So, die erste Kreuzfahrt ist überstanden und ich gebe hier mal völlig ungeordnet meine Eindrücke wieder:
Schiff: Die Artania ist ein schnittiges Schiff, überschaubar, ohne Innenkabinen, wenig Passagiere, viel Servicekräfte. Trotzdem hatte ich bis zum letzten Tag mit der Orientierung zu kämpfen.
Wozu man außer dem Lido noch 3, teils riesige Bedientrestaurants braucht, hat sich mir nicht erschlossen.
Spa und Co.: Wer geht schon gern in den Jacuzzi, wenn 2 Meter entfernt der Bär steppt? Im Spa-Bereich herrschte oft gähnende Leere und die geduldig wartenden Mitarbeiter taten mir leid.
Kabine: Außenkabine mit Sichtbehinderung; man könnte aber noch am Rettungsboot vorbeischauen. Ausreichend groß mit geräumigen Schränken. Bad war gut, vor allem die Walk-in-Dusche hat uns gefallen. Leider war die Entlüftung völlig unzureichend, so dass man nach dem Abtrocknen von der vorhandenen Luftfeuchtigkeit wieder patschnass war. (Im Gegensatz zu den Restaurants, wo man meist so zugig wie Freien saß).
Fahrt: Sehr ruhig und erholsam, auch bei Windstärke 8 oder 70 Knoten und sehr grober See kam keinerlei Unwohlsein auf. Wir hatten uns im Vorfeld mit der Vitamin C Methode auf Seekrankheiten vorbereitet, was auch super funktioniert hat; die Wirkung des Vitamins gegen Erkältungen blieb jedoch vollkommen aus.
Wetter: 6 von 7 Tagen topp!
Städte und Führungen: Oslo haut jetzt keinen von den Socken, außer vielleicht das Opernhaus (kann mit der Elbphilharmonie mithalten). Führung mit Stefanie, einer jungen Osloerin mit deutschen Wurzeln) war sehr informativ (Rathaus, Schloss, Königinnengarten, Ibsenhaus, Uni, Theater, Grand Hotel Café...). Mir haben die vielen Saunen im Hafengebiet gefallen.
Christiansand: Da war meine Frau schon krank (schwere Erkältung) und ich folgte im Schlepptau. Daher konnte ich die Riesenkanone bei Møvik nicht besichtigen. Ich war nur kurz im (netten) Städtchen, um das WLan zu nutzen und einen örtlichen Anbieter für die Fahrt zum Preikestolen bei Stavanger zu buchen. Was sich später als schwachsinnig erwiesen hat, da es mir am nächsten Tag nicht besser ging, sondern richtig schlecht. Von Phoenix wurde die Fahrt zum Basislager des Felsens leider nicht angeboten.
Stavanger: Meine Frau hatte einen Tag des körperlichen Aufschwungs und machte eine Busfahrt rund um Stavanger mit, was sich als ziemlicher Flop erwies. Der einzige Halt war bei den 3 Schwertern. Nachher war sie noch zu Fuß in der Stadt unterwegs und beschrieb sie als sehr, sehr interessant. Mir war die Stadt schon aus der sehr guten TV-Serie "Lykkeland" bekannt und desween hatte ich mich gerade darauf unheimlich gefreut. Leider musste ich den ganzen Tag im Bett bleiben und habe so das absolute Highlight der Reise verpasst (incl. Preikestolen).
Bergen: Meine Frau konnte die Stadtführung mitmachen, die ganz okay war. Ich blieb im Bett.
Schade war bei den letzten beiden Städten, dass die Artania so lange im Hafen lag, dass man weder bei der Einfahrt noch bei der Ausfahrt die Schären/Fjordlandschaft bei Tageslicht bewundern konnte.
Essen auf dem Schiff: Ganz ehrlich; ich war noch nie All-Inclusive im Urlaub unterwegs und habe bei meiner Figur auch keinen Nachholbedarf. Von morgens um 8 Uhr bis nachts um 1 kann fast ununerbrochen gefuttert werden und die Servicekräfte sind ständig am Auf- und Abbauen und Umdekorieren.
Qualität der Speisen: Unfassbar, die Spannbreite! Es gab beispielweise unförmige, geschmacksfreie Teigklumpen, die als "Spätzle" deklariert wurden; eine fade Brühe mit groben Gemüsewürfeln und einer Muschel oben auf der Minitasse, die als "Bouillabaisse" herhalten sollte; Bratkartoffeln, die stundenlang im Konvektomat von jeglicher Knusprigkeit befreit wurden, verkochten Spargel, usw.. Dem gegenüber stand echter Gaumenschmaus: Ochsenbrust, Rinderfilet, Spanferkel, Wurstsalat, Süßspeisen...
Mehrere Passagiere rieten uns, nicht im Lido-Buffet-Restaurant sondern auf Deck 2 oder 3 in den Bedientrestaurants zu Speisen, weil das Essen dort wesentlich besser wäre. Ich habe es einmal probiert (Bouillabaisse als Hauptspeise
)... Auch aus anderen Gründen kamen die Bedientrestaurants für uns nicht mehr in Frage: Diverse Unverträglichkeiten bei Zutaten kann man am Buffet besser umschiffen. Die teils unfassbaren Kreationen bei Hauptgerichten (z. B. Rindersaftgulasch mit Würstchen, Rosenkohl und saurer Gurke) kollidierten zusätzlich mit abeneuerlich zusammengewrfelten Menüvorschlägen. Und am Buffet sieht man zemlich schnell, welche Speisen heute nicht so gut gelungen sind.
Getränke: Sekt bei der Einschiffung, Sekt an Bord, Sekt beim Galadinner, Freibier beim "Oktoberfest", Wein zu den Mahlzeiten... alles frei. Ansonsten sehr moderate Preise bei allen Getränken! Da braucht niemand einem Getränkepaket für 150 Euro oder mehr hinterherjammern.
Programm an Bord und Shows: Meine Meinung zum Thema Karnevalsveranstaltungen im Herbst in Norwegen habe ich mich ja schon deutlich genug ausgelassen
. Bei 2 Veranstaltungen waren wir zugegen. Was ist bloß aus den Räubern geworden 
Der Rest hat uns nicht interessiert, bzw. wir waren indisponiert, oder auch die Künstler.
Erkältungswelle: Ab Oslo grassierte eine Erkältungswelle an Bord, die nicht nur dutzende Passagiere, sondern auch Servicekräfte, Crew, Reiseleitung und Künstler erfasste. Wir selbst haben mindestens die halbe Reise im Bett verbracht. Da man der Pandemie auf dem Schiff nicht davonlaufen kann, fand ich die Reaktion von Phoenix ziemlich schwach - es gab nämlich keine. Dabei hatte sich auf dem Schiff erst im Sommer bei einer Seereise das Norovirus unter den Passaieren und Besatzungsmitgliedern ausgebreitet und ich hatte angenommen, dass man etwas sensibilisierter oder offensiver mit der Thematik umgeht. Falsch gedacht. Augen zu und durch!
Servicekräfte: Über die Kochkünste habe ich schon geschrieben. Insgesamt würde ich der Küche ein niedriges Kantinenniveau mit ermutigenden Ausreißern nach oben bescheinigen. Ganz im Gegensatz dazu kann ich die Kellnerinnen und Kellner nur loben: Eifrig, schnell, fröhlich, kompetent! Das Lob gilt auch der Kabinencrew.
Ich beende jetzt meine Darstellung dieser Kreuzfahrt, die bei uns leider nicht die erhoffte Hochstimmung auslöste.
Gruß vom Kappelberg