Beiträge von Joean

    Dienstag, 20.09.2022

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    Schon wieder früh aufstehen, denn es gilt heute den Westen der Insel zu entdecken.

    Auf dem Weg halten wir an der St. Matthew’s Church, auch als Glaskirche bekannt. Die Witwe des Gründers der Drogeriekette Boots (wem das was sagt) überzeugte den französischen Künstler Renè Lalique die Kirche mit seinen Arbeiten auszustatten. Altar, Kreuz, innere Trennwände – ein Art Deco-Traum aus weißem Glas. Würde ich euch gern zeigen – geht leider nicht.

    Auf dem Weg Richtung Westküste müssen wir dann auch das kleine Städtchen St. Aubin an der Südwestküste durchfahren. Am Donnerstag werden wir hier auch einen Stopp einlegen, dann gibt es mehr Bilder. Einen kleinen Funfact habe ich aber jetzt schon für euch.

    Karl Marx und Friedrich Engels beschrieben den Weg des armen, geknechteten Proletariats ihrer Zeit in eine bessere Zukunft und hatten überhaupt kein Problem damit, diesen Weg schon mal ausgiebig „probezulaufen“. Zwischen 1857 und 1885 statteten beide der Insel mehrere längere Besuche ab, um dem britischen Regenwetter zu entgehen und das milde Klima hier zu genießen. Abgestiegen sind sie dabei meist in St. Aubin in einem kleinen Hotel, dem „The Trafalgar“.

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    Überliefert ist, dass sie sich nach kurzer Zeit schon ziemlich über das Essen aufregten, denn es gäbe hier „nur Lamm in allen Variationen“. Auch von den Jerseyanern hielten an sich sie nicht viel. Die Worte „dumm“ und „Bauern“ sollen in diesem Zusammenhang gefallen sein.

    Als vor Jahren darüber diskutiert wurde, ob man an dem bevorzugten Hotel „The Trafalgar“ eine Gedenktafel für die beiden prominenten Besucher anbringen solle, sprachen sich nur 26% der Einwohner St. Aubins dafür aus. Also: keine Tafel.

    Mit solchen Geschichten vergeht die Zeit bis zum nächsten Highlight wie im Flug. Der erste Beton-Leuchtturm der Welt nahm im Jahr 1874 hier seinen Betrieb auf: Eine kleine Gezeiteninsel aus Granit, die nur bei Ebbe erreicht werden kann, bietet hier ein fantastisches Fotomotiv.

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    Unser nächster Halt war dann schon weiter im Norden der Insel: das La Mare Wine Estate.

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    Das milde Golfstromklima macht es möglich, dass hier seit 1972 Wein angebaut wird. Wir erhalten eine Führung und dürfen uns durch die Weine und auch durch die Liköre der Destillerie probieren.

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    Mild berauscht bis leicht angeschickert erreichen wir dann den Pub in St. Mary, um uns mit einem kräftigen Mittag zu stärken.

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    Nach dem Mittagessen geht’s dann weiter quer über die Insel, würde ich gern sagen, aber was ist schon weit, bei maximal 14 Kilometer Ausdehnung!

    Überhaupt! Dabei fällt mir ein, dass ich bisher ja noch gar nicht erwähnt habe, wie nah hier alles bei einander liegt. Jersey misst rund 8 x 14 Kilometer. Man könnte meinen, dass man das alles nach spätestens 3 Tagen durchhat, aber weit gefehlt!

    Seit gestern haben wir übrigen einen anderen Reiseleiter. Aus Christina ist nun Christian geworden. Ihm möchte ich ganz herzlich danken, denn aus ihm sprudelten die Infos über diese Insel so umfangreich, dass ich manchmal gar nicht hinterherkam oder mir nur noch kurze Stichpunkte machen konnte, die ich dann zu Hause erst mal sortieren und teilw. nachlesen musste.

    Thema Stromversorgung: Jersey deckt seinen Strombedarf zu rd. 90% aus Atomstrom, der durch 3 unterseeische Kabel aus Frankreich bezogen wird. Der Preis dafür ist relativ niedrig und bewegt sich bei ca. 1/3 der Kosten, die wir in Deutschland vor dem aktuellen Preisanstieg zu zahlen hatten. Es gibt keine Windräder auf der Insel und nur ganz wenige Häuser haben Solarzellen auf dem Dach. Dies allerdings liegt oftmals am Denkmalschutz. Fernwärme wird in der neuen Müllverbrennungsanlage erzeugt, die wohl zu einer der Modernsten in Europa gehören soll.

    Jersey: warum heißt der Stoff eigentlich so wie die Insel? Im späten Mittelalter war das Stricken auf der Insel so beliebt, verbreitet und einträglich, dass die Bevölkerung sämtliche anderen Tätigkeiten (Fischfang, Ackerbau) derart vernachlässigte, dass ein Gesetz erlassen werden musste: Wer älter als 14 Jahre war, dem war das Stricken verboten. Er sollte sich lieber um „die wirklich wichtigen Dinge“ kümmern. Befolgte man dieses Gesetz nicht, drohte sogar das Gefängnis. Stricken ist inzwischen wieder erlaubt, aber Webereien gibt es keine mehr auf Jersey.

    Der Jerseystoff hat mit der Insel quasi nichts mehr zu tun. Es soll ja einen „richtigen“ Jerseypullover geben – früher gedacht als Arbeitskleidung für die Fischer. Meist blau, mit Achseleinsätzen und Anker auf der Brust. Wer denkt, er bekommt sowas auf Jersey zu kaufen, der irrt gewaltig. Ich löchere Christian diesbzgl. und er fragt dann auch noch extra bei einem einheimischen Kumpel nach: Am besten solle ich sowas im Internet bestellen, richtet er mir dann am nächsten Tag aus. Einen speziellen Laden auf Jersey der diese „Jerseypullover“ verkauft, gäbe es hier nämlich nicht.

    Dafür kann man hier alles an Markenklamotten erwerben, was auf dem Festland fast unerschwinglich ist. Die niedrige Mehrwertsteuer macht‘s möglich und im Zentrum von St. Helier reiht sich dann auch Shop an Shop.

    Überhaupt macht die Insel für die Reichen und - Achtung! – für die Wichtigen Ausnahmen: der Normalo zahlt – wie schon gesagt – 20% Lohnsteuer. Wen aber der Gouverneur als wichtig einstuft, das sind dann gern auch Popstars oder Bestsellerautoren, der muss nur 2% seines Einkommens versteuern.

    Überhaupt entlohnt die Insel ihre Angestellten hier sehr fürstlich. Ein Oberwachtmeister bei der Polizei z.B. verdient seine 70.000 £ im Jahr. In London verdient man wohl in gleicher Position rd. 40.000 £ im Jahr. Allgemein gilt: wer hier für den Staat arbeitet, hat ausgesorgt. Wundert es uns da noch, dass es rund 700 Polizisten auf Jersey gibt? Und das bei einer Kriminalitätsrate, die sich im unteren einstelligen Bereich bewegen soll.

    Ein Lehrer verdient ca. 47.000 £ im Jahr, ein Schulleiter > 100.000 £ und ein Busfahrer immerhin noch 30.000 £.

    Will man mieten, wird es teuer. Für eine 80m³ Wohnung zahlt man schon mal locker 2.300 £ kalt.

    Aber auch andere schöne Vorschriften finden sich auf dieser Insel. Es gibt hier zwei gesetzlich vorgeschriebene Termine, an denen jeder Grundstücksbesitzer seine Hecken geschnitten zu haben hat. Nämlich, der 15.07. und der 15.09. eines jeden Jahres. Hält man sich nicht daran, gibt es pro Parish (Gemeinde) eine Kommission, die das kontrolliert. Und kommt dann der Säumige der Aufforderung dieser Kommission nicht nach, dann kriegt er seine Hecke geschnitten – von der Kommission und gegen Strafzahlung.

    Kaum haben wir diese ganzen Fakten verdaut, sind wir auch schon der Rozel Bay angekommen, einem niedlichen kleinen Fischerörtchen.

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    Hier findet sich der - auch bereits in Reiseführern erwähnte – berühmteste Kiosk Jerseys: The Hungry Man. Leider hat er zu. Neben sehr guten Burgern soll man hier sogar eine original englische Teatime genießen können.

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    Also schauen wir uns etwas in der Bucht mit den markanten roten Fischerhütten um:

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    Unsere letzte Station für heute ist La Hougue Bie – ein ungefähr 5000 Jahre altes Ganggrab. Durch einen kleinen Eingang scheint 2 x im Jahr die Sonne bis in die hinterste Kammer. Auf dem Hügel über diesem Ganggrab wurden im Laufe der Zeit immer wieder Kirchen errichtet. Leider ist das Museum aktuell nicht geöffnet, so dass man den erst im Jahr 2012 in diesem Ganggrab gefundenen Münzfund – übrigens mit 750kg der größte Europas – nicht besichtigen kann.

