gibt’s einen kurzen Rückstau aufgrund der wieder eingeführten
Grenzkontrollen. Aber wirklich viel Zeit verlieren wir dadurch nicht. Kurz nach
halb zwei sind wir dann in Hirtshals (incl. einer Pause auf dänischer Seite).
Hirtshals ist ein ziemlich schmuckloser Hafen mit mehreren
Fährterminals. Von hier aus kann man mit der ColorLine nach Kristansand oder
Larvik fahren oder auch mit der Fjordline nach Bergen, Stavanger oder
Langesund.
Da ich im Hafen von Hirtshals kein Bild der Fähre gemacht
habe, füge ich mal an dieser Stelle ein Bild des Schiffes ein, welches ich in
Seyðisfjöður gemacht habe.
MS Norröna liegt am Terminal der Fjordline. Aktuell werden
außer der menschlichen Fracht auch noch viele Container verladen und das erste,
was wir bei Betreten des Schiffes wahrnehmen, ist ein beißender Gestank nach
Fisch.
Es gibt ja wirklich schon für fast alles ne App, leider gibt
es noch keine, mit der man Gestank aufzeichnen kann. Zu gern würde ich jetzt
eine kleine Geruchswiedergabe starten. Für die Authentizität wäre das jetzt auf
jeden Fall ein großer Gewinn.
Wir beziehen erst mal unsere Kabine auf Deck 6. Das wir hier
nicht mit dem Komfort eines Kreuzfahrtschiffes rechnen können, ist uns völlig
klar. Das muss man aber unbedingt vorher wissen, ansonsten geht man aus der
Kabine sofort rückwärts wieder raus.
Wir hatten uns für eine 2-Bett-Außenkabine entschieden.
Da ist nicht viel Platz. Einen Fernseher gibt es auch (links
im Bild - nicht zu sehen). ARD, ZDF, ZDFneo und Arte sind empfangbar
(allerdings nicht im Hafen von Seyðisfjöður).
Auch die beiden Schränke sind eher überschaubar und max.
25cm tief. Zu viel Gepäck sollte man auf keinen Fall dabeihaben.
Worüber man sich vor der Reise unbedingt belesen haben
sollte ist, dass es zwar pro Person ein Badetuch gibt, aber pro Kabine nur ein
normales Handtuch (zweimaliger Wechsel während der Reise, Bettwäsche einmal).
Von daher hatte ich vorgesorgt und im Koffer Duschvorleger und Handtuch mit
untergebracht.
Um 15:00 Uhr (Hirthals-Zeit) legt die MS Norröna dann
Richtung Färöer Inseln ab. Für uns ist es dann aber erst 14:00 Uhr. Denn da das
Schiff unter färinger Flagge fährt, gilt für die gesamte Reise die
„Schiffszeit“. Und die richtet sich nach der Färöer Zeitzone. Auch in
Seyðisfjöður gilt diese Zeit, obwohl die Zeitverschiebung ja dort nochmals
minus eine Stunde wäre. Alle angegebenen Ein- und Ausschiffungszeiten, alle
Öffnungszeiten, alle Essenszeiten, alle Treffpunktzeiten – alles immer
Schiffszeiten (und ich erwähne das nicht umsonst!).
Die Ausfahrt aus dem Hafen von Hirtshals könnte man auch als
ziemlich eng bezeichnen.
Nach dem Auslaufen gibt es dann so eine Art Informationsveranstaltung
für alle Passagiere. Außer unserem Bus sind noch 3 Busse von Trendtours, ein
Bus eines anderen norddeutschen Reiseunternehmens (eine Leserreise), ein Bus
aus Norwegen und auch einige Leute an Bord, die die reine Fährüberfahrt bis zu den
Färöern bzw. nach Island gebucht haben.
In der Infoveranstaltung ging es mehr so um organisatorische
Sachen – nichts wirklich Aufregendes. Das gibt mir jetzt die Gelegenheit, mal
kurz auf Schiff und Reederei näher einzugehen.
Die Reederei Smyril Line (Hauptsitz: Tòrshavn) gibt es
nunmehr schon seit sechsunddreißig Jahren und sie betreibt die einzige
Fährverbindung zwischen Dänemark, den Färöern und Island, die ganzjährig
befahren wird.
Die MS Norröna wurde 2003 auf der Flender Werft in Lübeck gebaut
und kostete seinerzeit ca. 100 Mio Euro.
Sie ist 165 Meter lang und 30 Meter
breit, Tiefgang 6,50 Meter.
Maximal kann sie 1.482 Passagiere und 800 PKW’s
befördern – aber dann möchte ich garantiert nicht mehr an Bord sein!
Bei unserer
Reise sind es ca. 600 Passagiere und das reicht auch. Mir zumindest – die
Reederei wird das sicher anders sehen. Maximal kann die Norröna mit 21 Knoten
laufen, bei unserer Reise wird sie über 16 Knoten nicht hinauskommen.
Damit Ihr Euch mal ein ungefähres Bild der Route machen
könnt:
Leider werde ich nicht viele Bilder vom Schiff zeigen
können. Ich habe zwar viele Bilder gemacht, bin aber zu dem Zeitpunkt noch
davon ausgegangen, es würde ausreichen, wenn ich dann die darauf befindlichen
Personen „verpixele“.
Auf alle Fälle kann ich Euch noch mit einem völlig
unverpixelten Sonnenuntergang und einem Blick auf die norwegische Südküste
quälen.