Beiträge von Alexandra1201

    Hallo Alexandra1201, vielen Dank für deinen wirklich sehr lebendigenund tollen RB und die schönen Fotos :love::thumbup:Ich habe gerne mitgelesen und mir ein paar Infos abgespeichert ;)

    Würdest du mir die Kontaktdaten von Konstantin aus Malaga geben? Vielen Dank im voraus

    Grüße Petra

    Ob mir Dein Reisebericht gefallen hat, liebe Alexandra1201 ? Nein, er hat mir unglaublich gut gefallen:!:Hab vielen lieben Dank dafür!

    Würdest Du mir bitte auch die Kontaktdaten von Konstantin zukommen lassen? Dankeschön :*

    Spica

    Freut mich sehr, dass euch mein Bericht und die Fotos gefallen haben.

    Die Website von Konstantin findet ihr unter stadtfuehrungen-malaga punkt com

    Er macht das wirklich toll

    Soooo schön geschrieben, soooo schön beschrieben, sooooo schon bebildert! Da muss ich schnell mal Danke Alexandra1201 sagen <3

    Vielen lieben Dank <3

    Wow Alexandra1201

    Vielen, vielen Dank für die wundervollen Einblicke in Eure Reise. Schön, dass du uns teilhaben lässt.

    Hast du schon einmal daran gedacht ein Buch zu schreiben? Also, ich würde es unbedingt kaufen. Mega Schreibstil!

    VG Dani

    Danke fürs Dabeisein ;) Ja, habe tatsächlich immer wieder mal mit Ideen im Kopf, aber irgendwie fehlte mir bisher einfach die Zeit dafür. Wenn ich es schaffen sollte, gebe ich dir Bescheid :D

    Alexandra1201

    Tolle Bilder und sehr schön geschrieben :thumbup:

    Vielen lieben Dank :)

    Danke für deine große Mühe mit dem Bericht. Er liest sich ganz wunderbar, ich kann deine Begeisterung total nachvollziehen.

    Wow! Toller Schreibstil und großartige Fotos, die zum Träumen einladen. Vielen Dank!

    Sehr schön dein Bericht und auch die tollen Bilder Alexandra1201 :love::love: Danke dafür :thumbup:

    Alexandra1201 ein toller Reisebericht mit den herrlichen Karibik-Fotos. :love:

    Ganz besonders gefällt mir Dein Schreibstil. Man könnte glauben, Du schreibst auch Bücher oder evtl. Kolumnen.

    Unsere 2wöchige Karibik-Kreuzfahrt (keine Transreise) mit den vielen Inseln ist schon lange her. Ich denke aber gerne daran zurück.

    Saludos, Ulla :)

    :love:  Alexandra1201 Ich stehe gedanklich gerade mit dir zusammen an dem Aussichtspunkt und schaue auf die Pitons. Das hast du ganz wunderbar beschrieben. Wir haben im November 2023 auch den Ausflug mit Angelika gemacht. Herrlich....

    Danke für´s auffrischen meiner Erinnerungen:!:

    Danke Alexandra1201 für diesen unterhaltsamen und amüsanten Bericht. Und die wunderschönen Fotos :love: Ich fühle mich fast als wäre ich dabei und freue mich schon auf die Fortsetzung:):S

    Vielen Dank für eure netten Rückmeldungen :love: Freu mich, dass euch der Bericht gefällt <3 Da schreibt man gleich noch mal lieber

    Fazit: Eine Reise, die schwer zu toppen ist

    Die Route

    Die Route war für uns ein Traum. Karibik, Atlantiküberquerung, Madeira, Málaga und schließlich Palma – das war eine wunderbare Mischung aus intensiven Inselmomenten, entspannenden Seetagen und schönen europäischen Abschlusszielen.

    Besonders schön war, dass die Reise nicht nur aus klassischen Hafenstopps bestand, sondern wirklich einen Bogen hatte: erst das karibische Inselgefühl mit der Dominikanischen Republik, Barbados, Dominica, Grenada und St. Lucia, dann die große Weite des Atlantiks, danach das Wiederankommen in Europa über Madeira und Málaga. Gerade diese Atlantiküberquerung hat der Reise eine ganz besondere Tiefe gegeben. Man fährt nicht einfach von A nach B, sondern erlebt das Unterwegssein bewusst. Mit all seinen Ritualen, seiner Ruhe und seinen kleinen großen Momenten.

    Die Dominikanische Republik für unsere Vorübernachtung war ein herrlicher karibischer Einstieg, St. Lucia bleibt für mich weiterhin eine Herzensinsel, Barbados hat mit der Kombination aus Inseltour und Strandtag begeistert, Dominica war wild, ehrlich und musikalisch überraschend, Grenada wunderbar entspannt. Madeira war erneut großartig und Málaga ein würdiger letzter Hafen – noch dazu an unserem Hochzeitstag.

    Das Schiff

    Die Mein Schiff 1 wurde schnell zu unserem schwimmenden Zuhause. Nicht zu groß, nicht zu klein, vertraut, angenehm und mit vielen schönen Plätzen, an denen man sich gerne aufhielt. Besonders geliebt haben wir die Galeriebar, den Fischmarkt, unsere Laufstrecke auf Deck 14, das Heck mit Blick auf die Heckwelle und natürlich unseren Balkon.

    Nach so vielen Tagen an Bord merkt man erst, wie sehr ein Schiff zum Teil der Reise wird. Es ist nicht nur Transportmittel, sondern Hotel, Restaurant, Tanzschule, Rückzugsort, Aussichtspunkt, Theater, Bar und kleine Stadt auf See. Die Mein Schiff 1 hat uns sicher, angenehm und sehr zuverlässig von der Karibik bis nach Europa gebracht – und genau dieses Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit war besonders wertvoll.

    Crew und Service

    Die Crew war ein ganz großer Teil dieser Reise. Freundlich, aufmerksam, herzlich und in vielen Momenten einfach wohltuend präsent. Besonders schön waren die kleinen Wiedererkennungsmomente: unsere Waitress im Fischmarkt, unser Bartender in der Galeriebar, der Kellner, den wir schon von der Mein Schiff 7 kannten. Solche Begegnungen machen eine Reise persönlich. Auch unsere Stateroom Attendants waren sehr auf zack.

    Sehr berührt hat uns auch die Crewverabschiedung am letzten Abend. All diese Menschen aus so vielen unterschiedlichen Nationen gemeinsam zu sehen, friedlich, freundlich, respektvoll miteinander – das war einer der emotionalsten Momente der Reise. Gerade in der heutigen Welt war dieses Bild unglaublich stark.

    Auch der Kapitän hat diese Reise geprägt: mit informativen Durchsagen, Humor, spürbarer Verantwortung und emotionalen Momenten. Man fühlte sich jederzeit gut informiert und sicher. Und man hat deutlich gespürt, wie sehr er hinter seiner Crew steht und mit welcher Leidenschaft er Kapitän ist.

    Wetter

    Das Wetter war fast schon unverschämt gut. Karibik wie aus dem Bilderbuch, herrliche Seetage, viel Sonne, mal mehr, mal weniger Wind und selbst auf dem Atlantik überwiegend Bedingungen, die man sich kaum besser wünschen kann. Kein Wunder, dass der Kapitän am Ende selbst beinahe sprachlos war und meinte, wir dürften gerne wiederkommen und das mit dem Wetter noch einmal genau so machen.

    Natürlich gab es auch bewegtere Momente, vor allem rund um die Azoren. Aber insgesamt hatten wir wirklich außergewöhnliches Glück. Sonne, Wärme, ruhige See, traumhafte Sonnenuntergänge – das Wetter war definitiv einer der großen Mitspieler dieser Reise.

    Essen

    Kulinarisch haben wir unsere Favoriten schnell gefunden. Der Fischmarkt wurde eindeutig unser Stammplatz. Unkompliziert, angenehm, lecker und immer wieder genau das Richtige für den Abend.

    Auch das Atlantik Mediterran und das Atlantik Klassik hatten schöne Momente, besonders die ruhige Frühstücksatmosphäre. Das Surf & Turf an unserem Hochzeitstag war ein Highlight, besser hätte dieser Abend kaum passen können.

    Das Essen war insgesamt vielfältig, gut bis hervorragend (Geschmäcker sind zum Glück ja verschieden) und Teil dieses wunderbaren Bordgefühls, bei dem man sich erstaunlich schnell daran gewöhnt, dass immer irgendwo etwas Gutes auf einen wartet.

    Ausflüge

    Die Ausflüge waren hervorragend gewählt und haben die Reise stark geprägt. Besonders die privaten oder deutschsprachigen Touren waren für uns echte Highlights, weil sie nicht nur schöne Orte gezeigt haben, sondern auch Geschichten, Hintergründe und persönliche Eindrücke vermittelt haben.

    Barbados mit Stephanie war ein wunderbarer Inselüberblick. St. Lucia mit Angelika war für mich eines der großen Reisehighlights – diese Mischung aus Land und See war einfach großartig. Madeira mit Daniel von Banana Joe Tours war ebenfalls ein Volltreffer: individuell, informativ, landschaftlich beeindruckend und mit dem völlig unerwarteten CR7-Moment als Sahnehäubchen.

    Auch die Wal- und Delfintour von TUI Cruises auf Dominica hatte ihren Wert, obwohl die Wale und Delfine an diesem Tag andere Pläne hatten. Natur ist eben Natur. Dafür gab es später einen legendären Nachmittag im Ruins Rock mit Live-Musik. Grenada war ein entspannter Strandtag, Málaga ein sehr schöner Kultur- und Hochzeitstagsstopp.

    In Summe waren die Ausflüge genau richtig: abwechslungsreich, gut dosiert, nicht zu vollgepackt und mit vielen Momenten, die bleiben.

    Gesamtfazit

    Diese Reise war nahezu perfekt. Nicht, weil jeder Moment exakt nach Plan lief – das tut er auf Reisen ohnehin nie –, sondern weil sich alles so stimmig angefühlt hat. Die Route, das Schiff, die Crew, das Wetter, die Ausflüge, die Seetage, das Tanzen, die Bars, die kleinen Begegnungen und die großen emotionalen Momente.

    Es war eine Reise voller Dankbarkeit. Voller Meer. Voller Musik. Voller Karibikfarben, Atlantikweite und Abschiedswehmut.

    Und am Ende bleibt dieses Gefühl, das man nicht buchen kann, sondern das einfach entsteht, wenn alles zusammenpasst: Das war eine Reise, die schwer zu toppen ist.


