Hallo uschisiggi
sehr gerne würde ich Dir einen Bericht über diese Reise erstatten aber der wird ohne Zweifel Einer der etwas anderen Art werden. Ich versuche es einfach mal
Wenn ich heute zurück blicke waren die schönsten Landgänge für mich Lerwick und Reykijavik die ich beide auf eigene Faust machte, weil ich mich da noch gesund und pudelwohl fühlte. Beides Ziele die man sehr gut auch im Alleingang erkunden kann. Ehrlich gesagt habe ich das sogar sehr genossen weil ich mir Alles im eigenen Tempo und nach eigener Lust und Laune anschauen konnte. Dies besonders was die große Kirche betrifft.
Lerwick war für mich ein besonderes kleines Highlight weil ich ja 25 Jahre in Großbritannien gelebt habe aber noch nie dort gewesen war. So machte es mir richtige Freude mich ein wenig mit den Einheimischen auszutauschen und ein sehr anderes England kennen zu lernen, bzw. Eines was so ein bisschen in der Vergangenheit stecken geblieben war.
Dann kam Quaquotok (werde den korrekten Namen in diesem Leben nicht mehr lernen) und auch da ließ sich der Ort super einfach in eigener Regie erkunden. Ein absolutes Muß die in Stein gemeißelten Reliefs wenn man vom Tendern kommt, über die Straße und den gegenüber liegenden Hügel läuft. Interessant fand ich auch den Besuch beim einzigen kleinen Supermarkt der zeigte wie irre teuer dort Vieles ist was bei uns Selbstverständlichkeit ist. Was mich aber besonders schock verlieben ließ war der Kontrast von grünem Graß, bunten Blumen und große Eisberge im Hintergrund! Die rote Kirche war auch ein Hingucker und wie schon erwähnt ist Alles einfach zu erreichen.
Am selbigen Abend fühlte ich schon eine ungewohnte bleierne Müdigkeit und leichten Muskelkater. Vor Allem schmeckte das Essen extrem salzig und da wußte ich im Grunde schon Bescheid. Langer Rede kurzer Sinn, als wir am nächsten Morgen in Nasaq ankamen war ich dermaßen erledigt das ich es gerade noch zum Bullauge schaffte um mich erneut in Grönland zu verlieben. Draußen dicker Nebel durch den sich ein bisschen Sonne quälte und die Umrisse darin von einem recht großen Eisberg. Das Meer wie ein silberner Spiegel.
Da so unendlich schlapp auf den Beinen legte ich mich noch einmal in meine Koje und war dann ganze 2 Tage komplett weg. Ich schreibe das nur weil sich in der Zeit etwas recht eigenartiges tat. Ja, ich hatte das Do not Distub Schild an meine Tür gehängt glaubend das es mir bis auf den Nachmittag besser gehen würde. Daraus wurde jedoch ein 2 tägiger kompletter Filmriß wo ich komplett weg gewesen war, gefolgt von einem positiven Covid Self-test. Blicke ich zurück hat es mich ziemlich verstöhrt das mein Untertauchen Niemandem aufgefallen war. Weder der Reiseleitung als ich unabgemeldet nicht zum Ausflug erschien, noch dem Kabin Stewart das sich die Tagesprogramme vor meiner Tür häuften.
Jedenfalls, bis wir Neufundland erreichten war ich inzwischen wieder fit genug um mich wenigstens etwas "vor die Tür" zu trauen. Draußen frische Luft, strahlende Sonne, Unmengen an Touristen, und außer dem Trubel im Hafen eher nicht viel los. Immerhin eine hübsche Stadt die man erst entdeckt wenn man ein wenig gelaufen ist, entlang charmanter kleiner Wohnhäuser mit schönen Vorgärten, entlang der Kirche. Alles sehr sauber und gepflegt.
Bis wir in Canada ankamen war ich wenigstens wieder einigermaßen auf den Beinen, aber sicherlich kannst Du Dir vorstellen wie man sich nach so etwas fühlt - eben total ausgepowert. Dank negativen Test konnte ich die Ausflüge Botanischer Garten, Alpaka Farm und Käserei mitmachen. Lache nur, aber das Hightlight war die Alpaka Farm denn mit Tieren gucken kann man nie was falsch machen
Die Käserei war ein großer Reinfall genauso wie die Glasmanufaktur davor. Bei der Glasmanufaktur kurzer Vortrag und dann ab in die Verkaufsstelle voller Ware für horrende Preise. Die Käserei war nicht viel mehr als eine stink normale kleine Fabrik mit großer Verkaufshalle und der hergestellte Käse schmeckte nach nix und hatte die Konsistenz von einem Radiergummi . An die kleineren Häfen erinnere ich mich nicht mehr so gut. Vermutlich weil sie zwar ok für einen Spaziergang waren aber ansonsten nix Besonderes.
Quebec habe ich in Erinnerung als eine Stadt die so voll gepackt war mit Touristen das man das Gefühl hatte bei angezogenen Beinen nicht umzufallen. In der Altstadt sah man nur Massen von Menschen, die sich allesamt in die unzähligen Geschäfte quetschten die allerlei Souveniers verkauften ... von sehr teuren Glas Objekten bis zur kitschigen Postkarte. Da wir auf der Rückreise dort noch einmal hielten ging ich noch einmal alleine auf Tour und entdeckte ein ganz anderes Kanada sobald ich anfing einach nur der Nase zu folgen. Zwar tolle Bauten aber oben unbewohnt und in den Geschäften und Kaffees unten Leerstand. Die wenigen Einheimischen die ich sah waren vorwiegend obdachlos und schwer alkoholisiert. Dann wollte ich mir das nahe gelegene Einkaufszentrum angucken und das war komplett leer bis auf eine wenig einladende Drogherie am Eingang.
Von Montreal bekam ich leider so gut wie Nichts mit das es mir wieder nicht besonders gut ging, und abgesehen davon regnete es fast pausenlos.
Auf dem Rückweg machten wir dann in Cork halt und darauf hatte ich mich riesig gefreut. Leider jedoch gab es nur den einen Shuttle Bus in die Stadt um kurz nach 08:00 der schon um 11:00 wieder zum Schiff zurück fuhr ehe es weiter nach Bremerhaven ging. Immerhin regnete es nicht und so konnte ich mir die noch schlafende Stadt in aller Ruhe anschauen. Schade, denn Cork ist wirklich schön - besonders wenn die Straßen mit Leben gefüllt sind.
Mein Fazit der Reise? Liest man meinen Beitrag könnte man glaube Alles war total negativ, aber das stimmt so nicht. Wärend der Zeit auf See gab es mehrmals Polar Lichter zu gucken, habe jede Menge Wale gesehen und mich in Grönland schock verliebt - was letztlich eine echte Bereicherung war. Neufundland war sehr schön aber noch einmal muß ich da nicht unbedingt hin. Von Canada war ich eher enttäuscht aber das liegt bestimmt an mir selber weil ich mit ganz falschen Vorstellungen dort hingereist bin, wie z. B. die tollen Herbstfarben - von denen kaum was zu sehen war.
Unter dem Strich muß jeder für sich selber heraus finden was begeistert und was nicht. So wünsche ich Dir - und den anderen Mitreisenden - viele tolle Eindrücke und eine super schöne Zeit.
LG
Hanna