Moin zusammen,
unsere erste Kreuzfahrt ist nun vorbei. Da mir hier im Vorfeld wirklich sehr geholfen wurde, möchte ich unsere Erfahrungen einmal kurz teilen — vielleicht hilft es ja anderen Familien mit kleinen Kindern.
Positiv:
- Am Ende muss man sich um sehr wenig kümmern: Die Kabinen werden regelmäßig aufgeräumt, beim Essen wird abgeräumt, überall sind viele fleißige Hände unterwegs — manchmal fast schon etwas zu viele.
- Für Kinder gibt es tatsächlich einiges an Angebot. Besonders der „Spielplatz“ auf Deck 4 mit Spielsachen, Tischkicker, HABA-Produkten usw. kam bei unserem größerem Sohn (3) sehr gut an. Er hat sich dort lange aufgehalten. Getränke konnte man sich in der Grööne Bar holen, allerdings darf man diese nicht im Spielbereich konsumieren.
- Die Verpflegung haben wir insgesamt als gut bis sehr gut empfunden. Beim Frühstück wurde es für uns am Ende allerdings etwas monoton: Immer das gleiche Rührei, die gleichen Bohnen usw. — grundsätzlich gut, aber wenig Abwechslung.
- Grundsätzlich finden wir eine Kreuzfahrt eine sehr bequeme Art zu reisen. Es ist schon toll, morgens an einem neuen Ort aufzuwachen. Gerade die Ein- und Ausfahrten fanden wir wirklich beeindruckend.
- An Bord herrschte aus unserer Sicht eine sehr angenehme Stimmung. Die meisten Gäste waren offen und freundlich und haben auch mit unseren Kindern nett interagiert. Natürlich gibt es immer die üblichen 10 %, die sich am Fahrstuhl vordrängeln oder am Buffet nicht hinten anstellen.
- Das Bordpersonal war insgesamt wirklich sehr kinderfreundlich. Beim Check-in war ich zunächst etwas erschlagen von den Menschenmengen, aber am Ende ging alles recht schnell. Mit Kindern wurden wir immer wieder aus den Schlangen herausgezogen und bevorzugt weitergeleitet. Ich glaube allerdings, dass Bremerhaven für so große Schiffe teilweise etwas eng bzw. wuselig ist. Die Mein Schiff 3 und die Phoenix Artania (?) sind quasi zeitgleich ausgelaufen — da war wirklich viel los.
- Unser Kleiner, 6 Monate alt, ist teilweise schon um 04:30 / 05:00 Uhr aufgewacht. In solchen Momenten ist es tatsächlich angenehm, dass man schon viele Bereiche nutzen kann. Meist ging es dann für einen Erwachsenen kurz ins Tag & Nacht Bistro zum Frühstück und danach ins Nest oder in die Kids Lounge. Dort konnte er etwas spielen, danach wieder in den Kinderwagen und schlafen. Das hat meistens gut funktioniert.
- Wir fanden, dass grundsätzlich alle notwendigen Leistungen inkludiert sind. Ein Punkt ist uns aber aufgefallen: Es gibt mittlerweile viele gute alkoholfreie Alternativen, z. B. Wein oder Sekt. An Bord war die Auswahl aus unserer Sicht aber noch recht begrenzt: alkoholfreie Cocktails, Bier und Sekt — das war es im Wesentlichen. Gute alkoholfreie Weine, rot und weiß, wären aus unserer Sicht eine sinnvolle Ergänzung.
Negativ:
- Wirklich geärgert hat uns der Kids Club. Am ersten Tag gab es wohl einen Kennenlerntag mit Eltern, danach war der Kids Club nur noch ohne Eltern nutzbar. Das fanden wir etwas schwierig. Jede Krippe oder Kita macht eine Eingewöhnung über Wochen, aber im Kids Club wird nach einem kurzen Kennenlernen erwartet, dass die Eltern nicht mehr dabei sind. Zudem hatten wir am ersten Tag natürlich viele andere Themen als ausgerechnet das Kennenlernen des Kids Clubs.
- Die Altersspanne von 3 bis 11 Jahren im Kids Club finden wir deutlich zu groß.
- Die Kids Club Lounge (also der "nicht-betreute" Spielbereich) ist deutlich zu warm und kann leider nicht in der Temperatur geregelt werden. Wir saßen dort mit mehreren Eltern und man fängt da an zu schwitzen. Der Raum liegt sehr nahe am Schornstein, vielleicht gibt es dort eine Wärmeübertragung? Auf jeden Fall kann man das nicht wirklich gut lange dort aushalten.
- Wenn man sein Kind nicht im Kids Club abgibt, ist der Bereich im Grunde nicht nutzbar. Nur während der Essenszeiten mittags und abends dürfen Kinder, die nicht betreut werden, mit in den Kids Club.
- Die Einschiffung ist mit zwei kleinen Kindern einfach stressig. Die Mitarbeitenden geben sich Mühe und es geht am Ende auch recht zügig, aber mit Gepäck, Kinderwagen, Buggy und Kindern ist es trotzdem etwas hakelig.