    Und wer meinem Reiseberichtmarathon bis hierhin geschafft hat, dem sei wahrlich ein Orden verliehen. Wenn ich mal in Fahrt bin, dann fliegen meine Finger nur so über die Tasten und es kann durchaus etwas ausarten. Danke fürs Mitreisen und ich hoffe es hat euch gefallen!

    In diesem Sinne,

    Schiff Ahoi

    Tag 20 – Abreise: Unsere Kabine, fremde Menschen und Palma, das noch einmal glänzte

    Und dann war er da. Der Abreisetag.

    Ein Wort, das schon beim Lesen ein bisschen nach Kofferrollen, letzter Kabinenkontrolle und innerem Widerstand klingt. Nach so vielen Tagen an Bord, nach Karibik, Atlantik, Madeira, Málaga, Tanzstunden, Galeriebar, Fischmarkt, Sonnenuntergängen und ganz viel Meer fühlte sich dieser Morgen irgendwie unwirklich an. Als hätte jemand beschlossen, dass unser kleines schwimmendes Leben nun einfach enden soll. Frech eigentlich.

    Aber bevor es wirklich ernst wurde, gab es noch ein letztes Frühstück im Atlantik Klassik. Und ich muss sagen: Diese Mischform aus Bedienung und gar nicht mal so kleinem Buffet mag ich wirklich sehr. Es ist entspannter als das große Buffet-Gewusel, aber trotzdem flexibel genug, dass man sich nicht zwischen „ich möchte bedient werden“ und „ich möchte bitte selbst schauen, worauf ich Lust habe“ entscheiden muss. Genau richtig für einen Abreisetag, an dem man zwar schon ein bisschen wehmütig ist, aber trotzdem noch sehr gerne gut frühstückt.

    Danach ging es zurück auf die Kabine, um die letzten Sachen zu holen. Die Koffer waren ja bereits weg beziehungsweise warteten später im Hafenterminal auf uns, aber dieses letzte Einsammeln von Handgepäck, Jacken, Ladegeräten und den unvermeidlichen Kleinigkeiten fühlt sich immer sehr endgültig an. Man schaut noch einmal herum, kontrolliert Schränke, Bad, Safe und Balkon, als könnte irgendwo noch ein Stück Reise versteckt sein.

    Und dann muss man die Kabine verlassen.

    Unsere Kabine.

    Eigentlich ja eine Frechheit, dass sich da jetzt einfach andere Gäste einnisten dürfen. In unsere Kabine. Auf unseren Balkon. Mit unserem Blick. In unser kleines Zuhause auf Zeit. Man hat sich doch gerade erst eingerichtet, die Wege automatisiert, die Schubladen akzeptiert und den Balkon innerlich adoptiert. Und dann kommt einfach die nächste Reise und tut so, als wäre hier nie etwas gewesen. Kreuzfahrt kann sehr grausam sein.

    Auf dem Pooldeck relativierte sich unser Abschiedsschmerz dann allerdings ein kleines bisschen. Dort liefen bereits die Aufbauarbeiten für die heute startende David-Garrett-Kurzreise. Und plötzlich waren wir gar nicht mehr ganz so betrübt. Nicht, weil wir David Garrett nicht mögen – ganz im Gegenteil, der kann schon sehr beeindruckend geigen –, sondern weil wir einfach eine nahezu perfekte Reise hinter uns hatten. Eine Reise, die für uns kaum zu toppen gewesen wäre. Und außerdem sind wir ehrlich gesagt keine großen Fans von musikalischen Eventreisen. Wenn ein Schiff zu sehr auf ein spezielles Event ausgerichtet ist, verändert sich die Atmosphäre. Unsere Reise war genau richtig so, wie sie war: abwechslungsreich, entspannt, emotional, voller kleiner Rituale und mit genug Musik dort, wo wir sie haben wollten – beim Auslaufen, beim Tanzen, in der Schaubar und letztlich noch mal sehr eigenwillig beim Shanty-Chor.

    Also machten wir noch eine letzte Runde über unsere Laufstrecke. Diesmal allerdings nicht mehr im Challenge-Modus, nicht mehr mit sportlichem Ehrgeiz, nicht mehr gegen den Kapitän, sondern ganz gemächlich. Eine Abschiedsrunde. 440 Meter Erinnerungen pro Runde, könnte man fast sagen. Hier waren wir so oft gelaufen, hatten Kilometer gesammelt, Wind gespürt, aufs Meer geschaut, Rekorde verbessern wollen und uns am Ende tatsächlich ein bisschen stolz gefühlt. Heute ging es nicht mehr ums Tempo. Heute ging es ums Noch-einmal-Spüren.

    Noch ein paar letzte Fotos von Palma, noch ein letzter Blick über das Schiff, noch einmal diese Mischung aus „wie schön war das bitte?“ und „müssen wir wirklich runter?“. Die Sonne meinte es wieder gut mit uns. Palma zeigte sich bei bestem Wetter, fast so, als wollte die Stadt sagen: Bleibt doch noch ein bisschen. Sehr verlockend. Wirklich sehr verlockend.

    Aber irgendwann war es dann so weit. Es wurde Zeit, von Bord zu gehen.

    Dieser Moment ist immer eigenartig. Man verlässt das Schiff, dreht sich noch einmal um, sieht die Mein Schiff 1 da liegen und weiß: Für die nächsten Gäste beginnt jetzt etwas, während für uns gerade etwas endet. Die Koffer warteten im Hafenterminal, wir sammelten sie ein, und dann ging es weiter Richtung Flughafen. Alles lief ruhig, geordnet und irgendwie viel zu schnell.

    Unser Flug startete um 12:30 Uhr direkt nach Klagenfurt. Und das war für uns wirklich ein großes Highlight. Kein Umsteigen, kein großer Flughafen-Marathon, kein stundenlanges Warten irgendwo zwischen Gates, Terminals und überteuerten Snacks. Einfach direkt heim. Noch dazu nach Klagenfurt – zu unserem kleinen Flughafen, den wir gerade deshalb so lieben, weil er so herrlich überschaubar ist. Wir wohnen nur knapp 15 Minuten entfernt, und so waren wir tatsächlich schon am Nachmittag wieder zu Hause.

    Das ist einerseits wunderbar praktisch. Andererseits fast ein bisschen brutal. Eben noch Mein Schiff, Palma, Hafen, Sonne – und wenige Stunden später steht man daheim, sperrt die Tür auf und fragt sich, warum der Koffer nicht von selbst ausgepackt wird und warum niemand fragt, ob man noch etwas trinken möchte.

    Trotzdem: Diese Heimreise war nahezu perfekt. Kurz, direkt, unkompliziert. Ein sanfter Ausstieg aus einer großen Reise.

    Und während zuhause langsam wieder der Alltag anklopfte, blieb vor allem eines: eine tiefe Dankbarkeit. Für all die Orte. Für das Wetter. Für das Schiff. Für die Crew. Für die vielen kleinen Momente, die man nicht planen kann. Für das gemeinsame Erleben. Für diese Reise, die sich vom ersten unchristlich frühen Aufbruch bis zum letzten Blick auf Palma einfach rund angefühlt hat.

    Tag 19 – Letzter Seetag: Koffer, Kaviar und ganz großes Herzklopfen vor Palma

    Nun war er also da: der letzte Seetag dieser Reise. Ein Satz, den ich eigentlich gar nicht schreiben möchte, weil er so endgültig klingt. Und doch gehört auch das dazu. Irgendwann kommt dieser Tag, an dem man morgens aufwacht und weiß: Jetzt ist es wirklich der Schlussakkord. Noch einmal Schiff. Noch einmal Meer. Noch einmal dieses ganz eigene Bordleben zwischen Pooldeck, Durchsagen, Abschiedsdrinks und dem leisen Versuch, den Tag möglichst festzuhalten.

    Der Morgen zeigte sich zum ersten Mal auf dieser Reise nicht ganz so freundlich. Kein strahlendes Bilderbuchblau, kein sofortiger „Ach, ist das schön“-Moment, sondern eher ein etwas verhaltener Start. Fast so, als hätte selbst das Wetter kurz Mühe damit, dass diese Reise sich langsam dem Ende zuneigte. Aber zum Glück hatte der Himmel offenbar nur einen kleinen Durchhänger. Ab Mittag war dann doch wieder alles da: Blau, Sonne, Licht und dieses herrliche Gefühl, dass das Meer und wir uns noch einmal von unserer besten Seite verabschieden wollten.

    Auch der Kapitän wirkte bei seiner Durchsage beinahe ein bisschen sprachlos – und das will etwas heißen. Er meinte tatsächlich sinngemäß, er wisse auch nicht, wie wir das gemacht hätten, aber wir hätten durchwegs so gutes Wetter gehabt, dass wir bitte sehr gerne wiederkommen dürften und es dann bitte genauso wieder machen sollten. Ich fand das großartig. Offenbar hatten wir nicht nur eine Reise gemacht, sondern auch meteorologisch ganze Arbeit geleistet. Ich nehme diese Verantwortung natürlich sehr ernst und bin bereit, künftig weitere Kreuzfahrten wettertechnisch zu begleiten.

    Der Tag begann jedenfalls stilvoll mit einem Kaviarfrühstück im Atlantik Klassik. Auch nicht die schlechteste Art, in den letzten Seetag zu starten. Ein bisschen luxuriös, ein bisschen besonders, ein bisschen „Man gönnt sich ja sonst nichts“ – wobei das auf so einer Reise natürlich objektiv nicht stimmt. Man gönnt sich sehr wohl einiges. Und das ist auch gut so.

    Den Vormittag nutzten wir dann pflichtbewusst für etwas, das man auf Kreuzfahrten lange erfolgreich verdrängt und das am Ende doch unweigerlich vor der Tür steht: Koffer packen. Oder zumindest den Großteil davon. Es ist ja immer ein etwas absurdes Gefühl. Da lebt man tagelang wunderbar unbeschwert in dieser schwimmenden Parallelwelt, und plötzlich steht man wieder zwischen Kleidung, Mitbringseln, Schuhen, Kabeln, Kosmetik und der Frage, warum sich all diese Dinge beim Hinweg noch so viel kooperativer verhalten haben.

