Tag 5: Seetag
Frühstück, Schwimmen, in der Hängematte abhängen und ich arbeite immer noch daran, mich durch das Eissortiment zu essen.
Highlight des Tages ist die Blickwinkeltour. Wir finden uns mit ca. 20 weiteren Gästen im Diamanten ein. Leider sind Fotos aus Sicherheitsgründen bei der Tour nicht erlaubt, aber der Bordfotograf begleitet uns.
Der Küchenchef persönlich führt uns in die Küche und erläutert, wie die Arbeitsabläufe sind. Ich kenne tatsächlich einige Großküchen, aber das ist schon eine andere Liga und extrem beeindruckend. Wir bekommen Häppchen und Sekt bzw. O-Saft und versuchen nicht im Weg zu stehen. Das ist gar nicht so einfach, da die Vorbereitungen für das Abendessen schon laufen. Im Lager auf Deck 2 übernimmt dann der dortige Chef. Auch das ist spannend und die Logistik bewundernswert. Und falls irgendwer mal Angst haben sollte, dass das Bier alle wird – das ist eher unwahrscheinlich. Wir dürfen sogar in die Kühlräume. Dann geht es über die „Autobahn“, einen Hauptweg längs durch das ganze Schiff, in die Wäscherei. Ich hatte ja schon vorher einen Heidenrespekt vor der Arbeit der vielen fleißigen Hände an Bord. Aber nachdem ich die Wäscherei gesehen habe, ist der Respekt ins Unermessliche gestiegen.
War die Tour mit 79,- € ziemlich teuer? Ja! Hat es sich gelohnt? Aber sowas von Ja!!!! Mit 4 Ausrufezeichen.
Tag 6: Piräus
Für heute habe ich wieder über Hellenic Heritage Tickets gebucht: zwischen 9 und 10 Uhr für das Akropolis-Museum und 13 Uhr für die Akropolis. Ich kann diese Website wirklich nur wärmsten empfehlen. Es ist die Seite der offiziellen griechischen Altertumsbehörde und die Tickets sind preiswerter (weil die teils unverschämten Aufschläge der anderen Ticketanbieter wegfallen) und man bekommt auch die verbilligten Senioren-Tickets. Das Akropolis-Museum wurde mir von vielen Freunden und Bekannten ans Herz gelegt. Wir wollten es im Jahr davor schon besuchen. Damals waren wir aber früh erst auf der Akropolis. Als wir dann gegen Mittag ins Museum wollten, standen unfassbare Menschenmengen davor, so dass wir doch lieber ins Archäologische Museum gegangen sind.
Wir liegen am Terminal C. Erstmal schauen, ob der hier im Forum empfohlene Bus X80 fährt. Nö, tut er nicht. Wohl erst ab Ende Mai. Der Gott des Öffentlichen Nahverkehrs ist uns wohl nicht gewogen. Dann eben Taxi. Wir werden einem charmanten Fahrer zugewiesen, der sich durch Seitenstraßen schlängelt und als er von den gebuchten Tickets fürs Museum hört, nochmal richtig Gas gibt. Mamchens Herz gewinnt er, als er nicht glauben will, dass sie meine Mutter ist. Wir bezahlen letztendlich etwas mehr als die im Vorfeld recherchierten 25,- €, aber egal. Trinkgeld gibt es trotzdem und im Gegenzug erhalten wir eine Telefonnummer und das Versprechen, uns abzuholen, egal wo wir gerade in Athen sind. Beim Abendessen erzählen uns übrigens andere Gäste, dass wohl alle Ausflugsbusse von Mein Schiff eine Stunde oder mehr im Stau standen.
Wir spazieren ins Akropolismuseum und es ist wohltuend leer. Die lichtdurchflutete Architektur ist spektakulär. Glasböden im Erdgeschoss erlauben einen Blick auf die Ausgrabungen. Im oberen Stock ist der komplette Parthenon-Fries im exakten Winkel zum Original-Tempel gezeigt. Die fehlenden Teile, die sich größtenteils im Britischen Museum befinden, wurden mit Gips nachgebildet. Wir bestaunen die Original-Karyatiden und informieren uns in einer Teilausstellung über die Bemalung von griechischen Statuen.
Gegen Mittag füllt sich das Museum stetig, aber wir finden noch ein Plätzchen im Museumscafè mit einem tollen Blick auf die Akropolis. Mamchen meckert, weil ich viel zu viel Zeit im wirklich tollen Museumsshop verbringe.


Die Akropolis ist auch nicht so voll. Als wir kommen, verlassen die meisten Reisegruppen bereits das Gelände. Wir schlendern entspannt durch die Anlage und bestaunen den Parthenon, das Erechtheion (wie wir jetzt wissen, mit Kopien der Karyatiden), das Odeon und den Tempel der Athena Nike. Der Parthenon ist auch diesmal größtenteils eingerüstet. Irgendwie bekomme ich wohl nie ein Foto ohne Kran und Baugerüst. Wir bekommen ohne Drängeln einen Platz auf der Aussichtsplattform im hinteren Teil des Geländes. Athen liegt uns zu Füßen und ich kann seelenruhig Fotos von der Stadt machen.
Die Plaka ist uns zu überfüllt zum Shoppen, also bummeln wir zum Parlamentsgebäude. Dort warten wir auf den Wachwechsel der Garde und beobachten dann fasziniert, wie Männer in lustigen Bommelschuhen ihre Beine beim Marschieren nach oben werfen.
Mittlerweile ist es in der Sonne ziemlich heiß und wir beschließen, zum Schiff zurück zu kehren. Wie versprochen hält unser Taxi mit quietschenden Reifen 10 Minuten nach unserem Anruf genau vorm Parlament.
Den Rest des Tages verbringen wir mit Essen (erst lecker Waffeln mit Vanilleeis, später Abendessen im Atlantik Klassik) und Faulenzen.
Abends gehen wir in eine Show ins Theater. Hab leider vergessen, welche. Ist eh nur, um die Zeit bis zum Shanty-Chor zu überbrücken. Wir sichern uns einen Platz an der Atriumtreppe auf Deck 4 mit einem perfekten Blick auf die Sänger. Das Ganze ist, wie immer, ein Mordsspaß und wir singen, sehr laut und sehr falsch, mit. Obwohl die Mama natürlich behauptet, sie sänge nie falsch. Nie. Niemals. Auf gar keinen Fall. Ich lass das mal so stehen.