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    Zurück nach St. Helier ist es nur ein Katzensprung. Der Reisebus würde uns natürlich auch wieder zurück in „unsere“ Bucht bringen, aber wir entscheiden uns dagegen und bleiben noch ein wenig in der Hauptstadt der Insel.

    In der Blue Note Bar genießen wir zusammen mit Ines und Kai noch ein, zwei einheimische Biere.

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    „Nach Hause“ geht es dann mit dem öffentlichen Bus. St. Helier ist der Knotenpunkt für alle Buslinien. Und davon gibt es jede Menge. Diese kleine Insel hat ein Busnetz, von dem andere Gegenden nur träumen können. Eine Fahrt kostet 2,10 £ und berechtigt auch zum Umsteigen, wenn man beim Kauf das Zauberwort „Transferticket“ erwähnt. Ein Tagesticket für die ganze Insel kostet 8 £.

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    Im Hotel wartet dann schon wieder ein Festmal auf uns. Ich weiß gar nicht, wo ich die ganzen Essensbilder gelassen habe. Ich hätte euch so gern noch mehr gezeigt.

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    Mein Tipp für St. Peter Port: am Ende der Pier (da werdet ihr ja sowieso vorbeikommen - irgendwo muss der Tender ja anlegen) steht die Freiheitssäule. Gleich dahinter ist so ein kleiner "Uhrenturm". Und in diesem Turm ist eine kleine Eisdiele. Auf gar keinen Fall daran achtlos vorbeigehen!

    Mit dem Eis dann gemütlich "The Pollet" runterbummeln, dann weiter die High Street und sich irgendwo ein Cafe suchen und zwingend einen Cappu trinken.

    Es ist ein Genuss!

    LG Joean

    Montag, 19.09.2022

    Wie bereits erwähnt, gehört Jersey ja nicht zu Grossbritannien sondern befindet sich direkt im Besitz der englischen Krone. Daher versteht es sich von selbst, dass auch hier heute ein nicht geplanter Feiertag ist. Die englische Königin Queen Elizabeth II. wird heute beerdigt.

    Wir alle sitzen noch entspannt beim Frühstück als um uns herum schon eifriges Gewusel losbricht. Die Angestellten des Hotels sammeln einen Großteil der Stühle ein, um damit in der Bar und der kleinen Bibliothek des Hauses zusätzliche Plätze zu schaffen. Die Beerdigungsfeierlichkeiten werden übertragen und alles, was irgendwie englische Füße hat, sammelt sich vor den beiden aufgestellten Fernsehern. Es ist ja nicht so, als dass es nicht auch Fernseher auf den Zimmern hätte, aber in Gemeinschaft trauert es sich leichter und wird zahlreich angenommen.

    Uns steht heute der Vormittag zur freien Verfügung. Und weil es wieder dieses absolut fantastische Wetter hat, zieht es uns natürlich hinaus an „unseren Strand“.

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    Auf schmalen Wegen versuchen wir uns bis zum Ende der Felsen durchzuschlagen.

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    Mit einem sehr großen Bogen und etwas Gekraxel kommen wir dann wieder zurück zur St. Brelade’s Parish Church und der kleinen Fisherman’s Chapel.

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    Die Wandmalereien in der kleinen Kapelle datieren wohl aus dem 14. Jhd. Lt. der Überlieferung soll sie mal die „Kapelle der Sünder“ geheißen haben. Wenn man einen gnädigen Richter hatte, konnte man sich hier zwischen Gefängnis und Exil entscheiden. Entschied man sich fürs Exil, dann wurde der Sünder durch eine kleine Seitentür direkt runter an den Strand gebracht, wo schon das Boot wartete, um einen für alle Zeit aus diesem Paradies zu verbannen.

    Zurück zu Hotel schlendern wir oberhalb der Hauptstraße.

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    Um 13:45 Uhr holt uns unser Bus wieder am Hotel ab. Heute Nachmittag steht als einziger Programmpunkt eine Stadtführung in St. Helier. Aufgrund des Feiertags ist wenig Verkehr und man ist in einer Viertelstunde mit dem Bus im Zentrum der Inselhauptstadt. Hier treffen wir auf den „Rest“ unserer Reisegruppe, der entweder im 4*-Hotel Pomme d’Or oder im 3*-Hotel Merton wohnt.

    Los geht es dann am Liberation Monument am Hafen.

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    Es ist das Denkmal für die Befreiung von der deutschen Besatzung am 09. Mai 1945.

    Danach geht es kurz weiter zum Maritimen Museum (wir waren nicht drin, ein Besuch wird aber allgemein sehr empfohlen),

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    vorbei am „The Lamplighter“, einem der berühmtesten Pubs hier auf der Insel. Der Name des Pubs geht zurück auf das einträglichste Geschäft, dem man im 18. und 19. Jahrhundert auf den Inseln hier überhaupt nachgehen konnte - dem "Lamplighting" - logisch, oder?

    Dahinter verbirgt sich nichts anderes als Piraterie. "Lamplighting" bezeichnet das Setzen von falschen Signalfeuern an der Küste, um die Schiffe auf die Klippen zu locken. In meinen ganzen Unterlagen und Prospekten, die sich auf so einer Reise ansammeln, habe ich auch eine Karte gefunden, auf der die ganzen rund um Jersey gefundenen Schiffswracks aus dieser Zeit verzeichnet sind. Es müssen hunderte sein.

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    In diesen unauffälligen Häusern mit den polierten Namensschildern, gleich gegenüber der Town Church versteckt sich dann schon das gehobene Finanzmanagement in der Bond-Street.

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    Hier in St. Helier sind die meisten Straßenschilder auf englisch und auf französisch.

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    Auf dem Royal Square selber steht eine Statue von König George II. von Hannover. Sie soll im Jahr 1751 aufgestellt worden sein und ähnelt Julius Cäsar dem römischen Kaiser auf verblüffende Weise.

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    In die Neuzeit gehoben, liest sich die Geschichte in etwa so: Ein gewisser Herr Gosset, zu Vermögen gekommen durch Schmu… äh – Handel, wollte von den Inseloberen eine Baugenehmigung. Genehmigungen dieser Art sind – damals wie heute- heikel und so richtig viel bezahlen, wollte Mr. Gosset auch nicht.

    Aber er hätte es nicht schon zu einem gewissen Reichtum gebracht, wenn er nicht auch für dieses Problem eine Lösung parat gehabt hätte. Und zwar eine, mit der er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte. Er schlug dem Rat also vor, als Gegenleistung eine Statue von King George II. zu errichten.

    Die Idee dahinter: „Diese Inseldeppen wissen sowieso nicht, wie der König aussieht und ich werde endlich dieses Monstrum los, dass mir seit Ewigkeiten die Garage zumüllt.“

    Wie Mr. Gosset in den Besitz dieser Blei-Julius-Cäsar-Figur kam, ist nicht abschließend geklärt, könnte aber mit seinem Beruf zu tun haben.

    Um nun aus dem römischen Kaiser einen englischen König zu machen, ließ er die Figur mit einem Hosenbandorden versehen, etwas aufpolieren – und voila.

    Eine richtige Big-Party wurde anberaumt, Gouverneure, Kapitäne, Offiziere drängelten sich, Soldaten mussten strammstehen, Kanonenschüsse zu Ehren seiner Majestät, Trommelwirbel ohne Ende, hätte es diesen Florian S. damals schon gegeben, hätten sie den auch noch eingeladen.

    Nach der feierlichen Enthüllung war es dann ein wenig wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Alle fanden es seltsam, aber niemand traute sich so richtig…

    Irgendwann kam dann wohl eine Dame nach St. Helier, die unlängst erst Rom besucht hatte und sehr erstaunt war, war ihren alten Kumpel Cäsar hier wieder zu treffen.

    Hohn und Spott waren der Insel sicher, aber ihr Stolz verbot es ihnen, die Statue einfach wieder zu entfernen. Und so steht der „King-Julius-Cäsar-George“ noch heute auf dem Royal Square.

    An der Ecke Bath- und Peter-Street kommt man an einem weiteren in Bronze gehauenem Wahrzeichen Jerseys vorbei.

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    Es darf sich vorstellen: die Jerseykuh. Sie sieht immer etwas verhungert aus, aber das täuscht. Die Jerseykuh ist eine uralte Rasse, die speziell für die Milcherzeugung gezüchtet wurde. Sie hat einen kleinen Gendefekt, daher sind Milch, Butter – und so man sie denn schlachtet, auch der Speck – leicht gelblich. Aber: Die Milch dieser Kühe hat mit rd. 6,5% einen Fettanteil, von dem unsere Schwarzbunten nur träumen können.

    Und wenn man daraus dann Eis macht – Leute, ich sag’s euch!

    Auf Jersey ist das Eis im wahrsten Sinn des Wortes erste Sahne. Und die Butter, und der Cappu, und … Hmmmmh!!!