    Also wurde gefaltet, sortiert, gestapelt und ein bisschen verdrängt, dass Kofferpacken auf Reisen immer auch eine emotionale Nebenwirkung hat. Es ist der Moment, in dem der Abschied plötzlich sehr konkret wird. Solange alles noch lose in der Kabine verteilt herumliegt, tut man so, als würde es ewig weitergehen. Sobald die Koffer offen stehen, ist klar: Nein, es geht dem Ende zu. Unerhört eigentlich.

    Als die Sonne dann wieder vom Himmel lachte, verlagerten wir unser Dasein noch einmal dorthin, wo es auf einem Schiff einfach am schönsten ist: aufs Pooldeck. Noch einmal gemütlich machen. Noch einmal schauen, sitzen, atmen, genießen. Noch einmal das Schiffsleben in all seinen schönen Facetten aufsaugen. Dieses ganz besondere Bordgefühl, das nur entsteht, wenn man eigentlich nichts Dringendes mehr tun muss und gleichzeitig weiß, dass man genau diese Stunden später vermissen wird.

    Wir machten noch die letzten Fotos – von Decks, vom Meer, von Blicken, von Ecken, die einem lieb geworden waren, und vermutlich auch von Dingen, bei denen man später zuhause rätseln wird, warum man sie unbedingt festhalten musste. Aber genau das gehört ja dazu. Am Ende will man plötzlich alles bewahren: die Stimmung, das Licht, die Farben, die Wege, die kleinen Rituale, dieses Gefühl von „noch mittendrin“.

    Natürlich suchten wir auch noch die Fotos der Bordfotografen aus. Auch so ein typischer letzter-Reisetag-Programmpunkt. Man schaut sich an, wie geschniegelt und gelegentlich auch erstaunlich fototauglich man auf dieser Reise offenbar ausgesehen hat, und überlegt dann, welche Erinnerungen in gedruckter Form mit nach Hause dürfen.

    Und ganz offensichtlich hatten wir uns vorgenommen, auch bardiplomatisch einen ordentlichen Abschluss hinzulegen. Gefühlt tranken wir an jeder Bar noch einen letzten Drink. Ein Abschlussdrink hier, ein finaler Gruß dort, noch einmal anstoßen, noch einmal ein Glas in die Hand nehmen und innerlich sagen: Danke, war schön mit dir. Rein emotionaler Natur natürlich. Und vielleicht auch ein bisschen aus Prinzip.

    Dann kam erneut eine Durchsage des Kapitäns. Leider wieder wegen eines medizinischen Notfalls. Also hieß es noch einmal: Gas geben. Wir würden bereits gegen Mitternacht in Palma einlaufen. Auch das war wieder einer dieser Momente, die die Urlaubsblase kurz sehr real werden lassen.

    Am Abend zog es uns ein letztes Mal in den Fischmarkt. Natürlich. Wo auch sonst. Es wäre beinahe unhöflich gewesen, diese Reise nicht auch kulinarisch dort zu beschließen, wo wir uns so oft wohlgefühlt hatten. Dazu kam die herzliche Verabschiedung von „unserer“ Waitress, die uns über die Reise hinweg immer wieder begegnet war. Solche kleinen Verbindungen machen viel aus. Man kennt sich nicht tief, und doch ist da dieses freundliche Wiedererkennen, dieses Willkommen, dieses „Schön, dass ihr wieder da seid“. Auch das gehört zum Bordgefühl.

    Und dann, gerade auf Höhe Ibiza, zeigte uns der Himmel noch einmal, was er kann.

    Der Sonnenuntergang war sensationell. Wirklich einer von jener Sorte, bei der man kurz aufhört zu sprechen, weil alles andere gerade überflüssig erscheint. Das Licht, die Farben, die Spiegelung auf dem Wasser – es war so schön, dass es einem fast den Atem raubte. Als hätte das Meer beschlossen, uns zum Abschied noch einmal eine letzte große Vorstellung zu schenken. Ein Sonnenuntergang wie ein Schlussapplaus.

    Später gingen wir hinauf aufs Pooldeck zur Verabschiedung der Crew und zur Seekartenverlosung. Und das wurde dann einer der emotionalsten Momente der ganzen Reise.

    Während die Crew mit den verschiedensten Länderfahnen über das Pooldeck schritt, wurde „Große Freiheit“ von Unheilig live gesungen. Und ich kann es nicht anders sagen: Das ging direkt ins Herz. So viele unterschiedliche Nationen auf einem Fleck. Menschen aus den verschiedensten Ländern, Kulturen, Hintergründen – und alle zusammen in einem so friedlichen, freundschaftlichen, respektvollen Miteinander. Gerade in einer Welt, in der genau das leider oft so schwer scheint, war dieser Moment fast überwältigend schön.

    Ich stand da, sah diese Fahnen, hörte die Musik und spürte, wie glücklich ich für all diese Erlebnisse war. Für diese Reise. Für diese Menschen. Für diese friedliche kleine Welt auf Zeit. Und ja – die Tränchen kullerten. Obwohl ich das unbedingt vermeiden wollte. Aber manche Momente lassen sich nicht wegrationalisieren. Sie treffen einen einfach. Und dann steht man da, versucht gefasst auszusehen, und merkt, dass das Herz längst beschlossen hat, heute ein bisschen weicher zu sein.

    Danach zog es uns – ein letztes Mal – in die Galeriebar. Noch ein Abschlussgetränk, noch ein paar letzte Gespräche, noch Abschlussfotos mit „unserem“ Bartender. Auch so ein Mensch, der aus Barbesuchen irgendwann kleine Rituale gemacht hat. Diese Begegnungen sind es ja oft, die einem eine Reise noch vertrauter machen. Nicht nur Orte und Programmpunkte bleiben, sondern auch Gesichter.

    Schließlich ging es zurück auf die Kabine. Und da wartete schon das nächste kleine Abschiedsschauspiel. Mittlerweile lagen wir bereits in Warteposition vor Palma. Dann kam der Lotse an Bord, und wir beobachteten auch dieses Manöver noch ein letztes Mal. Ich finde das ja immer faszinierend – diese Ruhe, diese Präzision, dieses Zusammenspiel. Und als wäre das alles nicht schon schön genug gewesen, hatten wir dabei auch noch einen wunderbaren Blick auf die beleuchtete Kathedrale von Palma.

    Da lag sie also, hell angestrahlt in der Nacht, majestätisch und fast ein bisschen unwirklich schön. Ein letzter großer Blick. Ein letztes maritimes Schauspiel. Ein letztes Ankommen.

    Und wir standen da, zwischen Koffer, Abschiedswehmnut, Dankbarkeit und dem Wissen, dass diese Reise etwas ganz Besonderes war.

    Der letzte Seetag hatte noch einmal alles in sich - ein würdiger Schlusstag.
    Und ein Herz, das gleichzeitig voll und ein kleines bisschen schwer war.

    Zurück an Bord wartete schon das nächste kleine Highlight: Der Kapitän löste heute seine verlorene Challenge ein und grillte für die Gäste. Sehr ehrenhaft. Nach all den Runden, die wir Passagiere gegen ihn gelaufen waren, stand er nun also am Grill.

    Ein schöner Abschluss dieser sportlichen Seetagsgeschichte. Wir verzichteten allerdings auf Würstel und Kotelett, denn für unseren Hochzeitstag hatten wir abends im Surf & Turf reserviert. Prioritäten muss man setzen.

    Und diese Priorität war absolut richtig.

    Beef Tatar, Filetsteak, guter Wein und mein Schatz an meiner Seite. Mehr braucht es eigentlich nicht für einen perfekten Hochzeitstagsabend. Es war lecker, gemütlich, besonders – und genau der richtige Rahmen für diesen Tag. Nach so vielen gemeinsamen Reisemomenten, nach Karibik, Atlantik, Madeira und Málaga saßen wir da und genossen einfach. Das Essen, den Wein, die Reise, den Anlass und vor allem: uns.

    Danach kam das letzte Auslaufen. Natürlich mit dem Grafen. Zum letzten Mal auf dieser Reise diese vertraute Musik (Spoiler: war nicht das letzte mal), dieses langsame Ablegen, dieses Hinausgleiten aus dem Hafen. Málaga wurde kleiner, die Lichter entfernten sich, die Mein Schiff 1 nahm wieder Fahrt auf. Letztes Auslaufen. Das klingt schon ein bisschen gemein, wenn man es ausspricht. Aber schön war es trotzdem. Sehr schön sogar.

    Im Atrium sang danach der Shanty-Chor. Mindestens dreistimmig. Also laut, ein bisschen falsch und mit Begeisterung. Und das ist in diesem Fall ausdrücklich liebevoll gemeint. Es wurde gesungen, was das maritime Herz begehrt: „Es gibt kein Bier auf Hawaii“, „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, „Seemann, lass das Träumen“, „Drunken Sailor“ und all die Klassiker, bei denen irgendwann ohnehin niemand mehr so genau weiß, ob man den Text kann oder nur sehr überzeugt mitsummt.

    Es war herrlich. Ein bisschen schräg, ein bisschen laut, ein bisschen Seefahrerromantik mit Augenzwinkern – und genau deshalb passend. Nach so einer Reise darf ein Shanty-Chor ruhig klingen, als hätte er mehr Herz als Tonleiter im Gepäck.

    Zum Abschluss landeten wir natürlich wieder in der Galeriebar. Wo auch sonst. Noch einmal sitzen, trinken, reden, lachen, den Tag nachklingen lassen. Málaga war ein würdiger letzter Stopp.

    Und während die Mein Schiff 1 weiter Richtung Palma fuhr, blieb dieser Abend noch lange bei uns: mein Mann an meiner Seite, der letzte Hafen im Rücken, ein Glas in der Hand und dieses dankbare Gefühl, wieder ein Stück Welt gemeinsam erlebt zu haben.

    Nach der Führung gönnten wir uns erst einmal ein spanisches Bier in der Fußgängerzone. Mit Blick auf das bunte Treiben, versteht sich. Es gibt ja kaum etwas Schöneres, als nach einer Stadtführung einfach dazusitzen, zu schauen und zu merken, dass man gerade nicht weiter muss. Menschen liefen vorbei, Gespräche flogen durch die Luft, Gläser klirrten, die Stadt summte vor sich hin – und wir saßen mittendrin, an unserem Hochzeitstag, mit einem kalten Bier und sehr viel Zufriedenheit.

