Uns war es jedoch sehr egal, was die Esel vor uns denn nun
beförderten. Und so erreichten wir nach einiger Zeit das Dorf der
Hadzabe-Buschleute:
Die Hadzabe sind ein
Nomadenstamm, welcher seine Hütten auf der Basis einfachster
Holzkonstruktionen baut und dann mit örtlichem Blattwerk bedeckt:
Der Anführer des
Stammes hat seinen Sitz in einem alten, im Inneren holhlen
Baobab-Baum:
Nebenan die
Feuerstelle des Dorfes, bewacht von Schädeln örtlicher Affen:
Und dann kam der
Stamm, um uns zu begrüssen.
Also genau genommen
die Männer des Stammes mit den Kindern. Wir wurden eingeladen, von
ihnen die Kunst des Feuermachens zu erlernen. Da haben
Schnarrrchsack und ich doch gleich die Jungs vorausgeschickt.
Auf ein Stück
Metall (in diesem Fall ein von den Datoga geschmiedetes Messer) wurde
ein Stück Weichholz gelegt:
Und dann wurde der
Feuerspeer mit dem Bogen heftig hin und her gedreht. Ergebnis nach
weniger als einer Minute: eine kleine Glut, auf die ein wenig
Holzwolle gelegt und wenig später angeblasen wurde:
Die Herausforderung
nahmen unsere Jungs gerne und sofort an:
In diesem Fall war
es Schnarchpelz , welcher innert nur 20 Sekunden sein Feuer
entfachte. Aber auch sein kleiner Bruder brauchte dafür nur wenig
länger.
Und das darf als
riesiger Erfolg betrachtet werden, da der Junge bis dahin grosse
Angst vor offenem Feuer hatte. Kuriert innert weniger Minuten bei den
Hadzabe. Chapeau!
An dieser Stelle
wollte ich dann ein paar Geschenke an den Stamm loswerden. Wir
hatten uns natürlich im Vorfeld der Reise informiert, ob man den
Buschleuten überhaupt sinnvollerweise ein Geschenk mitbringen
könnte/sollte, und falls ja, was das denn sein könnte.
An dieser Stelle
daher ein
[Einschub über
(ost)afrikanische Buschleute und ihre Gesellschaft]:
Die afrikanischen
Buschleute, egal ob in der Kalahari (wie aus den Kultfilmen von Jamie
Uyis bekannt) oder auch in Ostafrika, kennen keinerlei privaten Besitz! Alles,
was dem Stamm nützlich sein könnte, gehört auch dem gesamten
Stamm. Dies soll verhindern, dass Neid betreffend bestimmter Güter
entsteht.
Wenn man als
Besucher also ein Geschenk mitbringen möchte, so sollte man dies
mindestens in zweifacher Ausführung übergeben. Und selbst dann
sollte man vor der Übergabe in jedem Fall den Stamesobersten und
seine Hauptfrau um Erlaubnis fragen, die Geschenke übergeben zu
dürfen.
[Ende des Einschubs
über die Gesellschaft ostafrikanischer Buschleute]
Was ich in diesem
Moment in meiner Tasche hatte, waren zwei originale Schweizer
Armee-Taschenmesser. Und zwar in ihrer einfachsten
Version.
Soll heissen:
- eine grosse
(Säge-)Klinge mit Einhand-Ausklapp-Vorrichtung und Feststellfunktion
und mit ein paar
Zusatzfunktionen
- einer Pinzette
- einem Zahnstocher
Ich habe die beiden
Messer unserem Guide übergeben, welcher diese sehr schnell an zwei
junge Hadzabe weitergab, nicht ohne die Messer wortreich zu erklären.
Ich musste dann auch erstmal die Feststellfunktion erläutern.
Plötzlich war ich
völlig unerwartet umringt von Hadzabe. Umgeben von einem Chor der
klassischen Klicksprache der afrikanischen Buschleute. Ich verlor
auch völlig den Überblick, wo denn die beide Messer geblieben
waren. Wo war meine Familie? Wo waren die Jungs?!? 
Keine Sorge, liebe
Foristi, ich war nicht in Gefahr! Ich erlebte nur einen spontanen
Ausbruch der Begeisterung der Hadzabe. Denn schnell bot mir einer der
Dorf-Chefs seine Hand an, damit ich wieder aufstehen konnte. Und
einer seiner Krieger hatte schon schnell herausgefunden, wie die in
den Messern integrierte Pinzette für das Entfernen lästiger Dornen
genutzt werden konnte. 