    Jersey unterhält übrigens in der Bretagne (natürlich in Frankreich, dem Land des guten Essens - wo sonst!) ein offizielles „World Jersey Cattle Bureau“. Ein Ziel dieser Organisation ist das Bekanntmachen der Besonderheiten dieser speziellen Milchviehrasse und natürlich das Ankurbeln der Vermarktung.

    Ansonsten hat die Stadt viel „britisches“.

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    Wir kommen am geschlossenen Centralmarkt und auch am Fischmarkt vorbei. Die nehmen wir uns aber für nächsten Freitag vor, da haben wir nämlich „frei“.

    Ein Stückchen weiter auf Charing Cross steht dann die „Toad on a Column“ oder auch „Lé Bouân Crapaud“.

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    Diese Säule wurde im Jahr 2004 anläßlich der 800-jährigen Zugehörigkeit Jerseys zur englischen Krone aufgestellt. Sie soll daran erinnern, dass hier über 100 Jahre das Gefängnis von Jersey stand. Auf der Granit-Säule stehen Auszüge aus dem „Code Le Geyt“ von 1698.

    Dieses Buch verzeichnet Verbrechen und ihre Bestrafung. So kann man hier lesen, dass z.B. geringfügiger Diebstahl beim ersten Mal mit Prügelstrafe, beim zweiten Mal mit Peitschenhieben und beim dritten Mal mit Peitschenhieben, Ohrschnitt, Verbannung oder Erhängen bestraft wurde.

    Ja, und die Kröte obendrauf ist ein Hinweis, dass das Gefängnis auf Land stand, welches ursprünglich Sumpfland außerhalb der Stadtgrenzen war.

    Angeblich bezeichnen die Einwohner Guernseys die Jerseyaner gern als Crapauds (Kröten). Die Jerseyaner nehmen das sportlich und behaupten, ihre Kollegen der Nachbarinsel würden dies nur deshalb tun, weil es nämlich auf Guernsey überhaupt keine Reptilien gibt. Redet jemand auf Jersey über die Bewohner von Guernsey dann spricht er nur von den „Donkeys“ (Eseln). Eine uralte Rivalität, für die es unterschiedliche Legenden und teilw. sehr unappetitliche Herleitungen gibt.

    Nach dem Ende der Stadtführung entscheiden wir uns dafür, doch mit unserem Bus wieder ins Hotel zu fahren. Was sollen wir hier? Ist eh alles zu. Da können wir vor dem Abendessen nochmal einen schönen Strandspaziergang machen.

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    Überhaupt: das Abendessen.

    Morgens finden wir auf unseren Plätzen immer eine Speisekarte vor. Hier können wir dann ankreuzen, was wir im Rahmen unserer Halbpension abends zu essen gedenken.

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    Für die eine oder andere Speise müsste man etwas zuzahlen, so man sie denn wählte.

    Und so sah das Ganze dann aus: (ohne Dessert)

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    (Wenn ich mir meine stümperhaften Bilder so ansehe, dann will nur mal anmerken, dass es uns allen in der Woche ganz vorzüglich geschmeckt hat. Das Abendessen war jedes Mal echt ein Traum.)

    Teil 2 vom Montag

    Wir machen uns dann irgendwann wieder an den Abstieg – runter in den Ort Gorey.

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    Nächster wichtiger Punkt: Mittagessen. Das gibt es im Royal St. Martin Pub – natürlich gibt es am ersten Tag Fish & Chips.

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    Nach einer entspannten Mittagspause bis gegen 14:45 Uhr verlassen wir den Pub in Richtung St. Catherine’s Breakwater – einem scheinbar endlos langem Strand mit einer endlos scheinenden Pier (alles leider ohne Fotos – ich habe die grandiose Aussicht bei diesem Wetter aber sehr genossen) und fahren unserem letzten Ziel des heutigen Tages entgegen. Ein Besuch der Samarés Manor Gärten steht für heute noch auf unserem Programm.

    Bevor wir dort aber ankommen, erfahren wir noch die eine oder andere Besonderheit über Jersey’s Tierwelt. Sehr häufig z.B. schleicht sich der Bus in dieser Gegend unter Ranken hindurch, die die (ohnehin schon engen) Straßen überspannen. Dies sind nicht etwa einfach nur ausufernd wachsende Pflanzen – nein: Es sind künstlich angelegte Eichhörnchenbrücken, die die armen Tierchen vor den bösen Autos schützen sollen.

    Generell lieben die Jerseyaner alle ihre Wildtiere – so viele haben sie nämlich nicht. Es gibt hier keine Füchse, keine Rehe, keine Wildschweine. Es soll rund um Jerseys Küste rd. 100 Delphine geben und: es hat hier wohl komplett weiße Igel, allerdings haben wir keinen gesehen. Was wir gesehen haben, sind jede Menge Fasane, die frei leben, seit sie mal von irgendeinem Earl hier ausgesetzt wurden.

    Samarés Manor & Gardens befindet sich südöstlich der Hauptstadt St. Helier.

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    Es ist ein Herrenhaus umgeben von einem großen botanischen Garten. Es gibt hier ein kleines Café und es gibt jede Menge Pfade, ob verschlungen oder nicht.

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    Es wachsen hier immergrüne Magnolien und es wird mit einem Irrtum aufgeräumt. Die Jersey Lilie ist eigentlich eine Amaryllis. Sie wird aber in Anlehnung an Lilly Langtry, deren Kosename „Jersey Lily“ war, so genannt. Lilly Langtry – natürlich geboren auf Jersey – war im 19. Jhd. mal Mätresse des Prince of Wales, mal Muse für die großen Künstler ihrer Zeit.

    Hier die immergrüne Magnolie:

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    Aber auch andere Jerseyaner haben in der Geschichte ihre Spuren hinterlassen.

    Da gab es im 17. Jhd. z.B. diesen Gouverneur von Jersey, seines Namens George Carteret. Er erhielt vom englischen König Karl II. für seinen Beistand und seine Hilfe ein großes Gebiet in den amerikanischen Kolonien geschenkt.

    Mr. Carteret war ganz sicher sehr tapfer und seinem König treu ergeben, aber: sehr einfallsreich war er nicht. In Ermangelung einer besseren Idee nannte besagter Mr. Carteret sein neues Eigentum also: New Jersey.

    Und dabei ist es bis heute geblieben.

    Der Bus bringt uns dann wieder zurück in unsere St. Brelades Bay und da es bis zum Abendessen noch etwas hin ist, machen wir noch einen ausgiebigen Strandspaziergang.

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    Sonntag, 18.09.2022

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    Kaum aufgewacht, muss ich euch nochmal mit einem Bild vom Balkon aus quälen. Aber: lange Zeit um die Aussicht zu genießen, haben wir nicht.

    Schon um 09:10 Uhr startet heute unser Bus für eine erste Inseltour. Von der St. Brelade’s Bay aus fahren wir (wie eigentlich immer in den nächsten Tagen) rein nach St. Helier um die Mitreisenden aus den beiden dortigen Hotels abzuholen.

    Auf der anschließenden kurzen Fahrt über die Insel erfahren wir von unserer Reiseleiterin schon mal den einen oder anderen interessanten Funfact.

    Jersey und auch Guernsey drucken ihr eigenes Geld, haben eine eigene Gesetzgebung und sind doch kein eigener hoheitlicher Staat. Zum Vereinigten Königreich gehören sie aber auch nicht. Sie sind Kronbesitztümer – also Eigentum von King Charles. Auch in der EU waren sie nie.

    Schon im 17. Jahrhundert war Schmuggel ein einträgliches Geschäft auf den Inseln. Mit dem „Verschieben“ von Waren hatte man also beste und langjährige Erfahrungen und die galt es irgendwann, in die Neuzeit hinüber zu retten. Beim „Verschieben“ ist’s geblieben und Geld ist letztlich nur der Gegenwert von „Ware“. Deshalb wurde beschlossen, dass ausländische Anleger mal eben keine Steuern auf ihre Einlagen bei den Banken zahlen müssen. Die Steueroasen im Ärmelkanal waren geboren.

    Erst nach der Lehmann-Pleite und dem nachfolgenden Finanzcrash im Jahr 2008 wurden die Zügel etwas angezogen und seitdem gibt es eine 5%ige Mehrwertsteuer auf Jersey. Die Einkommenssteuer liegt seit der deutschen Besatzung während des 2. Weltkrieges bei 20%. Das war es dann aber auch schon. (Zu den Ausnahmen komme ich dann an einem anderen Tag unserer Reise.)

    Begriffe wie Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, Kapitalertrags- oder Körperschaftssteuer sind Fremdwörter. Sie werden schlichtweg nicht erhoben – bis heute. 37% der Einwohner sind in der Finanzdienstleistungsbranche tätig. Der Tourismus spielt nach wie vor nur eine sehr untergeordnete Rolle auf den Inseln. Man findet hier vor allem Briten, die das Klima lieben und Franzosen, die das Essen mögen. Die Inseln haben es geschafft, sich von allem das Beste herauszupicken.