    Danach ging es hinauf zur Festung. Gemeint ist das Castillo de Gibralfaro, das hoch über Málaga thront und im 14. Jahrhundert zum Schutz der Alcazaba errichtet wurde. Von den Mauern aus hat man einen großartigen Blick über die Stadt, den Hafen und das Meer. Und genau dieser Blick war den Aufstieg definitiv wert. Unter uns lag Málaga, hell, lebendig, mediterran, mit Hafen, Schiffen, Dächern und dem Meer als großem blauem Abschluss. Natürlich suchten wir auch unsere Mein Schiff 1 im Hafen. Das macht man als Kreuzfahrer ja automatisch, als müsste man regelmäßig überprüfen, ob das schwimmende Zuhause noch da ist.

    Anschließend gingen wir langsam wieder bergab und retour durch den wunderschönen Park. Der Paseo del Parque ist mit seinen tropischen Pflanzen, schattigen Wegen und üppigem Grün fast schon ein botanischer Spaziergang mitten in der Stadt. Besonders nett waren die vielen grünen Papageien, die unterwegs immer wieder auftauchten. Sie wirkten ein bisschen so, als hätten sie Málaga ebenfalls als Lieblingsplatz auserkoren und würden nun lautstark Besitzansprüche anmelden.

    Natürlich machten wir noch einen Abstecher an den Strand. Der heißt Playa de la Malagueta und liegt nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt. Ein Stadtstrand direkt neben Altstadt, Hafen und Promenade – auch das ist Málaga. Noch einmal Meer, Sand, Strandstimmung und ein letzter kleiner mediterraner Moment, bevor es zurück aufs Schiff ging.

    Um 12 Uhr trafen wir Konstantin zu unserer deutschsprachigen Führung durch die Altstadt. Und die war wirklich gelungen. Sehr informativ, kurzweilig und mit genau der richtigen Mischung aus Geschichte, Stadtleben und kleinen Details, die man alleine vermutlich übersehen hätte.

    Unsere Route führte uns zuerst zur Calle Larios, der eleganten Einkaufsstraße Málagas. Breit, hell, geschäftig und perfekt zum Schauen, Flanieren und Menschenbeobachten. Von dort ging es weiter zur Plaza del Obispo, wo die Kathedrale von Málaga eindrucksvoll zwischen den Gebäuden auftaucht. Diese Stadt kann schon sehr schön Kulissen bauen. Weiter über die Calle Cister zur Plaza de la Aduana, dann Richtung Calle Alcazabilla – dort, wo Geschichte besonders dicht beieinanderliegt. Römisches Theater, maurische Festungsanlage, Altstadtleben, Cafés, Touristen, Einheimische: Málaga stapelt seine Epochen nicht irgendwo im Museum, sondern mitten in der Stadt.

    Besonders schön war auch die Plaza de la Merced mit dem Picasso-Monument. Dass Picasso hier geboren wurde, merkt man an vielen Stellen der Stadt. Málaga ist stolz auf diesen berühmten Sohn, aber zum Glück nicht auf eine aufdringliche Art. Eher so, als würde die Stadt sagen: Ja, Kunst können wir auch. Sonne sowieso. Die Führung endete rund um die Plaza de la Constitución, mitten im Herzen der Altstadt, wo sich dieses typische spanische Stadtgefühl noch einmal wunderbar verdichtete: Menschen, Stimmen, Fassaden, Geschäfte, Cafés und überall dieses lebendige Durcheinander, das in Spanien irgendwie nie chaotisch, sondern einfach nach Leben klingt.

    Tag 18 – Málaga: Hochzeitstag, Altstadtzauber und Shanty-Chor mit Begeisterungsgarantie

    Letzter Hafen. Málaga.

    Allein diese Kombination fühlte sich schon ein bisschen wehmütig an. Nach Karibik, Atlantik, Madeira und all den Seetagen lag nun also unser letzter Stopp vor uns. Und als wäre das nicht schon besonders genug, war heute auch noch unser Hochzeitstag. Ein letzter Hafen, ein wunderschöner Anlass und eine Stadt, die uns mit Sonne, Meer, Altstadtgassen und südspanischem Lebensgefühl empfing. Es gibt schlechtere Arten, einen Hochzeitstag zu verbringen.

    Da wir erst um 10 Uhr anlegten, durften wir sogar gemütlich ausschlafen. Genau richtig für einen besonderen Tag. Málaga wartete schließlich geduldig auf uns. Sehr sympathisch von der Stadt.

    Gegen 11 Uhr gingen wir von Bord und schlenderten erst einmal die wunderschöne Hafenpromenade entlang. Málaga hat diesen Übergang vom Kreuzfahrtschiff in die Stadt wirklich schön gelöst: Palmen, Promenade, Meer, moderne Architektur, Bars, Menschen, Licht – und dazwischen natürlich jede Menge Yachten, die so pompös im Hafen lagen, dass man unweigerlich kurz überlegt, ob man im Leben irgendwo falsch abgebogen ist. Oder einfach nur das falsche Sparbuch besitzt.

    Der Weg in die Stadt führte uns vorbei am Wasser und hinein in dieses mediterrane Treiben, das Málaga sofort so angenehm macht. Die Stadt liegt an der Costa del Sol und verbindet Strand, Hafen, Altstadt und Kultur auf sehr engem Raum – genau das macht sie für einen Kreuzfahrtstopp so dankbar. Man ist schnell mittendrin und hat trotzdem das Meer immer in der Nähe. Málaga ist außerdem die Geburtsstadt von Pablo Picasso und hat sich in den letzten Jahren stark als Kulturstadt positioniert, nicht nur als sonniges Tor zur Costa del Sol.

    Tag 17 – Seetag: Heckwelle, Ballroom-Finale und ein neuer Tag in der Galeriebar

    Sind wir etwa wieder zurück in der Zeitschleife?

    Nach Madeira, festem Boden unter den Füßen fühlte sich dieser nächste Seetag fast ein bisschen an wie die Rückkehr in unseren vertrauten Atlantikmodus. Aufwachen, Meer, Schiff, keine Eile. Wieder dieses Gefühl: Heute müssen wir nirgendwo hin. Außer vielleicht zum Frühstück, zur Bar, zum Tanzen, zum Abendessen und irgendwann – theoretisch – ins Bett. Also eigentlich doch ein gut gefüllter Kalender. Aber eben auf die schönste Art.

    Und als würde das Universum diesen Gedanken noch ein bisschen unterstützen wollen, wurde uns heute auch noch die letzte Stunde geklaut. Allerdings diesmal nicht mehr pünktlich um 12 Uhr und nicht mit Paulchen-Panther-Soundtrack, sondern ganz still und heimlich in der Nacht. Fast unspektakulär eigentlich. Nach all den musikalischen Zeitdiebstählen der vergangenen Tage fühlte sich das beinahe unfair diskret an. Keine Melodie, kein dramatischer Moment, kein kollektives „Schon wieder?“ am Pooldeck – einfach schlafen gehen und mit einer Stunde weniger wieder aufwachen. Sehr elegant gelöst. Sehr hinterhältig aber auch.

    Der Tag begann wieder ruhig. Nur die Mein Schiff 1, das Meer und wir. Und ganz ehrlich: Auch das kann man sehr gut aushalten.

    Heute nutzten wir den Tag für einen ausführlicheren Fotorundgang über das Schiff. Nach so vielen Tagen an Bord kennt man zwar vieles schon, aber genau dann beginnt man, genauer hinzuschauen. Am Anfang orientiert man sich eher funktional: Wo ist die Kabine? Wo gibt es Kaffee? Wo ist der Fischmarkt? Wo steht die nächste Bar? Später sieht man die Details. Die Treppenhäuser, die Kunst, die kleinen Ecken, die Ausblicke, die Wege, die man inzwischen automatisch geht. Aus dem Schiff wird langsam ein vertrauter Ort. Ein Zuhause auf Zeit, das man am Ende fast so fotografiert, als müsste man sich später vergewissern, dass es wirklich da war.

    Wir streiften also über die Decks, machten Fotos, hielten Eindrücke fest und entdeckten wieder einmal, wie viele Perspektiven so ein Schiff eigentlich bietet. Von außen wirkt es groß, von innen noch größer – und trotzdem findet man nach einigen Tagen seine Lieblingsplätze. Manche ganz offensichtlich, andere eher zufällig.

    Einer dieser Lieblingsplätze war heute eindeutig das Heck.

    Wir saßen lange dort, blickten auf die Heckwelle und genossen einfach. Diese Spur, die das Schiff durchs Wasser zieht, hat etwas unglaublich Beruhigendes. Sie ist Bewegung und Rückblick zugleich. Man sieht, wo man gerade herkommt, während man weiterfährt. Weißes Wasser, blaues Meer, endloser Horizont. Fast meditativ. Man könnte stundenlang hinschauen und würde trotzdem nicht das Gefühl haben, Zeit zu verlieren.

    Vielleicht ist die Heckwelle überhaupt eines der schönsten Symbole für eine Reise. Sie zeigt, dass man unterwegs ist. Dass etwas hinter einem liegt. Dass man Spuren zieht, auch wenn sie sich gleich wieder im Meer verlieren. Und vielleicht passt genau das so gut zu diesen letzten Tagen der Reise: Man schaut zurück auf all das, was schon war, und fährt trotzdem weiter. Noch ist es nicht vorbei. Aber man spürt langsam, dass der große Bogen sich langsam schließt.

    Natürlich wurde dieser philosophische Tiefgang angemessen begleitet. Mit dem einen oder anderen Carib, einer Coronita und durchaus auch mal einem Aperol Sprizz. Man muss schließlich flexibel bleiben. Die Karibik lag zwar schon hinter uns, aber ein Carib in der Hand half sehr dabei, sie innerlich noch ein bisschen festzuhalten. Die Coronita sorgte für internationale Leichtigkeit, und der Aperol Sprizz erinnerte vorsichtig daran, dass Europa nun doch wieder näher rückte. Getränketechnisch waren wir also bestens zwischen den Welten aufgestellt.

    Der Nachmittag verging in diesem herrlichen Seetagsrhythmus, der inzwischen fast schon selbstverständlich geworden war. Ein bisschen gehen, ein bisschen sitzen, ein bisschen schauen, ein bisschen trinken, ein bisschen fotografieren. Und immer wieder dieses Meer. Es war kein Tag mit großen Sensationen, aber einer mit vielen kleinen Momenten, die genau deshalb schön waren.

    Am Abend wurde es dann noch einmal besonders: Abschlussball unseres Ballroom Dancing.

