Das rituelle Guten-Morgen-Bild sieht aus wie das von gestern, also langweile ich Euch damit nicht! Wir frühstücken in Ruhe, werden etwas lieblos ausgecheckt, sagen den Bayern noch „tschö“ und machen uns auf den Weg.
Die 285 km bis Lissabon bieten sich an ein offenes Wort zum Hotel zu sagen: der portugiesische Staat hat die Pousadas in den 1940ern ins Leben gerufen. Vermutlich nach dem Vorbild der spanischen Paradores, die die Spanier 1910 zur Befeuerung des Tourismus gegründet haben. Die Pousadas sind, wie die Paradores, entweder in historischen Gebäuden oder an besonderen Orten, so wie „unsere“ Pousada Ria. Die Pousadas wurden zwischenzeitlich zwar von der Pestana-Gruppe übernommen, die auch in Kooperation mit Christiano Ronaldo die CR7-Livestyle-Hotels betreibt, aber irgendwie steckt im Personal noch der Trott eines Staatsbetriebes. Das teilen sie sich übrigens auch mit dem Parador de Mazagón, in dem wir vor ein paar Jahren waren. Die Lage der Pousada Ria ist absolut topp, das Haus auch gut im Schuss, dass Frühstück toll und das Essen kann sich auch sehen lassen. Wenn ich allerdings eine Teestation anbiete und die halbe Zeit stehen da nur benutzte Tassen oder der Hausmeister läuft x mal an einem offenen kaputten, nicht im Gebrauch befindlichen Sonnenschirm vorbei oder der Kellner räumt lieber Stühle zurück ins Untergeschoss als Gäste nach ihren Wünschen zu fragen, dann fehlt einfach was. Gerade im Vergleich zu unseren vorherigen B&Bs und dem Hotel in Porto war das ein merklicher Unterschied. Weiterempfehlen würde ich es trotzdem, auch wenn da mal ein anderer Geist durchwehen müsste und damit dieses wirkliche Kleinod noch toller machen würde. So, genug auf verdammt hohem Niveau gejammert!
Aus dem Augenwinkel sehe ich eine Nachricht von Nicifeel auf dem Navi. Puh, zum Glück hält mein Mann ein Nickerchen und stellt keine Fragen. Es wird aber dringend Zeit eine kurze Pause einzulegen und so ist die nächste Raststätte meine willkommene Ausrede mal zu müssen und Nicole anzurufen. Welchen Wein wir zu den Tapas möchten, möchte sie wissen und wir sprechen den Treffpunkt ab. Ich freu mich so und mein Mann wundert sich, dass es an einer leeren Raststätte so lange auf Toilette dauert ….
Die Mietwagen Rückgabe geht trotz der kleinen Macke, die der Wagen jetzt hat, ratzfatz. Auf den Shuttle zum Flughafen müssen wir etwas länger warten. Ist jedoch kein Problem, der vom Hotel geschickte Fahrer soll uns erst um 15:00 Uhr abholen. Zeit genug …. und noch mehr, weil sich, wegen „Traffic ist the hell“, der Fahrer verspätete. Auf dem Weg zum Hotel erweist er sich als toller Stadtführer und erzählt uns unterwegs allerhand Wissenswertes. Unter anderem fahren wir an einigen Werken von Bordalo II vorbei, die in ihrer Mischung aus Müll, Graffiti und allerhand anderen Techniken absolute Hingucker sind. In Santarem hatten wir ja schon geguckt, ohne zu wissen was wir da sehen.
Unser Hotel
direkt am Castelo São Jorge ist nur mit besonderer Lizenz und im Rückwärtsgang mit dem Auto zu erreichen, auch das meistert er souverän. Einen wieder sehr herzlichen Empfang später beziehen wir schnell unser Zimmer,
gönnen uns im wunderschönen Innenhof
unter wachsamen Pfauenauge
Kaffee, Pasteis del Nata und was man sonst noch so probieren muss
und sind total angetan von dem Hotel. In unsere Glückseligkeit ruft Nicole an, ob wir auch früher könnten als 18:30, Tanja wäre schon soweit. Okay, 17:30 schaffen wir. Mein Mann schaut irritiert, nimmt es aber hin, dass ich nur „Überraschung! Los jetzt!“ sage. Also schnell über steile Gassen und Treppen runter in die Stadt, an Tanja vorbei laufen, weil auf der falschen Straßenseite nach ihr Ausschau gehalten, umdrehen und dann freue ich mich über das wirklich überraschte Gesicht meines Mannes, das ich Euch eh nicht zeigen dürfte, hätte ich es fotografiert. Aber ein bisschen hab ich doch für Euch, damit ihr eine Vorstellung habt
Ums Abendessen brauchen wir uns heute keine Gedanken machen! Wurst, Schinken, Käse, Brot, Oliven sowie diverse von Nicole selbst gemachte Kroketten sind an Bord und der bestellte Weißwein ist gut gekühlt.
Die Absprache der Route ist schnell erledigt: „zeig uns, was Dir an Lissabon am besten gefällt“ und schon geht die wilde Fahrt los. Wild, weil es gar nicht so einfach ist über Kopfsteinpflaster zu fahren
und dabei graziös Wein zu trinken und Tapas zu knabbern.
Wir sind mit Emma, so heißt das Tuktuk,
der Hingucker in der Stadt, dass kann ich Euch sagen! Und einfach glücklich….