    Trotzdem ist es nicht so einfach, hier mal eben herzuziehen. Gemietet wird hier quasi gar nicht, hier wird gekauft. Aber: kaufen darf man erst, wenn man mindestens 10 Jahre hier gearbeitet hat. Auch von dieser Regel gibt es Ausnahmen, aber für die muss man schon Popstar sein oder mindestens mehrere Milliönchen schwer. Um den Ausverkauf der Inseln zu verhindern, gibt es zwei Immobilienmärkte: den Open-Market – für die Millionäre und den Local Market – für die Einheimischen.

    Wie oben schon erwähnt, gibt es auf Jersey keine Hausnummern. Dafür hat jedes Haus einen Namen. Hat man nun das Glück, ein Haus auf dieser Insel kaufen zu dürfen, darf man dem Haus einen neuen Namen geben, der dann auch im Grundbuch eingetragen wird.

    So langsam kommen wir dann auch schon zur ersten Station unserer Rundfahrt. Der Dolmen de Faldouët als prähistorischer Auftakt. Die Inseln im Ärmelkanal sind ja erst seit dem Ende der letzten Eiszeit, Inseln. Vorher waren sie Teil des Kontinents. Daher wundert es nicht, dass hier mehrere solcher Grabanlagen entdeckt wurden. Diese hier versteckt sich am Ende eines schmalen Pfades, der von einer kleinen Kreuzung abgeht. Wer das winzige Hinweisschild übersieht, wird wohl Mühe haben, den Dolmen überhaupt zu finden.

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    Fußläufig erreichen wir dann den ersten echten Höhepunkt dieses Tages: Mont Orgueil Castle

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    Vorher aber kommen wir auf dem Weg zur Burg noch an diesem kleinen Anwesen vorbei.

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    Der Besitzer ist gerade dabei, mit seinem Ford Mustang Cabrio – geschätztes Baujahr 1971 - zu einer kleinen Sonntagsausfahrt aufzubrechen. Auch wenn das Wetter nicht so schön gewesen wäre, hätte der Herr durchaus noch PS-starke Alternativen gehabt.

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    Die Garage lässt er einfach offenstehen – kommt ja nichts weg. Ist ja schließlich eine Insel. Wir sind uns einig: Das hier ist allerhöchstens mittleres Finanzmanagement, was wir hier sehen! ;(

    Nur wenige Schritte weiter beginnt dann der Aufstieg zur Burg.

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    Zwischendurch gibt es immer wieder kleine Gelegenheiten zum Verschnaufen. Hier wird z.B. sehr anschaulich und überlebensgroß dargestellt, welche verschiedenen Körperteile eines Ritters denn von welchen Verletzungen betroffen sein können.

    (Ein Bild würde ich euch gern zeigen – wäre auch gar nicht blutig – aber leider zählt das sicher zu „Bilder von Kunstwerken“.)

    In einem der Säle liegt auch hier ein Kondolenzbuch für die verstorbene Königin. Ihre Beisetzung ist für morgen, Montag 19. September geplant und wird auch unser Tagesprogramm etwas beeinflussen.

    Vom höchsten Punkt der Burg hat einen schönen Blick auf den Ort Gorey und einen Teil der Royal Bay of Grouville ganz im Osten Jerseys.

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    Hier oben gibt es auch eine schöne Darstellung der einzelnen Gemeinden, in die Jersey aufgeteilt ist. Sie tragen jeweils den Namen des Heiligen, der Patron ihrer Kirche war. Hier sieht man auch mal die Fahne Jerseys.

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    Je weiter wir uns der Küste nähern, desto weniger Wolken sind am Himmel. Als wir dann über dem Meer sind, schaue ich ständig gebannt aus dem Fenster, wie sich die Schiffe unten „einfädeln“ um auf vorgegebenen Wegen durch die Straße von Dover zu fahren. Besser als Fernsehen! Auch das eine oder andere Kreuzfahrtschiff kann ich von oben ausmachen.

    Gegen 18:30 Uhr (Ortszeit) steigen wir dann am Ziel unserer Reise aus dem Flieger.

    In einer kleinen Baracke steht ein Herr, der bei uns paarundsechzig Hanseln das Gesicht mit dem Foto vergleicht und das war’s dann auch. Und wir hatten uns schon darauf gefreut, dass wir mal einen Stempel – und dann noch so einen „exotischen“ in den Pass kriegen. War wieder nichts!

    Kurze Wege sind das hier und knapp vor dem Ausgang zum Parkplatz werden wir von den Mitarbeitern des Veranstalters in Empfang genommen und auf die einzelnen Busse verteilt, die uns in unsere Hotels bringen werden.

    Von Seiten des Veranstalters gab es die Wahlmöglichkeit einer 3* oder 4*-Unterkunft. Wir hatten uns für 4* entschieden. Ich ging fest davon aus, dass wir im Hotel Pomme d’Or im Zentrum von St. Helier wohnen würden. Etwas enttäuscht hatte ich dann den Reiseunterlagen entnommen, dass der Veranstalter uns im Hotel The Golden Sands an der Bucht von St Brelade’s untergebracht hatte. Und ich wäre so gern in der Inselhauptstadt gewesen, mitten im Leben und jeden Abend in einem anderen Pub. Aber gut – man kann nicht alles haben.

    Nach einer ausgesprochen kurzen Fahrt von nicht mal 10 Minuten hielt der Bus und lud unser Trüppchen aus. Insgesamt 10 Personen unserer Reisegruppe würden nun die nächsten sieben Nächte ihr Haupt hier betten. Von der Straße aus machte es erst keinen besonders tollen Eindruck.

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    Von der Reiseleiterin Christina und einer Hotelangestellten bekamen wir unsere Schlüssel und den Hinweis, dass das Abendessen heute ausnahmsweise um 19:30 Uhr serviert werden würde. An den folgenden Tagen wäre Abendessen immer um 19:00 Uhr. Um Pünktlichkeit würde gebeten. Was sie dann auf deutsch noch dazusetzte war, dass es aber fast noch unhöflicher sei, schon früher als 19:00 Uhr zum Abendessen zu erscheinen. Gut, wir würden uns daran halten.

    Jetzt aber erst mal schnell nach oben, Zimmer klarmachen.

    Leider habe ich vom Zimmer nur ein einziges Bild mit einem leicht zerwühlten Bett, seht es mir nach.

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    Das Bad war okay, schon ganz leicht in die Jahre gekommen, irgendwie englisch eben.

    Aber in dem Moment in dem ich Richtung Balkon gehe, hätte das Zimmer samt Einrichtung auch aus den 30er Jahren des letzten Jahrtausends sein können – es wäre mir egal gewesen.

    Das ist mein erster Blick:

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    Das ist der Blick nach rechts:

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    Und hier schweift mein entzücktes Auge nach links:

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    Voila, die Bucht von St. Brelade’s.

    Diese Bucht gehört zu den populärsten Badebuchten auf der ganzen Insel – und das kann ich nur bestätigen. Wir haben noch einige Buchten in der Woche gesehen.

    Die Dunkelheit kommt mit Macht und um 19:30 Uhr gibt’s ja dann auch Abendessen. Im Restaurant ist für unsere Truppe extra ein 10-Personen-Tisch reserviert, an dem wir nun die ganze Woche unsere Mahlzeiten einnehmen werden.

    Mein Mann und ich sind die Ersten, die unten aufschlagen. Na, dann werden wir den Tisch mal von hinten nach vorne auffüllen, denken wir uns. Kurz nach uns kommt ein zweites Pärchen. Nennen wir sie mal Ines und Kai. (Namen sind natürlich geändert)

    Ines kommt neben meinem Mann zu sitzen und ist von der ausgesprochen kommunikativen Sorte.

    Woher? Wohin? Warum die Reise gebucht?

    Und irgendwann sagt sie dann zu ihm: „Du bist aber auch kein geborener Berliner, das hört man.“

    „Nee, ursprünglich komm ich aus Greifswald.“, sagt er wahrheitsgemäß.

    Einen Moment lang ist Ines sprachlos – und inzwischen weiß ich, dass das was heißen will.

    „Ich auch.“, kommt es dann von ihr.

    „Ach, in welche Schule bist du denn gegangen?“

    „Erwin-Fischer-POS.“

    „Ich auch.“

    „Nee!!!“

    „Doch.“

    „Wann bist Du eingeschult?“

    „1969.“

    „Ich 1972. Dann warst du zwei Klassen über mir. Wir müssten uns doch kennen. Mein Mädchenname ist….“

    Zufälle gibt’s, die gibt’s gar nicht! Und manchmal ist die Welt eben doch ein Dorf!

    Der Abend für die Beiden verläuft mit: „Weißt du noch..?“ und „Hattet ihr auch diesen Physiklehrer?“ und „Kannst du dich noch an die kleine, blonde D… erinnern? Die war auch in meiner Klasse.“

    Wusch – die Ohren meines Mannes nehmen eine ausgesprochen dekorativ rote Farbe an.