    Schon das Wort Abschlussball klingt ja nach etwas Feierlichem. Nach schönen Kleidern, Musik, ein bisschen Wehmut und dem Versuch, sich noch einmal besonders elegant zu bewegen. In unserem Fall kam noch Kathi dazu – und damit natürlich auch eine gute Portion Humor, Schwung und die beruhigende Gewissheit, dass es weiterhin keine Fehler gab, sondern nur Variationen.

    Und Variationen hatten wir viele.

    Es wurde noch einmal getanzt, gelacht, ausprobiert und improvisiert. Die Stunde war richtig lustig, aber zugleich auch ein kleines bisschen melancholisch. Denn mit diesem Abschlussball ging eine der schönsten Routinen dieser Reise zu Ende. Die täglichen Tanzstunden waren für uns wirklich ein Highlight gewesen. Nicht nur, weil wir ohnehin begeisterte Tänzer sind, sondern weil das Tanzen an Bord diese Reise noch einmal besonderer gemacht hat.

    Man merkt dann plötzlich, wie schnell so etwas vorbei ist. Eben hat man noch zum ersten Mal in der Arena gestanden, jetzt tanzt man schon den Abschlussball. Und während man noch versucht, eine Figur halbwegs sauber hinzubekommen, meldet sich innerlich dieses kleine Gefühl: Schade. Das hätte gern noch länger dauern dürfen.

    Nach dem Tanzen ging es zum Abendessen ins Atlantik Klassik. Ein schöner Rahmen für diesen Abend. Nach all den Variationen auf dem Tanzparkett durfte es am Tisch wieder etwas gesetzter zugehen. Wobei gesetzt natürlich relativ ist, wenn man innerlich noch im Takt weiterwippt und versucht, die letzten Tanzschritte nicht sofort wieder zu vergessen.

    Später stand die Crewshow auf dem Programm. Und die war wirklich beeindruckend. Es ist jedes Mal unglaublich, welche Talente in diesen Reihen schlummern. Menschen, die tagsüber im Service, in der Küche, im Housekeeping oder in anderen Bereichen dafür sorgen, dass der Schiffsbetrieb läuft, stehen plötzlich auf der Bühne und singen, tanzen, performen, begeistern. Da bekommt man noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Crew.

    Man sieht nicht nur die Professionalität, mit der sie arbeiten, sondern auch die Persönlichkeiten dahinter. Stimmen, Bewegungen, Ausdruck, Mut, Freude. Und man denkt sich: Wahnsinn, was hier alles an Talent an Bord ist. Eine Crewshow ist immer mehr als nur Unterhaltung. Sie ist auch ein Moment der Wertschätzung. Ein Blick auf die Menschen, die sonst oft im Hintergrund bleiben und an diesem Abend völlig zurecht im Rampenlicht stehen.

    Nach der Show zog es uns – wen wundert es noch – wieder in die Galeriebar.

    Eigentlich wollten wir vermutlich wieder nur kurz etwas trinken. Diese berühmten letzten Worte. „Nur kurz“ ist auf Kreuzfahrten ja ein sehr dehnbarer Begriff. Besonders in der Galeriebar. Man setzt sich, bestellt etwas, trifft vielleicht bekannte Gesichter, plaudert, lacht, lässt den Abend laufen – und plötzlich stellt man fest, dass die Zeit schon wieder völlig unbemerkt an einem vorbeigeschlichen ist.

    Oder besser gesagt: vorbeigetanzt.

    Denn als wir schließlich in die Kabine kamen, war der neue Tag bereits angebrochen. Aus dem geplanten gemütlichen Ausklang war also wieder ein etwas längerer Abend geworden. Aber genau so entstehen Urlaubserinnerungen. Nicht aus perfekter Disziplin, sondern aus Momenten, in denen es gerade zu schön ist, um schon aufzuhören.

    So endete dieser Seetag mit Heckwelle, Schiffsfotos, Ballroom-Abschlussball, Crewtalenten und einer Galeriebar, die uns wieder einmal länger festhielt als geplant.

    Vielleicht waren wir tatsächlich in einer Zeitschleife. Aber wenn sie so aussieht, darf sie gerne noch ein bisschen bleiben.

    Beim Auslaufen wurde es dann noch einmal richtig schön. Natürlich untermalt vom Grafen – alles andere wäre inzwischen ja fast unvollständig gewesen. Während die Mein Schiff 1 langsam ablegte, kam es noch zu einem kleinen Meet and Greet mit der Europa 2, die unseren Liegeplatz einnahm. Ein schönes Hupkonzert inklusive. Ich liebe solche Momente. Zwei Schiffe, ein Hafen, ein bisschen maritime Höflichkeit und ganz viel Gänsehaut.

    Dann stand wieder Tanzkurs auf dem Programm. Heute: Wiener Walzer.

    Und während draußen die Küste Madeiras an uns vorbeizog, tanzten wir Wiener Walzer. Passender hätte es für uns Österreicher kaum sein können. Noch dazu auf einer Insel, die auch Kaiserin Sisi liebte und die bis heute gern mit dieser eleganten, nostalgischen Seite verbunden wird. Da standen wir also auf der Mein Schiff 1, irgendwo zwischen Madeira und Atlantik, drehten uns im Walzertakt, während draußen eine unserer Lieblingsinseln langsam kleiner wurde.

    Das war fast surreal.

    Ein bisschen kitschig vielleicht. Aber manchmal darf Kitsch sein, wenn er echt ist. Und dieser Moment war echt schön.

    Zum Abendessen gingen wir wieder in den Fischmarkt. Natürlich. Unser Muster blieb stabil, und ich sehe keinen Grund, ein funktionierendes System zu hinterfragen. Danach ließen wir den Abend in der Galeriebar ausklingen. Wieder sitzen, trinken, reden, lachen, den Tag noch einmal Revue passieren lassen und dabei merken, wie viel in diesen Stunden passiert war.

    Madeira hatte uns wieder gepackt. Und Madeira hatte auch diesmal geliefert.

    Europa hatte uns also zurück – zumindest in Form dieser wunderbaren Insel im Atlantik. Und wenn schon zurück nach Europa, dann bitte genau so.

    Zum Abschluss führte uns die Tour nach Câmara de Lobos. Dieses Fischerdorf gehört wohl zu den bekanntesten Orten Madeiras – nicht zuletzt, weil Winston Churchill hier einst mit seiner Staffelei saß und malte.

    Der kleine Hafen mit seinen bunten Fischerbooten sieht aber auch aus, als hätte er sich bewusst für Postkarten beworben. Enge Gassen, kleine Bars, Boote, Fischerdorf-Flair und irgendwo in der Luft dieser sehr einladende Gedanke: Eine Poncha wäre jetzt keine schlechte Idee.

    Und genau die gab es dann auch.

    Wir besuchten die Bar von Cristiano Ronaldos Onkel. Und das war tatsächlich eindrucksvoll. Die Bar gleicht fast einem kleinen Museum. Überall Erinnerungen, Fotos, Trikots, Hinweise auf CR7 – für Fußballfans vermutlich ein heiliger Ort, für alle anderen zumindest ein sehr spannender Einblick in den Stolz, den Madeira auf seinen berühmtesten Sohn hat. Cristiano Ronaldo ist hier nicht einfach ein Fußballspieler, er ist ein Inselphänomen. Man spürt, wie sehr die Menschen sich mit seinem Erfolg verbunden fühlen.

    Wir tranken Poncha, dieses typische Madeira-Getränk aus Zuckerrohrschnaps, Honig und Zitrusfrüchten, das harmloser wirkt, als es vermutlich ist. Ich machte natürlich ein Video für meinen Neffen, den wahrscheinlich größten CR7-Fan des Universums. Und dann kam noch das absolute I-Tüpfelchen: Die angeheiratete Tante schenkte uns eine Autogrammkarte mit Original-Unterschrift.

    Das haute sogar fast mich aus den Socken.

    Ich bin ja nicht einmal der größte Fußballfan des Universums, aber so ein Moment ist trotzdem besonders. Vor allem, wenn man weiß, wie sehr sich jemand daheim darüber freuen wird. Plötzlich wird aus einem kurzen Barbesuch eine kleine Geschichte, die man sicher noch oft erzählen wird.

    Danach ging es zurück zum Schiff. Und wir waren uns einig: Das war ein mega gelungener Ausflug. Genau die richtige Mischung aus Landschaft, Geschichte, Kultur, kleinen Überraschungen, Genuss und persönlichen Momenten. Eine Tour, die wir wirklich sehr empfehlen können und jederzeit wieder machen würden. Madeira hatte einmal mehr gezeigt, warum diese Insel für uns so besonders ist.

    In São Jorge wartete dann ein ganz besonderer Ort auf uns: die Ruine einer alten Zuckerrohrfabrik, eingebettet in sattes Grün. Und genau solche Plätze liebe ich. Orte, an denen Natur und Geschichte ineinander wachsen. Mauern, die nicht mehr vollständig erzählen, was einmal war, aber genug übrig lassen, damit die Fantasie anspringt. Zwischen Pflanzen, alten Strukturen und dieser leicht geheimnisvollen Atmosphäre entstanden natürlich wieder stimmungsvolle Fotos. Madeira kann eben nicht nur Panorama, sondern auch Patina.

    Einer der eindrucksvollsten Ausblicke des Tages erwartete uns am Miradouro São Cristóvão. Und ja, Hawaii-Vibes trifft es tatsächlich ziemlich gut. Dramatische Steilküsten, tiefes Grün, das Tal von Boaventura, Atlantik, Felsen, Dschungelgefühl – man hätte fast erwartet, dass jeden Moment ein Dinosaurier durchs Bild läuft. Jurassic Park auf Portugiesisch sozusagen. Atemberaubend schön. Diese Landschaft ist nicht einfach dekorativ, sie hat Wucht. Sie steht vor einem und sagt: Schau ruhig länger hin, ich habe genug zu bieten.

    Während der Fahrt erzählte Daniel viel über die Insel, ihre Geschichte, ihre Pflanzen, ihre Besonderheiten und das Leben auf Madeira. Und genau das macht für mich eine gute private Tour aus: Man fährt nicht nur von Fotostopp zu Fotostopp, sondern bekommt ein Gefühl für den Ort. Madeira besteht nicht nur aus Aussichtspunkten und Blumen, sondern aus Menschen, Geschichten, Landwirtschaft, Traditionen, Herausforderungen, engen Straßen und sehr viel Liebe zur Insel.

