Tag 3 – Visby (Gotland), Schweden:
Zeit für Abenteuer,
Zeit für den ersten Landgang der Reise. Aber zuerst nahmen wir im YC
unser Frühstück zu uns.
Die Karte dort ist
sehr umfangreich, und in etwa mit dem Frühstück im Atlantik
vergleichbar. Ich musste natürlich ganz dringend die Eggs Benedict
probieren:
(Mit liebem Gruß an
Helmut ebenezer !
)
Sie waren wirklich
sehr gut, allerdings war eines der Eier ein wenig ausgelaufen und
hatte sich mit der Hollandaise vermengt. Egal, Hauptsache, es
schmeckt! An die von mir bereits in anderen RBen erwähnten besten
Eggs Benedict der Welt, die ich vor 4 Jahren mal in einem Hotel in
Minneapolis probieren durfte, kamen diese zwar auch um Längen nicht
heran, mit ihren Pendants bei TC können sie jedoch problemlos
mithalten. 
Anschliessend
warteten wir in der Top Sail Lounge auf den Aufbruch. Im Gegensatz zu
den anderen Passagieren, die für die Landgänge jeweils zu
bestimmten Sammelpunkten im Schiff laufen müssen, werden die
YC-Gäste ebendort von einem Butler abgeholt und zu den Bussen
gebracht. Man bekommt einen Sticker mit der Busnummer, den man sich
gut sichtbar aufkleben muss, dann wird nacheinander aufgerufen.
Es gibt allerdings
keine Busse nur für YC-Gäste, vielmehr werden diese in kleinen
Gruppen verschiedenen Bussen zugeordnet. War aber alles sehr gut
durchorganisiert. 
Und so machten wir
uns gegen 9:50 Uhr unter Begleitungs von Joes Butler auf den Weg nach
unten. Im Fahrstuhl gab es dann eine Begebenheit, die mir am Ende
wirklich peinlich war: der Butler machte mich darauf aufmerksam, dass
sich an meinem rechten Schuh die Schnürsenkel gelöst hatten. Als
ich mich daraufhin hinknien wollte, um den Schuh neu zu binden,
meinte der Butler: «No, Sir, I will do it for you!», tauchte
bodenwärts ab und band mir tatsächlich die Schnürsenkel zu.
Das hat seit meinem
5. Lebensjahr niemand mehr für mich gemacht! Ich wusste in diesem
Moment echt nicht, was ich sagen sollte… 
Am Pier nahm uns
dann unser Suiten-Butler in Empfang und brachte uns auf einem eigenen
Weg (ja, selbst am Pier gibt es einen eigenen Laufweg für YC-Gäste!)
zu einem Bus, der normalerweise bis zu 20 Personen befördern kann.
Dort erwarteten uns unser Fahrer Lasse und unsere Tourführerin Ursa.
Fun fact: nehmt nur einen Buchstaben ihres Namens weg, dann wisst
Ihr, wie unser jüngerer Sohn heisst. Die beiden verstanden sich auch
sofort bestens.
Ursa ist eine echte
Gotländerin, hat fast ihr ganzes Leben auf der Insel verbracht. Sie
macht allerdings auch Touren in Stockholm, ein Umstand, der für Joe
sehr interessant wurde, da einige seiner Vorfahren aus Schweden
stammen. Er tauschte dann auch gleich Telefonnummern und
eMail-Adressen mit Ursa aus, möchte im Laufe des Herbstes nochmal
nach Stockholm reisen, um ein wenig Ahnenforschung zu betreiben.
Eigentlich sollte
uns unser Ausflug als erstes in die Altstadt von Visby führen, aber
Ursa hatte die Reihenfolge kurzfristig geändert, da unser erstes
Ziel am Nachmittag geschlossen wäre. Und so fuhren wir die knapp
10km nach Südwesten, in den kleinen Küstenort Kneippbyn.