    Ups – eine Jugendsünde? Wie spannend!

    „Warst du nicht mal kurz mit der zusammen?“

    Wusch – dass die Ohren von GöGa so rot werden können, hab ich bisher ja gar nicht gewusst!

    „Und die hatte doch auch noch eine Schwester. Die muss dann doch in deine Parallelklasse gegangen sein!“

    Wusch – es ist wohl an der Zeit, die Farbskala neu zu denken.

    Während die einen also völlig unerwarteter Weise mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden, haben wir anderen Zeit, uns kennenzulernen.

    Drei Ehepaare, 2 Freundinnen und zwei alleinreisende Damen, eine 83, die andere 87 Jahre alt. Sehr fit, sehr rüstig und – sehr unternehmungslustig. Jede auf ihre Art.

    Wir sitzen an diesem ersten Abend bis weit nach zehn zusammen.

    Aufgrund der für Mitte September ausgesprochen warmen Temperaturen lassen wir die Balkontür in der Nacht weit auf und schlafen ganz wunderbar beim Rauschen des Meeres ein. Ist eben doch ein wenig wie auf Kreuzfahrt…

    Samstag, 17. September 2022

    Heute gibt es für uns eine Premiere. Unser erster Abflug vom BER.

    Eigentlich hatten wir ja schon mal Tickets für das Jahr 2013 – aber reden wir besser nicht mehr davon.

    Und diesen März hatten wir ja statt eines Abfluges nur ein nettes Erlebnis am Eurowings-Schalter mit anschließender Bahnfahrt – auch darüber reden wir besser nicht mehr!

    Unser Flieger soll um 15:55 Uhr starten. Als wir am Flughafen ankommen (Straßenbahn- und Regionalzugausfälle erwartend mit eingerechnet, die dann aber alle nicht stattfanden) ist es gerade mal 12:15 Uhr. Der Check-In hat noch nicht mal begonnen, aktuell fertigt British Airways an den uns zugewiesenen Schaltern noch einen Flug nach London ab. Wir drücken uns also in der Gegend unserer Schalter herum und versuchen, nicht allzu sehr im Weg zu stehen. – Nicht einfach.

    Der BER ist nicht nur das Gegenteil eines Flughafens der kurzen Wege, er ist auch das Gegenteil eines Flughafens der großzügigen Flächen und komfortablen Wartezonen.

    Vor uns also eine Traube von Menschen im Labyrinth der abgesteckten Wartebänder auf dem Weg nach London – um uns herum eine immer größer werdende Traube von Menschen, die ganz offensichtlich nicht nach London wollen.

    Wollen die wirklich alle nach Jersey?

    Plötzlich – ohne dass man sagen könnte, warum – kommt Bewegung in die Massen. Alles formiert sich an den zwei linken Schaltern – allerdings ohne, dass dort etwas angeschlagen ist oder dass dort etwa ein Mensch aufgetaucht wäre, der auf einen beginnenden Check-In deuten würde. Seltsam!

    Während ich noch stark mit mir ringe, ob ich dem menschlichen Drang mich einfach auch dort anzustellen doch folgen soll, hat mein Mann schon mal Praktisches herausgefunden. Neuerdings kann man sich ein Zeitfenster für die Sicherheitskontrolle reservieren (kostenlos) und muss sich nicht in die (mehr oder weniger) lange Schlange anstellen.

    Wir buchen also einen Zugang für 14:15 Uhr in der Hoffnung, dass sich bis dahin jemand für den Check-In-Schalter verantwortlich gefühlt hat.

    Was dann kommt ist wieder ganz großes BER-Kino.

    Wie gesagt: Eine Schlange von Reisenden windet sich inzwischen geschätzt 35 Meter im Zickzack durch die Bänderabsperrungen vor den besagten zwei linken Countern.

    Dann erscheinen kurz nacheinander zwei Damen. Eine besetzt einen der beiden linken Counter (an denen die Leute anstehen). Die andere Dame geht zielstrebig zur rechten Seite. Kurz danach blinkt links als Flugziel „Split“ auf (Name der Fluggesellschaft hab ich vergessen), von uns aus rechts erscheint: „Blue Islands“ und „Jersey“.

    Und wenn jetzt irgendwer denkt, auf einem Bahnsteig auf dem die Deutsche Bahn mal wieder mit umgekehrter Wagenreihung einfährt, wäre es eng, der soll mal jetzt seinen Blick über die Abflughalle des BER schweifen lassen. Ein Schauspiel sondergleichen, wie sich die tatsächlichen Jersey-Reisenden nun aus dieser großen „Split-Traube“ herauszuschälen versuchen.

    Ohne, dass wir etwas dafürkönnen, ohne, dass wir uns besonders beeilt hätten, ohne, dass wir etwa irgendwie drängeln würden, kriegen wir unsere Bordkarten und werden von der netten Dame doch tatsächlich in Reihe 1 gesetzt. Im Moment ist mir das egal – später auch, aber: hätte ich hinten gesessen, hätte ich das Beste nicht mitgekriegt.

    Aber erst mal: Sicherheitskontrolle.

    Und hier bestätigen sich mal wieder alle Vorurteile.

    So derart unfreundlich muss man erst mal sein und so wenig Spaß an der Arbeit wie die Herrschaften hier muss man erst mal haben!

    Meine Theorie ist ja die, dass sie ihren Missmut hier schon seit 2011 ausleben wollten, aber die vielen geplatzten Eröffnungstermine und anschließend auch noch Corona jagten ihren Plan zum Teufel. Und jetzt haben sie eben einen sog. „Fruststau“ – und der muss erstmal geballt raus. Vorzugsweise an uns.

    Und während ich mich (ergeben) anblaffen lasse, erfinde ich eine neue physikalische Größe: die Einheit der Unfreundlichkeit = 1 BER.

    Als wir dann nach Passieren der Schleusen bei Witty’s unser zwischenzeitlich aufkommendes Hüngerchen mit 2 Currywürsten, einer Portion Pommes und einer Cola für lumpige 24,10 €! stillen, fasse ich einen neuen Plan:

    Wenn ich noch 3 x hier abfliege und jedes Mal vorher hier was essen gehe, erwerbe ich aufgrund meines getätigten Gesamtumsatzes hier am BER den Status eines Mitinhabers dieses Fluchhafens. Und dann werd ich ihnen mal zeigen, wie unfreundlich ein Berliner wirklich sein kann – na wartet!

    Mit diesen so erquickenden Gedanken machen wir uns dann auf in Richtung unseres Flugsteigs. Lt. Ticket müssen wir zu C13. Nicht weit entfernt von der Currywurst hängt ein Monitor auf dem man die aktuelle Laufzeit zum Gate ablesen kann.

    Vor Bestellung der Wurst stand da für Gate C13: 26 Minuten!

    Wollen die mich verar…? In 26 Minuten renn ich denen 4 x ums ganze Terminal!

    Nach Verzehr der Curry mit Pommes dauert der Fußweg zum Gate C13 nur noch 8 Minuten, sagt die Anzeige.

    Das bedeutet, ich renne mit CurryPommes im Bauch rd. 3 x so schnell wie ohne!

    Das soll mir erst mal einer nachmachen!

    Spricht allerdings auch für die Wurst!

    So.

    C 9, C 10, C 11, C…18???

    Leute, was bitte ist mit 12 bis 17?

    Muss ich da erst mit Anlauf in einen Pfeiler rein?

    Verwirrt drehen wir uns mehrmals im Kreis.

    Dann entdecken wir eine unscheinbare Glastür auf die jemand „C 12 – C 17“ gepinselt hat.

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    Also 3 Etagen runter – jetzt sind wir wieder auf Höhe des Flugfeldes. Das ist eben der Nachteil, wenn man mit einem wie dem hier fliegt. Der passt an keine Fluggastbrücke. Und nun erklärt sich auch die relativ lange Flugzeit. Auf dem Flughafen von Jersey können nur die kleinsten Airbusse landen. Ansonsten gibt’s dort nur Propeller- und Privatmaschinen.

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    Als wir dann unsere Sitze in Reihe 1 einnehmen, wird uns auch klar, warum uns die Dame beim Check-In hierhergesetzt hat. Mit unseren knapp unter 60 drücken wir das Gesamtalter der Reisenden doch mehr als deutlich. Die Dame hielt uns offensichtlich für fit genug, als dass wir im Ernstfall die Notausgangstüren mit betätigen könnten, die sich nämlich gleich in Reihe 1 befinden.

    Nach 4maligem Zählen durch die Crew steht fest: es sind 63 Passagiere an Bord. Inzwischen ist das Gepäck in die vorderen Frachträume verladen worden.

    Es könnte also losgehen.

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    Tatsächlich verschwindet der Flugbegleiter zum Rapport ins Cockpit, kurze Diskussion, dann kommt er zurück, greift sich das Mikro und es schnarrt durch den Flieger:

    „Now … bagga.. loade., … pilot … chec… th. trim .. … aircr…………….“

    Ich verstehe kein Wort, muss allerdings auch zugeben, dass ich nicht wirklich hingehört habe.