- Der Innenpool war uns mit angeblich 27 °C deutlich zu kalt. Ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass er tatsächlich so warm war. Unser größerer Sohn wollte ziemlich schnell wieder raus. Eigentlich wollten wir mit ihm häufiger schwimmen gehen, da er gerade seinen zweiten Kinderschwimmkurs besucht. Wenn er aber direkt friert, ist das natürlich ungünstig. Mit dieser Einschätzung waren wir auch nicht allein; andere Eltern haben das ähnlich gesehen.
- Jeder Essensgang — egal ob im Anckelmannsplatz, Atlantik oder anderswo — muss mit kleinen Kindern im Grunde wie ein Restaurantbesuch geplant werden. Man muss die Kinder beschäftigen, während man selbst irgendwie essen möchte. Beim Anckelmannsplatz ist das aus unserer Sicht ein wesentlicher Kritikpunkt: Es gibt keinen echten Familienbereich. Es gibt vier Bänke mit zwei Tischen, die zeitweise durch den Kids Club genutzt werden; davor und danach sind sie wohl für Familien vorgesehen (Tischaufsteller). Aber eine Bank beschäftigt ein Kind natürlich nicht. Ein abgegrenzter Familienbereich mit kleiner Kinderküche, etwas Spielzeug oder ähnlichen Möglichkeiten wäre aus unserer Sicht wirklich sinnvoll. Dann könnten Eltern auch deutlich entspannter essen. Für uns war das Essen im Urlaub tatsächlich die größte Herausforderung.
- Etwas genervt hat uns auch, dass es an den Automaten kein Sprudelwasser gibt. Wir haben es uns dann meist im Tag & Nacht Bistro gezapft.
Die Babyphone-Lösung ist grundsätzlich nicht schlecht, hatte aus unserer Sicht aber Schwächen. Man bekommt eine TP-Link/Tapo-WLAN-Kamera in einer Box, dazu ein aufgeladenes Samsung-Handy im Kiosk-Modus, das nur den Kamerastream öffnen kann.
Bei uns gab es dabei mehrere Probleme:
- Ein Babyphone ist einmal komplett ausgestiegen. Vor bzw. in der Kabine hatten wir noch ein klares Bild auf dem Samsung-Handy. Nachdem wir das Deck gewechselt hatten, sahen wir nur noch einen Ladekreisel und kein Bild mehr. Mehrere Neustarts haben nichts gebracht. Danach haben wir ein neues Babyphone bekommen, das sofort funktioniert hat. Das verzögert den Gang zur Bar als Paar natürlich massiv.
- Die Babyphone-Lösung hatte eine Verzögerung von mehreren Sekunden, geschätzt etwa 5 bis 10 Sekunden. Ich vermute, dass Video- und Tonsignal eventuell erst über TP-Link/Tapo (Cloud) laufen und dann wieder auf dem Endgerät landen. Sicher bin ich mir nicht, da einmal auch eine Fehlermeldung mit einer internen IP-Adresse erschien. Unabhängig davon war die Verzögerung aber deutlich spürbar.
- Der Weg zwischen Kabine und Bar war bei uns relativ lang. Unsere Kabine 7187 lag für unsere Abendplanung eher ungünstig. Das sollte man bei der Buchung aus unserer Sicht absolut berücksichtigen. Wir waren daher nur zwei Mal abends in einer Bar und haben uns ansonsten Getränke mit auf die Kabine genommen und dort gelesen. Daher bei einer Buchung idealerweise eine Kabine nahe dem Treppenhaus / Aufzug und auf deinem Deck, wo darüber oder darunter eine Bar ist.
Wissenswertes:
- Es war genau richtig, keinen Croozer mitzunehmen, sondern Buggy und Kinderwagen. Den Kinderwagen durften wir die gesamte Reise über auf dem Flur stehen lassen. Vermutlich lag das daran, dass unsere Kabine ganz am Ende des Flures war und im Fluchtfall nur wenige Personen daran vorbei mussten.
Fazit:
Für uns ist eine Kreuzfahrt eine sehr angenehme und komfortable Art zu reisen. Mit zwei sehr kleinen Kindern würden wir es zum jetzigen Zeitpunkt aber eher nicht noch einmal machen.
Wir werden das Thema in 3 bis 5 Jahren sicher noch einmal in Betracht ziehen — wenn die Kinder älter sind, vielleicht besser im Kids Club bleiben können oder insgesamt einfach besser „mitmachen“.
An Bord haben wir auch mit Eltern gesprochen, deren Kinder schon älter sind. Dort war der Tenor eher: Die Eltern sehen ihre Kinder morgens und abends, den Rest des Tages sind sie im Kids Club unterwegs. Das klingt für uns nach einer ganz anderen Reiseerfahrung.
Bei Fragen immer jederzeit melden, insbesondere wenn es ganz konkrete Fragen gibt.
Vielen Dank,
Moritz