    Weiter ging es nach Machico. Hier begann die Geschichte Madeiras, denn in dieser Gegend landeten die ersten portugiesischen Entdecker der Insel. Heute wirkt Machico freundlich, hell und entspannt. Palmen, Meer, ein bisschen Geschichte, ein bisschen Kleinstadtflair – ein Ort, der nicht laut sein muss, um schön zu sein. Man kann dort gut verstehen, warum Madeira schon früh fasziniert hat. Diese Insel ist einfach anders. Kein flaches Strandparadies, sondern ein grünes Gebirge im Atlantik, das zufällig rundherum Meer hat.

    Am Miradouro Caniçal zeigte sich dann wieder diese typische Madeira-Dramatik. Ein Aussichtspunkt, an dem man zwei Küsten auf einmal erahnen kann und sofort versteht, warum die Insel so kontrastreich wirkt. Eben noch sanfter Atlantikblick, dann wieder karge Felsen, grüne Hänge, tiefe Täler, steile Straßen und immer wieder diese Ausblicke, bei denen man reflexartig zur Kamera greift. Madeira ist landschaftlich ein bisschen wie ein Mensch, der nie einfach nur „nett“ sein möchte. Es muss schon spektakulär sein.

    Dann erreichten wir Porto da Cruz. Zuckerrohr und Rum gehören hier einfach dazu. Madeira hat eine lange Tradition in der Zuckerrohrverarbeitung, und in Porto da Cruz kann man dieser Geschichte noch sehr direkt begegnen. Natürlich durfte auch ein Blick in die traditionelle Rum-Destillerie nicht fehlen. Zuckerrohr, Maschinen, Geruch, Geschichte – und irgendwo im Hintergrund schwingt immer die sehr vernünftige Frage mit, ob man Rum nicht viel öfter als Kulturgut betrachten sollte. Ich finde: ja.

    Danach ging es weiter nach Santana. Diese kleinen, typischen Häuschen mit ihren spitzen Strohdächern kennt man von unzähligen Madeira-Bildern. Und trotzdem ist es etwas anderes, davorzustehen. Sie wirken fast ein bisschen märchenhaft, als hätte jemand beschlossen, dass ein Haus nicht einfach nur praktisch, sondern auch maximal fotogen sein sollte. Natürlich wurde fotografiert. Ausgiebig. Solche Motive verlangen das.

    Tag 16 – Madeira: Zurück in Europa, zumindest so halb, und Wiener Walzer vor Sissi-Kulisse

    Europa hatte uns wieder. Zumindest eine Insel davon. Nach Tagen auf dem Atlantik, nach Karibik, Seetagen, Zeitumstellungen, Wind, Wellen und ganz viel Blau tauchte nun Madeira vor uns auf. Und was soll ich sagen: Diese Insel kann einfach etwas. Sie steht da nicht nur im Atlantik herum, sie inszeniert sich. Grün, steil, dramatisch, blühend, felsig, mild – Madeira ist keine Insel für leise Auftritte.

    Für uns war es ein Wiedersehen, denn im letzten Jahr hatten wir bereits einen anderen Teil der Insel besucht. Diesmal sollte es in den Osten und Norden gehen. Gebucht hatten wir eine private Tour nur für uns beide mit Banana Joe Tours – deutschsprachig, ganz entspannt und genau so, wie wir es mögen: viel sehen, viel erfahren und flexibel bleiben.

    Um 9 Uhr wartete Daniel direkt vor dem Schiff auf uns. Sehr sympathisch, sehr unkompliziert – und schon ging es los.

    Der erste Stopp führte uns nach Garajau zur Christo-Rei-Statue. Natürlich ist sie nicht ganz so groß wie ihr berühmter Bruder in Rio de Janeiro, aber dafür steht sie an einem Ort, der mit Aussicht punktet. Und zwar ordentlich. Hoch über dem Atlantik breitet sie die Arme aus, als wollte sie Madeira, das Meer und alle Besucher gleichzeitig umarmen. Unter uns rauschte die Küste, vor uns lag das große Blau, und nach den vielen Seetagen fühlte sich fester Boden unter den Füßen schon fast exotisch an.

    Von dort aus ging es weiter in Richtung Flughafen – beziehungsweise unter die Landebahn. Der Flughafen von Madeira ist ja ohnehin eine kleine Sehenswürdigkeit für sich. Die Landebahn steht teilweise auf mächtigen Stelzen, und wenn man darunter hindurchfährt, denkt man kurz: Ja, das ist technisch beeindruckend. Und ein kleines bisschen verrückt. Kurz darauf machten wir noch einen Stopp mit Blick auf die Landebahn, und genau in diesem Moment landete ein Flugzeug quasi direkt vor beziehungsweise neben uns. Perfektes Timing. Madeira lieferte also nicht nur Landschaft, sondern auch Live-Airport-Kino.

    Tag 15 – Atlantik, Seetag 7: Bilderbuchblau, Kapitän bezwungen und Bettdeckentiere mit kurzer Lebenserwartung

    Unser letzter Seetag vor Madeira begann beinahe unwirklich schön. Nach den bewegteren Tagen zuvor zeigte sich der Atlantik heute von seiner ganz sanften Seite: sonnig, ruhig, fast windstill und so friedlich, als hätte jemand die große blaue Decke glattgezogen. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Nur eben ohne Buch, dafür mit sehr viel Meer.

    Es war einer dieser Morgen, an denen man hinausschaut und sofort weiß: Heute wird nicht gekämpft. Heute wird genossen. Der Himmel strahlte, das Wasser glitzerte, die Mein Schiff 1 glitt ruhig dahin, und rundherum lag diese ganz besondere Stille, die man nur auf See erlebt. Keine Straßen, keine Stadtgeräusche, kein Land, das ablenkt. Nur Schiff, Sonne und Horizont.

    Peter
    6. Juni 2019 um 11:56

    Natürlich stand auch heute noch einmal unsere Challenge gegen den Kapitän auf dem Programm. Der große Endspurt. Nach all den Runden auf Deck 14, nach Wind, Sonne, Ehrgeiz, kleinen persönlichen Rekorden und der einen Zwangspause wegen der Notausschiffung wollten wir es nun natürlich wissen.

    Und tatsächlich: Wir haben es geschafft.

    Die Challenge gegen den Kapitän war gemeistert. Also gut, streng genommen hatte der Kapitän weiterhin den Vorteil, dass er ein Kreuzfahrtschiff unter sich hatte und wir nur unsere Füße. Aber darum ging es ja nicht. Wir hatten unsere Kilometer gesammelt, Runde für Runde, Tag für Tag, und haben unsere Vorgabe deutlich übertroffen. Und plötzlich fühlte sich diese kleine Bordaktion gar nicht mehr so klein an. Sie hatte uns beschäftigt, motiviert, bewegt und jeden Seetag ein bisschen strukturiert.

    Ein bisschen stolz waren wir schon. Völlig zu Recht natürlich. Schließlich läuft man nicht jeden Tag mitten auf dem Atlantik gegen einen Kapitän an und gewinnt am Ende zumindest moralisch. Und moralische Siege zählen im Urlaub ganz besonders. Vor allem, wenn man sie anschließend mit Kaffee, Eis oder einem guten Abendessen würdigen kann.

    Nach unserem sportlichen Triumph gegen den Kapitän – zumindest in unserer sehr persönlichen Interpretation der Ereignisse – ging es dann gleich weiter mit einem Programmpunkt, der perfekt zu einer Atlantiküberquerung passte: der nautisch-technischen Fragestunde mit dem Kapitän.

    Und die war tatsächlich richtig spannend. Fast zwei Stunden erzählte er Wissenswertes rund um Navigation, Technik, Wetter, Routenplanung, Sicherheit, Maschinenleistung, Seegang und alles, was man sich als neugieriger Kreuzfahrtgast so fragt, wenn man tagelang über den Atlantik fährt und plötzlich sehr interessiert daran ist, wie dieses riesige schwimmende Zuhause eigentlich funktioniert. Ich mag solche Einblicke ja sehr, weil man danach wieder ein bisschen mehr Respekt vor allem hat, was im Hintergrund passiert. So ein Schiff fährt schließlich nicht einfach „geradeaus, bis Madeira kommt“, auch wenn das aus Passagiersicht manchmal sehr praktisch klingt.


    Besonders schön war, dass die Fragestunde nicht trocken oder belehrend war, sondern mit einer guten Portion Humor ablief. Der Kapitän erzählte informativ, aber locker, erklärte technische Dinge verständlich und ließ immer wieder durchblicken, dass auf See zwar sehr viel Präzision, Erfahrung und Verantwortung gefragt sind, aber ein bisschen seemännischer Humor offenbar auch nicht schadet. Aus geplanten Fragen wurde so ein richtig unterhaltsamer Blick hinter die Kulissen der Brücke – und ehe man sich versah, waren fast zwei Stunden vergangen.

    Der Tag blieb herrlich ruhig. Pooldeck, Sonne, Meerblick, ein bisschen Lesen, ein bisschen Faulenzen, ein bisschen einfach nur Dasein. Nach fast einer Woche Atlantiküberquerung merkte man, wie sehr man in diesem Seetagsrhythmus angekommen war. Was am Anfang noch nach „sieben Tage ohne Hafen“ klang, fühlte sich inzwischen an wie ein eigener kleiner Kosmos. Jeder Tag ähnlich, aber nie ganz gleich. Jeder Tag ruhig, aber nie leer.

    Am Nachmittag stand dann noch ein weiteres Highlight auf dem Programm: Neptuns Abschlussinspektion mit Schlüsselrückgabe. Und das war herrlich schräg. Genau diese Art von Bordprogramm, bei der man sich zunächst fragt, was da eigentlich passiert – und dann feststellt, dass genau das der Reiz daran ist.

    Der Kapitän übergab symbolisch einen großen Schlüssel zurück an Neptun und bedankte sich für die ruhige und sichere Überfahrt. Wer genau Neptun war, weiß ich bis heute nicht. Irgendjemand aus der Crew, kostümiert, mit nicht ganz so ausreichender Würde (sorry), Bart und Meeresautorität. Begleitet wurde das Ganze von Piraten, einer Nymphe, Meerjungfrau oder sonstigen Meereswesen – ich bin bei der maritimen Fabelwesen-Klassifizierung nicht ganz sattelfest – und allerlei kostümierten Gestalten, die das Spektakel wunderbar absurd und sehr unterhaltsam machten.