    Allen anderen geht es wahrscheinlich genauso und ebenso wahrscheinlich weiß der Flugbegleiter das auch, denn er setzt gleich noch mal an und dieses Mal höre ich genauer hin. Das ist nicht einfach, denn für meine Begriffe hat er einen Dialekt, schnarren tut es immer noch und insgesamt versucht er, die Sache so schnell wie möglich hinter sich zu bringen.

    „Now that the baggage has been loaded, the pilot has checked the trim of the aircraft. I have the instruction from the pilot that the guests from the second row please move to the eighth row. This is important for the trimming of the aircraft. Please change your seat, otherwise the aircraft will not be able to take off.“

    Okay: was ich verstehe ist: Pilot+Trimmung+2. Reihe+8. Reihe+change

    Alles klar! Der Kelch geht an mir vorbei, sitze ich ja nicht in der 2. Reihe.

    Interessanterweise sieht die 2. Reihe das genauso. Es rührt sich nichts – was sicher daran liegen wird, dass die 2. Reihe noch weniger bzw. überhaupt nichts von dem verstanden hat, was da durch die Kabine schnarrte.

    Das freundliche Kabinenpersonal wartet also vergebens auf irgendeine Reaktion und versucht es dann mit gleichem Text erneut.

    Allerdings auch mit gleichem Ergebnis.

    Auch nach Ende dieser Durchsage bleibt Reihe 2 konsequent sitzen.

    Da fasst sich eine Mitreisende von etwas weiter hinten ein Herz, steht auf, tippt der Dame hinter mir auf die Schulter und sagt: „Sie sollen sich in Reihe 8 umsetzen.“

    Diese zugegebenermaßen sehr unglückliche Zusammenfassung der Situation bekommt die Angesprochene natürlich voll in den falschen Hals.

    Die Dame beschleunigt wie ein gerade bis zur Platzgrenze aufgeblasener Luftballon, den man dann einfach loslässt – zumindest emotional.

    „NEIN!!!“

    „Äh, doch.“

    „WARUM?“

    „Das hat der Flugbegleiter gerade durchgesagt.“

    „ABER NICHT ZU MIR!!!“

    „Nein, er meinte die komplette 2. Reihe.“

    „NEIN! Ich sitze gut hier.“

    „Ja, aber da hinten sitzen Sie doch genauso gut.“

    „SETZEN SIE SICH DOCH NACH HINTEN!!!“

    Mit unangenehmem Hall kommt ihre schrille Stimme von den Kabinenwänden zurück.

    Anderen Mitreisenden fällt nun auf, dass die Worte „Trimmung“ „Anweisung“ und „Pilot“ bisher nicht Bestandteil dieser erhellenden Konversation waren. Eine zweite Dame mischt sich ein und es dauert dann tatsächlich noch einige Minuten, bis auch das Ehepaar auf der anderen Seite „überzeugt“ ist und brummelnd nach hinten umzieht.

    Halleluja und Wiedersehen BER.

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    Weitere Hinweise, die ich noch gegeben hätte...

    ⦁ Scheine, die ich als Wechselgeld beim Bezahlen rauskriege, kann ich zu Hause nicht zurücktauschen.

    ⦁ Luftlinie sind es bis zu unserem Ziel rd. 1.100 km. Würde man mit dem Auto fahren, müsste man rd. 400 km mehr zurücklegen.

    ⦁ Ich brauche einen Pass.

    ⦁ Muscheln, Austern, Hummer: Essen wie Gott in Frankreich kann man hier für relativ schmales Geld.

    ⦁ Die meisten Straßen und Plätze haben sowohl englische als auch französische Namen.

    LG Joean

    Biber95

    Gute Idee.

    Armenien und Georgien wären wirklich etwas exotische Ziele, für die es hier wohl auch noch nicht bzw. gar keine Reiseberichte gibt. :thumbup:

    Leider falsch.

    Ich habe jetzt mal ein wenig "rumgespielt". Zieht man die Luftlinie zwischen Edinburgh (Schottland) und Korsika liegt unser Ziel südlich dieser gedachten Linie.

    Von Edinburgh sind es rd. 750 km (Luftlinie) bis zu unserem Ziel. Von Kosika aus wären es 1.160 km.

    Hallo Zusammen,

    hier kommt er nun: mein neuester Reisebericht.

    Wohin es ging? ich habe mir gedacht - wir machen mal ein kleines Rätsel draus.

    Ihr seid aufgefordert, herauszufinden, wohin uns unsere Reise denn überhaupt führte.

    Hier die ersten Hinweise:

    ⦁ Es gibt zu diesem Ziel noch keinen Reisebericht hier im Forum.

    ⦁ Unsere Flugzeit betrug rd. 3 Stunden und unser Ziel liegt in Europa.

    ⦁ Typische Vorurteile, die die meisten mit diesem Ziel in Verbindung bringen, sind: kalt, feucht, schlechtes Essen, noch nie gehört, Ach – da liegt das?, Was macht man da?

    ⦁ Häuser haben keine Hausnummern, sondern Namen. Habe ich ein Haus gekauft, kann ich es „umtaufen“. Der neue Name wird dann im Grundbuch eingetragen.

    ich wünsche euch viel Spaß und hoffe, dass der eine oder andere von euch Zeit und auch Lust hat, wieder mal mit uns auf Reisen zu gehen. Ich würde mich wirklich sehr darüber freuen.

    LG Joean

    P.S. Sobald jemand die richtige Lösung nennt, werde ich den Titel des Reiseberichtes natürlich etwas aussagekräftiger formulieren. :)

    Oh Mann!

    Da ist man mal drei Tage nicht da und dann läuft das hier über vor lauter Kommentaren.

    Ganz lieben Dank an jeden Einzelnen für euer Lob, euer Mitgefühl und eure Anteilnahme an unserer Reise.

    Jedes einzelne <3 , jedes "Danke" und jeder Beitrag freut mich wirklich sehr und geht bei mir "runter wie Öl" (mir übrigens völlig wurscht, was der Magen dazu sagt, aber der ist ja eh Kummer gewohnt =O )

    Bis zur nächsten Reise dauert es noch etwas, aber die Chancen auf einen Reisebericht stehen ziemlich gut, vor allem weil es ein etwas "exotisches" Reiseziel ist, welches trotzdem fast vor der Haustür liegt. Man darf gespannt sein...

    LG Joean

    Donnerstag, 24.03.2022 Funchal auf der Insel Madeira

    Sehr früh werden wir von einem Akkuschrauber draußen auf dem Kabinengang geweckt. Das ist in diesem fall sogar ein Glück, denn sonst hätte ich wahrscheinlich den herrlichen Regenbogen über dem Cabo Girao verpasst.

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    Für unseren Tag auf Funchal haben wir uns nichts Besonderes vorgenommen. Einmal durch die Stadt bis zur Markthalle bummeln und irgendwo einen guten Poncha trinken. Mehr Plan gibt es nicht.

    Erst einmal gehen wir in Ruhe frühstücken und geben den Wolken damit die Chance, sich wohin auch immer zu verziehen.

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    Schon bei der Einfahrt sehen wir dann, dass eine gute alte Bekannte mit uns im Hafen liegt. Die Marella Explorer - die alte Mein Schiff 1.

    Ach, was war das damals schön auf diesem Schiff. An die Kombitour Karibik/Transatlantik vor nun auch schon neun Jahren denken wir immer noch gern zurück. So ein wenig trauere ich diesem Schiff ja immer noch nach.

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    Ob ich in neun Jahren auch genauso gern an diese Azorenreise mit der Vasco da Gama zurückdenken werde, wage ich mal stark zu bezweifeln!

    Leider hat Nicko an der Pier von Funchal den äußersten Liegeplatz erwischt, so dass wir uns ordentlich die Beine vertreten können auf unserem Weg in die Stadt. Einen Shuttle gibt es nicht.

    Irgendwann am frühen Nachmittag sitzen wir dann auf der Terrasse einer kleinen Bar am Meer und sehen zu, wie die Mama des Hauses unseren Poncha frisch zubereitet.

    Und erst zum abendlichen Auslaufen aller Kreuzfahrtschiffe kehren dann auch die Wolken nach Funchal zurück.

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    Auf Wiedersehen, Funchal!

    Freitag, 25.03.2022 Seetag auf dem Weg zurück nach Lissabon

    Gestern haben wir einen Brief auf der Kabine gehabt:

    Liebe Gäste,

    Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir am 25.03.2022 ab ca. 09:00 Uhr Ihre Balkone reinigen werden. Wir bitten Sie alle persönlichen Gegenstände in Ihre Kabine zu legen, damit diese nicht durch die Reinigungsarbeiten in Mitleidenschaft gezogen werden.

