Schliesslich erreichten wir den Eingang zur «Ngorongoro Conservation
Area»:
Wohlgemerkt: der
eigentliche Krater ist nur ein sehr kleiner Teil dieses riesigen
Areals, in dem es noch sehr viel mehr zu bestaunen gibt (ein guter
Grund, irgendwann einmal wieder hierher zu kommen):
Wir waren zu diesem
Zeitpunkt auf fast 1900m Höhe hinaufgefahren (von rund 600m über
NN), die Luft wurde dünner, die Vegetation am Wegesrand allerdings
erstaunlicherweise üppiger (das kennen wir so aus der Schweiz
nicht):
Dann lag er vor uns
– der legendäre Ngorongoro-Krater: 
Über enge
Passstrassen fuhren wir auf den Kraterrand in gut 2200m Höhe hinauf.
Für uns Wahlschweizer eigentlich nichts Ungewöhnliches, selbst mit
den engen Schotterpisten. Es erinnerte mich sogar an ein Erlebnis in
meinem ersten Jahr als Assistenzarzt in der Schweiz:
[Beginn
nostalgischer Einschub]
Meine erste
Assistenzarztstelle in der Schweiz hatte ich in den Bündner Alpen,
im Kreisspital Savognin. Eines Nachts, es war Anfang Juni 2008,
musste ich im Notfalldienst ausrücken, weil die Grossmutter eines
Bergbauern krank geworden war. Von Savognin aus musste ich zwei
Dörfer weiter fahren, dann scharf links auf eine Bergstrasse. Und
all das mit meinem 14 Jahre alten – und definitiv nicht
geländetauglichem – Peugeot 306 Cabrio.
Die Bergstrasse
erwies sich als fiese Kiespiste, mehrfach geriet ich mit meinem Auto
ins Schwimmen, musste heftigst gegensteuern. Die Piste war maximal 3m
breit, bei jeglichem Gegenverkehr hätte ich ein grosses Problem
gehabt. Und selbst mit zugeschalteten Nebelscheinwerfern konnte ich
maximal 5-10m voraus schauen. Irgendwo links war eine steile
Felswand, rechts – keine Ahnung!
Ich erreichte
schliesslich den Berghof, konnte die Patientin untersuchen und ihr
eine Spritze geben. Danach schlitterte ich allmählich wieder
talwärts.
Als ich am nächsten
Vormittag zur Kontrolluntersuchung wieder zum Hof hinauffuhr, wurde
mir erschreckend schnell bewusst, dass es rechts neben der «Strasse»
mehrere hundert Meter steil bergab ging. Ohne Leitplanke oder
irgendeine Form der Begrenzung! Heilige Scheisse!!!
In den folgenden
Monaten habe ich mich dann an die Alpenstrassen in der Schweiz
gewöhnt. Genauso an die «Eingeborenen», welche diese benutzen, und
ihre ganz besonderen Eigenarten. Das Graubündner Autokennzeichen
«GR» wird hierzulande nicht ohne Grund als Abkürzung für
«GebirgsRaser» interpretiert…
[Ende des
nostalgischen Einschubs]
Naja, jedenfalls kam
es auf der Strasse vor uns plötzlich zu einer kleinen «Verstopfung».
Ein Tanklaster war rechts mit einer Reifenpanne liegengeblieben, ein
vor uns fahrender LKW auf ihn aufgefahren, kam aber wegen hinter dem
Tanklaster aufgestauten Safari-Jeeps nicht an der Engstelle vorbei:
Es entstand ein
Hupkonzert zwischen den verschiedenen Fahrzeugen, welches in etwa dem
entspricht, welches ich 1988 im Rahmen einer Busreise am «Arc de
Triomphe» in Paris erlebte, als unser Reisebus im Berufsverkehr
daran scheiterte, in den Kreisverkehr einzufädeln.
Irgendwann wurde
es Emmilian dann zuviel. Er stieg aus, blaffte den LKW-Fahrer vor uns
kräftig an, nur um ihn dann mit Handzeichen nach rechts-rückwärts
zu dirigieren.
Und bevor die
entgegenkommenden Jeeps die Gelegenheit nutzen konnten, war unser
Guide schon wieder im Jeep und steuerte uns elegant an der ganzen
Chose vorbei. 
Etwa einen Kilometer
weiter erreichten wir dann völlig überraschend das Grab von Michael
und Prof. Bernhard Grzimek. 
Ich muss zugeben,
dass ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht damit gerechnet hatte. In
meinem Kopf hatte ich abgespeichert, das Grab befände sich irgendwo
in der Serengeti. Aber nein: es befindet sich an einem Punkt des
Kraterrandes, direkt neben der «Strasse»:
Ich es mir ja so
toll ausgemalt mit unserem Salut vor diesen beiden grossartigen
Naturforschern.
Was ich mit dem kleinen Zettel, auf den ich die Namen
all derer, die weiter oben in diesem RB meinem Aufruf gefolgt waren,
anstellen wollte.
Und nun das. Ein Grabmal neben einer
Sand-Fels-Piste: 
Unser Guide wollte
schon weiterfahren, da unterbrach ich ihn und erklärte in aller
Kürze mein Vorhaben. Emmilian war verständnisvoll, angesichts des
heftigen Verkehrs auf der Piste aber auch gedrängt, schnell
weiterzufahren. Also meinte er: «You have one minute!»
Ich griff den
vorbereiteten Zettel aus meinem Rucksack, sprang aus dem Jeep und
lief zum Grabmal. Wie mir Emmilian später erzählte, ist das schon
seit einiger Zeit gar nicht mehr erlaubt, nachdem wiederholt
Influencer*innen Unfälle verursacht und versucht hatten, ihre
Initialen in das Grabmal einzuritzen (!). 
Jedenfalls grub ich
im Gras neben dem Grabmal mit meinen Händen eine kleine Mulde, legte den Zettel hinein, stopfte schnell die ausgerissene Grassode wieder darüber und legte noch einen kleinen Stein, der
dort einen Meter weiter rechts einfach herumlag (siehe das vorletzte Foto, auf "halb vier" der Bildmitte), darauf.
Eigentlich war damit mein Auftrag
schon erfüllt, aber als ich mich erhob, wurde mir klar, dass dies
nicht alles gewesen sein konnte.
Da ich aber auch kein religiöser
Mensch bin, verzichtete ich auf ein stummes Gebet am Grab und tat
stattdessen etwas, was ich noch nie zuvor in meinem Leben getan
hatte: ich nahm Haltung an und salutierte. 
Ich habe ein sehr
persönliches Problem mit jeder Form von Militarismus. Von der
Mitgliedschaft im grössten deutschen Camping- und Schützenverein wurde ich
glücklicherweise im Alter von 24 Jahren wegen meiner Hoplophobie
freigesprochen. Aber in diesem Moment erschien mir diese Art der
Ehrerweisung einfach richtig. (Das kommt aber nie wieder vor, versprochen!
)
Und dann konnte ich
es mir doch nicht verkneifen, beugte mich kurz zum Grab herunter und
flüsterte: «Herr Professor, die Steinlaus ist leider ausgestorben!» 
Schnell wieder
zurück in den Jeep, dann ging es auch schon weiter. Aber immerhin
kann ich nun hier im Forum berichten: «Mission ausgeführt!» Nicht so wie geplant, aber dennoch irgendwie im Sinne des Auftrags. 