Und dort stand sie
dann, der Ort der Abenteuer unserer Kindheit – Villa Vollekulla:
Ich hatte echt Pipi
in den Augen (nota bene: kein Pippi!), denn ich habe die Filme in
meiner Kindheit geliebt (und sie liefen ja früher auch sehr
zuverlässig jedes Jahr im ZDF-Ferienprogramm (kent das eigentlich
hier noch jemand?)). Auch der Innenbereich liess, zumindest im
Erdgeschoss, viele Erinnerungen hochkommen:
Sogar das Jäckchen
von Herrn Nilsson und die Hufeisen vom Kleinen Onkel werden dort
aufbewahrt:
Und im 1. Stock
findet man die alte Schreibmaschine von Astrid Lindgren, auf der sie
die Pippi-Bücher geschrieben hat:
Der Rest des
Obergeschosses ist dann noch voll von Requisiten aus Pippis
Piratenfilmen. Für den Weg nach unten kann man dann wahlweise auf
der Treppe zurückgehen oder – sehr zur Gaudi unserer Jungs –
eine Rutsche nehmen.
Vor dem Haus gibt es
ausserdem Zuschauertribünen: hier werden in Nicht-Pandemie-Zeiten im
Sommer jeden Abend Pippis Abenteuer mit Schauspielern neu-aufgeführt.
Und hinter den Tribünen befindet sich ein Nachbau von Pippis Schiff,
der «Hoppetosse».
Ursa erzählte uns
dann auch von ihrem ganz persönlichen Pippi-Erlebnis. Als sie 6
Jahre alt war, wurde gerade in Visby der allererste Pippi-Film
gedreht. Wie viele Kinder auf Gotland hatte sie sich um eine
Komparsenrolle beworben, wurde aber leider nicht berücksichtigt. Ihr
Vater betrieb jedoch zu dieser Zeit einen kleinen Krämerladen in
Visby, in dem die Filmleute öfters einkauften.
Als sie eines Tages
im Laden war, kamen wieder einige Mitglieder der Filmcrew vorbei und
hatten auch den Affen, der in dem Film die Rolle des «Herr Nilsson»
verkörperte, an einer Leine dabei. Allerdings konnte sich der Affe
unerwartet von seiner Leine losreissen, britze aus und versteckte
sich auf den Regalen des Ladens.
Es hat dann mehr als
eine halbe Stunde gedauert, bis die Filmleute – sehr zur Gaudi der
herbeigeeilten Kinder – den Affen wieder eingefangen hatten. Bis
dahin hatte der Affe dann auch mehrere Leute, zum Teil sehr übel,
gebissen.
Soviel zur «Wahrheit
über Herrn Nilsson», die mit dem heutigen Tag nun endlich
öffentlich enthüllt wurde. 
Eines sei allerdings
noch erwähnt: Kneippbyn ist nicht der ursprüngliche Standort der
Villa Vollekulla. Das Haus stand ursprünglich in einem Vorort von
Visby, wo es mit der Zeit ziemlich verfallen ist, bis es ein Investor
vor gut 20 Jahren kaufte, nach Keippbyn transportieren und
restaurieren liess und darum einen kleinen Freizeitpark, dass
«Sommarland» errichten liess (und später gegenüber auch noch
einen Wasserpark).
Hier finden sich
jede Menge Möglichkeiten für Familien, einen schönen Tag mit viel
Spass zu verbringen. Es gibt Hüpfburgen, Trampoline, Karussells,
eine kleine Achterbahn (die aber gerade wegen Reparaturarbeiten nicht
in Betrieb war), einen kleinen Freifallturm, einen Klettergarten,
Tretboote, eine Seilbahn uvm.
Ursa hatte die
Eintrittskarten dankenswerterweise schon im Voraus gekauft, so dass
wir uns nicht an der langen Schlange deswegen anstellen mussten.
Im Park selber
erinnerte nun gar nichts mehr an die Pandemie. Masken? Komplette
Fehlanzeige! Abstand? Woher denn! Aber das ist nun einmal der
«Schwedische Weg». Die Kompatibilität mit den MSC-Hygieneregeln
für Landausflüge war jedenfalls – ehrlich gesagt – Null. 