    Es hatte etwas von Seefahrertradition, Karneval auf hoher See und liebevoller Bordfolklore zugleich. Nach sieben Tagen Atlantiküberquerung passte das aber perfekt. Wir hatten den Ozean überquert, Paulchen Panther überlebt, den Kapitän sportlich herausgefordert, Wind und Wellen kennengelernt und waren nun offenbar offiziell von Neptun entlassen. Oder zumindest geduldet. Auch schön.

    Auf unserer Kabine wartete auch wieder ein neuer Mitbewohner auf uns. Oder besser gesagt: ein kunstvoll gefaltetes Bettdeckentier.

    Fast jeden Tag hatte sich unser Kabinenservice etwas Neues einfallen lassen. Plötzlich lag da ein Tierchen auf dem Bett, aus Bettdecke geformt, mit liebevollen Details und diesem Talent, einen sofort zum Lächeln zu bringen. Man kommt in die Kabine, rechnet mit nichts Besonderem – und dann schaut einen da ein kleiner textiler Bewohner an, als hätte er schon den ganzen Tag auf Gesellschaft gewartet.

    Leider hatten diese Tierchen bei uns immer nur ein sehr kurzes Leben. Ihre Existenz war zauberhaft, aber tragisch begrenzt. Spätestens am Abend, wenn wir schlafen gingen, war es vorbei mit der Artenvielfalt auf unserer Kabine. Aus dem geplanten Bord-Zoo wurde also leider nichts. Nicht einmal eine richtige One-Animal-Show konnte dauerhaft etabliert werden. Eher eine täglich wechselnde Pop-up-Fauna mit eingebautem Verfallsdatum.

    Oder anders gesagt: Unsere Kabine war kurzzeitig ein liebevoll dekorierter Mini-Zoo, der sich jeden Abend aus praktischen Gründen wieder selbst abschaffte.

    Schade eigentlich. Aber sehr charmant.

    Am Abend wurde wieder getanzt. Heute standen Boogie und Jive auf dem Programm – also genau die Art von Tänzen, bei denen man schnell merkt, ob die Beine noch wach sind. Nach all den Seetagen, Runden gegen den Kapitän und diversen kulinarischen Verpflichtungen war das durchaus eine berechtigte Frage.

    Aber es machte wieder unglaublich viel Spaß. Boogie und Jive bringen einfach Schwung in den Abend. Flott, fröhlich, lebendig – und mit einem gewissen Risiko, dass man plötzlich mehr Energie vortäuscht, als man tatsächlich noch besitzt. Zum Glück galt Kathis wunderbares Motto: „Es gibt keine Fehler, nur Variationen.“

    Ein Satz, den man eigentlich ins Leben übernehmen sollte. Gerade beim Tanzen ist er Gold wert. Schritt vergessen? Variation. Falsche Richtung? Kreative Interpretation. Zu früh gedreht? Spontane Erweiterung des Figurenmaterials. So betrachtet waren wir vermutlich nicht nur Tänzer, sondern regelrechte Künstler der freien Bewegungsauslegung.

    Nach dem Tanzkurs ging es ins Theater zu „Varieté Voyage“. Ein passender Programmpunkt für diesen letzten Seetag vor Madeira. Bühne, Licht, Artistik, Musik, Atmosphäre – eine schöne Mischung aus Staunen und Unterhaltung.

    Und weil ein schöner Seetag natürlich einen würdigen Abschluss braucht, landeten wir danach wieder in der Galeriebar. Wen überrascht es noch? Uns jedenfalls nicht. Die Galeriebar war mittlerweile zu einem unserer festen Abendplätze geworden. Man geht hin, bestellt etwas, plaudert, lacht, lässt den Tag ausklingen – und plötzlich ist man wieder sehr einverstanden mit allem.

    Draußen fuhr die Mein Schiff 1 weiter Richtung Madeira. Nach sieben Seetagen am Stück rückte nun wieder Land näher. Ein seltsames Gefühl. Einerseits freuten wir uns natürlich auf Madeira, auf Insel, auf Grün, auf neue Eindrücke. Andererseits war da auch ein bisschen Wehmut. Diese Atlantiktage hatten ihren ganz eigenen Zauber entwickelt. Ruhig, weit, entschleunigt und voller kleiner Rituale.

    Tag 14 – Atlantik, Seetag 6: Azoren-Nähe, Hubschrauber und ein Blick hinter die Schiffskulissen

    Der nächste Morgen begann nicht mit sanftem Meeresrauschen, sondern mit einer sehr deutlichen Erinnerung daran, dass wir uns mitten auf dem Atlantik befanden. Der Seegang hatte ordentlich zugelegt, und wir wurden vom Schaukeln des Schiffes geweckt. Also nicht dramatisch, aber schon so, dass man im Bett kurz überlegt, ob man sich nun gemütlich in den Schlaf wiegen lässt oder ob das Schiff heute ein bisschen zu motiviert mitwiegt.

    Wir befanden uns mittlerweile in der Nähe der Azorenküste. Die Inselgruppe lag irgendwo da draußen, nicht als geplanter Hafen, sondern als wichtige Rettungsmarke auf unserer Route. Wegen des medizinischen Notfalls an Bord mussten wir noch ein Stück näher ans Land heran, damit der Hubschrauber die Mein Schiff 1 erreichen konnte.

    Der Wind war hartnäckig. Sehr hartnäckig. Er pfiff ums Schiff, rüttelte an der Atmosphäre und machte klar: Heute ist kein gewöhnlicher Pooldeck-Seetag. Das Meer war bewegter, die Stimmung etwas gedämpfter, und über allem lag dieses stille Wissen, dass es heute nicht um unser Urlaubsprogramm ging, sondern um einen Menschen, der dringend Hilfe brauchte.

    Gegen Mittag kam dann der Helikopter.

    Nach einiger Zeit war die Ausschiffung geglückt. Der Hubschrauber entfernte sich langsam vom Schiff, und wir schickten mit ihm unsere besten Gedanken und Wünsche mit. Möge alles gut ausgehen. Mehr kann man in so einem Moment nicht tun. Aber innerlich tut man es sehr intensiv.

    Nachdem der Hubschrauber abgeflogen war, drehte die Mein Schiff 1 wieder Richtung Südost mit Kurs auf Madeira. Und auf einmal veränderte sich auch das Gefühl an Bord. Der Wind kam nun von hinten und glich sich mit dem Fahrtwind aus. Es wurde beinahe windstill. Nach diesem unruhigen Morgen wirkte das fast unwirklich. Als hätte jemand den Atlantik kurz leiser gedreht.

    Die Laufchallenge gegen den Kapitän musste heute wegen der Notausschiffung pausieren. Verständlich natürlich. Und wir nahmen es sportlich – im wahrsten Sinne des Wortes. Wir hatten ohnehin schon einen deutlichen Vorsprung herausgelaufen. Für den verbleibenden Tag morgen würde das also ein Klacks werden. Sagen wir zumindest. Mit ausreichend Selbstvertrauen und einem gewissen Hang zur Schönrechnung.

    Am späteren Nachmittag hatten wir heute die Blickwinkel-Tour gebucht. Und die passte perfekt zu diesem Tag, an dem man ohnehin schon gespürt hatte, wie viel hinter den Kulissen eines Schiffes passiert. Nun durften wir selbst einmal Bereiche sehen, die man als Gast normalerweise nicht betritt.

    Zuerst ging es in die Galley, also in die große Schiffsküche. Und man kann es nicht anders sagen: beeindruckend. Wenn man als Gast im Restaurant sitzt, denkt man ja selten darüber nach, welche Logistik dahintersteht, damit täglich Tausende Mahlzeiten frisch, pünktlich und in gleichbleibender Qualität auf den Tellern landen. In der Galley sieht man plötzlich, was dafür nötig ist: Arbeitsstationen, Abläufe, Organisation, Konzentration und ein Team, das in einem Tempo arbeitet, bei dem man selbst schon vom Zuschauen Respekt bekommt. Auch einen Blick ins Lager konnten wir werfen, um festzustellen, dass wir ganz schön fleißig waren im Konsumieren. Dort und da bettelten leere Ecken schon förmlich um ein kleines bisschen Aufmerksamkeit und Nachschub.

    Danach führte uns die Tour vorbei am Crewbereich und über die „Autobahn“ im Schiffsbauch. Allein dieser Begriff ist herrlich. Und tatsächlich fühlt es sich dort unten ganz anders an als in den öffentlichen Bereichen. Weniger Teppich, weniger Deko, weniger Urlaubsinszenierung – dafür viel Funktion, Bewegung und Struktur. Man bekommt ein Gefühl dafür, dass so ein Schiff nicht nur Hotel, Restaurant, Theater und Pooldeck ist, sondern auch ein riesiger Arbeitsorganismus. Ein schwimmendes System aus Wegen, Räumen, Abläufen und Menschen, die dafür sorgen, dass oben alles leicht aussieht.

    Besonders spannend war auch der Blick ins Theater – nicht von den Sitzplätzen aus, sondern hinter die Kulissen. Lichttechnik, Tontechnik, Bühne, Abläufe, Backstagebereich. Plötzlich versteht man noch einmal besser, wie viel Aufwand hinter einer Show steckt. Das, was abends scheinbar mühelos auf der Bühne passiert, ist in Wahrheit minutiös vorbereitet. Technik, Timing, Ton, Licht, Künstlerinnen und Künstler – alles muss funktionieren. Und wenn man dann das nächste Mal gemütlich im Zuschauerraum sitzt, schaut man definitiv mit anderen Augen hin.

    Ganz besonders eigenartig und eindrucksvoll war der Bereich im Bug des Schiffes, wo sich ein kleines Lager für Kostüme und Deko befindet. Schon der Weg dorthin hatte etwas Besonderes.

    Und dort vorne im Bug war das Gefühl plötzlich ganz anders. Man konnte die Wellen, die den Bug umspielten und teilweise gegen das Schiff klatschten, nicht nur hören. Man konnte sie irgendwie sogar spüren. Dieses dumpfe, kraftvolle Geräusch, dieses Arbeiten des Schiffes gegen das Wasser, diese Nähe zum Atlantik – das ging einem richtig durch den Körper. Oben an Deck ist das Meer Kulisse. Dort unten war es unmittelbar. Fast körperlich. Ein bisschen unheimlich, aber vor allem faszinierend.

