Tag 3 - Warum wir wegen mir Weltmeister wurden...
Teil 1
Heute wollen wir endlich mal eine echte Innovation ausprobieren. Auf der MS 1 gibt es ja ab November eine Eisbahn. Eislaufen war ich auf einem Kreuzfahrtschiff auch noch nie.
Der Fairness halber muss ich ja zugeben, dass ich auch sonst nicht übermäßig viel mit Eislaufen am Hut habe. Um es ganz klar zu sagen, war ich das letzte Mal im Jahr 2006 eislaufen und zwar in Sankt Johann in Tirol.
Um diese Geschichte zu erzählen, muss ich glaube ich, mal etwas ausholen.
Eigentlich waren wir ja damals zum Ballonfahren nach Tirol gereist. Immer im Januar fand dort ein Ballonfahrertreffen statt - eine Supergelegenheit um meinen Geburtstagsgutschein einzulösen - wie wir fanden.
Jeder, der sich schon mal auf das Erlebnis Ballonfahren eingelassen hat weiß, dass dieses Vergnügen ein ziemliches Wetterwagnis in sich trägt. Wir hatten uns also für eine ganze Woche in Tirol eingemietet und ständig einen wachen Blick aufs Handy. Die Ansage war: "Wenn ihr bis abends um zehn nichts von uns gehört habt, dann wird es am nächsten Tag auch nichts. Aber haltet euch trotzdem bereit. Das Wetter kann hier schnell wechseln."
Völlig klar, dass man nach so einer Ansage ständig wie auf Kohlen sitzt und jedwede Ausflugsplanung in den Wind schreiben kann. Das Wetter aber hatte mit uns ein Einsehen und schon nach zwei Tagen warten, konnten wir an einem Montag im strahlenden Sonnenschein über die leidlich verschneiten Gipfel des Wilden Kaisers schweben - also fahren - wie es ja richtig heißt.
Damit hatte sich unser eigentlicher Besuchsgrund in Sankt Johann dann erledigt und es stellte sich die Frage: Was macht man nun noch im Januar in Tirol? Ganz klar: Ski fahren. Wenn mans kann. Wir konnten nicht. Also: Skischule. Als wir da dann am Dienstag früh hinkommen, guckt uns die Dame mitleidig an und sagt: "Nein, Anfängerkurse starten immer am Montag. Da kann ich Sie heute nicht mehr hinschicken."
Na toll! Und nu? Wir guckten uns beide etwas bedröppelt an.
"Aber sie könnten sich einen privaten Skilehrer mieten.", sagt die Dame mit leuchtenden Eurozeichen in den Augen. "Das ginge dann auch schon für heute."
Ja nee - iss klar.
Bei der Nennung des verträumten Preises für diesen Personalluxus kriege ich kurz weiche Knie, aber man gönnt sich ja sonst nix!
Und pünklich halb zehn nahm dieser Albtraumtag dann seinen Lauf. An den Namen des jungen Mannes habe ich leider keinerlei Erinnerung, daher nennen wir ihn der Einfachheit halber Hannes.
Ich hatte ihn schon gefressen, da war ich den Idiotenhügel noch nicht mal halb oben. Was für eine Schinderei! Wieso haben die hier keinen Aufzug oder wie das heißt!
Unsere erste Lektion: Bremsen.
"Bei uns heißt dös Schneepflug. Ihr klappts die Knie nach innen und die Füße unten nach außen."
'Moment: Die Knie nach innen und die Füße unten... Das sieht aber kacke aus! Und im Fernsehen machen die das nie so!'
"Und dann machts mit den Skiern vorn a Dreieck. Dös bremst dann."
'Hähä! Bei dir vielleicht...'
"Probierts mal."
Wir rutschen also in Zeitlupe den Hang etwas runter und knicken dann weisungsgemäß die Beine auf orthopädisch bedenkliche Weise ein.
Verwundert stelle ich fest, dass meine Skier wesentlich besser gewachst sein müssen als Gögas, denn ich rutsche locker 5 Meter tiefer als er. Das bereue ich sofort, denn nun muss ich auch 5 Meter länger wieder hoch.
Hatte ich übrigens schon erwähnt, wie ich das finde?
Unser Hannes ist mit dem Bremsweg nur halb zufrieden. Also, d.h. mit Göga's ganz und mit meinem ...
"Macht's nochmal das Ganze. Bis hier", er zeigt auf eine Stelle im Schnee, "rutschen und dann macht's den Schneepflug. I woart hier unten."
Göga rutscht elegant los, knickt rechtzeitig ein und bleibt einen halben Meter vor Hannes stehen. Der ist begeistert: "Dös hast guart gmacht."
Dann guckt er den Hang hinauf: "Und nun du."
Ich setze mich in Bewegung.
Wo war dieser Punkt im Schnee nochmal? Ach... iss ja auch egal....
Und ich rutsche und rutsche, Hannes springt beiseite... und kurz vor der Apres-Ski-Bude wird der Reibungswiderstand zwischen den Brettern und dem Schnee dann doch noch so groß, dass ich gestoppt werde.
'Super! Ich kann bremsen!', jubelt es in mir.
Leider sieht Hannes das anders.
Als ich dann endlich bis zu ihm zurück gestampft bin, scheucht er mich wieder den Hang hoch. Diesmal kommt er aber mit. Und er hat einen Knüppel in der Hand. Mir wird seltsam!
"Also hier", er zieht mit dem Holz einen Strich in den Schnee, "hier fährst los. Und hier", er zieht weiter unten einen zweiten Strich in den Schnee, "hier fängst an zu bremsen."
'Kleinigkeit! Mit so ordentlich gesetzten Landmarken kann ich doch arbeiten', denke ich mir.
Hannes steht inzwischen wieder unten am Auslauf und brüllt zu mir hoch: "Kumm, Mädel."
Vorsichtig setze ich mich in Bewegung.
"Kumm, Mädel, kumm."
'Na gut, dann kumm ich jetzt...
.
.
.
Huch, der zweite Strich kam jetzt aber schnell...'
In diesem Punkt sind Hannes und ich mal einer Meinung. Nur: er reagiert schneller. "Brems, Mädel!"
'Ja, mach ich doch.'
"Schneepflug, Schneepflug, Mädel!"
'Äh - wo?'
"Bremsen sollst!"
Ich rase direkt auf Hannes zu.
Möglicherweise hatte er auch noch nicht so viel Erfahrung mit einer derart ausgeprägten Bewegungslegasthenik, denn diesmal bleibt er stehen. DAS nenn ich mal Optimismus!
Kurz vor dem dann unvermeidlichen Zusammenprall tröste ich mich noch mit dem Gedanken: 'Ich hab ihn bezahlt, da kann ich ihn auch umfahren.'
Ende Teil 1
... und warum heißt dieser Tag nun: "Warum wir wegen mir Weltmeister wurden?"
Das erfahrt ihr dann morgen.
LG Joean