Montag, 3.2. Santiago
Gestern São Vicente, heute Santiago, zwei Inseln, wie sie unterschiedlicher kaum sein können: São Vicente ist klein, das Meer (gefühlt) von überall sichtbar, eine saubere Insel, auf der Umweltschutz für wichtig genommen wird und schon im Schulalter (z.B. in Form von gemeinsamen Säuberungsaktionen) gelehrt wird. Auf Santiago (der größten Insel des Archipels) hingegen dominieren die Berge, ist das Leben viel afrikanischer. Frauen, die große Lasten auf dem Kopf blancieren, Musik, die afrikanische Elemente stärker aufnimmt wie batuco und funaná, all das ist hier zu finden. Und leider liegt überall Müll herum.
Santiago ist eine der Südinseln. Praia ist die Hauptstadt der Kapverden und die größte Stadt des Archipels. Und die am frühesten besiedelte: die Cidade Velha, westlich von Praia gelegen, ist der erste Ort, der auf den Kapverden gegründet wurde.
Da unser privater Ausflug leider nicht zustande kam, haben wir über TUI einen ganztägigen Ausflug ‚Santiagos Highlights‘ gebucht. Die Ausschreibung listet folgende Ziele auf: Fahrt nach São Domingos mit Besuch eines kleinen botan. Gartens, Weiterfahrt nach Assomada mit Markt und kulturellem Zentrum. Der Markt zählt zu den größten der Insel und ein Besuch lohnt sich (Lt. Ausschreibungstext). Anschließend ist ein Fotostopp an einem 600 Jahre alten Kapokbaum geplant, danach geht es in die Serra Malagueta, wo uns eindrucksvolle Aussichtspunkte, frische Luft und ein Picknick inmitten der Natur versprochen werden.
Offenbar gut gebucht, starteten zeitgleich 4-5 Kleinbusse mit jeweils 20 Teilnehmern. Die Busse waren ziemlich neu, und die Klimaanlage tat im Laufe des Tages gute Dienste, als sich das Thermometer immer mehr der 30-Grad-Grenze näherte. Unser Führer sprach ein sehr gutes Englisch, weil er in den USA aufgewachsen war. Leider sprach er auch recht schnell, so dass einige Teilnehmer Schwierigkeiten hatten ihn zu verstehen.
Da leider von der TUI kein Ausflug angeboten wurde, der uns sowohl nach Praia als auch in den Nationalpark Serra Malagueta geführt hätte, haben wir uns gegen einen Besuch von Praia und der Cidade Velha entschieden und für mehr Natur. Deshalb gibt es von Praia nur 2 Fotos, die ich vom Schiff aus gemacht habe
Während São Vicente eher trocken und karg ist und uns an Lanzarote erinnerte, wird Santiago als grüne und bewaldete Insel beschrieben. Was sicherlich auch stimmt, wenn ich mir die Fotos in den Reiseführern anschaue. Aber wenn es dann drei Jahre lang nicht nennenswert geregnet hat, hinterlässt die Trockenheit doch ihre Spuren: der Mais auf den Feldern ist vertrocknet, während die Bäume, deren Wurzeln tief ins Erdreich gehen, dort Grundwasser finden und grün sind.Auf diesem Foto kann man die vertrockneten Maisfelder gut erkennen:
Unser erster Stopp war bei dem botanischen Garten. Viele Pflanzen waren vertrocknet und sahen eher traurig aus. Umso unverständlicher als mitten durch den Garten eine Leitung mit fließendem Wasser führte. Aber ein effektives Bewässerungssystem fehlte ganz offensichtlich. Unser Führer löste die Tickets für uns, zeigte, wo Toiletten sind und danach habe ich ihn nicht mehr gesehen. Eine Führung wäre auch schwierig gewesen, weil in kurzem Abstand die weiteren Busse eintrafen und sich alle Leute auf die schmalen Wege durch den Park ergossen. Schade nur, dass er auch keinen zeitlichen Rahmen vorgab, wodurch ich schnell durch den Garten ging, um die anderen nicht warten zu lassen. Fazit: dieser botanische Garten ist kein Highlight (mehr).
Weiter ging es durch die gebirgige Landschaft . Unser nächster Stopp war an einem Aussichtspunkt. Die Straße ist erst vor kurzem mit EU-Geldern exzellent ausgebaut worden.
Erstaunlich: immer mal wieder tauchten am Wegesrand schwarz-bunte Kühe auf, meist kurz angebunden an einem kleinen mehr oder weniger fruchtbaren Plätzchen. Das passte so gar nicht zu den meist dunkelhäutigen Frauen, die auf ihren Köpfen große Körbe mit riesigen Fischen transportierten. Und doch ist es ein Sinnbild für das Zusammentreffen der verschiedenen Kulturen.
Für viele Infrastrukturprojekte auf der Insel zeichnen übrigens chinesische Firmen verantwortlich. Die Regierung der Kapverden wurde seit der Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1975 von einer linksgerichteten Einheitspartei regiert. Dies führte dazu, dass andere linke Regierungen wie die UDSSR, Kuba und eben die VR China wichtige Handelspartner waren. 1990 wurde ein Mehrparteiensystem eingeführt, da die Kapverden den Anspruch haben eine Demokratie zu sein. Die ersten Wahlen ein Jahr später gewinnt dann eine Oppositionspartei. Dennoch blieb der Einfluss der Chinesen, die ganz offenbar hervorragende Beziehungen zu den Regierenden gleich welche Partei unterhielten, groß. Unser Führer erzählte, sie hätten den lokalen Markt mit chinesischen Billigprodukten geflutet und die einheimische Produktion z.B. im Textilbereich zum Erliegen gebracht. Und tatsächlich sah man auf den Märkten sehr viele Plastiktextilien.
Es gibt kaum Arbeit und viele verdienen nur 100 € im Monat, so dass sie gezwungen sind eine weitere Arbeit anzunehmen, um die Familie zu ernähren.
Nach diesem kurzen politischen Exkurs geht es nun zum nächsten ‚Highlight‘, einer kleinen Töpferei, wo Gefäße zum Garen von Couscous hergestellt wurden. Um dorthin zu gelangen, musste unser Fahrer sich eine winzige Straße hinunterwinden. Ich muss ehrlich sagen, dass mich sein Fahrstil mehr beeindruckt hat als die Töpferei, zumal auch hier wieder andere Busse zeitgleich ankamen und zu viele Menschen den winzigen Raum erstürmten.