    Herzlichen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Kooperation.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr VASCO DA GAMA Team

    Als wir vom Frühstück zurück kommen, stehen alle Kabinentüren auf unserem Deck sperrangelweit offen. Irgendetwas an dem Brief müssen wir missverstanden haben. Die Couch am Fenster bot sich auch immer als Ablageplatz für gerade nicht benötigte Sachen an und ist jetzt belegt mit diesen versalzten, versifften Polstern der Balkonmöbel.

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    Die Schlösser aller Kabinentüren sind so blockiert, dass sie nicht zufallen können und frei für jeden zugänglich sind. Gegen 09:30 Uhr kommt dann ein erster Matrose (ohne Maske) und malert mit einer Grundierung auf dem Balkon herum.

    Das Wetter an diesem letzten Seetag ist sehr schön. Durch die nicht mögliche Nutzung des Balkons wäre es jetzt sehr schön, wenn man den Tag auf einer der Liegen auf dem Achterdeck verbringen könnte. Leider sind dort alle Liegen fest vertäut und so ebenfalls für die Gäste nicht nutzbar. Und an dieser Situation änderte sich auch den ganzen Tag leider nichts.

    Wir nutzen den Tag für ein sehr interessantes und vergnügliches Miniforentreffen mit @Isuledda99 und ihren GöGa. Wir haben uns wirklich sehr gefreut, euch kennenzulernen.

    Zeitgleich mit dem Brief kamen dann gestern die Trinkgeldumschläge.

    Einen Umschlag mit der Bitte um Trinkgeld für die Kreuzfahrtleitung allerdings hatte ich noch nie dabei.

    Für die Küche, für die Kellner für die vielen unsichtbaren Geister hinter den Kulissen, ja das ist klar und selbstverständlich - aber für die Kreuzfahrtleitung?

    Und jetzt mal die Frage: wofür eigentlich?

    Dafür, dass ich den Kreuzfahrtdirektor einmal am Anfang der Reise gesehen habe und mich dann zwölf Tage lang gut aufgehoben und umsorgt gefühlt habe? (Achtung! Ironie!)

    Sicher nicht!

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    Ach, und abends mache ich noch ein Foto der Lampen in der Ocean Bar. Vielleicht bin ich ja ein Kunstbanause, aber es sind die häßlichsten Stehlampen, die ich je gesehen habe.

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    Samstag, 26.03.2022 Abreise

    Für die Gäste, die - wie wir - erst abends abreisen werden, bietet Nicko zumindest noch eine Stadtrundfahrt in Lissabon an, die dann direkt am Flughafen enden wird. Und mit 25,- € ist diese sogar noch recht preiswert, wenn man sich dagegen die Preise der Azorenausflüge ansieht.

    Eigentlich sollte es erst mal nur ein kurzer halbstündiger Spaziergang durch die Alfama werden. Zwei Gäste, die nicht ganz so gut zu Fuß sind, fragen bei unserem Guide nach. Ja, heißt es. Nur eine halbe Stunde.

    Tatsächlich geht es dann zu Fuß durch die Alfama (allerdings ohne die meisten Treppen), dann weiter zur Kathedrale, anschließend rüber zur Rua Augusta, Richtung Rossio dabei vorbei am Elevador de Santa Justa über den Rossio, weiter bis zum Bahnhof Restauradores um dann irgendwo am Praca de Restauradores wieder auf den Bus zu treffen. Fast zwei Stunden waren wir so unterwegs. Die beiden Gäste, die sich auf "die halbe Stunde" verlassen hatten, sind sichtlich am Ende ihrer Kräfte und stinksauer. Ich kann sie verstehen.

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    Weiter geht es dann zum Parque Eduardo VII, danach weiter zum ziemlich überlaufenen Torre de Belem um dann am Hieronimuskloster zu enden. Im Kloster findet sich dann auch das Grabmal von Vasco da Gama.

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    Und mit diesem Grabmal des Entdeckers und Seefahrers als Namensgeber für das Schiff mit dem wir unterwegs waren, schließt sich dann für mich auch der Kreis dieser Reise.

    ... und morgen kommt dann noch mein Fazit. Man darf gespannt sein...

    Mittwoch, 23.03.2022 Seetag auf dem Weg nach Funchal

    Das Highlight dieses Tages ist Rückgabe unseres Bordbuches. Auch hier beweist Nicko-Cruises wieder einmal seine ganze Genialität. Ich nenne es allerdings "Wurschtigkeit".

    Goog... man dieses Wort so erhält man als Beschreibung der Bedeutung: "Mangel an jeglichem Interesse an etwas".

    Die Insel Horta wird Bestandteil der Kanaren und unsere Kreuzfahrt endet nun nicht wieder im Ausgangshafen Lissabon, sondern auf Funchal. X(

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    Wie finden wir das? Richtig - wir finden das nickomäßig.

    Wieder ist es ein schon sehr sehr später Abend, als die Organe endlich die Zeit finden, sich mal wieder im Bauchraum zu versammeln. Der Nachteil an dieser späten Tageszeit ist eindeutig der, dass die Leber schon ausreichend Cocktails hatte. Dementsprechend lallt sie leicht.

    An dieser Stelle der Geschichte muss ich mal kurz eingrätschen und mich einmischen: Ich schreibe ja immer „die Leber“.

    Weiblich.

    Wenn ich aber hier so sitze und mit meinem geistigen Auge auf diese Vollversammlung meiner Organe blicke, dann assoziiere ich diese Leber immer irgendwie mit etwas Männlichem.

    Der Gang, die Stimme, der Santiano-Gesang, das Auftreten – in meiner Vorstellung alles männlich. Und ich kann beim besten Willen nicht erklären, warum dies so ist.

    Die wahrscheinlichste These, die ich im Moment bieten kann, ist:

    Meine Leber ist divers, denn sie mag diverse Cocktails – und das hört man.

    Also weiter im Text:

    „Gottisssmirübellll“, rülpst die Leber und lässt sich auf einen freien Stuhl fallen. „DiesssaSchiwasssserschpritzzzzz inne Oschannnnbar uuffff Dechhh 8 issssowasvonlegger.“ Bei diesen Worten seufzt sie verzückt und atmet so kräftig aus, dass alle Umsitzenden die Nasen rümpfen.

    Bis auf die Milz. Die Milz ist ja ein klein wenig verliebt in die Leber. Soll aber keiner wissen. Natürlich wissen es alle und die Einzige, die das wiederum nicht weiß, ist die Milz selbst.

    Egal. Ist hier eben auch nicht anders, als im wahren Leben.

    Zumindest lässt sie also keine Gelegenheit aus, die Leber in ein Gespräch zu verwickeln.

    Gerade läuft ein Typ gemessenen Schrittes durch den Raum und trägt bedächtig ein Sitzmöbel vor sich her.

    „Weißt du, wer das ist?“, zwitschert die Milz. „Den hab ich hier noch nie gesehen.“

    „Naklarrr! Ssssiehtmandoch! DasssisssderSchtuhlganng. Dersizzzzauchmeisssalleinnn.“

    Ja, das stimmt – ist auch heute wieder so. Gerade als der Stuhlgang dann seinen Platz gefunden hat und damit sozusagen zu Potte gekommen ist, rollt eine über und über mit dichtem Pelz bedeckte Kugel in den Raum.

    „Ihhhhh“, quietscht die Milz auf. „Der ist aber nicht von hier! Der muss von draußen kommen! Der kann nicht zu uns gehören!“

    „Doch“, dröhnt da die sonore Stimme des Großhirns durch den Raum. „Das ist der Magen. Der hat sich jetzt ein dickes Fell zugelegt, damit er das ewig kalte Essen aus dem Lido irgendwie verpackt kriegt.“

    „Armer Magen“, seufzt die Milz, denn sie hat generell immer Mitleid mit jeder geschundenen Kreatur.

    „AchQuasch. Wasssollischdennsagen! WarmeCocktailssshamdiehierauchnich.“

    Dienstag, 22.03.2022 Insel Fajal, Hafen Horta, Liegezeit bis 13:00 Uhr

    Den halben Tag, den wir heute noch auf Fajal haben, wollen wir uns auf einer Panoramafahrt die Insel etwas ansehen.

    Alle Ausflüge heute beginnen um 08:30 Uhr. Leider macht das Waterfront-Restaurant an diesem Tag erst um 08:00 Uhr auf. Das Lidobistro öffnet um 07:30 Uhr und ist dementsprechend komplett überfüllt - und das bei einer Belegung von gerade einmal einem Drittel der maximal möglichen Paxe.

    Der erste Stopp auf unserer Tour ist - gleich oberhalb von Horta - der Monte da Espalamaca und den Regenbogen hab ich extra bestellt.

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    Dann folgt eine der Hauptattraktionen Fajals. Die riesige Caldeira do Fajal mit ihren 400 Meter tief abfallenden Kraterwänden und unendlich vielen verschiedenen Grüntönen liegt ziemlich genau in der Mitte der Insel. Eine der absoluten Sehenswürdigkeiten hier auf der Insel. Viele sagen, es sei die schönste aller Caldeiras auf den Azoren.