    Nach dieser Tour sah ich die Mein Schiff 1 noch einmal mit anderen Augen. Nicht nur als vertraute Lady, die uns über den Atlantik trägt, sondern als komplexe, lebendige Welt. Schade, dass es nicht erlaubt war Fotos zu machen.

    Am Abend ging es dann ins Atlantik Mediterran. Nach so einem Tag tat ein ruhiges Abendessen gut. Sitzen, essen, reden, ein bisschen runterkommen. Der Tag hatte schließlich viel in sich gehabt. Danach zog es uns wieder in die Galeriebar.

    Und dort versumpften wir heute so richtig.

    Eigentlich wollten wir vermutlich nur kurz etwas trinken. Natürlich. So beginnen diese Geschichten immer. Nur kurz. Ein Glas. Ein bisschen sitzen. Und plötzlich ist es später, als geplant, die Gespräche laufen, die Stimmung passt, und man merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht. Die Galeriebar hatte sich für uns ohnehin zu einem sehr angenehmen Abendplatz entwickelt. Und heute war genau so ein Abend, an dem man einfach hängen bleibt.

    Vielleicht auch, weil der Tag emotionaler gewesen war. Vielleicht, weil man nach all den Eindrücken noch nicht sofort ins Bett wollte. Vielleicht, weil es einfach schön war. Jedenfalls saßen wir dort, tranken, lachten, redeten und ließen den Atlantik draußen weiter Atlantik sein.

    Ein Seetag also, der wieder einmal ganz anders verlief, als man es morgens erwartet hätte. Unruhig begonnen, ernst geworden, erleichtert weitergegangen, spannend hinter die Kulissen geführt und schließlich sehr gemütlich in der Galeriebar versumpft.

    Der Atlantik hatte heute viele Gesichter gezeigt. Und wir waren dankbar, dass die Mein Schiff 1 uns weiter sicher Richtung Madeira trug.

    Tag 13 – Atlantik, Seetag 5: Murmeltiermodus, Senf-Krapfen und Kursänderung Richtung Azoren

    Langsam fragte ich mich ernsthaft, ob wir in einer Zeitschleife gefangen waren. So ein bisschen wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – nur eben mit mehr Meer, mehr Buffet und deutlich besserer Aussicht.

    Denn auch dieser Seetag begann wieder sehr vertraut. Aufwachen. Atlantik. Frühstück. Runden laufen. Meer schauen. Irgendwo zwischen Kaffee, Sonnenbrille und der Frage, ob man heute vielleicht doch einmal etwas völlig Neues machen sollte – um dann festzustellen: Warum eigentlich? Wenn ein Tagesablauf funktioniert, muss man ihn ja nicht mutwillig sabotieren.

    Also gingen wir wieder auf Deck 14 zur Challenge gegen den Kapitän. Unsere Runden waren mittlerweile fester Bestandteil des Vormittags geworden, fast schon ein kleines Ritual mit sportlichem Tarnanstrich. Wir liefen, sammelten Meter und Kilometer, verglichen innerlich wieder mit den Vortagen und waren inzwischen erstaunlich motiviert. Wer hätte gedacht, dass man mitten am Atlantik plötzlich Ehrgeiz beim Rundendrehen entwickelt? Ich jedenfalls nicht. Aber der Mensch wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben – oder zumindest mit seinem Schrittzähler.

    Während ich also noch darüber nachdachte, ob wir vielleicht wirklich jeden Tag denselben Tag noch einmal erleben, riss mich Paulchen Panther sehr entschieden aus meinen Murmeltier-Überlegungen. Pünktlich schlug er wieder zu und klaute uns eine weitere Stunde. Mit dieser fast schon fröhlichen Unverschämtheit, mit der man im Urlaub absolut nicht rechnen möchte.

    Aber heute hatte das Ganze auch etwas Tröstliches: Es war vorerst das letzte Mal. Jetzt sei dann „wirklich Schluss“, zumindest fürs Erste. Man wollte es kaum glauben. Keine weitere Stunde, die plötzlich im Nichts verschwindet. Keine musikalische Zeitumstellung mehr zur Mittagszeit. Paulchen Panther verabschiedete sich also erst einmal aus seinem Amt als offizieller Bord-Zeitdieb. Ich war nicht traurig.

    Mittags gab es am Pooldeck Berliner. Oder, wie wir natürlich sagen würden: Krapfen. Denn Berliner sind für uns Menschen aus Berlin, und Krapfen sind das, was man isst. Aber gut, wir waren auf einem Schiff mit vielen Herkunftsregionen, da darf man großzügig sein.

    Die Krapfenaktion hatte allerdings einen kleinen Nervenkitzel eingebaut: Drei davon waren mit Senf gefüllt. Wer so einen erwischte, hatte etwas gewonnen. Was genau, war mir in dem Moment gar nicht klar – später sah ich im Bordfilm, dass es offenbar eine Flasche Schampus war. Also durchaus ein Preis, der den kurzen Senf-Schock vermutlich ein wenig abfedern konnte. Trotzdem war ich nicht sicher, ob ich dieses kulinarische Risiko wirklich eingehen wollte. Ein Krapfen ist ja eigentlich ein Vertrauensprodukt. Süß, weich, harmlos. Wenn da plötzlich Senf drin ist, ist das schon ein sehr direkter Eingriff in die Beziehung zwischen Mensch und Mehlspeise.

    Am Nachmittag verlief zunächst alles wieder im vertrauten Seetagsmodus. Ein bisschen Pooldeck, ein bisschen lesen, ein bisschen faulenzen, ein bisschen aufs Meer schauen. Der Atlantik war weiterhin groß, blau und geduldig, auch wenn man merkte, dass er langsam etwas lebhafter wurde. Der Wind nahm zu, das Schiff bewegte sich spürbarer, und die See erinnerte uns daran, dass sie nicht nur Kulisse ist, sondern durchaus auch Charakter hat.

    Gegen Abend kam dann erneut eine Durchsage des Kapitäns. Diesmal allerdings mit einer ernsteren Nachricht: Aufgrund eines medizinischen Notfalls an Bord mussten wir den Kurs ändern und Richtung Azoren drehen, um in Hubschrauber-Reichweite zu kommen.

    Da wird es auf einem Schiff sofort stiller in einem. Plötzlich ist aus dem entspannten Seetag wieder etwas sehr Reales geworden. Man denkt an die betroffene Person, an die Angehörigen, an die Crew, an die medizinischen Abläufe, die im Hintergrund funktionieren müssen. Auf einem Schiff mitten auf dem Atlantik bekommt der Begriff „Hilfe“ noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Es gibt nicht einfach das nächste Krankenhaus um die Ecke. Da zählt Planung, Erfahrung, Distanz, Wetter, Technik – und ein Kapitän, der die richtigen Entscheidungen trifft.

    Wir fuhren also Richtung Azoren. Diese Inselgruppe mitten im Atlantik, irgendwo zwischen Europa und Amerika, wurde für uns plötzlich nicht zum Reiseziel, aber zu einem wichtigen Orientierungspunkt. Nicht aus touristischer Neugier, sondern aus medizinischer Notwendigkeit. Ein Moment, der einen demütig macht.

    Am Abend stand trotzdem die Tanzstunde auf dem Programm. Heute: Langsamer Walzer. Und irgendwie passte das fast zu gut. Der Walzer hat ja von sich aus schon dieses sanfte Schweben, dieses Heben und Senken, dieses Gleiten. Nur dass heute das Schiff offenbar beschloss, aktiv mitzutanzen.

    Der Seegang hatte mittlerweile zugenommen, und dadurch bekam der Langsame Walzer eine ganz eigene Dynamik. Man setzte einen Schritt – und der Boden kam entweder früher näher, als man damit gerechnet hatte, oder er haute einfach ab. Sehr eigenwillig. Normalerweise führt ja einer von uns beiden. Heute führte eindeutig auch der Atlantik mit. Und zwar nicht immer rücksichtsvoll.

    Trotzdem, oder gerade deshalb, machte es Spaß. Langsamer Walzer auf einem schaukelnden Schiff ist vielleicht nicht die einfachste, aber sicher eine sehr maritime Variante dieses Tanzes. Man bewegt sich, das Schiff bewegt sich, der Horizont bewegt sich gefühlt auch ein bisschen – und irgendwo dazwischen versucht man, elegant auszusehen. Eine Herausforderung. Aber eine schöne.

    Später ging es ins Theater zur Comedy Show. Ein bisschen Lachen tat gut, gerade nach der ernsteren Durchsage und einem Tag, der zwischen Routine, Krapfenroulette und Kursänderung doch einige Stimmungswechsel zu bieten hatte. Comedy auf See hat ohnehin ihren eigenen Charme. Vielleicht, weil alle ein bisschen entspannter sind. Vielleicht auch, weil man auf einem schaukelnden Schiff schneller bereit ist, über Dinge zu lachen, die zuhause vielleicht nur ein müdes Lächeln hervorrufen würden.

    Danach landeten wir in der Galeriebar. Und dort gab es eine besonders nette Überraschung: Wir trafen einen Kellner wieder, den wir schon von der Mein Schiff 7 kannten. Solche Wiedersehen an Bord sind einfach schön. Plötzlich verbindet sich eine frühere Reise mit der aktuellen, und für einen Moment fühlt sich die Mein-Schiff-Welt noch vertrauter an. Wir hatten viel Spaß, plauderten, lachten und genossen diesen Abend sehr.

    Die Nacht wurde dann allerdings deutlich schaukeliger. Der Wind pfiff ums Schiff, die See machte sich bemerkbar, und die Mein Schiff 1 arbeitete sich weiter durch den Atlantik. In der Kabine hörte man das Rauschen, das Pfeifen, dieses tiefe, lebendige Geräusch eines Schiffes, das nicht in einem ruhigen Hafen liegt, sondern draußen unterwegs ist.

    Und während wir im Bett lagen und das Schiff spürbar unter uns arbeitete, dachte ich wieder einmal: Eine Atlantiküberquerung ist eben nicht nur Pooldeck, Eis und Sonnenuntergang. Sie ist auch Weite, Wetter, Verantwortung, Bewegung und manchmal ein Kurswechsel aus einem sehr ernsten Grund.

    Ein Tag also, der begann wie ein Murmeltier-Seetag – und endete mit schaukelnder Nacht, Wind ums Schiff und dem Gefühl, dass der Atlantik uns daran erinnerte, wer hier eigentlich das letzte Wort hat.