Vom Restaurant gingen wir dann in einen Parkteil,
der uns ein wenig verwirrte. Denn dort wechselte die Szenerie vom
Asterix-Universum zu einer französischen Burg des 14. Jahrhunderts –
mit entsprechenden Ständen und Bühnen. Ein Stück weiter kam noch
ein anderer Bereich, welcher das Paris des frühen 20. Jahrhunderts
als Thema hat. 
Meine
Frau fand aber im Internet schnell eine Erklärung: diese Bereiche im
hinteren Parkteil dienen vor allem an verschiedenen Wochenenden als
Kulisse für Historien-Spektakel. Schon ein wenig schräg im
Gallier-Park, aber auch nicht ohne Charme. 
Am
Rande des Paris-Teils nutzten wir dann zum ersten Mal unsere
“Filotomatix” für eine sehr geniale Schlauchboot-Turbo-Rutsche.
Sowas hatte ich bislang auch nicht in einem Freizeitpark, diese
Attraktionen findet man auch eher in den USA als in Europa.
Zurück
im “Gallischen Teil” des Parks besuchten wir dann das in vielen
Parks inzwischen obligatorische 4D-Kino. Hier hatten wir mit
“Filotomatix” wiederum schnellen Zugang und konnten uns eine von
den “Studios Idéfix” (in denen die letzten Asterix-3D-Filme entstanden sind) erstellte Kurzfassung von “Der Kampf der
Häuplinge” anschauen. Mit beweglichen Sitzen und vielen
Spezialeffekten, die uns mitten in die Handlung katapultierten,
inklusive Geruch, Nebel, Wassereffekten uvm. Tolle 15 Minuten! 

Dann
fuhren wir ein paar Runden Tassenkarussell – oder vielmehr
Kessel-Karussell (in Anlehnung an “Asterix und der Kupferkessel”).
Dann noch etwas Wildwasserbahn, Bobbahn
(beides wieder unter Umgehung der Schlangen) und einiges mehr. Alles
wiederum sehr schön ins Asterix-Theming eingebunden.
So
allmählich zeigte sich aber dann auch eine gewisse Ermüdung,
so
dass wir schliesslich zum Vorplatz zurückkehrten, um uns die
Amphitheater-Show “Romains vs Gauloises” anzuschauen. Und diese
hatte es wirklich in sich. 
Zur
Idee: Julius Cäsar hat nach mehr als 2’000
Jahren endgültig genug von den aufrührerischen Galliern und
beschlossen, die Frage des Sieges durch einen Wettkampf ein für alle
Mal zu klären. Dieser wird auf seinem privaten Fernsehkanal “Julius
César TV” (JCT) in alle Teile Galliens live übertragen.
Zu
Beginn lief ein junger Römer, welcher mich ein wenig an Michael
Mittermaier erinnerte, mit einer mobilen Kamera durch die Reihen und
begrüsste verschiedene Gäste als römische Honoratior*innen.
Danach erklärte eine glamuröse Römerin die Regeln des Wettkampfes,
in dem 4 römische Legionäre 4 gallischen Kriegern gegenüberstehen
würden.
Und
dann meldete sich Cäsar höchstselbst per Satellit aus Rom auf einer
Leinwand zu Wort – gnadenlos gut gespielt durch das Urgestein des
französischen Kinos Alain Delon (welcher den Cäsar ja auch schon
2008 in der Real-Verfilmung von “Asterix bei den Olympischen
Spielen” dargestellt hatte (manche Fans werden sich erinnern, dass
dort u.a. auch der
deutsche Komiker und Filmproduzent Michael “Bully” Herbig erste
Erfahrungen mit Comic-Realverfilmungen sammeln
konnte, welche er ein Jahr später in
seinem Realfilm “Wickie und die starken Männer” eingesetzt
hat)). 
Dies
brachte die Anwesenden in ein echtes Dilemma: auf der einen Seite
wollte man die Römer natürlich ausbuhen, auf der anderen Seite –
hey, das ist Alain Delon! 

Die
Wettkämpfe bestanden aus verschiedenen Teilen, u.a. Hip-Hop-Dance,
Bodenakrobatik, Seilakrobatik u.a. Sehr offensichtlich gewannen die
Gallier jede Runde, aber jedes Mal vergab der Mittermeier-Römer den
Punkt an seine Landsleute – sehr zum Unmut der Anwesenden.
Es wurde
im Rund immer lauter, noch einmal brach der französische
Nationalstolz komplett durch. 
Das
Ganze wurde immer wieder durch Werbeeinblendungen mit Anspielungen
auf bekannte Unternehmen der Gegenwart unterbrochen: so wurde z.B.
von einer Burgerkette “ViKing” geworben (Anspielung auf “Burger
King”). 
Am
Ende standen die Gallier in Ketten in der Arena, umringt von
römischen Legionären. Aber dann gab es auf der Leinwand “Breaking
News” aus dem gallischen Dorf, bei denen die Aussenmoderatorin von
Idefix förmlich überrannt wurde, welcher auch kurz darauf mit einer Flasche
Zaubertrank unter tosendem Applaus in die
Arena lief (und da hatten die Macher der
Show einen Hund gefunden, der dem Comic-Vorbild wirklich zum
Verwechseln ähnlich sah). 
Naja,
die Gallier nahmen jedenfalls jeder einen Schluck aus der Pulle,
sprengten ihre Ketten (während das Publikum völlig ausrastete) und
lieferten sich mit den Römern eine Martial Arts-Vorführung
allererster Güte, an deren Ende ein grosser Stapel Legionärshelme
in der Mitte der Arena zurückblieb, an dem Idefix noch schnell das
Beinchen hob, bevor er wieder hinauslief. 
Normalerweisebin
ich ja kein sooo grosser Fans von Shows in Freizeitparks, vor allem,
weil ich da in der Vergangenheit schon jede Menge Trash erlebt habe,
aber diese Show hat mich absolut geflasht.
Vor allem, weil das
Publikum und seine Rektionen so haargenau eingepasst wurden. Und als
Cesar schliesslich die Übertragung abbrechen liess, um seine erneute
Niederlage zu vertuschen, kochte die Stimmung im Rund so richtig
über. 


Das
war aber noch gar nichts gegen den Beifalls-Sturm, als im Moment, als
sich die Darsteller in der Arena verbeugten, Alain Delon in persona
im Cesaren-Kostüm in die Arena trat, um minutenlange standing
ovations
entgegenzunehmen. 



Ihr
lest richtig! Er war es höchstselbst! 


Zur
Erklärung: ich habe am Ausgang durch eine
Park-Mitarbeiterin auf Nachfrage erfahren,
dass die “TV-Einblendungen” normalerweise und an allen anderen
Tagen ausser der Saisoneröffnung einen ganz anderen französischen
Schauspieler zeigen. Nur am Ostersamstag kommt diese Ikone des
französischen Films bereits seit Jahren in den Park. Das ist
anscheinend ein Insider-Gag, im Internet
findet sich dazu nämlich absolut gar nichts.
Und die “Live-TV-Einblendungen”
entstehen an diesem Tag offenbar live
hinter der Bühne.
Yiiiiiihhh!
Wir haben Alain Delon live gesehen! 

Wie geil ist das denn?!? (und in diesem Moment gehen mir gerade akut die Smileys aus, um meine Gefühle angesichts dieses Erlebnisses zu unterstreichen)