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    Kann ich nichts zu sagen, müsst ich ohne Wolken sehen. 8|

    (Gibt aber schöne Fotos im www)

    Unsere nächste, aber damit auch schon letzte Station auf dieser Fahrt ist nicht nur der westlichste sondern auch der jüngste Teil der Insel, sogar der ganzen Azoren - Capelinhos.

    Ab September 1957 gab es hier eine ganze Serie von unterirdischen Vulkanausbrüchen. Bis zum Oktober 1958 setzte sich soviel Asche ab, dass eine neue Landverbindung entstand. Das was ihr im nächsten Bild seht: gerade mal 65 Jahre alt.

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    Die Asche verwüstete die ganze Gegend. Symbol dafür ist bis heute der alte Leuchtturm.

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    Dieser Turm stand ursprünglich auf dem Dach eines zweistöckigen Gebäudes. Das komplette Erdgeschoss ist heute mit Asche bedeckt. Auf dem nächsten Bild kann man das sehen. Von den Fenstern des Erdgeschosses sind nur noch die oberen Rahmen zu erahnen.

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    Im unterirdischen Besucherzentrum gibt es dazu einige original Filmaufnahmen von damals - sehr eindrucksvoll. Und es gibt auch einige sehr informative Darstellungen des weltweiten Vulkanismus. Letztlich liegen die Azoren auf dem gleichen atlantischen Rücken auf dem sich auch Island befindet. Während sich auf Island nur 2 tektonische Platten aufeinander stoßen, sind es auf den Azoren sogar 3: die eurasische, die nordamerikanische und die afrikanische Platte. Lt. einer Statistik soll es auf den Azoren im Schnitt täglich 3 Erdbeben geben - man merkt sie aber nicht.

    Auf der Fahrt zurück zum Schiff geht es dann ein letztes Mal an der Küste entlang. Wie fast überall auf den Azoren findet sich auch hier wieder eine Stelle an der Lava bis ins Meer geflossen ist und dabei Höhlen und Brücken gebildet hat.

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    Ein wenig Wehmut macht in mir breit. Das war es dann wohl mit den Azoren. Gern, sehr gern hätte ich auch die anderen drei Inseln besucht. Gerade wird mir wieder schmerzlich bewusst, dass die Reise ja eigentlich ganz anders geplant war.

    Mein persönliches Highlight kommt dann aber beim Betreten des Schiffes gleich nach der Rückkehr zum Hafen von Horta.

    Als wir aus dem Bus steigen, sehen wir schon einen Krankenwagen vor dem Schiff stehen und Personal in der inzwischen jedem bekannten Vollvermummung daneben stehen. Bisher konnten wir das Thema "Corona" ziemlich gut verdrängen. Das Aufsetzen der Maske bei jeder Bewegung im Inneren des Schiffes passiert ja schon ganz automatisch - nach den fast zwei Jahres in denen sie uns inzwischen begleitet ja auch kein Wunder.

    Beim Anblick der Szene kommt die Erinnerung an die Pandemie jedoch mit voller Wucht zurück.

    Oha, da wird es wohl einen oder mehrere Fälle an Bord geben.

    Hoffentlich hat das nicht Auswirkungen auf unseren weiteren Reiseverlauf.

    Zunächst einmal hat es Auswirkungen auf das Bertreten des Schiffes. Zum ersten Mal überhaupt wird nun Fieber gemessen.

    Dabei erhasche ich einen kurzen Blick auf das Messergebnis meines Vordermannes.

    Das kann ja gar nicht sein! =O

    Nachdem die junge Dame am Eingang dann mich "abgepiepst" hat, bitte ich sie, doch mal einen Blick auf die Anzeige des Thermometers werfen zu dürfen.

    Tatsächlich!

    32,7 °C zeigt es bei mir.

    Das liegt ganz offensichtlich innerhalb der engen Grenzen des Nicko-Hygienekonzeptes und bietet auch aus medizinischer Sicht absolut keinen Grund zur Besorgnis!

    Bei meinem Mann misst sie übrigens dann beruhigende 33,1 C.

    Wenn das keine Punktlandung ist, dann weiß ich auch nicht.

    Pünktlich um 13:00 Uhr laufen wir aus und machen den Platz an der Pier frei für die MS Hamburg, der wir kurz nach dem Auslaufen begegnen.

    Während der Passage der Insel Lajes do Pico reißt es auf und wir können doch noch einen Blick auf den höchsten Berg Portugals werden, den Montanha do Pico.

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    Montag, 21.03.2022 Insel Fajal, Hafen Horta

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    Wir hatten erst überlegt, heute auch mit der Fähre nach Lajos do Pico rüberzufahren. Da aber hier noch der Winterfahrplan gilt, fällt die Fähre um 09:00 Uhr aus und die nächste geht erst um 10:45 Uhr. Also beschließen wir, in Horta zu bleiben.

    Weiter oben in meinem Bericht hatte ich ja erwähnt, dass – obwohl Fajal eher zu den kleineren Azoreninseln gehört – hier schon immer viel los war.

    Wir erinnern uns an das Unterseekabel, dass aus seiner versunkenen Welt am Meeresboden zwischen Borkum und New York hier mal kurz Tageslicht schnuppert. Oder an die Wasserflugzeuge, die schon in den 40er Jahren des letzten Jahrtausends hier Zwischenstation machten. Ein Drehkreuz des Atlantik sozusagen.

    Und auch noch heute ist es so, dass wirklich jeder, der zwischen alter und neuer Welt unterwegs ist, früher oder später auf jeden Fall in der Marina von Horta einen Ort der Zuflucht findet. Der Hafen von Horta gilt als der wichtigste Yachthafen in den Weiten des Nordatlantik.

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    Wir bummeln also erst mal etwas durch das sehr beschauliche und für einen Montagmorgen fast ausgestorbene Städtchen

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    bis wir dann zum Yachthafen kommen, in dem sich die vielen Atlantiküberquerer mit unzähligen bunten Bildern an der berühmten Hafenmauer verewigt haben.

    (Ich hoffe, ich darf die folgenden Bilder hier einstellen.)

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    Von hier sind es nur noch wenige Schritte zur berühmtesten Kneipe auf den ganzen Azoren: Peters Café Sport. Für einen seiner legendären Gin Tonic ist es uns noch zu früh. Daher wandern wir weiter, um die Bucht von Porto Pim herum bis zum Walfangmuseum Fabrica da Baleia.

    Dieses heutige Walfangmuseum war zwischen 1942 und 1974 eine Walverarbeitungsfabrik. Die vor den Azoren erlegten Pottwale wurden hier zu Öl und Walmehl verarbeitet.

    Boah, ist das gruselig hier!

    Wenn ich mir vorstelle, dass hier zu einer Zeit als ich schon auf der Welt war, noch immer Wale einen grausamen Tod starben, läuft es mir den Rücken runter.

    Alle Maschinen sind noch im Original zu sehen. Draußen hinter dem Haus finden sich noch die großen Winden, mit denen die Wale erst einmal an Land gezogen wurden um dann später im Speckkocher, in der Fleischmühle und im Fleischtrockner verarbeitet zu werden. Dazu zwischendurch immer wieder Einspielfilme wie martialisch diese armen Tiere damals gejagt und erlegt wurden. Wenn man hier durchläuft, fröstelt es einen wirklich.

    Im ersten Stock gibt es dann das Kontrastprogramm. Der Schutz und das Leben der Meerestiere, insbesondere natürlich der Wale rund um die Azoren ist hier nun das Thema. Schließlich gehört das Haus seit dem Jahr 2000 zum Centro do Mar. Nun befindet sich hier auch das Meeresobservatorium der Azoren und die Ausstellung hier ist sehr interessant.

    xxxAmin (Bitte keine Bilder von Museen. Siehe FAQ.)xxx

    Auf dem Rückweg kommt man zwangsläufig wieder an Peters Sport Café vorbei.

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    Winzig klein ist es da drinnen, vollgehangen mit Wimpeln, Medaillen, Schiffsmodellen und allerlei anderem maritimen Krimskrams. Noch winziger ist nur die Theke an der der berühmte Gin Tonic (mit Maracujalikör im Gin :* ) gemixt wird. Gegenüber ist noch das berühmte Postregal zu sehen. Das eine oder andere kleine Päckchen oder Brief lagern hier sogar bis heute noch, denn es war durchaus üblich, dass sich die Weltumsegler ihre Post hierher ins Café Sport senden ließen.

    Wie gesagt - früher oder später kommt jeder Segler hier in Peters Café vorbei. Hier in Horta auf Fajal.

    Dann machen wir uns langsam wieder auf den Heimweg. Mehr als 21.000 Schritte zeigt die App heute an. Ungefähr 16 Kilometer. Ich bin echt fußlahm.

    Zu einem Abendspaziergang können wir uns dann auch nicht mehr aufraffen. Wir genießen dafür die nett angestrahlte Stadt.

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