Eine Stunde später hielten wir dann inmitten von Zwiebel-,
Zuckerrohr- und Kohl(!)-Feldern an einer kleinen Dorfkreuzung. Wir
nahmen dort unseren Zusatz-Guide für die nächsten zwei Tage «an
Bord», welcher selber ein Angehöriger des von uns kurz darauf
besuchten Datoga-Stammes war. Er arbeitet in diesem Dorf in einem
Entwicklungshilfeprojekt eines bekannten europäischen Anbieters,
welcher Patenschaften für Kinder in Afrika anbietet, und dessen Name permanent nach Hilfe ruft. ![]()
Bevor wir jedoch in
das traditionelle Datoga-Dorf fahren konnte, brauchte unser Kleiner
noch dringend eine Toilettenpause. Wir verliessen daraufhin die
befestigte Piste und fuhren zu einem Internat mitten im Nirgendwo, wo
sich nicht nur der Kleine, sondern auch der Rest der Familie
erleichtern konnte. ![]()
Das Problem bei der
Abfahrt: die Elektrik des Jeeps versagte komplett. Wir hatten das
Problem ja schon ein paar Tage zuvor gehabt, aber diesmal war es
wirklich prekär. ![]()
Aber noch bevor ich
spontan austeigen und durch Anschieben helfen konnte, winkte unser
neuer Guide drei Internatsschüler herbei, welche unseren Jeep innert
Sekunden wieder zum Laufen brachten. ![]()
Dass ich den drei Jugendlichen da spontan 10 Dollar für ihre Hilfe herübergereicht habe, sollte wohl nur allzu verständlich sein...
Schliesslich kamen wir im Datoga-Dorf an. Von aussen sahen wir zunächst nur einen Zaun aus Dornengewächsen:
Im Dorf wurden wir
dann von der Dorfvorsteherin und den Frauen des Dorfes herzlichst
begrüsst. Die Datoga sind schon seit jeher ein matriarchalisch
dominierter Stamm. Wir wurden dann sofort in eine Hütte eingeladen,
welche ich selbst unter maximalen Wohlwollen nur als «primitiv»
einordnen würde. ![]()
Drinnen sassen wir
dann beieinander und konnten uns gegenseitig (unter Übersetzung
unseres neuen Guides) Fragen stellen. So erfuhren wir beispielsweise,
dass die Dorf-Vorsteherin lediglich 26 Jahre alt war. Ihre Mutter,
die wir ebenfalls kennenlernten, und die ich – basierend aus meinen
europäischen Arzt-Erfahrungen – auf ca. 60 Jahre geschätzt hätte,
war gerade einmal 43 Jahre alt. Uff! ![]()
Wir wurden dann eingeladen, uns am Mahlen von Maismehl zu versuchen:
Ich hatte in der Hütte noch eine Frage gestellt, welche mir spontan auf den Nägeln brannte: nämlich, wie oft es vorkäme, dass junge Stammesangehöroige das Dorf auf Dauer verlassen würden, um in die Städte zu ziehen. Meine Frage stiess bei den Frauen zunächst auf Unverständnis, wurde sogar zuerst falsch interpretiert. Natürlich würden regelmässig die jungen Männer des Dorfes in die Städte reisen, um dort die Waren der Datoga zu verkaufen. Aber auf Dauer wäre schon seit einer Generation niemand mehr weggezogen. ![]()
Anschliessend ging es zur Dorfschmiede. Hier schmelzen die beiden Schmiede Altmetall ein, um daraus kunstvollen Schmuck (vor allem Armbänder) zu fertigen, ausserdem aus alten Nägeln Pfeilspitzen für die Hadzabe-Buschleute, welche wir am nächsten Tag besuchen sollten.
Die Schmiede war genauso archaisch wie der Rest des Dorfes: ein offener Schmelztiegel, welcher von Blasebälgen aus Tierblasen angefeuert wurde:
Das Lager der Rohmaterialien wirkte dann aber gar nicht so alt:
Und direkt neben der Schmiede lagen die Gatter der Dorftiere: