Vielen Dank für all die Rückmeldungen.
Zwölf Jahre nach dieser Reise habe ich mir natürlich auch Gedanken darüber gemacht, wie ich diese Tour heute sehe und welche Anregungen für die Zukunft, Corona ausgenommen, ich mitgenommen habe. Dabei waren vor allem zwei Punkte im Fokus: die Jahreszeit und die Anzahl der Reisenden.
Zuerst einmal vorweg: Als ich das damalige Fazit gestern gelesen habe, musste ich in allen Punkten erneut zustimmen. Daran hat sich absolut nichts geändert.
Kommen wir zur Jahreszeit und der Frage: Wie um alles in der Welt kommt jemand auf die Idee, so eine Tour im Winter zu unternehmen?
Ursprünglich hatte ich für Herbst 2006 eine 2-wöchige Tour geplant, aber bereits 2004 angefangen, mich mit möglichen Zielen zu beschäftigen und alle Informationen zu sammeln, die ich bekommen konnte. Als ich dann Anfang 2006 den Urlaub für den Herbst beantragt habe, wurde mir mitgeteilt, dass ich aus betriebsinternen Gründen zwischen Juni 2006 und August 2007 nicht mehr als 2 zusammenhängende Tage Urlaub bekommen könne, aber der Resturlaub aus 2006 ein Jahr länger nicht verfallen würde. Es wäre aber erst ab Dezember 2007 möglich, dass ich mehr als eine Woche Urlaub am Stück nehme, ohne mich auf einen eventuell notwendigen Abbruch des Urlaubs einstellen zu müssen. Ich könne also schon 2 Wochen nach USA fliegen, müsse aber jeden Morgen und jeden Abend Verbindung mit der Firma aufnehmen und mich darauf einstellen, den nächsten Flug nach Hause nehmen zu müssen. Auf solch eine Option habe ich gerne verzichtet und dann als Alternative diese 4 Wochen über den Jahreswechsel ausgehandelt, bei der auch ein möglicher Abbruch schriftlich ausgeschlossen wurde.
Ich habe dann eben meine ursprüngliche Route, bei der natürlich auch der Bryce Canyon National Park enthalten war, auf "Winter" umgebaut und schweren Herzens auf die Teile komplett verzichtet, bei denen eine geschlossene Schneedecke sicher war.
Zurückblickend bin ich mehr als froh, mich wenigstens für die Wintervariante entschieden zu haben. Denn ein Jahr nach dieser Tour kam der Krebs und hat bis heute fast alle folgenden Reisepläne zunichte gemacht. Solch eine Tour werde ich nie wieder machen können. Aber langsam kann ich auch wieder an die Möglichkeit denken, 1-2 Wochen an einem Ort zu bleiben und von dort Tagesausflüge zu unternehmen oder auch mal einen Tag gar nichts tun und nur ausruhen.
Der zweite Punkt wurde auch in den Rückmeldungen immer wieder angesprochen. Ich hatte die Tour ja ganz alleine gemacht. Und die Frage ist jetzt: Hatte ich alleine als Frau Probleme auf dieser Tour und wie war das mit der Einsamkeit?
Zuerst einmal: Die USA sind, abgesehen von gewissen Bezirken in Großstädten, ein sicheres Reiseland, wenn man den gesunden Menschenverstand nicht zu Hause in Deutschland lässt. Das trifft auch auf allein reisende Frauen zu.
Bei Wanderung gilt natürlich dieselbe Regel wie auch zu Hause: Es ist besser, 2 Schritte zu früh abzubrechen und umzukehren als 1 Schritt zu spät. Irgendwo hinaufzuklettern ist meist einfacher als der Rückweg. Also ist das Wichtigste, in so einem Fall immer an den Rückweg zu denken und zu überlegen, ob der ohne fremde Hilfe problemlos machbar sein wird. Beim geringsten Zweifel ist es sicherer, sofort abzubrechen und umzukehren.
Das Schwierigste ist wohl mehr, dass man am Abend allein im Restaurant oder Hotelzimmer sitzt und den Tag mit niemandem besprechen kann. Aber ich habe mich vor inzwischen 30 Jahren bewusst dafür entschieden, ohne ständigen Partner durch´s Leben zu gehen und bin also gewohnt, alle Entscheidungen und Erlebnisse nur mit mir selbst zu besprechen. Da hilft mir oft, einfach alles einmal aufzuschreiben. Und weil ich keine Lust hatte, etwa 100 SD-Karten für die Kamera mitzunehmen, wollte ich auf jeden Fall einen Laptop mitnehmen. Und da kann ich dann auch gleich meine Gedanken und Erlebnisse immer am Abend aufschreiben.
Als meine Tochter dann als letzte Sicherheit noch ein regelmäßiges Lebenszeichen von mir wollte, haben wir halt alles vorbereitet, dass ich meine Gedanken vom Abend immer gleich auf eine Webseite laden konnte (Emails wollte sie lieber nicht haben) - und so entstand eben ein Live-Bericht, den ich später nur noch mit Fotos ergänzen und an der einen oder anderen Stelle etwas anders formulieren musste, um einen Reisebericht zu erhalten.
Ich schreibe immer noch Gedanken für wichtige Entscheidungen auf, ebenso wie Erlebnisse bei Ausflügen und Urlauben, wenn ich diese verarbeiten möchte. So kann ich jetzt schon versprechen, dass es von einer Kreuzfahrt ebenfalls einen Reisebericht geben wird.
Und ich kann es mir auch nicht abgewöhnen, viele Fotos zu machen, wenn ich einen Fotoapparat in die Finger bekomme.