Es hat - leider - etwas länger gedauert; ich komme erst jetzt dazu, etwas zum Ausflug zu schreiben, den wir im August, während einer Kreuzfahrt mit der "Mein Schiff 1", in Kreta unternommen haben. Ich hoffe jedoch, dass anderen Kreuzfahrern dieser kurze Bericht hilft, denn, kurzum: Es war ein Traum!
Hier die Beschreibung unseres Tags auf Kreta.
Um 8 Uhr nehmen wir den (kostenlosen) Hafenshuttle (entgegen unseren Befürchtungen war bisher außer Livorno entweder kein Shuttle nötig oder kostenlos) und schon kurz hinter dem Ankunftsgebäude wartet unser Führer Lefteris auf uns. Da wir zu viert sind und eigentlich lieber "auf eigene Faust" unterwegs, haben wir vor der Reise online ein wenig recherchiert - und sind auf Lefteris gestoßen. Wir haben mit ihm per Email verabredet wie und wo wir uns treffen, was wir anschauen wollen und wann. Er hat uns gut beraten und immer schnell geantwortet, kurzum: Perfekt.
Wie Lefteris uns riet, geht es ohne viel Vorlauf erst einmal nach Knossos - wir wollen dem Massenansturm entgehen. Und wir haben in der Tat Glück: Noch ist nicht viel los. Zwar treffen wir auf einige andere Gruppen, aber die Anlage ist relativ leer.
Und so sehen wir noch besser, wie beeindruckend die Anlage wirklich ist und warum diese Anlage der Minoer nicht als "Palast von Knossos", sondern als "Labyrinth" bekannt geworden ist... es ist ein Wahnsinn! So viele Räume! 800 Räume sind nachweisbar, doch dürfte der Palast insgesamt bis zu 1300 besessen haben. So wahnsinnig toll gebaute Treppenhäuser (und das im 16. Jahrhundert VOR Christus!), so viele Türen, Rampen, Innnenhöfe, ... man kann sich wirklich vorstellen, dass hier einmal 100.000 Einwohner lebten. Und von den oft gescholtenen Restaurationen von Arthur Evans aus den 1930ern sind wir sehr angetan... so ist man nicht ganz allein mit dem "sich-vorstellen-wie-es-mal-war"... Es ist irgendwie leichter, einen Zugang zu finden. Und mal ehrlich: So viel hat er auch nicht aufgebaut!
Lefteris erweist sich als echter Glücksfall - er spricht fantastisch deutsch und ist sehr nett. Sein Vater war in den 70ern Gastarbeiter in Deutschland - in Warstein. Dort ging Lefteris als Kind auch 4 Jahre auf eine deutsch-griechische Schule - mit seinen 3 Schwestern. Das hört man seinem Deutsch auch heute noch an.... manche Redewendung ist schon sehr deutsch
Ihn packte dann allerdings das Heimweh - also ging er zurück nach Kreta und lebte dort bei seiner Tante. Heute hat er zwei Töchter, eine 19-jährige Zahntechnikstudentin und eine 17-jährige angehende Säuglingsschwester. Ein wirklich angenehmer Führer, der uns vieles zeigt und manches erklärt.
Nach knapp zwei Stunden machen wir uns dann auf den Rückweg nach Iraklio, zum venezianischen Hafen, zur Kathedrale und von dort aus zum Markt. Dort setzen wir uns erst einmal in ein Kaffeehaus ("nur Penionisten hier, die haben alle nichts zu tun außer Karten spielen und diskutieren") und trinken einen Mokka. Das muss sein, auch wenn die Kreter, wie Lefteris sagt, im Sommer eher Frappé trinken (= Nescafe mit Eis... bäh!). Dazu kauft er uns Teilchen - salzige mit Spinat (die griechische Variante) und mit Ziegenkäse (die kretische Art).
Sowieso macht Lefteris einen großen Unterschied zwischen Kreta und Griechenland. Kreta sei immer eigenständig gewesen und nur ein Vertrag 1913 hat die Union mit Griechenland begründet. Der müsste eigentlich nun irgendwann auslaufen... ![]()
Man sieht auch schon am Namen, ob jemand aus Kreta kommt, dann hat der Name hinten immer ein "-akis"... Aha!
Beim Bummeln über den Markt sehen wir noch viele traditionelle Geschäfte (u.a. Fleischer, bei denen man mehr Fleisch sieht, als uns lieb sein kann), Gewürzläden, Kafferöstereien... aber ganz moderne Dinge, wie etwa ein Laden, der Pediküre mit Doktorfischen anbietet.
Danach geht es auf die venezianische Stadtmauer, zum Grab von Nikos Kazantzakis. Und um dessen Bedeutung für Kreta zu begreifen, muss man wissen, dass Kreta vor seinem Roman "Alexis Sorbas" so gut wie unbekannt war, es gab kaum Arbeit, viele Menschen zogen weg - wie Lefteris Vater. Dann aber kam der Boom - und Millionen von Touristen. Als Dank an diesen seinen großen Schriftsteller wurde er auf der Stadtmauer begraben.
Nach einem Schnellkurs in griechischer Mythologie (Mord und Totschlag überall!) schauen wir uns dann auch den "Schlafenden Zeus" an, einen Berg, der nun, mit ein wenig gutem Willen wirklich so aussieht, also würde der gute Zeus seine Nase in die Sonne strecken.
Dann geht's ins Landesinnere - das "richtige" Kreta kennenlernen!
Als wir auf dem Weg nochmals in Knossos vorbeikommen, ist eine riesig lange Menschenschlange zu sehen und mehrere Dutzend Busse. Was sind wir dankbar, dass wir uns nun vollends auf die Musik konzentrieren können, die Lefteris uns vorspielt... und auch hier erklärt er wieder den Unterschied zwischen Kreta und Griechenland. Und wir bekommen sogar noch eine CD! Immer wieder hält Lefteris an, zeigt uns Granatäpfelbäume, Pistazien, Feigen, Anis, ... und wir mampfen und riechen und sind begeistert. Südlich von Knossos schauen wir uns das alte Aquädukt an, das Iraklio heute und Knossos damals mit Wasser versorgte... bevor wir - durch Olivenhaine und Weinberge - weiter fahren.
In einem kleinen Dorf machen wir halt zum Mittagessen. Wir setzen uns unter einem Maulbeerbaum am Dorfplatz in ein kleines Lokal, alles ist still, am Nebentisch sitzen ein paar Pensionisten und die Dorschäfer, aber sonst umringt uns nur ... Landschaft. Herrlich. Auch das Essen ist einfach, aber fantastisch: Tomaten (guut!) mit Feta (dass der auch so gut schmecken kann) und Olivenöl, Gurken, Ziegenkäse, in Olivenöl gebratene Kartoffeln, Oliven, überbackene Auberginen, gefüllte Paprika, Fawa (ein Kichererbsenpüree) und Oliven (nicht für mich, irgendwo muss schließlich Schluss sein). Dazu gibt es Wein aus dem Dorf und - aus medizinischen Gründen, ich bin etwas erkältet - einen Raki (bzw. 2-3-....). Als Nachtisch gibt es Ziegenkäse mit Thymianhonig, Wassermelone und Birnen. Perfekt.
Wir sind richtig traurig, dass wir irgendwann zurück müssen... aber nun... am Nachmittag sind wir dann wieder "retour" - nach einem fantastischen Tag!
